BLKÖ:Wagner Ritter von Wagensburg, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 98. (Quelle)
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20. Wagner Ritter von Wagensburg, Johann (k. k. Feldmarschall-Lieutenant a. D., geb. zu Klokoč im [99] Szluiner Grenz-Regimentsbezirke am 19. April 1815, nach dem genealogischen Almanach 1816). Er trat am 12. October 1826 zur militärischen Ausbildung in die Wiener-Neustädter Akademie, aus welcher er am 17. October 1834 als Fähnrich zu Erzherzog Karl Ferdinand-Infanterie Nr. 51 kam. Im Regimente rückte er im November 1838 zum Lieutenant vor. 1840 dem Generalquartiermeisterstabe zugetheilt, wurde er am 12. Juni 1846 Oberlieutenant, am 3. Juni 1848 Capitänlieutenant bei Gyulai-Infanterie Nr. 33. In letzterer Eigenschaft und zugleich als Generalstabsofficier der Brigade Clam erwarb er sich im Feldzuge 1848 in Italien durch sein Verhalten vor dem Feinde das Ritterkreuz des Leopoldordens. Im italienischen Feldzuge des folgenden Jahres als Generalstabsofficier der Division Wohlgemuth zugewiesen, erkämpfte er sich daselbst das Militär-Verdienstkreuz und wurde im Juli 1849 zum Hauptmann im Generalstabe befördert. Den Sommerfeldzug des letzteren Jahres machte er als Generalstabschef des unter Commando des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Clam stehenden siebenbürgischen Armeecorps mit und rückte am 30. August desselben Jahres zum Major vor. 1853 wurde er Oberstlieutenant, 1857 Oberst im Corps, diente dann im italienischen Feldzüge 1859 anfänglich als Souschef des Generalstabes der ersten Armee, später als Generalstabschef des eilften Armeecorps, in welcher Eigenschaft er für seine hervorragenden Leistungen in der Schlacht von Solferino und in den letzten derselben vorangegangenen Gefechten am 15. August 1859 den Orden der eisernen Krone dritter Classe erhielt. 1860 ward er Chef des kriegsgeschichtlichen Bureaus in Wien, 1862 Brigadier in Karlstadt und am 29. October 1863 Generalmajor und Cordonscommandant daselbst. Als dann 1866 im Süden und Norden der Monarchie der unglückselige Krieg ausbrach, begab er sich zum dritten Male auf den italienischen Kriegsschauplatz, wo er in der Division Wetzlar die aus Militärgrenz-Regimentern zusammengesetzte Brigade commandirte. Nach dem Friedensschlusse diente er als Brigadier in Semlin, bis er im August 1868 zum Statthalter und Militärcommandanten in Dalmatien ernannt wurde. Während er diese Stelle bekleidete, brach der Aufstand in dem Lande aus. Er bekämpfte denselben in der Zuppa, welche er in drei Tagen – vom 3. bis 6. November 1869 – factisch unterwarf, so daß er die späteren durch Grafen Auersperg und dann durch Baron Rodich eingeleiteten mehr diplomatischen als militärischen Maßregeln wesentlich erleichterte, wenn nicht ganz ermöglichte. Da plötzlich am 7. November 1869 übergab Feldmarschall-Lieutenant Wagner in Budua unterfreiem Himmel das Commando der Operationstruppen dem neu ernannten Commandanten Generalmajor Grafen Auersperg und kehrte nach kurzem Aufenthalt in Cattaro, begleitet von den Officieren seines Stabes, nach der Hauptstadt Zara zurück. Im Monat December desselben Jahres wurde er vom Statthalterposten enthoben. Diese plötzlichen Veränderungen erregten nicht geringes, bei Vielen peinliches Aufsehen, da man darin eine Zurücksetzung des verdienstvollen Generals, der unter den mißlichsten Verhältnissen das Beste geleistet hatte, sehen wollte. Die Sache bekam noch einen entschiedeneren Ausdruck, als