BLKÖ:Wolf, Hedwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wolf, Gerson
Band: 57 (1889), ab Seite: 290. (Quelle)
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Wolf, Hedwig (Schriftstellerin, geb. in Wien am 15. April 1831). Eine Tochter des ausgezeichneten Romanisten Ferdinand und Schwester des Adolf Wolf, deren Lebensskizzen S. 273 und S. 260 mitgetheilt sind. Ihre Ausbildung erlangte sie vornehmlich unter der unmittelbaren Leitung ihres Vaters, von dem auch die Vorliebe für romanische Literatur, besonders für die spanische, auf sie überging. Frühzeitig regte sich der Drang zu schriftstellerischer Thätigkeit in ihr, und sie schrieb kleine Erzählungen und Novellen, welche ihr Vater dann stylistisch ausbesserte, und da sie unbestreitbar schöpferisches Talent besaß, ermunterte er sie, auf der eingeschlagenen Bahn vorwärts zu gehen. Ihre ersten novellistischen Arbeiten erschienen 1857 unter dem Pseudonym Luise Thal, und zwar in dem von Johann Gab. Seidl herausgegebenen Taschenbuch „Iduna“ die Erzählung „Ida“ und zu gleicher Zeit in der Gerson’schen „Mode-Zeitung“ in Berlin die zweite: „Einer Stimme Zauber“. Nachdem sie ihr Vater in das Studium der lateinischen und spanischen Sprache eingeführt [291] hatte, betheiligte sie sich 1860 an der von Schrimpf in Paderborn begonnenen Ausgabe der aus dem Spanischen übersetzten Werke von Fernan Caballero. Dies ist der Name einer deutschen Dame, Cäcilie Böhl von Faber, der Tochter eines Hamburger Kaufmannes, die zweimal Ehen mit Spaniern, und zwar zuerst mit dem Marquis d’Arco Hermoso und dann mit Don Anton de Arrom geschlossen und sich durch ihre Schriften in literarischen Kreisen Spaniens ein ungemein großes Ansehen erworben hat. In den Uebersetzungen der Caballero tritt Hedwig Wolf bereits mit ihrem wahren Namen auf, den sie auch seitdem beibehalten hat. So erschienen von ihr: „Elia“, von F. Caballero (1860); – „Drei spanische Sittengemälde“, von Fernan Caballero (Wien 1863), welche Hedwigs Vater selbst mit einem Vorworte eingeleitet hat; – „Religiöse Aufsätze“, von Caballero (1863). Aber auch Originalarbeiten gab sie heraus, so: „Novellen und Erzählungen“ (1861), welche vier Nummern: „Leidenschaft und Liebe“, „Agathe“, „Liebe, ein Stern in dunkler Nacht“ und „Der Componist“ enthalten. Größer ist die Zahl ihrer in Zeitschriften Oesterreichs und Deutschlands erschienenen erzählenden und novellistischen Arbeiten, darunter „Das Testament“ in Waldheim’s „Illustrirten Blättern“ 1861, „Das Urtheil der Welt“ im „Oesterreichischen Volksfreund“, „Sarah Veilchen“ im „Vaterland“, „Ulrike“ im „Heimgarten“, sämmtlich im Jahre 1865 und andere im „Wanderer“, in der „Wiener Abendpost“, in der „Presse“, in der „Bohemia“, in den von Schönlein in Stuttgart herausgegebenen illustrirten Zeitschriften, in der „Illustrirten Novellen-Zeitung“, in Vogl’s „Volkskalender“ und in mehreren katholischen Blättern Deutschlands. Hedwig Wolf lebt in Wien, wo ihr inniger freundschaftlicher Verkehr mit zwei Jugendfreundinen, Francisca und Marie von Pelzeln, welche gleichfalls auf schriftstellerischem Gebiete unter den Pseudonymen Henriette Franz und Emmy Franz thätig sind, sie in den eigenen literarischen Arbeiten fördert und ihr einen anregenden kleineren Freundeskreis bietet, da sie unvermält, ohne Eltern und Bruder, einer eigenen Familie entbehrt. Die streng sittliche Richtung ihrer Arbeiten macht dieselben vornehmlich für die weibliche Jugend geeignet. Sie nahm sich darin die Spanierin Caballero zum Vorbild, doch überwiegt diese Richtung in ihren Schriften nie so, um sie tendentiös erscheinen zu lassen. Wie die Schriften der Isabella Braun kann man jene der Hedwig Wolf ohne Sorge der Jugend in die Hand geben; sie sind im Punkte der Sittlichkeit ungemein edel gehalten. – Von einer Hedvik Volf ist in čechischer Sprache das Buch: „Anděl světla. Novella z dob valky francouszké“, d. i. Der Engel des Lichtes. Novelle aus der Zeit der Franzosenkriege (Olmütz 1862) erschienen. Ob wir es hier mit der Uebersetzung einer deutschen Novelle unserer Hedwig Wolf – welche čechisch Volf geschrieben ist – zu thun haben, oder ob Hedvik Volf eine čechische Collegin der deutschen Hedwig Wolf ist, können wir nicht bestimmen, wir vermuthen darin eine Uebersetzung ihrer Novelle: „Liebe, ein Stern in dunkler Nacht“. Die čechische Frauenzeitung „Lada“, welche in Prag erschien, führt 1863, S. 79 Hedvik Volf unter den čechischen Schriftstellerinen (Spisovatelky české) namentlich auf.

Kehrein (Jos.). Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, [292] Volks- und Jugendschriftsteller im neunzehnten Jahrhundert (Zürich, Stuttgart und Würzburg 1871, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 262.