BLKÖ:Rulik, Johann Nepomuk Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 27 (1874), ab Seite: 253. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1089238320, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rulik, Johann Nepomuk Joseph|27|253|}}

Rulik, Johann Nepomuk Joseph (Tonsetzer und Schriftsteller, geb. zu Žleb in Böhmen 20. Februar 1744, gest. zu Prag 6. Juni 1812). In seinem Geburtsorte erhielt er den ersten Schulunterricht und im Kloster zu Selowitz, in welchem er als Sängerknabe Aufnahme gefunden, lernte er singen. Nachdem er die vier Gymnasialclassen beendet, ging er nach Prag, um seine Studien fortzusehen und wurde im Neustädter Jesuitenseminar als Musicus aufgenommen. Daselbst beendete er die Humanitätsclassen, hörte die philosophischen Studien, und Homiletik, letztere, weil er sich mit der Absicht trug, in den geistlichen Stand zu treten. Aber nach einiger Zeit gab er diese Absicht auf und beschloß, sich ausschließlich der Musik zu widmen. Er erhielt nun eine Anstellung als Sänger und Violinspieler zuerst auf dem Karlshofe und bei St. Stephan, wurde später Chorregens an der Jesuitenkirche zum h. Ignaz in der Prager Neustadt, endlich im Jahre 1776 – nachdem er das Jahr zuvor das Prager Bürgerrecht erlangt – Choralsänger und Violinspieler an der Prager Metropolitankirche, in welcher Stellung er bis an seinen Tod verblieb. Gräffer und wohl nach ihm die verschiedenen musikalischen Lexika wissen von seinen zahlreichen und „geschätzten“ Compositionen zu erzählen. Der „Slovník naučný“, der seine literarische Wirksamkeit im Detail verzeichnet, berichtet darüber nichts Näheres; immerhin mag es nicht zu bezweifeln sein, daß R. auf diesem, ihm als Böhmen besonders nahe liegenden Felde nicht unthätig geblieben. Aber weitaus thätiger war R. als Literator wie als Musicus und hat als Ersterer eine Fluth jetzt meist vergessener Schriften hinterlassen, die aber zu seiner Zeit als Versuche, den erstorbenen Sinn für die Muttersprache zu beleben und den Nationalgeist zu wecken, nicht unwirksam geblieben und als solche zum Theile noch heute wenn nicht Beachtung, so doch Erwähnung verdienen. R. war durch seinen Umgang mit den Stimmführern seiner Nation, mit Chladek, Pelzel, Prochaska, Thomsa, Gebrüder Tham[WS 1], Unger, Vydra, vornehmlich [254] aber mit Wenzeslaus Mathias Kramerius [Bd. XIII, S. 119] auf das literarische Gebiet geleitet worden. Des Letzteren Freund bis zu dessen 1808 erfolgtem Tode, half er ihm bei der Redaction der „Vlastenské noviny“ aus, während wieder Kramerius mehrere Schriften Rulik’s in Verlag nahm. Was nun diese letzteren betrifft, so erheben sie sich zu der stattlichen Zahl von 44, darunter einige mehrbändige und mehrere in wiederholten Auflagen. Sie besitzen keinen literarischen, geschweige wissenschaftlichen Werth, aber sie entsprachen ihrem Zwecke: dem čechischen Volke Lesestoff in der Nationalsprache in andachtlicher, historischer, biographischer und anderer Richtung, wie auch jene Hilfsbücher zu geben, die zum Verständnisse anderer, ernstlicher angelegter čechischer Werke nöthig waren. Viele von Rulik’s Schriften sind Uebersetzungen aus dem Deutschen, aus welcher Sprache die böhmische Nation noch heute die Quellen schöpft, ihre nationale Literatur einigermaßen im Flusse zu erhalten. Hier folgt aus der oben angegebenen Zahl nur eine Auswahl der wichtigeren oder solcher Schriften, welche die Richtung, in der Rulik für sein Volk literarisch thätig gewesen, leicht kennzeichnen. Es sind: „Život sv. Jana Nepomuckého ...“, d. i. Leben des h. Johann Nepomuk (Prag 1779, 8°.), Festschrift zur 50jährigen Gedächtnißfeier seiner Heiligsprechung; – „Kalendář historický na rok 1789 ....“, d. i. Historischer Kalender auf das Jahr 1789 (Prag, bei Thomas Höchenberger); – „Sláva a výbornost jazyka českého“, d. i. Ruhm und Vortrefflichkeit der čechischen Sprache (ebd. 1792, 8°.), Uebersetzung; – „Ortel, smrt a kšaft Ludvika XVI.