BLKÖ:Wartensleben, Ferdinand Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 53 (1886), ab Seite: 106. (Quelle)
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Wartensleben, Ferdinand Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Gyömrő in Ungarn im Jahre [107] 1777, gest. zu Rozdall in Galizien am 7. März 1821). Von der zweiten jüngeren österreichisch-ungarischen Linie, der älteste Sohn des Grafen Wilhelm (geb. 11. October 1734, gest. 21. April 1798) aus dessen Ehe mit Clara, geborenen Gräfin Teleki (geb. 12. Februar 1750, gest. 21. Februar 1798). Schon der Vater Wilhelm Ludwig Gustav, k. k. Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, war ein ausgezeichneter Soldat, und der Sohn, sich dem Berufe des Vaters widmend, trat in jungen Jahren 1793 als Lieutenant in das 28. Infanterie-Regiment, dessen Inhaber sein Vater war. Aus demselben kam er bald als Oberlieutenant zu Vécsey-, dann zu Mészáros-Huszaren. Im Jahre 1797 war er bereits Rittmeister, wurde 1800 Major bei Blankenstein-Huszaren Nr. 6 und 1805 Oberstlieutenant, dann Oberst und Regimentscommandant. Im Jahre 1809 rückte Wartensleben zum Generalmajor, im April 1815 zum Feldmarschall-Lieutenant vor, und als solcher starb er, erst 44 Jahre alt. Innerhalb dieser 28jährigen Dienstzeit machte der Graf alle Kämpfe von 1793 bis 1809 mit und bewies bei allen Gelegenheiten, wo er in die Attaque eingriff, Tapferkeit, Umsicht und Ueberblick in seltenem Grade, so daß er sich gleich seinem Vater das höchste Ehrenzeichen erkämpfte, das dem tapferen Krieger der kaiserlichen Armee zutheil werden kann. Schon im Jahre 1793 bei dem Sturme auf die Festung Bietsch im Elsaß hatte sich Wartensleben, damals Oberlieutenant im 28. Infanterie-Regimente, blos mit preußischen Freiwilligen so hervorgethan, daß ihn der König Friedrich Wilhelm II. von Preußen mit dem Orden pour le mérite auszeichnete. – Nun kam der Feldzug 1797. Es war im Frühjahr, als General Hoche mit einem starken französischen Corps bei Coblenz über den Rhein ging. Unser niederrheinisches Reservecorps unter Generalmajor Baron Simbschen marschirte am 20. April auf der Straße zwischen Kamberg und Königstein. Da stieß die von Major Ettingshausen befehligte, zwei Escadronen Vécsey-Huszaren starke Avantgarde auf eine an Zahl den Unseren weit überlegene feindliche Cavalleriecolonne. Ein Zusammenstoß mit dieser Uebermacht war unvermeidlich. Ein plötzlicher Rückzug hätte unser Verderben besiegelt. So wurde denn ein entschiedener Angriff beschlossen, dieser dann mit größter Tapferkeit ausgeführt und auf dem Rückzuge in den günstigsten Momenten mit kluger Wahl des geeignetesten Terrains viermal wiederholt. In diesem Kampfe, der eigentlich mehr ein Handgemenge war, in welchem immer fünf Franzosen gegen einen Oesterreicher kämpften und die Unsrigen 45 Mann und 49 Pferde verloren, hingegen ungleich mehr Franzosen niedergemacht und eine große Menge, nämlich 1 Capitän, 55 Mann gefangen genommen und 137 Beutepferde eingebracht wurden, zeichnete sich neben dem Major Ettingshausen und einigen anderen Officieren Rittmeister Graf Wartensleben besonders aus. Den Feldzug 1799 machte er als Rittmeister bei Mészáros-Huszaren Nr. 10 mit. Das Regiment stand bei der Armee in Deutschland und in der Schweiz. Am 25. Mai bei Andelfingen kam es zu einem hartnäckigen Gefechte, in welchem Generalmajor Baron Kienmayer, als er sich von den Franzosen umringt sah, mit seinem Pferde von einem Felsen den berühmten Sprung in die unten fließende [108] reißende Thur wagte und ihm seine Huszaren in diesem Wagstücke nachfolgten. Unter den Helden des Tages erscheint auch Rittmeister Graf Wartensleben, welcher bei dieser Gelegenheit zwei Kanonen der dem Regimente zugetheilten Cavalleriebatterie zurückerkämpfte. Vier Tage später, am 28. Mai, half eine Escadron des Regiments das Dorf Rohrbis erobern. Der Graf rettete durch außerordentliche Bravour zwei Compagnien von Wenckheim-Infanterie Nr. 35 bei Embrach und trug auch durch seine Mitwirkung zum glücklichen Ausgange dieses Gefechtes wesentlich bei. Im Feldzuge des Jahres 1800 erfocht sich Wartensleben in der Schlacht bei Engen am 3. Mai den Maria Theresien-Orden. Die österreichische Armee stand eben im Begriff, ihre Stellung bei Engen im Badenschen zu bestehen. Da wurde Rittmeister Wartensleben auf die Bewegungen des Feindes aufmerksam und errieth dessen Absicht, die Unseren anzugreifen. Seine Escadron war gerade von Vorposten abgelöst worden; er entschloß sich nun, dieselbe hinter einem kleinen Walde aufzustellen, welchen einige Compagnien von Benjowsky-Infanterie Nr. 31 besetzt hielten. Der Feind suchte jetzt sich der hinter dem Walde gelegenen, von den Unseren nicht besetzten vortheilhaften Anhöhe zu bemächtigen und begann mit einer Halbbrigade den Wald auf das nachdrücklichste anzugreifen und unsere nur schwachen Infanteriecompagnien aus demselben zu werfen. Graf