Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 24

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Pfaffenhofen,
mit Rodbachhof, Weiler, und Bogersmühle, Haus,
Gemeinde II. Kl. mit 992 Einw., wor. 1 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Stockheim eingepfarrt. 13/4 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.

An der Stelle wo von Süden her das Rodbachthälchen, von Norden das Biesbachthälchen in das Zaberthal eingehen, liegt sehr freundlich der ansehnliche, gedrängt gebaute Ort, an dessen Nordseite die Steilgehänge des Heuchelbergs ganz nahe herantreten, während auf der Südseite der Stromberg etwa 1/2 Stunde vom Ort entfernt bleibt und nur seine flachen Ausläufer gegen denselben sendet. Viele Gebäude sind noch alt und groß (mit kleinen Scheunen) und zeigen einen starken Eichenholzbau, während die neueren Häuser kleiner und aus Tannenholz aufgeführt sind. An mehreren Häusern finden sich Inschriften aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Ort war von einer Mauer und Doppelgräben umgeben; an der Mauer standen Thürme, von denen sich nur ein Halbrondel an der nordöstlichen Ecke der Ortsmauer im jetzigen Pfarrgarten noch erhalten hat. Die Ortsmauer wurde 1817 bis auf wenige Reste an der Nordseite des Orts und am Pfarrgarten abgetragen. Eine in der Mauer am Pfarrgarten angebrachte, früher an einem der Thürme befindliche Inschrift:

„1460 hat angefangen balthasar murer dise muren um das dorf und ist usgemacht in dem iar 1470“,

berichtet uns die Zeit der Ortsumfriedigung. Der Ort hatte drei Thore, das untere Thor an der Südseite, das obere Thor an der Westseite und das Zeilthor an der Nordseite. Durch den östlichen und südlichen Theil des Dorfes führt die gut unterhaltene Landstraße von Güglingen nach Sternenfels, auch die übrigen Ortsstraßen befinden sich in angemessenem Zustande.

Die Kirche erhebt sich auf dem einst festen Friedhof am Nordostende des Dorfes und stammt mit ihrem östlich stehenden Thurme noch aus frühgothischer Zeit, während ihr Schiff von dem berühmten Baumeister Heinrich Schickhardt 1611–12 in einem mit Renaissanceformen vermischten spätesten und schlaffsten gothischen Stil umgebaut wurde; dieses hat breite, einst gefüllte Spitzbogenfenster und wird von einem hölzernen Tonnengewölbe überdeckt; der Westgiebel ist mit Obelisken und einem gothischen Fischblasenmaßwerk geziert. An der Südseite sieht man an einem spitzbogigen Eingang Mayher 1453, über einem andern die Jahreszahl 1611, und eine Steintafel folgenden Inhalts:

Der Baw wie da vor augen staht
Erweittert ist mit meinem Raht
Von Lasten gut zu Gottes Ehr
Daß darinn werdt die Göttlich Lehr

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Kein unverfelscht gelehrt und ghört
Zum ewigen Heil von Christi werdt.
Den Kirchenbaw samt die gemein
Laß dir Herr Gott bevohlen sein,
Verleih daß Sie nach Deinem Wort
Dich herzlich preisen hie und dort.

Und am Rande der Tafel umher steht:

Im Dausent Sechs Hundert Zwölften Jar
Der Kirchbaw verfertiget war,
Herr Gott geb daß er langwierig sey
Vor Straal und Feyers und Wassers nöten frey.

