Beschreibung des Oberamts Calw/Kapitel A 2

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II. Natürliche Beschaffenheit.


1. Bildung der Oberfläche im Allgemeinen.

Der Bezirk, welcher einen Theil des gegen Osten sich allmählig verflachenden Schwarzwaldes und des sich an den östlichen Schwarzwaldsaum anlehnenden Hügellandes bildet, zerfällt nach seiner natürlichen Beschaffenheit in 2, durch die hier anstehenden Gebirgsformationen bedingte Hauptpartien, und zwar: in die des bunten Sandsteins und in die des Muschelkalks. Beide Partien unterscheiden sich strenge von einander und bilden 2 entschiedene Charakterzüge in der Physiognomie des im Allgemeinen wenig Abwechslung bietenden Bezirks.

Die Partie des bunten Sandsteins nimmt etwa 3/4 des Bezirks ein und bildet eine flachwellige, allmälig gegen Osten einfallende | Hochebene, in welche tiefe, enge Thäler eingefurcht sind. Im äußersten Westen des Bezirks ist die Hochebene durch die Thäler der großen und kleinen Enz und deren Seitenthäler vielfältiger unterbrochen und weniger ausgedehnt, während sie sich zwischen dem kleinen Enzthale und dem Nagoldthale, öfters in einer Breite von 3 Stunden ausdehnt und hauptsächlich nur von dem Teinachthale und dessen Seitenthälern unterbrochen wird. Die Hochebene selbst besteht aus langgedehnten Flachrücken, zwischen denen langgestreckte Mulden hinziehen, die sich allmälig zu kleinen Thälern ausbilden und endlich in tief eingeschnittene Waldschluchten oder enge Thäler übergehen. In dem westlichsten Theile des Bezirks kommen diese langhinziehenden Mulden weniger vor, indem sie hier kurz und wohlgerundet erscheinen und sich bald als tiefe Schluchten und Thäler ausbilden. Die Thäler in der bunten Sandsteinpartie sind enge, haben steile, meist sehr hohe, durchgängig bewaldete Thalgehänge, die von Seitenthälern und Schluchten vielfältig unterbrochen sind; die schmalen, von frischen, muntern Gewässern durchzogenen Thalsohlen und die untersten Partieen der sonst bewaldeten Thalwände sind durchgängig als Wiesen kultivirt, deren saftiges lichtes Grün mit den angrenzenden dunklen Nadelwaldungen angenehm contrastirt. Von den Hauptthälern des Bezirks sind das kleine und große Enzthal wie das Nagoldthal als Längenthäler zu betrachten, während das Teinachthal zu den Querthälern des Schwarzwaldes gehört. Die Erhebung des bunten Sandsteins über die Meeresfläche bewegt sich auf der Hochfläche beiläufig von 2000–2900 württembergische Fuß.

1

Die Partie der Muschelkalkformation, welche sich im Osten des Bezirks an den Saum des eigentlichen Schwarzwaldes anlehnt, ist nicht nur in den Terrainformen, sondern auch in der Kultur von der des bunten Sandsteins sehr wesentlich verschieden, indem erstere mehr für die Landwirthschaft, der bunte Sandstein aber größtentheils für den Waldbau benützt wird; auch beginnen in jenen die auf der bunten Sandsteinformation beinahe allgemeinen Nadelhölzer sich zurückzuziehen und den Laubhölzern Platz zu machen. Wenn man von den rothsandigen Höhen auf der Seite des Nagoldthales gegen Osten geht, so ändert sich bald die Farbe des Bodens und das frische Roth geht allmälig in ein schmutziges Gelb über; hier befindet man sich auf der Formationsgrenze zwischen dem bunten Sandstein und dem Muschelkalk und zugleich an der Grenze des eigentlichen Schwarzwaldes. Die Terrainformen ändern sich ganz auffallend und statt der langgestreckten Flachrücken, welche dem | bunten Sandstein eigen sind, erscheinen hier regellos zerstreute, häufig stark markirte, aus der Hochebene sich erhebende Hügel, zwischen denen öfters vielfältig gekrümmte Trockenthäler hinziehen, die erst in ihren tieferen Partieen von Gewässern durchfloßen werden. Die für den Feldbau benützte Fläche dieser Partie ist häufig mit losgewordenen Muschelkalkbruchstücken überdeckt, welche der Landmann, um sich den Bau seiner Felder zu erleichtern, schon seit Jahrhunderten zusammengetragen und in langen Steinwällen (Steinriegeln) aufgeschichtet hat, was dieser Gegend eine Eigenthümlichkeit aufdrückt, die sie von dem übrigen Theil des Bezirks ebenfalls wesentlich verschieden macht. Die Thäler der Muschelkalkpartie sind nicht besonders tief eingeschnitten und mit mäßig steilen Thalgehängen versehen, die häufig unterbrochen und unregelmäßig, nicht in gleichen Neigungen, sich gegen die wenig breiten Thalsohlen hinziehen. Die Thalebenen sind hier, nur so weit sie von Gewässern durchzogen werden, für den Wiesenbau benützt, während in den Trockenthälern häufig Ackerbau getrieben wird. Die Erhebung des Muschelkalksplateau über die Meeresfläche mag sich im Allgemeinen zwischen 1700 und 2000 württ. Fuß bewegen, demnach etwa 900′ niedriger als die bunten Sandsteinhöhen im westlichen Theil des Bezirks, was von der gewaltsamen Hebung des Schwarzwaldes herrührt, bei welcher der vormals tiefer liegende bunte Sandstein aufgebläht und über die Muschelkalkformation erhoben wurde (s. über die Bildung des Schwarzwaldes im Allgemeinen die Oberamtsbeschreibungen von Freudenstadt und Neuenbürg).

Einzelne freistehende Berge, die sich auf der Hochebene merklich erheben, kommen nur in dem westlichen Theil des Bezirks vor und zwar: der Doma südwestlich von Stammheim, der Galgenberg nördlich von Stammheim, der Muckberg, der Brand, der Jägerberg, der Tafelberg, der Hemberg und der Steinlesberg bei Alt-Hengstett, der Hundsrücken bei Simmozheim etc.

a. Erhebungen und Höhenbestimmungen.
Der höchste trigonometrisch gemessene Punkt des Bezirks ist Oberweiler, welcher 2725,1 württ. Fuß über dem Meere liegt, aber von den Höhen bei Aichelberg, Meistern etc. um etwa 150′ noch überragt wird. Der tiefste gemessene Punkt ist Liebenzell mit 1113,5 württ. Fuß Erhebung über die Meeresfläche, der tiefste Punkt des Bezirks aber befindet sich am Ausfluß der Nagold über die Landesgrenze 1/2 Stunde unterhalb Unter-Reichenbach; die Höhe über dem Meere daselbst mag ungefähr 80′ weniger betragen, als bei Liebenzell. | Der höchste Punkt des Bezirks wäre daher 2900′, der tiefste 1033 württ. Fuß über dem Meere; die allgemeinste Erhebung bewegt sich von 2000′–2300′.

