Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 23

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Ochsenberg,
mit Riesenhof,
Gemeinde III. Kl. mit 585 Einw., wor. 2 Kath. a. Ochsenberg, Pfarrdorf, 564 Einw., b. Riesenhof, Weiler, 21 Einw. – Ev. Pfarrei, die Kath. sind nach Stockheim eingepfarrt. 31/4 Stunden westlich von der Oberamtsstadt gelegen.
Da wo im weitesten Sinne das Zaberthal seinen Anfang nimmt, liegt im westlichen Theil des Heuchelbergs frei und angenehm der freundliche ansprechende Ort, der theils auf die Hochebene, theils an den Abhängen gegen das Riesenbachthal und eines kurzen Seitenthälchens desselben halbmondförmig hingebaut ist. Ochsenberg war früher ein Städtchen und rings von einer Mauer umgeben, die theilweise, namentlich an der Ostseite, auf große Strecken noch erhalten ist, während an den übrigen Seiten nur noch Bruchstücke sichtbar sind; z. B. an der Nordwestecke hat sich noch ein Thürmchen (Halbrondel) und ein kleiner Theil der anstoßenden Stadtmauer erhalten. Der Ort hatte zwei Thore, das hintere und das vordere Thor, ersteres stand an der Nordseite des ummauerten Städtchens, südlich vom| ehemaligen Schlosse, das letztere an der Südseite beim jetzigen Rathhaus; beide Thore wurden vor etwa 60 Jahren abgebrochen. Vor dem ehem. hinteren Thor steht eine wohl tausend Jahre alte ganz hohle, aber immer noch frisch grünende Sommerlinde. Die Gebäude liegen innerhalb der ehemaligen Stadtmauer sehr gedrängt, außerhalb derselben etwas weitläufiger, sind meist aus Keuperwerkstein erbaut, auf dem der größere Theil des Ortes selbst liegt, und haben größtentheils ein freundliches Aussehen. Der Ort hat noch immer etwas Städtisches und stellt sich, namentlich vom Thal aus gesehen, ganz einem Städtchen ähnlich dar.

In der Mitte des Dorfes steht die sehr einfach gehaltene Pfarrkirche, sie wurde im Jahre 1728 zum größten Theile neu erbaut, wozu Ludwig von Sternenfels Vieles beisteuerte, 1822 auf Kosten des Staats erweitert, und zeichnet sich durch die Menge ihrer mitunter vortrefflichen Grabdenkmäler aus; doch leider sind viele davon so stark mit weißer Tünche bedeckt, daß sie unleserlich wurden. Über dem Westportal sieht man das Sternenfels’sche Wappen; die Kirche besitzt eine gothische Kanzel, die von eigenthümlich geformter Renaissancesäule gestützt wird, und einen sehr schön gearbeiteten hohlen gothischen Taufstein, worauf die Wappen von Württemberg, Sternenfels, u. s. w. und die Inschrift: Anno domini 1478. – Von den Grabmälern sind noch zu enträthseln das des Bernhart von Sternenfels, † 1519, mit sehr schönem Wappen und herrlich reichem Laubwerk; eine schöne Sternenfelsische Grabplatte vom Jahr 1550, dann vier von Frauen aus der Familie St. (1553–58); ein Grabstein des Heinrich Schultheiß zu Helmstatt † 1586; die Grabplatte einer Frau (mit einem Wappen, drei Adler und ein Steinbock) vom Jahre 1494. Das Grabmal des Hans Jerg von St. † 1559, er kniet in Lebensgröße in voller Rüstung und entblößten Hauptes vor einem Krucifixus. Dann sieht man noch verschiedene Grabsteine Sternenfelsischer Kinder und bei der Kanzel das in Öl gemalte mit den Bildnissen der Verstorbenen und ihrer Kinder geschmückte Epitaphium des Ludwig Bernhard von St., † 1742 (des Wiederherstellers des Schlosses und der Kirche), und seiner Frau Regina Juliana Friedricke, geb. v. Göler. Im Jahre 1839 stiftete Schultheiß Vöth ein Krucifix in die Kirche.

