BLKÖ:Messenhauser, Cäsar Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mesmer
Band: 17 (1867), ab Seite: 433. (Quelle)
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Messenhauser, Cäsar Wenzel (Commandant der Wiener Nationalgarde im October 1848 und Schriftsteller, geb. zu Proßnitz in Mähren 4. Jänner 1813, erschossen im Wiener Stadtgraben am 16. November 1848, Früh 8 Uhr). Der Sohn eines Regimentsmusikers aus dessen Ehe mit einer Taglöhnerin. Als Soldatenkind kam er, sechs Jahre alt, in ein kaiserliches Knaben-Erziehungshaus, wo er im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Zeichnen, Exerciren und im Felddienste den erforderlichen Unterricht erhielt. Im Jahre 1829, damals 16 Jahre alt, wurde er als Gemeiner ausgemustert und kam in das Infanterie-Regiment Kaiser Franz, in welchem er im Jahre 1830 zum Gefreiten und im Jahre 1832 zum Corporal befördert wurde. Mit einem außerordentlichen Gedächtnisse und mit einer eisernen Willenskraft verband er einen unstillbaren Wissensdurst, der ihn immer und immer zu neuen Studien und Arbeiten drängte, und so besaß M., ein Autodidakt im strengsten Sinne des Wortes, eine Fülle von Kenntnissen, mit denen er, ohne zu wollen, wenn sich Gelegenheit darbot, allenthalben großes Staunen erregte. Daß er, mit solchen geistigen Mitteln ausgestattet, sich in so untergeordneter Stellung nicht glücklich fühlen und sich aus derselben zu befreien bestrebt sein mochte, versteht sich wohl von selbst, und in der That unternahm er das Wagniß und richtete ein Bittgesuch an den Hofkriegsrath um Versetzung als Inspections-Feldwebel in die Wiener-Neustädter Militär-Akademie, welches er mit einer Abhandlung: „Ueber die schiefe Schlachtordnung“ begleitete. Auf diese Arbeit wurde Oberst Zanini aufmerksam, und [434] sein Humanitätsgefühl duldete es nicht länger, einen so begabten intelligenten jungen Mann unter der rohen Kamaschenzucht verkümmern zu lassen. M. wurde in Folge dessen im Jahre 1833 zum Fähnrich im Regiments Don Pedro befördert. Ueberdieß soll auch die Hofschauspielerin Zeiner, die mit Messenhauser durch dessen Mutter verwandt gewesen sein soll, es nicht an Verwendung für ihn haben fehlen lassen. Durch die Beförderung zum Officier wurde M.’s Ehrgeiz und Wissensdrang noch mehr gesteigert; all seine freie Zeit verwendete er zu wissenschaftlicher Ausbildung, und damals schrieb er eine Geschichte des Alterthums in zehn Bänden, die er vergebens einem Verleger zum Drucke anbot, durch deren Bearbeitung er aber, den wenngleich langwierigen, jedoch sicheren Weg eingeschlagen hatte, sein historisches Wissen zu läutern und zu bereichern. Früher schon war er durch die Werke Byron’s, die er in der Originalsprache lesen gelernt, zu kleineren poetischen Arbeiten angeregt worden; so entstand, während er seine Weltgeschichte schrieb und sich an den großen Charakteren des Alterthums erquickte, auch ein dramatisches Werk: „Demosthenes. Ein Trauerspiel in vier Acten“ (Wien 1841, Strauß, 8°.), das eher eine dialogisirte rhetorische Abhandlung, als eine dramatische Dichtung ist. Im Jahre 1839 gelang es ihm, von seinem damals in Galizien stationirten Regiments zu Hoch- und Deutschmeister versetzt zu werden, welches im folgenden Jahre als Garnison nach Wien kam. Damals wurde M. auch zum Unterlieutenant befördert. In Wien bot sich ihm nun bald Gelegenheit zu Anknüpfung literarischer Bekanntschaften, er trat mit Saphir in Verbindung und schrieb für dessen Journal „Der Humorist“ Novellen, Erzählungen und Gedichte. Auch sein Oberst ertheilte ihm den Auftrag, die Geschichte des Regiments Hoch- und Deutschmeister zu schreiben, denn eine frühere war im Brande zu Grunde gegangen. M. unterzog sich dieser Arbeit mit jenem Eifer, mit dem er Alles erfaßte, was er unternahm, und stellte aus den Acten des kais. Kriegsarchivs, wie aus den mündlichen Ueberlieferungen der damals noch lebenden älteren Officiere des Regiments eine recht verdienstliche Arbeit zusammen. Sie wurde auch von M.’s Obersten beifällig aufgenommen und M. zum Oberlieutenant befördert. Im Drucke ist diese Geschichte nicht erschienen und es wird sich wohl die Handschrift im Regimentsarchive befinden. Um jene Zeit erregten eben die Geheimnisse von Paris von Sue die Aufmerksamkeit der Lesewelt, und der leicht erregbare M. faßte sofort den Plan, die Geheimnisse von Wien zu schreiben. Er machte zu diesem Zwecke ordentliche Studien über die Zustände des niederen Volkes, besuchte Werkstätten, Wohnungen der Fabriksarbeiter und des Elends, Schenken aller Art, aber die zahlreichen Nachahmungen, welche alsbald