Beschreibung des Oberamts Biberach/Kapitel A 2

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II. Natürliche Beschaffenheit.


1. Gebirge und Berge.
Der Oberamtsbezirk gehört dem aufgeschwemmten Lande Oberschwabens an. Die Anhöhen bestehen durchaus aus| Röllgebirge, in den Niederungen sind häufig weit ausgedehnte mächtige Torflager. Seine Abdachung hat der Bezirk im Allgemeinen von Süden gegen Norden. Er gehört, wie schon bemerkt worden, zu dem Donaugebiet; er ist zwar auch sehr hügelig, besonders bei Ingerkingen und Altheim, unterscheidet sich aber von dem in das Rheingebiet fallenden Theil Ober-Schwabens durch zusammenhängendere Höhenzüge und durch flächere Kuppen. Die Höhenzüge streichen, wie die bedeutendern Thäler, in der Regel von Süden nach Norden; die wichtigern davon sind:

1) der Höhenzug zwischen der Riß und dem Rothbach, oder Wolfenbach (Biberach), der sich gegen Nordwest sanft abdacht, und den steilsten Vorsprung gegen Südost bei Rißeck bildet;

2) „das Hochgelände" zwischen der Riß und Umlach, welches aus dem Oberamtsbezirk Waldsee, dem es größtentheils angehört, herzieht, und bei Ummendorf endet. S. O. A. Waldsee S. 6.;

3) der Hügelzug zwischen der Umlach und Dürnach und von Ummendorf an zwischen der Riß und Dürnach, welcher von Dietenwangen herabzieht und bei Baltringen endet;

4) der Höhenzug zwischen der Dürnach und Rottum, welcher von Füramoos herzieht und bei Mietingen endet;

5) der Höhenzug zwischen der Rottum und der untern oder alten Rottum, von Bellamont herziehend und zu Ochsenhausen sich endend;

6) der Höhenzug zwischen der Rottum und dem Laubach, später der Roth, welcher bei Hirschbronn beginnt, und sich bis gegen Wiblingen zieht. Er ist vielfach getrennt, und hat eine Menge Seiten-Einschnitte, die meist mit ziemlich steilen Muhlden beginnen und fast rechtwinklig auf die beiden Grenztheile einfallen;

7) der Höhenzug zwischen dem Laubach und der Roth, ein schmaler von Roth herziehender Zug, der bei Huggenlaubach endet;

8) der Höhenzug zwischen der Roth und Iller, wovon jedoch nur eine Strecke von 2 Stunden in unser Oberamt fällt. Der Charakter des Zugs unterscheidet sich wie der von Nr. 6. durch seine kammartigen Einschnitte.

Die steilsten der Abdachungen bilden das Riß- und das| Iller-Thal; die am meisten ansteigenden Höhen sind Hornfischbach und der Capellen-Berg bei Erolzheim.

2. Thäler.

In dem Oberamtsbezirke machen sich hauptsächlich fünf neben einander von Süden nach Norden ziehende Thäler bemerklich, nämlich das Rißthal, das Dürnachthal, das Rottumthal, das Roththal und das Illerthal mit einigen Seitenthälern. Von diesen Thälern sind die beiden äußersten, nämlich das Illerthal und das Rißthal, die bedeutendsten. Die Thäler haben in der Regel wenig Tiefe, die Thalränder sind aber ziemlich steil, steiler gegen Westen als gegen Osten. Der Thalgrund ist meistens moorig und hat saure Wiesen, wie die häufig darin vorkommenden Pflanzen Eriophorum polyst.[ws 1] und Parnassia palustris[ws 2] sattsam beurkunden. Eine Ausnahme macht das Illerthal, welches einen sandigen, kiesigen, trockenen Schuttgrund hat.

1) Das Illerthal. Es tritt mit seiner breiten Thalebene östlich von Erolzheim bei Ober-Dettingen in den Oberamts-Bezirk ein, zieht in nördlicher Richtung über Unter-Dettingen und Kirchberg hinab und verläßt das Oberamt nach 2 Stunden wieder unterhalb Nordhofen. Im Thale liegen Erolzheim, Ober- und Unter-Dettingen, Kellmünz, Buchau, Nordhofen etc. Das Thal, auf das wir bei Leutkirch und Wiblingen zurückkommen werden, ist zwischen Würtemberg und Bayern durch die Iller getheilt. Der diesseitige Hang ist steil und bietet sehr malerische Ansichten dar, besonders in der Gegend von Erolzheim.