Im Jahre 1612 nämlich, während der Bau im Gange war, schlug der Blitz in den 130 F. hohen Thurm, wie man an einem Stein der Südseite noch liest:

Am Kirchweyh-abendt 16. May 1612 umb 4 uhr hat der stral dißen eckstein oben am helm heraus geschlagen. ErbarM DICh Vnser IesV. Die römischen Zahlen geben zusammen gezählt 1612. Der trefflich aufgemauerte mit alten tiefen spitzbogigen Scharten versehene Thurm hat im unteren, den Chor vertretenden Stockwerk ein kraftvolles frühgothisches Rippenkreuzgewölbe, das auf Konsolen ruht und in eine schöne Blattrosette zusammenstrahlt, und erinnert namentlich auch durch die so zierlich behandelten natürlichen Blätter des Schlußsteines an den Stil des Maulbronner Kapitelsaals, der zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts erbaut wurde. Das weite, freundlich erneuerte Innere des Schiffes enthält eine steinerne Renaissancekanzel und auf steinernen jonischen Säulen ruhende Emporen; in den hübschen neugothischen Altartisch ist ein altes gothisches Veronikabild mit drei Engeln eingelassen, und über dem auch frühgothischen, sich eintreppenden Triumphbogen hängt ein großes sehr altes Krucifix (ohne Zweifel aus der Zeit der Erbauung ums Jahr 1299), höchst merkwürdig, mit vorne gebundenem Schamtuch, ein strenges ernstes und dabei sich eng an die Natur anschließendes Werk. Einer besonderen Beachtung werth ist auch die geräumige nördlich an den Thurm in schönem und lebhaftem spätgothischem Stil gebaute Sakristei; sie wird von drei schmalen Spitzbogenfenstern, deren Kleeblätter leider weggemeißelt wurden, erhellt und von einem Netzgewölbe überspannt, auf dessen fünf Schlußsteinen S. Veit, das Lamm Gottes, ein Bischof mit Buch und Schwert (S. Lambert) und zwei reiche Rosetten angebracht sind. Außen an der Ostseite steht in trefflicher Schrift:

Anno. domini. XVC.XV. Maister. hans. vunderer. OABrackenheim-b389.jpg

Dabei sein Meisterzeichen. Hans Wunderer muß ein sehr talentvoller| Baumeister gewesen sein, er baute auch, und zwar äußerst zierlich, in Zaberfeld (s. d.), ferner in Hemmingen, in Hegnach, O.A. Waiblingen, und an andern Orten (war er vielleicht der bekannte Bauernanführer?). Außen am Thurm findet sich der hübsche Grabstein eines Kindes, „des Vogts zu Kirbach Herrn Melchior Thilen und seiner Frau Susanna ihr libs Kind Namens Johannes, seines alters 6 monat, 4 tag“, † 29. Febr. 1632. Von den zwei Glocken auf dem Thurm, von dem aus man eine reizende Aussicht das Thal hinab auf Güglingen u. s. w. genießt, hat die größere folgende Umschrift in schönen gothischen Majuskeln:

ANNO. DOMINI. MCC. NONAGIO. IX. IN. DIE. MARGARETE FACTVM. EST. HOC. VAS.; dabei die Namen der vier Evangelisten. Die andere Glocke hat gar keine Inschrift und ist der Form nach ebenso alt. Selten reichen auf unsern Glocken die Jahreszahlen so hoch hinauf wie hier (bis 1299), auch können wir zugleich dieß als die Zeitangabe der Vollendung des Thurmes betrachten, was genau mit seinem Baustil übereinstimmt. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Der ummauerte Begräbnißplatz mit einer alten Kapelle liegt außerhalb (östlich) vom Ort. Das östlich bei der Kirche schön gelegene und gut erhaltene zweistockige Pfarrhaus bildet mit dem ummauerten Garten und Hofraum einen angenehmen, wohlgeschlossenen Pfarrhof; über seinem hübschen Eingange sind das Württemb. Wappen und die Jahreszahl 1610 und an den Ecken Masken angebracht; es verräth ganz die Bauweise des trefflichen Heinrich Schickhardt. Die Unterhaltung hat der Staat. Zunächst der Kirche steht das ansehnliche, dreistockige massiv erbaute Schulhaus, das 1621–22 mit einem Aufwand von 1686 Pfund Hellern errichtet wurde, und enthält 2 Lehrzimmer, die Wohnung des einen Schulmeisters und des Lehrgehilfen. An der Hauptstraße, beinahe in der Mitte des Orts, steht das alte, dreistockige Rathhaus mit Thürmchen und Glocke auf dem First. Überdieß besitzt die Gemeinde noch zwei Backhäuser, ein Waschhaus und eine Kelter mit 5 Bäumen.

