BLKÖ:Weißel, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weißenbach, Alois
Band: 54 (1886), ab Seite: 166. (Quelle)
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Weißel, Ludwig (Schriftsteller, geb. zu Wien am 8. December 1841). Er ist wahrscheinlich ein Sohn des Wiener Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Joseph Weißel (geb. zu Prag 1811, gest. am 5. Mai 1877 in Wien), welcher als einer der hervorragendsten Rechtsanwalte der Residenz galt, Mitglied der juridischen Staatsprüfungscommission, Generalrath der anglo-österreichischen Bank, Verwaltungsrath mehrerer Eisenbahnen, Präsident der Wiener Rückversicherungsanstalt, Anwalt der Wiener Hoftheater und eines der ältesten Mitglieder der Wiener Schiller-Stiftung war. So lange nicht seine stets wachsende Praxis als Advocat ihn zu sehr in Anspruch nahm, war Joseph Weissel auch schriftstellerisch thätig und veröffentlichte in der Wagnerschen „Zeitschrift für österr. Rechtsgelehrsamkeit“ folgende Abhandlungen: „Ist die Gattin eines Militäristen berechtigt, ihrem privilegirten Gerichtsstande zu entsagen und sich einer Civilbehörde zu unterwerfen?“ [1836, Bd. II, S. 90]; – „Ein Wort über die Frage: ob durch das gerichtliche Urtheil der Titel der zuerkannten Forderung verändert werde“ [1837, Bd. П, S. 12, auch italienisch in Dr. L. Fortis in Venedig herausgegebenem „Giornale di Giurisprudenza austriaca“, Bd. I, S. 93]; – „Welche Wirkung hat die nach dem Verlaufe der Verjährungszeit von Seite desjenigen, der sich auf letztere berufen will, erfolgte Anerkennung des Rechtes seines Gegners?“ [1838, Bd. I, 129]; – „Einige Worte über Pränotationen von Auszügen aus Gewerbsbüchern“ [1840, Bd. II, S. 160]. – Ludwig Weißel beendete das Gymnasium in Wien und an der Hochschule daselbst die Rechtswissenschaften. Nach erlangter juridischer Doctorwürde folgte er dem Berufe seines Vaters und wurde Advocat in Wien. Schon frühzeitig mit Vorliebe literarisch thätig, blieb er es auch, nachdem er sich der rechtswissenschaftlichen Laufbahn zugewendet hatte. Anhaltende körperliche Leiden in den letzten Jahren zwangen ihn aber, nicht nur die Advocatur, sondern auch die Stelle eines Gemeinderathes der Stadt Wien niederzulegen und in ein wärmeres Klima zu übersiedeln. So schlug er denn in den letzteren Jahren abwechselnd in Genf, Montreux, auf Villa Karlstein in Reichenhall und an anderen Orten seinen Wohnsitz auf und beschäftigte sich um so fleißiger mit Literatur und poetischen Arbeiten. Von diesen letzteren veröffentlichte er Einiges, und zwar: „Der Froschmäusekrieg“ (2. Aufl. 1871), ein Uebersetzung der Batrachomyomachie; – „Hanns von Schwarzenberg“ (1879); – „Der [167] Mönch von Montaudon. Eine provençalische Erzählung“ (1882). Auch ist er in dem von Karl Emil Franzos herausgegebenen „Deutschen Dichterbuch aus Oesterreich“ (Leipzig 1883, Breitkopf und Härtel, schm. 4°.) mit einigen poetischen Beiträgen vertreten.

Deutscher Literatur-Kalender für das Jahr 1884. Herausgegeben von Jos. Kürschner (Berlin und Stuttgart, W. Spemann, 32°.) VI. Jahrg., S. 284.