2) Das Rißthal, dessen Anfang wir schon bei Waldsee kennen gelernt haben. Es tritt oberhalb Rißeck in den Oberamtsbezirk ein, zieht sich in nordwestlicher Richtung nach Biberach, von da nördlich über Warthausen, Langenschemmern und Schemmerberg nach Ober- und Unter-Sulmetingen hinab, und verläßt den Bezirk nach einem Zuge von 6 Stunden unterhalb Niederkirch, von wo es in das Oberamt Ehingen übergeht und in das Donauthal ausmündet.| Anfänglich, im Oberamte Waldsee bis gegen Ingoldingen herab, sehr enge, wird es von da an weiter und ist im Verlauf der ersten 2 Stunden in dem diesseitigen Oberamt eine halbe Stunde breit, unterhalb Warthausen aber verflacht es sich gegen Osten so sehr, daß es von da an mehr den Charakter einer Tiefebene als eines Thales hat, und nur noch zu Rißtissen im Oberamt Ehingen sich wieder etwas verengt. Der östliche Thalrand ist bis Schemmerberg schroff und auch der westliche bis zu den Rißhöfen, wo die Verflächung beginnt und sich rechts in das Oberamt Wiblingen hinüber verbreitet. Außer den schon genannten Orten liegen noch Birkendorf und einzelne Wohnsitze in dem Thal. Der Thalgrund besteht meist aus sumpfigem Riedboden. S. Riß.

Seitenthäler des Rißthals sind, und zwar

a. auf der linken Seite: das Wolfenthal (Biberachthal) von dem Wolfenbach (der Biberach) durchflossen, s. u. Es zieht von Birkhof über Oberndorf und Mittelbiberach nach Biberach herab; wo es in das Rißthal einmündet. Es hat an mehreren Stellen schroffe Thalränder und ist gegen 3 Stunden lang;

b. auf der rechten Seite: das aus dem Oberamt Waldsee kommende und oberhalb Fischbach eintretende Umlachthal, das bei Ummendorf in das Rißthal ausmündet. Darin liegen Fischbach und Ummendorf; es ist im Oberamtsbezirk 1 Stunde lang. S. Waldsee.

3) Das Dürnachthal, das bei Mittelbuch beginnt und unterhalb Maselheim in das Oberamt Wiblingen übergeht. Die in ihm liegenden Hauptorte sind Ringschnait und Maselheim. Seine Länge im O.A. Biberach beträgt 31/2 St.; zwischen Ringschnait und Wennedach ist es von starken Thalrändern eingeschlossen, und nimmt das Kaltenbach- und Rohrbach-Thälchen auf.

4) Das Rottumthal; es fängt bei Füramoos an, durchzieht in der Richtung von Süden nach Nordost den östlichen Theil des ganzen Bezirkes in einer Länge von 41/2 St. bis an die Grenze des Oberamts Wiblingen. Es liegen darin Füramoos, Rottum, Ochsenhausen, Goppertshofen, Reinstetten, Zillishausen. Mitten durch fließt die Rottum. Zwischen| Rottum und Ochsenhausen sind besonders die westlichen Thalränder steil. Das Thal ist mit Wiesen bebaut. Bei Ochsenhausen mündet das alte Rottumthal ein.

5) Das Roththal, es tritt oberhalb Bechtenroth aus dem Oberamt Leutkirch in den Bezirk ein und zieht von Südost gegen Nordwest. Die Orte Bechtenroth, Herrenmühle, Edelbeuren, Gutenzell, Niederzell liegen darin. Die Thalränder laufen meist flach aus. Das Thal besteht aus lauter (Ried) Wiesen. Innerhalb des Oberamtsbezirkes ist das Thal 23/4 St. lang. Ein Seitenthälchen desselben ist:

das Laubachthal; es beginnt im südöstlichen Theile des Oberamtes, zieht 41/2 St. lang von Süden nach Norden und mündet an der Oberamtsgrenze gegen Wiblingen in das Roththal aus. Das Thälchen ist enge, der westliche Thalrand an vielen Stellen steil. In ihm liegen die Orte Laubach, und Dissenhausen. Es wird von dem Laubach bewässert.

3. Ebenen.

Eine beträchtliche Ebene hat der Bezirk nicht; die größte Ebene desselben ist die an der nordwestlichen Grenze des Oberamtsbezirks liegende Hochfläche, auf der Schammach, Attenweiler, Burren, Aßmannshart, Birkenhardt, Oberwarthausen, Röhrwangen liegen, die übrigens mehrfache Vertiefungen hat und kaum eine Ebene genannt werden kann. Eine wirkliche und nicht unbedeutende Ebene bildet das weite Illerthal bei Erolzheim, wovon aber der größere Theil zu Bayern gehört. Zu den größeren Ried-Ebenen gehören das Ried bei Ummendorf, das Füramooser Ried, und die Ried-Ebene rechts der Riß von Warthausen nach Sulmetingen hinab.

