BLKÖ:Rautenkranz, Joseph Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rauschmann (Maler)
Band: 25 (1873), ab Seite: 58. (Quelle)
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Rautenkranz, Joseph Franz (gelehrter Theolog, geb. zu Königgrätz in Böhmen 2. März 1776, gest. 22. Juli 1817). Erscheint auch mit dem čechisirten Namen Rautovský. In seiner Vaterstadt Königgrätz besuchte er das Gymnasium und kam im Jahre 1790 nach Prag, wo er die philosophischen Studien hörte, und sein Landsmann Wydra, wie die Professoren Seibt, Cornova, Meinert und Pelzl ihn zum Studium der čechischen Literatur aneiferten. Nach beendigter Philosophie begann er das Studium der Theologie, welches er im Jahre 1797 beendigte; da er aber damals erst 21 Jahre alt war, konnte er noch nicht die Priesterweihe erlangen, die er jedoch mit Dispens bereits im März 1798 erhielt, worauf er zunächst als Caplan zu Nabovid im Czaslauer Kreise in die Seelsorge trat. Nach einem Jahre wurde er in gleicher Eigenschaft nach Cyrkwitz übersetzt. Nach dreijähriger [59] Thätigkeit auf diesem Posten bat er wegen Kränklichkeit um Versetzung in den Deficientenstand, und begab sich nun in seine Vaterstadt Königgrätz, wo er, um in seiner unfreiwilligen Muße einigermaßen thätig zu sein, den dortigen Bischof um die Erlaubniß bat, den Clerikern am theologischen Lyceum die čechische Sprache vortragen zu dürfen, welche ihm auch gewährt wurde. Dieser Umstand wurde Veranlassung zur Errichtung einer besonderen Lehrkanzel der čechischen Sprache. Als nämlich Rautenkranz sein Lehramt antrat, entwickelte er in seiner später in der čechischen Zeitschrift „Hlasatel“ (d. i. der Verkünder) abgedruckten Eröffnungsrede die Gründe für die Nothwendigkeit und Nützlichkeit einer richtigen Kenntniß der čechischen Sprache für den böhmischen Seelsorger, worauf der Bischof, nachdem Rautenkranz im März 1803 eine andere Bestimmung erhielt, Sorge trug, daß diese Vorträge fortgesetzt und die Cleriker zum Besuche derselben, wie zu den Prüfungen daraus verpflichtet wurden. Im März 1803 trug ihm sein Bischof, zur Verbesserung seiner Umstände, die fundirte Katechetenstelle zu Jaromeř an, welche R. auch annahm. Daselbst lehrte R. nun die deutsche Sprache, dann die Gegenstände der zwei ersten Gymnasialclassen, und als er sich auch körperlich wohler fand, versah er mit den übrigen Seelsorgern gemeinschaftlich das Predigtamt. Im Jahre 1805 wurde R. Katechet an der Neuhofer Stadtschule, und in Ermangelung eines geprüften Directors führte er auch unentgeltlich die Directionsgeschäfte der Schule; überdieß ernannte ihn Graf Chotek zu seinem Bibliothekar. Als dann im Jahre 1808 über Anregung des Grafen Chotek als Obrigkeit und Schulpatron die Neuhofer Schule zu einer Hauptschule erhoben wurde, wurde R. in Folge der Präsentation des Grafen von der Landesstelle zum Director derselben ernannt. Daselbst war R. bis zum Jahre 1812 thätig, in welchem er im October die benachbarte Pfarre zu Sedlěc erhielt und nun, während er in der Seelsorge und im Predigeramte wirkte, zugleich auch die Aufsicht über die Schulen der Umgegend führte. Auf diesem Posten verblieb R. bis an sein Lebensende, das ihn bereits im Alter von erst 41 Jahren ereilte. R. war von der Zeit, als er noch in Prag den Studien oblag, bis an seinen Tod vielfach literarisch thätig und hat neben mehreren eigenen Arbeiten manches gute Buch aus dem Deutschen in’s Čechische übersetzt. Die Titel seiner wichtigeren, theils eigenen, theils übertragenen Schriften sind in chronologischer Folge: „Slovo pravé všem, národům evropejským“, d. i. Ein wahres Wort an alle Völker Europa’s (1795, 8°.), Uebersetzung einer zu jener Zeit erschienenen Flugschrift; – „Obraz Františka II. w lapidárním písme“, d. i. Gemälde Franz II. im Lapidarstyle (Prag 1798, 4°.), auch eine Uebersetzung aus dem Deutschen; – „Naučení pro ovčáky a jiné držitele ovčinců“, d. i. Belehrung für Schafzüchter u. s. w. (Prag 1798, 8°.), Uebersetzung einer von Wigand verfaßten preisgekrönten Schrift über die Schafzucht; – „Pokrm duše aneb cvičeni se v pobožnosti“, d. i. Nahrung der Seele