Außer vorgenannten Höhenbestimmungen sind noch zu erwähnen:

1) trigonometrische:[1]
Württ. F. Par. F.
über dem Meere.
Altburg, Erdfläche am Kirchthurm
2103,0 1854,7
Calw, Erdfläche an der Kirche
1219,5 1075,5
Clw, Niveau der Nagold unter der Brücke
1165,0 1027,5
Domaberg, Sign. bei Stammheim
2019,0 1780,6
Hirschau, Erdfl. am Gasthaus zum Lamm
1156,6 1020,0
Hirchau, Niveau der Nagold unter der Brücke
1145,0 1010,0
Höhe, Sign. bei Bulach
2112,5 1863,1
Hörnle, Hauptsign. bei Simmozheim
2051,0 1808,8
Holzbronn, Erdfl. am Kirchthurm
1842,0 1624,5
Hornberger Höhe, Sign.
2468,6 2177,2
Kentheim, Erdfl. an der Kirche
1186,0 1045,9
Liebelsberg, Erdfl. an der Kapelle
2168,0 1912,0
Martinsmoos, Erdfl. an der Ziegelhütte
2312,5 2039,5
Muckberg, Sign. bei Alt-Hengstett
2058,0 1815,0
Neu-Bulach, Erdfl. am Kirchthurm
2048,7 1806,8
Oberweiler, Erdfl. am Wirthshaus
2725,1 2403,2
Petershöhe, Sign. bei Zwerenberg
2456,0 2166,6
Schmieh, Erdfl. am Kirchthurm
2229,0 1965,8
Teinach, Erdfl. am Eingang in die Kirche
1360,0 1199,0
Zavelstein, Erdfl. am Thurm der Ruine
1955,0 1724,2
2) barometrische:[2]
Par. F.
über dem
Meere.
Teinach, Niveau der Teinach am Badhaus (bunter Sandstein) 1223
Neu-Bulach, in der mittleren Höhe des Orts (bunt. Sandst.) 1844
Wilhelmsstollen bei Neu-Bulach am Eingang desselben (Gang im bunten Sandstein, Kupferlasur, Fahlerz und Schwerspath führend) 1536
Lerchenberg bei Deckenpfronn, höchster Punkt der Landstraße zwischen Calw und Herrenberg (Muschelkalk) 1837
Deckenpfronn, Erdfläche am Kirchthurm (Muschelkalk) 1805
Altburg, auf einer Anhöhe hinter dem Ort am Weg nach Calmbach (bunter Sandstein) 1969
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b. Abdachung und Wasserscheiden.

Neben der allgemeinen, aus dem Lauf der Hauptgewässer hervorgehenden Abdachung gegen Norden zeigt der Bezirk in Folge der Erhebung des Schwarzwaldgebirges ein Einfallen gegen Osten, daher auch die bedeutendsten Erhebungen in den südwestlichen Theil des Oberamts fallen.

Da, wie schon erwähnt, der ganze Oberamtsbezirk in das Stromgebiet des Rheins und im engern Sinne in das Flußgebiet der Enz gehört, so kann weder von der europäischen, noch von einer secundären Wasserscheide die Rede sein, dagegen berühren 2 tertiäre Wasserscheiden, die eine zwischen Enz und Nagold, die andere zwischen Nagold und Würm den Bezirk und haben in viel bewegten Kurven folgende Richtungen:

Die Wasserscheide zwischen Enz und Nagold zieht im Hardt südwestlich von Oberweiler in den Bezirk ein, durch den Ort Oberweiler, nach dem Wald Kernemiß, von da über Hofstett durch die Waldungen Langeck, Stockmiß, Brand, Äußere Nuß, alter Hau (1/8 Stunde südlich von Würzbach), lange Forchen, Bruckmiß und Schwarzmiß auf die nördliche Oberamtsgrenze und verläßt 1/8 Stunde westlich von Siehdichfür den Bezirk, um in dem Oberamtsbezirk Neuenbürg fortzusetzen.

Die Wasserscheide zwischen der Nagold und der Würm zieht in dem oberen Wald südwestlich von Deckenpfronn in den Bezirk und von da über den Egelsee, Ettenberg nahe (westlich) an Deckenpfronn vorüber auf den Lerchenberg, weiter durch die Waldungen Gerbersack und Nille auf die hohe Nille (östlich von Stammheim), von da über den Omisberg, Jägerberg, Steinlesberg, Forst, auf den Hemberg nordöstlich von Alt-Hengstett, weiter durch den Wald Eulert bei Neu-Hengstett, nach dem Hundsrücken westlich von Simmozheim, von da über das Köpfle östlich von Möttlingen nach den sogenannten 12 Morgen bis zur Schanzwiese, wo sie den Bezirk verläßt und in das Großherzogthum Baden eintritt.

c. Erdfälle und Höhlen.

Eigentliche Erdfälle, trichterförmige Einsenkungen kommen in dem Bezirke nicht vor, dagegen sind einige Höhlen, die übrigens mehr aus großen überhängenden Felsen oder Felsenspalten bestehen, zu nennen, und zwar: die Bruderhöhle bei Hirschau, der hohle Stein am Fuß des Rudolsberg, der hohle Stein im Zigeuner Wald (beide auf der Markung Calw), der Stubenfelsen auf der Markung Sommenhardt und einige Felsenspalten auf der Markung Zwerenberg (s. auch die betreffenden Ortsbeschreibungen).

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2. Gewässer.

Der Flächengehalt der im Oberamtsbezirk befindlichen Seen und Weiher beträgt nach der Landesvermessung 84/8 M. 46,7 R. und der der Flüsse und Bäche 2687/8 M. 4,8 R.

a. Quellen.

Im Allgemeinen ist der Bezirk sehr quellenreich, übrigens sind die Quellen nicht gleich vertheilt, indem sie mehr in den Thälern kräftig hervortreten, während sie auf den Hochebenen spärlicher vorkommen und nicht selten in trockenen Jahrgängen versiegen, so daß in vielen hochgelegenen Orten Wassermangel entsteht (s. hier die Ortsbeschreibungen).

Die meisten Orte besitzen laufende und nebenbei noch Schöpf- und Pumpbrunnen, nur die Orte Dachtel, Deckenpfronn, Emberg, Liebelsberg, Martinsmoos, Ober-Haugstett und Sommenhardt beziehen ihr Wasser ausschließlich aus Pump- und Schöpfbrunnen.

Die wasserreichsten Orte, welche zugleich ihr Wasser hauptsächlich aus laufenden Brunnen erhalten, sind: Calw, Hirschau, Liebenzell, Ober-Kollwangen, Ober-Reichenbach, Röthenbach, Speßhardt, Stammheim und Teinach. Das Wasser ist im Allgemeinen gut frisch, nicht selten sehr gut und beinahe ganz rein, nur einzelne Orte, wie Alt-Bulach, Breitenberg, Emberg, Sommenhardt, Zavelstein und Zwerenberg haben minder gutes Wasser.

Periodisch fließende Quellen (Hungerbrunnen) kommen auf den Markungen Alt-Bulach, Alt-Hengstett, Dachtel, Neu-Bulach, Ober-Haugstett, Ostelsheim, Simmozheim und Zwerenberg vor (s. die Ortsbeschreibungen).