nach Erscheinen des Originals den Büchermarkt überschwemmten, und nur zu deutlich zeigten, wie jämmerlich es damals noch mit der Mache des deutschen Original-Romans bestellt war, veranlaßten ihn, diesen Gedanken aufzugeben. Die politischen Verhältnisse im Jahre 1846 hatten einen Garnisonswechsel einzelner Regimenter zur Folge. Zu diesen gehörte Hoch- und Deutschmeister, und M., der sich in Wien literarischer Seits schon sehr behaglich zu fühlen begann, mußte mit seinem Regimente im genannten Jahre nach Galizien marschiren, wo neuerdings ein längst vorbereiteter Aufstand [435] zum Ausbruche gekommen war. Das Regiment Hoch- und Deutschmeister erhielt in Krakau seine Garnison, und dort soll M. mit einer sehr gebildeten Edelfrau ein zärtliches Verhältniß angesponnen haben, das aber später, da das Regiment seine Garnison wechselte, wieder gelöst wurde. In seinem Verkehre mit vertrauteren Freunden lenkte er jedoch öfter, immer aber in der zartsinnigsten Weise – wie er denn dem schönen Geschlechte gegenüber ein wahrhaft ritterlicher Paladin war – die Erinnerung auf diesen Gegenstand seiner, wie es schien, ersten Liebe. Nun wechselte das Regiment öfter seine Station, es hing dieß mit den Bewegungen des Aufstandes und mit den Nachrichten über dieselben zusammen. So lag es einige Zeit in Tarnow, dann mehrere Monate wieder in Tuchow, einer gar armseligen, unweit Tarnow gelegenen, nur von Juden bewohnten Ortschaft. Hier gab es Muße genug zu literarischer Thätigkeit, der Dienst war bald abgemacht, Officiersschulen gab es damals nicht, oder fehlte die Zeit, sie zu halten, in der völligen Abgeschiedenheit von aller Civilisation war der Gebildete auf sich selbst angewiesen, und so entwickelte M.’s fruchtbare Muse eine ganz anständige Thätigkeit. In kurzer Zeit waren mehrere recht artige Novellen und Erzählungen entstanden, dieselben mit einigen bereits gedruckten vereinigt und wurden nun in einer Sammlung, betitelt: „Wildniss und Parquet“, 3 Bände (Wien 1847, Hirschfeld), herausgegeben. Man muß es ausdrücklich betonen, daß das Auftreten eines österreichischen Schriftstellers, und gar eines Officiers mit einer schöngeistigen Arbeit, überdieß in Prosa und von dreibändigem Umfange, gleichsam ein kleines Ereigniß war. Messenhauser stand mit einem Male mitten unter den Schriftstellern, und da die streng genommen ganz gut geschriebenen, aber im Ganzen doch nicht sehr bedeutenden Novellen beifällig aufgenommen worden, hatte ihn dieser kritische Weihrauch etwas wirblich und befangen gemacht, und um die Freude des Dienens im Soldatenrocke war es geschehen. Damals schon trug sich M., den Herausgeber dieses Lexikons genau kannte und dessen täglicher Gast er während seines Aufenthaltes in Lemberg war, ganz ernstlich mit der Idee, aus dem Militärstande auszutreten. Im Jahre 1847 kam das Regiment Deutschmeister nach Lemberg in Garnison, wo sein Entschluß, das Schwert mit der Feder zu vertauschen, sich befestigte. Von Lemberg machte er auch im Winter g. J. eine Reise nach Leipzig, wo er mit mehreren Buchhändlern wegen des Verlages schon vollendeter und nur noch zu liefernder Arbeiten in Verbindung trat, Schriftsteller aufsuchte und die ersten Vorbereitungen traf, die ihm nöthig schienen, wenn er seine Idee des Austrittes verwirklichte. Eine Frucht dieses Leipziger Aufenthaltes war der Verlag zweier größerer Arbeiten, die auch während seines einsamen Garnisonslebens in Tarnow und Tuchow entstanden waren, deren Titel sind: „Die Polengräber“ (Leipzig 1848) und „Ernste Geschichten“ (ebd. 1848), welche jedoch beide unter dem angenommenen Namen Wenzeslaus March erschienen. Nach Lemberg zurückgekehrt, begann er einen großen Roman: „Der Rathsherr“, zu arbeiten, wurde aber in dieser Arbeit, die er den Winter 1847/48 mit eisernem Fleiße fortsetzte, durch die Bewegung des Jahres 1848 unterbrochen, die nach den Wiener Märztagen in Lemberg einen sehr ernsten Charakter annahm. Auch in Lemberg [436] sollte eine Nationalgarde errichtet werden, und M. wurde von der Bürgerschaft in das Comité zur Organisirung derselben gewählt. Nicht die Annahme der Wahl, wie es in einer Lebensskizze heißt, sondern was Alles drum und dran hing, vornehmlich sein Auftreten auf dem Rathhause, wo er Gegenstände berührte und in einer Art behandelte, welche mit seiner Stellung und mit seinem Eide als kais. Officier nimmer zu vereinigen waren, hatten eine schnellere Verwirklichung seiner Absichten, das Schwert mit der Feder zu vertauschen, als er erwartet hatte, zur Folge. Er hatte sich eine dreitägige Arreststrafe und die Versetzung von Lemberg