Die beiden Glocken auf dem östlich stehenden Thurm sind von Heinrich Kurtz in Stuttgart 1842 umgegossen. Auf der kleineren früheren Glocke stand: Hans Neiffer. verbum domini manet in eternum. 1558. In der Sakristei befinden sich hübsche von der Familie von St. gestiftete Altargefäße aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde. Der Begräbnißplatz, zu Sct. Anna genannt, der laut Inschriftstein auf Kosten des| Georg von Sternenfels und seiner Gemahlin Ursula Margaretha geb. von Helmstatt i. J. 1564 angelegt wurde, liegt außerhalb östlich des Orts, auf ihm erhebt sich ein großes steinernes Krucifix.

Das schöne freundliche Pfarrhaus, dessen Unterhaltung dem Staat obliegt, steht östlich in der Nähe der Kirche. Das Schul- und Rathhaus, ein sehr ansehnliches, massives, 1836 auf Kosten der Gemeinde um 6650 fl. erbautes Gebäude enthält ein Lehrzimmer, die Wohnung des gegenwärtig allein an der Schule stehenden Lehrers und die Gelasse für den Gemeinderath; überdieß ist noch ein Backhaus und ein Schafhaus vorhanden.

Von dem im Jahre 1839 leider abgerissenen Schlosse, das in reichem Renaissancestil 1588 erbaut wurde, sieht man nur noch einige skulpirte Steine, die den schönen reichen Stil desselben bekunden, eingemauert in dem jetzt an seiner Stelle und von seinen Steinen erbauten Bauernhause; ferner finden sich einige hübsche Renaissancetafeln, die einst das Schloß zierten, jetzt angebracht an dem auf dem Schloßberg von Sternenfels 1866 erbauten Aussichtsthurme (s. Beschreibung des Oberamts Maulbronn S. 290 u. 91). Dagegen sind noch die sehr stattlichen Nebengebäude des Schlosses erhalten: wie man vor das Dorf hinaustritt, trifft man zuerst rechts an der Straße ein steinernes Gebäude mit dem Sternenfelsischen Wappen, der Jahreszahl 1563, und mit schönen gothischen Stabwerks-Thüren und Fenstern, die sich, denen am Tübinger Schloß ähnlich, mit drei herab geschwungenen, sich durchschneidenden Flachbögen abschließen. Weiterhin dehnt sich ein Hofraum aus, in dessen Tiefe zwei höchst malerische mit kecken Zinnengiebeln besetzte Steinbauten ganz schwarzgrau neben einander emporsteigen. Über dem weiten Rundbogenportal des nördlicher gelegenen sitzt eine Inschrifttafel: „Als man zalt 1569“ u. s. w., dabei die Wappen des Erbauers Georg von Sternenfels und seiner Gemahlin Ursula Margaretha von Helmstatt. Unten befindet sich ein großer Keller. Beim Schlosse stand bis zum Jahre 1817, auf den 20′ hohen Burgfelsen gegründet, ein 80′ hoher aus großen Buckelsteinen aufgeführter viereckiger Thurm mit mächtigen, 9–11′ dicken Mauern, einer jener fast unverwüstlichen Bergfriede, wie die in Neipperg, Stocksberg u. s. w. Man genoß von ihm aus eine herrliche Fernsicht in den Kraich-, Gartach-, Zaber- und Neckargau. Das Burgverließ befand sich nicht im Thurm, sondern unter dem Schlosse. Im Jahre 1814 wurde das Schloß um 2400 fl. vom Kameralamt Güglingen verkauft (s. a. u. S. 387).

Die Ortsstraßen sind macadamisirt und befinden sich in gutem Zustande. Eine Vicinalstraße ist vom Ort nach Leonbronn angelegt und schließt sich dort an die durch das Zaberthal führende Landstraße an.

| Zwei laufende Brunnen versehen den Ort hinreichend mit Trinkwasser, das jedoch nicht besonders gut ist, gerne trüb wird und überdieß ziemlich weit unten im Ort am Bergabhang geholt werden muß. Eine kleine Wette, die zur Schafwasche benützt wird, befindet sich am Schafhaus. Im Thale westlich am Ort entspringt der Riesenbach, der einzige Bach auf der Markung, die überhaupt arm an Quellen ist. Eine steinerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücke führt auf dem Weg nach dem Riesenhof über den Riesenbach.

