BLKÖ:Wiedersperger von Wiedersperg, die Ritter und Freiherren, Genealogie

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 56 (1888), ab Seite: 8. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Wiedersperger von Wiedersperg in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wiedersperger von Wiedersperg, die Ritter und Freiherren, Genealogie|56|8|}}

Zur Genealogie der Ritter und Freiherren Wiedersperger von Wiedersperg. Diese Familie ist eine alte Adelsfamilie aus Meißen, welche zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts zuerst in Böhmen erscheint. Nach dem „Genealogischen Taschenbuche der freiherrlichen Hauser“ (1853, S. 537) wäre Burkhard der Erste nach Böhmen gekommen, und zwar um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. [9] Er wurde mit seiner Gemalin Magdalena geborenen von Reitzenstein der Stammvater des nachmals so ausgebreiteten, in zahlreichen Zweigen, deren einige bereits erloschen, blühenden Geschlechtes. Sein Sohn Lorenz, vermält mit Katharina geborenen Kawka von Krziczan, zeugte zwei Söhne: Moriz und Georg. Von Ersterem geht der Pteniner Hauptast aus, welcher mit allen seinen Zweigen bereits erloschen ist. Georg erheiratete mit seiner Gemalin Margarethe geborenen Henniger von Seeberg (irrig auch Eberg) Schloß und Herrschaft Muttersdorf (Mutenin) und bildete den zweiten, den Muttersdorfer Hauptast der noch heute in mehreren freiherrlichen Zweigen blüht. Nach den uns zu Gebote stehenden Quellen können wir die unmittelbare Stammesreihe bis auf Johann von Wiedersperger zurückverfolgen. Derselbe verwaltete mit seinem Bruder Sebastian das Besitzthum Muttersdorf einige Zeit gemeinschaftlich, von 1585 aber allein, und kaufte im folgenden Jahre von Sidonie Holicka von Guttenstein noch das Gut Zahořan dazu. Er wird als ein gerechter und energischer Edelmann gerühmt, der auf seinen Besitzungen immer deutsche und čechische Schreiber zugleich hielt, um Jedem in der Muttersprache Recht sprechen und in Rechtsangelegenheiten Bescheid ertheilen zu können; er war für das Wohl seiner Unterthanen in Muttersdorf stets besorgt und nahm sie gegen die Ungerechtigkeiten ihres damaligen Pfarrers Eberhard, mit welchem sie in Streit gerathen waren, ernstlich und erfolgreich in Schutz. Sein Sohn Jacob Johann diente im kaiserlichen Heere gegen die Protestanten und ließ später, 1620 und in den folgenden Jahren, bei der Gegenreformation als Commissär sich gebrauchen, bei welcher Gelegenheit er gegen die evangelischen Geistlichen mit rücksichtsloser Strenge vorging, wofür er aber dann auch, als die Protestanten die Oberhand hatten, im Jahre 1640 u. f. von Seite der Sachsen und Schweden viel Ungemach ertragen mußte. Seine Gemalin Maria Justina geborene Holdingen gebar ihm am 19. Juni 1644 buchstäblich im Walde, wohin sie sich mit ihrem Gesinde vor dem Feinde flüchten mußte, den Sohn Friedrich Franz. Derselbe vermälte sich mit Antonie Felicitas Druckmüller († 1691), aus welcher Ehe der Sohn Christoph Wenzel hervorging, der 1734 hochbetagt starb. Christoph Wenzel war zweimal verheiratet, zuerst mit Anna Katharina von Počinov (gest. 1731), in zweiter