Beschreibung des Oberamts Besigheim/Kapitel A 7

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VII. Geschichtlicher Überblick und Alterthümer.
1. Politischer Zustand.

Nach den Zeiten der Römer, welche in vielen Straßenresten, Gebäudetrümmern, Anticaglien, Münzen etc. die Spuren ihres Daseins hinterlassen haben (s. unten unter Nr. 3), rückten gegen den Schluß des dritten Jahrhunderts die Alemannen, durch welche die Römer besiegt und zurückgedrängt wurden, in diese Gegenden ein, verloren jedoch am Ende des 5ten Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit in denselben an den vorstrebenden Frankenstamm.

Der Landstrich, welcher am frühesten der Herrschaft der Alemannen entrissen wurde und dessen Südgränze gegen die noch etwas länger unabhängig gebliebenen Theile Alemanniens unser Bezirk bilden half, wurde sofort zur Francia teutonica gerechnet (wofür die Lebensbeschreibung der heil. Reginswinde, indem sie von Lauffen redet, den Ausdruck in australis Franciae partibus gebraucht).

In der Zeit der Gauverfassung, in welcher der Neckargau eine allgemeinere Bezeichnung und der Inbegriff mehrerer gewöhnlicher Gaue zu sein scheint, griffen von diesen letzteren die folgenden in den jetzigen Oberamtsbezirk herein: von Nordwesten her der Zabergau, von Südwesten der Enzgau, von Nordosten der Murrgau. Mit bestimmter Bezeichnung als einem gewissen Gaue zugehörig kommen vor, als im Neckargau gelegen: Lauffen (in pago Neccraugauginse Urk. vom 19. Dec. 823), als Zabergauorte: Bönnigheim, Erligheim (in pago Zabernachgowe 793) und Kirchheim (in pago Zabernogouui et in comitatu Adalberti comitis. Urkunde v. 1003), als Enzgauort: Bietigheim (in pago Enzingowe 789) und als Murrgauort: Ingersheim (in pago Murrachgowe 836). Zur genauen Abgränzung der Gaue unter sich, liegen nicht genug Anhaltspunkte vor. Zu bemerken ist, daß sich in diesen Gegenden länger als anderwärts und noch bis auf den heutigen Tag eine Gaubezeichnung erhalten hat, der Zabergau, welcher noch als eine allgemeine Bezeichnung der Zabergegenden gilt.

Die Vergabungen an die Klöster Lorsch an der Bergstraße, Weissenburg und Erstein im Elsaß, Hirschau, Denkendorf, das Priorat Reichenbach und an das Hochstift Speier bieten uns die früheste Kunde einzelner Ortschaften; nach der Zeit ihres frühesten geschichtlichen Auftauchens gereiht sind die ältesten bekannten die folgenden: Lauffen um 741 (die gleichzeitige Urkunde ist jedoch nicht erhalten), Bietigheim 789, Bönnigheim, Erligheim 793, Hofen, Ingersheim 836, Kirchheim 1003, Besigheim zwischen 1043–77 (gleichzeitige Urkunde verschwunden), Wahlheim 1075,| Gemmrigheim gegen 1100, Hessigheim um 1100, Ilsfeld 1102, Kaltenwesten zwischen 1102–24, Löchgau um 1110.

Eine ansehnliche Grafschaft, deren namengebender Stammsitz in unserem Bezirk lag, ist die Grafschaft Ingersheim (s. Groß-Ingersheim im topogr. Theil), welche sich sowohl über Enz- als auch über Würm- und Nagoldgegenden erstreckte (Nußdorf in Entzgowe in comitatu Ingerssheim. Cod. Hirsaug. 69a, Hirschau in pago Wiringowa in comitatu Ingirisheim 1075, Oct. 9). Die Gerichtsstätte der Grafschaft war Ingersheim selbst (Ingersheim locus secularibus placitis constitutus, um 1110. Cod. Hirsaug. 40a), wie denn überhaupt öfters nach den Gerichtsstätten die Grafschaften selbst genannt wurden; Besitzerin der Grafschaft war die Grafenfamilie, welche sich theils von Ingersheim, theils und bald ausschließlich von Calw schrieb. In dieser Familie erscheint öfters der Name Adelbert; um 1110 saß ein solcher Graf Adelbert in Ingersheim zu Gericht (Cod. Hirsaug. a. a. O.); wahrscheinlich, daß derjenige Adelbert, in dessen Grafschaft, wie oben angeführt, Kirchheim lag, einer seiner Ahnherren ist. Da die Hauptlinie der Grafen, welche sich von Calw nannte, bald nach der Mitte des 13. Jahrhunderts ausstarb, so tritt weniges von ihrem Wirken und der Bewirthschaftung ihres Besitzes in diesen Gegenden ins geschichtliche Licht (vergl. indeß Lauffen, Wahlheim). Eine Abzweigung der Calwer Grafen, die Grafen von Vaihingen, blühten dagegen im Mannsstamm noch ein Jahrhundert länger und so lassen sich schon mehrere Güter urkundlich auf einen gräflich vaihingischen Besitz, welcher nach aller Wahrscheinlichkeit ein ursprünglich gräflich calwischer war, zurückführen (s. z. B. Bietigheim, Gemmrigheim).

