Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 25

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Schwaigern,


Gemeinde II. Kl. mit 2059 Einw., wor. 33 Kath. und 9 eig. Konfession. a. Schwaigern, Stadt, 2036 Einw. b. Marienhof, Hof, 10 Einw., c. Obermühle, Haus, 7 Einw., d. Untermühle, Haus, 6 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Hausen b. M. eingepfarrt. 2 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Schwaigern ist der Sitz eines Amtsnotars, eines Postamts, eines Oberamtswundarztes und eines prakticirenden Arztes; auch besteht daselbst eine Apotheke. Die Stadt dient zeitweise dem Gutsherrn, Grafen von Neipperg, zum Aufenthalt, auch befindet sich daselbst ein gräflich Neipperg’sches Rentamt und ein gräflicher Revierförster.

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Das frühere Siegel der Stadt zeigte Johannes den Täufer, den Schutzpatron der Pfarrkirche, mit einem kleinen Schild, der die Neipperg’schen drei Ringe enthielt. Dieses Siegel ging aber ums Jahr 1512 verloren und Schwaigern hatte kein eigenes Siegel bis auf Anordnung des Oberamts im dritten Jahrzehnt des laufenden Jahrhunderts zwei Siegel für das Stadtschultheißenamt und für den Gemeinderath verfertigt wurden, enthaltend einen Schild mit den drei Neipperg’schen Ringen.

| Am südwestlichen Saum des gegen den Neckar hin sich ausdehnenden fruchtbaren Flachlandes und nur 1/2 Stunde nördlich von dem Heuchelberg hat die Stadt auf einem leicht gegen das Leinthal südlich geneigten Abhang eine angenehme und gesunde Lage; sie ist sehr freundlich und reinlich, ziemlich regelmäßig gebaut und besteht aus der eigentlichen, früher wohlbefestigten Altstadt und aus drei Vorstädten, und zwar wird die an der nordwestlichen Ecke sich namhaft ausdehnende „das äußere Dorf“ genannt; von ihr nördlich gelegen ist die Vorstadt „Schafgasse“, welche erst nach dem Brand von 1811 entstand, und an der Südostecke der Altstadt lehnt sich die nicht bedeutende Vorstadt „vor dem Heilbronner Thor“ an. Die Altstadt, welche mit Ausnahme der etwas gegen außen gebogenen Südseite beinahe ein Quadrat bildet, hatte 2 feste Thore, das obere und das untere Thor, ersteres stand an der Nordwestecke, letzteres an der Südostecke der Stadt; das untere wurde 1812, das obere 1831 abgetragen. Von der ehemaligen Befestigung der Stadt hat sich die Stadtmauer beinahe noch ganz erhalten; an ihr sind Halbrondele angebracht, von denen an der Ostseite 2, an der Südseite 4, an der Westseite 2 und an der Nordseite eines noch erhalten, jedoch bis zur Mauerhöhe abgetragen sind. Überdieß ist an der Südostecke der Altstadt ein runder Thurm, der sog. Bürgerthurm, in den die Ortsbürger eingekerkert wurden, noch vorhanden. Der sog. Diebsthurm an der Nordwestecke der Stadt, in den die Diebe eingekerkert wurden, ist in den 20ger Jahren dieses Jahrhunderts abgebrochen worden. Der außerhalb der Stadtmauer hinlaufende, auf der nördlichen Seite der Stadt theilweise noch sichtbare Stadtgraben, der mit Wasser gefüllt werden konnte, wurde eingeebnet und zu Gärten, Wiesen und Länder umgewandelt. Das Innere der Stadt ist mit gut unterhaltenen, makadamisirten und gekandelten Straßen und Gassen ziemlich regelmäßig durchzogen, von denen wir in erster Linie die breite Hauptstraße, zugleich Landstraße von Heilbronn über Eppingen und Bruchsal, welche in mehreren Wendungen durch die Stadt führt, nennen; außer ihr gehören noch zu den besseren Straßen die obere Stangenbrunnengasse, die Kirchgasse, die Schloßgasse und die freilich schon etwas schmale, aber lang hinziehende Wassergasse. Die übrigen Straßen sind meist eng, jedoch nicht winklig angelegt. Eine besondere Zierde und Annehmlichkeit der Stadt bilden die zum Theil sehr geräumigen öffentlichen Plätze, wie der große Marktplatz, an den sich der untere Marktplatz, eigentlich nur eine sehr breite Straße, anschließt, der Kirchplatz, der Kelterplatz und der sehr ansehnliche, von den Schloßgebäuden umgebene Schloßplatz. Auch ist der Anblick der Stadt mit ihren Mauern, dem schönen Schloßgarten, der großartigen gothischen Kirche und dem prächtigen Schlosse sehr malerisch und anmuthig. Die gedrängt stehenden Gebäude sind meist aus| Holz mit steinernem Unterstock, theilweise auch ganz von Stein erbaut und hübsche im städtischen Stil gehaltene Häuser mengen sich mit ländlichen.

Von öffentlichen Gebäuden nennen wir:

1. Die auf der höchsten Stelle der Stadt gelegene, über vielen Staffeln erhöhte, sehr stattliche Kirche; sie trägt noch die unverkennbaren Spuren von drei bis vier verschiedenen Bauzeiten. Der erste Bau war im Rundbogenstil (romanischen Stil) ausgeführt und endigte mit dem noch erhaltenen, an der Nordseite des jetzigen Chores stehenden Ostthurme. Dieser wird an seinen untern Geschossen von schönen Rundbogenfriesen geziert und unter dem Dach des jetzigen nördlichen Seitenschiffes der Kirche sieht man noch an der Westseite des Thurms die flach ansteigende Dachschräge der alten romanischen im 12. Jahrhundert erbauten Kirche; auch ist die Nordwand des schon genannten Seitenschiffes mit einem Rundbogenfries umkränzt. Es scheint, wie ein Blick auf den Grundriß zeigt, daß die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche im lateinischen Kreuz gebaut war, mit dem ersten Geschoß des Thurmes als Chor, der sich einst mit hohem Triumphbogen öffnete, und daß der nördlich vor dem Thurm hinaustretende Vorbau der noch erhaltene nördliche Kreuzarm ist; ebenso, daß der nördliche Theil der Westwand der jetzigen Kirche noch ursprünglich ist.

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Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde sodann an der Nordwand der Kirche ein schönes frühgothisches Spitzbogenfenster eingebrochen, und jenes hübsche Sakramenthäuschen an der Ostwand des Chores (Thurmes) angebracht, vielleicht auch damals schon das Dach spitzer gemacht, wie das hohe an der Westseite des Thurmes auch von außen sichtbare steinerne Giebelschutzgesimse, so wie auch die Giebelschräge an der Westfront der Kirche beweisen.

Im Jahre 1474 endlich wurden im spätgothischen Stil Spitzbogenpforten eingesetzt, eine an der Nordseite mit der Jahreszahl darüber, und eine im Westen, an der Stelle des alten Eingangs, der gerade in der Achse der alten Kirche liegt. Ferner wurde auch das hohe scharfprofilirte (erst vor 10 Jahren herausgebrochene) Rippenkreuzgewölbe im Thurm eingesetzt, von dem nur noch die schönen Konsolen erhalten sind. Auf denselben entdeckt man vortrefflich ausgemeißelt das Zeichen des Baumeisters, einen Kelch und einige Marterwerkzeuge, ferner das Neipperg’sche und das Lichtenstein’sche Wappen. Vielleicht wurde auch erst um diese Zeit das alte flache Dach erhöht.

