Beschreibung des Oberamts Besigheim/Kapitel B 1

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B.


Ortsbeschreibung,


in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 19 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Vorausstellung der Oberamts-Stadt.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes; II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen, und III. des Steuer-Katasters, des Gemeinde- und Stiftungshaushaltes.

Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.


Besigheim.
Gemeinde II. Klasse mit 2631 Einw. a. Besigheim, Stadt, 2560 Einw., worunter 6 Kath.; b. Husarenhof, 71 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Stockheim, O.A. Brackenheim, eingepfarrt.

Die Stadt Besigheim liegt unterm 26° 48′ 26″,62 östlicher Länge und 48° 59′ 55″,74 nördlicher Breite, 61/2 geom. Stunden nördlich von Stuttgart. Die Erhebung über dem Mittelmeer, und zwar die an der Erdfläche der Kirche beträgt 705 Württ. Fuß = 621,7 Par. F., die der Erdfläche am Waldhorn 669 Württ. F. = 590 Par. F., und die am Zusammenfluß der Enz mit dem Neckar 612 Württ. F. = 539,7 Par. Fuß. Als Oberamtsstadt ist dieselbe der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts mit dem Oberamtsphysikat, des Dekanatamts und eines Postamts. Überdieß wohnen in Besigheim noch ein praktizirender Arzt, zwei Wundärzte und ein Thierarzt, auch besteht daselbst eine Apotheke.

Als Wappen führt die Stadt im rothen Schilde auf grünem Erdreich ihre zwei Thürme und zwischen denselben ein Stadtthor.

Auf einem schmalen, felsigen Bergrücken, der sich zwischen dem Neckar und der Enz hinzieht, hat der altergraue Ort eine freundliche, jedoch ziemlich unebene Lage. Rebenbepflanzte Abhänge umgeben in| steil abfallenden, amphitheatralischen Bögen die zunächst der Stadt ziehenden Thäler des Neckars und der Enz, in deren Ebenen üppige Wiesengründe und fruchtbare Ackergelände prangen. Auf der westlichen Seite bespült die Enz, auf der östlichen der Neckar die Stadt, und in geringer Entfernung unterhalb derselben vereinigen sich die beiden Flüsse, nachdem sie kurz vor ihrem Zusammenfluß sich noch einmal mit auswärtsgehenden Bögen von einander entfernt hatten, um sich gleichsam mit offenen Armen zu begrüßen.

Bei ungewöhnlich hohen Wasserständen verursachen die beiden Flüsse, wie der in die Enz einmündende Steinbach, den tiefer liegenden Theilen der Stadt öfters nicht geringen Schaden.

Vermöge dieser Lage ist die Stadt von drei Seiten natürlich fest und nur von Südosten her leicht zugänglich; ebenso konnte sie sich nur wenig in die Breite, dagegen mehr in die Länge ausdehnen, daher sich auch ihre Figur im Laufe der Zeit zu einem namhaft in die Länge gezogenen Viereck gebildet hat, dessen nordwestliche Seite übrigens bedeutend breiter ist als die südöstliche. Gerade diese schmale, zugängliche Seite wurde durch doppelte, tiefe Gräben und Mauern namhaft befestigt und überdieß die Stadt mit einer hohen, mit Halbthürmen versehenen Mauer nebst Graben umfangen, so daß dieselbe im Mittelalter zu den wohlbefestigtsten Städten des Landes gezählt werden durfte. (Erst im Jahr 1667 wurde erlaubt, Privatausgänge in den Mauern durchzubrechen.) Die später entstandenen Vorstädte wurden ebenfalls mit Mauern und Gräben umgeben, was zur Befestigung der Stadt Vieles beitrug. Die Stadtgräben sind mit Ausnahme der an der südöstlichen Seite befindlichen, im Laufe der Zeit ausgefüllt und die Stadtmauern, um der Stadt mehr Licht und Luft zu verschaffen, im Jahr 1817 ziemlich erniedrigt worden; bei dieser Veranlassung verlor die innere Stadtmauer größtentheils ihren sog. Umlauf, mittelst dessen man rings um die Stadt gelangen konnte. Früher bestanden 5 mit Thürmen oder Thorhäusern versehene Thore, welche theils im Jahr 1817, theils in den 1820er Jahren abgebrochen wurden, nämlich: an der südöstlichen Seite das obere Thor (1581 errichtet, s. d. Abbildung), unweit westlich desselben das Bügelesthor, das Aiperthurmthor am Anfang des sog. Thorrains, welches einen bedeutenden Thurm mit Umgang und Wärterwohnung hatte, das Neckarthor auf der nordwestlichen und das Säuthor auf der östlichen Seite der Stadt.

Außer den Thorthürmen bestanden und bestehen zum Theil noch mehrere kleinere Thürme und Halbrondele an der Stadtmauer, besonders aber sind es die zwei imposanten runden Thürme, von denen der eine an dem südöstlichen – der andere an dem|
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Am vormaligen oberen Thor in Besigheim.

nordwestlichen Ende der Stadt steht, welche ehemals zur Befestigung von Besigheim viel beitrugen und die noch gegenwärtig, im Verein mit den übrig gebliebenen Ringmauern, der Stadt ein alterthümliches, ehrwürdiges Gepräge aufdrücken. Diese Thürme, welche sich im Allgemeinen ganz gleichen und unzweifelhaft aus Einer Periode stammen, sind von der Art, welche in früherer Zeit Bergfried genannt wurden, sie sind aus Lettenkohlensandstein von Buckelsteinen (Bossagen) in sehr sorgfältigem Verband erbaut. Das Innere der Mauerdicke ist ein aus Muschelkalk und Mörtel ausgeführtes Kastengemäuer (Emplectum). Sie enthalten je 5 über einander angebrachte, mit elliptischen Kuppelgewölben gedeckte Gelasse, von denen nur die 4 obersten durch schmale, rundbogige Schießscharten ihr spärliches Licht erhalten. Die rundbogigen Eingänge befinden sich je 35′ über der Erdfläche und führen in das dritte Gemach (Stockwerk), in welchem sich noch wohlerhaltene, auf romanischen Säulen ruhende Kaminschoße befinden, von denen die| Rauchkanäle in der Dicke der Mauern bis zu den Thurmzinnen hinanziehen. Von den Eingängen aufwärts führen ebenfalls in der Mauerdicke schön construirte, steinerne Wendeltreppen, von denen man in die oberen Gelasse gelangen kann. Zu den Gelassen unterhalb des dritten Stockwerkes, welche früher als Gefängnisse dienten, kann man nur mittelst Flaschenzügen oder Leitern durch runde, in den Kuppelgewölben angebrachte Öffnungen gelangen. Die Dicke der Mauern; welche in den untersten Stockwerken der Thürme 15′ beträgt, verjüngt sich gegen oben bis auf 12′ 5″. In Beziehung der Höhe und des Umfangs sind die Thürme etwas verschieden, übrigens in gleichen Verhältnissen erbaut, indem der am südöstlichen Ende der Stadt stehende obere Thurm von der Grundfläche des Verließes bis zu dem Gebälk des Dachs 113′ hoch ist und 39′ 2″ im Durchmesser hält, während er von der Erdfläche bis zu dem Boden des obersten – oder bis zur Kuppel des fünften Stockwerks 90′ Höhe hat. Die Höhe des unteren Thurmes beträgt von der Erdfläche| bis auf die Plattform (Kuppel des fünften Stockwerks) 102′ und der Durchmesser desselben 43′. Der obere, mit einem Zeltdach versehene Thurm, welcher durch Vertrag mit der K. Finanzkammer vom Jahr 1830 Eigenthum der Gemeinde geworden ist, wurde in seinem obersten Raume durch Verminderung der Mauerdicke bedeutend erweitert und zu einer mit Fenstern versehenen Wohnung eingerichtet, welche gegenwärtig der städtische Hochwächter inne hat.[1] Der untere Thurm gehört dem Staat und wurde durch Vertrag vom 20. Dezember 1839 unter der Bedingung, denselben als Ruine zu erhalten, zum Gebrauch dem Besitzer des anstoßenden Gasthauses zum Waldhorn überlassen, von welchem Hause aus schon vor mehreren Jahren der Waldhornwirth Neuffer, mittelst Erweiterung einer Schießcharte das Innere des Thurms zugänglich gemacht und auf dessen Plattform ein kleines Gartenhaus nebst Blumengärtchen angelegt hat. Es ist nicht zu bezweifeln, daß der Thurm in seinem obersten Raum destruirt ist und früher ebenso wie der obere ein weites Gemach mit Fensteröffnungen hatte, und mit einem Dach versehen war.[2] In der| Nähe dieses untern Thurms stand eine alte Burg, welche erst 1772 vollends abgetragen wurde, und von der noch einzelne Spuren sich finden.

Das Innere der etwas unregelmäßig angelegten Stadt hat wenig Ansprechendes, dagegen gewährt sie von mehreren Außenseiten sehr malerische Ansichten; die Wohnungen sind größtentheils unansehnlich aus Holz erbaut und stammen häufig aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Ortsstraßen sind mit Ausnahme der vor mehreren Jahren zum Theil durch den Abbruch von Gebäuden erweiterten beiden Hauptstraßen, enge und zum Theil winkelig, jedoch mit Steinen beschlagen und reinlich gehalten.

Früher lief die Landstraße von Stuttgart nach Heilbronn auf der linken Seite der Enz an der Stadt vorüber und erst in den 1770er Jahren wurde sie durch die Stadt geführt, bei welcher Veranlassung die Stadtmauer am unteren Thurm durchbrochen und auch die untere Enzbrücke erstmals erbaut worden. Auch die von Marbach und Groß-Ingersheim herführende Straße lief vor dieser Veränderung durch das Bügelesthor und führte über die obere Enzbrücke in die Hauptstraße. Eine bedeutende Correction der Hauptstraße innerhalb der Stadt, fand in den 1830er Jahren Statt.

Von den freien, öffentlichen Plätzen der Stadt sind zu nennen: der oblonge, reinlich gepflasterte Marktplatz, an dem das Rathhaus steht, und der ausgedehnte Kelternplatz bei dem untern Thurm; der sog. Schloßplatz in der Nähe der Oberamtei ist von geringer Bedeutung.

