BLKÖ:Nejedly, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Nejedly, Adalbert
Nächster>>>
Negedly, Peter
Band: 20 (1869), ab Seite: 165. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Jan Nejedlý in der Wikipedia
GND-Eintrag: 124829511, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nejedly, Johann|20|165|}}

Nejedly, in deutschen Werken Negedly, Johann (Schriftsteller und Sprachforscher, geb. zu Zebrak 25. April 1776, gest. zu Prag 7. December 1834). Bruder des Adalbert. War ursprünglich für das Handwerk bestimmt, aber da er körperlich zu schwach und auf das Zureden der Freunde des Hauses wurde er nach Prag auf die Schule geschickt, wo er das Gymnasium in der Altstadt besuchte und dann die philosophischen Studien beendete. Unter der Leitung seines älteren Bruders Adalbert [s. d. Vorigen] trieb er mit besonderem Eifer die čechische Sprache, aber auch das Italienische, Französische und Englische zog er in den Bereich seiner Nebenstudien. Schon während der philosophischen Studien drängte es ihn gleich seinem Bruder, die heimische Literatur aus ihrem Verfalle zu neuem Leben zu wecken, und es fanden sich, wie schon bei der Biographie Adalbert’s bemerkt worden, gleichgesinnte Genossen, wie Puchmajr, Hnevkovsky u. A. Vornehmlich aber war es der damalige Bibliothekar Ungar, der sich zu Johann in größerer Theilnahme hingezogen fühlte und ihm zuredete, sich auf literarischem Gebiete zu versuchen. So geschah es denn, daß sich Johann an nichts geringeres wagte, als an eine čechische Uebersetzung von Homer’s „Iliade“, womit er jedoch nicht über den ersten Gesang hinauskam. Nachdem er früher schon mit einer Uebersetzung von Gesner’s „Abel“ aufgetreten, veröffentlichte er nun den ersten Gesang der „Ilias“ in čechischer Uebersetzung, welcher Versuch seinem Gönner Ungar gewidmet war. Nun wendete sich ihm von allen Seiten die Theilnahme der Männer der Wissenschaft zu, und N. fand bei seinen Arbeiten Rath und Unterstützung von Gelehrten wie Dobrowský, Pelzel, Faustin Prochazka u. A. Als Pelzel, damals Professor der griechischen Sprache und Literatur an der Prager Hochschule im Jahre 1800 erkrankte, wurde N. als sein Supplent bestellt und erhielt auch nach Pelzel’s Tode, 1801, diese Lehrkanzel. Mittlerweile aber setzte N. seine Studien ununterbrochen fort, vollendete die Rechte und erlangte im Jahre 1803 aus denselben die Doctorwürde. Nun aber lag N. mit dem regsten Eifer ununterbrochen dem Studium der vaterländischen Sprache und Literatur ob, arbeitete unablässig an der Ausbildung der [166] čechischen Prosa, zu welchem Zwecke er die besten Muster der Nationalliteratur aus jener Zeit studirte, in welcher eben die čechische Literatur in ihrer Blüthe gestanden, dabei war er fleißig literarisch thätig, gab „Die Ritter von Pilsen“ (1799), „Vaterländische Gesänge“, aus dem Deutschen übersetzt (1800), Gesner’s „Daphnis“ (1805) heraus, versuchte es mit einer čechischen Uebersetzung des von Meinert begonnenen Blattes „Der böhmische Wandersmann“, unter dem Titel: „Poutnik česky^“, von dem im Jahre 1801 26 Nummern, im Jahre 1802 aber nur vier das Licht der Welt erblickten, worauf er das Unternehmen ob Mangel an Theilnahme fallen lassen mußte, bis er mit seiner verdienstlichsten Arbeit, der böhmischen Grammatik für Deutsche [die bibliographischen Titel von N.’s Werken folgen weiter unten), das Publicum beschenkte, eine Arbeit, deren Werth durch die wiederholten Auflagen, wovon eine die mächtig große Zahl von 7000 Exemplaren umfaßte, mehr denn genügend bestätigt wurde. Nun aber begründete N., wohl fühlend, daß eine periodische Schrift am geeignetesten ist, nationale Ideen in großen Kreisen gangbar zu machen und durch solche ihre Entwickelung zu fördern und ihren Bestand zu festigen, die Zeitschrift „Hlasatel“, d. i. Der Herold, wovon in den Jahren 1806, 1807 und 1808 je ein starker Octavband und nach zehnjähriger Unterbrechung, 1818, der vierte und auch letzte Band erschienen sind. Der „Hlasatel“ ist eine wahre literarische Fundgrube für die Zeit des Erwachens der čechischen Nationalliteratur und ein schmetternder Herold des aufdämmernden Nationalbewußtseins. Dabei setzte N. seine Studien fremder Literaturen fleißig fort und bereicherte durch Uebersetzung einzelner Meisterwerke derselben, wie z. B. der Geßner’schen „Idyllen“ (1829), der „Nachtgedanken“ Young’s (1820) u. A., die Literatur seines Vaterlandes. Als zu Ende der Zwanziger-Jahre mit der fortschreitenden Entwickelung der böhmischen Sprache und Literatur verschiedene grammatikalische und orthographische Fragen auftauchten, deren Lösung die einzelnen Matadore der Literatur auf eigene Faust