BLKÖ:Wydra, Stanislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 39. (Quelle)
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Wydra, Stanislaus (Mathematiker, geb. zu Königgrätz 13. November 1741, gest. in Prag 3. December 1804). Nachdem er im Elternhause den ersten Unterricht genossen hatte, kam er 1750 auf das Königgrätzer Gymnasium, das damals unter der Leitung der Jesuiten stand. Nach beendetem Gymnasium trat er 1757 in den Jesuitenorden, verlebte das Novizenjahr im Collegium zu Brünn und wurde dann von seinen Oberen nach Klattau geschickt, wo er 1758 und 1759 sich vornehmlich in den classischen Sprachen, Geschichte und Geographie ausbildete. Darauf hörte er am Clementinum in Prag philosophische Disciplinen, pflegte mit großem Eifer das Studium der deutschen, französischen und seiner Muttersprache, in welcher er sich mit der Geschichte und Literatur derselben bekannt machte. Im Jahre 1764 trieb er mit großer Vorliebe und solchem Erfolge das Studium der Mathematik und Physik, daß er die Aufmerksamkeit des damaligen Directors der Prager Sternwarte Joseph Stepling [Band XXXVIII, S. 227] auf sich zog, dem er auch 1766 als Adjunct beigegeben wurde, in welcher Stellung er vier Jahre verblieb, während deren er die theologischen Studien beendete. 1769 erhielt er die höheren Weihen, verbrachte das Jahr 1770 im Collegium zu Gitschin, wo er dem Studium der höheren theologischen Wissenschaften, der Satzungen und des Geistes seines Ordens oblag, bis er zur Aushilfe des alternden Pfarrers in Vilimov in die Seelsorge geschickt wurde, in der er 1771 und 1772 thätig war. Als dann im letzteren Jahre die Lehrkanzel der Mathematik an der Prager Hochschule zur Erledigung kam, wurde er an dieselbe berufen und erlangte auch in dieser Zeit die philosophische Doctorwürde. [40] In seinem Lehramte bewährte er sich so tüchtig, daß er auch nach Aufhebung seines Ordens 1772 in seiner Stellung belassen ward, in welcher er bis zu seiner 1803 erfolgten völligen Erblindung blieb. Ueber 30 Jahre hatte er seines Lehramtes gewaltet, nur noch kurze Zeit war ihm zur Ruhe gegönnt, da er schon Ende 1804, in den letzten Monaten von einer täglich sich steigernden Schwäche befallen, seinem Leiden erlag. Wydra war als Schriftsteller vorherrschend in seinem Fache, aber auch in anderen Disciplinen thätig, wie es seine daneben angeführten Werke bezeugen. Als Lehrer vorzüglich und seines klaren, leichtverständlichen und anregenden Vortrages wegen allgemein gerühmt, hat er während seiner pädagogischen Laufbahn über 10.000 Schüler in der Mathematik und den ihr verwandten Wissenszweigen herangebildet, und finden wir unter seinen Schülern Namen, die in den genannten Wissenschaften glänzen, wie Thaddäus Haenke [Bd. VII, S. 478], L. Jandera [Bd. X, S. 66[WS 1]], der seinem Lehrer bei Aufstellung des Brustbildes desselben in der Prager Universitätsbibliothek die Denkrede gehalten; A. Bittner [Bd. I, S. 414), Jos. Havle [Band VIII, S. 97], beide Gerstner[WS 2] [Bd. V, S. 160 u. f.]. Sein Interesse für die mathematischen Wissenschaften machte ihn nicht, wie das bei Männern dieses Faches so häufig der Fall, theilnahmslos und gleichgiltig gegen andere Wissenszweige; im Gegentheil er unterhielt lebhaften Verkehr mit den Gelehrten seines Vaterlandes, welche auch andere Wissenschaften pflegten, wie Hnevkovsky, Jungmann, A. Marek, die Gebrüder Nejedli[WS 3], J. Rulik, Parižek, Rautenkranz, Ziegler, und war, wie seine Epigramme und seine Biographie Balbin’s bezeugen, auch in nichtmathematischen Gebieten schriftstellerisch thätig. Ein besonderes Verdienst Wydra’s besteht aber noch darin, daß er die Uebertragung von Lehrbüchern der Mathematik und ihrer Nebenwissenschaften, welche bisher nur in der lateinischen Sprache vorgetragen wurden, in die deutsche Sprache übernahm und diese im Hinblick auf die technischen Ausdrücke nicht eben leichte Aufgabe mit ebenso großem Verständniß als Glück löste. Die