So stand, wenn auch mit verschiedenen Zuthaten, die alte Basilika, bis im Jahre 1514 ein Neubau in gesteigerten Verhältnissen begonnen wurde durch Bernhard Sporer. Wenn wir wieder den Grundriß betrachten, so ergibt sich, daß der Meister mit großer| Umsicht zu Werke ging, von dem alten Bau möglichst viel stehen ließ, und es ist wohl der Mühe werth, seinen Gedanken etwas nachzuspüren. Nur die südlichen Umfassungsmauern des alten Kirchenschiffes riß er nieder, verlängerte die Westwand noch weiter gegen Süden und benützte den Thurm sehr geschickt, um daran seinen neuen Chor westlich anzusetzen, wobei er zugleich den Thurm samt den stehen gebliebenen Theilen der alten Kirche als ein sehr stattliches, gegen 25 Fuß breites Seitenschiff beibehalten konnte. Um nun aber die Verbindung zwischen beiden Kirchen möglichst harmonisch durchzuführen, zog er an der Südseite seiner neuen Kirche nach dem Geschmack jener Zeit die Strebepfeiler nach innen, so daß entlang des Schiffes 5 rechteckige, 91/2 Fuß tiefe Kapellen entstanden, und an der Nordseite stellte er vier 7 Fuß tiefe rechteckige Freipfeiler auf, wodurch er wieder 5 (hier auch gegen Norden) offene Kapellen und zugleich eine Arkadenreihe, als Verbindung mit der alten Kirche, erhielt, und endlich ein sehr wirksames Widerlager für das prächtige über 33′ weite Netzgewölbe, mit dem er sein Hauptschiff überspannte, und dem durch die Seitenkapellen die sehr bedeutende Breite von 50′ zukommt. Deßhalb macht auch die Kirche in ihren neuen Theilen einen prächtigen und wirklich großen Eindruck, zumal ihre Länge 5mal die Mittelschiffbreite (nämlich 166′) beträgt. Hievon kommen zwei Breiten auf den 31′ breiten und ohne Triumphbogen 63′ langen Chor; an ihm stehen die Strebepfeiler nach außen und nur am Beginn des halbachteckigen Chorschlusses baut sich je eine rechteckige gewölbte Kapelle zwischen den Strebepfeilern hinaus. – Stellen wir zum Schlusse die so einfachen Zahlenverhältnisse der Kirche zusammen, so ergibt sich vollends die besonnene Thätigkeit Sporers. Länge der alten Kirche, jetzt des nördlichen Seitenschiffes, bis zum alten Chor im Thurm 100′, Länge der neuen Kirche bis zum neuen Chor ebenfalls 100′, Breite derselben samt den Kapellen zu beiden Seiten 50′ und ohne Kapellen 33,5′, bei einer Gesamtlänge von 166′, – also die ganze Kirche 5mal, das Schiff 3mal und der Chor 2mal so lang als die Schiffbreite ohne Kapellen; mit den Kapellen die Länge des neuen Schiffes 2mal seine Breite (s. auch den Grundriß). Die Höhe der Gewölbe beträgt vom Fußboden an 47 Fuß.

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Bernhard Sporer muß, wie aus seinen Werken hervorgeht, ein bedeutender und selbständig schaffender Baumeister und namentlich ein trefflicher Bildhauer gewesen sein, deßhalb behandelte er auch die Baukunst in solcher Weise. Eigenthümlich eckig und fast verknöchert, aber nicht ungenial, erscheint seine Gothik und sind auch z. Th. seine Bildwerke behandelt, so jener Ecce homo an der Südwestecke der Kirche, mit reichem Baldachin über dem dornengekrönten Haupt. Die Muskulatur ist stark markirt, das edle Haupt mit langen Locken und sanft herschauenden Augen; die rechte Hand hatte wohl einst die| Haltung des Segnens, das Schamtuch flattert weit herab. Unter der Bildsäule sieht man folgende schon in lateinischen Majuskeln ausgeführte, über Eck gehende Inschrift:

D. O. M. Anno. MDXIIII. Romanis. imperitante. Caes. Max. P. F. Aug. in. beatissime. Virginis. Marie. eiusque. superbenedicte. matris. Anne. nec. non. S. Joannis. baptiste. laudem. et. honorem. nobiles. viri. de. clara. ac. armigerata. Neipergensium. prosapia. procreati. cum. subditis. et. incolis. huiusce. oppiduli. hanc. edem. sibi. et. suis. posteritatique. bene. merenti. instaurari. fecerunt. per. Bernardum. Sporer. opificem.

Am Beginn der Inschrift ist an der Westwand der Kirche der Neipperg’sche Wappenschild, an ihrem Schlusse, an der Südwand der Kirche, ein Schildchen mit dem Meisterzeichen Bernhard Sporers, einem Sporn ähnlich, ausgemeißelt.

Betrachten wir nun die Kirche genauer, zuerst von außen. Die Westfront bietet kein sehr erfreuliches Bild, man sieht nämlich, daß gerade vor dem Giebel der 1514 erbauten neuen Kirche ein vorne auf zwei Freipfeilern ruhender Thurm sich erheben sollte; die Anfänge seiner Mauern gehen als Verzahnungen weit hinauf an der Fassade, und dazwischen erscheint ein hoher, jetzt zugemauerter Spitzbogen, der sich gegen die Empore der Kirche öffnen sollte. In diesem Bogen sitzt jetzt ein mit Fischblasen ausgegliedertes Rundfenster und eine steinerne Uhrtafel mit der Jahreszahl 1581. In der Achse der alten Kirche befindet sich ein Spitzbogenportal aus der Zeit von 1474, darüber ein mit Fischblasenmaßwerk gefülltes Spitzbogenfenster und ganz oben im alten Giebel ein rechtwinklig eingetieftes Kreuz über einer runden Öffnung. Die Süd- und Ostseite der Kirche, diese mit dem schönen von starken Strebepfeilern und schlanken Spitzbogenfenstern besetzten Chore, zeigt den spätgothischen Stil Sporers noch ganz erhalten; die Thüren haben reiche lebendige Gliederungen, deren Rundstäbe sich oben durchkreuzen, die Spitzbogenfenster vielfach wechselndes mitunter sehr zierliches Maßwerk, das meist aus geradlinigen an allen Enden sich durchschneidenden Stäben zusammengesetzt ist, so daß oft sternförmige Muster sich bilden.

Die Nordseite enthält, wie schon oben angeführt wurde, noch Theile der alten romanischen Kirche. Denselben Baustil zeigen die zwei unteren Geschosse des großen ganz eng und vortrefflich gefügten Thurmes, der an beiden mit schönem Rundbogenfriese geschmückt ist und gegen Osten im zweiten sehr hohen Stockwerk von einer romanischen Sechsblattrosette durchbrochen wird. An seiner Südseite sieht man noch, jetzt gänzlich durch das Chordach verdeckt, ein gar schönes, romanisches Säulenfenster, ähnlich denen auf Burg Neipperg, außen im Halbkreis, in den inneren Bögchen spitz, die Säulen mit prachtvollen Blätterkapitellen. Weiter hinauf geht der Thurm in vier| schlanke verschieferte Eckthürmchen und in einen hohen auch mit Schiefer bedeckten achteckigen Helm aus. An die Nordseite des Chores war früher die alte gothische Sakristei angebaut, von der sich noch Spuren von Gewölbansätzen erhalten haben; nördlich stößt an den Thurm das alte tonnengewölbte Archiv, und nördlich an das Seitenschiff die jetzige Sakristei, auch von der Hand Sporers, mit geradgestürzten Fensterchen.

Vor der Kirche stehen zwei Lindenbäume, und an der Südseite des Chores ist ein freundliches Gärtchen angelegt. Am Thurm und an der Nordseite der Kirche finden sich spätromanische Steinmetzzeichen.

Im Innern der Kirche überrascht die so wohlthuende und bedeutende Weitung des jetzigen Hauptschiffes und Chores, die durch die Kapellenreihen auf beiden Seiten noch gesteigert wird. Schiff und Chor sind mit reichen Netzgewölben bedeckt, von deren zahlreichen Schlußsteinen Heiligenbilder herabgrüßen; und ferner sind an den Pfeilern, da wo an ihnen das Netzgewölbe des Schiffes beginnt, die ausdrucksvollen Brustbilder der zwölf Apostel in hübschen Baldachin-Nischen angebracht. Die Gewölbe zwischen den Pfeilern sind noch prächtiger gehalten und bilden die zierlichsten mit einer Menge von Schlußsteinen und Wappenschildchen besetzten Sterngewölbe. Das Schiff besitzt 18 Schlußsteine, worunter 12 mit aufgemalten Heiligen; der Chor 10 ausgemeißelte und bemalte Schlußsteine, mit den Wappen der Neipperg, der Lichtenstein (?), dann mit S. Anna, Wolfgang, Veit, Johannes d. T., Katharina, Barbara, Maria und dem auferstandenen Christus. Über dem Triumphbogen steht die Jahreszahl 1515. Das plattabgedeckte Seitenschiff, die sog. alte Kirche, zeigt Ansätze zu einem Rippenkreuzgewölbe.

Die Orgel steht auf der im Westen sich erhebenden steinernen Empore, deren gothisches Netzgewölbe von zwei schönen originellen Renaissancesäulen getragen wird.

Im Jahre 1856 wurde die ganze Kirche in tüchtiger Weise erneuert, was man namentlich der Munificenz Ihrer K. Hoheit der Frau Prinzessin Marie von Württemberg verdankt; unter den Triumphbogen wurden ein neuer gothischer Altar, und ins Chor hübsche gothische Stühle gestellt. An der Südwand des Chores sieht man folgende Inschrift:

Der Chor dieser Kirche ward für unsern heiligen evangelischen Gottesdienst hergestellt von Marie, Kgl. Prinzessin von Württemberg, vermählt mit Grafen A. von Neipperg, und feierlich eingeweiht am 27. Septemb. 1856, am Geburtstag ihres theuern Vaters, unseres allverehrten Königs Wilhelm I. von Württemberg.