Trinkwasser, das jedoch etwas hart ist, liefern hinreichend 3 laufende und 3 Pumpbrunnen, überhaupt ist die Markung sehr wasserreich, namentlich steht der Ort auf feuchtem Grunde, so daß beinahe alle Keller Wasser haben. Im Biesbachthal war bis vor wenigen Jahren ein Brunnen zu sehen, der sein Wasser in das früher in der Badgasse befindliche Bad lieferte. Im Ort ist eine Wette angelegt und früher bestand gegen Rodbach hin ein jetzt trocken gelegter See. Überdieß fließt die Zaber an der Südseite des Orts vorüber und in diese fließen auf der Markung der Rodbach und der Biesbach.

Über die Zaber führen 3 steinerne, über die übrigen Bäche| 2 hölzerne Brücken, überdieß sind 12 Stege vorhanden; die Unterhaltung derselben hat die Gemeinde.

Die geordneten und fleißigen Einwohner sind körperlich wohlgestaltet und erreichen nicht selten ein hohes Alter; ihre Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht, Wein- und Obstbau. Die Vermögensumstände gehören zu den mittelmäßigen, indem der vermöglichste Bürger 35 Morgen, der sog. Mittelmann 18 und die minder bemittelte Klasse 4 Morgen Grundeigenthum hat. Auf angrenzenden Markungen besitzen die Ortsbürger ziemlich viele Güterstücke. Gemeindeunterstützung erhalten gegenwärtig 16–20 Personen. Die Gewerbe beschränken sich auf die nöthigsten Handwerker, unter denen die Weber am zahlreichsten vertreten sind. Von einzelnen wird Handel mit Streu- und Bausand getrieben. Im Ort bestehen 2 Kramläden, eine Schildwirthschaft und eine Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, außerhalb des Orts die Bogersmühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang (s. u.).

Die ziemlich große Markung hat mit Ausnahme der Hochebene auf dem Heuchelberg, der Zaberthalebene und der theils flachen, theils hügeligen Ausläufer des Strombergs eine bergige Lage und erstreckt sich einerseits auf den Heuchelberg, andererseits auf den Stromberg. Die ebenen Lagen werden für den Feldbau, die bergigen für den Wein- und Waldbau benützt. Reizende ausgedehnte Aussichten gestatten viele Punkte auf dem Heuchelberg, und besonders schön ist der Blick von dem Guckerkopf am Stromberg. Der Boden ist mittelfruchtbar und besteht auf dem Heuchelberg aus den leichtsandigen Zersetzungen des Keuperwerksteins, an den Gehängen des Heuchelbergs und den unteren Partieen des Strombergs mit ihren Ausläufern aus den thonigen Zersetzungen des unteren Keupermergels und aus Lehm, an den oberen Theilen des Strombergs aus schwerem Thon und aus den Zersetzungen des Stubensandsteins. Die Thalebene hat kräftigen, zum Theil nicht durchlassenden Thonboden, daher die tiefer liegenden Wiesen häufig naß sind. Dem Boden muß durch reichliche Düngung nachgeholfen werden, wobei man sich außer den gewöhnlichen in guten Düngerstätten gesammelten Düngungsmitteln auch des Pferchs, des Gipses, des Kompostes, des Guanos und der Asche bedient. Auf der Höhe des Heuchelbergs wird der Keuperwerkstein abgebaut und häufig nach außen abgesetzt; auch Lehm-, Töpferthon- und Sandgruben sind vorhanden.