Auf dem Marktplatz steht ein vierröhriger Brunnen mit dem steinernen, lebensgroßen Standbild eines Markgrafen von Baden, auf dessen Schild das alte badische Wappen angebracht ist; die Brunnensäule selbst stammt aus neuerer Zeit und wurde 1731 renovirt, während die Errichtung des Standbildes in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts | gesetzt werden dürfte. Diesem Brunnen wird sein Wasser in einer Röhrenfahrt von 2200 thönernen Teicheln beinahe eine Stunde weit, aus dem Neckarhaldenwald, gegenüber von Hessigheim, zugeleitet. Eine weitere, von dem Hauslachrain herkommende, ziemlich stark inkrustirende Quelle vereinigt sich unweit der Stadt mit jener Hauptwasserleitung. Neben dem Marktbrunnen bestehen noch 2 laufende Brunnen, der eine bei dem Oberamteigebäude erhält sein Wasser von der gedachten Wasserleitung – der andere im unteren Theile der Stadt wird von dem Abwasser des Marktbrunnens gespeist. Außer den laufenden Brunnen, welche in trockenen Sommern nachlassen, und deren sonst gutes und gesundes Wasser dann lack wird, sind noch 5 gegrabene oder Pumpbrunnen vorhanden. Früher bestand in der Nähe der Enz, unterhalb der oberen Brücke, ein Bad, welches in ein Privatwohnhaus umgewandelt ist, in dessen Erdgeschoß gegenwärtig noch Reste der ehemaligen Badstuben sichtbar sind.

Außerhalb der Stadt, namentlich auf der linken Seite der Enz, kommen in den Gärten und Feldgütern mehrere Quellen zum Vorschein und in der Nähe des Enzviadukts besteht der etwa 1 Morgen große Egelsee. Periodisch fließende Quellen, sog. Hungerbrunnen, befinden sich 1/8 Stunde oberhalb der Stadt im Enzthal und in der Nähe des sog. Hagenbrünnle, 1/2 Stunde südwestlich von Besigheim. Der von Löchgau herkommende Steinbach schickt sein Übereich unfern der Stadt in die Enz (s. den allg. Theil).

Von öffentlichen, der Gemeinde gehörigen Gebäuden sind zu nennen:

1) Das Rathhaus, zu dessen Erbauung der Markgraf Karl von Baden im J. 1459 Erlaubniß ertheilte, und welches er als Kaufhaus einrichten ließ, ist ein imposantes, über die nächst gelegenen Häuser weit emporragendes Gebäude, mit einem spitzbogigen Eingang, über dem das badische Wappen angebracht ist, und einem verhältnißmäßig hohen Dach mit abgestutzten Giebelecken, auf denen je ein Thürmchen sitzt. Die hintere, ganz massive Giebelseite steht auf der westlichen, sehr hohen Stadtmauer und gewährt einen großartigen Anblick; in dieser Seite sind mehrere steinerne Kugeln eingemauert, welche Herzog Ulrich bei der Belagerung der Stadt im Jahr 1504 auf das Rathhaus abschießen ließ. In den zwei unteren Stockwerken, welche als Magazine zur Aufbewahrung von Brettern und Marktrequisiten dienen, sieht man an dem dauerhaften Eichenholzeinbau noch mehrere durch Kanonenkugeln beschädigte Stellen. In dem dritten Stockwerk befinden sich die wohleingerichteten Gelasse für den Gemeinderath. Früher waren die Innenwände des Rathhauses mit Fresken bemalt, von denen einzelne,| der Übertünchung entgangene, noch von der guten Ausführung dieser ehemaligen künstlerischen Ausstattung zeugen.

2) Das Gerichtsnotariatsgebäude, ein einfaches, wohlerhaltenes Haus, welches nur durch ein schmales Gäßchen von dem Rathhaus getrennt ist.

3) Die an dem Kelternplatz bei dem Gasthof zum Waldhorn stehenden Keltergebäude, nämlich die große Kelter mit 6 Bäumen und noch einem weiteren Baum in einem Anbau; unter derselben befindet sich ein Keller zu 300 Eimer Faß; ihr oberes Stockwerk ist als Fruchtkasten eingerichtet. Die kleine Kelter hat 2 große und 2 kleine Bäume.

4) Das Armenhaus, steht hinter dem Waldhorn auf dem sog. Bühl und gehörte ohne Zweifel zu den ehemaligen Schloßgebäuden; in dem unteren, massiven Stockwerke befinden sich noch einige schmale, spitzbogige gedrückte Lichtöffnungen, welche für das hohe Alter des Gebäudes zeugen.

Zum öffentlichen Gebrauch bestehen 3 in den 1820er Jahren erbaute Backhäuser und ein neben dem ehemaligen Badhaus erbautes Waschhaus. Das der Gemeinde gehörige Schafhaus steht außerhalb der Stadt auf der Südseite.

Folgende Gebäude sind Eigenthum des Staats, welchem auch die Unterhaltung derselben obliegt:

1) Die an dem südöstlichen Ende auf dem höchsten Punkt der Stadt gelegene Pfarrkirche, welche nach einer an der nordwestlichen Ecke des Langhauses angebrachten Inschrift 1448 erbaut wurde, übrigens im Laufe der Zeit manche Veränderung erlitten zu haben scheint, was einige eingemeißelte Jahreszahlen, wie 1545 über der spitzbogigen Sakristeythüre und 1685 über dem Eingang in den Thurm bestätigen. Eine durchgreifende Veränderung wurde erst im Jahr 1847 an dem Langhaus vorgenommen, wodurch die Kirche geräumiger und freundlicher wurde. Der ursprüngliche, einfache germanische Baustyl der Kirche, wiewohl man ihn bei der letzten Restauration so viel als thunlich beizubehalten suchte, ist ziemlich verschwunden und mußte der Zweckmäßigkeit weichen. Das Langhaus hat spitzbogige Fenster ohne Füllungen, über jedem derselben ist eine runde Lichtöffnung angebracht. Auf der westlichen Giebelseite ließ man zu beiden Seiten des ursprünglichen spitzbogigen Eingangs je eine Spitzbogenthüre einbrechen, die in den Bogentheilen hölzerne, germanische Füllungen erhielten. Das mit einem halben Achteck schließende Chor[3] ist höher als das Langhaus und mit| Strebepfeilern versehen, zwischen denen sich Spitzbogenfenster befinden, welche leider ihrer Füllungen beraubt wurden. Der massive, viereckige, nicht hohe Thurm, auf den zu Ende des letzten Jahrhunderts ein weiteres Stockwerk gebaut wurde, trägt ein bohlenförmiges Schieferdach; auf demselben hängen 3 Glocken, von denen die größte 1754 – die mittlere 1353 – und die kleinste 1793 gegossen wurde. Das Innere der Kirche ist freundlich und hell; zwei Emporen, deren Brüstungen im germanischen Geschmack bemalt sind, ruhen über einander. Kanzel und Taufstein sind bei der letzt vorgenommenen Restauration im germanischen Style neu gefertigt worden. An der nördlichen Seite des Schiffs befindet sich eine Seitenkapelle mit einem Netzgewölbe, auf dessen Schlußsteinen ein Kelch und ein Steinmetzenzeichen angebracht sind.

Von dem Langhaus führt ein spitzbogiger Triumphbogen in das mit einem Kreuzgewölbe versehene Chor; in demselben steht ein 42′ hoher, mit geschlossenen Thüren 13′ – und mit geöffneten 23′ breiter Flügelaltar von ausgezeichneter Bildschnitzerarbeit. Das Mittelbild stellt lebensgroß in Holz geschnitzt die heil. Katharina dar, hinter ihr steht der Nachrichter, der Heiligen zur Seite eine Königsfigur, vornen zwei Geistliche, ihr das Evangelium vorhaltend. In den Vertiefungen der beiden Seitenfelder, gleichfalls lebensgroß, links der Evangelist Johannes, rechts Johannes der Täufer; diese Gruppe umgibt eine freistehende Wand von schönem Laubwerk, darüber sind der h. Martinus seinen Mantel vertheilend und der h. Georg, ferner ein Mann mit einem Stab (St. Nikolaus?) und eine weibliche Gestalt mit einem Handkörbchen angebracht. Über dem Gesimse dieser Hauptdarstellung erhebt sich unter einem Baldachin Christus als Weltrichter, umgeben von vier Engeln mit den Marterwerkzeugen, ihm zur Seite knieende Statuen, rechts: Maria, links: Johannes der Täufer; zu den Füßen des Herrn und in der Mitte zwischen den zwei Halbfiguren des Königs David und der h. Cäcilie, flehen die armen Seelen als kleine nackte Gestalten zu ihm empor. Über den obersten Baldachin erhebt sich eine kleine Madonna mit dem Jesuskind. Unter dem Gesims, welches der mittleren Hauptgruppe zur Basis dient, stehen in den Nischen ebenfalls noch zwei Halbfiguren, von welchen eine ganz verstümmelt ist, die andere weibliche Gestalt zwei Kinder auf den Armen hält. Die Flügelthüren in Relief zeigen links den englischen Gruß und die Anbetung der Weisen, rechts die Geburt Christi und die Flucht nach Egypten. Der Altar ist Eigenthum der Gemeinde Besigheim.

| Der Begräbnißplatz umgab früher die Kirche, wurde aber schon längst außerhalb der Stadt (südöstlich) angelegt und 1824 bedeutend erweitert; er ist mit einer Mauer umgeben, sein Flächenraum beträgt etwa 11/2 Morgen.

2) Das Oberamtsgericht, früher die geistliche Verwaltung, ein altes auf die südwestliche Stadtmauer stoßendes Gebäude mit schöner Aussicht in das Enzthal.

3) Das Oberamteigebäude hat 3 Flügel, wovon der eine, auf die südöstliche Stadtmauer gebaute, ziemlich alt und noch mit einem Staffelgiebel versehen ist; die Lage des Gebäudes ist hoch und gewährt eine freie und äußerst liebliche Aussicht in das Neckarthal; daneben das oberamtliche Gefängniß (s. oben S. 73).

4) Das ansehnliche Dekanatsgebäude liegt in der Kirchgasse unweit der Kirche; es wurde laut an dem Gebäude befindlichen Jahreszahlen 1572 erbaut und 1752 renovirt und erweitert. In früheren Zeiten ruhte die Baulast auf dem Collegiatstift Baden, bis sie im J. 1809 an Württemberg überging.