oder Andachtsübungen (Prag 1803, neue Aufl. 1807, 1812, 1816, 1817, 1818, 12°.), Uebersetzung des seiner Zeit beliebten Reiter’schen Andachtsbuches, welche so günstige Aufnahme im Publicum fand, daß in kurzer Zeit eine Auflage von 3000 Exemplaren verkauft wurde; – „Pobožné přemyšlování na křížové cestě“, d. i. [60] Andächtige Betrachtungen für den Kreuzweg (Prag 1803, 12°.); – „Die deutschen unregelmässigen Zeitwörter, zur leichteren Erlernung in 15 Classen geordnet“ (Kuttenberg 1809, 8°.); – „List obrancům českym …“, d. i. Brief an die böhmischen Landesvertheidiger (ebd. 1808, 8°.); – „Prowoláni k národu českému“, d. i. Aufruf an das čechische Volk (ebd. 1809); – „Modlitby pro mladé lidi“, d. i. Gebete für junge Leute (Prag 1809 u. noch öfter 1816, 1819, 1828), Uebersetzung eines deutschen Andachtsbuches von Hermann; – „Engelmanova knížka obsahujíc krátká naučení mravů“ (Kuttenberg 1808, 12°.), Uebersetzung des Engelmann’schen Sittenbüchleins für die Jugend; – „Cvičení v mluvení jazykem českým“, d. i. Uebungen im Deutschsprechen. Ein Versuch, durch praktische Anweisung nach einer stufenweisen Ordnung den čechischen Schülern in deutschen Schulen das Deutschsprechen zu erleichtern (Prag 1808, 8°.); – „Krásné povídky k vzděláni rozumu“, d. i. Schöne Geschichte zur Bildung des Verstandes (ebd. 1813, 8°.); – „Pani Mihoslavova aneb povídky pro outlou mládež“, d. i. Frau Mihoslawow oder Erzählungen für die reifere Jugend (ebd. 1813); – „Dobré simě v dobrou zemi“, d. i. Guter Samen auf gutem Boden (ebd. 1813 u. noch öfter 1815, 1818, 1831, 1837, 8°.); – „Kniha ke čtení a modlení pro malé dítky“, d. i. Buch zum Lesen und Beten für kleine Kinder (ebd. 1811 u. n. ö. 1826, 1831, 12°.), Uebersetzung eines Andachtsbuches von Jais. Vieles Andere in Prosa und Versen, Gedichte, Fabeln, Erzählungen, Uebersetzungen aus dem Lateinischen, Französischen, Polnischen, Russischen, u. A. von Niemciewicz, Karamsin u. s. w., veröffentlichte R. in čechischen Blättern, u. z. im „Hlasatel“ und in den von Hromadko in Wien herausgegebenen „Widenské listy“. Rautenkranz zählt mit Dobrowsky , Hnevkowsky, Kramerius, den Gebrüdern Nejedli[WS 1], Palkovic, Parizek, Prochaska, Puchmayr zu den Wiedererweckern der čechischen Literatur in den ersten Jahrzehnden des neunzehnten Jahrhunderts. Welchen Einfluß er auf die Verbreitung der čechischen Sprache im Lande und auf den systematischen Unterricht in derselben genommen, wurde bereits in seiner Lebensskizze erzählt. Für die Erziehung des Volkes, für den Unterricht im Allgemeinen und für die Verbesserung desselben in verschiedenen Richtungen besitzt R. unbestreitbare Verdienste. Als Kanzelredner übte er nicht geringen Einfluß auf seine Pfarrkinder. Seine Predigten besaßen einen so volksthümlichen Charakter, daß mehrere Jahre nach seinem Tode aus seinem handschriftlichen Nachlasse die Fastenpredigten (Kazani postní) im Jahre 1825 zu Königgrätz gedruckt wurden. Er hatte deutsches Wissen, deutsche Bildung zu sich aufgenommen und, wie es seine mehrfachen Uebersetzungen am besten bezeugen, nicht Anstand genommen, was ihm die heimische Literatur nicht darbot, aus der deutschen zu entlehnen und es mundgerecht seinen Landsleuten zu überliefern. Das hie und da angegebene Sterbejahr 1818 ist unrichtig.

Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Doll, 4°.) 1811, III. Band, S. 368 [nach diesem geb. am 2. März 1776]. – Wenzig (Joseph), Blicke über das böhmische Volk, seine Geschichte und Literatur u. s. w. (Leipzig 1855, Brandstetter, 8°.) S, 140. – Oesterreich im Jahre 1840 ... Von einem österreichischen Staatsmanne (Leipzig 1840, Otto Wigand, 8°.) Bd. II, S. 325. – Encyklopedija powszechna, d. i. Allgemeine (polnische) Encyklopädie (Warschau 1865, [61] Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 64. – Jungmann (Jos.), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 617 [nach diesem geboren am 22. März 1776]. – Národní Listy, d. i. Volkszeitung (Prag), 1864, in der kritischen Beilage (kritická příloha), Nr. 5.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Adalbert und Johann Nejedly.