Außer den Grafen von Ingersheim hatten auch noch die Grafen von Lauffen ihren namengebenden Stammsitz im Bezirk, treten aber weniger mit den Gütern in der Nähe dieses Sitzes, als mit den in den unteren Neckargegenden gelegenen in der Geschichte hervor (s. Lauffen). Auch das Reich hatte einzelne Besitzungen, den Hof Besigheim, die Burg Bönnigheim, Güter bei Ilsfeld, Kirchheim; die Stadt Lauffen war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ein Paar Jahre lang, durch Heimfall Königsgut. Durch Erwerbung traten die Markgrafen von Baden, welche im Anfang des 12. Jahrhunderts bereits das benachbarte Backnang besaßen, in manchen hiesigen Besitz ein; in dieser Beziehung ist namentlich Besigheim zu nennen. (Das Nähere, besonders auch über die ritterschaftlichen Geschlechter, welche später in den einzelnen Orten als Besitzer auftreten, s. im topographischen Theile.)

Württemberg erlangte den Bezirk des jetzigen Oberamts nach und nach| 1285–1806; markgräflich badische, wohl ursprünglich gräflich calwische Güter durch Vermählung des Grafen Eberhard des Erlauchten mit Irmengard von Baden, Gemmrigheim im 14. Jahrhundert, Bietigheim 1356, Hohenstein 1356–1804, Lauffen mit Zugehör 1361–69, Kirchheim um 1400, Löchgau 1407–1595, Groß- und Klein-Ingersheim 1504, Wüstenhausen 1504–1747, Metterzimmern 1562, Hofen 1575–84, Besigheim, Hessigheim, Wahlheim 1595, Kaltenwesten 1673–78, Liebenstein 1673–79, Freudenthal 1736, Bönnigheim und Erligheim 1785, Schotzach (so weit es unter der Hoheit des ritterschaftlichen Kantons Kocher gestanden hatte; ein hiesiges Gut hatten schon im 14. Jahrhundert die Sturmfeder von Württemberg zu Lehen) 1806, die badische Pflege Besigheim, die Lehensoberherrlichkeit über halb Kaltenwesten 1806.

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts theilten sich folgende württembergische Ämter in Theile des jetzigen Oberamts Besigheim:

1) Amt Besigheim mit: Stadt Besigheim, Wahlheim, halb Löchgau, Hessigheim.
2) Amt Bietigheim mit: Stadt Bietigheim, Groß-Ingersheim, Klein-Ingersheim, halb Löchgau.
3) Amt Lauffen mit: Stadt Lauffen, Ilsfeld, Gemmrigheim, Wüstenhausen.
4) Amt Brackenheim mit: Kirchheim.
5) Amt Sachsenheim mit: Metterzimmern.

Hiezu kamen später:

6) Die Stabskellerei Liebenstein mit: Liebenstein, Kaltenwesten, Itzingen.
7) Das Stabsamt Freudenthal mit: Freudenthal.
8) Das Amt Bönnigheim mit: Stadt Bönnigheim, Erligheim.