Mineralquellen. 1) Längst bekannt und sowohl des Trinkens als Badens wegen viel besucht ist der Gesundbrunnen zu Teinach.

Die Teinacher Mineralquellen zerfallen nach ihren chemischen Bestandtheilen in 3 Abtheilungen, nämlich:

a) alkalische beinahe eisenfreie Säuerlinge, die Hirschquelle und die Dächleinsquelle, nächst diesen noch die Wandkastenquelle und die Mittelkastenquelle, welche beide aber wegen ihres geringen Gehalts nicht zum Kurgebrauch dienen;

b) alkalische eisenhaltige Säuerlinge, die Wiesenquelle und die Bachquelle;

c) eisenhaltiges, süßes, an Kohlensäure armes Wasser, die Dintenquelle; in dieser Quelle ist das Eisen an Quellsäure gebunden, | während es in den andern Quellen (den Säuerlingen) als kohlensaures Eisenoxydul enthalten ist.

Im Einzelnen enthalten die Quellen folgende Bestandtheile in einem Pfund (7680 Gran) Wasser:

Dächleins-
quelle.
Gran.
Hirsch-
quelle.
Gran.
Wiesen-
quelle.
Gran.
Bach-
quelle.
Gran.
Dinten-
quelle.
Gran.
Kohlensaures Natron 2,347 2,603 4,664 4,747 0,296
Schwefelsaures Natron 0,687 0,868 1,384 1,406 0,087
Chlornatrium 0,229 0,278 0,406 0,412 0,038
Schwefelsaures Kali Spuren
Kohlensauren Kalk 3,642 4,429 4,308 4,376 0,430
Schwefelsauren Kalk Spuren
Chlorcalcium Spuren
Kohlensaure Bittererde 0,865 1,052 1,078 1,095 0,096
Kohlensaures Eisenoxydul 0,011 0,011 0,033 0,031
Quellsaures Eisenoxydul 0,305
Kohlensaures Manganoxydul Spuren
Kieselerde 0,056 0,068 0,160 0,165 0,063
Verlust 0,043 0,261 0,031 0,023 0,385
Summe der festen Bestandtheile 7,880 9,570 12,064 12,255 1,700
Auf 100 Maßtheile Wasser an kohlensaurem Gas (auf 28 Zoll Barometer und 0° Temperatur berechnet) Maßtheile 100,82 124,30 115,90 166,50 3,91
Volum. Volum. Volum. Volum. Volum.

2) Das obere und das untere Bad zu Liebenzell; das Wasser dieser Thermen quillt klar, farblos, beinahe geschmacklos oder von ganz wenig salzigem Geschmack mit Ausstoßung weniger Luftblasen hervor; es wird niemals trüb und fühlt sich sehr weich, beinahe wie Seifenwasser an, was beim Baden eine sehr angenehme Empfindung gewährt. Seine Temperatur ist nur sehr kleinen Schwankungen unterworfen und beträgt im obern Bad 171/2 bis 19°, im untern 183/4 bis 20° R.

Man hat nur eine einzige vollständige chemische Analyse dieses Thermenwassers, welche im Jahr 1824 von Dr. Naschold unter der Leitung des Professors Sigwart in Tübingen gemacht wurde. Er fand in 16 Unzen:

Chlornatrium mit Spuren von Chlormagium      5,14 Gran
Kohlensaures Natron 0,80
Schwefelsaures Natron 0,61
Kohlensauren Kalk 0,82
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Eisenoxyd 0,10
Kieselerde 0,41
Summe der festen Bestandtheile      7,88 Gran.

Die gasförmigen Bestandtheile betragen in 16 Unzen Wasser 1,77 Pariser Kubikzoll; 100 Theile dieses Quellgases bestehen aus

72,52 Theilen kohlensauren Gases,
24,44
Stickgas,
03,04
Sauerstoffgas.

3) Das Naschold’sche Bad zu Calw, dessen Quelle erst im Jahr 1835 erbohrt wurde; das Wasser hat einen schwach-eisenhaftthonartigen Geschmack und keinen Geruch, perlt bei gewöhnlicher Temperatur nicht, ist beinahe farblos und klar mit einem gelblich opalisirenden Schein und setzt beim Stehen an der Luft einen flockigten gelblichten Niederschlag ab, worauf das überstehende Wasser vollkommen klar und farblos erscheint. Es hat eine mittlere Temperatur von + 7° R., welche nur geringen Schwankungen unterworfen ist, und ein specifisches Gewicht von 1,00265.

Nach einer chemischen Analyse, welche Apotheker Ludwig Federhaff zu Calw mit dem Wasser vornahm, enthält dasselbe in 16 Unzen folgende Bestandtheile:

Kohlensaures Gas 3,3821 Pariser Kubikzoll
Schwefelsaures Natron 0,449 Gran 00000
Chlorcalcium 0,756
Chlormagium 0,091
Chlornatrium 0,450
Salpetersaures Kali 2,086
Kohlensaures Natron 1,118
Kohlensauren Kalk 3,352
Kohlensaure Bittererde 0,376
Kohlensaures Eisenoxydul 0,107
Phosphorsauren Kalk 0,074
Kieselerde 0,202
Extractivstoff unbestimmte Menge
Summe der festen Bestandtheile 9,061 Gran.

Auffallend ist der Gehalt an Salpeter und phosphorsaurem Kalk in einem Wasser, welches unter einer Bedeckung von mächtigen Sandsteinschichten, die überdieß noch durch eine undurchlassende Lehmschichte abgesperrt sind, hervorquillt.

Aus dieser Quelle können in einer Stunde 11–12 württ. | Eimer (ungefähr 8000 Pfd.) ohne eine bemerkliche Abnahme des Wasserzuflusses ausgepumpt werden.

Außer diesen Mineralquellen und Thermen erscheinen in dem Bezirk mehrere Quellen, welche theils fremdartige Theile mit sich führen, theils ganz reines Wasser liefern, das zuweilen eine höhere Temperatur hat, als die gewöhnlichen Wasser der Umgegend, und von Kranken nicht selten getrunken wird; namentlich: das Kettenbrünnle bei Dachtel, mehrere Quellen von höherer Temperatur bei Liebenzell, der Badbrunnen in Neuweiler, der Gesundbrunnen bei Ostelsheim, der Lindenbrunnen bei Stammheim, eine Mineralquelle, die namentlich Schwefel enthalten soll, bei Unter-Haugstett, der gute Brunnen im Kapfenhardter Thal etc. (s. auch die Ortbeschreibungen).

b. Flüsse und Bäche mit ihren Thälern.

