BLKÖ:Parzizek, Alexius Vincenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Parzízek, Joseph
Band: 21 (1870), ab Seite: 314. (Quelle)
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Parzizek, Alexius Vincenz (Schulmann, Fach- und geistlicher Schriftsteller, Musicus und Zeichner, geb. zu Prag 10. November 1748, gest. ebenda 15. April 1822). In čechischen Schriften erscheint er Pařizek geschrieben, was wie Parzizek ausgesprochen wird. P. war als Priester und Schulmann achtungswerth und einflußreich, und hat als doppelter Künstler, als Musicus und Zeichner, nicht Unbedeutendes geleistet. Er war der Sohn unbemittelter Eltern und erhielt in Jesuitenschulen seine humanistische Ausbildung. Zu Znaim in Mähren hörte er die Philosophie, zu Brünn und an der Prager Hochschule beendete er die theologischen Studien. Mit 17 Jahren trat er zu Leitmeritz in den Dominikanerorden. Nach erlangten Weihen blieb er mehrere Jahre im Kloster, wo er als Beichtvater und Bibliothekar beschäftigt ward. Nun kam er als Prediger nach Prag, wo er zugleich an dem im Jahre 1775 von der Kaiserin Maria Theresia zur Bildung tüchtiger geistlicher und weltlicher Lehrer neuerrichteten Muster-Institute die Vorträge über Pädagogik und Katechetik hörte. Nun kam er als Katechet an die Pfarrschule zu St. Aegyd, wo er sich bald als Lehrer so vortrefflich bewährte, daß er in gleicher Eigenschaft an die k. k. Normalschule übersetzt wurde. Dieser Dienst griff aber seine Gesundheit so stark an, daß er schon nach zwei Jahren seine Stelle niederlegen mußte. Genesen, erhielt er den Auftrag, die im Jahre 1783 in Klattau errichtete Hauptschule zu organisiren und die Direction derselben zu übernehmen. Hier wirkte er als Lehrer und Jugendfreund durch sieben Jahre in segensvoller Weise. Als während dieser Zeit der Dominikanerconvent zu Klattau, dem er angehörte, aufgehoben wurde, trat P. in den Weltpriesterstand über. Auf Empfehlung des berühmten Pädagogen, Bischof Kindermann von Schulstein [Bd. XI, S. 269], erhielt P. im Jahre 1790 die Directorstelle an der Prager Musterschule, in welcher Eigenschaft er durch drei Jahrzehende unermüdet Gutes und Nützliches gewirkt. In der Zwischenzeit wurde er, 1798, nach Wien zu der zur Ausarbeitung eines neuen Schulplanes aufgestellten Studiencommission berufen. Für sein rastloses und nutzbringendes Wirken wurde P. in mannigfacher Weise geehrt, so wurde er 1798 zum Ehrendomherrn des Leitmeritzer Domcapitels ernannt, wurde im J. 1802 Doctor der Theologie und Director des Privatwaisenhauses bei St. Johann der Täufer in Prag, im Jahre 1811 Decan der theologischen Facultät, im folgenden Jahre erhielt er eine jährliche Gehaltszulage, wurde im Jahre 1816 zum Gebrauche der Infel und bald darauf zum Tragen des goldenen Pontificalkreuzes sammt Kette berechtigt. Als Pädagog, sowohl praktisch als Schulmann wie als Fachschriftsteller, entfaltete P. eine nachhaltige und fast großartige Wirksamkeit. In Betreff seiner zahlreichen, in deutscher und čechischer Sprache – in welch letztere sie von J. Hybl, Fr. A. Vacek, Kaspar Widtmann, Johann Rulik u. A. übersetzt, aber auch von Parzizek selbst in derselben [315] verfaßt wurden – erschienenen Schriften wird auf Christian Gottlob Kayser’s „Vollständiges Bücher-Lexikon“ (Leipzig 1834, Schumann, 4°.) Bd. IX, S. 301 u. S. 302, und auf Franz Doucha’s „Knihopisny slovník česko-slovenský“ (Prag 1864, I. L. Kober, 4°.), S. 168, gewiesen. Aus der großen Zahl derselben sind hervorzuheben: „Versuch einer Geschichte Böhmens für den Bürger, nebst Erdbeschreibung dieses Landes“ (Prag 1781, 8°.); – „Kurzgefasste Naturgeschichte Böhmens ...“ (Prag 1784, 8°.); – „Skizze eines rechtschaffenen Schulmannes für angehende Schullehrer“ (Prag 1791; zweite Aufl. 1808, 8°.); – „Ueber Lehrmethode in den Volkschulen. Nebst einem Anhange von Präparanden-Unterricht für Musterlehrer“ (Prag 1797 und noch öfter, 1801, 1810); – „Beschreibung der am 15. November 1800 gehaltenen Jubelfeier der Normalschule in Prag“ (Prag 1800, 8°.). – „Legende der Menschenliebe u. s. w.“ (Prag 1810, 8°.); – „Christliche Tugendschule für Kinder ...