nach Wien, welche unmittelbar darauffolgte, zugezogen. In Wien befand er sich bereits am 27. März, und dort angelangt, reichte er seine Quittirung ein, die nach[WS 1] mancherlei Schwierigkeiten doch in kurzer Zeit erfolgte. M. selbst gibt über diese, seinen raschen Austritt aus dem Militär erläuternde Katastrophe seines Lebens Auskunft in einem ganz ausführlichen, im Stabsstockhause geschriebenen, an Dr. Ludwig August Frankl gerichteten, von Wien 28. März datirten Briefe, den die Brockhaus’schen „Blätter für literarische Unterhaltung“ 1849, S. 805, seinem ganzen Inhalte nach wörtlich mittheilen. Bei seinem Austritte hatte M. nur noch einen Revers unterschrieben, in welchem er feierlich gelobte, weder gegen das kaiserliche Erzhaus noch gegen dessen Alliirte zu kämpfen. Es ist dieß so bei Quittirungen üblich, und wird hier nur deßhalb bemerkt, weil man mit dem Bruche dieses Gelöbnisses seine Verurtheilung in Verbindung brachte. Nach seinem Austritte hielt sich M. in Wien auf und gab zuerst eine Zeitschrift: „Die Volkstribüne“, heraus, welche gerade ob ihrer gemäßigten Haltung keine Theilnahme fand und in kurzer Zeit schon zu erscheinen aufhörte. Im Uebrigen lebte er ganz zurückgezogen, betheiligte sich durchaus nicht an dem tollen Treiben der verführten aufgehetzten Menge, trat weder in den Clubbs als Redner, noch in Plakaten und Flugschriften als Agitator und Wühler öffentlich auf, das einzige Lebenszeichen, das er in dieser Periode gab, war seine Candidatur für das Frankfurter Parlament. Zu diesem Zwecke legte er dem Wahlbezirke von Proßnitz sein politisches Glaubensbekenntniß vor, in welchem er sich entschieden zu den Grundsätzen des Fünfziger-Ausschusses bekannte. Da aber jener Wahlbezirk keinen Abgeordneten nach Frankfurt sandte, so blieb Messenhauser in Wien. Den Sommer über war er mit seinem „Rathsherrn“ und kleineren literarischen Arbeiten beschäftigt, auch exercirte er über Aufforderung seines Freundes L. A. Frankl die achte Mediciner-Compagnie innerhalb weniger Wochen ein. Wie es nun geschah, daß er nach dem 6. October mit einem Male zum provisorischen Commandanten der Nationalgarde für Wien und die Umgebung gewählt wurde, ist bisher noch nicht aufgehellt. Denn die Thatsache, daß ihn Becher und mehrere polnische Abgeordnete am 12. October dem Ministerium[WS 2] des Innern für diesen Posten, den vor ihm Graf Hoyos, dann Pannasch und für sehr kurze Zeit Spitzhütl und Scherzer bekleidet, vorgeschlagen und dieses ihn ernannt hatte, läßt doch vorbereitende Schritte von seiner und anderer Seite, kurz, eine Reihe von Thatsachen voraussetzen, die erst mit seiner Wahl einen Abschluß fanden. M. nahm ohne Zögern diesen schwierigen und gefährlichen Posten an, er hielt sich der damit verknüpften Aufgabe, [437] die durch auswärtige Wühler gehetzten, sich auf das Heftigste bekämpfenden Parteien zu beschwichtigen, wohl gar zu einigen, vollkommen gewachsen, und wenngleich riesengroße Hindernisse allen seinen Versuchen sich entgegenthürmten, M. erschrack nicht davor, er glaubte sich vielmehr auserwählt, eine große Aufgabe lösen zu müssen. Er umgab sich zu diesem Zwecke mit Männern von allen Farben; Republikaner, Constitutionelle, Rothe und Schwarzgelbe, wie sie damals alle hießen, die alle nicht wußten, was sie eigentlich wollen, hatte er um sich versammelt, dadurch aber eben dasjenige erregt, wozu er, wenn man seinen Charakter kannte, am wenigsten Anlaß bot – nämlich allseitiges Mißtrauen, welches in offene Verdächtigung ausartete. Am meisten waren die Ultras, die von keinem, auch dem äußersten Schritte nicht, zurückbebten, gegen ihn aufgebracht. M. aber ließ sich nicht irren und traf alle Vorkehrungen, die ihm nöthig schienen, so theilte er Wien in Districte, denen Commandanten zugewiesen wurden, stellte ein Kriegsgericht zusammen, vertheilte Vollmachten zur Errichtung von Mobilgarden, regelte den Wehrlohn, die Platzpolizei, das Paßwesen, setzte die Artillerie in gehörigen Stand und stellte jeden Unfug in ganz entschiedener Weise ab. Unter den fünfzehntausend Mann Mobilgarden, welche bei dem Belvedere ein Lager bezogen, hielt er musterhafte, selbst von seinen Gegnern anerkannte Manneszucht, Gefangene behandelte er mit Schonung, rettete zwei gefangenen Croaten-Officieren durch persönliche Dazwischenkunft das Leben, während sein eigenes nicht bloß durch diese aufreibende Thätigkeit, sondern in meuchlerischer Weise gefährdet wurde, da einmal auf ihn aus den Fenstern eines Klosters acht Schüsse, ohne jedoch ihn zu treffen, gefallen waren. So kam der 28. October heran, an diesem Tage