Die fleißigen Einwohner nähren sich hauptsächlich von Feldbau, Viehzucht, etwas Weinbau und Arbeiten in den zwei vorhandenen, sehr beträchtlichen Werksteinbrüchen, aus denen auch die Steine nach außen abgesetzt werden. Die Gewerbe dienen nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen; 7 Schildwirthschaften und 2 Kramläden sind vorhanden. Die Vermögensumstände gehören zu den mittelguten und der vermöglichste Bürger besitzt 60 Morgen, der sog. Mittelmann 10 und die ärmere Klasse 1 Morgen Grundeigenthum. Gemeindeunterstützung erhalten gegenwärtig nur 2 Personen.

Die mittelgroße Markung hat mit Ausnahme des ziemlich kräftig eingefurchten Riesenbachthälchens eine flache Lage auf der Hochebene des Heuchelbergs und einen mittelfruchtbaren, leichtsandigen, nicht tiefgründigen Boden, (sog. Schlaisboden), der auf dem Heuchelberg aus den Zersetzungen des Keuperwerksteins und etwas Lehm besteht und in nassen Jahrgängen ergiebiger ist als in trockenen.

An vielen Stellen der Markung genießt man schöne Aussichten, namentlich an den Stromberg von Sternenfels bis zum Michaelsberg und an die Löwensteiner Berge. Das Klima ist ziemlich mild und erlaubt noch den Anbau der Rebe; Frühlingsfröste und kalte Nebel kommen zuweilen vor, dagegen ist Hagelschlag selten.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung verbesserter Ackergeräthe (Brabanterpflug, eiserne Egge, Walze, Repssämaschine) gut und umsichtig betrieben, und zur Besserung des Bodens gebraucht man nur den gewöhnlichen Stalldünger, die sorgfältig gesammelte Jauche und den Pferch. Man baut die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorherrschend Dinkel, ferner Kartoffeln, viel Futterkräuter, sehr viel Reps, Hanf und etwas Mohn; außer den Handelsgewächsen, namentlich dem Repse, können noch über den eigenen Bedarf 200 Scheffel Dinkel, 30 Scheffel Gerste, 50 Scheffel Haber und 20 Scheffel Weizen nach außen verkauft werden.

Der Wiesenbau ist unbedeutend und liefert überdieß nur mittelgutes, theilweise saures Futter, das im Ort verbraucht wird. Noch geringfügiger ist der vorherrschend mit Rißlingen sich beschäftigende Weinbau, dessen mittelgutes Erzeugniß, etwa 4 Eimer vom Morgen, meist im Ort selbst verbraucht wird. Der Weinbau wird erst seit 10 Jahren hier getrieben. Die Preise eines Eimers bewegten| sich seither von 20–60 fl. Ausgedehnter und noch im Zunehmen begriffen ist die Obstzucht, die jedoch nur in günstigen Jahrgängen einen unbedeutenden Verkauf nach außen gestattet. Man pflanzt vorzugsweise Birnen (Palmisch-, Wöhrles und Bratbirnen), von Äpfeln hauptsächlich Luiken. Die Jungstämme werden selbst nachgezogen und ein Baumwart ist aufgestellt.

Von dem jährlichen Ertrag aus den vorhandenen 70 Morgen Gemeindewaldungen erhält jeder Ortsbürger 10 St. Wellen; das übrige Holz wird verkauft und der Erlös mit etwa 100 fl. fließt in die Gemeindekasse. Außerdem hat die Gemeinde noch folgende Einnahmen: aus 10 Morgen eigentlicher Weide nebst der Brach- und Stoppelweide 500 fl., aus der Pferchnutzung 100 fl. und aus verpachteten Gemeindegütern 15 fl.