5) Die moderne Wohnung des Diacons, welche gegenüber der Kirche liegt, wurde im Jahr 1832 namhaft verbessert und befindet sich nun in gutem baulichen Zustande.

6) Die zunächst (nördlich) der Kirche gelegene lateinische Schule, ein sehr geräumiges Gebäude, in welchem sich überdies noch die Wohnung des Präceptors und 2 deutsche Knabenschulen befinden.

7) Gegenüber der lateinischen Schule steht das Schulgebäude, in welchem sich die Elementarschulen, die Mädchenschule und die Classe des Collaborators befinden. In einem nördlich anstoßenden Gebäude sind die Wohnungen der Lehrer eingerichtet; der Collaborator bewohnt gegen Hausmiethe-Entschädigung eine Privatwohnung.

8) Das Steinhaus (s. die Abbild. S. 93), ein altes mit 5′ dicken Mauern massiv erbautes Gebäude, steht auf dem höchsten Punkt der Stadt an der südöstlichen Stadtmauer zunächst des oberen Thurms, mit dem es ohne Zweifel ursprünglich in engster Verbindung stand. Einige schmale, spitzbogige Fensterchen und die mit steinernen Bänken versehenen Fensternischen, welche nach der ursprünglichen Bauweise sich noch erhalten haben, zeugen von dem hohen Alter dieses Hauses. Ursprünglich mag das Gebäude irgend einer adeligen Familie als feste Wohnung (Burg) gedient haben, gegenwärtig befinden sich in demselben die Oberamtsgerichtlichen Gefängnisse und die Wohnung des Oberamtsgerichtsdieners.

9) Die herrschaftliche Zehentscheuer, an die Westseite der großen Kelter angebaut.

| Die ortsangehörige Bevölkerung belief sich am 3. Dez. 1849 auf 2578, und zwar 1291 männliche und 1287 weibliche. Bei der Zählung des Jahrs 1846 am 3. Dez. betrug dieselbe 2568 und zwar 1296 männliche, 1272 weibliche, welche mit Ausnahme von 3 Katholiken und 6 von anderem christlichen Bekenntnisse, sämmtlich der evangelisch-lutherischen Confession angehörten. Im Jahr 1832 hatte die Zahl der Angehörigen betragen: 2270 (1126 männl., 1144 weibl.), davon waren ortsabwesend 216; dagegen Fremde anwesend 201, wonach sich also die ortsanwesende Bevölkerung damals auf 2255 belief; im Jahr 1849 am 3. Dez. war dieselbe 2526. Im Jahr 1846 zählte man hier Verehelichte 816. Wittwer 62; Wittwen 84; Geschiedene 2; Unverehelichte 1604.

Familien waren vorhanden 1846: 592; 1849 550; es kamen sonach auf 1 Familie 4,7 Angehörige, auf 1 Ehepaar 6,3 derselben.

In den 10 Jahren von 1836–46 wurden im Durchschnitt jährlich 99,4 Kinder geboren (52,6 Knaben, 46,8 Mädchen), darunter 7,3 uneheliche.

Hienach kamen auf 1000 Einwohner 40,1 Geburten (1 auf 25 Einwohner) und unter 100 Geburten befanden sich 9,3 uneheliche, oder die unehelichen verhalten sich zu den ehelichen wie 1:12,6.

Gestorben sind, nach dem erwähnten Durchschnitt von 1836–46 jährlich 73,1 (36,9 männl., 36,2 weibl.); es kommen daher auf 1000 Angehörige 29,7 Sterbfälle (1 auf 34 Lebende) und zwar auf 1000 Personen männlichen Geschlechts 29,6, auf 1000 weiblichen Geschlechts 29,4 Gestorbene.

Auf 100 Todesfälle treffen 136 Geburten und der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung betrug von 1836–46 263 Seelen (157 männl., 106 weibl.); die Zunahme überhaupt aber 216 (128 männl. und 88 weibl.) Personen, oder 0,92 Prozent jährlich.

Bei der Zählung von 1846 fanden sich hier von den Altersklassen über 60 Jahren 224 Personen (111 männl. und 113 weibl.) vor, wonach auf 1000 Einwohner 87 von diesem Alter kommen, während dieselbe Verhältnißzahl für das Oberamt 74,7, für das ganze Land 75,7 beträgt. Im Kindesalter von 1–14 Jahren standen 817 (422 Knaben, 395 Mädchen), wonach auf 1000 Angehörige 318 dieses Alters treffen.

Der Gesundheitszustand der Einwohner ist im Allgemeinen ein günstiger, was in der freien Lage des Orts und in den von beiden Thälern herziehenden Luftströmungen seinen Grund haben mag; Epidemien gehören zu den Seltenheiten, dagegen ist die Luft für Brustleidende etwas zu scharf. Was den Charakter betrifft, so sind die Ortseinwohner im Allgemeinen gutmüthig, ordnungsliebend, sehr fleißig, wohlthätig gegen Arme und religiös.

| Im Allgemeinen befinden sich die Einwohner, einzelne Vermöglichere ausgenommen, in mittelmäßigen Vermögensumständen; besonders sind die minder bemittelten Weingärtner zahlreich, da als Erwerbsmittel der Weinbau vorherrscht und Ackerbau und Viehzucht nicht bedeutend sind. Auch ist der Umfang der Markung im Verhältniß zu der Einwohnerzahl gering. Die Grenze derselben und in Beziehung auf solche stattfindenden Steuer-, Zehent etc. Verhältnisse, wurde mit Wahlheim durch Vergleich von 1528 (Donnerstag nach St. Johannis Tag), mit Gemmrigheim durch Vergleich vom 16. November 1629 und mit Löchgau durch Vergleich vom 12. September 1740 festgestellt.

Die Gemeinde-Corporation besitzt: Äcker 905/8 Morgen 2,6 Ruthen; Wiesen 723/8 Morg. 32,4 Ruth.; Gärten 163/8 Morg. 31,1 Ruth.; Weinberge 1/8 Morg. 22,1 Ruth.; Allmand-Plätze 1107/8 Morg. 32,8 Ruth.; Waldungen 2961/8 Morg. 10,7 Ruth.

Die Äcker, Wiesen, Gärten und Weinberge sind, soweit sie nicht als Besoldungsstücke oder wie die Gärten als unentgeltiche Bürgernutzungen verliehen werden, für Rechnung der Stadtpflege verpachtet und gewähren mit den darauf befindlichen Obst- und Weidenbäumen einen namhaften Ertrag.

Von den Feldgütern der Markung liegen die Äcker, mit wenigen Ausnahmen, ziemlich eben, die Weinberge dagegen an den steilen Abhängen des Neckar- und Enz-Thales, und die Wiesen in den Ebenen der genannten Thäler.

Der im Allgemeinen ergiebige Boden ist sehr verschieden und besteht auf der Höhe des Husarenhofs aus einem thonigen, etwas schweren Boden, der in der nächsten Umgebung des Hofs etwas unfruchtbar wird und dem in geringer Tiefe der Hauptmuschelkalk als Unterlage dient. Auf den Distrikten Bilsen und Häslach, südöstlich von Besigheim, lagert theils ein fruchtbarer, tiefgründiger Diluviallehm, – theils ein schwerer, etwas nasser, jedoch ergiebiger Thonboden (Schlaisboden). Auf der Höhe gegen Löchgau trifft man sog. Schlaisboden und einen fruchtbaren rothen Thon, dem die Lettenkohlengruppe zur Unterlage dient; an den Gehängen sind die Böden sehr kalkhaltig. Die ergiebigsten Felder liegen im sog. Schimmelfeld und im Kreuzbergweg.

Das Klima ist mild, dennoch schaden Frühlingsfröste nicht selten in den Thälern; Hagelschlag kommt selten vor, nur der Distrikt gegen den Husarenhof wird im Durchschnitt alle 10 Jahre von demselben heimgesucht. Der Hardtwald, nordwestlich von Besigheim, soll eine Wetterscheide bilden.

Die Landwirthschaft wird sehr emsig betrieben und zweckmäßige landwirthschaftliche Neuerungen, wie die Einführung des| Brabanter-Pfluges, die Anlegung von verbesserten Düngerstätten etc. haben beinahe allgemein Eingang gefunden. Zur Verbesserung des Bodens, wird außer dem gewöhnlichen Stalldünger und dem Pferch, die Jauche besonders fleißig benützt; Gyps kommt bei dem Futterkräuterbau in Anwendung. Die Bespannung des Pflugs geschieht meist mit Kühen.

Im System der Dreifelderwirthschaft, mit vollständigem Bracheinbau, zieht man besonders Dinkel, wenig Hafer, ziemlich viel Sommerweizen, Gerste, Einkorn, wenig Roggen, Kartoffeln, Welschkorn, Ackerbohnen, Angersen, Erbsen, Linsen, Wicken und sehr viel Futterkräuter; von Handelsgewächsen baut man ziemlich viel Mohn, etwas Reps, Hanf nur für den eigenen Bedarf und wenig Flachs. Ein kleiner Bauversuch mit Hopfen hat bis jetzt günstige Ergebnisse geliefert. Auf den Morgen rechnet man Aussaat: 7 Sri. Dinkel, eben so viel Einkorn, 2 Sri. Hafer, Gerste, Weizen und Roggen. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens wird zu 8–9 Scheffel Dinkel, zu 6–7 Scheffel Hafer, 5 Scheffel Weizen, 4–5 Scheffel Gerste, 6 Scheffel Einkorn etc. angegeben. Die Felderträgnisse reichen zur Befriedigung des örtlichen Bedürfnisses nicht hin, es müssen daher jährlich noch gegen 1200 Scheffel Früchte und sogar theilweise noch Bracherzeugnisse von Außen aufgekauft werden.

Die geringsten Preise eines Morgens Acker sind 80 fl., die mittleren 300 fl. und die höchsten 400 fl.

Der Gartenbau ist unbedeutend und beschränkt sich nur auf den eigenen Bedarf.

Die Wiesen, denen keine Wässerung zukommt, sind durchgängig zweimähdig, die im Neckarthal gelegenen in trockenen Sommern öfters nur einmähdig; sie erzeugen gutes, nahrhaftes Futter und zwar durchschnittlich per Morgen 25 Ctr. Heu und 12 Ctr. Öhmd. Der Futterertrag befriedigt das Bedürfniß nicht, daher noch von Außen aufgekauft werden muß. Die Preise bewegen sich von 120–350 fl. per Morgen.

