BLKÖ:Waldherr, Franz Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Waldheim
Band: 52 (1885), ab Seite: 181. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 139094415, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Waldherr, Franz Christian|52|181|}}

Waldherr, Franz Christian (Maler, geb. zu Saaz in Böhmen am 27. October 1784, gest. zu Prag 15. November 1835). Früh des Vaters beraubt, verlebte er eine bittere Jugend und lernte in derselben bereits den schmerzlichen Druck und die Entbehrungen der Armut kennen. Seine Mutter war Schauspielerin, und er begleitete sie auf ihren Reisen von einer Bühne zur andern. Da führte ihn ein gütiges Geschick in Passau mit dem fürstbischöflichen Kammermaler Jos. Bergler [Bd. I, S. 309] zusammen. Derselbe nahm den Knaben, in welchem er eine nicht gewöhnliche Begabung für die Malerkunst zu finden glaubte, in sein Haus auf und ertheilte ihm den nöthigen Unterricht. Als dann im Jahre 1800 Bergler als Director an die Akademie in Prag berufen wurde, bildete sich der talentvolle Zögling an diesem Institute in äußerst vortheilhafter Weise und errang schon 1804 die goldene Gesellschaftsmedaille als ersten Preis. Bald ward Waldherr als geschickter Bildnißmaler besonders in den Kreisen des hohen böhmischen Adels sehr beliebt und gesucht. Aber neben Bildnissen malte er auch größere historische Darstellungen. Als dann im Jahre 1829 Bergler starb, war Waldherr’s Ruf als Künstler bereits so fest begründet, daß er seines Lehrers Professur an der Akademie und zwei Jahre später die Directorstelle erhielt, welche er leider nur kurze. Zeit versah, da er schon. 1835, erst 51 Jahre alt, durch den Tod seiner Kunst und dem Institute, welchem er rühmlichst vorgestanden, entrissen wurde. Außer zahlreichen Porträts – meist im Besitz des böhmischen hohen Adels – sind von seinen historischen Bildern bekannt aus der Jahresausstellung der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien 1824 zwei Zeichnungen nach Bergler: „Die Himmelfahrt Christi“ und „Die Anbetung der Hirten“. Ferner die Oelbilder: „Die heilige Dreifaltigkeit“, Altarbild für die Kirche in Teschen; – „Die heiligen drei Frauen am Grabe Christi“, Altarbild für die Kirche in Hohenbruck; – „Christus mit den Kleinen“, in der Galerie der Privatgesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag; merkwürdiger Weise aber führt das 1856 ausgegebene, in Prag bei Haase gedruckte Verzeichniß der Kunstwerke genannter Galerie weder dieses Werk noch ein anderes unseres Malers an; – „Heilige Familie“ (Prag, Ausst. 1829) und „Die Geduld“, allegorische Vorstellung (ebd.). Ferner führte Waldherr 44 historische Compositionen nach den Evangelien aus. Sein Bildniß eines Grafen Matthias Gallas wurde von dem böhmischen Kupferstecher Drda in Kupfer gestochen. Was nun seine künstlerische Bedeutung betrifft, so merkt man von einem selbständigen Schaffen wenig an ihm, wohl aber ist er ein geschickter Nachahmer Bergler’s.

Nagler (G. K. Dr.) Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXI, S. 90.