Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 27

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Sulzbach, mit Lautereck, Schloß,

Gemeinde II. Kl. mit 2615 Einw. wor. 14 Kath. und 8 eig. Konf. a. Sulzbach, Pfarrdorf mit Marktgerechtigkeit, 1432 Einw., b. Bartenbach, Weiler, 222 Einw , c. Berwinkel, Weiler, 100 Einw., d. Eschelhof, Weiler, 16 Einw. e. Harrenberg, Hof, 14 Einw., f. Ittenberg, Weiler, 104 Einw., g. Klein-Höchberg, Weilen 97 Einw., h. Lautern, Weiler, 166 Einw., i. Schleisweiler, Weiler, 129 Einw., k. Siebenknie, Weiler, 115 Einw., l. Siebersbach, Weiler, 148 Einw. m. Zwerenberg, Weiler, 102 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Oppenweiler eingepfarrt. 2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen. Sulzbach ist der Sitz einer Postexpedition, eines prakticirenden Arztes und einer Apotheke.

Wo das anmuthige, frischgrüne Murrthal beim Einmünden des südwestwärts heranziehenden Lauterthales und des gerade von Norden kommenden engen Fischbachthälchen eine ziemliche Weitung erhält, liegt in dem von stolzen Pappelgruppen malerisch besetzten Thalgrunde der große städtisch aussehende Ort, der im J. 1753 zur Hälfte abbrannte, daher seine meisten Gebäude aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammen.

Die Kirche steht mitten im Ort in hübschen Gartenanlagen, hoch über der von Backnang nach Murrhardt führenden Landstraße; auf dieser Seite, der südlichen, führt von der Straße aus ein großes mit einem Brunnen geschmücktes Treppenwerk hinauf, während gegen Osten die sich tief am Abhang hinabsenkende Mauer des alten Friedhofes sich noch 10′ hoch über der Erdfläche der Kirche erhielt und hier von einem runden Thürmchen flankirt wird. Das rechteckige | Schiff der Kirche wurde 1854/56 mit langen Flachbogenfenstern, der dreistockige, von achtseitigem Zeltdach bekrönte Thurm erst vor einigen Jahren in neuromanischem Stil erbaut, letzterer steht an der Ostseite und bildet zugleich den schmäleren Chor. An der geschnitzten Holzthüre des Südeinganges liest man 1761. Das hübsch erneuerte, geräumige Innere hat zwei Emporen über einander und eine flache Decke, der Chor ein Mulden-Gewölbe, an dem auf blauem Grund goldene Sterne glänzen. Die schöne Orgel steht im Westen; links vom halbrunden Triumphbogen hängt ein großes Krucifix aus der Renaissancezeit, die Kanzel ist in einfach schönem Rococo aus Maserholz verfertigt; bemerkenswerth ist noch ein altes Taufbecken mit den Darstellungen von Adam und Eva. Die drei verzierten Glocken haben sämtlich die Umschrift: Gegossen von A. Bachert in Kochendorf für die Gemeinde Sulzbach im Jahr 1858. Die Kirche ist vom Staat zu unterhalten. Der Friedhof ward 1756 außerhalb des Ortes angelegt.

Das große, dreistockige, im J. 1700 erbaute Pfarrhaus steht nördlich bei der Kirche in einem schönen Garten; seine Unterhaltung hat der Staat. Das stattliche, 1838 erbaute Schulhaus enthält 4 Lehrzimmer und 2 Lehrerwohnungen; davor ist ein Turnplatz angelegt. – In Sulzbach unterrichten an den Schulen 3, in Bartenbach, Siebersbach und Ittenberg je 1 Lehrer. Das Rathhaus, auch die Wohnung des Schultheißen enthaltend, wurde 1839 neu erbaut und war früher Gasthaus zum Ochsen.