hatte er noch die Vertheidigung des Rothenthurmthores persönlich geleitet, allmälig aber waren die Vorstädte bereits in der Gewalt der Truppen und an einen weiteren Widerstand nicht mehr zu denken. Er berief nun alle Commandanten zu einer Versammlung, setzte in dieser die wahre Lage der Stadt und die Unmöglichkeit, sie noch länger zu halten, auseinander, und machte den Vorschlag, eine Deputation an den Fürsten Windisch-Grätz zu senden, welche auch angenommen und ausgeführt wurde. Indessen übte M. noch immer sein Commando aus, und es ist eine erwiesene Thatsache, daß er am 29. October, als der fanatisirte Pöbel gegen die Hofburg zog, um sie anzuzünden und dann das weitere Zerstörungswerk an den Palästen des Adels und der Reichen auszuführen, daß eben er es war, der durch seine Ausdauer und Energie die Stadt von diesem Unglücke errettete und überhaupt vor manchem Weh behütete, dem sie sonst nicht entgangen wäre. Der Gemeinderath, der M.’s Thätigkeit würdigte, votirte ihm auch den Dank der Stadt. Am Morgen des 30. Octobers verkündete M. die Capitulation und forderte die Bevölkerung zur Niederlegung der Waffen auf. Eben als diese ausgeführt werden sollte, verbreitete sich die Nachricht von dem schon lange erwarteten Anmarsche der Ungarn. Nun aber wollte Niemand mehr etwas von Capitulation wissen. Die Basteien füllten sich mit bewaffneten Haufen, die Kampflust der Menge war theils von Neuem erwacht, theils von Emissären erregt worden, an mehreren Puncten wurden bereits Angriffe versucht. Da legte M. sein Obercommando [438] nieder. Nun erklärten aber sämmtliche Officiere der Nationalgarde nur unter seinem Commando fortdienen zu wollen, ferner vereinigten sich Verwaltungsräthe, Gemeinderäthe und der Reichsrath in Vorstellungen und Bitten, nicht abzutreten, und unter solchen Umstanden gab M. endlich nach und übernahm das Commando von Neuem. Er umgab nun die Aemter und öffentlichen Gebäude mit zuverlässigen Garden und schützte sie von dem immer gefährlicher sich geberdenden Pöbel. Am 31. October bis Mittag hatte bereits der größere Theil der Nationalgarde die Waffen niedergelegt, nur ein Theil der Studenten, die Arbeiter und die übergegangenen Soldaten wollten von Niederlegen der Waffen und Einstellung des Kampfes nichts wissen, setzten denselben auf eigene Faust an mehreren Puncten desto energischer fort, und so befahl denn Windisch-Grätz, aufgebracht durch den Bruch der Capitulation und um die Stadt von dem Pöbel zu retten, dem längere Zeit noch Widerstand zu leisten nicht möglich gewesen wäre, das Bombardement. Nach dem Falle der Stadt blieb M. in Wien, obwohl ihn Freunde auf das Dringlichste baten und riethen, sich durch die Flucht zu retten, und ihn zu diesem Zwecke sogar mit Paß, Kleidern und Geld versahen. M. war jedoch nicht zu bewegen, Wien zu verlassen. Da wurde am 5. November in der Wiener Zeitung seine Proscription kund gemacht und jedem der Tod gedroht, der ihn verheimliche. Als Messenhauser diese Kundmachung gelesen, stellte er sich aus freien Stücken dem Stadtcommandanten. Er wurde sofort in das Stabsstockhaus geführt und dort in Eisen gelegt. Vor das Standgericht gestellt, berief er sich auf seine Ernennung durch das Ministerium, den Reichstag und Gemeinderath, er machte darauf aufmerksam, daß er öffentliches und Privateigentum geschützt, mehreren Gefangenen das Leben gerettet, und daß er mit Gefahr seines Lebens für die Durchführung der Capitulation bemüht gewesen sei. Aber alle diese wie immer wichtigen und erheblichen Vertheidigungsgründe halfen eben so wenig, wie die Fürbitten des Gemeinderathes, des Reichstages, seiner Freunde, unter anderen der Hofschauspielerin Zeiner, die in La Roche’s Begleitung zu Windisch-Grätz ging, und mehrerer anderer hochgestellter Personen. Das Urtheil des Standgerichtes lautete [siehe in den Quellen] auf Tod durch Pulver und Blei. Messenhauser vernahm es mit Ruhe und Standhaftigkeit. Am 16. November, Morgens nach acht Uhr, fand im Stadtgraben die Execution Statt. Minister Graf Stadion, als er die telegraphische Depesche von der bevorstehenden Execution erhalten hatte, war in Person nach Wien geeilt, um im letzten Augenblicke einen Pardon zu erwirken, aber da die Execution zu so früher Stunde vor sich gegangen war, kam er an, nachdem sie bereits vollzogen. Messenhauser, im Leben bemüht, die Römer in ihren Tugenden – so lange sie noch deren besaßen – nachzuahmen, starb wie ein Römer mit der classischen Ruhe eines Helden. Auf dem Richtplatze angekommen, bat er um die Erlaubniß, als alter Soldat sein Ende selbst commandiren zu dürfen. Es