4. Gewässer.

Der Oberamtsbezirk ist, wie überhaupt ganz Oberschwaben, sehr reich an Flüssen, Bächen, Quellen und Teichen, obwohl von den letzteren während der letztverflossenen 20 Jahre eine große Anzahl trocken gelegt und in Fruchtfelder oder Wiesen umgeschaffen worden ist.

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A. Quellen.

So reich auch der Oberamtsbezirk, namentlich die obige fünfte Anhöhenreihe, an Quellen und Bächen ist, so haben doch manche Orte wie Bellamont, Ehrensberg, Hattenburg, Eichbühl, Eichen, Erlenmoos, Hirschbronn, Englisweiler, und diesseits der Riß Schammach, Birkenhart, Aßmannshart, Rindenmoos Mangel an fließendem Wasser, und die wenigen Gumpbrunnen genügen oft nur spärlich dem Bedürfniß. Als stärkere Quellen sind zu bemerken: die Quelle unfern Reute, welche die Stadt Biberach mit vorzüglichem Trinkwasser im Überfluß versieht; eine Quelle bei Ummendorf, welche im Dobel des Mühlreins entspringt, eine Quelle zu Fischbach, die westlich vom Orte entspringt und sogleich 2 Mühlen treibt, und der Ursprung der Rottum.

Hungerbrunnen gibt es bei Biberach, in der sogen. Riedgrube bei Winterreuthe, und noch an mehreren andern Orten.

Mineralquellen sind mehrere im Oberamtsbezirk:

1) Jordanquelle im Rißthal, 1 St. von Biberach. Professor Ch. Gmelin nahm im Oktober 1824 eine chemische Analyse des Wassers vor. Dieser zufolge enthält dasselbe

                  in 5000 Gr. oder in 10.000 Gr.
        Par. Cub. Z.
Kohlensaures Gas 31,512     63,025
Sauerstoff und Stickgas
      bei 26′ 2″ Bar. + 10° Reaum.
3,501     7,002
Kohlensaurer Kalk 1,190 Gr. 2,380
Kohlensaure Bitter-Erde 0,172     0,344
Kohlensaures Eisen-Oxydul 0,131     0,262
Salzsaures Natron und organische Materie eine höchst unbedeutende Quantität.
Kieselerde 0,042    0,084
  1,535    3,070
Das Wasser hat keinen Geruch, sieht milchweiß trüblich aus, und hat einen adstringirenden Kreide-Geschmack. Wenn es längere Zeit steht, setzt es einen kreidigten Bodensatz ab, durch Kochen fällt ein röthlicher Schlamm zu Boden, der sich| auch an den Badkesseln, Wannen und Leitungs-Röhren rindenartig und röthlich-braun ansetzt. Vergl. das Jordans-Bad bei Biberach von Dr. Hofer. Biberach 1826. Über die mit der Quelle verbundene Badanstalt s. u.

2) Die Ochsenhauser Mineral-Quelle. Nach einer Analyse des Apotheker Duke gaben 72 Unzen Wasser, 2 Gran Eisenoxydul, und 10 Gran salzsauren Kalk, auch zeigte sich einige Kohlensäure. Mit der Quelle ist auch eine Badanstalt verbunden.

3) Die Bellamonter-Quelle, eine schwefelhaltige Quelle, 1/4 St. von Bellamont. Vor Zeiten befand sich auch eine Badeanstalt daselbst.


B. Flüsse und Bäche.

Die bedeutenderen Flüsse sind schon durch die oben aufgeführte bedeutendere Thäler angezeigt. Sie gehen alle in der Richtung von Süden nach Norden in die Donau und sind:

1) Die Iller. Die Markungen dreier Gemeinden des Oberamtsbezirks Ober- und Unter-Dettingen und Kirchberg grenzen an die Iller. Wie dieser Fluß in seinem ganzen Verlauf durch sein schnelles und starkes Anschwellen, durch die Unstetigkeit seines Strombettes und durch die große Masse von Kieseln, die er mit sich führt, für die Angrenzer überhaupt sehr verderblich ist; so auch in der kurzen Strecke, in der sein Lauf den Oberamtsbezirk Biberach berührt. Wir werden auf denselben bei Leutkirch und Wiblingen zurückkommen.

Einflüsse in die Iller während ihres Laufes im Oberamtsbezirk sind der Schendbach, Forellenbach und Illerbach zu Ober- und Unter-Dettingen, wo sie 3 Mahlmühlen, 1 Ölmühle, 1 Säge- und 1 Loh-Mühle treiben; ferner der Mühlbach, der zu Kirchberg eine Mahl- und eine Säge-Mühle treibt, bei Nordhofen den Mauchenbach mit dem Heimbach aufnimmt, und durch das Oberamt Wiblingen in die Iller geht.

