BLKÖ:Wielowieyski de Wielka-Wies, Ladislaus Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wiemund, Friedrich
Band: 56 (1888), ab Seite: 27. (Quelle)
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Wielowieyski de Wielka-Wies, Ladislaus Freiherr (k. k. Hauptmann und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Morkona in Russisch-Polen 1789, gest. zu Podgórze in Galizien am 14. Juni 1844). Der Sproß eines alten Adelsgeschlechtes, das in der Wojwodschaft Krakau ansässig war und sich in früherer Zeit de Trzeblin schrieb, trat er schon im Alter von 12 Jahren in die Schule des k. k. Bombardiercorps und machte, 16 Jahre alt, als k. k. Cadet den Feldzug 1805 gegen Frankreich mit. 1809 stand er als Unterlieutenant im 2. Artillerie-Regimente bei der Armee in Italien, wo er sich in der [28] Schlacht bei Fontana Fredda (16. April) besonders hervorthat. Als der Gegner unsere Avantgarde angriff, nahm Wielowieyski mit seiner Cavalleriebatterie mit größter Kaltblütigkeit, unbeirrt durch die mit großer Heftigkeit wiederholt ausgeführten feindlichen Attaquen, eine solche Stellung, daß er mit seinem wohlangebrachten Kugel- und Kartätschenfeuer den Feind zum Rückzuge zwang und über Rocco zurückwarf, durch welchen Umstand wesentlich die Einnahme von Fontana Fredda durch die Unseren herbeigeführt wurde. Einige Tage später, bei den wiederholten feindlichen Stürmen in Villanuova (am 29. April), bewahrte er von Neuem seine erprobte Tapferkeit und Umsicht, indem er mit seinen wohlgezielten gegen den Ort San Bonifazio geworfenen Kugeln und Kartätschen den Feind nöthigte, die weiteren Sturmversuche aufzugeben, und ihn bis Caldiero zurücktrieb. Durch fünf Stunden hatte er gegen den dreimal stärkeren Gegner genannten Punkt gehalten. Unsere zum Rückzuge gezwungene Armee wendete sich nach Ungarn, wo sie am 11. Juni vorwärts von Pápa Stellung nahm und am folgenden Tage ihren Rückzug gegen Téth fortsetzte. Während nun bei dem immer ungestümeren Vordrängen des Feindes die Artillerie-Stabsofficiere eben mit der Aufstellung der Brigade- und Positionsbatterien beschäftigt waren, traf der mit seiner Batterie bei der Nachhut eingetheilte Wielowieyski, dem bereits das Pferd unter dem Leibe erschossen worden war, ohne erst einen Befehl abzuwarten, aus eigenem Antriebe seine Maßregeln und eröffnete mit seiner zweckmäßig aufgestellten Batterie ein so wirksames Feuer gegen den Feind, daß derselbe sein heftiges Vorrücken allmälig aufgeben mußte, wodurch unserer nicht mehr bedrängten Armee der Rückzug wesentlich erleichtert wurde. Drei Tage später, am 14. Juni, bewährte er in der Schlacht bei Raab wieder seine Umsicht und Entschlossenheit. Er behauptete seine Stellung mit heldenmüthiger Ausdauer, richtete mit seinen Geschützen furchtbare Verheerungen in den feindlichen Reihen an und ließ sich in seinen Anordnungen auch dann nicht beirren, als ihm wieder das Pferd unter dem Leibe erschossen ward, kurz seine Batterie hielt sich so trefflich, daß der Feuerwerker, zwei Korporale und drei Vormeister der Batterie theils mit goldenen, theils mit silbernen Medaillen ausgezeichnet wurden. Aber auch der heldenmüthige Commandant der Cavalleriebatterie, Wielowieyski, durfte für solche Probe der Umsicht und des Muthes nicht leer ausgehen, umsoweniger, als der Feldmarschall Fürst Liechtenstein selbst das ausgezeichnete Verhalten des wackeren Officiers hervorgehoben hatte. Im Feldzuge 1813 stand Wielowieyski wieder in Italien. Bei Caldiero am 15. November wurde unsere Avantgarde zum Weichen gezwungen. Da trachtete er alle Absichten des Feindes, in den Rückzug der Unseren Unordnung und Verwirrung zu bringen, zu vereiteln, auch den Unseren den Uebergang über die Alponbrücke bei Villanuova zu sichern, ein Unternehmen, umso schwieriger, als in dem hartnäckigen Kampfe seine Batterie Verluste an Bedienungsmannschaft und Pferden erlitten hatte. Er löste jedoch mit großer Umsicht seine Aufgabe. Während eines sechsstündigen Kampfes leitete er die Vertheidigung so zweckmäßig, daß nicht nur unser Rückzug nicht gestört, wohl aber vielmehr der verfolgende Feind in seinen Absichten gehindert wurde und in seinen [29] Colonnen eine nicht geringe Erschütterung wahrzunehmen war. Als dann am 8. Februar 1814 unsere Armee den Uebergang über den Mincio bei Valeggio ausführen sollte, wurde sie vom Feinde, der bei Goito den Fluß schon übersetzt hatte, lebhaft angegriffen und unser linker Flügel bis über Puzzuoto zurückgedrückt. Da war es wieder Wielowieyski, welcher mit seiner Cavalleriebatterie rechtzeitig und wirksam eintrat, indem er den Feind hinderte, unsere bereits geschwächte Infanterie aus der Stellung bei Furoni zu verdrängen und die Straße von Villafranca zu gewinnen. War unserem Helden für sein tapferes Verhalten bei Raab das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zutheil geworden, für diese neue Waffenthat schmückte der Kaiser denselben mit dem Ritterkreuze des Leopoldordens. Im Jahre 1815 befand sich Wielowieyski als Oberlieutenant bei dem Armeecorps, welches gegen Neapel operirte, und bewährte seine alterprobte Tapferkeit und Umsicht bei der Bloquade und Uebernahme von Ancona und bei der Beschießung von Gaëta, wo er das Obercommando der Artillerie führte. 1819 rückte er zum Hauptmann vor; im Jänner 1825 erhielt er den Statuten gemäß den Freiherrenstand. Aber schon 1826 trat er mit Beibehaltung des Militärcharakters aus den Reihen der activen Armee und genoß noch 18 Jahre den Ruhestand.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichisch-ungarischen Armee (Wien und Teschen 1880, K. Prochaska. gr. 8°.) Bd. II, S. 371, 372.