Neben ganz unbedeutender Pferdezucht wird die Rindviehzucht gut getrieben; man hält vorzugsweise einen tüchtigen Neckarschlag und sucht diesen durch 2 aufgestellte Simmenthaler Farren zu verbessern. Der Handel mit Vieh ist nicht von Belang, dagegen findet einiger Milchverkauf statt. Ein fremder Schäfer läßt den Sommer über 250, den Winter über 200 St. Landschafe auf der Markung laufen, die auch im Ort überwintert werden. Die Wolle wird in Heilbronn abgesetzt. Die Schweinezucht (halbenglische Race und Landschlag) ist seit einigen Jahren im Zunehmen und erlaubt nicht allein einen Verkauf an gemästeten Schweinen, sondern auch an Ferkeln.

Außer dem Gemeinde- und Stiftungsvermögen sind noch als besondere Stiftungen zu nennen: zur Unterhaltung der Orgel 17 fl. 53 kr. und zur Anschaffung von Brot und Wecken für Kinder 51 fl.

Die den Rücken des Heuchelbergs entlang ziehende römische Heerstraße berührt den nördlichen Theil der Markung; von ihr ging eine weitere römische Straße unter dem Namen „Pfaffenweg“ beim Lerchenbühl ab und führte nach Sternenfels (s. auch die Oberamtsbeschreibung von Maulbronn). An der nördlichen und westlichen Markungsgrenze, welche zugleich die Landesgrenze gegen das Großherzogthum Baden bildet, lief der sog. Landgraben hin, der sich theilweise, namentlich an der Sommerhalde, noch erhalten hat. Auf der Markung kommen die Flurnamen Judenkirchhof und Schelmenäcker vor, ferner Todtenweg und Unholdenweg.

Ochsenberg wird im Verlaufe der Zeit verschieden geschrieben: Ossenberg (1231, 1247, 1258), Ohsenberc (1245), Ossenberc, Oshsinperg (1247), Hossenberg (1253), Ohsenberch (1285), Ohsenberg (1285), Ohzsenberg (1321), Ochsenburg (1593, 1799) u. s. w. Hinsichtlich der Ableitung des Namens gilt dasselbe was von Ochsenbach.

Nach der Burg hieß sich eine adelige Familie, welche im 13. Jahrhundert blühte. Ihr gehören an: Wolfram (Wolf), der ältere und der jüngere, Zeugen bez. Siegler in den Urkunden folgender| Personen: den 18. Jan. 1231 K. Heinrichs (VII.) für Kl. Maulbronn (W. Urkb. 3, 280), im J. 1245 des Klosters Adelberg für Kl. Frauenzimmern, im J. 1247 Berthold Gölers von Ravensburg für das Kl. Herrenalb und der Mechthild von Germersheim für diesen Berthold, den 5. Jan. 1250 Marquards von Bretten für Kl. Maulbronn, im J. 1251 obigen Bertholds und Alberts von Rastetten für das Kl. Herrenalb, im J. 1252 Bertholds und der Herren von Wiesloch für dieses Kloster, den 23. Apr. 1257 Konrads von Wiesloch für dasselbe Kloster; den 21. Jan. 1258 Wolfram d. ä. und seine vier Söhne Wolfram, Rapheno, Heinrich und Albert Zeugen in einer Urkunde des Bischofs Heinrich von Speier für das Kl. Rechentshofen (S. hiezu besonders Mone 1, 123. 128. 226. 228. 230. 239. – 4, 182. 439. – 6, 448). Ferner: Beringer den 6. Febr. 1253 Zeuge Gottfrieds von Neuffen (St.-A.), Heinrich den 14. Okt. 1285 Erkingers von Magenheim (Mone 2, 232). Dagegen gehört nicht dieser Familie, sondern der Familie von Höfingen an ein Reinhard von Ochsenberg, welcher in den J. 1315–1324 öfters vorkommt und Antheil an der Burg Höfingen hatte, zumal er auch unter dem Namen: Heinrich von Höfingen, den man spricht von Ochsenberg, erscheint; er führte diesen Beinamen nach einem nicht mehr bekannten Besitz am hiesigen oder einem gleichnamigen Orte (s. z. B. Sattler Gr. 1. Forts. Beil. 54, 56. Senkenberg Sel. Jur. 2, 224). Auch ist sehr zweifelhaft, ob Konrad von O., Richter zu Weinsberg im J. 1384 (Mone 11, 351), hierher zu rechnen sei. – Im Wappen führte die Familie einen auf 4 Bergspitzen stehenden Ochsen (Mone 1, 123).