Hiemit gingen folgende Veränderungen vor. Im Jahr 1736 wurde Löchgau ganz dem Oberamt Bietigheim einverleibt. Das Oberamt Besigheim wurde im Jahr 1763 durch das Stabsamt Mundelsheim vergrößert (welches aber schon am 28. April 1768 wieder davon getrennt wurde) ferner durch Hofen, welches seit 1583 beim Oberamt Brackenheim gewesen war und unter letzterem auch in den Jahren 1770 bis 1808 wieder stund.

Bei den Organisationen, welche bald nach der Erhebung Württembergs zum Königreich vorgenommen wurden, kam im Jahr 1806 der ritterschaftliche Ort Schotzach zum Oberamt Lauffen und wurde am 27. April 1807 das Oberamt Bönnigheim (außer halb Cleebronn, welches hievon abgetrennt und dem Oberamt Brackenheim zugetheilt wurde) mit dem Oberamt Besigheim vereint; zum Oberamt Bietigheim wurden geschlagen: die Stabsämter Freudenthal und Liebenstein (außer Ottmarsheim, das zum Oberamt Beilstein kam), das Oberamt Sachsenheim (zu| welch’ letzterem Metterzimmern gehörte); zum Oberamt Lauffen, zu welchem der jüngst erworbene ritterschaftliche Ort Hohenstein gezogen worden war, Kirchheim am Neckar, welches kurze Zeit ein eigenes Stabsamt gewesen war.

Im April 1808 wurden die Oberämter Besigheim und Lauffen mit dem Oberamt Bietigheim vereint. Die Ämter Freudenthal und Sachsenheim wurden damals zum Oberamt Vaihingen gezogen, doch blieb Metterzimmern bei Bietigheim, wohin auch Freudenthal im Jahr 1810 wieder gelangte. Durch allerhöchste Resolution vom 24. Septbr. 1810 wurde der Sitz des Oberamts Bietigheim nach Besigheim verlegt. Kaltenwesten sammt Pfahlhof und Liebenstein sammt Itzingerhof, welche durch die Organisation von 1810 zum Oberamt Marbach gekommen waren, wurden bald darauf wieder zum Oberamt Besigheim geschlagen.

Fortan blieb der Bestand dieses Oberamts bis zum 6. Juli 1842 einer und derselbe, unter letzterem Datum wurden die Orte Ober- und Unter-Gruppenbach, Donnbronn, Stettenfels und Abstatt mit Parcellen an das Oberamt Heilbronn abgetreten und so gewann der Bezirk die jetzige Gestalt.

Im Jahr 1806 kam das Oberamt Lauffen zum Kreis Heilbronn, die übrigen Ämter und namentlich auch Kirchheim a. N. zum Kreis Ludwigsburg. Im Jahr 1810 wurde das Oberamt Besigheim der Landvogtei an der Enz zugetheilt. Nach Aufhebung der Landvogteien kam es im Jahr 1817 zum Neckarkreis.

Nach der älteren Forstabtheilung gehörte die Gegend links von der Enz und dem Neckar von dessen Vereinigung mit der Enz abwärts zum Stromberger, die zwischen dem Neckar und der Enz zum Leonberger, die rechts vom Neckar zum Reichenberger Forst. Der Sitz der Forstmeister (heutzutage Oberförster) des den größten Theil des Bezirks umfassenden Stromberger Forstes war bis in die 1740er Jahre Kirbach (Oberamt Brackenheim), hierauf Freudenthal, dann Groß-Sachsenheim, heutzutage Bönnigheim.

2. Kirchliche Verhältnisse.

Aus der frühesten Kirchengeschichte ist hauptsächlich der Cult der heil. Reginswinde und die daran sich knüpfende Klosterstiftung zu erwähnen (s. Lauffen). Lauffen und Itzingen, letzteres frühe mit Lauffen vereinigt, sind die einzigen Klöster des Bezirks.

Eine bedeutende Mutterkirche in der Gegend war auf dem Michaelsberg (alt Ruhelberg); mehrere Hauptpfarrkirchen des Bezirks, wie Bönnigheim und Erligheim, waren ursprünglich Töchterkirchen derselben.

Vor der Reformation war die kirchliche Eintheilung folgende:

| Bisthum Speier: A. Archidiaconat St. Guido. 1) Landkapitel Marbach: Hessigheim, Ingersheim, Besigheim. 2) Landkapitel Bönnigheim: Bönnigheim, Erligheim, Löchgau, Freudenthal, Hofen, Wahlheim, Gemmrigheim, Itzingen, Schloß Liebenstein. B. Archidiaconat zur h. Dreifaltigkeit: Landkapitel Vaihingen: Bietigheim, Metterzimmern (Würdtwein Subsid. dipl. 10, 332. 336. 346).