2) Die Riß – tritt unterhalb Appendorf aus dem Oberamtsbezirk Waldsee in den Oberamtsbezirk Biberach, bewässert in demselben auf einer Strecke von 5 St. die| Markungen von Ummendorf, Biberach, Birkendorf, Warthausen, Höfen, Röhrwangen, Langenschemmern, Schemmerberg, O. u. U. Sulmetingen, verläßt das Oberamt bei Niederkirch und ergießt sich unterhalb Ersingen, O.A. Ehingen, in die Donau. Die Riß ist sehr fischreich; sie treibt in dem Oberamt 8 Mahlmühlen und 12 andere Werke. Die Quellen der Riß bei Winterstettendorf liegen 1788 P. F. oder 1993 W. F. über der Meeresfläche, die Ausmündung bei Ersingen noch circa 1495 P. F. Der ganze Lauf der Riß beträgt 91/2 St. nach der Thalbahn gerechnet; davon kommen 11/2 St. auf das Oberamt Waldsee, 6 St. auf das Oberamt Biberach und 2 St. auf das Oberamt Ehingen, wovon aber 1 St. auf das Donauthal kommen, in welchem sie von Rißtissen an hinfließt. Da der Fall der Riß im Ganzen 498′ beträgt, so kommen auf 1 St. 55′ Fall.

Einflüsse der Riß sind:

a. auf der rechten Seite: die Umlach, s. O.A. Waldsee S. 11. Sie treibt zu Fischbach und Ummendorf 3 Mühlen, 2 Hammerschmieden, und 9 andere Werke.

Der Reichenbach, der bei Reichenbach entspringt und nach kurzem Laufe beim Jordansbad in die Riß fällt.

b. auf der linken Seite: der Federbach; er berührt das Oberamt im südwestlichen Theile, aus dem Oberamt Waldsee kommend, eine kurze Strecke und fließt durch Muttensweiler. s. O.A. Waldsee S. 12.

Der Mühlbach, entspringt bei Aßmannshart, zieht sich in östlicher Richtung durch Aufhofen und Langenschemmern, und ergießt sich unterhalb des letzeren Ortes in die Riß. In Aufhofen und Langenschemmern treibt er 3 Mahlmühlen und 2 andere Werke.

Der Wolfenbach, ehemals auch Biberach genannt, entspringt bei Eggelsbach, O. A. Waldsee, auf der Oberamtsgrenze, und lauft in nordwestlicher Richtung mit Ausnahme des südlich gehenden Bogens zwischen Mittelbiberach und Schönebuch. Er geht an Zweifelsberg vorüber und durch Mittelbiberach, wo er eine Mühle treibt, von da nach Reute, wo er auch der Zellerbach genannt wird, von Reute durch das Wolfenthal nach Biberach, wo er sich in die Riß ergießt. Vor Biberach treibt er die Ölmühle, Steigmühle und 1 Mühle in Biberach. Bis Reute herab wird| der Bach Rothbach genannt. Bei Biberach nimmt er den Krümmenbach auf. Er treibt bis Biberach 4 Mahl- und 3 andere Mühlen und zu Biberach mit dem ebenfalls durch die Stadt fließenden kleinen Schwarzenbach noch 2 Mahlmühlen und andere Werke.

Der Rothbach entspringt zwischen Volkersheim und Ingerkingen, nimmt den an letzterem Orte vorbeifließenden Betzenbühl-Graben und den Hüttensee-Graben auf, und mündet bei Ober-Sulmetingen in die Riß ein. Sodann nimmt die Riß zu Biberach auch noch den Schwarzenbach auf.

3) Die Dürna, Dürnach; ein kleines Flüßchen, es entspringt bei Mittelbuch, fließt über Ringschnait, Maselheim, von da nach Sulmingen und Baltringen O.A. Wiblingen. Zwischen Ringschnait und Maselheim nimmt die Dürnach den Kaltenbach und den an Wennedach vorbeifließenden Rohrbach, und auf der linken Seite, unweit der Oberamtsgrenze die bei Ellmannsweiler entspringende und durch Laupertshausen und Äpfingen fließende Sau (Appenbach) auf. In dem Riede unterhalb Sulmetingen und Laupheim vereinigt sich die Dürnach mit der Rottum und heißt von da an die Westernach, welche sich bei Erbach in die Donau ergießt. Die Dürnach treibt zu Ringschnait, Maselheim und Heggbach innerhalb des Oberamtsbezirkes 4 Mahlmühlen und 2 andere Mühlen.