Der Weinbau, welcher die Haupterwerbsquelle der Einwohner bildet, wird in der gewöhnlichen, im Unterlande üblichen Weise sehr ausgedehnt betrieben, indem man die Reben bezieht und etwa 800 Stöcke auf einen Morgen pflanzt. Die am häufigsten gepflanzten Sorten sind: an den Abhängen Trollinger und weiße Elblinge; in der Ebene Silvaner, Gutedel, rothe und weiße Elblinge; in neuerer Zeit kommt namentlich in mittleren Lagen, auch der Klevnerbau immer mehr in Aufnahme. Der Wein, welcher sich gut auf das Lager eignet und von Farbe theils dunkelroth, theils ein sog. Schiller ist, gedeiht am vorzüglichsten in den Wurmbergen und am Niedernberg (der eigentliche Schalkstein liegt auf Wahlheimer Markung). Der Eimer wurde| in den Jahren 1846 von 50–70 fl., 1847 von 40–55 fl., 1848 von 20–50 fl., 1849 von 20–40 fl., 1850 von 10–30 fl. und 1851 von 12–24 fl. verkauft.

Der Absatz des Erzeugnisses geht meist in das Oberland und in den Schwarzwald. Ein Morgen Weinberg kostet 250–1000 fl.

Die Obstzucht ist nicht unbedeutend und verbessert sich in neuerer Zeit auf eine erfreuliche Weise; es werden meist Mostsorten, weniger Tafelobst gezogen, und zwar: Luiken, Knollenäpfel, Calvills, Reinetten, Fleiner, Knausbirnen, Sau-, Wolfs- und Wadelbirnen etc. Von Steinobst: Zwetschen, etwas Pflaumen und sehr viel Kirschen; mit letzteren wird ein namhafter Handel getrieben, auch Zwetschen werden zuweilen nach Außen verkauft. Kernobst wird im Ort verbraucht und zum Theil von Außen zugekauft.

Die Gemeinde besitzt gegen 300 M. Waldungen (s. o.), deren Unterholz aus gemischten Laubholzarten, das Oberholz aber aus Eichen besteht. Sie werden in 20jährigem Umtrieb bewirthschaftet und ertragen jährlich 10–12.000 Stück Wellen, von denen jeder Bürger etwa 20 St. erhält. Das Oberholz wird verkauft und der jährliche Erlös von 300 bis 400 fl. fließt in die Gemeindekasse. In neuester Zeit ließ die Gemeinde in der sog. Langheck 90 Morgen Waldungen ausstocken und in Ackerfeld umwandeln, welches jährlich um etwa 1350 fl. verpachtet wird.

Die Schafweide ist einem Pachtschäfer um 250–300 fl. jährlich überlassen; es sind jedoch seit einigen Jahren die Sommerweiden abgestellt worden.

Was die Viehzucht betrifft, so ist die der Pferde nicht nennenswerth, und auch die des Rindviehs nicht sehr erheblich; es wird ein mittlerer, rothbrauner Neckarschlag gehalten und durch 4 gute Farren nachgezüchtet; letztere werden von den zwei Müllern, welche das Faselviehgut besitzen, gegen Zehentfreiheit dieses Guts unterhalten. Der Handel mit Vieh ist von keinem Belang.

Die Schafzucht wird nur von dem Pachtschäfer getrieben, der berechtigt und verpflichtet ist 400 Stück auf der Markung laufen zu lassen; die Überwinterung derselben geschieht im Ort und die Wolle kommt meist nach Heilbronn zu Markt. Der Pferch trägt der Gemeinde etwa 200 fl. jährlich ein.

Die Schweinezucht ist unbedeutend; die Ferkel werden meist von Außen eingeführt.

Von Geflügel werden ziemlich viele Enten und Gänse, jedoch nur für den Hausverbrauch gehalten; die Zucht der Ziegen, wie die der Bienen, ist ganz gering.

Die Fischerei ist von einigem Belang; das Fischrecht in beiden| Flüssen ist in dem Eigenthum einzelner Familien, mit Ausnahme einer Strecke oberhalb des Neckarhaldenwalds, wo die Stadt einen Antheil hat, den sie verpachtet.

Die Zehentverhältnisse anlangend, so hatten früher an den Zehenten auf der Markung Antheil: die Kellerei Besigheim, die geistliche Verwaltung Besigheim und das Collegiatstift Baden, an deren Statt nun das Cameralamt Bietigheim alleiniger Zehentherr auf der sog. alt Besigheimer Markung, dem Felde zwischen Neckar und Enz ist, während auf der sogenannten neuen Besigheimer Markung, diesseits der Enz und jenseits des Neckars das Hofcameralamt Lauffen Universalzehentherr ist.

Das Cameralamt Bietigheim bezieht in seinem District: 1) den großen Zehnten, 2) den kleinen Zehenten bis zum Jahre 1832 der Stadtpfarrei gehörig, 3) den Weinzehenten, und 4) den Novalzehenten. Der jährliche Pacht für diese Zehenten besteht dermalen in Geld, incl. Surrogatgeldern 766 fl. 16 kr., Roggen 8 Scheffel, Weizen 22 Scheffel, Gerste 9 Scheffel, Dinkel 150 Scheffel, Einkorn 6 Scheffel, Stroh 62 Bund.

An sonstigen Grundgefällen hatte das Cameralamt Bietigheim zu beziehen:

Gülten von vormaligen Erblehen: Roggen 47 Scheff. 2 Sri., Dinkel 40 Scheff. 4 Sri., Hafer 62 Scheff. 4 Sri.

Landacht Früchte von 3 Jahren zusammen: Roggen 36 Scheffel 1 Sri., Dinkel 56 Scheffel 7 Sri. und Hafer 93 Scheffel 2 Sri.

Diese Gefälle wurden im Jahr 1843 gegen ein Ablösungs-Capital von 20.406 fl. abgelöst. Das Ablösungs-Capital für Laudemien hat 151 fl. 22 kr. betragen.

Der Boden- und Beetwein von 20 Eimer 6 Imi 1 Ms. wurde im Jahr 1834 abgelöst um 5470 fl. 40 kr.

An den Hellerzinsen, Küche-Gefällen, Beet-Steuern (58 fl. 3 kr) im Betrage von 182 fl. 5 kr. und 2 Scheffel 7 Sri. Roggen, 3 Scheffel Dinkel sind abgelöst worden seit 1826: Geld 95 fl. 57 kr. 3 Hllr. und 2 Scheffel 7 Sri. Roggen, 3 Scheffel Dinkel, das Ablösungs-Capital dafür betrug 1581 fl. 46 kr.

Die Baufrohnen der Gemeinde wurden i. J. 1825 für 80 fl. abgekauft; Geldgefälle hat das Cameralamt noch zu erheben 86 fl. 53 kr.

Die Orts-Stiftungspflege hat zu beziehen: Roggen 2 Scheffel 6 Sri., Dinkel 2 Scheffel, Haber 2 Scheffel 2 Sri.

Unter den Gewerben sind hauptsächlich die Mühlen anzuführen und zwar: die obere Enzmühle mit 4 Mahlgängen und einem Gerbgang, die untere Enzmühle mit 5 Mahlgängen, einem Gerbgang, einer| Ölmühle und einer Hanfreibe; die Neckarmühle mit 5 Mahlgängen, einem Gerbgang und einer Walke; neben dieser steht noch eine Ölmühle, eine Säge-, eine Gyps-Mühle und eine Hanfreibe. Oberhalb der Enzbrücke auf der linken Seite des Flusses befindet sich eine Sägemühle. Eine Ziegelhütte liegt oberhalb der oberen Enzmühle. Die übrigen Gewerbe dienen hauptsächlich nur dem örtlichen Bedürfniß, mit Ausnahme einiger Schreiner, welche auf Bestellungen auch nach auswärts arbeiten.

Von Kunstgewerben ist blos eine Buchdruckerei zu erwähnen, in der das Amtsblatt gedruckt wird.

Schildwirthschaften zählt die Stadt 5, von denen eine mit einer Bierbrauerei verbunden ist, sodann 1 Speisewirthschaft und 4 Gassenwirthschaften; auch sind noch 2 weitere Brauereien und 7 Branntweinbrennereien vorhanden.

Mit Specerei-, Ellen- und Eisenwaarenhandel beschäftigen sich 5 Kaufleute und 6 Krämer, Weinhändler sind 4 in der Stadt.

Im Übrigen zählt dieselbe nach der neuesten Aufnahme folgende Gewerbe:

Zahl der
      Zahl der
Meister. Gehilfen. Meister. Gehilfen.
Bäcker 8 3 Pflästerer 1
Konditoren 1 1 Kaminfeger 1 1
Metzger 11 3 Hafner 3 2
Seifensieder 3 Glaser 4
Gerber 3 1 Schmiede, Grob- 3 5
Schuhmacher 20 10 Schlosser 9 4
Säckler u. s. w. 3 1 Kupferschmiede 2
Seiler 3 1 Flaschner 1 1
Schneider 16 3 Nadler 1
Knopfmacher 1 Uhrmacher 1
Hutmacher 1 1 Barbierer 2 3
Färber 1 1 Fischer 3
Zimmerleute 5 8 Buchbinder 2 2
Schreiner 7 3 Geiselsteckenmacher 1
Wagner 2 Strumpfstricker 1
Küfer und Kübler 7 7 Wattmacher 1
Drechsler 4 1 Pudermacher 1
Maurer 2 Lohnkutscher 1
Steinhauer 4 9
Baumwollengewebe 3 Stühle mit 3 Arbeitern
Linnengewebe 7 Stühle mit 7 Arbeitern
Wollen- und Halbwollengewebe 1 Stuhl mit 1 Arbeiter
Bleich-Anstalten 1 Etablissement mit 2 Arbeitern
Ziegeleien 1 Etablissement mit 2 Arbeitern
| Der Verkehr von Reisenden, so wie der früher sowohl der Land- als auf der Wasserstraße bedeutend gewesene Frachtverkehr, hat sich meist auf die Eisenbahn gezogen. Jetzt werden zu Schiff auf dem Neckar bloß noch gröbere Waaren transportirt, dagegen wird viel Langholz auf den beiden Flüssen geflößt.