Die Enz (große Enz), mit welcher sich sämmtliche Gewässer des Bezirks, theils inner-, theils außerhalb desselben, verbinden, entspringt bei Gompelscheuer im Oberamtsbezirk Nagold und tritt in der Nähe von Enzklösterle auf die diesseitige westliche Oberamtsgrenze, an der sie 11/2 Stunden lang fortzieht, bis sie den Bezirk verläßt. Der sehr rasche Gebirgsfluß, welcher überhaupt eine Menge Wasserwerke in Bewegung setzt und in großer Ausdehnung für die Flößerei benützt wird, treibt im diesseitigen Bezirk die Kälbermühle. Die Breite des wenig gekrümmten Flusses, der, so weit er den Bezirk angeht, eine nordöstliche Richtung hat, beträgt 30–40′ und wird erst außerhalb des Bezirks, namentlich nachdem derselbe die kleine Enz aufgenommen hat, von größerer Bedeutung; seine Tiefe ist mit Ausnahme vieler Vertiefungen (Gumpen) nicht beträchtlich und wechselt durchschnittlich von 5–8′. Das Gefälle der Enz beträgt vom Enzklösterle bis Wildbad, 3,6 Stunden nach der Strombahn, 524 Par. Fuß. Bei dem Schneeabgang und bei starken Regengüssen tritt der Fluß öfters über seine ziemlich flachen Ufer und überschwemmt, nicht selten bedeutenden Schaden anrichtend, die ganze, jedoch nicht breite Thalsohle. Der Grund besteht aus Sand, Geschieben und Geröllen. Die Enz beherbergt Forellen, Aschen, Schuppfische, Gruppen, Grundeln, seltener Aale und Neunaugen.

Das Enzthal, welches im Allgemeinen das entschiedene Gepräge eines bunten Sandsteinthales trägt, ist ziemlich eintönig, enge und tief eingeschnitten; die gegen oben abgerundeten, bewaldeten, steilen Thalgehänge, von denen übrigens nur die auf der rechten Seite theilweise den Bezirk angehen, sind hoch und in Folge der verschiedenen, hier anstehenden Schichten der bunten Sandsteinformation | mit Absätzen (Terrassen) versehen (über die Enz und das Thal derselben s. auch die Oberamtsbeschreibung von Neuenbürg).

Mit der Enz vereinigen sich und zwar sämmtlich von der rechten Seite:

1) Der Lagbach, außerhalb des Bezirks bei Enzklösterle einmündend, welcher 3/4 Stunden westlich von Aichelberg in einer tiefen Waldschlucht beginnt und in dieser 1/2 Stunde lang die Grenze zwischen dem diesseitigen und dem Oberamtsbezirk Nagold bildet.

2) Der Kälberbach, in einem sehr tiefen engen Waldthälchen 1/4 Stunde nördlich von Aichelberg beginnend und nach einem Lauf von nicht ganz einer Stunde bei der Kälbermühle einmündend.

3) Die kleine Enz, welche außer dem Bezirk bei Calmbach mit der großen Enz sich verbindet, entspringt in dem sogenannten Zugbrunnen westlich von Oberweiler, auf der Grenze zwischen dem diesseitigen Bezirk und dem Oberamtsbezirk Nagold, fließt eine kurze Strecke an der Oberamtsgrenze fort und zieht dann, eine nordöstliche Richtung einhaltend, in den Bezirk ein, in welchem sie 2 Stunden lang fortfließt und dann noch 11/8 Stunde lang die Grenze zwischen den Oberamtsbezirken Calw und Neuenbürg bildet, bis sie bei dem Kleinenzhof ganz in das Oberamt Neuenbürg eintritt. Auf ihrem Lauf durch den Bezirk setzt sie die Rehmühle, eine Sägmühle und die Eisensägmühle in Bewegung. Der nicht bedeutende Fluß schwillt bei Schneeabgang und starken Regengüssen öfters schnell an und überschwemmt dann die ganze schmale Thalsohle. Das Thal der kleinen Enz hat den gleichen Charakter wie das große Enzthal, nur ist es noch enger als jenes und weit weniger belebt.

In die kleine Enz fließen, auf der rechten Seite:

a. ein, nur 1/4 Stunde langer Bach, der in dem Lachtenbrunnen zwischen Aichhalden und Hofstett entspringt und oberhalb der Rehmühle einmündet.

b. Das Enzlensbächle; dieses beginnt in der Stockmiß bei Agenbach und mündet nach einem 1/2stündigen Lauf, den es in einer tiefen Waldschlucht zurücklegt, oberhalb der Sägmühle ein; durch den Dittenbrunnen erhält es einen namhaften Zufluß.

c. Der Eichgrundbach; dieser entspringt 1/4 Stunde nördlich von Agenbach und mündet nach einem 1/2stündigen Lauf 1/8 Stunde oberhalb Eisenhäuslen ein.

d. Der 1/2 Stunde lange Eisengrundbach; er beginnt in der Heselmiß 1/2 Stunde westlich von Würzbach und mündet bei der Eisensägmühle ein.

| e. Ein unbedeutender, nur 1/4 Stunde langer Bach; er vereinigt sich bei dem Kleinenzhof mit der kleinen Enz.

f. Der Würzbach; dieser entspringt 1/8 Stunde südlich von Würzbach und tritt nach einem Lauf von 5/4 Stunden in den Oberamtsbezirk Neuenbürg ein, um dort oberhalb der Aylensägmühle in die kleine Enz zu münden. Während seines Laufs durch den Bezirk setzt er eine Mühle und 2 Sägmühlen in Bewegung. Sein anfangs unbedeutendes Thälchen bildet sich bald zu einem tiefeingeschnittenen Waldthale aus, dessen schmale Sohle für den Wiesenbau benützt wird.

In den Würzbach geht der Blindenbach, welcher bei den drei Königseichen auf der Grenze zwischen den Bezirken Calw und Neuenbürg beginnt, an dieser 1/2 Stunde fortzieht und bald, nachdem er die Grenze verlassen, außerhalb des Bezirks einmündet.

Auf der linken Seite geht in die kleine Enz:

g. Das Hünerbächle, welches südlich von Meistern entspringt und nach einem 1/4stündigen Lauf, den es in einer tiefen Waldschlucht zurücklegt, bei der Sägmühle einmündet.

4. Der größere, erst im Großherzogthum Baden der Enz zufallende Seitenfluß, die Nagold, entspringt bei Urnagold im Oberamt Freudenstadt; sie erreicht oberhalb der Bulacher Mühle den Bezirk, welchen sie in der Richtung von Süden nach Norden in einer Länge von 6 Stunden, theils in dem Bezirk, theils an dessen Grenze hinfließend, unterhalb Unter-Reichenbach wieder verläßt, um ihren Lauf bis Pforzheim fortzusetzen, wo sie sich mit der Enz verbindet. Der zum Theil namhaft gekrümmte Fluß berührt während seines Laufs durch den Bezirk die Orte Kohlersthal, Waldeck, Kentheim, Tanneneck, Calw, Hirschau, Ernstmühl, Liebenzell, Dennjächt, Thann und Unter-Reichenbach. Der fleißige Fluß, welcher nicht nur zur Holzflößerei vielfältig benützt wird, sondern auch viele Mahl- und Sägmühlen und andere Werke in Bewegung setzt (s. hierüber die Ortsbeschreibungen), hat in den oberen Theilen des Bezirks eine Breite von 35–50′, in den unteren von 80–100′, und an dem Wehr bei Calw sogar von 135′. Seine Tiefe beträgt, mit Ausnahme der sogenannten Gumpen, im Durchschnitt 5–8′. Bei schnellem Schneeabgang und starken Regengüssen läuft der Fluß öfters schnell an und verursacht nicht selten Überschwemmungen, die schon beträchtlichen Schaden anrichteten (s. die Ortsbeschreibungen)[3]. | Das Bett des Flusses besteht aus Sand mit Geschieben und Geröllen, welche der Formation des bunten Sandsteins entsprechen[4].