Das Klima ist mild und erlaubt den Anbau aller Kulturgewächse des Unterlandes, die jedoch nicht selten von Frühlingsfrösten und kalten Nebeln leiden; auch weht im Thal eine beständige Zugluft, namentlich von Westen nach Osten. Hagelschlag kommt selten vor. Die Landwirthschaft wird mit Anwendung des Brabanter- und Suppingerpflugs gut betrieben, auch 2 Walzen und eine eiserne Egge| sind vorhanden; man baut die gewöhnlichen Getreidearten, Kartoffeln, die gut gedeihen, weiße Rüben, Reps, Mohn, Zuckerrüben, Hanf, etwas Hopfen, Cichorie und Pfeffermünze. Von den Getreidearten werden vorherrschend Dinkel und Haber gebaut und etwa 900 Scheffel jährlich nach außen, namentlich nach Baden, abgesetzt. Der ziemlich ausgedehnte Wiesenbau liefert ein mittelmäßiges Futter, von dem ein Theil nach außen verkauft wird, doch muß auch zugekauft werden. Von Bedeutung ist der Weinbau, welcher hauptsächlich an den südlichen Abhängen des Heuchelbergs getrieben wird; man pflanzt im Pfahlbau mit Bogenschnitt 2400 Stöcke (schwarze Rißlinge, Elblinge, Drollinger, Silvaner, etwas Portugieser) auf den Morgen und bezieht die meisten den Winter über. Der höchste Ertrag eines Morgens beträgt 6 Eimer und die Preise eines Eimers bewegten sich in den letzten 10 Jahren von 22–77 fl. Der Wein ist mild aber weniger lagerhaft und wird zu den besseren des oberen Zaberthals gerechnet. Der Absatz des Weins geht hauptsächlich nach Baden und in den Schwarzwald. Weniger namhaft ist die Obstzucht, die sich hauptsächlich mit Mostsorten beschäftigt, indessen in ganz günstigen Jahren einen Verkauf von etwa 1500 Simri nach außen zuläßt. Wegen der Frühlingsfröste und des öfters kalten Thalzuges gedeiht das Obst nicht besonders gerne. Ein Baumwart ist aufgestellt und die Jungstämme werden meist selbst nachgezogen.

Die vorhandenen 480 Morgen Gemeindewaldungen (Laubholz) ertragen jährlich 66 Klafter und 7524 St. Wellen, hievon erhält jeder Bürger 25 St. Wellen; das übrige Holz wird verkauft und der Erlös mit etwa 1800 fl. fließt in die Gemeindekasse. Überdieß bezieht die Gemeinde 380 fl. aus 50 Morgen Allmanden, die sie nebst der Brach- und Stoppelweide an einen Ortsschäfer verpachtet, 550 fl. aus der Pferchnutzung und 341 fl. aus Gemeindegütern und einem Weidensatz.

Die mit einem Neckarschlag sich beschäftigende Rindviehzucht ist in befriedigendem Zustande und wird durch 4 Farren nachgezüchtet. Der Handel beschränkt sich auf das entbehrlich gewordene Vieh. Der Schafweidepächter läßt den Sommer über 200, den Winter über 500 St. Bastarde auf der Markung laufen und setzt die Wolle nach Heilbronn ab. Die Schweinezucht (norddeutsche Race) erlaubt einen beträchtlichen Verkauf an Ferkeln und liefert noch viele Mastschweine fürs Haus. Von dem häufig gezüchteten Geflügel kommen ziemlich viel Gänse zum Verkauf.

Von Anstalten bestehen außer den zwei Volksschulen eine Sonntagsschule, eine Winterabendschule, eine Industrieschule und ein Leseverein mit 250 Bänden.

Außer dem 4329 fl. 10 kr. betragenden Stiftungsvermögen sind keine besonderen Stiftungen von Bedeutung vorhanden.

| Die Markung berühren zwei ehemalige Römerstraßen, die eine auf dem Rücken des Heuchelbergs (Hohestraße), die andere auf dem Rücken des Strombergs entlang (Rennweg).