wurde ihm gewährt, und mit fester vernehmlicher Stimme sprach er die verhängnißvollen Commandoworte: Fertig! – An! – Feuer! und von drei Kugeln durchbohrt, sank er lautlos zu Boden. Indem wir zum Schlusse noch zu seiner literarischen [439] Thätigkeit zurückkehren, ist nur mehr weniges zu berichten. Seiner bei seinen Lebzeiten erschienenen Werke ist bereits gedacht worden, was von ihm noch erschien, kam nach seinem Tode heraus, und zwar sind es die „Erzählungen des österreichischen Hausfreundes. Ein Andenken“ (Wien 1848, Jasper, Hügel und Manz, 8°.), das Büchlein erscheint als ein Seitenstück zu Auerbach’s „Gevattersmann“, es enthält kleine, in volksthümlicher Anschauung gehaltene Erzählungen mit einer gewissen Bezüglichkeit, sodann Ueberblicke über die Zeitereignisse, Orientirungen für den Oesterreicher über Zeitfragen und kurze Anekdoten. Der Schluß des Werkes fehlt, M. hatte das Manuscript schon im September dem Drucke übergeben, wollte aber den Schluß desselben erst bei beendigtem Satz schreiben. Mittlerweile wollte er in dem herrlichen Reichenauer Thale bei Wien in ländlicher Zurückgezogenheit sich ganz seinen Studien widmen. Es kam anders. Zwischen diesem Buche und seinem tragischen Geschicke liegt der Zeitraum von wenigen Wochen. Sein zweites Werk, dessen oben auch schon gedacht worden, ist: „Der Rathsherr. Ein nationaler Roman. Mit einer Weihe der Erinnerung“. Vier Bände (Leipzig 1849, Wienbrack, 8°.), M. bezeichnet selbst diesen Roman vom allgemeinen Standpuncte aus als ein Buch über deutsche Zustände, deutsche im Größeren und Kleineren; im Ganzen stellt es sich als eine in Romanform gekleidete politische Satyre dar, die auf der breiten Grundlage beruht, Opposition zu machen gegen Alles, was von unten hinauf (nicht, was von oben herab) der Entwickelung eines constitutionellen und einigen Deutschlands im Wege steht. Sonst erschienen noch: „Novellen und Erzählungen“, 5 Bände (Wien 1849 und 1850, Stöckhölzer v. Hirschfeld [München, Oberdorfer], 8°., mit Portr.); – „Letzte Novellen und Erzählungen“, 2 Bände (Wien 1850, Gerold [München, Oberdorfer], 8°., mit Portr.); – die zweiten Auflagen der „Ernsten Geschichten“, „Polengräber“ und „Des Rathherrn“ sind nur Titelauflagen. Der „Politische Hausschatz für deutsche Staatsbürger. Erklärendes Taschen-Wörterbuch der Rechte und politischen Anschauungen freier Völker“ (zweite wohlf. Ausgabe, Leipzig 1849, Spamer, 16°.) war die nächste Frucht seines Aufenthaltes in Wien während der Bewegung des Jahres 1848, und sollte dem politisch noch ganz unmündigen Volke mit der Erklärung der unentbehrlichsten Schlagwörter des Constitutionalismus einigermaßen zu Hilfe kommen. Es war dieß mehr eine Buchspeculation, die vielleicht damals eben lucrativ war. Ein Roman – der Titel desselben ist dem Herausgeber dieses Lexikons entfallen – ist im Jahre 1848 im Wiener Blatte „Der Radicale“ erschienen; einen anderen Roman, betitelt: „Valerian Raygern“, hatte er noch vor dem 48ger Jahre einer Buchhandlung in Deutschland angetragen, die jedoch den Verlag nicht angenommen hat. Sein literarischer Nachlaß wurde in einer Auction bei der Ente in Wien, wo dergleichen Bücher-Licitationen abgehalten zu werden pflegen, mit enormen Preisen angekauft. In wessen Hände er gerathen, ist nicht mit Bestimmtheit zu erheben gewesen. Als Schriftsteller war M. von geringer Bedeutung, erst sein tragischer Tod, sein politisches Martyrthum mußte dem Schriftsteller die Weihe der Unvergeßlichkeit geben, denn durch seine Werke, so willkommen sie als Kinder des Augenblickes sein mochten, hätte sein Andenken sich nicht lange so frisch zu erhalten [440] vermocht. Wenn ihnen aber auch keine literarische Bedeutenheit zugeschrieben werden kann, so tragen sie doch ganz das Gepräge seines streng sittlichen Charakters, verrathen ein gutes Erzählertalent, das Streben, einen eleganten Styl zu schreiben, dem man freilich hie und da ansieht, daß es ihm nicht so leicht war, und sind als Anfänge einer Thätigkeit, die zu Bedeutenderem Anlage hatte, immerhin beachtenswerth. Zum Schlusse muß auch eine irrige Angabe, welche im Jahre 1847 sich in die meisten deutschen Blätter eingeschlichen hatte, und welcher zufolge Messenhauser als Verfasser des damals vielberufenen „Tagebuch eines Officiers der westgalizischen Armee“ bezeichnet wurde, berichtigt werden. Messenhauser hatte diese Schrift nicht verfaßt, sondern der Autor derselben ist Messenhauser’s nachheriger Biograph, der damalige Lieutenant Nitschner, der zu jener Zeit als Adjutant des Feldmarschall-Lieutenants Wetzlar in Tarnow sich aufhielt.