Ehe mit Dorothea Josepha Kunak von Machovič, welch letztere ihm den Sohn Johann Franz Friedrich am 26. Juni 1733 gebar. Dieser diente einige Zeit in der kaiserlichen Armee, trat aber dann in Civilstaatsdienste über, wurde Kreiscommissär im Pilsener Kreise und erlangte mit Diplom vom 5. Mai 1760 für sich und seine Nachkommen den erbländisch böhmischen Freiherrenstand. Aus seinen zwei Ehen hatte er nur aus erster mit Maria Karoline geborenen Freiin Hinderer von Steinhausen drei Söhne und drei Töchter, welche aus der ersten Stammtafel ersichtlich sind. Der älteste Sohn Freiherr Vincenz Peter widmete sich den Studien, trat dann in den Staatsdienst, wurde zuerst Kreiscommissär in Gitschin, 1786 Landesgerichtsrath, 1796 Appellationsrath, worauf er in den Ruhestand übertrat, die Herrschaft Kozojeda kaufte und bis zu seinem 1815 erfolgten Tode verwaltete. Außer den zwei Sprossen dieser Familie Gustav und Leopold, deren kurze Lebensskizzen S. 8 und S. 11 mitgetheilt sind, haben sich noch einige vornehmlich im kaiserlichen Heere hervorgethan, so Rudolf Wiedersperger von Wiedersperg, der 1717 Major bei Prinz Maximilian Wilhelm von Braunschweig-Dragonern war, in der Schlacht bei Belgrad am 16. August g. J. mit Oberstlieutenant von Torento sich durch seine Tapferkeit auszeichnete und zugleich mit ihm verwundet ward. – Ein Freiherr Wiedersperg, dessen Taufnamen wir nicht angeben können, diente zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts bei Christian Fürst Waldeck-Huszaren, welches Regiment 1799 bei den Kämpfen in der Schweiz Verwendung fand. Er war damals Oberlieutenant in demselben und wurde beim Angriffe auf die Hauptposition des Feindes bei Zürich am Juni 1799 und im Arrièregardegefecht bei Sichtensteg unter den Helden des Tages genannt. – Ein Eduard Ritter von Wiedersperg diente 1859 als Oberlieutenant bei Veigl-Uhlanen Nr. 6. als Adjutant beim Regimentsinhaber commandirt. Für sein umsichtiges Verhalten in der Schlacht bei Solferino am 24. Juni genannten Jahres wurde er mit dem Verdienstkreuze ausgezeichnet. – Ein F. von Wiedersperg – allem Anscheine nach Freiherr Ferdinand, der 1871 verstorbene Vater des gegenwärtigen Chefs des älteren Hauses – trat in der Literatur [11] wiederholt mit Weidmannsgeschichten auf und veröffentlichte zuerst: „Jagd- und Reiseskizzen aus Ungarn, Siebenbürgen. Böhmen und der Moldau“ (Prag, 1860, Kober ); – „Erzählungen aus dem Weidmannsleben“ (Wien 1865, Marggraf), in Gemeinschaft mit F. Botgorschek; – „Lustige Jagdgeschichten“ (ebd. 1866, mit Holzschnitten) und „Abendstunden im Jägerhaus. Erzählungen für Jäger und Jagdfreunde. Mit zahlreichen Illustrationen und einem Jägerkalender“ (Wien 1864), welche zwei letzteren den 7. und 11. Band der von Marggraf in Wien herausgegebenen „Unterhaltungsbibliothek für Eisenbahn-Reisende“ bilden. – Was schließlich die Frauen des Hauses betrifft, so gehören sie mit nur ein paar Ausnahmen fast ausschließlich böhmischen Adelsfamilien an. [Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser für das Jahr 1853 (Gotha, Justus Perthes, 12°.) III. Jahrg., S. 537 und für das Jahr 1885, XXXV. Jahrg., S. 1023.]