Das Schloß Lautereck, welches schon im J. 1559 als Eigenthum der Grafschaft Löwenstein vorkommt, und im J. 1867 aus dem Besitze des Fürsten von Löwenstein-Wertheim in Privathände (des Rothgerbers Lutz in Sulzbach, im J. 1868 an den Bauern Welz) überging, steht am Westende des Dorfes und ist mit einem sehr breiten ausgemauerten Wassergraben im Viereck umgeben, der jetzt größtentheils trocken liegt und als Garten benützt wird. Es ist ein sehr hübscher, dreistockiger, alterthümlicher Bau; sein erster Stock besteht aus Stein und hat alte Schießscharten und gegen den westlich gelegenen Hofraum 3 rundbogige Renaissanceeingänge; über einem derselben steht die Jahreszahl 1602. Beide oberen Geschoße haben tüchtigen Holzbau; die Ostecken werden von zwei Thürmchen flankirt, die unten rund, in den oberen Stockwerken achteckig sind. Die auch in einem Rechteck laufende alte, noch noch einen gothischen Eingang zeigende Ringmauer umschließt den geräumigen Hof samt der Schafscheuer; eine steinerne Brücke führt an der Nordseite in den Hof, und der östliche Theil des ehemaligen Schloßgartens ist noch von einem besonderen, ebenfalls gemauerten Graben umgeben.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 3 laufende, durch hölzerne Deuchel geleitete Brunnen und 11 Pumpbrunnen. Die Markung | ist sehr reich an guten Quellen, die bedeutendsten sind der Badbrunnen, der Heilbrunnen, der Brunnen von der Ittenberger Höhe, der Haus- und der Kaltenmadbrunnen; der Heilbrunnen entspringt im Thal, die übrigen liegen an den Bergabhängen. Dann fließen über die Markung die Murr, die Lauter, beide zuweilen verheerend austretend, der Fischbach und der Haselbach. Beim Eschelhof liegt ein 1/2 M. großer Weiher, der abgelassen werden kann. Südlich am Ort heißt eine quellenreiche Stelle das Bad; hier stand ohne Zweifel einst ein Badhaus. Die Staatsstraße von Backnang nach Murrhardt geht mitten durch den Ort, die nach Löwenstein und Hall zweigen hier ab; eine Vicinalstraße geht nach Klein-Höchberg. Über die Murr führen zwei steinerne und eine hölzerne Brücke, dann über den Fischbach eine steinerne und 2 hölzerne, wovon die an der Landstraße im Ort der Staat zu unterhalten hat; ferner geht in Bartenbach eine vom Staat zu unterhaltende Brücke über den Haselbach.

Die im allgemeinen körperlich kräftigen Einwohner, von denen gegenwärtig 5 über 80 Jahre zählen, sind fleißige geordnete Leute, die viel religiösen Sinn haben, der sich häufig bis zum Pietismus und zu anderen religiösen Seckten steigert; gegenwärtig befinden sich etwa 50 Pietisten und 23 Wiedertäufer in der Gemeinde. Haupterwerbsquellen bilden Viehzucht, Feldbau, und im Mutterort auch die Gewerbe. Schuster und Hafner sind am stärksten vertreten und arbeiten auch nach außen. Eine Ziegelei wird mit gutem Erfolg betrieben.

Im Ort steht eine Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, dann außerhalb eine mit 2 Mahlgängen, einem Gerbgang und einer Hanfreibe, ferner je eine im Bartenbach, Lautern und Siebersbach mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang. Dann befinden sich 6 Sägmühlen im Gemeindebezirk. In Sulzbach sind 10 Schildwirthschaften, wovon 3 mit Bierbrauereien verbunden, in Bartenbach und Berwinkel je eine; – Kaufläden bestehen 4 in Sulzbach. Die Holzdurchfuhr und der Holzhandel sind sehr beträchtlich und auf den Ortsmärkten wird lebhaft, namentlich ziemlich stark mit Rindvieh gehandelt; der Ort hat nämlich das Recht in den Monaten April und Juli je einen Krämer- und Viehmarkt, im November einen Krämer-, Vieh- und Flachsmarkt, je Tags zuvor einen Holzmarkt abzuhalten.