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Was die Schicksale der Burg und des Dorfes, welch letzteres übrigens mehrere Jahrhunderte lang (z. B. 1357, 1481, 1593, 1736) auch als Stadt, Städtlein, bezeichnet wird, betrifft, so erscheinen dieselben bei dem frühen Erlöschen obiger Familie bereits im Beginn des 14. Jahrhunderts in magenheimischem Besitze. Allein den 19. Okt. 1321 verkaufte Zeisolf von Magenheim, welcher schon im J. 1310 hier saß (Mone 5, 442), an den Markgrafen Friedrich II. von Baden Ochsenberg seine Burg und alle Zugehörden, Kirchensatz, Leute, Güter, Felder, Wälder, Wasser, ferner die Dörfer Leonbronn, Michelbach, Zaberfeld, Ober-Ramsbach und Damp (diese beide letzteren jetzt abgegangen: Ober-Ramsbach auf der Markung von Zaberfeld, Damp nicht mehr zu ergründen), sowie den Hof Flehingen (bad. B.-Amt Bretten) um 2200 Pfd. Heller. Nach Urkunden vom 2. Juli 1326 und 14. Mai 1328 räumten darauf Markgraf Friedrich II. und sein Sohn Hermann IX. aus Erkenntlichkeit für die nachbarliche Freundschaft, die der Rath und Bürgerschaft zu Speier ihnen und ihren Vorfahren erwiesen, diese Burg denselben zu einem offenen Haus ein. Sie hatten sie übrigens damals bereits an Albrecht von| Gemmingen genannt von Enzberg verpfändet und versprachen daher weiter, sobald sie dieselbe wieder eingelöst haben würden, sie ohne speirische Einwilligung nicht zu verkaufen, zu versetzen, oder sonst zu verändern (Schöpflin Hist. Zaringo-Bad. 5, 394. 389. Sachs 2, 98). Allein die Enzberg erscheinen noch späterhin im Pfandlehensbesitz, während die Markgrafen von Baden zu ihren Nachfolgern als Lehensherrn bald die Grafen von Vaihingen hatten (vrgl. R.-Arch. Urk. 1, 12). Unter den nicht namentlich aufgeführten Besitzungen, welche der letzte Graf von Vaihingen, Heinrich, den 26. Sept. 1356 dem Grafen Eberhard dem Greiner von Württemberg vermachte, und deren Besitz Heinrichs Schwester Mechthilde, Gemahlin Graf Friedrichs von Hohenzollern, Eberharden den 27. März 1364 bestätigte, war wohl auch die Lehensherrlichkeit über Ochsenberg. Am 26. März 1357 verschrieb Albrecht von Enzberg der alte, genannt von Streichenberg, welcher die Hälfte von Burg und Stadt Ochsenberg und von Michelbach und Ober-Ramsbach, desgleichen all sein Gut zu Leonbronn und Zaberfeld als Lehen von Württemberg hatte, diese Lehen aber zur Übertragung auf seinen Tochtermann Wolf von Urbach und seine Tochter Adelhaid von Enzberg aufgab, die Burg Ochsenberg den Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg zu einem offenen Haus für seine Lebenszeit und stellten Wolf und Adelhaid eine gleiche Verschreibung aus, welche sie den 13. Dec. 1359, und zwar auch für ihre Erben, wiederholten. Um dieselbe Zeit empfing Ritter Hofwart die andere Hälfte von Ochsenberg und das halbe Dorf Zaberfeld als Lehen für seinen Tochtermann, einen andern Albrecht von Enzberg (St.-A.). In den Jahren 1374, 1376 und 1378 erscheinen die genannte Adelhaid und ihr Sohn Fritz von Urbach einerseits und Albrecht von Enzberg andererseits als zu Ochsenberg gesessen (Sattler Gr. 1. Forts. Beil. 149b; Mone 5, 78. 79).