Steinerne oder hölzerne Brücken führen in dem Bezirk über die Nagold bei Waldeck, bei der Sägmühle unterhalb Waldeck, bei der Walkmühle, bei Calw (3), Hirschau, Liebenzell und Reichenbach; überdieß sind noch mehrere hölzerne Steege angelegt (s. auch die Ortsbeschreibungen).

Die Fischerei ist von einigem Belang, jedoch nicht mehr so beträchtlich wie früher; es kommen hauptsächlich Forellen, Weißfische, Barben, Schuppfische, Aschen und zuweilen Aale vor.

Das Thal der Nagold theilt im Allgemeinen den Charakter des Enzthales, nur ist es mehr gekrümmt und bildet namentlich große Bögen um den malerischen Schloßberg bei Waldeck und um den eben so schön geformten Rudolsberg oberhalb Calw, auch ist die Thalsohle an mehreren Stellen etwas breiter und die Thalwände weniger hoch, aber eben so steil. Im Allgemeinen entfaltet das Nagoldthal mehr Anmuth als das Enzthal, namentlich so weit letzteres den Bezirk selbst angeht. Etwa eine Stunde unterhalb Liebenzell gehören nur noch die linken Thalgehänge dem Bezirk an, während die rechten schon in dem Großherzogthum Baden liegen.

In die Nagold fließen auf der rechten Seite:

a. Ein kleiner, nur 1/4 Stunde langer Bach bei der Bulacher Mühle.

b. Der 1/4 Stunde lange, durch eine Waldschlucht fließende Baierbach, welcher oberhalb Waldeck einmündet.

c. Der Schlittenbach, welcher in 2 Armen, der eine am Fuß des Domabergs südlich von Stammheim, der andere im Schönbrunnen nordöstlich von Stammheim entspringt, und nachdem sich dieselben bei | Stammheim vereinigt haben, unterhalb des Orts eine Ölmühle treibt und sich nach einem Lauf von einer Stunde bei Tanneneck mit der Nagold verbindet. Die wiesenreichen Thäler der beiden Arme sind ganz unbedeutend eingefurcht, und erst unterhalb der Vereinigung derselben bildet sich ein tief eingeschnittenes, enges Waldthal aus.

d. Ein unbedeutender, 1/4 Stunde langer Bach, dem eine tiefe Waldschlucht als Rinne dient und der bei Calw einmündet.

e. Der Ziegelbach; dieser entspringt 1/8 St. westlich von Alt-Hengstett und vereinigt sich nach einem Lauf von einer Stunde, die er in einer tiefen Waldschlucht zurücklegt, bei Hirschau mit der Nagold.

f. Ein unbedeutender Bach ohne Namen, der bei Ernstmühl einmündet.

g. Der Mohnbach; er entspringt unter dem Namen Maisgraben bei Möttlingen, erreicht 1/2 Stunde unterhalb Möttlingen die Landesgrenze, die er vollends bis zu seiner Einmündung eine Stunde unterhalb Liebenzell bildet. Der beinahe 2 Stunden lange Bach nimmt während seines Laufs den von Haugstett herkommenden Haugstetter Bach auf und erhält unterhalb der Vereinigung beider Gewässer den Namen Mohnbach. Das Thal ist Anfangs ganz flach und schneidet erst unterhalb der Vereinigung mit dem Thälchen des Haugstetter Bachs allmälig tief ein, bis es sich endlich zu einem sehr tief eingeschnittenen, engen Waldthale ausbildet.

Auf der linken Seite münden ein:

a. Der Kollbach; er beginnt nördlich von Simmersfeld auf der Oberamtsgrenze zwischen den Bezirken Calw und Nagold, fließt an dieser 11/2 Stunden fort und tritt dann in den Oberamtsbezirk Nagold ein, um sich 1/2 Stunde unterhalb Altensteig mit der Nagold zu verbinden. Während seines Laufs an der Bezirksgrenze nimmt er den von Aichhalden herkommenden, 1/4 Stunde langen Schaubach und den bei Zwerenberg entspringenden, 1/2 Stunde langen Zwerchbach auf; letzterer mündet bei der Baiermühle ein, die von dem Kollbach in Bewegung gesetzt wird. Die Thäler der 3 angeführten Bäche sind tief eingeschnittene Waldthälchen, deren schmale Sohlen für die Wiesenkultur benützt werden und im Allgemeinen den entschiedenen Charakter der bunten Sandsteinthäler an sich tragen.

b. Der Ziegelbach, er beginnt südwestlich von Ober-Haugstett auf der Grenze zwischen den Bezirken Calw und Nagold, welche er eine Stunde lang bildet, und mündet dann bei Seitzenthal in die Nagold. Anfangs durch ein ganz unbedeutendes Wiesenthälchen fließend, gräbt sich der Bach unter starkem Gefäll, an einer Stelle sogar einen kleinen Wasserfall bildend, bald tief ein und fließt in einem engen Waldthälchen, das Seitzenthal genannt, dem Hauptfluß zu.

c. Die Teinach; sie entspringt in der Rohrmiß nördlich von Neuweiler, fließt anfänglich in südlicher Richtung durch Neuweiler und nimmt | bald eine östliche Richtung an, die sie bei der Glasmühle in eine nördliche ändert, um oberhalb des Orts Teinach, den sie durchfließt, sich abermals gegen Osten zu wenden, welche Richtung sie mit wenig Abweichungen bis zu ihrer Einmündung bei der Bulacher Sägmühle beibehält. Während ihres 31/2stündigen Laufs treibt die Teinach mehrere Wasserwerke (s. die Ortsbeschreibungen).

In die Teinach fließen auf der rechten Seite: der bei Neu-Bulach beginnende, 1/2 Stunde lange Dürrbach, welcher 1/2 Stunde unterhalb Teinach einmündet; und auf der linken Seite: der Lautenbach, 1/4 Stunde östlich von Agenbach und nach 5/4stündigem Lauf südlich von Schmieh einmündend, nachdem ihm der bei Ober-Kollwangen entspringende Angelbach zugeflossen ist; sowie der Röthenbach, der in Röthenbach entspringt und nach einem Lauf von einer halben Stunde bei Teinach einmündet.