Die Vermögensverhältnisse und Mittel des Auskommens sind befriedigend, indessen dürfte der Gewerbestand besser vertreten sein; der größte Grundbesitz eines Bürgers beträgt in Sulzbach 25 Morg. Feld und 10 Morgen Wald, in den Parzellen 80 Morgen Feld und 160 Morgen Wald; der des Mittelmanns in Sulzbach 8 Morg. Feld, in den Parzellen 30 Morgen Feld und 30 Morgen Wald; die ärmere Klasse besitzt in Sulzbach 1 Morgen Feld, in den Parzellen 4 Morgen Feld und 2 Morgen Wald.

| Gemeindeunterstützung erhalten gegenwärtig 35 Personen, hievon 20 in Sulzbach.

Die sehr große etwa 2 Stunden lange und 11/2 Stunden breite Gemeindemarkung ist mit Ausnahme der Thalebenen und einiger unbedeutender Hochflächen durchaus sehr gebirgig und von vielen Thälern, Thälchen und Schluchten nach allen Richtungen tief durchfurcht.

Der für den Feldbau mittelfruchtbare, für den Waldbau, welcher den größten Theil der Markung einnimmt, günstige Boden, besteht beinahe durchgängig aus den Zersetzungen der verschiedenen Keuperschichten und zwar auf den Höhen aus denen des Stubensandsteins, die einen mageren, düngerbedürftigen Sandboden liefern; an den Gehängen treten die thonigen, tiefgründigen Verwitterungen auf und in den Thalebenen haben sich humusreiche, den Wiesenbau begünstigende Alluvionen abgelagert. Unterhalb des Orts ist ein großartiger Muschelkalksteinbruch, der hauptsächlich Strassenmaterial liefert, angelegt, die einzige Stelle in der Gegend an der Muschelkalk vorkommt ([II]. hier. den Absch. „Gebirgsarten und Mineralien). Ferner besteht in der Nähe des Orts ein bedeutender Keuperwerksteinbruch und im Gemeindewald Taubenrain wird der weiße Stubensandstein aus 2 Brüchen gewonnen.

Das Klima ist im Thal mild, auf den Höhen etwas rauh und windig; kalte Nebel und Frühlingsfröste kommen im Thal häufiger vor als auf den Höhen. Hagelschlag ist selten.

Die nicht ausgedehnte Landwirthschaft wird gut und umsichtig betrieben und von verbesserten Ackergeräthen hat der Brabanter Pflug, neben dem noch theilweise üblichen Wendepflug, Eingang gefunden; auch eiserne Eggen und Walzen kommen vielfältig in Anwendung.

Zum Anbau kommen vorherrschend Dinkel und Haber, dann Roggen, Gerste und Einkorn, ferner Flachs, Hanf, und in neuerer Zeit Hopfen, viel Kartoffeln und Klee. Die Getreidefrüchte reichen nicht für den eigenen Bedarf und müssen daher theilweise von außen bezogen werden.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und verhältnißmäßig bedeutender als der Ackerbau. Das Futter ist gut. Die Wiesen, von denen 20 Morgen bewässert werden können, erzeugen reichlich Futter und sind im Thal dreimähdig, auf den Höhen zweimähdig. Futter wird auch nach außen verkauft.

Der Weinbau, welcher bis zum Jahr 1825 auf 60 Morgen betrieben wurde ist bis auf 1/4 Morgen abgegangen und hat der immer mehr zunehmenden Obstzucht den Platz geräumt; das Obst, vorherrschend Luiken und Zwetschgen, geräth gern und in günstigen Jahren können etwa 200 Simri nach außen abgesetzt werden. Von Seiten der Gemeinde wird viel für die Obstzucht gethan.

Die Gemeinde besitzt 2100 Morgen meist mit Nadelhölzern | bestockte Waldungen, die vom Morgen jährlich 3/8 Klafter abwerfen. Das Holz wird meist als Nutzholz verkauft und der Erlös mit jährlich 12.000 bis 15.000 fl. fließt in die Gemeindekasse, daher eine Gemeindeschadensumlage nicht nöthig wird.