So reich die Kirche in baulicher Hinsicht, so reich ist sie an| Werken der Bildhauerei und Malerei. Beginnen wir mit dem Chore: hier erhebt sich in der Nordostecke das 45′ hohe Sakramenthaus, eines der schönsten und zartesten des spätgothischen Stiles, in ganz feinem Keuperwerkstein ausgeführt von Sporer, dessen Meisterzeichen daran ist, und dem gewiß auch, wie schon ihre Behandlung beweist, die Apostelbrustbilder der Schiffpfeiler zuzuschreiben sind. Über dem Bogen der Kapelle daneben steht:

Anno domini 1520 hat der ersam hans reich zu lob und ere got dys sacrament hus lassen machen, auch dar zu erlangt allen christenmenschen, die das heilig sacrament all durnstag an diser stat eren mit 3 pater noster, 40 tag ablas totlicher sind und 100 tag teglicher sind. bit. g. f. d. s. (got für die seele). Amen.

An dem beschädigten aber immer noch herrlichen Kunstwerke sieht man das Wappen des Stifters, eine Bretzel, das der v. Neipperg und das Meisterzeichen Sporers, und oben, sehr gut gearbeitet, die Statuetten der Anna, Katharina, Barbara und Maria.

Ein etwa gleichzeitiger großartiger Hochaltar steht an der Nordwand und enthält in dem oben mit prächtigem Laubwerk besetzten Schreine die große noch bemalte Holzschnitzerei, den Tod der Maria; und auf den Flügeln die vier klein gehaltenen Darstellungen in halberhabener Arbeit: Mariä Verkündigung, Christi Geburt, Maria und Elisabeth und die Anbetung des Kindes. Die Predella ist leer, dagegen zeigt der sehr hohe, luftige, in drei Baldachinen sich erhebende Aufbau treffliche Holzfiguren: in der Mitte Gott Vater, den dornengekrönten sterbenden Christus haltend, daneben Johannes den Täufer und einen jugendlichen Heiligen mit großem Hut und langen Locken; ganz oben den h. Georg. Der geschlossene Altar zeigt die sehr schönen Gemälde von acht Heiligen: Georg mit Ursula, Katharina mit Remigius, Florian mit Christophorus, Johannes den Evangelisten mit einem Bischof mit Buch. Hinter den Flügeln erscheinen zierlich in Holz geschnitzt eine Heilige und S. Georg. Ferner ist zu erwähnen, in dem alten jetzt mit Holz verkleideten Steinaltar des Chores ein sonderbarer Stein mit kropfigem Kopfe.

Das jetzt im Chore stehende große Krucifix ist von Stuck und von keinem bedeutenden Kunstwerth, dagegen fesselt als ein Werk von hoher ernster und ergreifender Schönheit der überlebensgroße spätgothische Krucifixus, der jetzt vor dem in den Thurm führenden Bogen steht und ursprünglich wohl als Triumphalkreuz im Triumphbogen der Kirche hing; jedenfalls ist das Werk auf die Entfernung und für die Höhe berechnet, dann erscheint auch das geistvolle Haupt nicht mehr zu groß; dieses mit langen schmalen Locken, die großen Augen, schmerzgesenkt, in heiligem Dulden brechend; der Gliederbau ist schlank und zart, das Schamtuch flattert weit hinaus.

Der Taufstein ist auch spätgothisch und mit hübschen| Maßwerken geziert, im gleichen Geschmack die steinerne mit edlem Stabwerk eingefaßte Kanzel mit ihrem schönen gothischen baldachinartigen Schalldeckel, dem leider die Spitze fehlt; dann steht zwischen dem dritten und vierten Pfeiler der Kirche ein spätgothischer Chorstuhl mit schwungvollen Flachornamenten und dem Neipperger Wappen. Der neue für die gräfl. Familie von der Prinzessin Marie von Württemberg gestiftete Stuhl ist ganz in denselben Formen gehalten.

Betrachten wir nun den Inhalt der einzelnen Kapellen, die sich an der Südwand des Schiffes hinziehen:

In der zweiten Kapelle: die großen, leider stark übertünchten steinernen Grabmäler des Ludwig von Neyperg, der Churfürstlichen Pfalz Marschalg, † 11. Febr. 1536, und der Katharina von Neipperg, geborene von Stockheim, † 9. April 1553. Beide mit den Standbildern der Gestorbenen. Ein zweites, auch im Renaissancestil gehalten: zwei Neipperger Ritter und ein Knabe knieen vor dem Gekreuzigten. Ferner an der Ostwand ein durchaus gemalter gothischer Flügelaltar, Tempera-Malereien (in auf Holz geleimter Leinwand) von großer Feinheit und Schönheit. Außen auf den Flügeln Pauli Bekehrung und Christus mit Maria Magdalena und auf diesem selben Bild Magdalenä Himmelfahrt. Innen auf den Flügeln heilige Anachoreten (Einsiedler), und auf dem Hauptbild in der Mitte sieht man das Martyrium der h. Barbara mit der Inschrift:

Spes premum (primum) solacium laboris,

ferner das Monogramm des Malers I. M. R. und 1510. Zu Seiten der leeren Predella je ein Engel mit Marterwerkzeugen. Merkwürdig reich und durchgeführt ist die Kostümirung, und ebenso überrascht die Darstellung der wild wachsenden Pflanzen des Vordergrundes, jener Gräschen, Erdbeeren, und verschiedener anderer Pflanzen, die mit außerordentlicher Liebe und mit feinem Verständniß gemalt sind.

Die dritte Kapelle besitzt die sehr übertünchten Grabmäler des Wilhelm von Neupperg, † 1520, und seiner Gemahlin, Anna Freiin zu Schwarczenburg, † 1533, und an der Ostwand ein Ölbild, das h. Abendmahl, aus später Renaissancezeit.

Die fünfte Kapelle enthält eine schöne leider bis zur Unleserlichkeit überweißte Grabplatte eines Neipperg, † 1555. Ferner sieht man rechts vom Triumphbogen an der Ostwand des Schiffes einen großen gothischen, in Holz geschnitzten Altar, farblos, nur Augen und Lippen der z. Th. trefflichen Gestalten sind bemalt. Auf den Flügeln Christoph, Sebastian, Katharina und Barbara, im Schrank unter prächtigem z. Th. zerstörtem Laubwerk der Sturz der Märtyrer, daneben Maria und Johannes, oben Christus am Kreuz und unten die knieende Magdalena, den Kreuzesstamm umfassend. Die Predella zeigt Anna und Maria mit dem Christkind und die knieende Stifterin; die Figur des Stifters fehlt.

| Links am Triumphbogen ein ganz ähnlicher Altar, im Schrein unter prachtvollem und noch ganz erhaltenem Laubwerk S. Georg, S. Michael und S. Margaretha, innen auf den Flügeln, außen sind sie kahl, in vier Holzskulpturen die Legende von S. Crispinus, oben in drei schönen Baldachinen der Auferstandene, daneben Martin und Nikolaus.

Dann sind an den die neue von der alten Kirche trennenden Pfeilern einige altdeutsche, auch auf der Rückseite bemalte Altarflügel von bedeutendem Kunstwerth aufgehängt; Maria auf dem Halbmond (mit Türkenkopf) stehend, und die Enthauptung des Johannes. In der jetzt von der Kirche durch ein hölzernes Gitter, das mit vielen gemalten Wappen und der Jahreszahl 1606 geschmückt ist, getrennten Kapelle nördlich am Seitenschiff und östlich von der Sakristei, befindet sich das sehr alte Holzbild einer Maria mit dem Leichnam des Herrn. Die Kapelle, von einem reichen Netzgewölbe überspannt, war vielleicht das Querschiff der ursprünglichen Kirche; an ihrer Nordseite geht ein großes viertheiliges von Sporer gefertigtes Maßwerkfenster ins Freie.

Von Grabmälern im Chore sind zu nennen das sehr schön gemalte (jetzt erneuerte) Epitaphium des Hartmann von Neipperg, † 8. Juli 1571 und seiner zwei Frauen, Anna, geb. von Flechingen, † 13. April 1555, und Barbara, geb. von Jarsdorf, † 22. Juli 1599; gemacht 1576. Oben hängt der schöne Todtenschild des Hartmann.

Das ebenso große und hübsche des Caspar Notthafft von Hohenberg, † am Andreastag 1584, und seiner Gemahlin Anna Maria, geb. von Jarsdorf, † 18. Dec. 1599. Auf beiden Epitaphieen ist die Auferstehung Christi dargestellt.

Dann weitere Neipperg’sche Denkmäler, einfach, und ohne Bildwerk; des schon genannten Hartmann, des Hans, † 1591, des Georg Bernhard, † 1602; das betende Bild der auch schon genannten Anna Maria Notthafftin; der Grabstein einer Ursula von Neipperg, geborene Schenkin von Winterstetten, † 1611; des Jacob Schweicker, gewes. Predigers, † am Pfingsttag 1593; des Eberhardt Krell, † 9. Nov. 1603.

