BLKÖ:Wojniakowski, Kasimir

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 251. (Quelle)
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Wojniakowski, Kasimir (polnischer Historienmaler, geb. in Krakau um 1770, gest. 20. December 1812). Seine Eltern, arme Leute in Krakau, konnten nur wenig für ihn thun, weshalb sich Sebastian Graf Sierakowski [Bd. XXXIV, S. 260], Propst und Kroncustos der Krakauer Kathedrale, des Knaben annahm und, da derselbe großes Talent und Neigung für die Malerei zeigte, ihn dem Maler Bacciarelli mit einer Summe zur Ausbildung übergab, in dessen Schule Kasimir in dieser Kunst Unterricht erhielt. Nun machte der junge Mensch unter seinem Meister so tüchtige Fortschritte, daß er sich bald eine selbständige Stellung und einen angesehenen Namen als Künstler schuf. Aber mit diesen glänzenden Anlagen für die Kunst verband er leider große Neigung zu einem ausschweifenden Leben, ergab sich bald, nachdem er in schlechte Gesellschaft gerathen, der Leidenschaft des Trunkes und ging, ohne die hohe Stufe in der Kunst zu erreichen, zu der ihn Talent und technische Ausbildung befähigten, im schönsten Mannesalter, kaum 40 Jahre alt, elend zu Grunde. In letzter Zeit gänzlich verarmt und verkommen, fand er in dem Maler I. Kosiński den Menschenfreund, der sich liebevoll des so tief Gesunkenen und gänzlich Verlassenen annahm. Die Zahl der Arbeiten Wojniakowsk’s ist nicht eben gering, aber die meisten sind so zerstreut im Besitz von Privaten, daß ein Verzeichniß derselben nur sehr schwierig zusammenzustellen ist. Er malte Oel- und Pastellbilder, doch sind letztere nur sehr selten, er malte Altarbilder, meist aber Bildnisse, welch letztere jedoch durch die dargestellten Personen und ihre scenische Auffassung oft den Charakter eines Historienbildes besitzen. Wir führen von seinen [252] Gemälden an: „Die Sitzung des vierjährigen Reichstages am 3. Mai 1791“, ein Gemälde, das durch die Gruppirung und die sehr ähnlichen Bildnisse der geschichtlichen Personen; so des Königs, der beiden Landtagsmarschalle, des Krakauer Bischofs Turski, des Hetmans Xav. Branicki, des Kanzlers Hyacinth Małachowski, des Schusters Kiliński, des Malers Bacciarelli, des Doctors Gagatkiewicz und des ohnmächtig gewordenen Landboten Suchoczew, mit seinem künstlerischen Werthe auch historischen verbindet, es ist Wojniakowski’s Hauptwerk; – „Christus am Kreuze“; – „Die h. Anna mit Maria als Mädchen mit dem Gebetbuch in der Hand“; – „Die h. Familie mit dem h. Joseph und h. Joachim“; – „Die h. Rosalie mit einem weissen Kranz in den Haaren“: – „Die h. Magdalena“, sämmtlich große Bilder; – „Kosciuszka auf der Schanze neben der Kanone“; – „Die Hoffnung“, ein schönes allegorisches Bild, wahrscheinlich für ein Kaufmannsschild bestimmt. Von seinen Bildnissen sind bekannt: „König Stanislaus August“, den der Künstler meist nach dem Original Bacciarelli’s öfter gemalt; – „Stanislaus Foltyk, Senator- CasteIlan“; – „Dessen Gemalin Karoline, eine geborene Fürstin Sapieha“; – „Alexander Gral Pociej; – „Dessen Gemalin Anna geborene Korzeniuwski“; – „Johann Plersch, Maler“; – „Fürst Sapieha“; – „Matthias Sobolewski, Castellan van Warschau“; – „Valentin Graf Sobolewski“, Bruder des Vorigen; dieses Bildniß ist eine Copie nach einem Original der Angelica Kaufmann; – „Thaddäus Kosciuszka“, verschieden von dem schon früher erwähnten, wie er denn überhaupt diesen „letzten Polen“ öfter abkonterfeit hat; – „Michael Rosiński, Oberst“; – „Graf Potocki“; – „Kaiser Napoleon“. mit der Unterschrift: Er gab uns das Vaterland (?), lernen wir, es vertheidigen; – „Friedrich August, König van Sachsen, Herzog von Warschau“, mit der Unterschrift: Erster Herzog von Warschau, bestätigte und dotirte er diese Schule; – „Fürst Joseph Poniatowski“, mit der Unterschrift: Dem ersten Stifter die dankbare Schule; diese drei Bilder, 1809 gemalt, befinden sich in der Cadetenschule der Artilleristen und Ingenieure zu Warschau; – „Sein Selbstporträt und das Bildniss seiner Gattin“. Viele seiner Bildnisse befinden sich im Privatbesitze und sind auf den Edelsitzen in Polen und in den Familien in Warschau und anderen Städten zerstreut. Wojniakowski’s Bilder zeigen eine ganz ungewöhnliche Begabung, sind trefflich in der Composition, frisch in Farbe; sicher in der Zeichnung und voll Leben in der Gruppirung, leider sind sie oft, und namentlich die der späteren Jahre, nachlässig und flüchtig ausgeführt, da er ja nur malte, wenn er Geld brauchte, das er bald wieder vertrank, worauf er in wenig nüchternem Zustande zur Arbeit zurückkehrte, die dann auch, seiner Trunkenheit entsprechend, wenig künstlerisch ausfiel. Hingegen tragen seine Arbeiten aus erster Zeit den Stempel seines echten Genies an sich, dessen Verirrung umso mehr zu beklagen ist. In den Quellen, welche über den Künstler berichten, finden wir öfter seinen Namen Wojniakowski zu Wojakowski entstellt. Den deutschen Kunstforschern ist Wojniakowski vollig unbekannt.

Rozmatosci, d. i. Miscellen. Beiblatt zur „Gazeta Warszswska“ 1819, Nr- 32. – Ruski Invalid, d. i. Der russische Invalide, 1819, Nr. 247. – Galęzowski (E.). Kalendař na r. 1832 (Warschau) S. 27. – Dzwon, d. i. Die Glocke, von W. Smokowski (Warschau 1846) Bd. II, S. 132.
[253] Porträt. Dasselbe, von Joseph Kosińskj in Miniatur gemalt, befand sich nebst einigen anderen Bildern des Künstlers im Besitze des polnischen Kunstforschers Eduard Grafen Rastawiecki. Wenn ich nicht irre. so machen einige Maler Polens der Gegenwart Anleihen bei Wjniakowski’s vergessenen Bildern.