Die Stadt hat das Recht, den 29. Juni und den 28. Oktober je einen Vieh- und Krämer-Markt abzuhalten; mit dem ersteren ist das schon im allgemeinen Theil erwähnte ländliche Fest, der sog. Kirschenpeter, verbunden. Der Gemeindehaushalt ist sehr geordnet. Das Grundstocks-Vermögen der Stadtpflege beträgt nach der neuesten Rechnung von 1850/51 –> 26.619 fl.; Schulden sind keine vorhanden. Die Fruchtgülten und Landachten wurden unter der Vermittlung der Gemeinde durch Vertrag vom 16.–18. Mai 1843 um die Summe von 20.406 fl. auf der ganzen Markung abgelöst; ebenso die Laudemien um die Summe von 151 fl. 22 kr. (s. o.)

Der frühere Ortsherr, Markgraf Rudolph von Baden, hatte der Gemeinde im Jahr 1365 das Wein- und Bier-Umgeld unter der Bedingung, daß der Ertrag desselben zur Erhaltung der Brücken, Thore, Mauern und sonstigen öffentlichen Gebäude verwendet werde, geschenkt, wofür die Stadt in Folge der seit 1806 eingetretenen allgemeinen Aufhebung solcher Corporationsberechtigungen nun eine jährliche Entschädigung von 370 fl. von der K. Finanzverwaltung bezieht.

Die Stiftungs- und Almosenpflege besitzt keine Güter, dagegen ein Grundstocks-Vermögen von 20.914 fl., welches übrigens für ihre Zwecke so wenig zureicht, daß jährlich 7–800 fl. von der Stadtpflege zugeschossen werden müssen. Unter dem Grundstocks-Vermögen sind folgende besondere Stiftungs-Capitalien begriffen:

1) Für Arme –> 5960 fl. neben einer Stiftung des Markgrafen Philipp von Baden mit 8 Scheffel 3 Simri 21/2 Vierling Roggen, welche alljährlich bei dem K. Cameralamt Bietigheim zu erheben ist.

2) Zu Studienkosten –> 1500 fl. und

3) zu Lehrgeldern und Aussteuern –> 1800 fl.

An Gefällen hat die genannte Pflege jährlich 2 Scheffel 6 Simri Roggen, 2 Scheffel Dinkel und 2 Scheffel 2 Simri Hafer zu erheben.

An der Stadt-Pfarrkirche sind ein Stadtpfarrer, der zugleich das Dekanatamt bekleidet, und ein Diacon angestellt. Zu der Kirchengemeinde gehört außer der Stadt nur der Husarenhof.

Der erste evangelische Pfarrer war Sixt Fritz von 1559–1564 und der erste Diacon Laurentius Frisäus von 1515–1561 (s. Binder, Kirchen- und Lehrämter Württembergs, II. Theil. S. 867 u. 868).

Von Schulanstalten befinden sich in Besigheim:

| 1) Eine lateinische Schule, bestehend aus einer Präceptoratsklasse, an der ein Präceptor – und einer lateinischen Elementarklasse, an der ein Collaborator unterrichtet; auch ist mit dieser Schule eine Turnanstalt verbunden. Der erste Präceptor war Andreas Jüngling von 1560 bis 1570, und der erste Collaborator Christoph Glitz von 1574–1575.

2) An den Volksschulen (einer Knaben-, einer Mädchen- und einer Elementarschule) sind 2 Schullehrer, ein Unterlehrer und 2 Lehrgehilfen thätig.

3) Eine Industrieschule ist seit 1817 vorhanden.

Was die Communikationsmittel für den Verkehr betrifft, so ist wohl selten eine Stadt in dieser Beziehung so begünstigt wie Besigheim, indem neben der durch die Stadt führenden Stuttgart–Heilbronner Landstraße auch die Eisenbahn vorüber führt, deren freundlicher und ansehnlicher Bahnhof nur 1/16 Stunde westlich von Besigheim entfernt liegt. Vicinalstraßen gehen einer Seits nach Löchgau, anderer Seits nach Groß-Ingersheim und Hessigheim. Überdieß berühren die Wasserstraßen des Neckars und der Enz, welche sich hier vereinigen, die Stadt auf verschiedenen Seiten; von besonderer Wichtigkeit ist die Schiffsstraße des Neckars, deren Zug durch den Oberamtsbezirk überhaupt am Schlusse dieser Ortsbeschreibung im Zusammenhang beschrieben wird.

Für die Eisenbahn, welche oberhalb Besigheim 25′ über der Thalsohle die Enz überschreitet, wurde in den Jahren 1846/48 nach Howe’s System eine 787,6′ lange Gitterbrücke daselbst erbaut. Eine Länge, welche das Überfluthungsgebiet fordert. Zwei massive Widerlager und vier Mittelpfeiler tragen das Gitterwerk, an den Seiten mit 140′ und in der Mitte mit 170′ Tragweite. Die von Keuperquader aufgeführten Pfeiler sind auf Pfähle und Rost fundirt, da beim Einrammen der Pfähle der Felsengrund nicht zu erreichen, vielmehr Spuren eines hier bestandenen See’s wahrzunehmen waren. Die auf den Pfeilern ruhenden Langhölzer, tragen sich bis auf die Schienen, je zwischen zwei Pfeilern um 5″ in die Höhe, sie sind verdübelt und haben mit den Querschwellen, Pfosten und Beisteck verschraubte Verbindung gußeiserne Öhren, Schuhe und Platten.

Bei einer Höhe von 18′ über diesen Tragbalken trägt die beiderseitige Vergitterung die gleiche Verbindung verschraubter Lang- und Querhölzer, auf welcher endlich eine flache Sturzbedachung ruht. Die Portale sind an den Ortpfeilern massiv aufgemauert und können nöthigenfalls verschlossen werden. Von der Enz aus ist ein Pumpwerk auf die Brücke geführt und steht eine Feuerspritze zum nöthigen Gebrauche parat.

Außer diesem Eisenbahnübergang sind auf der Stadtmarkung noch folgende ältere Brücken vorhanden:

1) Die von Bietigheim her in die Stadt führende obere Enzbrücke;| sie wurde 1581 durch Martin Metzger aus Stein erbaut und ruht auf drei Pfeilern; ihre Unterhaltung liegt der Gemeinde ob. 2) Die untere Enzbrücke, unterhalb der Stadt überführend. Diese wurde, nachdem die etwas weiter oben gestandene ältere Brücke bei der Überschwemmung von 1824 eingestürzt war, nächst der Ausmündung des Flusses in den Neckar, auf Staatskosten in den Jahren 1833–1835 nach dem Plan des verstorbenen Oberbauraths v. Etzel durch den verstorbenen Oberbaurath Knoll, auf zwei Pfeilern ruhend, sehr schön aus Stein aufgeführt. 3) Die Neckarkanalbrücke am nordöstlichen Ende der Stadt, über einen Arm des Neckars führend, wurde 1772 schön und dauerhaft aus Stein erbaut; ihre Unterhaltung liegt der Gemeinde ob. 4) Die nächst der obern Enzbrücke gelegene Steinbach-Brücke, welche ebenfalls von der Stadt unterhalten werden muß. Die Stadt hat das Recht Brücken- und Pflastergeld einzuziehen, das ihr früher, vor der Errichtung der Eisenbahn, eine bedeutende Einnahme gewährte; gegenwärtig aber nur noch etwa 200 fl. einträgt.

Eine über den Neckar kurz oberhalb des Zutritts der Enz gehende Fähre mit Wagenschiff und Nachen, ist nebst dem s. g. Fahrgut im Besitz einiger Familien, welche gegen Erhebung der Fahrgebühr, die Fahrzeuge unterhalten und die Überfahrt besorgen.

Der Husarenhof, eine der Stadtgemeinde einverleibte und zu ihrer Markung gehörige Parcelle, ist 3/4 Stunden südlich von Besigheim, zwischen dem Neckar und der Enz frei auf der Höhe gelegen, von der man eine schöne Aussicht in weitem Umkreis genießt. Dieser Wohnort hat keinen laufenden Brunnen und bezieht sein Wasser nur spärlich aus zwei Ziehbrunnen, die übrigens nicht selten ausgehen, so daß die Einwohner genöthigt sind, ihren Wasserbedarf an dem beinahe 1/2 Stunde vom Hof entfernten, auf Groß-Ingersheimer Markung gelegenen Holderbrünnle zu holen. Ein kleiner Weiher ist vorhanden, der übrigens in heißen Sommern ebenfalls vertrocknet.

Der Husarenhof wurde in den Jahren 1735–1738 von einigen Bürgern von Besigheim gegründet, unter diesen befand sich einer, der früher bei den Gardereitern (Husaren) stand, daher der Name des Hofs.

Von der Stadt, 1/4 Stunde südöstlich auf der Anhöhe, steht ein runder, aus Muschelkalksteinen erbauter Wartthurm, dessen rundbogiger Eingang sich 18′ über der Erdfläche befindet; er hat in seinem Innern keine Treppen und ist daher nur mittelst Leitern besteigbar. Der Thurm ist ähnlich den Wartthürmen bei Leonberg, auf dem Heuchelberg etc. und correspondirt nicht nur mit diesen, sondern auch mit dem Michelsberg, der Warte bei Heilbronn, dem Wunnenstein, dem Asberg etc.

Über die Befestigung, welche ohne Zweifel die Römer bei| Besigheim angelegt hatten, s. den allg. Theil. Auf den Distrikten Schimmelfeld und Häslach gräbt man nicht selten thönerne Teichel als Reste einer früheren Wasserleitung aus; ob aber diese römischen oder mittelalterlichen Ursprungs sind, läßt sich nicht bestimmen, da die Teichel weder Zeichen noch Töpferstempel tragen.

Ein hiesiges castrum Valerianum, welches der römische Kaiser Probus erbaut haben soll, gehört der Fabel an.