Das von dem raschen Flüßchen in vielen Krümmungen durchschlängelte Teinachthal, welches anfänglich auch das Neuweiler Thälchen genannt wird, trägt gleich seinen Seitenthälern den entschiedenen Charakter eines bunten Sandsteinthales; das Anfangs unbedeutende Hauptthal bildet sich bald zu einem tief eingeschnittenen mit hohen, bewaldeten Thalgehängen versehenen Thale aus, dessen schmale Sohle mit Wiesen kultivirt ist. Erst bei Teinach, wo überhaupt das vorher einsame Thal am meisten ausgebildet ist, erhält dasselbe einen anmuthigen Charakter, dem der Badeort Teinach und das auf dem nächsten Bergvorsprung gelegene Zavelstein viel Malerisches verleihen.

d. Der Röthelbach; er entspringt in Weltenschwann, fließt durch Speßhardt und mündet nach einem Lauf von 5/4 Stunden bei Kentheim ein. Das Anfangs unbedeutende Wiesenthälchen bildet sich erst unterhalb Speßhardt zu einer engern Waldschlucht aus.

e. Der Schweinbach, anfänglich Reichenbach genannt; dieser beginnt bei Ober-Reichenbach und verbindet sich bei Hirschau mit der Nagold; während seines 13/4stündigen Laufs, den der Bach in einem engen tief eingeschnittenen Waldthale zurücklegt, treibt derselbe die Altburger Sägmühle und eine Sägmühle bei Hirschau.

f. Der Kollbach; er entspringt bei Igelsloch, fließt zwischen Ober- und Unter-Kollbach durch, treibt daselbst eine Sägmühle und mündet nach einem Lauf von 5/4 Stunden bei der unterhalb Ernstmühl gelegenen Sägmühle, die er ebenfalls in Bewegung setzt, in die Nagold, mit Ausnahme einer kurzen Strecke nahe bei seiner Einmündung die Grenze des Oberamtsbezirks bildend. Das Thal des Kollbachs ist dem vorhergehenden ziemlich ähnlich.

g. Der Langenbach; er beginnt östlich von Ober-Lengenhardt (O.A. Neuenbürg), tritt bald in den diesseitigen Bezirk, treibt zunächst der Oberamtsgrenze | eine Sägmühle und mündet nach einstündigem Lauf, den er in einem tiefen, engen Waldthale zurücklegt, bei Liebenzell ein.

h. Der Reichenbach, anfänglich Eulenbach genannt; er entspringt 1/4 Stunde östlich von Langenbrand (O.A. Neuenbürg) und verbindet sich bei Unter-Reichenbach mit der Nagold, gehört übrigens nur auf eine ganz kurze Strecke, nahe bei seiner Einmündung, dem diesseitigen Bezirk an.

Von der Würm, welche zwar den Bezirk selbst nicht berührt, aber nahe an dessen östlicher Grenze fließt, werden folgende Bäche aus dem Oberamtsbezirk Calw aufgenommen:

a. Der Aischbach, weiter unten Aid genannt; er hat seinen Ursprung westlich von Dachtel, fließt durch letzteren Ort und bald über die Bezirksgrenze in das Oberamt Böblingen, wo er unterhalb Aidlingen bei der Furthmühle einmündet, nachdem er bei Deufringen, O.A. Böblingen, die Sau aufgenommen, welche bei Gechingen entspringt und nach einem Lauf von 1/4 Stunde den diesseitigen Bezirk verläßt. Die Thäler der beiden Bäche sind nicht tief und die theils mit Ackerland, theils mit Wald kultivirten, mäßig steilen Muschelkalkgehänge lehnen sich an ziemlich breite, wiesenreiche Thalsohlen an.

b. Der Altbach; er entspringt 1/4 Stunde westlich von Ostelsheim, fließt durch diesen Ort und 1/4 Stunde unterhalb desselben über die Oberamtsgrenze, um bei der Dätzinger Mühle, im Oberamt Böblingen, in die Würm zu münden. Sein Thal hat den gleichen Charakter, wie die letztbeschriebenen, nur ist es etwas tiefer, die Thalebene breiter und die meist für den Feldbau benützten Gehänge sind mehr terrassenförmig abgestuft.

c. Der Thalacherbach; dieser entspringt bei Simmozheim und mündet bei Weil der Stadt, O.A. Leonberg, ein, tritt 1/2 Stunde unterhalb Simmozheim aus dem Bezirk und nimmt während seines kurzen Laufs durch denselben einen von Westen herkommenden kleinen Bach, ferner den Büchelbrunnenbach und einen am Fuß des Hundsrückens entspringenden, 1/4 Stunde langen Bach auf.

Die Thäler der in die Würm fließenden Gewässer gehören sämmtlich der Muschelkalkformation an, die überdieß noch mehrere Trockenthäler bildet, und zwar:

a. Zwei Trockenthäler ziehen gegen den Ursprung des Aischbachs bei Dachtel, eines von Haselstall, das andere von dem Masenwald herkommend.

b. Bei Gechingen laufen 3 Trockenthäler zusammen, die nach ihrer Vereinigung von der Sau bewässert werden; ein weiteres Trockenthal zieht unterhalb Gechingen in das Sauthal.

c. Südwestlich von Ostelsheim beginnt ein Trockenthal, das 1/2 Stunde lang in dem Bezirk fortzieht und dann in das Oberamt Böblingen eintritt, um oberhalb der Dätzinger Mühle in das Würmthal einzulaufen.

| d. Das Thennenthal bei Deckenpfronn.

e. Das Wartenthal, beginnt auf der Oberamtsgrenze westlich von Deckenpfronn; nachdem es 1/4 Stunde an derselben fortgezogen ist, wendet es sich gegen Westen und führt in den Oberamtsbezirk Nagold ein, wo es sich bei Gültlingen mit dem Heidenthal verbindet.

Außer diesen kommen noch mehrere unbedeutende Trockenthäler vor, wie bei Alt-Hengstett, Stammheim etc.

c. Stehende Gewässer.

In dem Bezirke befinden sich außer dem unbedeutenden Egelsee 1/2 Stunde südlich von Deckenpfronn und einem kleinen See bei Unter-Reichenbach keine natürlichen Seen, sondern nur einige künstlich angelegte Weiher, nämlich: 5 Weiher und Hülben bei Alt-Bulach, ein Weiher, ursprünglich Burggraben in Alt-Hengstett, einer bei Deckenpfronn, der 21/8 Morgen große Weiher in Liebenzell, 3 Weiher bei Neu-Bulach und die Weiher in den Anlagen zu Teinach. Überdieß sind in mehreren Orten noch Wetten auf den Fall der Feuersgefahr und zum Tränken und Schwemmen des Viehs angelegt (s. die Ortsbeschreibungen).

Abgegangene Weiher sind: 4 bei Hirschau und 2 bei Stammheim, wovon jeder je 6 Morgen groß war.


3. Naturschönheiten.
Obgleich der Bezirk im Allgemeinen wenig Abwechslung bietet und namentlich der westliche Theil desselben meist nur aus einem weitgedehnten, durch Felder wenig unterbrochenen Nadelwald besteht, so entfaltet er doch in seinen Thälern, besonders in dem Nagoldthale manches Schöne. Die üppigen Wiesengründe der Thalebene, welche von munteren klaren Gewässern durchzogen werden, bilden mit ihrem Lichtgrün einen freundlichen Gegensatz zu den angrenzenden schwarzgrünen Nadelwaldungen. Um 2 wohlgerundete Bergvorsprünge (Waldeck und Rudolsberg) beschreibt die Nagold zwei schöne Bögen und das Thal derselben entfaltet hier Partieen, die nur von der bei Hirschau, wo sich das Nagoldthal ziemlich erweitert und überdieß einige Seitenthäler auf dasselbe einziehen, an Schönheit übertroffen werden. Die Schönheiten der Natur hat der Mensch benützt und erhöht, indem er sich an den malerischsten Stellen, theils in noch bestehenden Ortschaften, theils in Burgen und Klöstern ansiedelte, deren Trümmer, wie Waldeck, Hirschau und Liebenzell, jetzt noch Partieen bilden, die mit den schönsten des Königreichs in die Schranken treten dürfen. Außer dem Nagoldthale ist es hauptsächlich noch das schon erwähnte | Teinachthal, welches neben seinem im Allgemeinen abgeschiedenen anmuthigen Charakter, bei Teinach eine seltene Lieblichkeit darbietet.