“, d. i. Urtheil, Tod und Testament Ludwig XVI. (ebd. 1793, 8°.), Uebersetzung aus dem Französischen; – „Kalendář historický obsahující krátké poznamenáni všech proměn, příběhů, válek a t. d. ... jak v král. českém tak i na díle v jiných národech a zemích zběhlých“, d. i. Historischer Kalender, enthaltend kurze Angaben aller Veränderungen, Begebenheiten, Kriege u. s. w., sowohl im Königreiche Böhmen, als bei anderen Völkern u. s. w., 1.–5. Bd. (Prag 1797–1806, 8°.), mit Register); – „Česta z Moskvy do Činy kterouž r. 1693 s ruským vyslancem Isbradem skrze krajiny Ustiku, Taursko a Mongolskou Tatarii ... vykonal Jiří z Dráhová“, d. i. Reise von Moskau nach China, welche im Jahre 1693 mit dem russischen Botschafter durch Taurien und die mongolische Tartarei Georg von Drahow gemacht hat (Prag 1800, 8°.), Uebersetzung aus dem Lateinischen; – „Česta Pia VI. Římského Papeže z Říma do Vidně“, d. i.. Reise Pius VI., römischen Papstes, aus Rom nach Wien (ebd. 1803, 8°.); – „Gallerie aneb vyobrazení nejslovútnejších a nejznamenitějších osob země české“, d. i. Gallerie oder Darstellung der berühmtesten und bekanntesten Personen des Böhmerlandes. Bd. 1–4 (ebd. 1803–1810, 8°.), nach dem Deutschen des Dr. Jos. Schiffner; – „Hora Svatá anebo historické vypsáni Hory Svate“, d. i. Der heilige Berg oder historische Beschreibung des heiligen Berges (Prag 1804 u. dann noch öfter, zuletzt 1856 zu Neuhaus, bei Landfras, 12°.); – „Náležíte vypsání hrobů královských a knížecích v kostele Pražskem sv. Vita ...“, d. i. Genaue Beschreibung der königlichen und fürstlichen Gräber in der Prager H. Veitskirche (Prag 1804); – „Historické vypsání rodu panův Krušinův z Švamberka“, d. i. Historische Beschreibung des Geschlechtes [255] der Herren Krusin von Schwamberg (ebd. 1806, 8°.); – „Památky starožitného města královského Českého Brodu“, d. i. Memorabilien der alten königl. Stadt Böhmisch-Brod (ebd. 1808); – „Památky kláštera Sedleckého“, d. i. Memorabilien des Klosters Sedlec (Kuttenberg 1807); – „Historické vypsání obzvláštních míst milostných v království českém“, d. i. Historische Beschreibung der besonders schönen Städte im Königreiche Böhmen (Prag 1807, 8°.), gleichfalls nach dem Deutschen des Dr. Jos. Schiffner; – „Zivot sv. Gottharda biskupa hildesheimského ....“, d. i. Leben des h. Gotthard, Bischofs von Hildesheim, Schutzheiligen der Stadt Böhmisch-Brod (ebd. 1808); – „Kronika nová o národu tureckém ... podlé historie Jana Kocina a Dan. Adama z Veleslavína“, d. i. Neue Chronik von dem türkischen Volke, nach der Geschichte des Johann Kocin und Daniel Adam von Veleslavin, 2 Theile (Prag 1809 u. 1810, 8°.); – „Historie Turrecka ...“, d. i. Türkische Geschichte u. dgl. m. (Prag 1809, 8°.). Wer sich über die bibliographischen Titel der sämmtlichen Schriften Rulik’s unterrichten will, der sei auf den von Franz Doucha mit Unterstützung von Jos. Al. Dunder und Franz Aug. Urbanek zusammengestellten Katalog čechisch-slavischer Bücher (Knihopisný slovník česko slovensky) (Prag 1865, Kober, Lex. 8°.) S. 213 u. 214, gewiesen.

Der böhmische Wandersmann, ein Begleiter der Prager neuen Zeitung, Bd. II, 17. März 1802 , S. 86, 87. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 605. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 737. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortges. von Ed. Bernsdorf (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. III, S. 400. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1869, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. VII, S. 802. – Jungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 622.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Karl Ignaz und Wenzel Tham.