Dann liegen in den östlichen Theilen der alten Kirche auf dem Boden verschiedene halbabgetretene Grabplatten von Rittern und Geistlichen, viele darunter von der Familie Neipperg; man kann noch z. Th. entziffern: die Grabplatte eines dominus iohannes ribener, † 3. decemb. 1480, dann eines capellanus sancte barbare, † 1490, und vor der Sakristeithüre eine schöne Grabplatte eines Geistlichen aus der Neip. Familie, auch aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Klunzinger führt von älteren Mitgliedern der Familie Neipperg, die in der Kirche begraben liegen und z. Th. dem geistlichen Stand angehörten, noch folgende an: Diether III., † 1465 (auf dem Grabstein als vir nobilis); Engelhard IV., † 1495; Reinhard V.,| † 1495; Johannes IV., Domherr (nobilis domicellus auf dem Grabstein), † 1482; Georg III., † 1494 (auf dem Grabstein genannt pastor hujus ecclesiae scholasticus ac canonicus majoris ecclesiae wormaciensis).

Ferner sind außen an der Nordwand der Kirche drei Grabplatten:

1) Anno Domini 1504 uff Fritag nach Assumcionis marie starb die edel Frauw Agatha von Nypperg, geborne von Massenbach, der got genedig sey. Amen.

2) Anno Domini 1506 uff sanct Urbans tag starb der edel und vest junker Eberhardt von Nyperg. – Beide mit den lebensgroßen Gestalten der Verstorbenen, und mit prächtiger gothischer Schrift.

3) Anno Domini 1536 uff den Freytag nach dem heiligen Cristag den 29. Decembris starb die edel und tugendsame Fraw Margareta von Neupperg, geb. von Rechberg.

Die nördlich an das Nordschiff auch von B. Sporer angebaute Sakristei, einst eine Kapelle mit Altartisch, ist mit einem Netzgewölbe bedeckt und enthält in der Wand ein zierliches spätgothisches Sakramenthäuschen mit schönem Gitter und dem Wappen der Neipperg und Schwarzenburg. Auch besitzt die Kirche zahlreiche silberne Gefäße von trefflicher Arbeit, die meisten zu Ostern 1861 gestiftet von dem in Schwaigern geborenen Finanzrath Riedinger in Augsburg, darunter zwei sehr schön gearbeitete 2′ hohe Kannen, mit der Darstellung des h. Abendmahls, das der Stifter empfängt. Ferner ein Krucifix von Silber, 1′ hoch, 1852 gestiftet von Prinzessin Marie von Württemberg. Von den drei Glocken auf dem 136′ hohen Thurm hat die größte, sehr große, die Umschrift:

Osanna heis ich
in unser frauen er leut ich
bernhart lachaman gos mich. 1508.

Die zweite, schön verzierte, ist umgegossen von Neubert in Ludwigsburg 1806; die dritte goß Johann Paulus Strobel in Speyer 1743. Endlich hängt eine kleine Glocke weiter oben im Dache, gegossen von Samuel Metzger in Heilbronn 1770. Vom Hochaltar der Kirche soll früher ein Gang unter dem Almosenhaus in das Helferathaus gegangen sein.

Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Stiftungspflege.

Nördlich von der Stadt liegt der ummauerte, neuerdings vielfach verschönerte Friedhof. Außer vielen ansprechenden Grabdenkmälern steht an seinem Eingang das schöne steinerne Kirchlein, in schlichtem gothischem Stil erbaut, und eingeweiht den 27. September 1871; es verdankt seine Entstehung hauptsächlich wieder der Freigebigkeit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Marie von Württemberg, die über 5000 fl., während die Gemeinde 600 fl.,| beisteuerte. Das außen und innen gar freundliche Kirchlein endigt in ein schmäleres und niedrigeres halbachteckiges Chörchen, außen von Trauerweiden lieblich umschattet und innen mit einem Gewölbe, das mit goldenen Sternen auf blauem Grunde besät ist; das Schiff hat einen innen sichtbaren hübsch bemalten Dachstuhl, und an der Nordwand eine alte steinerne Inschrifttafel eingemauert, worauf steht, daß die früher hier gestandene Kapelle im Jahre 1589 um 68 fl. erbaut wurde. Ferner enthält sie ein kleines holzgeschnitztes Krucifix, ebenfalls eine Stiftung der Prinzessin. Erbaut wurde die Kapelle von Architekt C. Beltz in Heilbronn und Werkmeister G. Nolff in Schwaigern. Außen an der Westfront steht: Erbaut 1870; und im zierlichen steinernen Glockenthürmchen, das sich über dem Westgiebel erhebt, hängt eine Glocke, die von dem früheren Stadtschultheißen Benzlen geschenkt wurde. Die Unterhaltung ruht auf der Gemeinde.

2. Das gut unterhaltene 1776 ganz von Stein erbaute Stadtpfarrhaus liegt frei und angenehm gegenüber der Kirche, die Ecke von der Kirch- und Schloßgasse bildend; seine Unterhaltung hat der Staat.

3. Das in neuerer Zeit etwas verschönerte 1769 erbaute Diakonathaus steht hinter der Kirche mit freundlicher Aussicht in den Schloßgarten. Die Unterhaltung hat ebenfalls der Staat.

4. An der Nordseite der Stadt erhebt sich das großartige Schloß der Grafen von Neipperg, ein sehr ausgedehnter aus verschiedenen Flügeln zusammengesetzter Gebäudekomplex. Von dem Kirchplatz aus gelangt man durch den sog. Neubau in den sehr geräumigen schön gehaltenen, z. Th. mit Arkaden umzogenen Schloßhof, um den sich gegen Osten und Norden, im rechten Winkel zusammenstoßend, die beiden höchst ansehnlichen Flügel des Schlosses erheben, während mehr gegen Nordwesten die schöne Schloßkapelle steht, und links im Westen ein 1849/50 erbautes steinernes Gebäude, die frühere Maierei, jetzt oben zu Gastzimmern eingerichtet, den Hof vollends einschließt. Die zuerst genannten gegen die Stadt hin stehenden Gebäude sind in edlem antikem Stil im Jahre 1866 von Baurath Barth in Heilbronn ganz aus Werkstein erbaut, mit Ausnahme des zweiten Stockwerks des Flügels links vom Durchgang, das aus Gußeisen besteht und den langgedehnten Wintergarten enthält. Das eigentliche Schloß stammt aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts; über seinem östlichen Eingang steht die Jahreszahl 1702, die Zeit der Erbauung der Haupttheile des Schlosses.

Die schönsten und ganz unverändert gebliebenen Fronten, in sehr tüchtigem Rococostil gehalten, schauen in den Schloßgarten, der sich im Osten und Norden weit umher ausbreitet. Besonders aber zieht die Blicke auf sich die 1871 eingeweihte, auch von Baurath Barth erbaute Schloßkapelle, an der Nordwestseite des Schlosses| gelegen, ein Rechteck mit zierlichem Chörchen bildend und auch ganz in edlem antikem Geschmacke mit Pilastern etc. errichtet. Ihre Schauseite (gegen den Hof) zeigt eine sehr schöne antike Thüre, zwei Nischen für Bildsäulen und über dem flachen antiken Giebel steigt auf sechs Freisäulen ein luftiges steinernes Glockenthürmchen in höchst gefälliger Rundtempelform empor. Das Innere trägt, nach Entwürfen von Oberbaurath v. Leins, auf einem von korinthischen Pilastern unterstützten sehr reichen antiken Gebälke ein prachtvoll stuckirtes und kassettirtes Tonnengewölbe und hat in der Apsis einen sehr schönen hölzernen Altar im Renaissancestil, von Sickinger in München gefertigt, und geschmückt mit einem großen ergreifenden Ölbilde, Madonna mit der h. Rosa, gemalt von Professor Steinle in Frankfurt. Die treffliche Schreinerarbeit in und an der Kapelle ist von Schreinermeister Arnold in Stuttgart. Neben rechts (östlich) erhielt sich noch die frühere kreuzgewölbte Schloßkapelle, aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammend; sie wird außen von schlichten dorischen Pilastern gegliedert. Das Innere des Schlosses, in welchem man beim Hereintreten den Wahlspruch liest:

Gott halte Wacht
Hab auff Unnß Acht.
     E. F. v. N.

enthält viele glänzend ausgestattete Gemächer; nennen wir nur den reichhaltigen Bibliotheksaal mit schön gemalter Decke, das Wohnzimmer des Grafen mit auserlesenen Geweihen, darunter sehr seltenen, das Gewehrzimmer, das Archiv u. s. w. Auch die verschiedenen Treppenhäuser und Gänge sind mit Hirsch- und Reh-Geweihen aufs reichste geziert. Ferner bewahrt das Schloß ausgezeichnete neuere Gemälde von Tischbein, Angelika Kaufmann, dann schöne Ahnenbilder, eine hübsche Familientafel aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts, eine Zeichnung des Sakramenthauses von Beisbarth, und andere sehr sehenswerthe Kunstgegenstände. Endlich ist eine besondere Zierde der große üppig bepflanzte Wintergarten, der vom Schloß in den sog. Neubau (Westflügel) hinüberführt.