Die durchgängig bewaldeten Gehänge der Thäler wie der tiefen dunklen Waldschluchten sind mit einer Unzahl Felstrümmer bedeckt, die in wilder Verworrenheit herum liegend, und theils gewaltsam über einander geschoben, theils in sehr namhafter Größe vorkommend, wirklich groteske Ansichten darbieten. In den engen Rinnen der Waldschluchten wenden sich zwischen diesen Felstrümmern und über dieselben stürzend wild tosende Waldbäche, viele kleine Wasserfälle bildend, von denen der Wasserfall im Seitzenthal bei Neu-Bulach und die Wasserfälle im Kollbachthälchen bei Liebenzell besonders zu nennen sind.

Überdieß ist der Bezirk ziemlich reich an Punkten, von denen man eine schöne Aussicht genießt und zwar: der Domaberg, die hohe Nille auf dem Höfle und der Galgenberg bei Stammheim, der Mückberg, der Täfelberg, der Jägerberg, der Heimberg und der Hemberg bei Alt-Hengstett, das Höhele bei Dachtel, Hohwiel und hohe Birken bei Deckenpfronn, der Hundsrücken bei Simmozheim, die Höhe bei Neu-Bulach, das Käpele bei Ober-Haugstett, bei Liebelsberg, bei Neuweiler, bei Hornberg, bei Breitenberg, bei Altburg etc. Das Auge überblickt auf diesen Punkten einen großen Theil der Alp, des Schwarzwaldes und des Schönbuchs (s. hier. die Ortsbeschreibungen).

Außer diesen Punkten mit ausgedehnten Fernsichten hat der Bezirk noch mehrere aufzuweisen, von denen man zwar keine ausgebreitete, jedoch sehr anziehende Aussichten genießt, wie auf der Burg Liebenzell, auf dem Schloß Zavelstein, bei dem Dickehof etc.


4. Boden.
Die Bodenverhältnisse, welche im weit größeren Theil des Bezirks nicht zu den ergiebigen gehören, sind durch die anstehenden Gebirgsschichten bedingt, indem sie theils aus deren Trümmern und Zersetzungsprodukten, theils aus Diluvial- und Alluvialablagerungen bestehen. Die bunte Sandsteinformation, welche etwa 3/4 des Bezirks einnimmt, liefert im Allgemeinen einen leichten, rothsandigen, eisenhaltigen Boden, der meist eine sehr kräftige Düngung bedarf und sich im Ganzen mehr für die Waldvegetation, als für den Feldbau eignet. Übrigens sind die bunten Sandsteinböden ziemlich verschieden, indem nicht überall die gleichen Schichten die Oberfläche bilden, sondern einerseits die quarzreichen, anderseits die thonig-sandigen oder thonigen Schichten der Formation vorherrschen. In | dem westlichen Theile des Bezirks erscheint mehr ein quarzreicher, etwas magerer Sandboden, während gegen Osten der Thongehalt zunimmt und überdieß dem Boden nicht selten eine günstige Mischung von Lehm zukommt. Auf den Anhöhen der rechten Seite des Nagoldthales (im östlichen Theile des Bezirks) und theilweise bei Alt-Bulach und Ober-Haugstett erscheinen die Zersetzungen der Muschelkalkformation, deren unterste Schichte, die Wellenmergel und Wellendolomite, einen ziemlich unfruchtbaren, schweren, etwas naßkalten Thonboden liefert. Dagegen ergeben die Zersetzungen der Anhydritgruppe und des Hauptmuschelkalks einen kalkhaltigen, humusreichen, meist fruchtbaren Boden, der sich für den Feldbau sehr gut eignet und auch größtentheils für denselben benützt wird. Er ist häufig nicht tiefgründig und der Muschelkalk tritt der Oberfläche so nahe, daß derselbe in zahllosen Trümmern die Oberfläche bedeckt und von dem Landmann zusammengetragen und in langen Steinwällen aufgehäuft werden muß. Nur in dem südöstlichen Theil des Bezirks, auf der Markung Deckenpfronn, wird der Hauptmuschelkalk noch von den Dolomiten, Mergeln und Sandsteinen der Lettenkohlengruppe überlagert, die theilweise der Oberfläche sehr nahe kommen und theils einen sehr leichten, düngerbedürftigen, theils einen thonigen Boden liefern. Zuweilen kommt diesen Muschelkalkböden eine leichte Mengung oder Bedeckung von Lehm zu, was zur Fruchtbarkeit derselben wesentlich beiträgt. In den Thälern haben sich meist fruchtbare, den Wiesenbau begünstigende Alluvialbodenarten abgelagert, die nur an einzelnen Stellen Neigung zur Moor- und Torfbildung zeigen und deshalb etwas saures Futter erzeugen. (Über die verschiedenen Bodenverhältnisse s. auch die Ortsbeschreibungen.)


5. Luft und Witterung.
Das Nagoldthal, besonders der untere Theil desselben von der Stadt Calw an abwärts, hat ein mildes Clima, in welchem die feinsten Obstsorten und selbst Weinreben, letztere namentlich in dem sehr günstig gelegenen Hirschau, gut gedeihen. Doch ist im Frühjahr die Vegetation um 8 bis 14 Tage gegen dem Unterland zurück. Heftige Stürme werden durch die Berge abgehalten, Hagelwetter richten im Thale selten einen erheblichen Schaden an; der Schnee des Winters schmilzt oft schnell, so daß Winter vorkommen, in welchen man im Thale kaum einige Tage, ja bisweilen gar nicht Schlitten fahren kann. Die Luft ist in Folge der vielfachen Windungen des Hauptthales und seiner zahlreichen Seitenthälchen, der lebhaften Wasserbewegung der kleinen Bäche und zum Theil auch | der Nagold, und der das Thal in großer Menge umgebenden Wälder, besonders der balsamischen Tannenwälder, stets frisch und rein, erquickend und stärkend.

Auf der östlich vom Nagoldthal gelegenen Hochebene des Gäus ist das Clima etwas weniger mild, doch dem Getreide- und Obstbau sehr günstig. Ein bedeutend rauheres Clima besitzt das westlich von der Nagold liegende Waldgebirge, wo die Obstbäume nur stellenweise und in härteren Sorten gedeihen, und von Getreidearten hauptsächlich Roggen und Haber gebaut werden. Dieser Bezirkstheil, der Wald, ist oft heftigen Stürmen ausgesetzt, welche in den Wäldern manchen Stamm entwurzeln; Hagelwetter sind nicht selten, thun aber, weil die Oberfläche größtentheils mit Wald bedeckt ist, keinen so empfindlichen Schaden, als dies öfters in dem fruchtreichen Gäu geschieht. Im Winter häufen sich auf dem Wald oft ungeheure Schneemassen an, doch beginnt die Vegetation gewöhnlich am Ende des März oder im April sich zu regen.

