BLKÖ:Zillner, Franz V.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 60 (1891), ab Seite: 102. (Quelle)
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Zillner, Franz V. (Arzt, Culturhistoriker und Fachschriftsteller, geb. zu Salzburg 14. Februar 1816). Ein Sohn des Mechanikers und Salinenbaubeamten Anton Zillner [Seite 104,[WS 1] Nr. 1] besuchte er das Gymnasium und Lyceum und war die letzten vierthalb Jahre Zögling des Collegium Rupertinum in Salzburg. Darauf widmete er sich in Wien dem Studium der Medicin, erlangte das Doctorat aus derselben und aus der Chirurgie, sowie das Magisterium der Geburtshilfe und veröffentlichte aus diesem Anlaß 1841 als Inauguraldissertation einen historischen und einen statistischen Beitrag zur medicinischen Landesgeschichte Salzburgs. Nunmehr der damals sich entwickelnden Wiener Schule sich zuwendend, setzte er seine Studien in praktischer Richtung fort, indem er drei Jahre unter Schuh, Skoda und Hebra im Spitaldienste thätig war. 1844 trat er als Assistent an der medicinischen Klinik und als Secundararzt im St. Johannesspital zu Salzburg ein und blieb daselbst bis 1848, in welcher Zeit er im Lehrbuch des Professors und Primararztes Dr. Hornung den Abschnitt von den Hautkrankheiten bearbeitete und einen eingehenden statistisch gehaltenen Jahresbericht über die medicinische Abtheilung verfaßte, worüber ihm die Landesregierung in Linz ein Belobungsschreiben ertheilte. Im Jahre 1848 erfolgte seine Ernennung zum Irren- und Leprosenarzt in Salzburg. Als solcher entwarf er den Plan zur Vergrößerung des Irrenhauses von 16 Kranken auf ein halbes Hundert, wie es noch jetzt besteht, aber auch schon längst zu klein ist. Seit 1846 gab er für einige Wundärzte Privatvorträge über pathologische Anatomie und Brustkrankheiten, supplirte an der medicinisch-chirurgischen Lehranstalt kürzere Zeiten die Lehrkanzeln der theoretischen [103] Medicin und Anatomie, durch neun Jahre aber, bis zur Aufhebung der Schule die Lehrkanzel der Physiologie, Pathologie und Arzeneimittellehre, und ebenso lange hielt er Vorträge und Demonstrationen in der pathologischen Anatomie. Innerhalb des Zeitraumes von etwa dreißig Jahren machte er über tausend Sectionen. Im Jahre 1859 war er mehrere Monate Chefarzt des Aushilfs-Militärspitals St. Rochus und 1866 ein halbes Jahr Arzt des Filialspitals für Verwundete im Mutterhause der barmherzigen Schwestern. 1870 zum wirklichen Sanitätsrath ernannt, wirkte er in dieser Eigenschaft bis 1886, in welchem Jahre er altershalber sein Amt niederlegte, doch war er von Zeit zu Zeit als außerordentliches Mitglied des Sanitätsrathes thätig. Ueberdies ist er seit dem Jahre 1858 ordinirender Arzt im Mädchenwaisenhause, seit 1863 im Mutterhause der barmherzigen Schwestern. Neben seinem ärztlichen Berufe huldigt aber Zillner auch anderen wissenschaftlichen Disciplinen, darunter vornehmlich der Geschichte und Culturgeschichte, und widmete sich auch dem Dienste der Salzburger Gemeinde, in welcher er 1848–1858 infolge dreimaliger Wahl Mitglied des Gemeinderathes war. Diese Thätigkeit blieb in amtlichen und wissenschaftlichen Kreisen nicht unbeachtet. Der Monarch würdigte die Verdienste des Arztes außer der schon erwähnten Ernennung zum Sanitätsrath durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes, die Gemeinde der Stadt Salzburg durch das Bürgerdiplom. Seit dem Jahre 1856 ist er Mitglied der