BLKÖ:Wagner, Ladislaus von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wagner, Leopold
Band: 52 (1885), ab Seite: 117. (Quelle)
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32. Wagner, Ladislaus von (ungarischer landwirthschaftlicher Schriftsteller, geb. in Budapesth 28. März 1841). Er legte seine Studien am Polytechnicum und der landwirthschaftlichen Akademie in Budapesth zurück und machte dann große Reisen, auf welchen er die bedeutendsten Hochschulen und landwirthschaftlichen Institute des Auslandes besuchte. Nach einigen Jahren in die Heimat zurückgekehrt, brachte er auf des Grafen Széchényi in Ungarn und des Altgrafen Salm in Mähren gelegenen [118] Gütern, welche ihrer musterhaften Bewirthschaftung wegen sich eines ausgezeichneten Rufes erfreuten, mehrere Jahre zu, um seine bisherigen vorherrschend theoretischen Studien nach praktischer Seite hin zu beenden. Insbesondere war es auf den Széchényi’schen Besitzungen die Cultur der Rebe, die er mit großer Aufmerksamkeit studirte. Dann wendete er sich dem Lehramte zu und erlangte 1868 die Professur der Landwirthschaftslehre und Forstencyklopädie an dem königlich ungarischen Josephspolytechnicum in Budapesth. Zu gleicher Zeit war er auf dem Gebiete der Landwirthschaft und landwirthschaftlichen Technologie in deutscher und ungarischer Sprache schriftstellerisch thätig, und haben wir von ihm nachstehende Werke in chronologischer Folge zu verzeichnen: „A természettan elvei, alkalmazásukban a gazdászatra, különös tekintettel magyarország gazdasági viszonyaira...“, d. i. Die Principien der Naturlehre in ihrer Anwendung auf die Landwirthschaft, mit besonderer Berücksichtigung auf die landwirthschaftlichen Verhältnisse Ungarns... (Pesth 1868, Heckenast, 8°.); – „Landwirthschaftliche Zustände in Ungarn“ (Prag 1869, Mercy, 8°.), Separatabdruck aus Komers „Jahrbuch für österreichische Landwirthe; – „Gazdasági műszaki vegytan. Kézikönyv felsőbb gazdasági tanintézetek hallgatói, gazdák és iparosok számára“, d. i. Landwirthschaftliche Kunstchemie. Handbuch für Hörer höherer landwirthschaftlicher Institute, Landwirthe und Gewerbetreibende; – „Die Bierbrauerei nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Theorie und Praxis des Gewerbes. Mit besonderer Berücksichtigung des Brauverfahrens in Ungarn-Oesterreich, Bayern, am Rhein u. s. w. Aut Grund eigener Erfahrungen, sowie mit Benützung der neuesten deutschen, englischen und französischen Literatur bearbeitet. Vierte sehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auflage von Chr. H. Schmidt’s Grundsätzen der Bierbrauerei“. Nebst Atlas von 13 (lith.) Tafeln (in Qu.-Fol.) enthaltend 157 Abbildungen (Weimar 1870, B. F. Voigt, 8°.), bildet auch den 96. Band des Sammelwerkes: „Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke“; – „Handbuch der Tabak- und Cigarrenfabrikation mit besonderer Berücksichtigung der im Handel vorkommenden Tabaksorten, der Cultur u. s. w. Auf Grund eigener Erfahrungen, sowie mit Benützung der neuesten deutschen, englischen u. s. w. Literatur bearbeitet von... Dritte sehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auflage von E. Schreiber’s Tabak- und Cigarrenfabrikation“. Mit 4 (lith.) Tafeln Abbildungen (Qu.-Fol.) (Weimar 1871, A. F. Voigt, 8°.), bildet auch den 183. Band des Werkes: „Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke; – „Handbuch der Landwirthschaftslehre. 