BLKÖ:Wittenberg, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wittgenstein
Band: 57 (1889), ab Seite: 158. (Quelle)
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Wittenberg, Leopold (Commandant einer großen Abtheilung der Wiener Nationalgarde im October 1848, geb. in Pesth 1810, gest. zu Wien am 21. April 1865). Er widmete sich in Pesth dem Handelsstande, kam dann nach Wien und lebte daselbst als Kaufmann. Im denkwürdigen Jahre 1848 wurde er Hauptmann der Nationalgarde, doch trat er erst am 13. October bemerkbar hervor, als er den Auftrag erhielt, als Hauptmann der Mobilgarde des Carolinenviertels die Werbung für dieselbe durchzuführen, was er auch mit unerbittlicher Energie – der technische Ausdruck dafür lautete: „Garden herauskitzeln“ – bewerkstelligte. Später bezog er als Oberst unter Bem das Hauptquartier im oberen Belvedere. Als dann bei der Organisirung der Vertheidigung Wiens gegen den vom Fürsten Windisch-Grätz eingeleiteten Angriff die Defensionscommandanten gewählt wurden, ging aus dieser Wahl neben Aigner, Wutschel Frank, Hauk und Sternau auch Wittenberg hervor, und zwar als Commandant des 4. Mobilen-Bataillons, welches mit 530 Mann die Strecke von der Artilleriekaserne am Rennweg und die Marxerlinie bis zur Belvederelinie an der Südbahn zu vertheidigen hatte. Noch in den letzten Octobertagen verlangte er ein Kriegsgericht über den k. k. Oberlieutenant Kuchenbecker, damaligen Hauptmann-Adjutanten Fenneberg’s, wegen angeblichen Verrathes der nationalen Sache an das k. k. Militär, wovon jedoch der Angeklagte in dem in der Nacht vom 24. October abgehaltenen Kriegsgerichte freigesprochen wurde. Es war derselbe Kuchenbecker, der in den Märztagen der Wiener Erhebung, damals k. k. Unterlieutenant, auf der Aula in Officiersuniform erschien, seine Schärpe abnahm und sie mit Füßen trat und dann am 10. October ein Obercommando von 600 Garden verlangte, um mit denselben zur Gefangennahme des Banus Jelačić auszurücken. Am 25. October wurde Wittenberg von Messenhauser zum Vertheidigungsleiter der Landstraße vom Donauarm bis zur St. Marxer Linie ernannt. Die Linie, auf welcher er seine Mobilen befehligte, leistete den energischesten Widerstand. Nach Niederwerfung des Aufstandes ward er vor das Kriegsgericht in Wien gestellt und im Februar 1849 zu fünf Jahren schweren Kerkers verurtheilt.

Dunder (W. G.). Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Ausführliche Darstellung aller Ereignisse aus amtlichen Quellen geschöpft... (Wien 1849, gr. 8°.) S. 460, 477, 637, 648, 692, 906.