Von vielen Fenstern des Schlosses hat man eine freundliche Aussicht in den großen sorgfältig gepflegten Schloßgarten. Derselbe zieht sich an der ganzen Ostseite der Stadt, die hier von der mit Halbrondeln versehenen Stadtmauer eingefaßt ist, in Terrassen empor und breitet sich oben beim Schlosse auch noch gegen Norden aus. In den tieferen Theilen wird er von Treppen, Wasserbecken mit Springbrunnen, Treibhäusern (Ananas) und fremdartigen Gewächsen belebt. Der obere mehr ebene Theil ist mit herrlichen in allen Farben schillernden Blumenbeeten besetzt, oder zu einem schattigen Park angelegt mit verschlungenen Wegen, seltenen Straucharten und prächtigen Gruppen von Laub- und Nadelholzbäumen, um die sich| der Epheu in überreicher Fülle geschlungen hat. Und versteckt im Schatten des Haines erhebt sich der hohe in neuromanischem Stil sehr hübsch 1847 erbaute Wasserthurm, der den Garten mit Wasser, das ihm durch ein Druckwerk in der Lein zukommt, versorgt. Von seiner Plattform aus genießt man einen schönen Blick an die Heilbronner Berge. Außerdem besteht noch an der Nordseite des Schloßgartens ein besonderes Gewächshaus mit Gärtnerwohnung. Im Schloßhof läuft ein dreiröhriger Brunnen.

5. Das gräflich Neipperg’sche Rentamt, ein ansehnliches, zweistockiges Gebäude, steht in der Kirchgasse und zunächst dabei das einstockige 1870 erbaute gräfliche Försterhaus. Die Wohnung des Gutspächters steht am Schloß und überdieß besitzt der Gutsherr noch ein außerhalb (östlich) der Stadt gelegenes Schafhaus.

Eigenthum der Gemeinde sind folgende Gebäude:

6. Das an der Hauptstraße frei stehende Rathhaus, ein einfaches dreistockiges Gebäude mit Thürmchen und Glocke auf dem First und auf drei Seiten des Hauses mit einer Uhrtafel; es wurde 1831 der Gutsherrschaft abgekauft.

7. Zwei Schulhäuser, das alte und das neue, ersteres mit der Jahreszahl 1576, steht zunächst der Kirche, wurde 1854 restaurirt und enthält ein Lehrzimmer und im oberen Stock die Wohnung des ersten Schulmeisters. Das sehr stattliche, zweistockige neue Schulhaus, früheres 1727 erbautes Amthaus, auch das untere Schloß genannt, steht unfern des abgegangenen oberen Thors und wurde 1837 von der Gemeinde angekauft; es enthält im ersten Stock die Wohnung des zweiten Schulmeisters und des Unterlehrers, im zweiten 3 schöne Lehrzimmer. An den Schulen, die zu den besten des Oberamtsbezirks gehören, unterrichten ein (in einem Privathause wohnender) Mittelschulmeister, zwei Volksschulmeister und ein Unterlehrer. Das neue Schulhaus wird indessen bald nicht mehr „das neue“ genannt werden, weil das alte, bei der Kirche stehende abgebrochen und dafür gegenwärtig ein neues in der Nähe des Schafhauses massiv aus Stein erbaut wird und seiner Vollendung nahe ist.

8. Die große, beim Rathhaus gelegene Kelter mit 6 Bäumen und einer Spindelpresse; es ist ein alter tüchtiger Holzbau und trägt die Jahreszahl 1659.

Überdieß besitzt noch die Gemeinde 2 Backhäuser, ein Waschhaus, ein Spritzenhaus, ein Armenhaus und ein Schafhaus; letzteres ein einstockiges massives Haus mit schöner gothischer Stabswerksthüre und der Jahreszahl 1609.

Von mehreren älteren Gebäuden ist hervorzuheben das in der Kirchgasse zwischen dem Rathhaus und dem Kirchplatz stehende große, im Renaissancestil erbaute Privathaus; an seinem einfach gehaltenen steinernen unteren Stock steht auf einer Steintafel: Anno. 1687. hat.| Johan. Hans. Michel. Kohl. Burger. und. Mexger. und. Maria. Katharina. sein. eheliche. Hausfrau. al. hier. haben. dises. haus. mit. samt. dem. funtament. durch. und. durch, new. erbauen. lassen. Das zweite, an der Ecke mit großem achteckigem Erker aufgeführte Stockwerk ist in prächtigem Holzbau gehalten, die Fenster werden von geschuppten Säulchen eingefaßt und die Fensterbänke von korinthischen Konsolen getragen. Am Erker sind die Konsolen in Fratzenköpfe mit herausgereckten Zungen umgebildet und an den Ecken des Erkers ist reiches Blumengeranke ausgeschnitzt. Auch der hohe Giebel ist schön gehalten. – Sodann das Gasthaus zur Krone, ein schmuckes zweistockiges Steinhaus mit hübschem von zwei jonischen Säulen besetztem Portal, und der Jahreszahl 1769.

Außer der schon oben angeführten Heilbronn–Bruchsaler Landstraße sind von der Stadt aus noch Vicinalstraßen nach Neipperg, Stethen und Massenbach angelegt, welche der Stadt den Verkehr mit der Umgegend vermitteln. Ein Bote fährt jede Woche dreimal nach Heilbronn.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 15 Pumpbrunnen und ganz in der Nähe der Stadt 3 Schöpfbrunnen mit fließenden Quellen, einer derselben liegt südwestlich von der Stadt und seine solide steinerne Fassung trägt die Jahreszahl 1564; 3 laufende Brunnen befinden sich im Schloß, im Schloßhof und in der Pächterwohnung, das Wasser zu denselben und der Bedarf für den Schloßgarten wird in den Quellen auf der sog. Jeztwiese gefaßt und in ein Bassin bei der ehemaligen Thorwiese geleitet; von hier aus wird es mittelst eines von der Lein in Bewegung gesetzten Druckwerks auf den Wasserthurm in dem Schloßgarten getrieben, von wo aus es die Brunnen etc. speist. Die Markung ist reich an Quellen, von denen der große Brunnen, der Eselsbergbrunnen und der Dinkelbrunnen die bedeutendsten sind. In der sog. Steinhalden befindet sich eine periodisch fließende Quelle (Hungerbrunnen). Über die Markung fließen die Lein, der Massenbach, der Rohnsbach und der Wewertbach. Die Lein tritt zuweilen über ihr Bett, jedoch ohne bedeutenden Schaden anzurichten. Von stehenden Gewässern sind vorhanden der Lochsee, den die Gutsherrschaft zum Zweck der Eisgewinnung anlegen ließ, und ein kleiner Weiher im Schloßgarten. Etwa 1/2 Stunde nordwestlich vom Ort bestand im Gewand „neuer See“ ein jetzt trocken gelegter und in Wiesen umgewandelter See. Über die Lein sind 4 steinerne und 2 hölzerne Brücken, wie auch drei Stege angelegt, über den Massenbach führt nur ein Steg. Die Unterhaltung sämtlicher Brücken und Stege hat die Gemeinde.

Die Einwohner, von denen gegenwärtig 5 Personen 80 und mehr Jahre zählen, sind im allgemeinen sparsam, ordnungsliebend und außerordentlich fleißig; was die ökonomischen Verhältnisse| betrifft, so besteht ein guter Mittelstand unter ihnen, indem die vermöglichere Klasse etwa 60 Morgen, die mittlere 30 Morgen und die minder bemittelte 1 Morgen Grundeigenthum besitzt. Das Besitzthum des Grafen von Neipperg beträgt auf der Markung 300 Morgen Äcker, Wiesen und 1800 Morgen Waldungen; die parcellirten Güter sind mit Ausnahme der Weinberge verpachtet und die Waldungen werden von dem gräflichen Revierförster bewirthschaftet. Auf angrenzenden Markungen haben mit Ausschluß der Gutsherrschaft die Ortsbürger 246 Morgen meist Weinberge. Außer den gewöhnlichen Kleingewerben, die mit wenig Ausnahmen nur den örtlichen Bedürfnissen dienen, nennen wir eine bedeutende Rothgerberei, eine Ziegelei mit Kalkbrennerei, 7 Schildwirthschaften, 2 Bierbrauereien mit Wirthschaften, 4 Kaufläden, 2 Zuckerbäckereien und außerhalb Etters 3 Mühlen, die obere Mühle mit 2 Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Hanfreibe und einer Gipsstampfe, die Schnellermühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang und die untere Mühle mit 2 Mahlgängen, einem Gerbgang und einer Hanfreibe. Im übrigen zählt die Stadt nach dem Stand von 1873 folgende mechanische Künstler und Handwerker:
Meist. Geh.       Meist. Geh.
Bäcker 6 Nagelschmiede 2 3
Barbiere 1 Nätherinnen 5
Buchbinder 2 Sattler 2
Drechsler 2 Schäfer 2 3
Färber 1 Schlosser 4
Flaschner 2 2 Schmiede 4 2
Glaser 3 Schneider 5 3
Hafner 2 2 Schreiner 6 3
Hutmacher 1 Schuster 6 3
Korbmacher 2 Tuchmacher 1 1
Küfer und Kübler 8 2 Uhrmacher 1
Landfuhrleute 1 Wagner 4 2
Maurer u. Steinhauer 5 7 Zimmerleute 4 4
Metzger 6

Die Leineweberei wird von 11 Meistern auf 16 Stühlen betrieben.