Wartensleben, welcher die Wichtigkeit, die mit dem Besitze des Waldes, des Schlüssels unserer Stellung, verbunden war, sofort erkannte, suchte die bereits weichende Infanterie zum Stehen zu bringen, ließ die Hälfte seiner Schwadron absitzen und führte zu Fuß seine Huszaren stürmend gegen den Feind vor. Der mit aller Bravour unternommene Angriff gelang, die aus dem Walde gejagten Franzosen geriethen in Unordnung, und diesen günstigen Moment benutzte nun der Graf, mit der mittlerweile an den Waldesrand herangekommenen zweiten halben Escadron in die Fliehenden einzuhauen und deren eine beträchtliche Menge niederzumachen. Ein zur Unterstützung der bedrängten feindlichen Infanterie herbeibeordertes französisches Huszaren-Regiment sprengte heran, als auch unsererseits zwei Escadrons zur Unterstützung Wartensleben’s herbeigeeilt waren. Nun begann der Kampf aufs neue, aber unsere Huszaren mußten der Uebermacht weichen. In dieser Zeit jedoch hatte der Graf von den Attaquen gegen die feindliche Infanterie nachgelassen, und einen Augenblick der Ruhe benützt, um seine Huszaren zu Pferde steigen zu lassen und sie um sich zu sammeln. Als er nun gewahrte, daß die zwei anderen Schwadronen des Regiments von dem Feinde zurückgedrängt wurden, fiel er mit seinen Reitern demselben mit solchem Ungestüm in die Flanke, daß das durch diese Attaque überraschte französische Cavallerie-Regiment zurückwich und als er sodann immer heftiger auf dasselbe eindrang, sich zur Flucht wandte und zwei seiner Geschütze unserem Rittmeister überlassen mußte. So waren die den Ort Engen beherrschenden, für uns so wichtigen Anhöhen in unserem Besitze und wurden von den Huszaren und den Compagnien Benjowsky so lange standhaft gehalten, bis General Chasteler mit den Infanterie-Regimentern Lascy Nr. 22, Stain Nr. 50 und Erbach Nr. 42 erschien, um sie zu besetzen. Aber der Feind gab trotz seiner Niederlagen die Absicht, die [109] Höhen zu besitzen, noch nicht auf. General Richepanse rückte in der Ebene mit zwei Grenadier-Bataillonen vor, um mit ihnen die Anhöhen von Engen im Sturm zu nehmen. Aber Rittmeister Graf Wartensleben, dies gewahrend, führte, ohne erst Befehl abzuwarten, die hinter der Anhöhe mit einem Bataillon Stain zusammengestoßene Division des Regiments, sie durch kräftige Anrede begeisternd, den französischen Grenadieren entgegen, und nachdem diese durch eine gut gezielte Decharge unserer Infanterie erst schwankend geworden, unternahm er mit seinen Huszaren die Attaque, welche so glänzend ausfiel, daß 300 französische Grenadiere unter den Säbeln unserer Huszaren fielen. Für diese mit ebenso viel Scharfblick als Umsicht, Tapferkeit und Ausdauer vollführte Waffenthat wurde ihm in der 66. Promotion vom 18. August 1801 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. Nun kam das verhängnißvolle Jahr 1805 mit der in der Kriegsgeschichte beispiellosen Uebergabe der Festung Ulm. Wartensleben befand sich als Oberst mit seinem Regimente Blankenstein-Huszaren Nr. 6 bei der Besatzung der Festung eingetheilt. Er wollte nichts davon wissen, sich der von General Mack abgeschlossenen Capitulation zu unterwerfen. Gegen die Vorschriften der Subordination verstoßend, zog er es vor, mit seinem Regimente nach Abschluß des schimpflichen Vertrages sich durchzuschlagen, und that es, wurde aber für seine Insubordination vor das Kriegsgericht gestellt, wie im folgenden Jahre sein Vetter, der preußische Generallieutenant Leopold Alexander Graf Wartensleben aus entgegengesetzter Ursache, weit dieser den Vorschriften der Subordination allzu strenge sich fügend, der Capitulation von Magdeburg durch Kleist nicht widersprochen und die Uebergabe der Festung nicht gehindert hatte. Aber das österreichische Kriegsgericht wußte solche Thatkraft und solch soldatisches Ehrgefühl zu schätzen. Im denkwürdigen Jahre 1809 bewies Wartensleben in den Actionen in Bayern seinen oft bewährten Soldatengeist. Er commandirte als Cavallerie-Brigadier die Regimenter Blankenstein-Huszaren und Rieß-Dragoner. Auch der Schlacht bei Aspern wohnte er bei und that sich am ersten Kampftage, am 21. Mai, ganz besonders hervor. Unser Cavallerie-Reservecorps war von 3000 französischen schweren Reitern angegriffen, das erste Treffen desselben auch bereits zurückgedrängt worden und schon schien das zweite Treffen ernstlich bedroht. Graf Wartensleben, mit seiner Cavalleriebrigade auf dem äußersten linken Flügel aufgestellt, erkannte sofort die kritische Lage unserer Cavallerie-Reserve und drang mit seiner Brigade unaufhaltsam in die rechte Flanke der feindlichen Reiterei. Diese hielt dem Angriffe nicht Stand, wich zurück und ein Theil wurde abgeschnitten und gefangen genommen. In der Folge fand Wartensleben keine Gelegenheit mehr, seine oft erprobte Tapferkeit von neuem zu bewähren und starb, viel zu früh für den Ruhm unserer Armee, als Divisionär unvermält zu Rozdall in Galizien.