BLKÖ:Nejedly, Adalbert

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nejedly, Johann
Band: 20 (1869), ab Seite: 162. (Quelle)
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Nejedly, in deutschen Werken öfter auch Negedly, Adalbert (čechischer [163] Schriftsteller, geb. zu Zebrak, einem Städtchen im Berauner Kreise Böhmens, 17. April 1772, gest. ebenda 7. December 1844). Der Sohn eines kleinen Gewerbsmannes. Im Jahre 1783, 11 Jahre alt, kam Adalbert auf die Schule nach Prag, wo er bei den Piaristen das Gymnasium beendete und sich nebstbei in seiner Muttersprache und im Französischen ausbildete. Nun erwählte er die theologische Laufbahn, erhielt im December 1796 die Priesterweihe und trat alsdann in die Seelsorge, zuerst als Caplan in Drahonow, von wo er in gleicher Eigenschaft nach Prag übersetzt wurde, wo er durch vier Jahre verblieb. Im Jahre 1802 kam er als Localist nach Platschitz, von dort im Jahre 1813 nach Mirosow als Pfarrer und zuletzt im Jahre 1826 als Dechant zurück in seinen Geburtsort Zebrak, wo er durch 18 Jahre sein Amt versah und daselbst im Alter von 70 Jahren starb. Als Priester war N. überall, wo er weilte, ein wahrer Freund und Rathgeber der Gemeinde, und als Beweis seiner Beliebtheit kann wohl die Thatsache gelten, daß, als er nach eilfjähriger Thätigkeit in Platschitz eine andere Bestimmung erhielt, die Bauern aus der ganzen Umgegend herbeikamen und ihm den Zehent brachten, damit er noch ferner bei ihnen bleibe. Und doch hatte er nur seine Pflicht als Priester erfüllt. Für dieses Lexikon hat er noch ein anderes Interesse, nämlich als nationaler Dichter und Schriftsteller. Adalbert N.’s literarisches Auftreten fällt in den Beginn des laufenden Jahrhunderts, als eben die nationale Literatur in Böhmen, nach langem Verfalle sich ermannend, mit ihren ersten Versuchen vor die Oeffentlichkeit trat. Da waren es die beiden Nejedly, Adalbert und Johann, welche ihre Muttersprache mit Liebe und Sorgfalt pflegten und mit ihrem Beispiele vorangingen. Es war ein kleines Häuflein, das sich zusammenfand, Dobrowsky [Bd. III, S. 334), Hnevkovský [Bd. IX, S. 67], Dlabacz [Bd. III, S. 326], Puchmajr, welche in verschiedenen Formen und Richtungen zuerst durch kleinere Arbeiten, allmälig durch größere, das Interesse für nationale Schöpfungen weckten, bis dasselbe erstarkte und, in weitere Kreise sich verpflanzend, zur Nachahmung anregte. Zuerst ließ N. seine Arbeiten, poetischen und sonstigen literarischen Inhalts, in verschiedenen Zeitungen erscheinen. Im Jahre 1792 verband sich N. mit Puchmajr und Hnevkovský, um eine Uebersetzung der Schikaneder’schen „Zauberflöte“ für das čechische Theater auszuführen, welche auch unter dem Titel: „Zpěwy z čarodějné fletny wybrané to češtinu uwedené od R. B. A.“ (w Praze 1794, Zima, 8°.) im Drucke erschien; was die Anfangsbuchstaben R. B. A., welche mit keinem der angedeuteten Namen Nejedly, Puchmajr und Hnevkovsky übereinstimmen, bedeuten sollen, ist schwer zu sagen, gewiß ist es, daß Dlabacz die drei genannten mit Bestimmtheit als die Uebersetzer bezeichnet, ja sogar angibt, welcher von ihnen das eine oder andere Gesangsstück übersetzt hat. Nach längerer Pause trat nun Adalbert mit der ersten selbstständigen Dichtung, betitelt: „Poslední saud složený od …“, d. i. Das jüngste Gericht (Prag 1804, 12°.), auf, welcher – nach Jahren – das didaktische Gedicht: „Karel čtwrtý. Naučná báseň w 8 zpěwích“, d. i. Karl IV., Lehrgedicht in acht Gesängen (Prag 1835, 12°.) folgte, wovon, bevor es ganz erschien, ein Bruchstück in der Zeitschrift „Hlasatel“ veröffentlicht [164] wurde. Nun folgten rasch aufeinander mehrere epische und erzählende Dichtungen unter den Titeln: „Ottokar, báseň epická, dil I–III“, d. i. Ottocar, episches Gedicht, 3 Theile (Prag 1836, 8°.) – „Wratislaw, epická báseň w 17 zpěwích“, d. i. Wratislaw, episches Gedicht in siebzehn Gesängen (ebd. 1836, 12°.) – und „Wácslaw. Dějepisná, báseň w 8 zpěwích“, d. i. Wacslaw, historische Dichtung in acht Gesängen (ebd. 1837, 8°.). Fast um dieselbe Zeit, als diese epischen und erzählenden Dichtungen so rasch aufeinander erschienen, veranstaltete Adalbert eine Sammlung seiner theils bisher zerstreut in Zeitschriften gedruckten, theils noch ungedruckten Gedichte unter dem Titel: „Básně. Dva díly. Dil I: Fialky. Dil II: Chram Gnidsky“ (w Praze 1836, Pospišil, 12°.). Neben diesen poetischen Arbeiten N.’s erschien auch Einiges in Prosa, und zwar ein Lesebuch für Kinder, womit N. einen Versuch im Gebiete pädagogischer Literatur zur Zeit, da er als Caplan auch in der Schule thätig gewesen, unternommen hatte. Das Büchlein, wovon zwei Auflagen erschienen sind, führt den Titel: „Ladislaw a dítky jeho. Přiběk pro mládež“, d. i. Ladislaus und seine Kinder. Eine Geschichte für die Jugend (w Praze 1807; 2. Aufl. 1837, 8°.). Von seinen anderen im Drucke herausgegebenen Arbeiten sind nur die Sonn- und Feiertagspredigten anzuführen, welche unter dem Titel: „Nedělní kázáni“, 2 díly (w Praze 1806, 8°.) und „Swáteční kázáni“, 2 díly“ (ebd. 1807, 8°.) im Drucke erschienen sind. Vieles, namentlich von seinen poetischen Arbeiten aus erster Zeit, ist in belletristischen Zeitschriften abgedruckt, u. z. in den Kwěty, d. i. Blüthen, in den Jahrgängen 1838–1844; im Wěnec ze zpěwů wlastenských. uwitý, d. i. Kranz, aus vaterländischen Liedern gewunden; im Hlasatel, d. i. der Herold, der mehrere Idyllen und Epigramme N.’s mittheilt; und im Časopis českého Muzeum. Im Jahre 1862 wurde zu Zebrak und Točnik eine Nejedlyfeier begangen, welche von der nationalen Partei theils zur Kundgebung ihrer nationalen Ueberlegenheit, theils zur eigentlichen weihevollen Würdigung des edlen Patrioten, der seit mehr denn drei Jahrzehnden den Schlaf des Gerechten schläft, benützt wurde. Die Schlagworte aller čechischen Parteiführer der letzten zwei Jahrzehnde, als: NepopustimeNedejme seTužme se – und wie die Blumenlese dieser slavischen Devisen weiter heißen mag, waren an den Häusern angeschrieben und klangen durch die mannigfaltigen Aeußerungen des Jubels hindurch. Auf dem Friedhofe zu Zebrak befindet sich das dem vaterländischen Dichter zu Ehren errichtete Denkmal [vergl. die Quellen].

