BLKÖ:Sternberg, Jaroslaw von (gest. 1277)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 38 (1879), ab Seite: 274. (Quelle)
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16. Jaroslaw (gest. 1277), ein Sohn Zdislaws, wenn die Stammfolge auf der ersten Stammtafel historisch unanfechtbar wäre. Jedenfalls [275] lebte er im 13. Jahrhunderte und sein Ruhm als Tatarenbesieger lebt bis heute fort. Die Horden des Mongolen-Khans Temudschin[WS 1] (gest. 1227) und seines Sohnes Oktay[WS 2] (gest. 1241) hatten, nachdem sie Asien bezwungen, ihren Zug nach Europa genommen. Unter Anführung Batu’s[WS 3], eines Neffen Oktay’s, hatten sie mit einem Heere, das eine halbe Million Streiter zählte, Rußland überschwemmt und waren über Polen bis an die deutsche Grenze gerückt. Nun theilte Batu seine Krieger in zwei Heere, während er mit dem einen selbst nach Ungarn aufbrach, übergab er die Führung des zweiten seinem Feldherrn Peta, welcher Schlesien, Mähren und Böhmen unterjochen sollte. König Wenzel Ottakar von Böhmen traf die umfassendsten Vertheidigungsmaßregeln, und stellte sich den Horden mit seinem Heere bei Glatz entgegen. Diese aber wichen dem Kampfe mit einem wohlgeordneten und auf großen Widerstand vorbereiteten Heere aus und wandten sich plötzlich nach Mähren, wo sie minderen Widerstand zu finden vermeinten. Jaroslaw von Sternberg hatte von seinem Könige den Auftrag erhalten, Mähren zu schützen. Mit einem Heere, das 8000 Krieger zählte, aber auf seinem Durchzuge durch die Landesbewohner ansehnlich verstärkt ward, zog er aus Böhmen aus, legte in die festen Oerter des Landes Besatzungen und warf sich selbst mit etwa 12.000 Mann in die Hauptstadt Olmütz, welche dem ersten Anfalle ausgesetzt war. Indessen mordeten, sengten, verbrannten und verwüsteten die Mongolen das Land, wo sie einfielen; sie fanden gerinnen Widerstand, denn Alles im flachen Lande floh vor ihnen in die festen Burgen und Schlösser oder in die Wälder und schwer zugänglichen Felsgebirge. Peta wurde immer zuversichtlicher, nur der Widerstand Jaroslaws in Olmütz, der den Sturm der Mongolenhorden wiederholt abgeschlagen hatte, reizte den Mongolen-Feldherrn. Da aber Jaroslaw es sorgsam vermied, sich in eine offene Feldschlacht einzulassen – denn mit seinem wenige Tausende zählenden Heere war er ja gegen die zahllosen Horden der Mongolen sicherer Vernichtung preisgegeben – so hielt er dieses Vermeiden eines Kampfes für Feigheit und sengte, brannte und verwüstete nur um so übermüthiger und sorgloser. Auf diese Sorglosigkeit, die sich im Lager des Tataren-Feldherrn nur zu bald zeigte, hatte aber Jaroslaw gerechnet und seinen Plan entworfen. Nur noch auf eine ihm bestimmt zugesagte Verstärkung seines Heeres hatte er gewartet, länger aber konnte er den Rachedurst seiner Krieger, welche durch die Verwüstungen der Mongolen auf das höchste gereizt waren, nicht zügeln. Als nun die Verstärkung eintraf, fiel Jaroslaw am 25., n. A. am 24. Juni 1241 vor Tagesanbruch in das kaum bewachte Tatarenlager und metzelte in Haufen die Mongolen nieder. Als sich der Mongolen-Feldherr Peta mit den in dieser Verwirrung gesammelten Haufen den mährischen Kämpfern zu neuem, um so mehr erbittertem Kampfe aufraffte und der Ausgang des Kampfes zweifelhaft zu werden drohte, warf sich Jaroslaw selbst dem Mongolen-Führer entgegen und spaltete ihn mit einem starken