Bisthum Worms, Archidiaconat Wimpfen, Landkapitel Schwaigern (später, seit 1476, Brackenheim): Kirchheim a. N. (Sattler Ruralkapitel 52).

Bisthum Würzburg, Archidiaconat Weinsberg-Buchen, Landkapitel Weinsberg: Ilsfeld, Lauffen, Wüstenhausen (die Kapelle in diesem Filialort), Kaltenwesten (Würdtwein Subs. dipl. 5, 371).

Die Reformation wurde in den Orten, welche zu Herzog Ulrich’s Zeit württembergisch waren, zu gleicher Zeit, wie im Lande überhaupt, eingeführt. In Besigheim geschah dieß zur Zeit der badischen Herrschaft, wahrscheinlich 1556–57; den frühesten Bönnigheimer evangelischen Pfarrer kennt man aus dem Jahr 1558. In protestantischer Zeit bildeten 1547 Vaihingen, Markgröningen, Bietigheim und Asperg ein Dekanat, und Brackenheim, Güglingen und Lauffen gleichfalls eines. Späterhin war der Generalsuperintendenz Maulbronn die Spezialsuperintendenz Bietigheim mit beiden Ingersheim, Löchgau, Besigheim, Hessigheim, Wahlheim, Metterzimmern und (nach dessen Erwerbung) Freudenthal untergestellt. Der Generalsuperintendenz von Adelberg zugetheilt waren die Orte Lauffen, Kirchheim, Hofen, Gemmrigheim, Ilsfeld, Liebenstein, Kaltenwesten; eine beständige Superintendenz in Lauffen mit Zutheilung der 4 zuletzt genannten Orte wurde erst 1747 errichtet, da vorher der Superintendent seinen Sitz auch zu Brackenheim oder Güglingen haben konnte; nach besonderer Ausscheidung dieser Superintendenz wurden die früher zu demselben Verbande gehörigen Orte Hofen und Kirchheim der Spezialsuperintendenz Brackenheim beständig zugetheilt und ebendahin kamen, nach deren Erkaufung, Bönnigheim und Erligheim. Bei der Diöcesan-Eintheilung von 1807 blieben die Dekanate Bietigheim, Lauffen und Brackenheim mit den eben angeführten Orten unter den früheren Generalsuperintendenzen. Bei der kirchlichen Eintheilung von 1810 wurden die Dekanate Bietigheim, Brackenheim und Lauffen der Generalsuperintendenz Heilbronn untergeordnet. Im Jahr 1811 gab das Dekanat Brackenheim an das zu Bietigheim ab: Bönnigheim, Erligheim, Hofen und Kirchheim. Im Jahr 1812 wurde das Dekanat Lauffen aufgehoben, wodurch die Orte Lauffen, Gemmrigheim, Ilsfeld und Kaltenwesten an das Dekanat Bietigheim kamen. Jetzt umfaßt das Dekanat Besigheim, wohin im Jahr 1813 der Dekanatssitz von Bietigheim| verlegt wurde, das ganze Oberamt; nur das Filial Wüstenhausen gehört mit seiner Mutterkirche Auenstein zum Dekanat Marbach.

Die Katholiken sind zum Theil Filialisten von Thalheim und Stockheim, und gehören mit diesen Orten zum Dekanat Neckarsulm; zum Theil sind sie Filialisten von Ludwigsburg, dessen katholische Stadtpfarrei unter dem Dekanat Stuttgart steht.

Die israelitische Gemeinde Freudenthal bildet einen Rabbinatsbezirk, zu dem auch die Israeliten in Zaberfeld, Oberamts Brackenheim, gehören.

3. Alterthümer.
A. Römische.

Die Römer, welche bekanntlich die Neckargegenden vorzugsweise bewohnt und besetzt hatten, haben auch in unserem Bezirk vielfältige Spuren hinterlassen, die von ihrem ehemaligen Aufenthalt hinlänglich Zeugniß ablegen und in dieser Beziehung den Oberamtsbezirk den interessanteren des Königreichs anreihen.