Leopoldinisch-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher, dann war er 1861 bis 1864 Vorstand der Gesellschaft für Landeskunde des Herzogthums Salzburg, deren Zustandekommen wesentlich sein Werk ist; ferner ist er correspondirendes Mitglied der k. k. statistischen Centralcommission, der Gesellschaften der Aerzte in Wien und Gratz und der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie. Als Schriftsteller ist er vorzugsweise auf dem Gebiete der allgemeinen und der Irren-Heilkunde und auf jenem der Heimatkunde thätig. Wir schließen diese biographische Skizze mit einer Uebersicht seiner schriftstellerischen Arbeiten.[WS 2]

Uebersicht der durch den Druck veröffentlichten medicinischen, geschichtlichen und culturgeschichtlichen Schriften des Dr. Franz V. Zillner. Die Titel seiner größeren Schriften sind: „Die Pöschlianer oder betenden Brüder in Oberösterreich“. in der „Allgemeinen psychiatrischen Zeitschrift“, 1836, S. 546–608; in zweiter vermehrter Auflage ebenda 1860, S. 565–719; – „Ueber kindlichen Schwach- und Blödsinn im Stadtgebiete Salzburg“, mit 10 Steindrucktafeln, in den Abhandlungen der Leop. Carolinischen Akademie „Nova acta“ XXVII, wurde von der k. k. statistischen Centralcommission dem internationalen statistischen Congreß in London vorgelegt. – „Geschichte der Stadt Salzburg“, I. und II. Bd. (Salzburg 1885–1890, 8°.). – „Salzburgische Culturgeschichte in Umrissen; veröffentlicht auf Veranlassung und Kosten des k. k. Baurathes Karl Ritter v. Schwarz“ (Salzburg 1871, 8°.) erschien zuerst als Beilage zur „Salzburger Zeitung“ und veranlaßte die Gegenschrift eines Ungenannten: „Einige Bedenken zur salzburgischen Culturgeschichte des Herrn Dr. med. Fr. V. Zillner“ (Salzburg 1872, 8°.). Dieser Ungenannte ist der als Caplan bei Neumarkt verstorbene Vogelhuber, welcher Geistlicher war in dem jetzt bayrischen Antheil des einst salzburgischen Amtes Tittmoning, wegen eines sittlichen Vergehens aber abgestraft nach Oesterreich ging, wo er das Wort Vogel von seinem Namen strich und sich Huber nannte, in verschiedenen oberösterreichischen Klöstern, dann in Wien und zuletzt in Salzburg, und zwar im Stifte St. Peter lebte und sich in seiner Art mit Schriftstellerei beschäftigte. Zillner’s kleinere Arbeiten theilen sich ein: a) zur allgemeinen und Irren-Heilkunde, [104] und sind diese: „Bericht über Versuche mit Schwefeläther“. in der „Salzburger Zeitung“ 1847/48. – „Gesundheitsbriefe, I–VII“ ebd. 1847. – „Zeittafel des Pflanzenwachsthums um Salzburg“ in der „Regensburger botanischen Zeitung“ 1838. – „Sterblichkeitstafel der Stadt Salzburg“ im Amts- und Intelligenzblatt der „Salzburger Zeitung“ 1847, S. 140. – „Ueber epidemische Zellgewebsentzündung“ in der „Oesterreichischen medicinischen Wochenschrift“ 1845. – „Beitrag zur Lehre von der Ruhr“ ebd. 1847. – „Ueber Erkrankungen von Volksmengen und Krankheitsconstitutionen“ in der „Zeitschrift der Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1850. – „Ueber Idiotie“ ebd., neue Folge, III, S. 212, 258. – „Irrenhausbilder“ (populär) in den Montagsblättern der „Salzburger Zeitung“ 1855, Nr. 1, 3, 4, 5, 7. – „Die jährliche Zu- und Abnahme der Sterblichkeit in Salzburg“ in der „Salzburger Zeitung“ 1847. – „Ueber psychische Jahreszeitconstitutionen“ in der „Psychiatrischen Zeitung“ 1859. – „Ueber psychische Altersconstitutionen“ ebd. – „Ueber die salzburgische Stadtbevölkerung“ in den „Mittheilungen für Landeskunde“ 