Zur Biographie Messenhauser’s. (Friedmann, Bernhard) Messenhauser; biographisches Denkmal für Freunde und Gegner, von einem vertrauten Freunde des Verewigten (Leipzig 1849, 12°.). – Nitschner (J. F.), W. Messenhauser; sein Leben, sein Wirken und sein Ende; biographisches Denkmal (Wien 1849, 8°., mit Portr.). – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) Jahrgang 1849, Nr. 201, S. 801 u. f.: „Wenzel Messenhauser. Ein Lebensbild“. Von J. Gegenbauer. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernhard Friedr. Voigt, 8°.) XXVI. Jahrg. (1848), S. 920. – Die Octobertage Wiens. Eine historische Darstellung vom Standpuncte des Rechtes und der Wahrheit (Leipzig 1848, 8°.) [enthält eine Darstellung seines Processes]. – Dunder (W. G.), Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Ausführliche Darstellung aller Ereignisse, aus amtlichen Quellen geschöpft, mit zahlreichen Urkunden begleitet u. s. w. (Wien 1849, gr. 8°.). [Eine mit Vorsicht zu benützende, aber ihres reichen Details wegen sehr schätzenswerthe Quelle. Die Stelle auf S. 346, welche Messenhauser mit der an Latour begangenen Schandthat in psychologischen Zusammenhang zu bringen sucht, ist geradezu niederträchtig.] – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 127: „Aus den Erinnerungen eines Soldaten. Ein österreichischer Soldatenbub“. – Die Geißel (Wiener Witzblatt, 4°.) 1848, Nr. 120: „Messenhauser“ [enthält eine Berichtigung von Mathias Koch, den von diesem mit 60.000 fl. bezifferten Nachlaß Messenhauser’s betreffend, welcher sich nach der Hand auf die bescheidene Summe von 190 fl. herabminderte. Das Uebrige sind Koch’s Ansichten über die Ursachen des Todes Messenhauser’s]; – dasselbe Blatt 1848, Nr. 30: „Der radikale Prophet vom 19. Juni 1848 oder W. Messenhauser“ [anläßlich des im „Radikalen“ erschienenen Aufsatzes von Messenhauser: „Feldmarschall Radetzky und der Krieg in Italien“, mit welchem M. zuerst den Unmuth des Militärs gegen sich gereizt hattet – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungsblätter (Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Leipzig und Meißen gr. 8°.) Bd. V, S. 420. – Wiener Theater-Zeitung. Herausg. von Adolph Bäuerle [damals führte das Blatt den Titel: Oesterreichischer Courier] (Wien, gr. 4°.) 1848, Nr. 276 u. 279: „Messenhauser’s letzter Gardebefehl“. – Springer (Anton), Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1864 und 1865, S. Hirzel, gr. 8°.) S. 568. – Gottschall (Rud.), Die deutsche National-Literatur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts (Breslau 1861, Trewendt, 8°.) Zweite Auflage, S. 554. – Schütze (Karl), Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Berlin 1862, Albert Bach, 8°.) S. 228 [nennt seinen Geburtsort irrig Preßnitz (statt Proßnitz) in Mähren]. – Laube (Heinrich), Das erste deutsche Parlament (Leipzig 1849, Weidmann’sche Buchhandlung, 8°.) Bd. I, S. 153 [gibt in objektivster Weise mit wenigen Worten das treffendste Bild Messenhauser’s. „Neben mir“, schreibt Laube, „stand längere Zeit Messenhauser, der mir aus seinen fernen Garnisonsorten Novellen-Manuscripte nach Leipzig zu schicken pflegte, Manuscripte von bedenklicher Breite und Länge, von blumiger Ueberschwenglichkeit und von unmotivirten heroischen Wendungen. Jetzt schon hatte er seinen [441] Officiersrock mit dem bürgerlichen Kleide vertauscht, zu meinem Erstaunen. Oesterreich ist eben in schweren Krieg verwickelt worden, und da nehmen Sie den Abschied? Wofür denn haben Sie so lange im Frieden gedient bis zur Oberlieutenants-Stelle? Ist es nicht Sache der Ehre und des Patriotismus, gerade im Augenblicke der Gefahr nicht auszutreten? – Ich verstand seine Antwort kaum; ich ahnte nur, daß Ueberspanntheit die Nerven trieb in diesem schmächtigen sehnigen Leibe, in diesem blaßgelben, mit starrem Barte bedeckten Antlitze, in diesem stechenden braunen Auge. Ich dachte an ein Getränk, das nicht ausgegohren und einen Stich hat“]. – Auch im Roman: „Unter Windischgrätz“, welchen die Soldaten-Zeitschrift „Der Kamerad“ (Wien, 4°.) im Laufe des Jahres 1866 veröffentlichte, wird S. 303 eine zutreffende Charakteristik M.’s gegeben; in Gieseke’s Roman aber: „Moderne Titanen“, sein Tod erzählt.