Die gute Stoppelweide wird mit Schafen befahren, das Pachtgeld trägt der Gemeinde 250 fl., die Pferchnutzung 100 fl. ein. Die der Gemeinde gehörenden Allmanden sind mit Obstbäumen angepflanzt und verpachtet. Der Obstertrag wird besonders verkauft. Dann besitzt die Gemeinde eigene Güterstücke, die um 170 fl. jährlich verpachtet werden.

Die Rindviehzucht ist in sehr gutem Zustande, man hält Simmenthaler-, Limpurger- und Landrace und hat zur Nachzucht 2 Simmenthaler, 2 Limpurger- und 3 Landrace-Farren aufgestellt. Viehaustrieb findet im Spätjahr noch statt. Das gemästete und nachgezogene Vieh wird an Metzger der Umgegend verkauft.

Schafzucht wird von Privaten getrieben, die den Winter über 500 St. Bastarde laufen lassen. Die Wolle geht auf den Kirchheimer, der Abstoß der Schafe auf den Heilbronner Markt.

Die Fischerei in der Murr und ihren Zuflüssen, welche sich nur auf Forellen beschränkt, hatte die Standesherrschaft Löwenstein, welche sie mit dem Schloßgut Lautereck verkaufte. In dem Weiher auf dem Eschelhof wird künstliche Fischzucht von dem Pächter der Staatsdomäne und dem Schultheiß Molt betrieben.

Von Stiftungen besteht die Schuler’sche mit 400 fl., deren Zinsen zur Armenunterstützung verwendet werden.

Südlich vom Ort lief die von Marbach nach Murrhardt führende Römerstraße vorüber und westlich von da geht eine alte Straße, die hohe Straße genannt, über den Gebirgsrücken durch den Wald Greut gegen Groß-Bottwar, die vermuthlich ebenfalls von den Römern angelegt wurde.

Von den zur Gemeinde gehörigen Parzellen nennen wir nur die bedeutenderen, und zwar:

Bartenbach, ein freundlicher Ort mit einzelnen schönen Bauernhäusern, der sehr angenehm 1/2 Stunde östlich vom Mutterort an der Einmündung des Haselbachs in die Murr liegt; durch den Ort führt die Landstraße von Backnang über Sulzbach nach Murrhardt.

Berwinkel, eine Stunde nordöstlich von Sulzbach auf dem Gebirgsrücken zwischen dem Fischbach und dem Haselbach hoch und frei an der Sulzbach-Mainhardter Landstraße gelegen.

Eschelhof, 3/4 Stunden südöstlich von Sulzbach auf der Hochfläche gelegen, ist Staats-Domäne; sie wurde zur Hälfte im J. 1838 und zur andern Hälfte im J. 1842 von 4 Privaten durch den Staat erworben, ein Theil des Areals der k. Forstverwaltung | zur Aufstockung überlassen, der andere Theil, noch 84 Morgen, in Gesamtpacht gegeben. Im J. 1869 wurde der Pacht aufgehoben, die entbehrlichen Gebäude und von den Gütern 7 Morgen in kleineren Parzellen verkauft; der Rest der Güter ging an die Forstverwaltung zur Aufforstung über. Die frühere Pächterwohnung ist von der Schulgemeinde Ittenberg-Siebenknie käuflich erworben und zum Schulhaus eingerichtet worden.

Ittenberg, liegt 1/2 Stunde südlich vom Mutterort auf der sehr beträchtlichen Höhe links von der Murr.

Klein-Höchberg, liegt 1 Stunde nordwestlich von Sulzbach auf der Höhe zwischen dem Siebers- und dem Fischbach.

Lautern, 1/4 Stunde nordwestlich vom Mutterort im anmuthigen Lauterthale an der Sulzbach–Löwensteiner Straße gelegen. Der freundliche, ländliche Ort, gewöhnlich Bauernlautern genannt, wird von einem reichen Güterbesitzer, einigen vermöglichen Bauern und in der Mehrzahl von Taglöhnern bewohnt.