Geschichtliches. In der deutschen Zeit war der Ort ursprünglich Reichsgut; seine älteste Schreibung ist Basincheim; eine spätere Baesinkain, Besenkeim (z. B. Oppidum Besenkeim in Urkunde v. 1277 bei Schoepfl. Hist. Zar. Bad. 5, 266). Die früheste Kunde, welche man von dem Namen hat, ist aus den Jahren zwischen 1043–1077, die Kaiserin Agnes, Gemahlin Heinrich’s III., welche in dieser Zeit lebte, vergabte den Hof (curtis) Besigheim mit allen Zugehörungen (an Dienstleuten beiderlei Geschlechts, Hofstätten, Gebäuden, Äckern, Feldern, Wiesen, Weiden, Jagden, Wassern, Mühlen, Fischereien, Wegen und Stegen etc.) an das Kloster Erstein in Elsaß (diese Thatsache ist zwar nicht mehr aus der Original-Urkunde, dagegen aus der sogleich anzuführenden Urkunde K. Friedrich’s I. v. J. 1153 bekannt).

Genanntes Kloster blieb jedoch nur bis zum Jahr 1153 oder kurz vorher in diesem Besitz und überließ ihn damals schenkungsweise an den Markgrafen Hermann von Baden, welcher sich ohne Zweifel um das Kloster verdient gemacht hatte und auf dieses Gut, wegen der Nähe der badischen Besitzungen Reichenberg, Backnang etc., einen besondern Werth legen mochte; unter dem 12. Juli 1153 gab K. Friedrich, im Kloster Erstein selbst anwesend, seine Bestätigung zu dieser Schenkung. Fortan verblieb Besigheim, welches wohl schon im 13. Jahrhundert zur Stadt heranblühte, bis zum Jahre 1595, ein Paar Unterbrechungen abgerechnet, den Markgrafen von Baden. Am Ende des 12. Jahrhunderts oder im 13. mögen diese Markgrafen die zwei obengenannten, der Zeit trotzenden Berchfriede (Thürme) gebaut haben; die älteste Nachricht, welche man von dem Bestehen, wenigstens eines dieser Thürme (ungewiß welches) besitzt, weist auf das Jahr 1312; damals diente ein solcher dem Grafen Eberhard dem Erlauchten von Württemberg zum Zufluchtsort, als derselbe als flüchtiger Reichsächter bei dessen Besitzer, dem Brudersohn seiner Gemahlin, Markgrafen Rudolf Hesso von Baden, ein Versteck suchte. Nach dem Ableben des genannten Markgrafen, im J. 1335, hatte dessen Wittwe, Johanna von Mömpelgart, früher Gemahlin des Grafen Ulrich von Pfirt und seit 1336 in dritter Ehe Gemahlin des Grafen Wilhelm von Katzenellenbogen, von welch letzterem sie häufig getrennt| lebte, Besigheim als Widumsgut; sie nannte sich unter anderem „Frau zu Besigheim“ und bestätigte am 6. Sept. 1339 der Stadt alle Rechte, Herkommen und guten Gewohnheiten, welche sie unter dem Markgrafen, ihrem Gemahl und dessen Vorfahren gehabt hatte. Am 9. Sept. 1339 bekannten Heinrich der alte Sturmfeder und dessen Stöhne „daß ihre gnädige Frau Johanna von Montbligart, Gräfin zu Katzenellenbogen und zu Besenkein, ihnen auf ihre Lebenszeit zu Burglehen verliehen, was der selige Markgraf Rudolf, Hesse genannt, Herr zu Baden, ihnen verliehen hatte. Auf den Fall des Todes der Gräfin falle das Burglehen dem anheim, welcher Besitzer von Besenkeim werde, er sei Mann oder Frau!“ (Reg. Boic. 7, 258). Genannte Frau verschrieb dem Grafen Ulrich von Württemberg die Öffnung in der Burg und Stadt Besigheim, wofür ihr der Graf am 10. April 1340 Beides zu schirmen gelobte (Stuttgarter Staatsarchiv). Vom 11. Mai 1404 und 2. Sept. 1431 sind die ältesten erhaltenen Briefe über die Huldigung, welche die Stadt den Markgrafen von Baden leistete. (Reyscher, Statutarrechte, 240.)

Die Unterbrechung, welche der badische Besitz Besigheim’s erlitten, dauerte von 1463 bis 1529. Im erstgenannten Jahre mußte der Markgraf Karl von Baden dem Pfalzgrafen Friedrich, um aus dessen Gefangenschaft erlöst zu werden, Besigheim, Löchgau, Wahlheim und Freudenthal und seine Gerechtigkeit an den Pfandschaften Ingersheim und Hessigheim abtreten – übrigens vorbehältlich der Wiedereinlösung mit 30.000 fl. – (Mone, Quellensamml. 1, 482). Durch Eroberung kamen diese Orte an Herzog Ulrich von Württemberg, in dessen Pfälzer Krieg im J. 1504, worauf Kaiser Maximilian I. am 1. Aug. d. J. dem Herzog den Besitz bestätigte und Kurpfalz am 13. Nov. 1512 gegen eine bestimmte Summe seine Ansprüche daran sich verzog (Sattler, Herzoge 1, 139). Markgraf Philipp von Baden löste jedoch Besigheim mit Wahlheim im Jahr 1529 von der damaligen österreichischen Regierung in Württemberg wieder ein, verlieh beiden Orten den freien Zug und „etliche andere sondere Begnadungen“, worauf ihm beide am 8. Nov. 1529 huldigten (unter andern „der Eidglocke zu jeder Zeit gehorsam und gewärtig zu sein“ gelobten) und sogleich 230 fl., sodann 30 Jahre lang alljährlich 200 fl. zu zahlen versprachen. (Reyscher, a. a. O. 347.)

Dauernd an Württemberg gelangte Besigheim im J. 1595. Das Jahr zuvor hatte der Markgraf Ernst Friedrich, von Schulden gedrängt, dem Herzog Friedrich von Württemberg die Verpfändung von Besigheim, Wahlheim, Hessigheim, halb Löchgau und Mundelsheim angetragen, und erst nach langen Unterhandlungen erkaufte Württemberg am 26. April 1595 für 384.486 fl. 35 kr. als volles Eigenthum die genannten Orte, welche durch Landtagsabschied vom folgenden 17. Mai dem| Lande, da die Landschaft das Geld zum Ankauf bewilligt hatte, incorporirt wurden (Sattler, Herzoge 5, 187, Landesgrundverfassung 250); die Huldigung erfolgte am 21. Mai. – Anfangs mußten diese Orte an Württemberg 3400 fl. Steuer zahlen; da sie aber klagten, sie können so viel nicht erschwingen, wurde die Steuer auf 2275 fl. herabgesetzt. – Als im Jahr 1603 Herzog Friedrich von Württemberg Stadt und Amt Altensteig von Baden eintauschte, leistete er für die Kellereien Malsch und Langensteinbach, welche er dagegen abtrat, Gewährschaft durch Verpfändung der Ämter Besigheim und Mundelsheim; auf diese Ämter machte nun Baden Evictionsansprüche, aus denen sich ein langwieriger Proceß entspann, welche erst durch einen Vergleich vom 29. Novbr. 1753 geendet wurde, wodurch Württemberg den ruhigen Besitz der Stadt Besigheim und der andern Orte gesichert erhielt, dadurch, daß es seiner Rechte und seiner Ansprüche auf die halbe Grafschaft Eberstein entsagte, das Dorf Neuenbürg (bei Bruchsal) und einige andere Güter abtrat, auch 130.000 fl. zahlte. Schoepflin Hist. Zar. Bad. 4, 407. 7, 258. (die vielen Deduktionen in der langwierigen Streitsache citiren Moser, Württ. Bibl. 155–162 und Reyscher a. a. O. 256–258).

Als ältester bekannter Ortsadeliger und badischer Amtmann kommt vor im J. 1231 Konrad [Schobelin, der Marschall] von Besigheim und dortiger Vogt (Conradus advocatus de Besenkain im J. 1231 Zeuge Markgraf Hermann’s V. von Baden für das Stift Backnang. Wibel, Hohenloh. Kirchengesch. 4. Cod. dipl. S. 7; die Umschrift auf dem Siegel des jüngern Marschalls Konrad, welches an Urkunden von 1289 und 1296 hängt, worin er das Wappen seines Dienstherrn, des Markgrafen von Baden führt, ist S. CVNRADI SCHOBELINI, Sattler Topogr., Figur zu S. 400, Mone, Zeitschr. 2, 452). Auch Ruggerus advocatus de Baesenkain erscheint in der Mitte des 13. Jahrh. (Cod. Salem. in Karlsr. 1, 190). Ein Marschall Konrad von Besigheim, wahrscheinlich Sohn obigen Konrad’s, lebte am Schluß des 13. Jahrh. (Mone, Zeitschr. 2, 451, Sattl., Grafen 1. Beil. Nr. 22). Ohne Zweifel besaß diese Familie das Burglehen, welches später die Herren von Sturmfeder erhielten; denn Konrad der Marschall heißt am 11. Apr. 1297 der Oheim Dietrichs von Ingersheim, und Heinrich Sturmfeder, Agathas von Ingersheim Gatte, stellt am 9. Sept. 1339 den oben angeführten Lehenrevers aus.

Die älteste Erwähnung eines hiesigen Schultheißen geschieht im J. 1257 (Ida vidua sculteti de B. in Urk. vom 15. Apr. 1257). – Am 16. Oct. 1404 verwilligt K. Ruprecht dem Markgrafen Bernhard von Baden für sein Stadt Besigheim einen Jahrmarkt am St. Lucastag (18. Oct.), welcher später verlegt wurde (s. oben). – Als hiesige| Merkwürdigkeit führt Ladisl. Suntheim (blühte um 1500) den Umstand an, daß allda in ganz Schwaben das größte Maß Wein sei. (Oefele Rer. Boic. script. 2, 601).

Vor der Reformation bestund hier eine Pfarrstelle und drei Frühmessereien (Würdtwein Subsid. 10, 333). Ein Berngerus decanus de Besenkeim erscheint im J. 1279 als Zeuge Konrads von Magenheim (Remling, Urk. Buch zur Gesch. der Bisch. zu Speyer 356). In protestantischer Zeit stund die Parochie früher unter dem Dekanat Bietigheim; erst durch königl. Rescript vom 19. Jan. 1813 wurde der Dekanatssitz nach Besigheim verlegt. Das Patronats- und Nominatsrecht zu Dekanat und zu Diaconat hängt von königlicher Collatur ab.

Von fremden Stiftern waren allda begütert das Stift Backnang schon vor dem Jahr 1245 und das Stift Baden, welches im 17. Jahrh. hier ein Haus, eine Scheune und zwei Keller besaß und bis zum Jahre 1806, in welchem seine Gefälle an Württemberg übergingen, ein Pflege hatte. Drei Imi Weingülten besaß hier schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Spital zu Eßlingen.

