BLKÖ:Hněvkovský, Sebastian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Hnilička, Alois
Band: 9 (1863), ab Seite: 67. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Šebestián Hněvkovský in der Wikipedia
GND-Eintrag: 100495834, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Hněvkovský, Sebastian|9|67|}}

Hněvkovský, Sebastian[BN 1] (čechischer Dichter, geb. zu Zěbrák in Böhmen 19. März 1770, gest. zu Prag 7. Juni 1847). Das Gymnasium besuchte er zu Beraun, darauf ging er nach Prag, wo er die Philosophie und die Rechtswissenschaften hörte und nach beendeten Studien die Stelle eines geprüften Magistratsrathes im Städtchen Planič erhielt; 1805 kam er in gleicher Eigenschaft in seinen Geburtsort Zěbrák und von dort 1826 als Bürgermeister nach Policka, wo er bis zu seiner Jubilirung, welche im Jahre 1836 erfolgte, verblieb. Den Rest seines Lebens brachte er in Prag zu. Um diesen einfachen Lebensumriß schlingt sich der immergrüne Epheu einer literarischen Thätigkeit, welche nach allen Seiten ausgreifend, wenn auch nicht immer erfolgreich, doch öfter mit Glück schaffend ihm eine bleibende Stelle in der Literaturgeschichte seines Volkes sichert. Noch während seiner Studien in Prag wurde er mit Buchmayr, Rautenkranz, den beiden Negedly[WS 1] und anderen für das Wohl seines Vaterlandes begeisterten Männern bekannt und trat mit ihnen einer der Ersten in den Bund, der es sich zur Aufgabe machte, die böhmische Nationalliteratur wieder zu erwecken. In das Jahr 1791/1792 fällt H.’s erster literarischer Versuch, mit Dlabacz und dem älteren Negedly gemeinschaftlich übersetzte er Schikaneder’s Text zur „Zauberflöte“ für das čechische Theater am Roßmarkte. Während seines Aufenthaltes in Planič entstand sein Gedicht „Dewin“, ein komisches Epos, denselben Stoff episch behandelnd, welchen Karl Egon Ebert und van der Velde im „Mädchenkriege“ dramatisch bearbeitet haben. In der ersten Auflage ist diese Dichtung ein komisches Epos und wird von Literaturhistorikern als H.’s bestes Werk bezeichnet; für die zweite Auflage arbeitete er das komische Heldengedicht in ein romantisches um, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen, da H., sein wahres Element verkennend, sich auf ein Gebiet verirrt hatte, das ihm wenig zusagte. Seine im Drucke erschienenen Schriften sind: „Devin. Báseň“ d. i. Dewin. Ein Gedicht (Prag 1805), die zweite Auflage erschien aber als „Báseň romanticko-hrdinska“, in 2 Theilen (ebenda 1829); die erste Auflage behandelt den Stoff in 12, die zweite in 18 Gesängen; – „Zlomky o ceskem basnectwi“, d. i. Fragmente čechischer Dichtung (Prag 1820); – „Basne drobne“, d. i. Kleinere Dichtungen (ebenda 1820); – „Jaromír. Smutnohra v patera jednání“, d. i. Jaromir. Trauerspiel in 5 Aufzügen (Prag 1833); – „Námluwy w Koloději. Veselohra ve 3 jednáních“, d. i. Die Brautfahrt nach Kolodej, Lustspiel in 3 Aufzügen (Königgrätz 1839), welches noch immer gerne gesehen wird: „Nové básně drobné“, d. i. Neuere kleine Gedichte (Prag 1841); – „Doktor Faust. Starožitná pověst v devíti zpěvích“, d. i. Doctor Faust, alte Sage in 9 Gesängen (ebd. 1844). In den verschiedenen čechischen Blättern der Jahre 1813–1817 sind viele Gedichte H.’s abgedruckt. Noch im hohen Alter war er mit der Bearbeitung eines historischen Dramas „Przemysl Ottokar II.“ beschäftigt, welches aber unvollendet geblieben. Ueberdieß hat H., der das hohe Alter von 77 Jahren erreicht hatte, Memoiren hinterlassen, welche einer seiner Biographen als interessant bezeichnet. H. als Schriftsteller bewegte sich mit entschiedenem Talente und mit Erfolg auf dem [68] Gebiete der Humoristik und Komik. Schlagfertiger Witz, unverwüstliche Laune und eine elegante Schreibart kamen ihm trefflich zu Statten. Weniger glücklich ist er im Dramatischen, hingegen hat er durch Bearbeitung örtlicher Sagen, welche in gefälligen Melodien bald in den Mund des Volkes übergingen, Talent für das Epische beurkundet, nur darf er darin nicht ausschreiten, weil er größere Stoffe kunstgerecht und zugleich spannend zu bewältigen nicht verstanden hat.

