BLKÖ:Schiffner, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Schiffmann, Jost
Band: 29 (1875), ab Seite: 298. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Joseph Schiffner in Wikidata
GND-Eintrag: 1053511973, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schiffner, Joseph|29|298|}}

Schiffner, Joseph (Schriftsteller, geb. in Böhmen um 1760, gest. zu Prag um das Jahr 1818). Ueber seine Lebensumstände weiß die unten bezeichnete Quelle sonst nichts zu erwähnen, als daß S. in großer Armuth und Verkommenheit gestorben ist. Sein schriftstellerischer Nachlaß gelangte, als S. gestorben, in Besitz eines Prager Kaufmanns, Namens Blech, auf der Kleinseite. Was später damit geschah, ist nicht bekannt. Die Titel der von S. herausgegebenen Schriften sind: „Historisch-chronologische Lebensbeschreibung böhmischer Landespatrone“. Mit 37 K. K., 3 Bde. (Prag 1801, Buchler, 8°.); – „Das Riesengebirge und sein vorgeblicher Bewohner Rübezahl. Nebst Beschreibung des Zustandes der Bewohner des Innern im Riesengebirge“ (ebd. 1805, 8°.); – „Gallerie der interessantesten und merkwürdigsten Personen Böhmens“, 5 Theile, jeder Theil mit einem Titelkupfer (Prag 1804–1808, 8°.). Der erste Band enthält Nachrichten und Biographien über Libussa, Wlasta, über die Gottheiten und Helden der alten Slaven (Peron, Swantowit, Radagast u. A.), über Hostiwit, Drahomira, Brzetislaw und den Geschichtschreiber Kosmas; der 2. Band: über das Kloster Sedletz, Przemysl Ottocar, Zawisch von Rosenberg, König Wenzel II., Jaroslaw von Sternberg, Johann Genstein, dritten Erzbischof von Prag, und über die Burg Karlstein; der 3. Band: über Johann Huß, Magister Hieronymus, Johann Trocznow, genannt Ziska, Prokop den Größeren, Georg Podiebrad, Johann Rokyczana; der 4. Band: über Georg Popel von Lobkowitz, den Prager weißen und schwarzen Thurm (letzterer Daliborka genannt). Königin Anna, Gemalin Ferdinand’s I., Prichta von Rosenberg, Wenzel Hayek von Liboczan, Wenzel Wratislaw Freiherr von Mitrowitz, Bohuslaw Lobkowitz von Hasenstein; der 5. Band: über Wilhelm Grafen von Slawata, Christoph Harant [299] von Pollschitz, Albert Wallenstein, Georg Plachy, Mathias Gallas, Franz Anton Graf Spork, über die Turniere, das Kriegswesen und die Juden in Böhmen; dieses Werk S.’s wurde von Johann Rulik [Bd. XXVII, S. 253] in den Jahren 1803–1810 in’s Čechische übersetzt; – „Denkwürdigkeiten der Natur und Kunst“ (ebd. 1808), befindet sich auch als Anhang der vorgenannten „Gallerie“ beigefügt; – „Allgemeiner historischer Kalender über jene wichtigen und interessanten Begebenheiten, die sich auf jeden Tag des Jahres von den spätesten bis auf gegenwärtige Zeiten beziehen“ (Prag 1812); – „Neuere Geschichte der Böhmen von der Thronbesteigung Kaiser Joseph’s II. bis zum Frieden von Paris. Als Fortsetzung von Pelzel’s Geschichte von Böhmen“ (Prag 1815, Enders, 8°.); – „Historische Nachrichten von verschiedenen seltenen Denkwürdigkeiten des Königreichs Böhmen“ (Prag 1816, Vetterl, 8°.). Noch eine Schrift Schiffner’s erscheint in čechischer Uebersetzung von J. Rulik, nämlich: „Historické vypsání obzvláštních míst milostných v králoství českém“, d. i. Geschichtliche Beschreibung besonders lieblicher Gegenden im Königreiche Böhmen (Prag 1807, Diesbach, 8°.), deren deutschen Titel ich nicht auffinden konnte, es wäre denn darunter das oberwähnte Schriftchen: „Denkwürdigkeiten der Natur und Kunst“ gemeint. – Ein Emanuel Schiffner (geb. 20. September 1763, gest. 14. Februar 1833), vielleicht ein Bruder des Vorigen, war Geistlicher, als Caplan in verschiedenen Orten in der Seelsorge thätig, dann Pfarrer zu Zbraslaw, als welcher er im Alter von 70 Jahren starb. Er war Doctor der Philosophie, in der Literatur, vornehmlich in der französischen, sehr bewandert, besaß eine reiche Bibliothek, in welcher besonders die Bohemica gut vertreten waren. Im Drucke erschien von ihm: „Život šv. Otilie“, d. i. Das Leben der h. Ottilie (Prag 1818, Vetterte, 8°.).

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. VIII, S. 314, Nr. 2.