Wappen. Senkrecht getheilter Schild. Im vorderen goldenen Felde erscheint ein rechts springender natürlicher Wolf, im Rachen ein weißes Lamm tragend, im hinteren blauen Felde ein rother Querbalken. Auf dem oberen Rande des Schildes ruht eine Freiherrenkrone, auf welcher ein offener goldgekrönter Turnierhelm sich erhebt, aus dessen Krone der vorerwähnte Wolf hervorwächst. Die Helmdecken sind beiderseits blau mit Gold unterlegt.

[10]
I. Stammtafel der Ritter und Freiherren Wiedersperger von Wiedersperg.
(Aelteres Haus.)
Jacob Johann (†1683).
Maria Justina von Holdingen.

Friedrich Franz
geb. 19. Juni 1644, †.
Antonia Felicitas Druckmüller, † 1691.

Christoph Wenzel, † 1734.
1) Anna Katharina von Počinov, † 1731.
2) Dorothea Josepha Kunaš von Machović

Johann Franz Friedrich, 1760 Freiherr
geb. 26. Juni 1733, †.
1) Maria Karoline geborene Freiin Hinderer von Steinhausen
geb. 26. August 1732, † 26. Mai 1799
2) Kunigunde Freiin von Wrede
geb. 20. Mai 1787, †.
Vincenz Peter
geb. 4. Februar 1759,
† 15. December 1815.
N. N.
Christoph Karl
geb. 11. Juni 1761,
† 22. October 1852.
1) Antonie Freiin Wanczura
geb. 16. April 1763.
2) Leopoldine geborene
Freiin von Blumencron
geb. 1810.
Karl Joseph Cajetan
geb. 7. August 1762, † 23. November 1853.
Theresia geborene Fiedler
geb. 19. November 1779, † 29. October 1851.
Walpurgis
geb. 14. April 1765, †
vm. Wunibald
Freih. Eben zu Brunn
† 1801.
Johanna
geb. 21. Mai
1766, †,
vm. Friedrich Karl
Freiherr
von Hardoncourt.
Theresia
geb. 1. April 1771, vm. Emanuel Peter
Graf Michna
† 16. November
1827.
Joh. Nep.
geb. 16. Februar
1805, †.
Alois
geb. 20. November
1806.
Walpurga
geb. 8. Juni 1808,
vm. Stephan Wanczura.
Franz
geb. 10. September 1794.
Karoline geborene Woborzil
geb. 1. Mai 1800.
Johann, Abt in Ungarn
geb. 1799, †.
Wilhelm
geb. 20. April 1800, † 16. Mai 1867.
Eulalia geborene Freiin von Rumerskirch
geb. 1817, † 29. Mai 1861.

Maria Josepha, Stiftsdame
geb. 4. September 1849.
Aloisia
geb. 20. Juni 1864, †.
Ferdinand
geb. 10.. Mai 1815, † 29. November 1874.
Eleonora geborene Friesenhan.

Ferdinand, geb. 185.
Theodor
geb. 6. October 1820.
Emilie
geb. 14. November 1822.
Gustav
geb. 11. October 1824.
[11]
II. Stammtafel der Ritter und Freiherren Wiedersperger von Wiedersperg.
(Neueres freiherrliches Haus.)
Johann Bapt. Ritter v.
geb. 30. April 1810, † 25 Februar 1837.
Therese Marie geborene Gräfin Trauttmansdorff-Weinsberg
geb. 12. März 1811.
Eduard Heinrich Freih. 1882
geb. 5. Mai 1835,
† 30. September 1882.
Gisela Gräfin Kàlnoky
geb. 5. September 1840.
Hugo Freih. 1881
geb 15. November 1836.
Maria Ludovica
geborene Freiin Dobřensky von Dobřenitz
geb. 6. September 1839.
Karl
15. Nov.
1866.
Johann Nep.
geb. 11. Juli
1869
Maria
Theresia
geb. 12. Dec.
1870.
Elisabeth     Adelheid
geb. 3. Sept. 1872.
Felix
geb. 17. April 1864.
Gustav
geb. 31. März 1865.
Heinrich
geb. 20. Jän. 1869.
Maria Johanna
geb. 24. März 1878.
Rudolf
geb. 8. Sept. 1880.