Hněvkovsky erscheint hie und da Hnewkovsky, auch Hniewkowsky geschrieben. – Wenzig (Joseph), Blicke über das böhmische Volk, seine Geschichte und Literatur, mit einer reichen Auswahl von Literaturproben (Leipzig 1855, Friedrich Brandstetter. 8°.) S. 137. [Wie ganz anders erscheint Herr Wenzig in dieser Schrift, in welcher er (S. 9 des Vorwortes) Deutsche und Böhmen Zweige eines und desselben Stammes nennt; sieben Jahre genügten ihm, zum Schwabenfresser zu werden. Welche Nahrung mochte Hr. W. in dieser Zeit zu sich genommen haben?] – Oesterreichische Blätter für Literatur, Kunst, Geschichte u. s. w., herausgegeben von Dr. Adolph Schmidl (Wien, 4°.) II. Jahrgang (1845), Nr. 47. S. 367, im Artikel: „Die neuböhmische Literatur“; Nr. 142, S. 1109, im Artikel: „Bühnenliteratur der Böhmen“; – IV. Jahrg. (1847), Nr. 166, S. 660: „Nekrolog“. – Libussa, Taschenbuch, herausgegeben von A. Klar (Prag, 12°.) Jahrg. 1851, S. 465. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrg. (1844), S. 160, und VI. Jahrg. (1847), S. 206. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, 8°.) III. Supplement-Bd. S. 1470. – Obrazy života. Redactor: Jan Neruda, d. i. Bilder des Lebens (Prag 1860), S. 11 [im Aufsatze: Na Volšanském hřbitově, d. i. Auf dem Wolschaner Friedhofe). – Porträt. Dasselbe befindet sich vor seinem Trauerspiele „Jaromir“. – Grabdenkmal. Hněvkovský ist auf dem Friedhofe zu Wolschan bei Prag begraben. Sein Grab ziert ein Monument, welches eine aus Quadern aufgebaute in ein Kreuz auslaufende, 17 Schuh hohe Glocke vorstellt, in deren oberer Hälfte in einem durch eine Schlange gebildeten Ringe nur sein Name Sebastian Hněvkovský angebracht ist. Dieses Denkmal ist nach des Pfarrers W. Krolmus Angabe von dem Bildhauer Fr. Jedlicka gearbeitet worden. Das Glockensinnbild scheint im Hinblick auf Hněvkovsky‘s Stellung in der čechischen Literatur gewählt zu sein, in welcher er als einer der Wiedererwecker der seit länger Zeit verstummten Nationalliteratur angesehen wird.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hněvkovský, Sebastian [Bd. IX, S. 67].
    Šebestiom Hněvkovský. Životopisný nástin od V. S. R. k slavnosti odhaleni pomníku dne 29 června 1870 i t. d., d. i. Sebastian Hněvkovsky. Biographische Skizze von V. S. R. Zur Enthüllungsfeier des Denkmals am 29. Juni 1870 u. s. w. (Prag 1870, Berringen u. Pichl, 31 S. gr. 8°.). [Bd. 28, S. 353.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Adalbert und Johann Negedly.