Titel seiner Schriften sind in chronologischer Folge: „Primae calculi differentialis et integralis notiones“ (Pragae 1774, 8°.), wurde 1783 wieder unter dem Titel: „Elementa calculi differentialis et integralis“ herausgegeben; – „Adnotationes in regulas arithmeticorum, quas regula aurea ingreditur“ (ib. 1774, 8°.); – „Supplementum tractatus de sectionibus conicis“ (ib. 1774, 8°.); – „Historia matheseos in Bohemis et Moravia cultae, conscripta bono auditorum suorum“ (ib. 1776); – „Laudatio funebris Josephi Stepling coram senatu populoque academico in basilica s. Salvatoris dicta“ (ib. 1778, 8°.).; – „Vita admodum rev. ac magn. Jos. Stepling... Adjectae sunt nonnullae virorum celeberrimorum datae ad Steplingium et Steplingii epistolae“ (ib. 1779, 8°.); – „Oratio ad monumentum a M. Theresia Aug. Josepho Stepling in Bibliotheca Clementina erectum a. 1780, mense Julio habita“ (ib. 1780, 8°.); – „Oratio funebris, dum alma Sodalis latina major B. Mariae Virginis ab Archangelo salutae Pragae piis sorosum manibus parentaret“ (ib. 1780); –„Leben Alois Balbin’s der Gesellschaft Jesu in Königgrätz aus Böhmen“ (Prag 1788); – „Kázaní v chrámu P. sw. Panny Markety w [41] Břewnowě“, d. i. Predigt in der Kirche der h. Margaretha von Břewniow (ebd. 1793); – „Sätze aus der Mechanik, welche den Hörern der angewandten Mathematik vorzutragen pflegt...“ (ebenda 1795); – „Kázaní na den s. prwomucedlnika Stepana...“, d. i. Predigt am Tage des h. ersten Märtyrers Stephan (ebd. 1796, 8°.); – „Kázaní v chrámu P. s. mucedlnika Hastala“, d. i. Predigt in der Kirche des h. Märtyrers Castulus (ebd. 1798); – „Svazek kázaní svatečnych které v rozličných místech, zvláště v slavných městech Pražskich činil“, d. i. Ein Heft Feiertagspredigten, welche an verschiedenen Orten, namentlich in der berühmten alten Stadt Prag, gehalten... (ebd. 1799); – „Oratio cum Aug. Caesaris Regnique Francisci II. Carolo Ferdinandea Universitas natalem diem... celebraret“ (ebd. 1800); – „Počátkové aritmetiky“, d. i. Anfangsgründe der Arithmetik (ebd. 1806), nach Wydra’s Tode von Lad. Jandera herausgegeben. Ueberdies veröffentlichte er 1773–1784 alle Jahre zwei bis drei Stück „Tentamina ex Mathesi pura et applicata“. Die philosophische Facultät der Prager Universität ließ, um sein Andenken zu ehren, im Jahre 1814 in der Bibliothek seine Büste mit einer entsprechenden Inschrift (siehe daneben) aufstellen.

Časopis pro pěstování Matematiky a fisiky. Rediguljí Dr. F. J. Studnička, d. i. Zeitschrift zur Pflege der Mathematik und Physik. Redigirt von Dr. F. J. Studnička (Prag. 8°.) I. Jahrg. (1872) S. 1 und 49: „Stanislav Vydra“. – Poggendorff (J. C.). Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften u. s. w. (Leipzig 1863, Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 1380. – Baur (Samuel). Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. II, S. 753. – (De Luca). Gelehrtes Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück. S. 272. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. VI, S. 209. – Pelzel (Franz Mart.). Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte und Schriftsteller aus dem Orden der Jesuiten (Prag 1786, 8°.) S 282. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 1320 bis 1323. [Von Rybička; dieser Artikel ist auch in Studnička’s obengenannter Zeitschrift für Mathematik und Physik übergegangen.]
Das Wydra zu Ehren in der Prager Universitätsbibliothek aufgestellte Denkmal trägt folgende Inschrift: „STANISLAUS WYDRA E SOC. JESU Natus REGINAE HRADECII 13. NOV. 1741, DEFUNCTUS PRAGAE 3. DEC. 1804. MATHESIS IN UNIV. PRAG. ANN. 30 PROFESSOR, DOCTUS, PIUS, CANDIDUS, PATRIAE ET PROFESSIONIS SUAE PERAMANS ET COLLEGIS ET DISCIPULIS SUIS CARISSIMUS. POSUIT FACULTAS PHILOSOPHICA ANNO 1814.“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. 06
  2. Franz Anton Ritter von Gerstner und sein Vater Franz Joseph Ritter von Gerstner.
  3. Adalbert und Johann Nejedli.