Aus den Schicksalen der Stadt ist hervorzuheben die bereits angedeutete Eroberung durch Herzog Ulrich im Jahr 1504. Der Herzog erstürmte in den ersten Julitagen den Wartthurm über der Stadt und richtete hierauf den Angriff gegen die Stadt selbst, auf welche anfänglich bloß mit Büchsen von der Mannschaft, welche im Niedernberg, Stich und Schalkstein umher lief, gefeuert wurde. Als aber die Schanzen gegen die Stadt fertig geworden waren, spielten vom 13. Juli an auch die Karthaunen; zwar wurde ein Sturm abgeschlagen, aber die Beschießung wurde so lebhaft fortgesetzt, wobei 1840 Geschützkugeln abgefeuert wurden, daß sich endlich am 27. Juli die Stadt ergab. (Heyd, Herzog Ulrich 1, 109. v. Martens, 152.)

Bei Vertreibung Herzog Ulrich’s ergab sich Besigheim, so fest der Ort auch war, im Jahr 1519 sogleich dem schwäbischen Bunde, welcher Hans von Biberach mit 27 Knechten hineinlegte; im Mai kamen auch 600 bündische Reiter. Ein Versuch, welchen Herzog Ulrich, wieder ins Land eingerückt, den 21. Aug. 1519 und die folgende Tage machte, die Stadt durch Beschießung zu Übergabe zu zwingen, mißglückte, hauptsächlich, weil es dem Herzog an schwerem Geschütz gebrach. Der Sturm, welchen der Herzog am 24. Aug. von zwei Seiten unternahm, wurde zurückgeschlagen, worauf der Herzog am 28. Aug. abzog. (Heyd a. a. O. S. 574.)

Im Bauernkrieg zogen den 22. April 1525 die Bauern in Besigheim ein, wo man sich ihnen vergeblich entgegenstellte.

Die Drangsale des 30jährigen Krieges lasteten auch über dieser Stadt, da bald diese, bald jene Partie sie besetzte.

| Im Reichskrieg gegen Frankreich vom Jahr 1693 führte der französische General Montcassel am 15. (25.) Juli eine Heeresabtheilung vom Wartthurm herab gegen Besigheim, um diesen Übergangspunkt, wo damals kein Soldat sich befand, zu gewinnen. Schleunig sprach der Vogt von Besigheim Reichshülfe an; die 300 abgeordneten Reiter konnten aber nicht übergeschifft werden, dagegen gelangte das abgeschickte Fußvolk, 200 Mann stark, in die Stadt und vertheidigte sich bis Nachts 1 Uhr standhaft gegen die Franzosen, welche die Mauer einzuschießen versuchten. Um jene Zeit aber verließen die 200 Mann, unter dem Vorwande eines Ausfalles, die Stadt und gingen über den Neckar zurück, worauf auch die Einwohner die Flucht ergriffen. Die Franzosen setzten die Beschießung bis 7 Uhr Morgens fort, um welche Zeit sie erst gewahr wurden, daß ihnen Niemand mehr Widerstand leistete; nun stiegen sie über die Mauern in die Stadt, in welcher sie dann wie gewöhnlich plünderten, sechs Wochen lang arg hausten und Alles verderbten, namentlich das Schloß und das Amthaus beinahe ganz zerstörten (s. v. Martens, 533), auch selbst die Kirche nicht schonten, in welcher sie Kanzel, Taufstein und Kirchenstühle zerschlugen und etliche Backöfen behufs des Brodbackens für das Heer einrichteten (Rebstock, Beschreibung von Württemberg 125).

Im spanischen Erbfolgekrieg kamen den 6. Oct. 1744 drei Bataillone und ein Reiterregiment kurpfälzischer Truppen, welche einige Tage bei Frankenbach gestanden waren, mit 8 französischen Kanonen, 4 Mörsern und 22 kupfernen Brückenschiffen nach Besigheim (v. Martens, 629).

Beschreibung der den Oberamts-Bezirk in einer Längenausdehnung von etwa 8 Stunden durchziehenden Neckarwasserstraße.
(Vergl. den allg. Theil oben S. 73.)

Auf dieser Strecke, die durch viele Mahlmühlen belebt wird, stellten sich der Schifffahrt viele große Hindernisse in den Weg; um die Mühlwehre in Klein-Ingersheim, Mundelsheim, Hessigheim, Besigheim, Gemmrigheim, Kirchheim und Lauffen zu übersteigen, wurden Schiffgassen in denselben nöthig, die jetzt in Klein-Ingersheim, Besigheim und Kirchheim durch massivsteinerne Kammerschleußen und in Hessigheim durch eine theilweise von Holz erbaute Schleuße ersetzt sind.

Schleuße zu Klein-Ingersheim.
In dem Mühlwehr bestand vor der Erbauung des neuen Canals und der Schleuße eine hölzerne Schleuße, die zugleich Floßgasse war, dieselbe war aber sehr schwierig zu befahren und schadhaft; Conflicte mit dem Müller erschwerten den Schiffern die Fahrt. Die Staats-Regierung, welche der Schifffahrt ihr Wohlwollen nie versagte, leistete derselben großen Vorschub, indem sie die Erbauung eines eigenen offenen| Schifffahrtscanals mit Schleuße anordnete, deren Ausführung in die Jahre 1838 und 1839 fällt. Der Canal mit dieser Schleuße ist 1200′ lang, liegt auf dem rechten Neckarufer an der östlichen Gränze des Oberamts-Bezirks, an das Oberamt Marbach gränzend, gegenüber der Klein-Ingersheimer Mühle, mit dem Neckarbett und dem Wehr eine kleine Insel bildend, durchzieht 2 Markungen, Groß- und Klein-Ingersheim, zweigt unterhalb der s. g. Hirsenmühle vom Neckar ab, um unterhalb dem Wehr sich wieder mit diesem zu vereinigen. Die Schleuße mit starken Wänden von Quadersteinen, ist vom Oberhaupt bis zum Unterhaupt 216′ lang, zwischen den Thoren 172′ lang und 16′ breit und wird von eichenen gegen einander schlagenden Thoren oberhalb und unterhalb geschlossen, kann durch Umlauf-Canäle mit Schützen, die im Unter- und Oberhaupt angebracht sind, gefüllt und geleert werden.

Die etwa 5′ Fall habende Schleuße wird in wenigen Minuten gefüllt und geleert und von einem dazu aufgestellten Schleußenwärter bedient, dessen Wohnung zum Schutze vor Hochwasser auf einer Anhöhe des rechtseitigen Neckarufers erbaut ist. Die Schleuße können größere Schiffe nur ohne Anhängnachen passiren und müssen diese besonders geschleußt werden.

Von den Flößern wird die alte Schiffgasse, die seit der Erbauung des Canals zu einer Floßgasse umgewandelt, benutzt, und dem Müller von jedem Floß eine Durchlaß-Gebühr bezahlt.

Mundelsheimer Schiff- und Floßgasse.

Das Wehr bei Mundelsheim (Oberamt Marbach) wird an dem linken Ufer nur von einer Schiff- und Floßgasse durchschnitten, die zwar ein bedeutendes Gefäll hat, das die Zugthüre bei der Durchfahrt zu Berg sehr anstrengt, aber nicht so stark ist, daß eine Schleußen-Einrichtung nöthig wäre. Wenn Schiffe passirt sind, wird sie durch s. g. Schließbalken von einem Wärter geschlossen, damit der Müller bei kleinem Wasser keinen Mangel an Aufschlagwasser erleidet.

Hessigheimer Schleuße.
Um das Hessigheims Wehr übersteigen zu können, wurde eine hölzerne Kammerschleuße 162′ lang, 15′ 7″ weit, hart neben der am rechten Neckarufer und dem Mühlkanal liegenden Getreidemühle, einige tausend Fuß oberhalb dem Ort Hessigheim erbaut, deren Zuflußcanal zugleich Mühlcanal sich einige 100′ oberhalb am Wehr vom Neckar trennt und beim Ort unterhalb wieder mit dem Neckarfluß vereinigt; sie wird oben mit Schließbalken und unten mit einer Tunnelfalle (eine Falle an einem starken, langen Hebel) geschlossen, nicht, wie die Ingersheimer mit Thoren.| Um die Schleuße z. B. vom Ober- in’s Unterwasser befahren zu können, wird sie unten mit der Tunnelfalle geschlossen und die obern Schließbalken gezogen; hat sich der Wasserspiegel in der Kammer durch Zufluß mit dem obern gleichgestellt, so fährt das Fahrzeug ein und die obern Schließbalken werden wieder eingesetzt, sodann aber der Wasserspiegel mit dem Fahrzeug durch Öffnen eines Umlaufs mit Schütze auf den untern gesenkt, daß dasselbe weiter fahren kann. Diese Manipulation braucht einige Minuten Zeit. Die Schleuße wurde im Jahr 1849 mit einem Aufwand von 12.000 fl. erneuert und verbessert, und neben der Schleuße besonders eine Floßgasse angelegt, damit Schiffer und Flößer nicht durch einander gehindert, dem Schiffcanal mehr Wasser zugeführt werden kann und die Schleuße nicht durch Flöße ruinirt wird.

Die Schleuße kann ebenfalls nur ein Schiff ohne Anhängnachen befahren.

Besigheimer offener Schifffahrtscanal mit steinernen Kammerschleußen.
(Vergl. den auf der Oberamts-Karte befindlichen Stadtplan.)

Vor Erbauung dieser in den Jahren 1845 bis 1847 auf dem rechten Neckarufer auf der Markung von Gemmrigheim ausgeführten Schifffahrts-Einrichtungen, wurde von den Schiffern der Mühlcanal befahren, der am Wehr zunächst oberhalb Besigheim seinen Einlauf hat, die östliche Seite der Stadt bespült, die dortigen Werke speist, in die Enz unterhalb der Stadt einmündet und von hier aus mit der Enz vereinigt sich unterhalb der unteren Enzbrücke in den Neckar ergießt. In diesem Canal wurde etlich und zwanzig Jahre früher eine amerikanische s. g. Klapper oder Bodenschleuße (selbstbeweglich) erbaut und bis zur Eröffnung des jetzigen Canals im Jahr 1847 von Schiffern und Flößern benützt. Diese Passage war für die Schiffe und Schiffsbespannung (Halfleute) schwierig und weil sie noch zwei Brücken, die Canalbrücke und untere Enzbrücke, passiren mußten, sehr zeitraubend, daher deren Beseitigung angeordnet wurde, als die alte Schleuße in Verfall kam.