Die sehr ausgedehnte Markung, welche westlich an das Großherzogthum Baden und östlich an die badische Enklave Schluchtern grenzt, hat mit Ausnahme des Heuchelbergs eine wellig hügelige, von mäßig eingefurchten Thälchen und Rinnen vielfältig durchzogene Lage und im allgemeinen einen mittelfruchtbaren leichten Lehmboden, bei dem sich gegen den Heuchelberg hin die aus unterem Keupermergel bestehende Unterlage mehr und mehr geltend macht und in einen etwas schweren Thonboden übergeht. Auch an den| bedeutenderen Thalgehängen und besonders an dem Abhange des Heuchelbergs erscheinen der untere Keupermergel oder die Zersetzungen desselben; auf der Hochebene des Heuchelbergs aber treten die leichtsandigen Zersetzungen des Keuperwerksteins (Schlaisboden) auf.

Einige, theils dem Grafen v. Neipperg, theils Privaten gehörige Keuperwerksteinbrüche bestehen auf dem Heuchelberg, auch sind Lehmgruben und Töpferthongruben vorhanden; letztere liefern jedoch ein geringes Material.

Das Klima ist mild und gestattet den Anbau aller in Württemberg üblichen Kulturgewächse; schädliche Frühlingsfröste kommen zuweilen vor, dagegen ist die Gegend wegen der umliegenden Berge und Hügel gegen starke Winde geschützt und Hagelschlag selten, indem der nahe gelegene Heuchelberg eine Wetterscheide bildet.

Die Landwirthschaft wird gut und fleißig betrieben, verbesserte Ackergeräthe, wie der allgemein gewordene Brabanterpflug, die eiserne Egge, die Walze etc. haben Eingang gefunden, außer diesen wird noch von dem gräflichen Gutspächter die Dreschmaschine angewendet. Zur Besserung des Bodens bedient man sich, außer den in gut angelegten Düngerstätten gesammelten Düngungsmitteln und des Pferchs, nur des Gipses. Zum Anbau kommen die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorzugsweise Dinkel, Haber und Gerste, ferner Kartoffeln, viel Futterkräuter (Luzerne, dreiblättriger Klee und neuerer Zeit auch Pferdezahn-Mais), Angersen, Flachs, Hanf und besonders viel Mohn, von dem etwa 300 Scheffel beinahe ausschließlich nach Heilbronn abgesetzt werden. Von den Getreidefrüchten können alljährlich etwa 2000 Scheffel Dinkel, 800 Scheffel Gerste und 1000 Scheffel Haber verkauft werden. Mit dem Ankauf befassen sich meist israelitische Händler, welche nach Heilbronn liefern. Der Wiesenbau ist nicht zureichend und das Erzeugniß mittelmäßig, so daß noch Futter von außen zugekauft werden muß; die Wiesen sind zweimähdig und 90 M. Wässerwiesen dreimähdig. Der ausgedehnt getriebene Weinbau liefert einen guten Wein, der im allgemeinen besser ist als in den nächsten Nachbarorten und dessen Preise sich in den letzten 10 Jahren von 22 fl. (1860) bis 80 fl. (1865) pr. Eimer bewegten. Der höchste Ertrag eines Morgens wird zu 8 Eimern angegeben. Man pflanzt 2500 Stöcke auf einen Morgen und zwar Drollinger, Elblinge, Silvaner, weiße Rißlinge, Gutedel, in neuerer Zeit auch Burgunder und Lemberger. Der Absatz des Weins findet hauptsächlich in die benachbarten badischen Orte statt. Von weniger Bedeutung ist die Obstzucht, die bis jetzt keinen Verkauf an Obst nach außen zuließ, man pflanzt vorherrschend Mostsorten (Luiken, Citer- und Champagnerbirnen), auch feineres Tafelobst, besonders verschiedene Reinetten, und ziemlich viel Zwetschgen. Eine Gemeinde- und einige kleine| Privatbaumschulen sind vorhanden; eine sehr ausgedehnte gehört der Gutsherrschaft. Zur Pflege der Baumzucht sind Baumwarte aufgestellt. Die Jungstämme werden aus den örtlichen Baumschulen bezogen. Der Gartenbau beschränkt sich, mit Ausnahme des 71/2 Morgen großen, prächtig angelegten Schloßgartens, hauptsächlich nur auf den Anbau von Gemüsen für den eigenen Bedarf.

An Waldungen besitzt die Gemeinde nur 16 Morgen, deren Ertrag zur Heizung der Rath- und Schulhauslokale verwendet wird.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden und nur die Brach- und Stoppelweide wird mit Schafen befahren, das Weidrecht hat zur einen Hälfte die Gemeinde, zur anderen die Gutsherrschaft. Die Gemeinde verpachtet ihren Antheil an einen fremden Schäfer, der im Sommer 100, im Winter 5–600 Stück Bastardschafe laufen läßt, um 620 fl. und überdieß trägt ihr die Pferchnutzung 550 fl. jährlich ein. Auf der anderen Hälfte läßt der Pächter des Schloßgutes das ganze Jahr hindurch 3–400 St. Bastarde laufen. Die Wolle und die abgestoßenen Schafe kommen nach Heilbronn zum Verkauf.

Die Gemeinde besitzt einige Güterstücke, welche sie an Ortsbürger einzeln verpachtet, was der Gemeindekasse jährlich 250 fl. eintragt, auch hat sie schon in ganz günstigen Jahrgängen aus dem Ertrag der an den Straßenrainen gepflegten Obstbäume 300 fl. erlöst.

Die Pferdezucht ist ganz unbedeutend, dagegen die Pferdehaltung im Verhältniß zu anderen Orten ziemlich beträchtlich und beläuft sich auf etwa 100 Stücke. Der Rindviehzucht dürfte etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, man trifft in manchen andern Orten einen schöneren Schlag. Vorherrschend ist der Neckarschlag mit theilweiser Simmenthaler Kreuzung; 6 Farren, theils Neckarschlag, theils reine Simmenthaler, sind aufgestellt; sie werden von dem Pächter des gräflichen Guts gehalten und sowohl für den Viehstand der Gemeinde wie für den des Pächters benützt. Letzterer hat einen sehr schönen Viehstand (gegenwärtig 50 Stücke) aufgestellt und zieht überdieß junge Farren zum Verkauf nach. Den mäßigen Handel mit Vieh, auch theilweise mit gemästetem, vermitteln beinahe ausschließlich die Israeliten. Von einiger Bedeutung ist die Gänsezucht, die einen jährlichen Verkauf von einigen 100 Stücken zuläßt.

Das Fischrecht hat die Gutsherrschaft, welche es aber wegen Mangels an Fischen nicht ausübt.

Die früher auf der Markung Schwaigern lastenden Grundzinse, Gülten, Zehenten sind vollständig abgelöst und mit dem Jahr 1873 abbezahlt worden.

Der Ort hat das Recht in den Monaten Februar und September je einen Vieh- und Krämermarkt abzuhalten.

Das Grundstockskapital der Stiftungspflege beträgt 41.291 fl., hierunter sind 4998 fl. besondere Stiftungen begriffen, die Zinse| sollen verwendet werden für Armen- und Schulzwecke, Anschaffung von Büchern, Beiträge zur Besoldung des Stadtpfarrers etc.; für letzteren die Zinse von 2000 fl., welche die Gutsherrschaft stiftete. Der im Jahr 1872 verstorbene Rothgerber Fritz stiftete testamentarisch der Gemeinde die ansehnliche Summe von 100.000 fl., deren Zinse zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden.