Von römischen Straßen sind bis jetzt folgende aufgefunden und als solche erkannt worden:

1) Von Eglosheim herkommend, zieht eine Römerstraße unter der Benennung „Heuweg“ (Höhweg) etwa 1/8 Stunde westlich von Groß-Ingersheim vorüber, weiter über die sog. Burg, wo römische Alterthümer entdeckt wurden (s. u.), an dem Husarenhof und dem Besigheimer Wartthurm vorbei nach Besigheim. Von hier hatte sie ihren Zug unter der Benennung „Rennweg“ nach Erligheim, Bönnigheim, Meimsheim etc.

2) Von Pleidelsheim führt eine Römerstraße unter der Benennung „Riedweg“, nach Groß-Ingersheim, Bietigheim und Metterzimmern, von da unter der Benennung „Sträßle“ nach Rechentshofen und auf den Rücken des Strombergs zwischen der Metter und dem Kirbach.

3) Von der römischen Niederlassung bei Marbach führte eine römische Heerstraße, welche gegenwärtig noch die alte Heerstraße und der alte Postweg genannt wird, östlich an Mundelsheim und westlich an Ottmarsheim vorüber, zu der römischen Niederlassung, welche bei Gemmrigheim gestanden hat, und nach Kirchheim, Meimsheim auf den Heuchelberg etc. Von ihr geht bei der Mundelsheimer Ziegelhütte ein Römerweg ab und führt an dem Itzinger Hof vorbei, in die von Groß-Bottwar herkommende „alte Heerstraße“, welche auf den Rücken zwischen dem Neckar und der Schotzach fort nach Horkheim und Böckingen zieht.

4) Von Bietigheim lief ein Römerweg, auf dem theilweise die| gegenwärtige Landstraße nach Bönnigheim gegründet ist, nach dem Weißenhof, wo eine namhafte röm. Niederlassung stand (s. u.), auf den Schönenberg und den Stromberg. Eine weitere, ebenfalls von Bietigheim ausgehende, führte ohne Zweifel auf der gegenwärtigen Vicinalstraße nach Groß-Sachsenheim und von da unter dem Namen „Rodenpfädle“ nach Sersheim etc.

5) Eine von der römischen Reichsgrenze (limes) über Abstatt herführende Römerstraße lief über Schotzach unter den Benennungen „Heerweg, hohe Straße“ nach Lauffen und von da mit dem Namen „Rennweg“ auf den Heuchelberg etc.

6) Die Landstraße von Lauffen nach Bönnigheim ist auf eine römische Straße gegründet; sie heißt noch der Speyrer Weg und zog von Bönnigheim weiter an dem Michelsberg vorüber auf den Stromberg und von diesem zwischen der Kraich und dem Saalbach nach der römischen Niederlassung Neomagus (Speyer).

7) Die gegenwärtige Landstraße von Wahlheim nach Kirchheim welche schon von den frühesten Zeiten her die Heerstraße genannt wird, scheint die Niederlassung bei Wahlheim (s. unten) mit der ad 3 beschriebenen röm. Heerstraße verbunden zu haben.

8) Von Besigheim zog ein Römerweg nach dem ehemaligen Römerort im Bohnholz (s. unten) und von da vermuthlich in die ad 3 beschriebene Heerstraße.

Endlich ist noch einer alten Straße, welche übrigens als eine römische nicht nachgewiesen werden kann, zu erwähnen; sie soll unter dem Namen „alter Postweg“ in der Nähe des Husarenhofs von der ad 1 beschriebenen römischen Straße aus an die sog. Hermannsklinge herab an dem abgegangenen Ort Hagenau vorbei nach Löchgau und gegen Hofen geführt haben.