1. Band: Landwirthschaftliche Pflanzenproductionslehre“ (Budapesth 1874, 8°.): – „A magyar osztrák, német, angol és uj méter mértétek és súlyok egyszerü és összetett átváltoztási táblázata…“, d. i. Einfache und zusammengesetzte Umrechnungstabelle österreichisch-ungarischer, deutscher und englischer Längen- und Gewichtsmaße (Budapesth 1875, 8°.); – „Einfache und combinirte Reductionstabellen der österreichischen, ungarischen, deutschen, englischen und metrischen Maasse und Gewichte“ (Leipzig und Budapesth 1875, 8°.); – „Adatok a magnemesités kérdéséhez...“, d. i. Daten zur Frage der Kernveredlung; – „Handbuch der Stärkefabrikation. Mit besonderer Berücksichtigung der mit der Stärkefabrikation verwandten Industriezweige, namentlich der Dextrin-, Stärke-, Syrup- und Stärkezuckerfabrikation. Auf Grund eigener Erfahrungen, [119] sowie mit Benützung der neuesten deutschen, französischen und englischen Literatur“. Mit einem Atlas von 11 (lith.) Tafeln (in Qu.-Fol.) enthaltend 128 Abbildungen (Weimar 1876, Voigt, 8°.); – „Hefe und Gährung nach dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft“ (Weimar 1877). Auch bearbeitete Wagner für Otto Birnbaum’s „Lehrbuch der rationellen Praxis der landwirthschaftlichen Gewerbe“, welches in Braunschweig bei Vieweg und Sohn erscheint, den 5. Theil, der die „Stärkefabrikation in Verbindung mit der Dextrin- und Traubenzuckerfabrikation“ enthält und ein von dem vorgenannten im „Neuen Schauplatz der Künste und Gewerbe“ aufgenommenen Werke gleichen Titels und desselben Verfassers ganz verschiedenes Werk ist. War Ladislaus Wagner bisher in Fachkreisen gekannt und geschätzt, so wurde er mit einem Male viel und allgemein genannt nach dem Duell, welches er in den letzten Tagen des Monats September 1877 im Rákos-Palotaer Walde mit Aurel Perczel, einem Sohne des ungarischen Justizministers Béla Perczel, hatte, den er gleich mit dem ersten Schusse – die Kugel drang mitten durch den Hals – tödtete. Das Gerücht bezeichnete Wagner’s Gattin, eine Tochter Stuller’s, Secretärs der ersten ungarischen Assecuranzgesellschaft, als Ursache des Duells; in der gerichtlichen Verhandlung jedoch, welche in dieser Angelegenheit im December 1877 stattfand, erklärte er: „seine Gattin sei an dem Duell vollkommen schuldlos, doch sei er von Aurel Perczel in seiner häuslichen Ehre in irreparabler Weise verletzt“. Professor Wagner wurde wegen Verbrechens des Duells zu einem Jahre, die Secundanten zu je drei Monaten Kerkers verurtheilt. In seinem Vaterlande gilt unser Gelehrter für eine wissenschaftliche Capacität, und sein Ruf im landwirthschaftlichen Fache reicht über die Grenzen der Monarchie hinaus. Durch seine in deutscher Sprache verfaßten Werke hat er sich einen Namen in Deutschland geschaffen. Auf den drei Weltausstellungen in London, Paris und Wien war er theils officieller Berichterstatter, theils Juror, und anläßlich der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 wurde er mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Früher schon hatte er von Frankreich den Orden der Ehrenlegion und auch von mehreren anderen Staaten Decorationen erhalten.

Presse (Wiener polit. Blatt) 1877, 27. September, Nr. 266, in der „Kleinen Chronik“: „Ueber das Duell Perczel-Wagner in Pesth“; im „Localanzeiger“ Nr. 266: „Aurel Perczel“; 28. September, Nr. 267 „Localanzeiger“: „Das Duell Perczel-Wagner“; 29. September, Nr. 268: „Das Duell P. W.“; 1. October, Nr. 270: „In der Duellaffaire des Dr. Ladislaus Wagner“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1877, Nr. 367, S. 3382: „Urtheil im Duellproceß Perczel-Wagner“.