“ (Prag 1811, 8°.); – „Biblische Darstellungen der gegenwärtigen Zeitereignisse“ (Prag 1814, 8°.); – „Ueber Eigenliebe und Selbstsucht“ (Prag 1815, 8°.); – „Leitfaden der Vorlesungen über die Katechetik mit der Pädagogik und Methodik verbunden“ (Prag 1816, 8°.); – „Aphorismen und Lebensregeln für die austretende reifere Schuljugend“ (Prag 1821, 8°.); den Rest bilden katechetische Lehrbücher, Exhorten, Gebetbücher für Jung und Alt, von denen ein großer Theil wiederholte, ja einige fünf bis sechs Auflagen erlebten. Auch redigirte er längere Zeit das pädagogische Journal: „Der Schulfreund Böhmens“. – Nicht minder erheblich ist seine Wirksamkeit im Gebiete der Musik. Schon als er im Jahre 1775 in sein Kloster nach Gabel kam, verbesserte er daselbst die Orgel der Ordenskirche; als er dann nach Prag berufen wurde, nahm er bei dem berühmten Segert Unterricht in der Composition und während seiner Wirksamkeit als Katechet, wie auch später als Director in Klattau that er Alles, um bei der Jugend den Sinn für die Tonkunst zu wecken und zu fördern. Er selbst war ein gewandter und fleißiger Componist und von seinen Compositionen sind bekannt: zwei große solenne Messen, beide im Jahre 1806 bei Polt in Prag gedruckt, zwei kleine Messen und eine Missa solennis in D pro omni tempori für ganzes Orchester; ferner 4 Offertorien, 2 O Salutaris, 1 Salve Regina, 2 Litaneien, 3 Cantaten mit deutschem Texte, 1 Symphonie, 1 Notturno mit Harmoniemusik, die 4 Jahreszeiten, unter seiner eigenen Leitung am 17. Juli 1800 im Prüfungssaale der k. k. Normalschule in Prag aufgeführt, 1 Offertorium solenne, dann mehrere Kirchengesänge und einige Lieder für das Pianoforte. – Und endlich war er, wie auch schon bemerkt worden, ein geschickter Zeichner; die Vignetten zu seinen verschiedenen Werken hat er sämmtlich selbst gezeichnet, hat auch mehrere Bilder in Oel ausgeführt, von denen sich die meisten im Privatbesitze befinden, und nach seinen Zeichnungen haben W. Berger, J. Berka, Ant. Hertzinger, W. Meyer, F. K. Wolf und Andere mehrere Blätter gestochen, u. a.: „Schloss Obrzistwy vom Aufgange“, W. Berger fec. (1796, 4°.); – „Dasselbe vom Niedergange“ (1801, 4°.); – „Das Schloss Beczwarcz“ (1800, 4°.); – „Kunieticz“, die letztgenannten drei Blätter Berger sc. bezeichnet (1801, 4°.); – „Ledecz vom Süden“, W. Meyer fec. (1801, 4°.); – „Das Schloss Klenau“, F. K. Wolf sc. (1801, 4°.]. – „Das Schloss Humpoletz“, A. Herzinger sc. (1807, 4°.); – „Das Stift Sedlecz“, J. Berka sc. [316] (1807, 4°.). Eine zahlreiche, aus Gypsabgüssen bestehende Münz- und Medaillensammlung, welche P. selbst verfertigt, hatte er wenige Jahre vor seinem Tode dem böhmischen Museum verehrt. P. stand mit den ausgezeichnetsten Pädagogen des Auslandes in brieflichem Verkehre und stand bei diesen als Pädagog in nicht geringem Ansehen. Röckel in seiner im Jahre 1808 in Dillingen herausgegebenen „Pädagogischen Reise durch Deutschland“ hat von P. dem Menschen und Schulmann eine treffliche Charakteristik entworfen. P., als er im Alter von 74 Jahren als Nestor der Pädagogen Böhmens starb, hinterließ das Andenken eines edlen Kinderfreundes und eines Schulmannes, der durch beinahe ein halbes Jahrhundert zum Wohle seines Vaterlandes in der segensvollsten und liebreichsten Weise gewirkt. Der Nekrolog in Hormayr’s „Archiv“ aber bemerkt, damit diesem lichtvollen Bilde es nicht auch an Schatten fehle: „sowie im Leben jedes ausgezeichneten Menschen, Haß, Neid, Verfolgungsgeist und all das verworfene Gesinde ihres Gefolges ihre schändliche Rolle spielen, so fehlte diese entwürdigende Erscheinung auch nicht in Parzizek’s Leben. Er verdiente einen tüchtigen Biographen, damit es ein heller Spiegel für Priester und Schulmänner werde“.

Stepanek (Jan), Život a smrt J. D. P. A. Pařizka, cis. kral. reditele hlavni vzorni skoly v Praze (Prag 1823, 8°.). – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1823, Nr. 35: „Nekrologe verdienter Böhmen“ – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1817, S. 25. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 158; Bd. VI, S. 573 [nach dieser wäre P. im Jahre 1823 gestorben, was jedoch unrichtig ist, da er im Jahre 1822 starb]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. II, S. 738. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 426. – Gerber (Ernst Ludw.), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 659. – Jungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 606. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Frz. Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 111, Nr. 1.