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Am Ende des 14. Jahrhunderts aber wurde Ochsenberg württembergisches Lehen der Familie von Sternenfels, aus welcher Diether von St. schon den 13. Juli 1340 20 M. Ackers allhier dem Erzstift Mainz zu Lehen aufgetragen hatte (Würdtwein Nov. subs. 5, 199). Den 5. März 1385 empfing Hennel von Sternenfels, württembergischer Vogt im Zabergäu, Burg und Stadt mit Zugehörungen zu Lehen von Graf Eberhard dem Greiner von Württemberg und machte sie zu einem offenen Haus für Württemberg, und den 20. August 1399 stellten seine Söhne und Nachfolger, Eberhard, Hennel und Reinhard eine gleiche Verschreibung aus. Von nun an blieb Ochsenberg bis zum J. 1749 im Lehenbesitz der Familie, zum Theil unter verschiedene Mitglieder derselben getheilt und gehörte zum Ritterkanton Kraichgau. Die Familie Sternenfels hatte hier den Stab, alle Ober- und Herrlichkeit, Verbot, hohe und niedere| Gericht, Frevel, Strafen und Bußen; doch wurde im Urtheil vom 21. Jan. 1549 zwischen Peter und Michael von Sternenfels einerseits und der Herrschaft Württemberg andererseits der letzteren in etlichen Fällen ein Mitklagensrecht in Malefizsachen eingeräumt. Die Grundherrschaft bezog in einem besonders versteinten Bezirk vom großen Zehenten 2/3, den Rest der Deutsche Orden, in dem gleichen Bezirk vom kleinen Zehenten die Pfarrei Ochsenberg 2/3, die Pfarrei Leonbronn 1/3. Daneben hatte Sternenfels noch Lehengüter, Zinse und Gefälle der verschiedensten Art. Den 19. April 1610 wurde für Ochsenberg, Michelbach und Zaberfeld eine eigene Erbordnung zwischen Ehegatten, welche ohne letztwillige Verfügung sterben, publicirt.

Den 10. Febr. 1749 verkauften die Gebrüder Ludwig Bernhard von St., württembergischer Geheimerrath und Hofmarschall, und Karl Alexander von St., kurpfälzischer Kämmerer, die sternenfelsischen Orte Ochsenberg, Michelbach, Zaberfeld und der Familie Antheil an Leonbronn, nebst dem Pfizen- und Riesenhofe, Allod und Lehen, an den Herzog Karl Eugen von Württemberg für 300.000 und 8500 fl. Schlüsselgeld. Ochsenberg zählte damals 33 Häuser, 19 Scheuern, und das Simplum der Steuer zum Kanton Kraichgau betrug 100 fl. 39 kr. Es entstand nun aber wegen des Besteuerungsrechts in den verkauften Orten zwischen Württemberg und diesem Kanton ein Prozeß vor dem Reichshofrath, welcher nach einer Dauer von etlichen 30 Jahren den 1. Juli 1783 durch gütlichen Vergleich dahin erledigt wurde, daß die Ritterschaft sich des angesprochenen Besteuerungsrechtes, sowie der für das Verflossene gemachten Forderungen gänzlich begeben, das herzogliche Haus aber der Ritterschaft 115.000 fl. bezahlen sollte. Der kaiserliche Hof bestätigte zwar den Vergleich nicht (Reuß Staatscanzlei 2, 394. 8, 470), allein der Kanton Kraichgau erklärte den 7. Nov. 1791 sich trotz dessen für die Anerkennung desselben und des dahin enthaltenen Verzichts auf die Steuer und die damit verbundenen Rechte.