Nach der neuen Bauherstellung mit einem Aufwand von 110.000 fl. ist nun durch den neuen Canal die große Serpentine, die der Neckar hier bildet, abgeschnitten, so daß die Schiffer eine halbe Tagreise bälder an den Ort ihrer Bestimmung kommen und sicherer und gefahrloser fahren. Der Canal trennt sich eine viertel Stunde oberhalb Besigheim vom Neckar am rechten Ufer, zieht sich am Fuße des Neusatzbergs hin und gibt sein Wasser bei Wahlheim dem Neckar wieder, ist oberhalb der Schleuße 1845′ lang und 30′ breit, so daß zwei sich begegnende Schiffe ausweichen können, was auf eine Länge von 570′ unterhalb der Schleuße nicht der Fall ist, weil| hier der offene Neckar bald erreicht ist. Im Ganzen hat der Canal, einschließlich der Schleuße eine Länge von 2600′.

Die Verbindung auf dem Weg von Besigheim nach Hessigheim und Gemmrigheim, der den Canal oberhalb der Schleuße durchschneidet, ist mittelst einer Fallbrücke über den Canal hergestellt, die, wenn Bergschiffe durchgehen, aufgezogen wird, damit diese die Maste nicht umlegen dürfen, was keine lange Unterbrechung zur Folge hat.

Am obern Ende ist der Canal mit einer Zuschließung versehen gegen Hochwasser, Eisgänge und zum Ablassen desselben. Die Schleuße, die mithin beinahe am untern Ende des Canals liegt, ist zwischen den Häuptern 202′, zwischen den Thoren, welche 16′ weit sind, 100′ lang und hat ein Gefäll von 11′; die Kammer ist 30′ weit, um eine s. g. ganze Schifferei auf einmal aufnehmen zu können. Die zwei paar Thore, in denen Schützen zum Füllen und Entleeren angebracht sind, bestehen aus Eichenholz und sind gut mit Eisen zusammengehalten und nicht beweglich. Die Wände von guten Keupersandstein-Quadern stark aufgeführt, sind im Stande, Hochgewässern und Eisgängen zu trotzen. Die Schleuße wird von einem Wärter bedient, der am Fuße des Neusatzbergs, außer Bereich des Hochwassers, seine Wohnung hat.

Schiff- und Floßgasse bei Gemmrigheim

ist wie bei Mundelsheim eingerichtet, aber ohne Schließung und Warte.

Steinerne Kammerschleuße, Canal und Leinpfad bei Kirchheim.

Nachdem vorgedachte Schifffahrtsbauten hergestellt waren, blieb noch eine alte Floß- und Schiffgasse in dem Wehr zu Kirchheim für Schiffe zeitraubend und gefahrvoll zu befahren. Diese an dem rechten Neckarufer gelegene Gasse, die jetzt noch von Flößern und theilweise von Thalschiffern durchfahren wird, hatte so starkes Gefäll, daß bei der Bergfahrt übermäßige Vorspann erfordert wurde, auch mußten Schiffreiter, eine halbe Stunde unterhalb Kirchheim, im s. g. Durum auf dem linken Ufer angekommen, auf den bis Kirchheim am rechten Ufer gelegenen Leinpfad übersetzen, um bei Kirchheim wieder auf den linken Leinpfad übergesetzt zu werden.

Um diesen Übelständen abzuhelfen, wurde auch hier eine dauerhafte Schleuße von Werksteinen zu einer ganzen Schifferei wie die in Besigheim, hart an der Mühle, am linken Ufer erbaut, der Leinpfad von hier bis in’s s. g. Durum, eine halbe Stunde unterhalb Kirchheim vom rechten auf das linke Ufer verlegt, und das Ufer und der Leinpfad mit dauerhaftem Pflaster versehen, welche Bauten in den Jahren 1848 und 1849 mit einem Aufwand vom etwa 100.000 fl. in Ausführung kamen.

| Die Schleuße, die neben der Mühle und dem Mühlcanal liegt, ist ohne die Vorspitzen und Eispfeiler im Ganzen 200′ lang, mit einer 150′ langen und 30′ breiten Kammer zur Aufnahme einer ganzen Schifferei versehen und hat einen Fall von 5′.

Der Schiffcanal ist mit dem 1200′ langen Mühlcanal vereinigt und schön regulirt, vom Ausfluß des Canals in den Neckar ist die Verlegung des Leinpfads 4000′ lang.

Schiffgasse und Leinpfad bei Lauffen.

Die Schiffgasse am linken Ufer im Wehr zu Lauffen ist wie die in Mundelsheim beschriebene, nur ohne Schließbalken und Wartung.

Um indessen auch auf diesem Theile der Wasserstraße sowohl den Schiffern als Flößern die beschwerliche Fahrt zu erleichtern, wurden in den Jahren 1845, 1846 und 47 verschiedene bedeutende Bauten mit einem Aufwand von etwa 50.000 fl. vorgenommen, so daß nun die Schiffstraße vom rechten auf’s linke Ufer von der Brücke bei Lauffen an bis 1/4 Stunde abwärts verlegt und der Leinpfad gepflastert ist, was zugleich wesentlich zur Erhaltung und Verschönerung der Ufer beiträgt.

An dem Flusse im Allgemeinen sind aber außer den genannten größeren Bauten noch Zeilenbauten nöthig, um das unregelmäßige und oft seichte Flußbeet zu einer künstlichen Fahrstraße zusammenzuhalten und Kiesablagerungen zu verhüten. Solche Zeilenbauten finden sich bei Groß-Ingersheim, beim Klein-Ingersheimer Mühlgraben, bei Hessigheim, im sog. Schweinfurth oberhalb Besigheim, an der sog. hangenden Mühle bei Kaltenwesten, wo der Staat die früher bestandene Mühle erkauft und im Interesse der Schifffahrt zum Abbruch wieder verkauft hat, im hohen Rain, im Gänswirth oberhalb und im wilden Saum unterhalb Lauffen. Auch gibt es noch viele Stellen, bei Klein-Ingersheim, Hessigheim, im Hanneser Fächle bei Besigheim, an der ehemaligen hangenden Mühle etc., wo jährlich Kiesausräumungen nöthig werden, um das Fahrwasser frei zu halten.

Die verschiedenen Bauten und Arbeiten, die sich zum Theil jährlich wiederholen, fördern übrigens nicht nur den, auch für die Anwohner einträglichen Floß- und Schifffahrtsverkehr, sondern gewähren vielen Angehörigen der am Neckar liegenden Gemeinden des Oberamts Arbeit und Verdienst.


  1. Nach dem Besigheimer Stadtgerechtigkeitsbuch Tom. I. Fol. 426 ist im Jahr 1540 das Wachhaus auf dem obern Thurm gebaut worden.
  2. Die merkwürdigen Thürme zu Besigheim, über deren Erbauer auch die Ortsgeschichte (s. u.) Andeutung gibt, wurden früher allgemein für römischen Ursprungs gehalten und ihnen deshalb auch der Name „Römerthürme“ beigelegt. In neuerer Zeit sind mehrere Alterthumsforscher von dieser Ansicht abgekommen, und namentlich hat der verstorbene Professor v. Pauly den deutschen Ursprung der Thürme gründlich nachzuweisen gesucht und ihre Erbauung in das 12. Jahrhundert oder den Beginn der Hohenstaufenperiode verlegt (s. Württ. Jahrb. 1838. S. 66 ff.). Dieser Ansicht sich anschließend, soll hier nur noch Einiges zur weiteren Begründung derselben angeführt werden. So weit die Erfahrung reicht, welche sich durch die Forschungen der neueren Zeit bedeutend erweitert hat, weiß man von den vielen zurückgelassenen Spuren der Römer nicht mit einem einzigen Beispiele nachzuweisen, daß die Römer im Zehentlande solch massenhafte Bauten, wie die Besigheimer Thürme, aufgeführt hätten; ferner fanden sich auch bei Überresten unbedeutender römischen Gebäude stets Sculpturen etc., die auf römischen Ursprung hinweisen. An den Thürmen zu Besigheim ist nicht eine architektonische Linie, viel weniger ein Zeichen oder Inschrift zu finden, welche für den römischen Urspung derselben sprechen würde, dagegen stimmen sie in den Verhältnissen wie in der Bauweise mit entschieden mittelalterlichen Thürmen ganz überein. Das übliche, bei mittelalterlichen runden Thürmen eingehaltene Verhältniß, dieselben so zu bauen, daß der Umfang gleich der Höhe war, den Eingang 30–35′ über der Erdfläche anzubringen, finden wir auch hier angewendet. Die eingemeiselten Steinmetzenzeichen stimmen mit denen an entschieden mittelalterlichen Gebäuden sogar in nächster Umgebung überein, wie mit denen an dem Chor der Kirche und an der Reginswinde-Kapelle zu Lauffen, an dem Thurm zu Liebenstein, an der Ruine Blankenhorn etc. Abgesehen von den die Kaminschöße tragenden Säulen, welche im romanischen Styl ausgeführt und schon deshalb in das 11. oder 12. Jahrhundert zu setzen sind, finden sich ganz ähnliche in dem Thurm der Ruine Neipperg, in dem Thurm zu Liebenstein, in dem Schleglerschloß zu Heimsheim etc., denen wohl Niemand die mittelalterliche Abkunft abzusprechen geneigt sein wird. Endlich fand man unter den, in den Thürmen schon früher aufgefundenen – wie durch Nachgrabungen erhaltenen Anticaglien nicht einen Gegenstand, der von dem Kenner für römisch hätte erklärt werden dürfen.
    Paulus.
  3. Eine in Besigheim aufbewahrte Urkunde bezeugt die am 26. Mai 1383 erfolgte Einweihung des hiesigen Chors durch den Weihbischof Konrad als Stellvertreter des Bischofs Nicolaus von Speier zu Ehren der hiesigen Kirchenpatrone, der heiligen Bischöfe Nicolaus und Martin und der heil. Katharina.


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