4) Die Rottum; sie beginnt in dem Weiher und Ried zu Füramoos, ihre eigentliche und Haupt-Quelle aber hat sie im Dorfe Rottum, wo sie mit solcher Stärke in zwei Armen hervordringt, daß sie sogleich eine Mahlmühle treibt. Von Rottum läuft sie an Goppertshofen vorbei in nördlicher, etwas gegen Westen sich neigender Richtung, durch Ochsenhausen, Reinstetten, sodann im Oberamte Wiblingen an Schönebürg vorbei durch Mietingen und Laupheim, bis sie sich unterhalb Laupheim mit der Dürna vereinigt.

Ihr Lauf durch das O.A. Biberach beträgt 5 Stunden. In die Rottum fließen:

die alte Rottum, auch untere Rottum und Sägebach genannt; sie entspringt bei Englisweiler an der Grenze des Oberamts Leutkirch, läuft über Oberstetten nach Ochsenhausen,| nimmt bei der äußeren Mühle den Krummbach auf, und vereinigt sich in Ochsenhausen mit der eigentlichen Rottum.

Der Krummbach entspringt eine halbe Stunde von Ochsenhausen im sogen. Fürstenwalde, und bildet in seinem Laufe bis Ochsenhausen ein liebliches Thälchen. Die Rottum, mit der alten und dem Krummbach, treibt zu Rottum, Ochsenhausen, Reinstetten und Hürbel 7 Mahlmühlen, 1 Hammerschmiede und 7 andere Werke.

5) Die Roth. Sie tritt bei Bechtenroth aus dem O.A. Leutkirch ein, treibt dort 1 Mahl- und 1 Öhlmühle, und etwas weiter unten die Herrenmühle, schlängelt sich mit zahlreichen Krümmungen an Edelbeuren vorbei durch Gutenzell, wo sie wieder 1 Mahlmühle und durch andere Äste 2 andere Mühlen und eine Hammerschmiede treibt und verläßt nach 23/4stündigem Laufe bei Weidenbühl das Oberamt wieder. Sie ist nach der Iller und Riß das stärkste Flüßchen im Oberamte.

Einflüsse der Roth auf der linken Seite sind:

das Ursprungbächlein, das oberhalb Edenbachen entspringt und sich unterhalb des Orts mit der Roth vereinigt;

der Laubach, auch Laubenbach genannt, der bei Hirschbronn entspringt, durch Laubach und Dissenhausen fließt, und unweit der Oberamtsgrenze unterhalb Hugenlaubach sich mit der Roth vereinigt.

Von der rechten Seite fließen der Roth in dem dießseitigen Oberamte nur unbedeutende Bächlein zu. Dagegen berühren die Gewässer der Roth noch weiter oben bei Emishalden das Oberamt Biberach mit der von Ellwangen unter dem Namen Ölbach herkommenden Quelle.


C. Seen und Weiher.

Der Oberamtsbezirk hatte in früheren Zeiten, wie überhaupt ganz Oberschwaben, eine sehr große Anzahl Weiher, d. h. solcher stehender Wasser, die abgelassen werden können; die meisten wurden im Laufe der letzten Jahrzehente trocken gelegt. Wir bemerken folgende noch bestehende:

1) der Holzweiher bei Füramoos; er ist 31 Morgen groß, seine Ufer sind ziemlich flach. Der Grund wie gewöhnlich schlammig.

| 2) Der Mittelbucher Moosweiher, 165/8 Morg. groß. Er wird abwechselnd abgelassen, einige Jahre angepflanzt und dann wieder als Weiher benützt.

3) Der Eyrisweiher bei Mittelbuch, 651/8 Morg. groß, ziemlich fischreich.

4) Der Mittelbiberacher Moosweiher, zwischen Mittel-Biberach und Stafflangen, 1842/8 Morg. groß; er ist sehr fischreich, besonders an vorzüglichen Karpfen, und wird alle 3 Jahre gefischt, wo er dann einen Ertrag von 100 bis 130 Centnern gewährt. Auch viele wilde Enten finden sich auf ihm.

Von geringerer Bedeutung sind:

der Greutweiher und der Ziegelstadelweiher bei Hattenburg, der Möhrenweiher und der Spitzweiher bei Ringschnait, der Ziegelweiher bei Ochsenhausen. Der Flächenraum sämmtlicher Gewässer beträgt 984 Morgen.