Oesterreich im Jahre 1840. Staat und Staatsverwaltung, Verfassung und Cultur. Von einem österreichischen Staatsmanne (Leipzig 1840, Otto Wigand, gr. 8°.) Bd. II, S. 324. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 32, unter der Schreibart Negedly [die biographischen Daten daselbst sind in obiger Lebensskizze nach dem Slovník naučný berichtigt]. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 692. – Jungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 602. – Národní listy, d. i. die Volkszeitung (ein polit. Prager Blatt in čechischer Sprache), 1862, Nr. 206, im Feuilleton. – Dem in Prag im Jahre 1837 erschienenen epischen Gedichte „Wacsláw“ steht A. Nejedly’s [165] Biographie, geschrieben von Seb. Hněwkowský, voran. – Sartori (Franz Dr.), Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserstaates u. s. w. (Wien 1830, Carl Gerold, 8°.) 1. (u. einziger) Theil, S. 31. – Hlas, d. i. die Stimme (polit. Prager Blatt in čechischer Sprache), 1862, Nr. 242, im Feuilleton. „Slavnost Vojtěcha Nejedlého“, d. i. Die Feier Adalbert Nejedly’s. – Jordan, Slavische Jahrbücher (Leipzig, gr. 8°.) 1845, S. 241.
Adalbert Nejedly’s Grabdenkmal in Zebrak. Dasselbe besteht aus einer ziemlich hohen vierseitigen Pyramide, die von einem gothischen, auf vier Säulen ruhenden Dache überdeckt ist. Auf den vier Seiten der Pyramide liest man folgende Inschriften:
Vojtěch Nejedlý, děkan Žebrácký,
narodil se dne 17. dubna 1772,
zemřel dne 7. prosince 1844
.
Auf der folgenden:

Žilt co Čech, co Čech skončil žití
Schránka jého klesla mezi hroby
Duch se vznesl v třikrát blahé doby
Kdež mu věčné světlo nebe svítí
.

Auf der dritten:

Jako k bratru k Čechovi tiskne se Čech
a srdečně pracuje pro vlast život i jmění
sazí rád by v lícně se zaskvěla slávě
.

Auf der vierten Seite:

Budem, radujte se, budem živi!
Duše jak se svého těla sprostí,
Bude vplývati blaženosti,
V novém světě nove užři divy
.