versuchten, entspannen sich in der Discussion dieser Sprachmengereien ziemlich ernste Debatten, und wie in Krain der seiner Zeit mit großer Heftigkeit geführte A-B-C-Krieg – auch um das Dreißiger-Jahr herum – so in Prag der Streit über die sogenannte analoge Orthographie, welcher auf einer Seite zwischen Jungmann, auf der anderen zwischen Palkovič und Nejedly geführt wurde. Nejedly trat mit einer besonderen Schrift dagegen auf. Es war dieß die letzte Arbeit Nejedly’s. Die von ihm im Drucke erschienenen Werke, theils Originale, größeren Theils aber Uebersetzungen sind in chronologischer Folge: „Plzenští rytíři aneb odplata, udatnosti. Staročeské podiwné příhody“, d. i. Die Ritter von Pilsen oder die Vergeltung der Tapferkeit. Altböhmische wunderbare Begebenheiten (w Praze 1799, 8°.), eine zum Theile veränderte Ausgabe veranstaltete im Jahre 1814 W. R. Kramerius; – „Elegie na Karla z Fürstenberku ktery io bitwě u Stockachu zabit byl“, d. i. Elegie auf Karl von Fürstenberg, der in der Schlacht bei Stockach getödtet ward (Prag 1799); – „Wálečný zpěw pro český pluk 1800 přel. z něm Meinerta“, d. i. Kriegslied für das böhmische Regiment 1800, aus dem Deutschen des Meinert (Prag 1800); – „Smrt Abelowa od Gesnera sepsaná [167] a do českého přeložená“, d. i. Der Tod des Abel, aus dem Deutschen Gesner’s in’s Čechische übertragen (Prag 1800, 12°.; zweite verb. Aufl. 1804, 12°.); – „Wlastenští zpěwowé z něm. Meinerta“, d. i. Vaterländische Gesänge, aus dem Deutschen des J. G. Meinert (Prag 1800, 8°.); – „Český pautník (wydaný z něm. od Meinerta)“ i t. d., d. i. Der čechische Bote, aus dem Deutschen des Meinert (w Praze 1801, 8°.), 1801 Nr. 1–26; 1802 Nr. 1–4; ging dann ob Mangel an Theilnahme ein; – „Homerova Iliada. Zpéw prvni“, d. i. Die Ilias Homer’s. Erster Gesang (w Praze 1801, 4°.); – „Böhmische Grammatik“, 1. Band (Prag 1801); 2. praktischer Band (ebd. 1805, 8°.); zweite Auflage unter dem Titel: „Praktische böhmische Grammatik für Deutsche“ (beide Bände in einem) (Prag 1809, 8°.); dritte Auflage, von der 7000 Exemplare gedruckt wurden (ebd. 1821, 8°.); vierte Auflage (ebd. 1830, 8°.); – „Dafnys a prwní plawec. Spisů Gesnerowych díl druhý“, d. i. Daphnis und der erste Schiffer. Der Gesner schen Schriften zweiter Theil (ebd. 1805, 12°.); – „Numa Pompilius z francuzk. Floriana přelož.“, d. i. Numa Pompilius, aus dem Französischen des Florian (w Praze 1808, 12°.); – „Edwarda Younga kwíleni, aneb rozjímání noční z anglického jazyka do českého přeloženo“, d. i. Eduard Young’s Nachtgedanken, aus dem Englischen in’s Čechische übertragen (w Praze 1820, 8°.), es ist dieß eine Uebersetzung der früheren Ausgaben des Gedichts, welche nur vier Nächte enthält; – „Widerlegung der sogenannten analogisch-orthographischen Neuerungen in der böhmischen Sprache“ (Prag 1828, 8°.); – dann redigirte er die Zeitschrift: „Hlasatel češký spis čtwrtletní k poučeni a obweselení“, d. i. Der čechische Herold. Vierteljahrschrift zur Belehrung und Unterhaltung, I. Theil 1806; II. Theil 1807; III. Theil 1808; IV. Theil 1818. Auch übersetzte Nejedly das Exercier-Reglement für die k. k. Infanterie in’s Čechische und erschien diese Uebersetzung zuerst im Jahre 1808; ferner eine Schrift über die Kuhblattern (o krawských neštowicich), welche Isidor Fürst Lobkowitz in Druck legen und in zahlreichen Exemplaren unter das Volk vertheilen ließ; endlich arbeitete er im Jahre 1812 eine von Wesely besorgte Uebersetzung des allgemeinen Stadtrechts (Kniha wšeobecných zákonů městských) um. Johann Nejedly starb in Prag im Alter von 58 Jahren. Seine Leiche wurde aber in seinen Heimatsort Zebrak überführt, wo ihm sein Bruder, der Dechant Adalbert, der ihn um ein Jahrzehend überlebte, einen Grabstein setzen ließ. Beide Brüder, Adalbert und Johann, gehören zu den Herolden der aus ihrem Schlummer erwachenden čechischen Literatur und nahmen in derselben als Sprachforscher, Uebersetzer und Dichter eine ehrenvolle Stelle ein.

(Schwaldopler) Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten (Wien, Doll, 8°.) Zweites Bändchen, Geschichte des Jahres 1802, S. 179; viertes Bändchen, Geschichte des Jahres 1804, S. 190. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 32. – Zlata Praha, d. i. Das goldene Prag (ein illustrirtes, in Prag ausgegebenes Journal) 1804, Nr. 18. – Jungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 602. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, [168] Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 692, Nr. 2. – Porträt. Beide Brüder, Adalbert und Johann N., sind im Holzschnitt von Schwartz in der Prager illustr. Zeitschrift: Zlata Praha 1864, S. 211, erschienen. –