5. Abdachung und Höhe.

Der ganze Oberamtsbezirk hat seine Ansteigung gegen Süden und dacht mit seinen Thälern und Höhenzügen gegen Norden ab. Übrigens ist die Abdachung wie in ganz Oberschwaben, sanft und verloren. Der höchste Punkt im Oberamtsbezirk ist eine Bergspitze, 1/4 St. südlich vom Schlosse Horn; fast in gleicher Höhe liegt Bellamont. Der tiefgelegenste Ort ist Niederkirch. Das nachfolgende Verzeichniß gibt noch einige besondere von Herrn Professor Proß gemachte barometrische Höhenbestimmungen.

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  Par. Fuß Würt. Fuß
Höchster Punkt im Oberamtsbezirk, 1/4 St. von Horn 2086  2365
Bellamont, Kirche, Erdfläche 2074  2352
Höchster Punkt der Straße von Biberach nach Ochsenhausen,
    zwischen Winterreute und Ringschnait
2027  2298
Schloß Horn, Erdfläche des Schlosses 2005  2273
Hochhaus, zwischen Bergerhausen und Winterreute 1996  2263
Linde, bei Biberach 1892  2145
Bergerhausen, höchster Punkt des Orts 1879  2130
Mettenberg 1862  2111
Ochsenhausen, Niveau an der Post-S. 1791  2031
Gigelberg 1753  1987
Niveau der Umlach hinter der Mühle bei Fischbach 1697  1924
Niveau der Quelle im Wolfenthale 1677  1901
Jordan, Niveau der Quelle 1665[1] 1888
Marktplatz in Biberach 1640  1859
Riß bei der Hospitalkirche in Biberach 1635  1853

Die bewohnten höhern Gegenden sind also so ziemlich der mittlern Höhe der Alp gleich.


6. Naturschönheiten und Merkwürdigkeiten.

Besondere Naturschönheiten oder malerische Landschaften bietet der Oberamtsbezirk nicht dar. Das Rißthal, namentlich in der Nähe von Biberach, ist ein liebliches, aber doch ziemlich einförmiges Thal. Einen eigenthümlichen Reiz gewinnt jedoch auch diese Gegend Oberschwabens durch die herrliche Fernsicht, die sich von jeder beträchtlichen Anhöhe auf die Hochgebirge Tyrols und der Schweiz eröffnet. Unter den Punkten, welche sich vorzüglich durch Aussicht auszeichnen, bemerken wir: die Höhe von Mettenberg, welche eine schöne Aussicht gegen das Donauthal und das Hochgesträß bei Pappelau darbietet, der Lindenberg bei Biberach, das Schloß Warthausen und das Schloß Ober-Sulmetingen. Vorzugsweise anziehend ist die Aussicht von dem Kapellenberg bei Erolzheim sowohl auf einen großen Theil des Illerthales, als auch auf die Hochgebirge Tyrols. Besondere Natur-Merkwürdigkeiten enthält der Oberamtsbezirk nicht.


7. Boden und Klima.
Die eigenthümliche Beschaffenheit des Bodens in ganz Oberschwaben findet sich auch in unserem Oberamtsbezirk. Der baubare Boden hat selten über 11/2 Fuß Tiefe, wo sodann Gerölle, oder auch starke Lettenlager und nasser Lehmgrund| folgen. Besser ist der Boden in den Abdachungen gegen das Rißthal, und überhaupt in den der ehemaligen Herrschaft Warthausen angehörigen Orten, rauher und unergiebiger in den Orten der ehemaligen Herrschaft Ochsenhausen. Die Orte des Illerthales haben einen leichten Sandboden. Die übrigen Thäler und Niederungen haben meist einen sumpfigen und moorigen Grund.

Die Riede kommen auch in unserm Oberamtsbezirke vor: doch minder häufig, als in den Oberamtsbezirken Saulgau und Waldsee. Durch Reichhaltigkeit der Torflager zeichnen sich das Ried bei Füramoos, und die Riede des Rißthales bei Ummendorf und bei Schemmerberg aus.

Das Klima ist in den verschiedenen Theilen des Oberamtsbezirks ziemlich verschieden: übrigens im allgemeinen wie in den Bezirken Waldsee und Saulgau, auf den Höhen rauh, in den Thälern feucht und nebelig. Der allgemeine Charakter ist: scharfe Winde, schneller Wechsel der Temperatur und viele kalte, der Pflanzenwelt schädliche Nebel. In dem Illerthale leiden daneben noch die Früchte durch einen fast alle Jahre vorkommenden sogenannten Mehl- oder Honig-Thau. Am mildesten ist das Klima in den Abdachungen gegen das Rißthal, und in dem Illerthale. Nach mehrjährigen Beobachtungen ist in Biberach der mittlere Stand des Barometers: 26’’5,615’’’, der mittlere Stand des Thermometers +7,37 Reaum., Anfang der Heuernte den 18. Juni, Anfang der Ernte der Winterfrüchte den 25. Juli. Gewitter-Schaden sind im Oberamtsbezirke nicht häufig; die Gewitter haben meistens einen sehr schnellen Verlauf und ziehen dem Iller- oder Donau-Thale zu, im Illerthal kommt häufig Wetterschlag vor. In Beziehung auf Fruchtbarkeit findet sich, bedingt durch die oben angegebene Beschaffenheit des Bodens und Klima’s, eine ziemliche Verschiedenheit. Im Allgemeinen kann die Fruchtbarkeit, im Verhältniß zu der der übrigen Oberamtsbezirke des Landes, eine mittlere genannt werden.