Wie der Bezirk reich an römischen Straßen ist, ebenso haben sich vielfältige Spuren von römischen Niederlassungen und Wohnorten in demselben vorgefunden; die bis jetzt entdeckten sind folgende.[1] Übergangsstellen, d. h. Punkte, wo die Römer eine oder mehrere Straßen über die Flüsse Neckar und Enz führten, waren nach den schon angegebenen Straßenzügen bei Besigheim, Bietigheim, Groß-Ingersheim, Kirchheim und Lauffen. Da bekanntlich die Römer an solchen Übergangspunkten über bedeutendere Flüsse regelmäßig Befestigungen oder Niederlassungen anlegten, so dürften schon aus diesem Grund die bezeichneten Orte als ursprünglich von den Römern gegründete angenommen| werden, wenn dieß auch nicht durch, in der Nähe dieser Orte entdeckte entschiedene Spuren von römischen Wohnplätzen unterstützt würde. Auf dem natürlich festen, schmalen Bergrückenausläufer zwischen Neckar und Enz, der gegenwärtig die Oberamtsstadt Besigheim trägt, scheinen die Römer keine bürgerliche Niederlassung, dagegen zur Sicherung des Flußübergangs einen militärischen festen Punkt angelegt gehabt zu haben. Deshalb wurden auch bis jetzt außer einigen Münzen in Besigheim selbst keine Überreste der Römer aufgefunden, dagegen trifft man solche um so häufiger bei dem nahe gelegenen Wahlheim, wo schon früher und in neuerer Zeit nicht nur im Ort selbst, sondern auch in der nächsten Umgebung, wie auf den Thoräckern, auf dem Aufeld, auf Haiglen, in der sog. Mittelstadt (ursprünglich Michelstein) etc. eine Menge Substructionen römischer Gebäude, Estrichböden, Hypocausten etc. aufgedeckt wurden. Bei denselben fand man Fragmente römischer Gefäße, zum Theil von Siegelerde und mit Töpfernamen versehen, viele theils silberne – theils eherne römische Münzen, die unter dem Namen „Heidenköflein“ bei den Einwohnern von Wahlheim wohl bekannt sind. Auf dem Aufeld wurden in einem Souterrain neben andern Gegenständen 2 sehr große Amphoren[2] aufgefunden. Nachdem schon früher rechts der Landstraße von Wahlheim nach Kirchheim einige römische Gräber, in denen sich Gefäße befanden, aufgedeckt worden waren, stieß man im Jahr 1847 bei Anlegung der Eisenbahn nördlich dieser Stelle auf ein regelmäßig angelegtes Leichenfeld; die Gräber enthielten römische Gefäße, von denen etwa 20 noch erhalten waren, Lampen etwa 10, Münzen von Hadrian, Antoninus Pius u. a.[3]

Diese zahlreichen Funde beurkunden hinlänglich eine bei Wahlheim bestandene ausgedehnte römische Niederlassung, welche wohl mehr bürgerlichen Zwecken entsprochen haben mochte und durch die Befestigung bei Besigheim, wie durch die auf der Burg geschützt war. Auf letzterer, einem vorgeschobenen, südwestlich von Wahlheim gelegenen Hügel, sieht man noch Spuren von Graben und Wall; Überreste von Grundmauern wurden schon früher daselbst ausgegraben.

Nördlich von Bietigheim auf dem sogenannten „Weilerbrunnen“ (†) zeigen sich Grundmauern, bei denen römische Ziegel, Bruchstücke von Heizröhren (tubuli) gefunden werden; auch römische Münzen kommen an dieser Stelle zuweilen zum Vorschein. Auf der| entgegengesetzten Seite der Enz, an der Straße nach Groß-Ingersheim, bei dem sogenannten „Weilerle“ (†) fand man ebenfalls untrügliche Spuren eines römischen Wohnplatzes. Hiedurch ist mehr als wahrscheinlich, daß die Römer an der Übergangsstelle über die Enz, bei dem gegenwärtigen Bietigheim, eine Niederlassung angelegt hatten.

In Groß-Ingersheim wurden schon römische Gefäße ausgegraben und 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort auf der sogenannten Burg (†) trifft man Spuren einer ausgedehnten römischen Niederlassung und Reste einer römischen Wasserleitung.

Bei Kirchheim wurden auf dem Leerenberg (†) Grundmauern römischer Gebäude und Fragmente römischer Ziegel, Gefäße etc. aufgefunden, ebenso auf dem an der ehemaligen Römerstraße, jetzigen Landstraße, gelegenen „Bürgle“. (†)

Der Übergangspunkt bei Lauffen, von dem mehrere Römerstraßen ausgehen, spricht, als zu einer römischen Niederlassung vortrefflich geeignet, für eine solche und für ehemalige Befestigung dieser Stellen von Seiten der Römer um so mehr, als man auch in den nahe (nördlich) gelegenen Mühlbergen auf Gemäuer stieß, welches nach der Beschreibung aus der Römerzeit stammt. Etwa 1/4 Stunde nördlich von Lauffen entdeckte man im Februar 1838 in den Weinbergen, den sog. Auen, römische Gebäudetrümmer mit einem wohlerhaltenen Hypocaustum (s. Württ. Jahrbücher, 1837, S. 428 ff.).