Von Spuren aus der Vorzeit haben wir zu nennen: die den Rücken des Heuchelbergs entlang führende Römerstraße; eine alte Heerstraße, die ohne Zweifel ebenfalls römischen Ursprungs ist, führt von Schwaigern, häufig noch deutlich erkennbar, schnurgerade durch den Wald Hagenbuch in der Richtung gegen Eppingen; sie wird zunächst der Stadt auch die Kappelhohle genannt. Bei Schwaigern selbst scheint westlich der Stadt in dem Gewand „Kohlwinkel und bei der Kapelle“ ein römischer Wohnplatz gestanden zu haben; man stößt daselbst auf Gebäudeschutt, Bruchstücke von Ziegeln, Backsteinen etc. und nach der Sage soll hier früher die Stadt gestanden sein. Ein über diese Stelle laufender Weg heißt das „Haugengäßle“, auch die Benennungen „Markt und Fallthor“ kommen hier vor. Mehrere daselbst liegende Grundstücke gaben früher Rauchhaber und Rauchhennen, was auf hier gestandene Gebäude untrüglich hinweist. Da nun die sommerliche, zwischen zwei Thälchen sanft geneigte Lage des Platzes und die dahin ziehende alte Heerstraße für eine ursprünglich römische Anlage spricht, so wird die Vermuthung keine gewagte sein, daß nach Vertreibung der Römer sich die Allemannen, wie es häufig der Fall war, in dem verlassenen Römerort niederließen und sich erst später in das gegenwärtige Schwaigern zurückgezogen haben. Etwa 1/4 Stunde nordöstlich von Schwaigern wird ein hochgelegener Punkt, von dem man eine schöne Aussicht in das Neckar- und Leinthal genießt, die „alte Wart“ genannt, hier stand ohne Zweifel ein Wachposten (Wachhaus), was auch die Sage, daß auf der Wart etwas gestanden sei, bestätigt. Zunächst dieses Punktes fand man auf dem sog. Soldatenkirchhof alte Gräber, vermuthlich Reihengräber. Die Flurbenennungen „Weiler, Weilerrain“ südlich von der Stadt, „Dillingen“ 1/4 Stunde südwestlich von der Stadt und „Hochstätten“ 1/2 Stunde östlich von Schwaigern deuten auf abgegangene Orte hin. Etwa 1/2 Stunde nordwestlich von der Stadt, in der Nähe des sog. neuen Sees, wird eine Stelle „Einsiedel“ genannt; hier soll ein Einsiedler gewohnt haben, ohne Zweifel stand hier ein Waldbruderhaus.

Die ältesten in Originalurkunden vorkommenden Schreibweisen des Namens, der Stadt sind: Suueigera (976), Sueijgerin (988), Suegeren (1161), Suaigrem (1188), Swegern (1299), Swaigeren (1302), Sweigern (1331) u. s. w.; derselbe ist abzuleiten von dem althochdeutschen Sueig, Sweiga, was Viehhof bedeutet.

Schwaigern tritt in der Geschichte zuerst auf durch zahlreiche| Schenkungen, welche das Kloster Lorsch „in pago Gardachgowe in villa Sueigheim“, „Suegerheim“, „in Sueigerheimer marca“ während der Jahre 765–844 erhielt. Diese Schenkungen bestanden in Weinbergen, Baumgütern, Höfen, Waldungen, Wassern, Äckern, Mühlen, Wiesen, Gebäuden und Leibeigenen. Die Stifter waren Disa, Dudo, Libwart und Rather, Wolfbert zu seines Bruders Hasbert Seelenheil, Teutrich und Meginhard, Berenuing, Herewin, Theodric, Berenger zu seines Vaters Theodric Seelenheil, Hartung und seine Frau Huda, Snefolg und seine Brüder Erkenfrit und Rantbert, Brunicho, Anamut und Tiura, Otto, Huoda nebst der Tochter Rosanna, Aribald und Ansnoth, Wichart, Alfrit, Bern und seine Gattin Tiotbirc, Rubo und Adelbert (Cod. Lauresh. nr. 2754–2771, 3492–3499, 3655). Noch im J. 1255 schenkte Wilhelm von Wimpfen diesem Kloster Güter allhier, welche ihm dasselbe verpfändet hatte (Dahl Gesch. des Fürstenth. Lorsch. Urkb. S. 123). Außerdem kommt die Stadt in ältester Zeit in folgenden Beziehungen vor: dem Bisthum Worms schenkte K. Otto II. den 15. Nov. 976 mit der Abtei Mosbach auch hiesige Güter; der Waldbezirk, über welchen K. Otto III. dem Bischof Hildebold von Worms den 1. Jan. 988 den Königsbann verlieh, erstreckte sich bis hierher; im J. 1161 bestätigte K. Friedrich I. dem Kl. Odenheim hiesige Güter, und endlich hatte die hohenstaufische Familie hier ums J. 1188 Allodialbesitz (Wirt. Urkb. 1, 221. 228. – 2, 135. Vergl. oben VII, 1).

Nach dem Orte schrieb sich eine adelige Familie: gegen 1120 erscheinen Swigger von Sweigern und sein Bruder Birtilo als Zeugen bei einer Schenkung Wilhelms von Hessigheim an das Kloster Hirsau, ums J. 1160 Adelhelm von S., Schwiegersohn Nendands von Böckingen, im Streit wegen Güter dieses Klosters zu Böckingen, Warmund, Friedrich, Otto und Wilhelm von S. als Zeugen bei einem deßhalb geschlossenen Vergleich (Cod. Hirs. 40a, 50a.). – Dagegen dürften „Nibelung von Sweicheim“ ums J. 1100 (Cod. Hirs. 30b) und der von Klunzinger (4, 60) 1127–1158 aufgeführte Nibelung von Schwaigern, Domkustos zu Worms, vielleicht mit Schwaikheim-Sontheim (O.A. Heilbronn; vergl. O.A.-Beschr. S. 331), Gotfried von Schwaigern, Zeuge in einer bischöflich würzburgischen Urkunde von 1219, und Heinrich und Konrad von S., Zeugen in einer Urkunde Engelhards von Berlichingen von 1220 (Wirt. Urkb. 3, 90. 117), mit Schwaigern, einem Filial von Boxberg, in Verbindung zu bringen sein. – Genannt werden ferner: Burkard von S., Mönch im Kl. Odenheim 1249, Sebastian und Martin von S., württ Lehensleute 1500, Schwaigrer als ein zu Heilbronn wohnendes adeliches Geschlecht (Klunzinger a. a. O.).

Zu den am frühesten hier begüterten Familien gehören die| Neipperg: den 8. Jun. 1302 verkaufte Waramund von N. 24 Malter Roggen und Gülten allhier dem Kloster Maulbronn um 60 Pfd. Hllr. (St.-A.), den 2. Apr. 1331 Reinbot von N. mit seinem Antheil an der Burg N. auch seine Rechte zu seinem Gut zu Schwaigern an Leuten in Dorf in Wald oder an Feld um 110 Pfd. Hllr. dem Grafen Ulrich von Württemberg (Sattler Gr. 1. Forts. 123). Das letztere Haus hatte schon im 14. Jahrhundert die hiesige Vogtei, welche es nach dem Lehenlagerbuch von 1344–91 an verschiedene Personen verlieh, so den 14. Juli 1344 an Reinhard von Neipperg („die Vogtei, die des von Hirschhorn war“), ferner an Heinrich von Laufen („einen Theil an der Vogtei“), an Kuntz vom Stain von Neipperg („das Viertel der Vogtei zu Schwaigern dem Dorf in dem Graben“). Den 9. Jan. 1366 gab Heinrich Göler von Neipperg an seine Schwestersöhne, drei Gebrüder von Sachsenheim, alle seine hiesigen Güter, darunter „die Lehnung und die Kastvogtei zu der Kirche und dem Kirchensatz mit allen Rechten und Zugehörden“, und im J. 1370 empfingen diese drei von Württemberg zu Lehen „das Viertel bei der Kirche, das des alten Gölers von Neipperg war“. Den 22. Okt. 1377 erhielt nun aber Eberhard von Neipperg als württembergisches Lehen nicht nur die seinem Vater Reinhard zugestandene Vogtei, sondern auch die Güter, welche Konrad von Neipperg, genannt vom Stain, hieselbst inne hatte, ausgenommen den nicht zum Lehen gehörigen Zehenten, und seit dem 30. Juli 1420 wird Schwaigern das Dorf ohne den Zehenten als württembergisches Mannlehen der Familie Neipperg bis in die neuesten Zeiten aufgeführt.

Die hohe Obrigkeit und niedere Vogteilichkeit, das jus episcopale u. s. w. allhier stund somit in der Folge der Familie Neipperg als solches Mannlehen zu, und die Stadt steuerte zum Ritterkanton Kraichgau. Den Blutbann erhielten Eberhard und Reinhard von N. im J. 1444 von K. Sigmund als Reichslehen. In Folge des Tagsbefehls Napoleons I. vom 19. Dec. 1805 nahm Württemberg in diesem Monat als Landesherr Besitz von der Stadt, und durch die Rheinbundsakte vom 12. Juli 1806 wurde die Einverleibung ins Königreich vollendet.

Wann Schwaigern Stadtgerechtigkeit erhielt, ist nicht nachweisbar.