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8. Gebirgsarten, Versteinerungen und Mineralien.

Die geognostischen Verhältnisse sind im Ganzen dieselben, wie in ganz Oberschwaben. Das Ganze ist aufgeschwemmtes Land, das zu oberst aus Gerölle besteht, in welchem an einigen Orten, wie auf der Grenze zwischen den Oberamtsbezirken Biberach und Wiblingen, bei Baltringen die Molasse (tertiäre Sandstein) zu Tag ausgeht, welche interessante Petrefacten von Fischen, namentlich Zähne und Rückenwirbel von Haifischen, Wallroß-Zähne, Reste von Delphinen und eine große Menge petreficirter Muscheln enthält. Unter dem den Obergrund ausmachenden Gerölle bilden in der Regel Letten- oder Mergel-Lager eine für das Wasser undurchdringliche Masse. Auch finden sich an verschiedenen Stellen bedeutende Massen von verbundenem Gerölle – Nagelfluhe, namentlich an den Bergabhängen des Rißthals und Illerthals. Die Gegend von Biberach zeichnet sich insbesondere durch mächtige Diluvial-Lehm-Ablagerungen aus. Besondere Erwähnung verdienen die großen Torflager des Oberamts; mit Ausnahme des Illerthals, welches auf württembergischem Gebiete kein Torflager hat, haben alle übrigen Haupt- und Seiten-Thäler Moor- und Torf-Boden; er geht jedoch häufig nicht über eine Tiefe von 2 Fuß. Erze findet man keine. Ebenso ist an Bausteinen Mangel: die oben erwähnten, welche bei Baltringen gebrochen werden, sind die einzigen.


9. Pflanzen- und Thier-Reich.
A. Pflanzen (wilde).
a. Bäume. Mit wenigen Ausnahmen kommen fast sämmtliche deutsche Holzarten vor; die vorherrschende ist jedoch die Fichte, Pinus picea, wogegen die Weißtanne, Pin. Abies, nur einzeln unter den Fichten vorkommt. Die Forche[ws 3], Pin. silvestris, kommt zwar häufiger vor, allein der Boden ist für sie zu naß. Die Legforche[ws 4], Pin. montana, ist auf Riedböden häufig zu finden (wahrscheinlich nur eine verkrüppelte Forche). Die Weihmuthskiefer, sowie die weiße Fichte kommt blos in einzelnen Exemplaren im Fürstenwalde vor. Der Lerchenbaum[ws 5], Pin. larix,| wurde im Jahr 1790 vom Klosterforstmeister Rauter an mehreren Stellen ausgesät; sein Wuchs gehört übrigens nicht zu den schönsten. Seit dem Jahr 1819 wurden Versuche mit der Aussaat der in Östreich einheimischen Schwarzforche[ws 6], Pin. nigra, gemacht, welche im Fürstenwalde bei Ochsenhausen ein vorzügliches Gedeihen zeigt.

Laubhölzer finden sich folgende:

Die Ulme, ulmus campestris, findet sich selten. Die Linde, tilia grandifol.und parfifol. findet sich in Waldungen nicht häufig, dagegen als Alleenbaum an Kapellen und Heiligenbildern. Die Eiche, Q. robur und pedunculata, findet sich häufig, aber nur einzeln vertheilt in ältern Stämmen; jüngere wurden während der letzten Jahre viele nachgepflanzt in der Nähe von Ochsenhausen, und in den Waldungen der Stadt und des Spitals Biberach. Die Buche, fagus silvatica, war früher mehr verbreitet, und kommt nun nicht mehr sehr häufig rein, dagegen öfters mit der Fichte gemischt vor. Die Hainbuche, carpinus betulus, selten. Die Birke, betula alba, ist nach der Fichte die verbreitetste Holzart, kommt aber nie in reinen Beständen vor. Die Erle, alnus glutinosus und incana, ist sehr verbreitet und nimmt die nassen Waldböden mit der Fichte gemischt ein; alnus alpina (unter dem Namen Hundserle der Gegend bekannt) kommt blos als Strauch vor. Die Pappel, populus tremula und nigra[ws 7], erstere hauptsächlich in Niederwaldbeständen und letztere als Alleenbaum. Die Weiden sind in verschiedenen Arten sehr häufig; die salix rosmarinifolia[ws 8] findet man im Illerthal, die Esche ist seltener, am Krummbach bei Ochsenhausen ist ein kleiner Fleck mit dieser Holzart bestockt. Ahorn, acer pseudo-platanus, acer platanoides und acer campestris, hier und da. Der Kirschbaum, prunus avium, ist in Waldungen öfters anzutreffen, häufig wird er als Chausseebaum benützt; Traubenkirsche, prunus padus; der Vogelbeerbaum (Eberesche, sorbus aucuparia) ziemlich häufig. Die Pirus-Arten[ws 9] sind in den Waldungen nur selten zu treffen.