Spuren eines weiteren im Neckarthal bestandenen Römerortes wurden bei Gemmrigheim entdeckt; daselbst zeigen sich nördlich vom Ort, im sog. Blumenthal, wo nach der Volkssage eine Stadt, Namens „Blumenstadt“, gestanden sein soll, noch häufige Reste von römischen Gebäudesubstruktionen, die auf eine ausgedehnte Niederlassung schließen lassen; ebenso in der sog. Au, welche von dem Neckar in einem hufeisenförmigen Bogen umströmt wird. Etwa 1/4 Stunde östlich von Gemmrigheim, im sog. Bahnholz,[4] finden sich noch Grundmauern von mehreren abgegangenen Gebäuden, die mit einer Ringmauer umfangen waren und ohne Zweifel von den Römern herrühren. Südlich von diesen Stellen wurden im Jahr 1838 am Saume des Staatswaldes Buchholz die Grundreste eines römischen Gebäudes entdeckt, in denen man Gegenstände von Bronze, 3 römische Münzen und mehrere Bruchstücke von Bildhauerarbeiten, z. B. eine Hand, die einen Hasen an den hinteren Läufen hält u. s. w., auffand (s. württ. Jahrbücher 1838, S. 87). Von dieser Stelle führte ein Römerweg über den sog. Gündelstein (Schlößlesberg) gegen Besigheim (s. oben).

| Außer diesen in und an den Thälern des Neckar und der Enz gelegenen römischen Niederlassungen finden sich in dem Oberamtsbezirk noch mehrere Stellen ehemaliger Römerorte, namentlich wurden bei dem Weißenhof (im Jahr 1736 an der Stelle eines Wäldchens von dem damaligen Besitzer Weiß angelegt) ausgedehnte Grundmauern eines römischen Wohnplatzes, der nach allen Andeutungen ummauert war, eine Menge Bruchstücke römischer Gefäße, Ziegeln, Münzen, Reste einer Wasserleitung und mehrere Bildwerke gefunden, als: ein Kopf mit einem Lorbeerkranz (s. die Abbildung in Sattler’s Topogr. von Württ. zu Seite 14), ein schadhafter Mercurskopf, der Rumpf eines Hercules mit der über die Schulter hängenden Löwenhaut und den Hesperidenäpfeln in der linken Hand. Auch ist außer einem damals aufgefundenen früher an einem Feuerheerd eingemauerten Bruchstück mit der Inschrift: SPECVL. P noch in einem Kellergewölbe die Inschrift ORTIC vorhanden (s. Württ. Jahrb. 1835, S. 11). Nur einige hundert Schritte vom Weißenhof findet man im sog. Weilerholz noch weitere Spuren von einer ehemaligen Befestigung.

Am Fuß des Bergs auf dem Hofen trifft man in den sog. Wiesenweinbergen (†) in unbedeutender Tiefe Grundmauern von römischen Gebäuden mit Estrichböden, römischen Ziegeln, Heizröhren u. s. w.

Etwa 1/4 Stunde westlich von Metterzimmern, bei dem sog. „Holderbüschle“ (†) wurden ebenfalls Grundmauern röm. Gebäude entdeckt.

B. Deutsche.

Grabhügel, ohne Zweifel aus der früh-alemannischen Periode, befinden sich in der Nähe des Pfahlhofs, in dem Wald Gerbersloh, westlich von Liebenstein, und in dem Wald Bahnholz, östlich von Gemmrigheim.