Porträte. 1) Aigner p. 1848, Zastiera sc. (8°.). – 2) Hanfstängl lith. (Leipzig, Spamer, 4°.). – 3) Holzschnitt, von einem Ungenannten (8°.). – 4) Lithographie (Leipzig, bei Keil, 4°.). Mit Ausnahme des Aigner’schen Bildes, das aber durch den schlechten Stich sehr gelitten hat, sind die übrigen Bildnisse kaum ähnlich zu nennen; das beste wäre noch der Holzschnitt.
Messenhauser’s Persönlichkeit. Ein ehemaliger Waffencamerad M.’s, der auch seine Lebensgeschichte geschrieben, entwirft eine so gut gerathene Skizze von Messenhauser’s Persönlichkeit, daß sie hier einen Platz verdient: „Messenhauser war von mittlerer, etwas lässig gebückter Statur, und trug die Schultern hoch und vorgerundet. Fein, fast mager gebaut und von sehr schlanker Taille, fand sich wenig Imponirendes in seiner Aeußerlichkeit. Der Kopf, ein ziemlich schmales Oval, war eher klein als groß zu nennen, verrieth aber eben keinen ungewöhnlichen Menschen. Auffallendes lag nur in der Dichtheit und Schwärze seiner Augenbraunen, welche er bei einiger Erregtheit stark zusammen zu pressen pflegte. Das Auge war dunkelbraun, der Blick hatte etwas Stechendes, Durchdringendes und konnte mächtig auflodern, wenn sich irgend eine Veranlassung dazu fand. Die Nase, zierlich geschnitten und mäßig gebogen, war gleichwohl zu normal, um einen bestimmten Charakter in die Hieroglyphen der ganzen Physiognomie zu bringen. Seine Sprache konnte als fließend, doch gesucht und nicht ohne störende Breite gelten. Seine Aussprache zeichnete sich durch wohltönende Kraft und männlichen Klang aus. Wunderlich war das Spiel seiner abnormen mageren olivenfarbigen Hände. Selten, im Redefluß nie, vermochte er es über sich, dieselben ruhen zu lassen; jede rhetorische Phrase bekräftigte er mit lebhaften Gesten. Sein zur Manier gewordenes Händereiben wird schwerlich irgend einem Beobachter haben entgehen können. Im Uebrigen aber läßt sich von seinen Bewegungen nichts sagen – sie waren soldatensteif und ungelenk; in gymnastischen Künsten gebrach es ihm an jedweder Fertigkeit. Im engeren Verkehre, wie im großgesellschaftlichen Umgange, zeigte er sich nicht ganz frei von einer gewissen Originalität. Und weil er denn die seltsamste Mischung von Gefühls- und Verstandesmenschen abgab, so konnte es nicht fehlen, daß er, bald dem Herzen, bald dem Kopfe gehorchend, ein Schwanken und eine Zerfahrenheit in sein Wollen und Schaffen brachte, welches ihn leider oft das Extremste als das Rechte lieb gewinnen ließ. Am deutlichsten sprach sich dieß in der mündlichen Conversation aus. Das Geschraubte, Schwülstige zog er in der Conversation stets dem Natürlichen vor, und wußte sich immer und mit vieler Ueberlegenheit des großen Wortes zu bemächtigen. Schärfe, glückliche Citationsgabe, Geltendmachung seines bunten Mosaikwissens kann ihm nicht abgesprochen werden. [Eine ganz köstliche Scene nach dieser Richtung erzählte vor Kurzem erst der „Wanderer“ im Feuilleton von Nr. 127, 1867: „Aus den Erinnerungen eines Soldaten“.] Damit gewann er denn sein Publicum im Sturm; verlor es aber leider auch ebenso rasch, hatte es sich einmal an ihm abgekühlt. Ein ungewöhnliches Gedächtniß, eine mächtige Belesenheit – obschon der Stoff nicht recht war verarbeitet worden (das ist irrig) – eine weit ausgreifende Phantasie, naturwüchsiges Urtheil, Wortreichthum, rasches Auffassen und Zergliedern – Alles dieß schuf ihn zu einem gesuchten Conversationstalent, aber es blieb immer noch viel Phrasenthum, Wortschwall und Eckiges zu überwinden. Bei dem Abgange an Logik und Gründlichkeit, bei M.’s stoischer Selbstgenügsamkeit und stolzer Verzichtleistung auf fremden Beistand, lernte er die Abwege weder kennen noch vermeiden, auf welche ihn die überstürzende Hast des regellosen Studirens und eine planlose Lectüre (?) geführt hatten und immer weiter führen mußten.