Hiebe vom Kopfe bis an die Hüfte. Der Fall ihres Feldherrn machte die Mongolen mit einem Male so verzagt, daß sie sich schleunigst zur Flucht wandten und bald war das Land Mähren von seinen Bedrängern befreit. Das ist die berühmte Schlacht am Berge Hostein bei Olmütz, in welcher Jaroslaw von Sternberg 397 Jahre früher als der ihm im Geiste ganz und im Namen so nahe verwandte Ernst Rüdiger von Starhemberg (Sternberg – Starhemberg) die Mongolen mit dem Schwerte in der Hand aus den Culturländern Europa’s hinauswarf. Merkwürdiger Weise gedenken die Historiker des Auslandes dieser That Jaroslaws, dieses Sieges über die Mongolen bei Hostein nicht! An heimischen Quellen darüber fehlt es nicht, Klosterchroniken von Hradisch, Obrowitz, Trebitsch und andere von Dubravius, Pessina, Pubitschka benützt, berichten darüber, ohne des Heldengesanges „Jaroslaw“ in der noch immer in ihrer Echtheit angezweifelten Königinhofer Handschrift[WS 4] zu gedenken. König Wenzel lohnte die Verdienste des tapferen Helden, indem er Jaroslaw zum Landeshauptmanne von Mähren ernannte, wonach also Jaroslaw als der erste Träger dieser Würde im Lande Mähren erscheint. Er behielt sie aber nur bis zum Jahre 1248, worauf ihm Herzog Ulrich von Kärnten in derselben folgte. Der König schenkte das Schlachtfeld, auf welchem das Mongolenheer vernichtet worden, dem Sieger und Jaroslaw erbaute auf demselben das Schloß Sternberg, neben welchem später die Stadt Sternberg entstand; auch verlieh ihm der König das Recht, einen [276] Herzogshut zu tragen. Jaroslaw soll im Jahre 1277 in Prag gestorben sein und wurde daselbst in der Klosterkirche der Clarissinen zu St. Agnes begraben. Bei der Aufhebung des Klosters unter Kaiser Joseph II. fungirte ein Nachkomme Jaroslaws, ein Graf Sternberg, als Aufhebungs-Commissär. Die gräfliche Familie von Steinberg gelangte später in den Besitz dieses denkwürdigen Grabsteines und ließ ihn auf ihre Familienherrschaft Zasmuk überführen und dort in der Kirche aufstellen. Der Grabstein zeigt den berühmten Mongolenbesieger in leichter altböhmischer Rüstung mit dem Herzogs- (Markgrafen-) Hute auf dem Haupte, mit beiden Händen ein mit dem Wappensterne bezeichnetes Schild haltend. Von diesem historisch-denkwürdigen Grabdenkmal soll auch eine – jetzt sehr seltene – Abbildung vorhanden sein, welche nach einer Zeichnung Karl Skreta’s der Prager Kupferstecher Daniel Wussin (Wusyn) gestochen hat. Jaroslaw von Sternberg soll auch nach seiner Erhebung zum Landeshauptmann Mährens das bisherige Wappen der Sternberg, einen rothen, sechseckigen Stern im blauen Felde, verändert und einen goldenen achteckigen Stern im blauen Felde angenommen haben. [Cornova (Ignaz), Jaroslaw von Sternberg, der Sieger der Tataren (Prag 1813, 8°.). – Eckardt (Friedrich von), Leben des Jaroslaw von Sternberg und des Zdenko von Sternberg (Prag 1786, 8°.). – Schiffner (Joseph), Gallerie der interessantesten und merkwürdigsten Personen Böhmens u. s. w. (Prag 1802, Joh. Buchler, 8°.) Bd. II, S. 159–188. – Illustrirte Chronik von Böhmen. Ein geschichtliches Nationalwerk u. s. w. (Prag 1854, C. Vetterl, gr. 8°.) Bd. II, S. 369 u. f.: [Jaroslaw von Sternberg der Mongolenbesieger“.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Dschingis Khan (Wikipedia).
  2. Ögedei Khan (Wikipedia).
  3. Batu Khan (Wikipedia).
  4. Königinhofer Handschrift (Wikipedia).