Barnum

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Barnum
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 284
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Barnum, ein amerikanischer Millionär
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[284] Barnum, der Erbauer und Eigenthümer des bekannten Museums in New-York, der Erfinder und König des Humbugs, in dessen Sälen und Corridors aus allen Ecken und Enden der Welt, ohne Wahl und Kritik, hunderttausend leblose und lebendige Dinge, – Kuriositäten, Kunsterzeugnisse und naturhistorische Sammlungen, Riesen und Zwerge, ägyptische Mumien und Schädel berühmter Männer, – aufgestapelt sind, ist in seiner Weise ein Genie, – ein Genie freilich, das ihn in der alten Welt auf die Galeere oder in’s Zuchthaus gebracht haben würde, während es in der neuen sein Glück gemacht hat. Barnum, seines Zeichens ein Kürschnergesell, commandirt jetzt eine Million Dollars, ist der größte Güterbesitzer in Connecticut und Ohio, Partner oder Direktor mehrer Banken; sein Name figurirt auf den Kandidatenlisten bei den Wahlen von Governors[WS 1] und Senatoren; der Mann präsidirt in politischen und landwirthschaftlichen Vereinen, er empfängt als Mäcen der Wissenschaften und Künste die Huldigungen der Dichter. Er hat es mit Vielem versucht, ehe er den rechten Weg zum Glück ausgemittelt. Er war nach einander Seifensieder, Essigbereiter, Schriftsetzer, Buchdrucker, Wahlagent, Stumpredner, Schiffsmäkler und nebenbei ein Lump überall. In einer sonnigen Schicksalsstunde gerieth er auf den Einfall, einem bankerotten Menagerieführer seine verhungerten Bestien abzukaufen – und gefunden war die Leiter des Glücks, auf der er von Staffel zu Staffel emporstieg, bis er im Stande war, sein Museum zu bauen für 120,000 Dollars, fünfzig Federn zu miethen und fünfhundert Zeitungen zu bestechen, um seinen Humbug durch die Union zu posaunen, täglich 150,000 Straßenecken, Omnibusse, Dampfboote, Wirthsstuben und Ladenwände mit seinen Placaten und Annoncen zu bekleben, und bald den General Tom Dumb, bald die Jenny Lind an seinen Triumphwagen zu spannen. In der Wahl der Mittel macht sich Barnun niemals Skrupel. Er näht ein Rudel Büffel in Bisonfelle ein, streicht ein halb Dutzend junger Bursche, echte Kinder von New-York, roth an, putzt sie mit Federmütze, Köcher und Bogen als Indianer des Felsengebirgs heraus und ladet dann zun Schauspiel einer Bisonjagd ein; er läßt aus Pferdeknochen und Fischgräten unbekannte, riesige Ungeheuer der Vorwelt zusammensetzen und bringt die gelehrte Welt mit „unzweifelhaften Zeugnissen“ ihrer Echtheit und mit „glaubwürdigen Berichten“ über Vorkommen und Fundorte in Staunen und Streit; er verwandelt weißhäutige Knaben in schwarze Aethiopier; er räumt die Trödelbude eines Hebräers aus, um die Lumpen und Lappen, die alten Tabaksdosen und ausgedienten Spazierstöcke, die verrosteten Degen und Pistolen etc. als Reliquien von Fürsten des Geistes und von Helden der Schlachten in vergoldeten Schränken hinter Spiegelgläsern zu zeigen. Zur Zeit des mexikanischen Krieges producirte er das Bein von Santa Anna in einer ungeheuern Spiritusflasche, obschon dem mexikanischen Feldherrn in der Schlacht von Buena-Vista nur ein Stück seines hölzernen Stumpfs abgeschossen worden war, da er das Bein selbst schon zehn Jahre früher vor Vera-Cruz verloren hatte; und wenn eine Zeitungs-Ente durch die Union schwimmt, ein Bericht von einen fabelhaften Geschöpf der Tiefe, einer Meermaid oder einer Seeschlange, – so kannst Du gewiß sein, es nach wenigen Wochen bei Barnum zu sehen. Das Publikum rennt, läuft, zahlt, schaut; es lacht, betrogen, seine eigene Leichtgläubigkeit aus, oder es murrt, schimpft, schreit Humbug! – aber Barnum setzt der guten, wie der bösen Laune stoische Gleichgültigkeit entgegen, freut sich seiner goldenen Ernte, lacht sich in’s Fäustchen und macht den Spektakel durch einen neuen Humbug vergessen. Der Tom-Dumb Humbug. – er ließ den Zwerg auf einem, aus einer Schildkrötenschale gefertigten, mit Silber verzierten Wägelchen von acht Elephanten durch die Stadt ziehen. – warf ihm 60,000 Dollars ab; der Jenny-Lind-Humbug, für den er mit einem Aufwande von 50,000 Dollars alle Componisten, Redacteure, Autoren, Buch- und Musikalienhändler, alle Haarkräusler, Putzmacherinnen und alle Künste der Reclame in Bewegung setzte, um das ganze Land für seine schwedische Nachtigall toll zu machen, brachte ihm über 200,000 Dollars ein; und jetzt, wo der Mann eine Million sein nennt, erinnert man sich kaum mehr des Schmutzes und der Unehre, die daran haftet, und Barnum gilt in der neuen Welt als „ein großer Geschäftsmann“, glücklicher als Cagliostro und St. Germain, die mit weit größeren Fähigkeiten in der alten Welt es nie über den Ruf „famoser Betrüger“ bringen konnten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Govornors