Nach der Volkssage soll der sogenannte Heuchelberggeist hauptsächlich auf der Hohenstraße umgehen und die Leute irre führen; in dem an die Hohestraße grenzenden Walddistrikt „Birken“ ruft er den Leuten.

Pfaffenhofen, früher auch Paffenhoven (1279), Phaphenhoven (1288) u. s. w. geschrieben, ist vielleicht das „Paffenhouen“, an welchem das Kloster Weißenburg im Elsaß nach dem, zwar erst um 1280 angelegten aber aus älteren Quellen entnommenen 2. Theil seines Traditionencodex Besitzungen hatte (Stälin 1, 601).

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts kommt der Ort öfters genannt vor: den 30. Mai 1279 verzichtet Konrad von Magenheim gegen das Erzstift Mainz auf eine hiesige Wiese, Bruwel genannt, (Remling Urkb. 1, 359); den 22. Jan. 1288 erhalten Ulrich und Erkinger von Magenheim durch Heinrich von Brettach dessen Weinberge allhier zu Lehen aufgetragen (Mone 15, 311); im Dec. 1290 verkauft Rudolf von Neuffen 2 Theile des Zehenten von allen hiesigen Weingärten, von welchen ehedem der Herr von Stockheim den Zehenten nahm, 11 Schill. Hllr. Gült von denselben, und die Kelter neben dem Begräbnißplatz, sammt allen dazu gehörigen Rechten und Freiheiten, welche Güter seine Gemahlin Elisabeth von Stralenberg als Heimsteuer besessen hatte, um 185 Pfd. 10 Sch. Hllr. an das Kloster Frauenzimmern (Mone 4, 190); den 20. Jan. 1292 vermacht Schwigger von Bruchsal für den Fall seines Todes an dasselbe Kloster den hiesigen Weinzehenten, den er von der Familie von Neuffen um 186 Pfd. Hllr. gekauft, wofür das Kloster seinen und einiger anderer Personen Jahrestag zu feiern hat (St.-A.); den 3. Nov. d. J. erwirbt das Kloster eine hiesige Weingült von einer Wittwe Spenwalder (Mone 4, 192); im März 1293 freit Rudolf von Neuffen die Güter allhier, welche H. Spanwelder von ihm hatte, und übergibt sie, auf alle seine Rechte daran für sich und seine Erben verzichtend, an das genannte Kloster als immerwährendes freies Eigen (Mone a. a. O.); endlich verspricht den 14. Okt. 1303 Graf Konrad von Flügelau die hiesigen Besitzungen des Klosters zum h. Grab in Speier – wahrscheinlich Erwerbungen des Klosters Seitens Rudolfs von Neuffen – zu schirmen (St.-A.).

Dem Bisherigen zufolge dürften die Familien von Magenheim und Neuffen wohl als die ersten Besitzer des Ortes anzusehen sein, als magenheimischer Erbe von seiner Mutter Maria her verkaufte jedoch den 18. Okt. 1321 Graf Burkhard (VI.) von Hohenberg mit anderem benachbartem Besitz, insbesondere der Hälfte von Brackenheim, die Vogtei über das halbe Dorf und 7 Pfd. Hllr. Gült allda| an Gr. Eberhard den Erlauchten von Württemberg (vgl. ob. S. 179). Auch die andere Hälfte des Dorfs kam wohl bald darauf, vielleicht mit dem Reste von Brackenheim, an Württemberg und im J. 1380 erscheint der Ort in der Widdumsverschreibung der Gräfin Antonia von Württemberg (s. ob. VII, 1).