1861. – „Ueber den für die salzburgische Stadtbevölkerung nöthigen Friedhofsraum“ ebd. 1862; diese Arbeit diente zur Grundlage bei der vier Jahre später erfolgten Anlegung des neuen Friedhofes. – „Der Typhus in Hallein“ ebd., III. – „Die Bevölkerungsverhältnisse des Landes Salzburg“ im Auftrage des Landesausschusses verfaßt, ebd., IV. – „Ueber den Einfluß der Witterung auf gastrische Krankheiten und die Typhusepidemie in Salzburg“ ebd. VI; diese Arbeit war eine der Veranlassungen, daß sich Salzburg zur Untersbergwasserleitung und ausgiebigen Canalisirung entschloß, und sie wurde auch den Vorerhebungen zu denselben Zwecken in Linz als dienstleistend erkannt. – „Die Bevölkerungsverhältnisse des Landes Salzburg“ im Auftrage der k. k. statistischen Centraldirection, in deren Druckschriften, eine von der vorbenannten Abhandlung ganz verschiedene Bearbeitung des gleichen Stoffes. – „Ueber die Häufigkeit der Erkrankungen an Irrsinn“ in den „Mittheilungen für Landeskunde“ 1879. Ferner schrieb Zillner für das anläßlich der 1881 in Salzburg stattgefundenen Naturforscherversammlung herausgegebene „Gedenkbuch“ S. 121–187: „Die kurze Geschichte der Stadt Salzburg“, eine Sanitätsstatistik derselben und über Boden, Wasser und Luft in Salzburg; und in der „Salzburger Zeitung“ noch verschiedene kurze populäre Aufsätze über Impfung, Cholera und über deren Verlauf, die Salzachschifffahrt, das Od und im amtlichen Auftrage den Aufruf an die Bevölkerung bei der Entwerthung des Papiergeldes u. m. a. b) zur Heimatkunde: „Ueber den Zusammenhang zwischen Geographie, Statistik und Geschichte. Vortrag vor den Mitgliedern des Landtages 1862“ in den „Mittheilungen für Landeskunde“ III. – „Die Wasserleitung der Alben“ ebd., V. – „Die Untersberg-Sagen. Nebst einem Abriß über Sagengeschichte überhaupt. Gesammelt und erläutert“ (Salzburg 1861, Lex. 8°.). – „Salzburg in den letzten fünfzig Jahren. Festvortrag zur Erinnerung an die Besitznahme Salzburgs durch Oesterreich“ ebd. 1866. – „Zur Volks- und Landeskunde“ in dem 1865 aus Anlaß des Brandes von Radstadt herausgegebenen Skizzenbuche. – „Launige Geschlechtsnamen“ ebd. 1876. – „Streifzüge auf dem Quellengebiete der Rupertsfrage“ ebd. 1878. – „Salzburgische Geschlechterstudien“ ebd. 1877: „Die Goldecker“; 1879: „Die Uetzling“, „Fischach“, „Bergheim“, „Radecker“; 1881: „Die Werfner Burggrafen“; 1881: „Die Tann“. – „Zur Ortsnamenkunde“ ebenda 1878: „Brand, Schwant, Mais, Reut“; 1879: „Die Widemgüter“; 1880: „Busch und Baum, Wald und Au“; 1882: „Das Wasser in den Ortsnamen“. – „Die Noriker“, ein Vortrag bei der 1881 in Salzburg stattgehabten Anthropologenversammlung“. – „Die Grafschaften (in Salzburg) und die kirchliche Frei“ ebd. 1883. – „Charaktere und Sittenschilderung und Hausbau der Salzburger“, im Kronprinzenwerke: „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ 1888/89.
Die Zillner sind ein salzburgisches Geschlecht; eine Familie dieses Namens ist in den Adelstand erhoben worden; aber weder diese noch der unten genannte Salzburger Bürgermeister Peter Zillner, noch der zur Zeit der Emigration genannte Reichstagsgesandte Salzburgs, noch endlich der salzburgische Hofrathpräsident, der diesen Namen führte, stehen mit unserem Arzt und Culturhistoriker Franz V., dessen Familie aus dem Kuchelthale stammt, in naher verwandtschaftlicher Verbindung.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Seite 105
  2. Vorlage: Abeiten