Als Einzelnheiten aus seiner Geschichte sind folgende hervorzuheben. Den 12. Febr. 1436 gab K. Friedrich III. dem Flecken S. auf Bitten Wilhelms von N. die Erlaubniß, jährlich zweimal einen Markt, auch alle Dienstage einen Wochenmarkt halten zu dürfen. – Während des 30jährigen Krieges brach am 25. April (5. Mai) 1622, der Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach mit ungefähr 15–20.000 Mann, 20 Geschützen und 1800 Rüstzeug- und Gepäckwagen von Schwaigern auf, um Tilly nachzufolgen, verlor aber schon am 26. d. M. die Schlacht bei Ober-Eisisheim| (Wimpfen); den 28. Apr. (8. Mai) 1635 kam es hier zu einem Gefechte zwischen einigen schwedischen und kaiserlichen Regimentern (v. Martens 291. 384). – Im J. 1713 wurde allhier Anna Maria, Eheweib des Schlossers H., als Hexe verbrannt (Klunzinger 4, 63 ff). – Am 22. Oktober 1811 brach in einer angefüllten Scheuer ein Brand aus, welcher 90 Wohnungen, Scheuern und Nebengebäude verzehrte, und im J. 1849 wurden durch 2 Brände, einen größeren vom 22./23. Jan. und einen kleineren vom 5./6. Febr., abermals 18 Haupt- und 27 Nebengebäude, darunter das neippergische Ökonomiegebäude, vom Feuer theils zerstört, theils beschädigt. Am 25. Okt. 1858 wurden durch einen im Hause des Wagners Reinwald entstandenen Brand 4 Haupt- und 19 Nebengebäude zerstört und 4 Haupt- und 3 Nebengebäude stark beschädigt, so daß der Gebäudeschaden sich auf 11.152 fl. belief.

Außer den früher erwähnten geistlichen und weltlichen Besitzern dahier können noch folgende genannt werden: das Predigerkloster zu Wimpfen, welches den 12. Febr. 1299 wegen hiesiger Äcker mit der Wittwe Reinbot Jägers von Neipperg verglichen wird (vrgl. ob. S. 230 und 341) und noch im J. 1349 hier gültberechtigt erscheint; das Stift Wimpfen, welches dahier schon nach seinem Urbar von 1295 mit verschiedenen Gütern (wornach oben S. 139 Z. 1 und 2 v. o. zu ergänzen) und im J. 1390 mit Weingärten vorkommt; Wernher von Hohenstein, Eberhards von Kirchhausen Sohn, welcher den 3. Apr. 1377 seinen hiesigen Hof an seinen Bruder Eberhard, Domkapitular zu Augsburg, versetzt; das Kloster Hirsau, welches den 19. Juli 1438 hiesige Gülten an die Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg verkauft; Hans von Wittstadt, im J. 1452 Inhaber von hiesigem Zehenten, und die Deutsch-Ordens-Kommende Heilbronn im J. 1621 desgleichen von Geld-, Geflügel- und Weinzinsen (St.-A.). – Endlich besaß noch die Familie von Gemmingen-Hornberg Zehenten und Gülten auf hiesiger Markung, bis sie Graf Alfred von Neipperg den 16. Mai 1840 von dem badischen Oberst Sigmund von Gemmingen um 13.595 fl. erkaufte.

Bedeutende hier geborene Männer sind die zwei Söhne des hiesigen Stabsamtmanns Friedr. Christoph v. Berg: Günther Heinrich, geb. den 27. Nov. 1765, einige Zeit Staatsrechtslehrer in Göttingen, 1810 in fürstlich schaumburg-lippeschem Dienst, in welcher Eigenschaft er als Regierungspräsident thätigen Antheil am Wiener Congreß nahm und viel zur Abfassung der Bundesakte beitrug, hierauf bis 1821 Gesandter am Bundestage für die 15. Stimme (Oldenburg, Anhalt und Schwarzburg), † den 9. Sept. 1843 zu Oldenburg als Geheimerrath, Kabinetsminister und Ordenskanzler; er war auch Schriftsteller im Gebiete des deutschen Staatsrechts.| Eberhard Friedrich, geb. den 6. März 1776, im J. 1824 Direktor des Main- und Tauberkreises, im J. 1832 Direktor der Kirchenministerialsektion zu Karlsruhe, im J. 1835 badischer Geheimerrath, † den 20. Apr. 1843.

Was die kirchlichen Verhältnisse betrifft, so war Schwaigern vor der Reformation der Sitz eines zum Archidiakonat Wimpfen des Bisthums Worms gehörenden Landkapitels (s. o. VII, 2). Nach Würdtwein (Nov. subs. dipl. 3, 311) waren in der dem Täufer Johannes gewidmeten Parochialkirche, zu deren Pfarrei die Familie Neipperg das Patronatrecht hatte, eine besondere Kapelle zur h. Dreifaltigkeit und verschiedene Altäre der Jungfrau Maria, der h. h. Martin, Georg, Katharina, Barbara, des h. Kreuzes. Außerdem bestand eine weitere kleine Kapelle, worin ein Altar der h. h. Bartholomäus und Sebastian; eine andere, den h. h. Sabina (nach andern Severus), Moriz und Vitus geweihte und mit einem Altar des h. Michael verbundene Kapelle stand im Felde. Die meisten dieser Pfründen hatten besondere Geistliche mit eigenen Häusern, woran wohl die noch heutzutage diesen Namen führende Pfaffengasse erinnert.

In Folge der Reformation (vrgl. ob. S. 346) wurde hier eine Oberpfarrei errichtet, welcher die übrigen neippergischen Pfarreien zu Neipperg, Klingenberg, Massenbach und Adelshofen untergeordnet wurden; Bernhard Wurzelmann, gewesener Kanoniker des Stifts Wimpfen war hier evangelischer Pfarrer, wurde aber im J. 1533 auf Empfehlung des Johannes Brenz zu Hall als Stadtpfarrer in Dinkelsbühl angestellt (Lang Beschr. des Rezatkreises 2, 11). Im J. 1536 zogen die Neipperg die geistlichen Güter ein; allein durch einen den 9. Aug. 1727 vor der zu Wien angestellten Hofkommission getroffenen Vergleich mit seinen Schwestern brachte Wilhelm Reinhard von N. sämtliche seit dem J. 1692 noch übrige vormals geistliche, seit der Reformation aber säkularisirte geistliche Güter, Pfründen, Stiftungen und Gefälle zu Schwaigern, wie sie Namen haben mochten, an sich, trug diese Erwerbungen nebst dem Kollaturrecht dem Herzog Karl Alexander von Württemberg als ein Kunkellehen für sich und seine ehelichen Nachkommen beiderlei Geschlechts, beziehungsweise wenn diese gänzlich abgegangen sein sollten, seine Kognaten und deren gesamte ehelichen Söhne und Töchter auf, und wurde in dieser Weise den 13. Okt. 1736 vom Herzog wirklich belehnt: ein noch heutzutage bestehendes Kunkellehen. – Der Ortsheilige ist übrigens noch vorhanden (vrgl. Klunzinger 4, 72).

Den 2. Mai 1867 übernahm das Staatskammergut um die Summe von 1260 fl. 41 kr., welche die Familie Neipperg zu zahlen hatte, die prinzipale Verbindlichkeit, das Stadtpfarrgebäude in Schwaigern nebst der dazu gehörigen Scheuer mit geschlossenem Hofraum,| sowie die Umzäunungen der Gärten im Bau zu unterhalten und im Fall des Bedürfnisses neu zu erbauen, mit Ausnahme der sogenannten kleinen Reparaturen, die dem Nutznießer obliegen; in derselben Weise den 15. Februar 1867 diese Verbindlichkeit hinsichtlich des Helferatgebäudes.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Marienhof, ein dem Grafen v. Neipperg gehöriges Schlößchen mit 3 Ökonomiegebäuden; es liegt 1/2 Stunde nordöstlich von Schwaigern freundlich und sommerlich aus einer mäßigen Anhöhe über dem Massenbachthälchen. Das zu dem Hof gehörige, 106 Morgen große arrondirte Gut, von dem 47 M. auf der badischen Markung Schluchtern liegen, ist verpachtet und wird von dem Pächter im Dreifeldersystem gut bewirthschaftet.

Der Marienhof wurde allmählig durch den neippergischen Forstverwalter und Rentamtmann, Hofrath Karl Friedrich von Bühler zusammengekauft und Bühlerhof genannt. Den 14. Sept. 1846 kaufte ihn Graf Alfred von Neipperg von dem Sohn und Amtsnachfolger des Gründers, dem Forst- und Domänenrath Albert Emil von Bühler und nannte ihn seiner Gemahlin zu Ehren Marienhof.

c. Obermühle, liegt 1/4 Stunde westlich von der Stadt an der Lein (s. ob.).

d. Untermühle, auch Freudenmühle genannt, ebenfalls an der Lein 1/4 Stunde unterhalb der Stadt gelegen (s. ob.).


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