Ochsenberg bildete nunmehr samt den Amtsorten Leonbronn, Zaberfeld und Michelbach ein eigenes Kammerschreibereigut mit einem Stabsamtmann und Keller, sowie dem Rechte, einen Abgeordneten zur Landschaft zu schicken. Mit der letzteren verglich sich Herzog Karl Eugen den 21. März 1749 dahin, daß der neue Erwerb derselben für die Übernahme von 60.000 fl. am Kaufschilling inkorporirt werden, hinsichtlich der Steuern und deren Verwendung aber es hier wie bei anderen der Landschaft inkorporirten Kammerschreibereiorten gehalten werden solle. Im J. 1807 wurde der Stab aufgehoben und wurden die Orte dem Oberamt Güglingen, in der Folge dem Oberamt Brackenheim zugetheilt.

Was insbesondere das Schloß anlangt, so war dasselbe auch| Bestandtheil des Lehens, nur die Kornschütte, das Kelterhaus daneben, – sowie auch die Kelter in der Stadt – und der steinerne Stock hinter dem Schloß waren Eigenthum gewesen (Lgb. v. 1573). Im J. 1588 ließ Jakob Christoph und im J. 1725 Ludwig Bernhard von St. an demselben bedeutende Reparaturen vornehmen. Im Okt. 1621 plünderte es die mannsfeldische Armee (Episc. Spirens. Occup. Frankenthal. 1621. 4. p. 6). Nach dem Erwerb Ochsenbergs durch Württemberg wurde das Schloß Sitz des Stabsbeamten, im J. 1814 aber wurde es an hiesige Privatleute verkauft, welche 1816–1817 den Thurm und 1839 das Schloß selbst mit Ausnahme des Fruchtkastens und des Kellereigebäudes abrießen.

Das Wappen des Orts ist ein Ochsenkopf.

Was die kirchlichen Verhältnisse betrifft, so bestand hier zuerst nur eine der h. Margarethe geweihte Kapelle mit einer Frühmesserei. Sie gehörte ins Bisthum Speier und war Filial der deutschordenschen Pfarrei Kürnbach, doch waren die Ochsenberger zuletzt nur noch mit der Taufe nach Kürnbach, hinsichtlich der sonstigen Sakramente und pfarrlichen Rechte dagegen nach Leonbronn gewiesen. Allein den 18. März 1481 verwandelten die Gebrüder und Vettern Heinrich, Bernhard und Georg von Sternenfels, welche dahin die Hälfte des Zehenten zu Öschelbronn stifteten, und Schultheiß Richter und Gemeinde zu Ochsenberg mit Einwilligung des Bischofs Ludwig von Speier, des Deutschmeisters Reinhard von Neipperg und des Pfarrers zu Kürnbach diese Kapelle unter Trennung von der Mutterkirche in eine selbständige Pfarrei, zu welcher der Orden das Präsentationsrecht haben sollte. Ein eigener Altar U. L. Frauen kommt in den Jahren 1532 und 1573 vor. Herzog Christoph von Württemberg verglich sich zwar den 7. Okt. 1561 mit Georg von Sternenfels dahin, er wolle dem letzteren das Patronat und die Lehenschaft der Pfarrei Ochsenberg zustellen, sobald ihm die mit dem Deutschmeister zu führende Verhandlung dies gestatte, worauf dann Sternenfels einen Pfarrer augsburgischer Confession zu bestellen habe, der sich nach der württembergischen Kirchenordnung halte, allein erst den 5. Jan. 1583 trat der Deutschmeister dem Herzog Ludwig von Württemberg die Kollatur der Pfarrei ab. Im J. 1749 wurde Ochsenberg mit Zaberfeld und Michelbach der Diöcese Güglingen unterstellt.

Zu der Gemeinde gehört:

b. Riesenhof, liegt 1/4 Stunde südwestlich vom Mutterort auf dem Heuchelberg am Anfang eines gegen das Thal des Riesenbachs, von dem der Hof seinen Namen hat, hinziehenden Seitenthälchens. Er wird in dem Verkaufsbrief von 1749 aufgeführt und wurde in der Folge von Württemberg als Erblehengut hinausgegeben.


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