BLKÖ:Wagner, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wagner, Lucas
Band: 52 (1885), ab Seite: 119. (Quelle)
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33. Wagner, Leopold (k. k. Hauptmann, Ort und Jahr seiner Geburt unbekannt, er dürfte wohl um 1830 geboren sein). Im italienischen Feldzuge 1849 diente er im k. k. 3. Feldjäger- Bataillon und erwarb sich als Unterjäger in der Schlacht bei Novara durch seine umsichtige Bravour die silberne Tapferkeitsmedaille erster Classe. Noch mehr zeichnete er sich im italienischen Kriege 1859, am 20. Mai im Treffen bei Montebello aus, wo er sich durch ruhigen Muth und seltene Geistesgegenwart ein bleibendes Andenken in der Geschichte seines Bataillons gesichert hat. Stets in der Plänklerlinie, feuerte er [120] durch Wort und That seine Jäger zu energischem Widerstand an, nahm, selbst ein geübter Schütze, oft den Stutzen zur Hand und sandte jederzeit ihr Ziel treffende Kugeln in den Feind. Bei Gelegenheit des Rückzuges aber erwarb er sich, damals Oberlieutenant, durch seine kaltblütige Tapferkeit und besonnene Führung eines Detachements von freiwilligen Jägern die Anerkennung aller seiner Waffengefährten. Er machte es sich nämlich zur Aufgabe, den Eingang eines Engweges, durch welchen die vom Feinde hartgedrängte erste Division des 3. Jäger-Bataillons ihren Rückzug bewerkstelligen mußte, gegen eine dahin rasch vordringende, an Zahl etwa eine Compagnie starke französische Abtheilung so lange zu vertheidigen, bis jene dieses Défilé erreiche und so ihre Vereinigung mit der anderen Hälfte des Bataillons nicht mehr fraglich sei. Ohne hiezu von Jemandem einen Auftrag erhalten zu haben, sondern ganz aus freiem Willen und durchdrungen von der Wichtigkeit des Gefechtsmomentes, sammelte er die ihm zunächst stehenden Jäger verschiedener Compagnien, ungefähr 30 Mann, und warf sich der französischen Abtheilung mit einem lebhaft unterhaltenen Gewehrfeuer entgegen. Der feindliche Officier, der dieselbe befehligte, erkannte nicht weniger die Wichtigkeit des ihm strittig gemachten Objectes, eiferte seine schon durch das ungestüme Vordringen der Jäger zaghaft gewordene Mannschaft durch lautes Zurufen nur um so lebhafter an und brachte dieselbe zu erneuertem Vorrücken gegen den von Wagner geführten Plänklerschwarm; zehn Schritte von der Fronte desselben wurde er jedoch von einem unserer Jäger niedergeschossen, und da auch der zweite Officier der feindlichen Abtheilung, welcher einen Degenstoß gegen einen der Jäger führen wollte, von demselben niedergemacht wurde, so hatte dies zur Folge, daß die Franzosen in ihrem Ungestüm etwas nachließen und sich mit mehr Vorsicht dem Défiléeingange zu nähern trachteten, welchen nun die erste Division (Jäger) erreichte und das Detachement des Oberlieutenants Wagner dann noch so lange vertheidigte, bis erstere am Défiléausgange anlangte. Da die Franzosen während des Rückzuges durch den Engweg dem Detachement hart auf dem Fuße folgten, so hatte dasselbe einen ununterbrochenen Bajonnetkampf so lange zu bestehen, bis es von dem am Ausgange des Défilés sich ordnenden Bataillon aufgenommen werden konnte. Leider kostete dieser Kampf große Opfer. Von den dreißig Tapferen entkamen nur der Commandant und sechs Jäger den an Zahl weit überlegenen feindlichen Bajonneten, die Anderen fielen theils verwundet in feindliche Gefangenschaft oder starben den Heldentod. – Wahre Spartaner! – Sie bewahrten aber durch den herzhaften Widerstand, welchen sie dem überlegenen Feinde freiwillig entgegensetzten, die zweite Hälfte des 3. Jäger-Bataillons vor völliger Vernichtung. Für diese verdienstvolle Waffenthat, welche der Oberlieutenant Wagner, aus freiem Antriebe, mit aufopferndem, durch das harte Schicksal jenes Tages noch nicht gebeugtem Muthe vollführte, wurde ihm das Militärverdienstkreuz mit Kriegsdecoration als Auszeichnung zuerkannt. Vier Jahre später, am 14. Juni 1863, rückte Wagner zum Hauptmann in seinem Bataillon vor. Da wir ihn seit Jahren in den k. k. Militär-Schematismen nicht verzeichnet finden, so muß er entweder aus dem Verbande der kaiserlichen [121] Armee getreten oder wohl gar schon gestorben sein.

Schuppanzigh (Emanuel von). Geschichte des 3. Jäger-Bataillons.