BLKÖ:Klar, Alois

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Klapsia, Johann
Nächster>>>
Klar, Paul Alois
Band: 12 (1864), ab Seite: 11. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Alois Klar in der Wikipedia
GND-Eintrag: 101062206, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Klar, Alois|12|11|}}

Klar, Alois (Philolog, Humanist und Aesthetiker, geb. zu Auscha in Böhmen 25. April 1763, gest. zu Prag 25. März 1833). Besuchte die Gymnasialclassen zu Leitmeritz, bezog 1779 die Prager Hochschule, promovirte 31. August 1782 als Doctor der Philosophie, betrieb sofort bis 1786 philologische und theologische Studien und trat 10. August 1786 am k. k. Gymnasium zu Leitmeritz ein Lehramt an, nachdem er, längst verwaist, sein unbewegliches Erbgut zwei älteren Geschwistern geschenkt hatte. Seit 1787 Professor der Humanioren, entfaltete K. eine vielseitige, wissenschaftliche und pädagogische Thätigkeit, hielt durch volle 16 Jahre an Feiertagen religiös-sittliche Vorträge im Prüfungssaale der Leitmeritzer Stadtschule und versah von 1798–1805 auch das Amt eines Gymnasial-Katecheten daselbst. Magistrat, Consistorium, Kreisamt, Landesgubernium erkannten dankbar dieses Wirken und die Gemeinde ertheilte K. im Jahre 1801 das Leitmeritzer Ehrenbürgerrecht. Durch die im Jahre 18058 eingetretenen Reformen des Gymnasial-Lehrplanes aus seiner Stellung gerückt, empfing K. am 7. November 1806 das k. k. Decret als Professor der griechischen Philologie und classischen Literatur an der Karl Ferdinands-Universität zu Prag. Tietze, Bolzano, Meinert, später Dambeck, Hallaschka, Jandera, Knoll u. A. wurden hier K.’s Collegen. K., der Schule Winkelmann’s und Heyne’s entstammend, an Klopstock, Lessing und Herder herangebildet, ein Freund von Denis, Zeitgenosse Wieland’s, Goethe’s und Schiller’sSchiller’s, ein tief religiöser Verehrer der schönen Künste, war er auch ganz eigenthümlich in seiner, dem christlichen Princip entsprungenen oder demselben angepaßten Auffassungsweise des classischen Alterthums. Das Schöne und Große, was der Geist des Alterthums bot, sollte durch K. auch Früchte tragen [12] für das Leben, seine Zuhörer sollten dem Studium die ethische Seite abgewinnen, das Antike sollte ihnen immer auch das Sittliche sein. Diese Richtung war es, welcher K. folgte. In Leitmeritz hatte er gelehrt, indem er zugleich erbaute; in Prag trug er die Wissenschaft vor, um ihres moralischen Werthes willen. Auch hier fehlte es nicht an seinem persönlichen Beispiele. K. war 1807 einer der vier Gründer des Prager Blinden-Erziehungsinstitutes, verfaßte die Statuten der Anstalt, leitete das Erziehungswesen, lehrte selbst und stand 1825 als Director an der Spitze des Institutes. Mit dem Jahre 1811 eröffnete K. an der Universität seine declamatorischen Uebungen, sammelte und sichtete auch schriftliche Ausarbeitungen seiner Zuhörer in Versen und Prosa zur Herausgabe. Aus jenen in freien Stunden öffentlich abgehaltenen Declamatorien (die erst 1830 geschlossen wurden) entkeimte auch ein Werk der Wohlthätigkeit, indem K. den Ertrag einer Rede: „Ueber Declamation und declamatorische Uebungen“, in 2 Auflagen (Prag 1820, gr. 8°.) und jenen des ersten Theiles seiner: „Auswahl von Gedichten zu declamatorischen Uebungen“ (Prag 1822, n. A. 1829) der Prager Unterstützungsanstalt für dürftige Hörer der Philosophie widmete, zusammen einen Betrag von 1524 fl. 1 kr. K. war schon in Leitmeritz schriftstellerisch thätig und zwar für pädagogische Zwecke; von 1816 ab schrieb er für die Zeitschrift: „Der Schulfreund Böhmens“; den im Jahre 1826 verfaßten Nekrolog seines Vorgängers im Directorate des Blinden-Erziehungsinstitutes, Gub. Rath Ritter von Platzer, widmete er einem humanen Zwecke, und die Broschüre warf den Ertrag von 1298 fl. zur Begründung eines Blindenstiftungsplatzes für den Leitmeritzer Kreis ab. Eine andere Arbeit, und zwar der 1829 verfaßte „Messgesang“ fand einen so ungeahnten Absatz in den Diöcesen der Nähe und Ferne, daß mehr als 70.000 Exemplare davon, ebenfalls zu Gunsten jenes Blindenstiftungsplatzes, verkauft wurden. Solche humanitäre Strebungen suchte K. allmälig in größerem Maßstabe auszuführen. Mittelst der im Jahre 1829 vollendeten Herausgabe des zweiten Theiles der vorerwähnten: „Auswahl von Gedichten zu declamatorischen Uebungen“ schuf K. eine Künstlerstiftung, welche einen Jahresgenuß von 300 fl. gewährte, und deren erforderliches Capital bei K.’s Tode erst 4200 fl. betragend, nachmals von K. dem Sohne vollendet ward. Die vom 2. Jänner 1833 datirte Stiftungsurkunde wurde am 24. Juni 1834 von dem k. k. Landesgubernium bestätigt. Diese Klar’sche Künstlerstiftung (durch je drei Jahre) haben bisher genossen: Bildhauer Emanuel Max aus Bürgstein, Historienmaler Wilhelm Kandler [s. d. Bd. X, S. 429] aus Kratzau, Bildhauer Julius Melzer aus Bürgstein und gegenwärtig befindet sich der Bildhauer Wenzel Lewý aus Koßlan bei Plaß in deren Genusse. In den Bereich der außerakademischen Wirksamkeit K.’s fällt auch bereits seit dem Jahre 1821 die beabsichtigte Gründung einer Versorgungs-und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde in Böhmen. Zehn Jahre mit der Ausführung dieser, nun durch ihre Erfolge gekrönten Idee beschäftigt, gab K. 1831 die „Denkwürdigkeiten des Prager Privat-Blinden-Institutes“ im Drucke heraus, wovon zwei schnell auf einander folgende Auflagen der neuen Anstalt mit der Summe von 9637 fl. 50 kr. reichlich zu Statten kamen. Da sich gleichzeitig die [13] Choleraepidemie in Böhmen eingestellt, so publicirte K. ein darauf Bezug nehmendes „Gebet“ in beiden Landessprachen, von dessen kreuzerweisem Erlöse den armen Erzgebirgsbewohnern gleichwohl eine Unterstützung pr. 584 fl. C. M. zufloß. Es gelang K. mittlerweile, die Blinden-Versorgungsanstalt am 1. März 1832 feierlich zu stiften, und am 1. October d. J. mit fünf armen Blinden förmlich zu eröffnen. Die Sanctionirung der dießfälligen Statuten erfolgte durch Allerh. Entschließung vom 22. December 1832. K. bewarb sich noch um das emphyteutische Eigenthum des seit Jahrhunderten öde gelegenen Platzes nächst dem Hradschiner Thurme „Daliborka“, und verwandelte diesen Schutt- und Unrathswinkel auf eigene Kosten in eine liebliche Gartenanlage mit dem Wunsche, daß dieselbe den Blinden seiner Anstalt künftig als Erholungsort zugewendet werde – was K.’s Sohn und Witwe auch wirklich 1835 vollzogen. Der Prager Magistrat ertheilte K. in Ansehung seiner um das Vaterland und die leidende Menschheit erworbenen Verdienste das taxfreie Ehrenbürgerrecht der k. Hauptstadt Prag. In der von ihm gegründeten Anstalt errichtete K. für immerwährende Zeiten vier Blindenstiftungsplätze mit einem Bedeckungscapital von 8000 fl. K. hatte das Lehramt bis an seinen Tod versehen und als ihn dieser im Alter von 70 Jahren den Lebenden entriß, durch 45 Jahre dasselbe bekleidet. Von K.’s Werken (außer einigen akademischen Libellen bei Gelegenheit seines Decanates im Jahre 1821 und den bereits angeführten) sind noch zu nennen: „Die heiligen Apostel Jesu oder die göttliche Kraft und Wirkung des Christenthums“ (Prag 1814, gr. 8°.); – „Du sollst, betrachtet als Grundlage einer beseeligenden Selbstständigkeit“ (Prag 1820, 8°.), eine philosophische Erziehungsschrift; – „Wichtigkeit der griechischen Sprache für Bildung und Gelehrsamkeit in unseren Tagen“ (Prag 1808, 8°.); – „Ideen zur Errichtung einer Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde“ (bei der zweiten Auflage der Denkwürdigkeiten 1831); kleinere pädagogische, ascetische, kunstgeschichtliche und biographische Artikel aus K.’s Feder finden sich in Wilfling’s Kalender 1793 ff., in Parzizek’s Schulfreund 1818 ff., im Grätzer Aufmerksamen 1819, in der böhmisch-theolog. Zeitschrift 1828, in der Monatschrift des böhm. Museums 1829, in Benkert’s Religionsfreund 1830 und nach des Professors Tode in Jaksch’s Schullehrer-Kalender 1834. Seit 1800 war K. mit Rosine Schön, einer Großhändlerstochter aus Rumburg, vermält, aus welcher Ehe ein Sohn, Paul Alois K. [s. d. Folgenden] stammt.