“ – {Seite|442}} Die Standhaftigkeit, ja seltene Willensstärke und Furchtlosigkeit, welche M. in seinen letzten Augenblicken. in welchen er mit soldatischem Muthe das Feuer zu seinem Tode selbst mit fester vernehmlicher Stimme commandirte, sind allgemein bekannt; weniger bekannt dürfte es sein, daß M. diese Ruhe nicht etwa für die letzten Augenblicke aufgespart, sondern daß sie ihn überhaupt von dem Augenblicke an, als er über sein Geschick selbst gar nicht mehr im Zweifel war, nicht verlassen hatte. Der letzte Besuch, den er außer seinen Wächtern und den gerichtlichen Personen, am Tage vor seiner Execution, erhielt, war jener des Theater-Directors Carl, der als Mitglied des Wiener Gemeinderathes Zutritt bei ihm erhalten hatte. Staberl bei dem zum Tode verurtheilten Messenhauser! Beide unterhielten sich lange miteinander. Das tragische Schicksal, dessen M. gewärtig war, machte ihn aber nicht im Mindesten verzagt. Er dachte eigentlich gar nicht viel daran, und am Schlusse der Unterredung mit Carl erzählte ihm M. die ganze Handlung seines neuen Lustspiels, das aber nicht vollendet war, indem der letzte Act noch fehlte, und sprach noch den lebhaften Wunsch aus, Carl möge das Lustspiel von gewandter Feder beenden lassen und es dann auf seiner Bühne zur Aufführung bringen. Carl hatte dieß versprochen. Das Lustspiel kam nicht zur Aufführung, es ist aber, wie mir mit Bestimmtheit versichert wird, im Drucke erschienen, Titel und Näheres darüber konnte ich aber nicht erfahren.
Messenhauser’s standrechtliche Urtheil. Der Wortlaut desselben ist: Wenzel Messenhauser, zu Proßnitz in Mähren geboren, 35 Jahre alt, katholisch, ledig, Schriftsteller, ist in der mit ihm abgeführten kriegsrechtlichen Untersuchung, durch sein Geständniß bei erhobenem Thatbestande überwiesen, daß er in der Eigenschaft als provisorischer Ober-Commandant der Wiener Nationalgarde, den bewaffneten Aufruhr in Wien, dessen Umgebung und in mehreren Provinzen durch Placate und Aufgebote zum Landsturm eingeleitet habe; daß er selbst nach Kundmachung des Belagerungszustandes über die Stadt Wien nebst Vorstädten und Umgebung, mittelst der Proclamation Sr. Durchlaucht des Herrn Feldmarschalls Fürsten zu Windisch-Grätz vom 20. und 23. October d. J. (1848), durch einen weiteren Aufruf vom 25. October und dessen Nachtragsbefehl vom nämlichen Tage, zum Aufruhr gegen die zur Herstellung der Ruhe und Ordnung von Sr. Majestät dem constitutionellen Kaiser gegen Wien entsendeten Truppen angereizt und diese bis zum Treubruch zu verleiten versucht; daß er ferner durch einen terroristischen Befehl die äußerste Vertheidigung Wiens gegen die anrückenden Truppen angeordnet und sonach den bewaffneten Widerstand auch thätigst fortgesetzt; daß er sogar nach abgeschlossener Capitulation wegen Uebergabe der Stadt an den Herrn Generalen Feldmarschall am 30. October Mittags zwei Bulletins über das angebliche siegreiche Vorschreiten der schon am 28. October angekündigten Heeresmacht der Ungarn in zahlreichen Abdrücken verbreitet und dadurch den Bruch der abgeschlossenen Capitulation herbeigeführt habe. Es ist demnach Wenzel Messenhauser durch kriegsrechtliches Urtheil vom 11. und kundgemacht am 14. November d. J., in Folge der angeführten Proclamation, in Verbindung mit dem Art. 62, §. 4, des Militär-Strafgesetzbuches, zum Tode durch den Strang condemnirt, das Urtheil aber am 16. d. M. um halb 9 Uhr Morgens im hiesigen Stadtgraben durch Erschießen mit Pulver und Blei vollzogen worden. Wien am 16. November 1848. Von der k. k. Militär-Central-Untersuchungs-Commission. – Dunder’s Buch über die Wiener October-Revolution gibt über die letzten, für Messenhauser’s tragisches Geschick so verhängnißvollen Tage die ausführlichsten, mit allen von ihm erlassenen Tagsbefehlen belegten Aufschlüsse. Der S. 824 mitgetheilte, vom 30. October Nachmittags 11/2 Uhr datirte Obercommando-Befehl, welcher mit den Worten anhebt: „Wenn sich zwei Heere unter den Mauern der Residenz schlagen u. s. w.“, dieser Befehl namentlich war es, der Messenhauser’s Todesurtheil besiegelte. Dunder selbst bemerkt darüber, daß „dieser Befehl Messenhauser’s durch Terrorismus am Stephansthurme erpreßt, oder von den anwesenden Revolutionsmachern aus der Reitschule befohlen worden zu sein scheint“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: noch.
  2. Vorlage: Minsterium.