BLKÖ:Becher, Alfred Julius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 207. (Quelle)
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Becher, Alfred Julius (Musikkritiker, geb. zu Manchester 1803 oder 1804, kriegsrechtl. erschossen zu Wien 23. Nov. 1848). Bechers Vater, in Hanau gebürtig, ist der Begründer der rheinisch-westindischen Handelscompagnie und war der Herausgeber des kölnischen „Organs für Handel und Gewerbe;“ seine Mutter eine Tochter des dänischen Generals von Binzer in Kiel. In früher Jugend kam B. nach Deutschland, wo er in Heidelberg, Göttingen und Berlin die Rechte studirte. In Folge dämagogischer Umtriebe gerieth er in Untersuchungshaft; später ließ er sich als Advocat in Elberfeld nieder, wo er aber aus Liebe zur Kunst, überdies excentrischen Charakters, bald seine ausgebreitete Praxis vernachlässigte, nach Düsseldorf zog, in den dortigen Künstlerkreisen sich sehr gefiel und mit Grabbe in vertrautem Verkehr lebte. Darauf wurde B. Professor der musikalischen Theorie im Haag und 1840 Professor einer musikalischen Akademie in London. Mit der Führung eines Processes in Wien betraut, begab er sich 1845 dahin, wo er mit Empfehlungsbriefen von Mendelssohn versehen, in bedeutenden künstlerischen und literarischen Kreisen gastliche Aufnahme fand. In Wien lebte er nur der Kunst und war, wie die Allgem. Ztg. 1848 Nr. 338 von ihm schreibt: „der Sauerteig, dessen scharfe Kritik in dem Sumpfzustande damaligen Musiktreibens Aufwallungen hervorbrachte, die nachher von guten Folgen waren.“ Anfänglich warmer Vertheidiger des lyrischen Elementes der Musik, wurde er seit Berlioz’ Erscheinen in Wien dessen Nachahmer und suchte das Vorbild im descriptiven Tonsatze zu überbieten. Doch war Becher als Tonsetzer weniger glücklich; in allen seinen Schöpfungen war mehr der Geist als die Phantasie vorherrschend, daher sie auch nicht zum Gemüthe sprachen; hingegen zum musikalischen Kritiker war er durch sein gründliches Wissen und die langjährige Routine ganz besonders berufen. B.’s Kritiken brachte das damals für die Interessen der Kunst in [208] ihren verschiedenen Zweigen so thätige „Sonntagsblatt“ Von L. A. Frankl. Becher schrieb auch als Resultat reinen Kunstenthusiasmus das Schriftchen: „Jenny Lind. Eine Skizze ihres Lebens“ (Wien 1847, 2. Aufl.). Im J. 1848 rissen ihn, den überhaupt sehr Excentrischen, die Märztage hin und er stürzte sich in den Strudel der Politik, dem demokratischen Centralcomité sich anschließend. Unter Mitwirkung der Häupter der demokratischen Vereine Dr. Tausenau, Jellinek, Kolisch u. A. redigirte er das Blatt „Der Radikale,“ welches seit 16. Juni 1848 bis zur Erstürmung von Wien erschien und während der Kampftage zum äußersten thätlichen Widerstande aufforderte. Auch hatte B. als Mitglied der Mobilgarde mitgekämpft. Aus diesen Anlässen wurde er einige Tage nach der Erstürmung Wiens verhaftet, am 22. Nov. standrechtlich zum Tode verurtheilt und am folgenden Tage dieses Urtheil an ihm, wie an Jellinek u. A. im Stadtgraben vor dem Neuthore mit Pulver und Blei vollzogen.

Frankl (L. A.), Sonntagsblätter [Wien 1847, 8°.) S. 120: „Dr. Alfred Julius Becher“ von E. Hanslick. – Didaskalia (Frankfurt, 4°.) Nr. vom 9. Dec. 1848 und einige Tage später die Berichtigung einzelner Angaben des Nekrologs von J. W. Appell. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) II. Bd. S. 407. – Beilage zur Allgem. Zeitung (1848) Nr. 338. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Leipzig, Romberg) 4. Bd. S. 366.