In den J. 1295–6 kommt ein hiesiger Schultheiß Berthold vor. Daß der Ort früher Stadt- und Marktgerechtigkeit gehabt, dieselbe aber veräußert habe, beruht nur auf Chronikennachricht und Volkssage, urkundlich ist der frühere Stadtcharakter nicht nachzuweisen, auch hat man erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts Kenntniß von einer Ummauerung des Ortes (s. ob.). – Das noch in der Gemeinderegistratur vorhandene auf Pergament geschriebene Dorfrecht von 1484 ist dem von Nordheim ähnlich. – Im J. 1556 wurden hier, wegen der dabei vorkommenden Obscönitäten und namentlich auch Mißbrauches des Eides, zwei alte Volksgebräuche abgeschafft, das sog. Gauchgericht und der Rebstock, welche am Pfingstmontag stattzufinden pflegten.[1] – Den 10. Januar 1700 verkaufte die Gemeinde ihren See an die Herrschaft Württemberg. In der betreffenden Urkunde heißt es, der Ort habe kein Siegel; heutzutage führt er als solches eine Mönchskutte.

Schon im J. 1296 erscheint ein Leutpriester Konrad an der dem h. Lambert geweihten Kirche; im J. 1351 kommen ein Pfarrer und Frühmesser hier vor (s. ob. VII, 2), im J. 1376 Pfaff Berthold Glen (Mone 5, 78). Den 6. Dec. 1443 vertauschte Graf Ludwig von Württemberg gegen verschiedene sonstige Besitzungen, darunter 40 M. Wiesen und eine Kelter dahier, an das Kloster Frauenzimmern, unter Anderem die hiesige Kirche mit allen Rechten, Gülten, Nutzungen und Zugehörden und behielt sich nur die Bestätigung des von dem Kloster ihm zu präsentirenden Pfarrers vor, worauf dieses Kloster den 23. Febr. 1448 die Kirche inkorporirt erhielt (Mone 4, 205. 314). Den 28. Jan. 1519 wurden Streitigkeiten zwischen dem Kloster und dem damaligen Pfarrer wegen der Kompetenz des letzteren, des Baues des Pfarrhauses und der Pfarrscheuer durch päbstliche Kommissarien entschieden (Mone 4, 336). Das Kloster besaß damals außer der Kirche und dem Kirchensatz hier noch ein Widdumgut (im J. 1456 als Erblehen hinausgegeben; Mone 4, 320), Hellerzinsen, Zinshühner, Weingülten. – Den 6. Febr. 1541 verkaufte das Kloster zum h. Grab in Speier seinen hiesigen Zehentbesitz| an Herzog Ulrich von Württemberg. – Die S. Katharina- sowie die Frühmeßpfründe hier hatten je ein Haus, Hof und Scheuer, die Lehensherrlichkeit über beide stand Württemberg zu; obige Besitzungen der zweitgenannten Pfründe verkaufte Herzog Ulrich im J. 1545 an einen Privatmann, den 23. Nov. 1577 wurden sie von der geistlichen Verwaltung Güglingen zurückerworben; das S. Katharinapfründhaus bewohnte im J. 1580 ein reisiger Schultheiß. – Der Deutsche Orden hatte noch im 17. Jahrhundert Besitzungen allhier.

Eine untere Mühle dahier kommt den 15. Aug. 1456 vor (Mone 4, 320).

Zu der Gemeinde gehören:

Rodbachhof, 1/4 Stunde südlich vom Mutterort im Rodbachthälchen etwas abgeschieden gelegen.

Etwas westlich von dem Hofe, wo schon alte Waffen und ein Küraß gefunden wurden, trifft man noch Überreste des abgegangenen Ortes Rodbach. Der Name des Ortes, des daselbst fließenden Rodbaches, welcher übrigens heutzutage Wäschbach genannt wird, und die Zelg „in der Rodbach“, durch welche derselbe fließt, hängen wohl mit roden, ausroden = ausreuten zusammen.