Weinoldt (Franz), Denkwürdigkeiten aus dem Leben A. Klar’s (Prag 1835, 8°.). – Weinoldt (Franz), Krátká zpráva o životy a blahočinném působení A. Klara (w Praze 1834, 8°.). – Libussa. Taschenbuch, herausgegeben von Paul Alois Klar (Prag, Calve, Taschenbuchform.) Jahrg. 1848 [enthält Klar’s Biographie und Bildniß]. – Porträt. Vogel von Vogelstein del., W. C. Wrankmore sc. (8°., auch Exempl. in 4°. u. kl. Fol.). – Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen. Herausgegeben von dem Vereine für Numismatik zu Prag (Prag 1856 u. f., 4°.) S. 228, und Tafel XXIII, Nr. 185. – Medaille auf Alois Klar. Eine solche wurde auf ihn nach einer Zeichnung von Joseph Führich von dem Prager Graveur Joseph Lerch von Lerchenau ausgeführt. Avers: Brustbild. Am Abschnitte J.(oseph) V.(on) Lerch. Umschrift: ALOYSIUS KLAR BOHEMUS. Unter dem Brustbilde: NAT: (us) AUSCHAE |25. APR: (ilis) 1763 | OBIIT PRAGAE | 25. MAR: (tii) 1833. Revers: Allegorische Vorstellung des Todes. Umschrift: OPERA EIUS MANEBUNT. Es gibt [14] Exemplare in Silber (4 Loth schwer) und in Kupfer.