dem scheidenden General und Statthalter im Lande von allen Seiten Beweise sowohl [100] des Bedauerns über seinen Abgang, als der Anerkennung über seine Wirksamkeit gegeben wurden. Wie der Gemeinderath von Zara, so brachten viele dalmatinische Städte und Gemeinden, wie Trau, Salve und Sebenico, ja selbst slavische Gemeinden, wie Castelnuovo und Scardona, ihre Theilnahme über das Scheiden des wackeren Generals zum Ausdruck, und ein Gleiches geschah von Seite des Landtagspräsidenten Spiridion Petrovich und durch eine Deputation der Arbeiter von Zara, Alles Kundgebungen, welche den Rücktritt des Statthalters in ganz eigenthümlicher Beleuchtung erscheinen ließen. Man versuchte diese Verfügung zunächst mit der Absicht der Regierung zu decken, die Militär- von der Civilgewalt in Dalmatien zu trennen, und in der That wurde Feldmarschall-Lieutenant Baron Rodich [Bd. XXVI, S. 220] nur zum Militärcommandanten dieses Kronlandes ernannt. Nach seiner Abberufung von Zara kam Feldmarschall-Lieutenant von Wagner als Commandant der zehnten Truppendivision nach Böhmen, aber kaum sechs Wochen hatte er diese Stelle bekleidet, als er, durch das Vertrauen des Kaisers am 1. Februar 1870 in den Rath der Krone berufen, das Ministerium der Landesvertheidigung übernahm. Und fürwahr, es erschien als eine seltsame Fügung, daß gerade dieses Portefeuille in die Hände des vorigen Statthalters eines Landes gelegt wurde, dessen Insurrection eben durch das neue Landesvertheidigungsgesetz hervorgerufen worden. Doch auch auf diesem Posten war es dem General nicht vergönnt, lange zu wirken. Als nämlich am 11. April 1870 das Bürgerministerium Giskra seine Entlassung nahm, wurde auch Wagner mit ah. Handschreiben ddo. 12. April 1870 auf seine Bitte, und zwar unter Anerkennung seiner Treue und seiner eifrigen Dienste des Amtes enthoben und in Disponibilität versetzt, in der er sich noch befindet. Feldmarschall-Lieutenant Wagner ist mit Diplom ddo. 24. März 1861 in den österreichischen Ritterstand erhoben worden.

Ueber Land und Meer. Allgemeine illustrirte Zeitung (Stuttgart, Hallberger, kl. Fol.) Bd. XXIV (1870) Nr. 31. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1870, Nr. 34. – Neue Freie Presse (Wiener pol. Blatt) 1870, Nr. 1921, in der kleinen Chronik: „Ovationen für Feldmarschall-Lieutenant von Wagner“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta) 1875, Nr. 240, S. 3859, im Artikel: „Böhmische Wanderungen“.
Porträt. Holzschnitt in Ed. H(allberger’s) xylogr. Anstalt, nach einer Originalzeichnung von Fr. Kriehuber in der illustrirten Zeitung „Ueber Land und Meer“ 1870, Nr. 21, S. 1.
Familienstand des Feldmarschall-Lieutenants a. D. Johann Ritter von Wagner. Der General ist seit 1852 mit Emma Freiin von Scholten (geb. 1829) vermält. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor: Alfred (geb. 8. Juni 1853), Emil (geb. 27. October 1857), k. k. Lieutenant und Finanzbeamter, und Arthur (geb. 2. August 1864).
Wappen. Von Silber und Gold gevierter Schild. 1 und 4: in Silber ein rother von drei schwarzen Steigbügeln beseiteter Sparren. 2 und 3: in Gold geht aus der Theilung ein schwarzer rothbezungter halber Doppeladler hervor. Auf dem Schilde ruhen zwei Turnierhelme; aus der Krone des rechten erschwingen sich drei Straußfedern, und zwar eine silberne zwischen rothen; auf der Krone des linken steht ein schwarzer rothbezungter Doppeladler. Helmdecken. Die des rechten Helmes roth mit Silber, jene des linken schwarz mit Gold.