Schleisweiler, liegt zunächst bei Bartenbach auf der linken Seite der Murr.

Siebenknie, 1 Stunde südöstlich von Sulzbach sehr hoch über den linken Murrthalgehängen gelegen.

Siebersbach, hat 3/4 Stunden nordwestlich vom Mutterort in einem Seitenthälchen des Lauterthales eine etwas abgeschiedene Lage am Siebersbach. Die Einwohner sind meist unbemittelt.

Zwerenberg, liegt eine Stunde nordöstlich von Sulzbach hoch und frei auf dem Bergrücken zwischen dem Haselbach und dem Harbach.

Sulzbach bildete mit seinen Parzellen in alten Zeiten einen Bestandtheil der Grafschaft Löwenstein: Graf Albrecht von Löwenstein verpfändete 1376 das Dorf Sulzbach und den Weiler Lautern an den Schultheißen Johann Stoltz zu Hall (17. März), sowie die Weiler Siebenknie, Ittenberg („Ickenbach“), Schleisweiler („Schlußweiler“), Bartenbach und Zwerenberg („Zwerhenbach“) an die Fürterer von Waldeck (8. Apr. – Acta Theod. palat. 1, 343). Da die Grafschaft ein Reichslehen war, so findet sich in den Lehensbriefen K. Ruprechts vom 19. Jan. 1407 (Chmel Reg. Rupert. nro 1252) und K. Sigmunds vom 8. Jan. 1418 (Acta Theod. palat. 1, 372) für den Grafen Heinrich auch das Dorf Sulzbach im Murr-Thale samt Zugehörungen – d. h. wohl eben den Parzellen der Gemeinde – genannt. Als die Grafen Georg und Heinrich den 2. Jan. 1441 ihre Grafschaft an Kurpfalz verkauften, bildeten einen Theil des Kaufsgegenstandes „das Dorf zu Sulzbach, das Gericht halb und die Vogtei darüber ganz, der Weiler Klein-Höchberg über Sulzbach, Berwinkel, die 9 Dailer im Murr-Thal“ mit allen Rechten, Lehen und Zugehörden (Acta 3, 347 und 366).

| Im J. 1504 gewann Herzog Ulrich durch Eroberung mit der Grafschaft Löwenstein auch Sulzbach mit seinen Zugehörungen. Dasselbe bildete in der Folge das untere Amt Sulzbach, Fornsbach mit Zugehörungen das obere (s. oben VII, 1). Bei der Theilung des löwensteinischen Geschlechts im J. 1611 erhielt die ältere im J. 1813 gefürstete Linie Löwenstein-Wertheim-Freudenberg Sulzbach; allein den 25. Febr. 1867 verkaufte Fürst Wilhelm von Löwenstein den gesamten standesherrlichen Grund-Besitz an Häusern, Gärten, Wiesen und Äckern auf der Markung Sulzbach nebst einem Fischereirecht in der Murr und einigen Zuflüssen – Allod und Lehen – um 13.600 fl. an den Rothgerber Lutz von da.

Nach dem Landbuche von 1624 befanden sich zwei Mahlmühlen zu Sulzbach, je eine zu Bartenbach und zu Siebersbach, in jedem der 3 Orte auch eine Sägmühle.