Den 16. Febr. 793 schenkte die öfters genannte Hildburg an das Kloster Lorsch „in Rodenbach proprisum illum cum omni aedificio“ (Cod. Lauresh. nro. 3522), den 30. Mai 1279 übergab Konrad von Magenheim an das Erzstift Mainz 4 Jauchert Weinberge und 20 Urnen Wein jährlicher Einkünfte zu „Roden“ (Remling Urkb. 1, 359). Vielleicht war der Ort überhaupt eine magenheimische Besitzung und kam mit Brackenheim an Württemberg. Den 27. Apr. 1338 kaufte Graf Ulrich hier und zu Güglingen (s. dieses) Leute und Güter von Johannes Gerre und im J. 1380 erscheint Rodbach in der Widdumsverschreibung der Gräfin Antonia von Württemberg (s. ob. VII, 1), war jedoch um den Wendepunkt des 14. und 15. Jahrhunderts mit Nieder-Magenheim vorübergehend von Württemberg verpfändet.

Zwei Theile des hiesigen Wein- und Kornzehenten, sowie 8 Hofstätten dahier waren im J. 1362 ein württembergisches Lehen Cuns von Wurmlingen, obige Zehenten blieben auch in der Folge Lehen der Familie von Wurmlingen, den 9. Dec. 1454 jedoch erhielt sie Berchtold von Massenbach, den 14. Mai 1478 Auberlin Schäfer von Brackenheim und nach ihm den 12. Juni 1490 Hans Schäfer gen. Beuerlin. Im J. 1444 kommt ein bürgerliches Erblehengut zu „Rot bei Pfaffenhofen“ vor (St.-A.).

Im J. 1359 wird Berthold Grau, Vikar zu Rodbach, genannt (St.-A.); auch hatte der Ort eine eigene Kapelle, von welcher man noch in neuerer Zeit Überreste sah, allein schon nach dem oben (S. 267) erwähnten Vergleiche vom 29. Nov. 1435 und in der| Folge erscheint er als Filial von Pfaffenhofen. – Den 29. Sept. 1450 kaufte die Gemeinde Häfnerhaslach etwa 60 Morgen Wald und Zugehörungen in Rodbacher Mark vom Kloster Frauenzimmern-Kirchbach (Mone 4, 316).

In den Jahren 1540 und 1575 gehörte Rodbach mit Gericht, Recht und Untergang nach Pfaffenhofen, hatte jedoch einen eigenen Schultheißen, 1582 war es ein Ort mit 7–8 Häusern ohne Gemeindevermögen. Im 30jährigen Kriege ging er zu Grunde, denn 4 Jahre nach demselben heißt es in einem Berichte: „Anjetzo wohnt Niemand mehr allda. Seyn auch alle Wohnungen samt der Keltern eingeäschert und eingefallen, bis auf ein Haus, so auch allerdings ruinirt und ein klein Capellin. Also noch ödte Plätz und ruinirte Gebäu 16. Die Güter liegen alle wüst“ (Klunzinger 3, 195).

Als es sich im J. 1687 um Aufnahme geflüchteter Waldenser ins Herzogthum handelte, war der Vogt zu Güglingen erbötig, 12 Familien in diesem öden Flecken unterzubringen, allein der Vorschlag kam nicht zur Ausführung. Dagegen erhielt im J. 1709 der Kellereirenovator Georg Friedrich Jung von der Regierung für seine Renovaturgeschäfte an Zahlungsstatt den Platz, wo jetzt der Hof steht, und seit dieser Zeit wird die Gegend wieder bewohnt, wechselte übrigens die Besitzer nicht selten.

Bogersmühle, mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, liegt 1/8 Stunde oberhalb Pfaffenhofen an der Zaber.


  1. Diese Gebräuche und ihre Abschaffung sind ausführlicher dargestellt in Württemb. Jahrb. 1837 S. 412 ff. und darnach Klunzinger 3, 185 ff., doch finden sich daselbst einige Unrichtigkeiten: nicht der Ladenmeister, sondern die betreffenden 2 Bürger hatten zu schwören gehabt; nur diese 3 Personen wurden mit Thurmstrafe belegt; sie, die Richter und der Schulmeister wurden 1 Jahr von allen öffentlichen Zechen ausgeschlossen.
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