Gräber aus einer spätern Zeit, welche schon in den natürlichen Boden eingegraben und häufig mit Steinplatten umgeben sind, entdeckte man östlich von Bietigheim in der Nähe des Forstwaldes, wo neuerlich bei der Anlage der Eisenbahn reihenweise angelegte Gräber aufgefunden wurden, in denen sich außer den menschlichen Skeletten, verschiedene Waffen, Gefäße und zum Theil werthvolle Schmuckgegenstände befanden. An der Straße von Bönnigheim nach Erligheim wurden ebenfalls reihenweise angelegte Steingräber aufgefunden, welche übrigens weder Waffen noch andere Gegenstände enthielten. Zwischen Lauffen und Nordheim fand man Reihengräber mit alten Waffen etc.; auf ähnliche Gräber stieß man beim Kellergraben in Hessigheim. Bei der Anlage der Straße von Kaltenwesten nach Gemmrigheim fanden sich Gräber mit Skeletten, Bronzeringen und alten Waffen. Im Jahr 1846| stießen die Arbeiter bei der Eisenbahnanlage in der Nähe von Wahlheim auf 6 zerstreut liegende menschliche Skelette; neben einem derselben fand man eine Lanzenspitze, bei einer andern einen goldenen Ring und durchlöcherte, blaue und weiße Kügelchen von einem Halsschmuck. In der Nähe von Gemmrigheim wurden Gräber aufgedeckt, welche Gefäße aus der alemannischen Periode enthielten und gegenüber von Groß-Ingersheim auf der rechten Seite des Neckars fand man im Jahr 1841 mehrere in dem Lehm eingesetzte Gräber mit Skeletten, alten Waffen, Schmucksachen etc.

Schlösser, Burgen, Burgruinen und Stellen alter Burgen, worüber das Nähere in den Ortsbeschreibungen zu ersehen ist, befinden sich außer den schon unter den römischen Alterthümern angegebenen, folgende in dem Bezirke: das Steinhaus (ehemaliges Schloß) und die zwei alten Thürme zu Besigheim, die abgegangene Burg Eberstein bei Bietigheim, das neue Schloß und die alte Burg zu Bönnigheim, die abgegangene Burg auf dem rothen Berg am Stromberg, 3/4 Stunden südwestlich von Bönnigheim, in Erligheim wird ein am südlichen Ende des Orts gelegenes Haus „auf der Burg“ genannt, das Schloß in Freudenthal, die abgegangene Burg auf dem Gündelstein auf der Markung Gemmrigheim, das Schloß zu Hohenstein, die abgegangene Burg, Hainhardsbuckel genannt, bei Ilsfeld, das neue und das alte Schloß zu Liebenstein, das Schloß zu Klein-Ingersheim, die alte Burg und das ehemalige Schloß zu Lauffen.

Außer diesen kommen noch Distriktsbenennungen vor, welche auf ehemalige Burgen schließen lassen, wie südlich von Bönnigheim, „auf der Burg“ und südlich von Löchgau, „auf dem Burgfeld“.

Abgegangene Orte sind: Hagenau bei Bietigheim, Geiselhausen, in der Nähe des Pfahlhofs, das Kloster Itzingen. Überdieß findet man Spuren eines abgegangenen Wohnorts unfern des Landthurms bei Wüstenhausen.

Noch ist des sog. Landgrabens zu erwähnen, der früher die Territorial-Grenze bildete: derselbe zieht, häufig noch auf große Strecken sichtbar, bei dem Landthurm auf der Markung Ilsfeld in den Bezirk, führt von da 1/4 Stunde an dem Erlenbach aufwärts und verläßt diesen, indem er eine westliche Richtung annimmt und 1/8 Stunde nördlich an Schotzach vorüber zu dem Landthurm auf der Markung Lauffen zieht. Von hier läuft er an der Straße fort bis nach Lauffen: von Lauffen bildete der Neckar die Grenze bis unterhalb der Sägmühle bei Nordheim (Oberamt Brackenheim), wo der Landgraben in einer nordwestlichen Richtung vom Neckar abgeht, und gegen den Landthurm bei Nordheim und auf den Heuchelberg etc. führt.


  1. Die mit (†) bezeichneten wurden von dem Verfasser (Paulus) theils früher, theils in neuester Zeit selbst entdeckt.
  2. Eine der Amphoren kam in den Besitz des Verfassers, der sie seiner Antikensammlung einverleibte.
  3. Die Gefäße und Münzen kamen theils in das K. Antiquarium, theils in die Sammlung des Württ. Alterthumsvereins.
  4. Diese Stelle wird von dem Volk „in den Schlössern“ genannt.


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