b. Sträucher. Der Wachholder, juniperus comm., ist häufig, besonders auf den zahlreichen trockenen Ödungen. Ebenso die Haselstaude, meist in Niederwaldungen; Sanddorn, hippophaë rhamnoides, hauptsächlich in den Hölzern an der Iller, dort auch die Tamarisken-Weide, tamarix germanica. Schwarzdorn, prunus spinosa. Hirschholder, sambuccus racemosa; die Heide-Moosbeere, Preiselbeere, Heidelbeere von verschiedenen Arten fehlen ebenfalls nicht, ebenso die Ginster-Arten. Zu den selteneren Sträuchern gehört die Pimpernuß, staphylaea pinnata.

| Von selteneren krautartigen Pflanzen führen wir aus der Gegend von Biberach an: Fettkraut, Pinguicula vulgaris; Kugelblume, Globularia vulgaris; Lungenkraut, Pulmonaria angustifolia et mollis; Mehlprimel, Primula farinosa; Sperrkraut, Polemonium coeruleum (sehr selten); Fieberklee, Menyanthes trifol.; Stechapfel, Datura Stramonium; Tollkraut, Atropa belladonna; Nachtschatten, Solanum nigrum; Bittersüß, Sol. dulcamara; Balsamine, Impatiens noli me tangere; Enzian, Gentiana verna, ciliata, cruciata und asclepiadea, letztere Species 5–6 Fuß hoch; Einblatt, Parnassia palustris; Schneetröpfchen, Galanthus nivalis; Dreizack, Triglochin palustre; Maiblume, Convallaria multiflora; Blumenbinse, Butomus umbellatus; Wintergrün, Pyrola minor; Schwarzkraut, Actaea spicata; Steinbeere, Rubus saxat.; Seerose, Nymphaea alba et lutea; Windblume, Anemone Pulsatilla; Hahnenfuß, Ranunculus platanifolius; Trollblume, Trollius europaeus; Wiesenraute, Thalictrum aquilegifolium, Schuppenwurz, Lathraea squamaria; Fingerhut, Digitalis lutea et ambigua; Löffelkraut, Cochlearia officinalis; Thurmkraut, Turritis glabra; Wollgras, Eriophorum angustifolium.
B. Thiere (wilde).

a. Vierfüßiges Wild. Der Wildstand ist durchaus gering; selbst die gutsherrlichen Jagdbezirke machen hievon keine Ausnahme. Hirsche kommen nur noch in dem Gutenzeller Jagdbezirk als Standwild vor, vermindern sich aber alljährlich. Allgemein verbreitet sind das Reh und der Hase: häufig sind Füchse und Hausmarder; selten die wilde Katze, der Edelmarder und der Dachs. Zuweilen kommt auch die Fischotter vor. Wilde Schweine gibt es gar nicht.

b. Federwild. Feldhühner sind häufig; Wachteln und Lerchen nicht sehr zahlreich, ebenso die Schnepfen; häufig finden sich wilde Enten, wilde Gänse, Wasserhühner, Ringel- und Hohl-Tauben, Moorschnepfen, Möven und Kibitze.

c. Fische. Die vorzüglichsten Fische sind: der Karpfen, der im Moosweiher bei Mittelbiberach und in der Riß vorkommt; ferner Hechte, Forellen, Schleien und die gewöhnlichen Weißfische. Forellen finden sich im Krummbach bei Ochsenhausen, Schleien in der Riß.

Edelkrebse gibt es keine im Oberamt.


  1. Durch eine fehlerhafte Berechnung in den Würtemb. Jahrbüchern 1834 zu 1702′ angegeben.
Anmerkungen (Wikisource)
  1. Wollgras
  2. Sumpf-Herzblatt
  3. Kiefer
  4. Bergkiefer
  5. Lärche
  6. Schwarzkiefer
  7. Schwarzpappel
  8. Kriechweide
  9. Birnen