Wenn auch die Stiftungsurkunde des Klosters Murrhardt von 817, nach welcher K. Ludwig der Fromme diesem Kloster die Pfarrei Sulzbach geschenkt hätte, unächt, und die Zurückführung Kl. murrhardtischen Zehentbesitzes dahier durch das Chronicon Murrhartense auf einen seiner Mönche, Konrad von Roth, unerwiesen ist, so stand doch von Alters her der Kirchensatz, die Kastvogtei, das Patronatrecht, die Advokatie, Kollatur und Lehenschaft der Pfarrei dem Kloster zu, wogegen, wie der Vertrag zwischen Württemberg und Löwenstein von 1587 anerkannte, das Kloster und die Grafschaft Löwenstein die Frühmeßpfründe abwechselnd zu verleihen und die Kastvogtei des h. Ulrich insgemein mit einander im Besitze hatten (Lagerb. von 1591). Außerdem besaß das Kloster in Sulzbach und seinen Parzellen noch verschiedene andere Güter und Rechte: in Sulzbach selbst den großen Frucht- und – gemäß dem Vergleich zwischen Kloster Murrhardt und Löwenstein vom 1. Sept. 1595 – auch den Novalzehenten, den kleinen und lebendigen Zehenten, welche jedoch der Pfarrer von Sulzbach zu seiner Besoldung zu genießen hatte, den Weinzehenten, von gewissen Gütern Schochen für den Heuzehenten, ein Widdumgut, mehrere Lehengüter, eine Badstube, eine Mahlmühle; ferner in sämtlichen Parzellen wenigstens im Allgemeinen den großen Fruchtzehenten und zwar gemäß dem Vergleiche vom 1. Sept. 1595 auch den Novalzehenten, wofür das Kloster in den Parzellen Klein-Höchberg und Siebersbach auf diese beiden Zehenten verzichtete, deßgleichen den kleinen und den lebendigen Zehenten, welchen der Pfarrer von Sulzbach ebenfalls als Besoldung zu beziehen hatte, Hof- und Lehengüter, Zinsen und Gülten, in Ittenberg, Lautern, Schleisweiler und Siebersbach Weinzehentrechte, auch wenn bisher noch kein Weinbau daselbst stattgefunden hatte, bisweilen den Heuzehenten oder ein Bestimtes dafür in Geld (Lagerb. von 1698/1710).

Schon im Jahr 1295 kommt ein ständiger Pfarrverweser zu | Sulzbach vor (Crusius ps. 2, 180) und eine Plebanie dahier nennt auch das Speirer Diöcesanregister aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts (s. oben VII, 2). Der Pfarrsprengel war früher bedeutender als heutzutage, wo er außer den Parzellen nur noch Bernhalden, Parz. von Reichenberg, Unter-Fischbach, Parz. von Groß-Erlach, Eschenstruet und Liemannsklinge, Parz. von Murrhardt, umfaßt; im J. 1854 wurden von ihm getrennt und der neuen Pfarrei Groß-Erlach einverleibt: Groß- und Klein-Erlach, Erlacher Glashütte, Liemersbach, Ober- und Mittel-Fischbach. Alle diese Filialien gehörten, soweit die mit dem Jahre 1618 beginnenden Kirchenbücher reichen, von jeher der hiesigen Parochie an, nur Bernhaldenmühle erscheint in denselben erst 1689, Erlacher Glashütte 1768, Harrenberg 1723, Liemersbach 1726.

Hinsichtlich der Geschichte einzelner Parzellen ist demjenigen, was bei der Geschichte des Hauptortes schon mitgetheilt worden, nur weniges beizufügen. Einkünfte in villa Berwinkel verkaufte den 16. Jan. 1330 Konrad von Heinrieth an den Grafen Nikolaus von Löwenstein (Acta Theod. palat. 1, 358). – Die Lutiraha (Lauter) kommt als Nebenbach der Murr schon in der Urkunde vom 16. Juli 1027 vor (s. oben VII, 1). Besitzungen zu Lautern bestätigte Pabst Innocenz IV. den 11. Apr. 1245 dem Stift Backnang. Den 14. Apr. 1462 belehnte Graf Ulrich von Württemberg den Hans Sturmfeder mit dem Weiler Lautern, woselbst übrigens die Familie Sturmfeder später nur noch eine unbedeutende Gült bezog. – Der Siebersbach kommt in der genannten Urkunde von 1027 als Siuerenesbach fluvius vor. Den 5. Dec. 1283 vermachten Dietrich gen. Wolf von Wunnenstein und seine Gattin Mechthild dem Kl. Steinheim Gülten in Siebersbach (St.-A.).


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