Die Barometerverhältnisse in der Stadt Calw sind nach den Beobachtungen in den 12 Jahren 1846 bis 1857 folgende, wobei zu bemerken ist, daß die Barometerstände auf 0° R. reducirt, und die Mittelstände nach der Formel
Morgen + 2mal Mittag + Abend
4
berechnet sind, und der Beobachtungsort ungefähr 1090 Pariser Fuß über dem Meere liegt:
Barometer.
1846 bis 1857 Mittlerer Stand. Höchster Stand. Tiefster Stand.
Jan. 26″ 11,913‴ 27″ 7,95‴ 27. Jan. 1854 26″ 2,41‴ 11. Jan. 1857
Febr. 27″ 00,267‴ 27″ 7,69‴ 11. Febr. 1849 26″ 1,36‴ 10. Febr. 1853
März 27″ 00,148‴ 27″ 8,11‴ 02. März 1854 26″ 0,97‴ 23. März 1855
April 26″ 10,930‴ 27″ 5,46‴ 04. Apr. 1854 26″ 2,66‴ 02. Apr. 1847
Mai 26″ 11,641‴ 27″ 4,72‴ 31. Mai 1847 26″ 6,43‴ 16. Mai 1856
Juni 27″ 00,475‴ 27″ 4,18‴ 02. Juni 1847 26″ 7,25‴ 14. Juni 1852
Juli 27″ 00,696‴ 27″ 4,22‴ 14. Juli 1857 26″ 7,48‴ 01. Juli 1848
Aug. 27″ 00,596‴ 27″ 4,70‴ 29. Aug. 1854 26″ 5,58‴ 19. Aug. 1856
Sept. 27″ 00,937‴ 27″ 5,55‴ 23. Sept. 1852 26″ 5,95‴ 11. Sept. 1849
Okt. 26″ 11,989‴ 27″ 7,01‴ 29. Okt. 1849 26″ 3,23‴ 29. Okt. 1855
Nov. 27″ 00,334‴ 27″ 6,65‴ 12. Nov. 1857 26″ 2,84‴ 29. Nov. 1854
Dez. 27″ 00,803‴ 27″ 7,82‴ 08. Dez. 1857 26″ 0,45‴ 26. Dez. 1856
Jahr 27″ 00,227‴ 27″ 8,11‴ 02. März 1854 26″ 0,45‴ 26. Dez. 1856
| Die einzelnen Jahrgänge verhalten sich folgendermaßen:
Mittlerer Stand. Höchster Stand. Tiefster Stand. Unter-
schied.
1846 27″ 00,003‴ 27″ 7,63‴ 09. Jan. 26″ 0,59‴ 23. Dez. 19,04‴
1847 27″ 00,507‴ 27″ 5,72‴ 02. Nov. 26″ 2,66‴ 02. Apr. 15,06‴
1848 27″ 00,060‴ 27″ 6,30‴ 09. Dez. 26″ 2,43‴ 11. Febr. 15,87‴
1849 27″ 00,408‴ 27″ 7,69‴ 11. Febr. 26″ 3,63‴ 28. Dez. 16,06‴
1850 27″ 00,554‴ 27″ 7,08‴ 27. Jan. 26″ 2,80‴ 06. Febr. 16,28‴
1851 27″ 00,571‴ 27″ 6,22‴ 15. Dez. 26″ 5,64‴ 29. Okt. 12,58‴
1852 27″ 00,058‴ 27″ 7,31‴ 06. März 26″ 3,93‴ 24. Nov. 15,38‴
1853 26″ 11,405‴ 27″ 5,51‴ 10. Nov. 26″ 1,36‴ 10. Febr. 16,15‴
1854 27″ 00,676‴ 27″ 8,11‴ 02. März 26″ 1,62‴ 18. Dez. 18,49‴
1855 26″ 11,719‴ 27″ 6,82‴ 08. Jan. 26″ 0,97‴ 23. März 17,85‴
1856 27″ 00,065‴ 27″ 6,06‴ 13. Jan. 26″ 0,45‴ 26. Dez. 17,61‴
1857 27″ 00,699‴ 27″ 7,82‴ 08. Dez. 26″ 1,41‴ 11. Jan. 18,41‴
Temperaturen der einzelnen Monate, die Mittelzahlen nach der Formel
7h + 2h + 2 × 9h
4
berechnet, nach dem Reaumur’schen Thermometer, aus den 15 Jahren 1843 bis 1857:
1843 bis 1857. Lufttemperatur. Mittlere Brunnen-
temperatur.
Mittel. Höchster Stand. Tiefster Stand.
Jan. 00,652° + 11,3° 13. Jan. 1852 − 17,0° 29. Jan. 1855 + 6,973°
Febr. + 00,377° + 15,8° 28. Febr. 1846 − 23,0° 13. Febr. 1845 + 7,008°
März + 01,777° + 17,0° 31. März 1848 − 17,5° 03. März 1851 + 7,055°
April + 05,813° + 20,3° 20. April 1843 06,8° 01. April 1850 + 7,263°
Mai + 09,379° + 26,8° 24. Mai 1847 02,9° 04. Mai 1850 + 7,637°
Juni + 12,582° + 26,7° 24. Juni 1844 + 00,9° 08. Juni 1847 + 8,033°
Juli + 13,636° + 29,0° 07. Juli 1845 + 04,0° 02. Juli 1856 + 8,267°
August + 13,059° + 28,7° 11. Aug. 1856 + 02,5° 31. Aug. 1850 + 8,295°
Sept. + 10,023° + 24,2° 17. Sept. 1854 01,1° 29. Sept. 1854 + 8,144°
Okt. + 07,199° + 20,0° 07. Okt. 1854 04,5° 30. Okt. 1856 + 7,933°
Nov. + 02,795° + 16,0° 05. Nov. 1852 − 14,7° 29. Nov. 1849 + 7,464°
Dez. 00,287° + 10,6° 27. Dez. 1852 − 18,5° 14. Dez. 1846 + 7,081°
Jahr + 06,308° + 29,0° 07. Juli 1845 − 23,0° 13. Febr. 1845 + 7,611°

Die Brunnentemperatur ist nach den Beobachtungen aus den 11 Jahren 1843/50 und 1855/57 berechnet. Gegenstand dieser Beobachtungen war der erste aus der sogenannten Hafnerquelle (an der Straße nach Stuttgart) abgeleitete Brunnen in der Nähe der Mündung des Ziegelbachs. Dieser Brunnen hat eine sehr gleichmäßige Temperatur; das Maximum betrug +8,8° am 16. August 1849, das Minimum +6,3° im Februar 1845.

|
Temperaturverhältnisse der einzelnen Jahre.
Mittel-
tempera-
tur.
Maximum. Minimum. Unter-
schied.
Sommertage,
+20° u. darüber.
Wintertage,
Maximum 0° u. dar.
Eistage (wenigstens einmal 0°).
1843 + 6,673° + 25,2° 06. Juli − 11,0° 08. Febr. 36,2°
34
07
081
1844 + 5,911° + 26,7° 24. Juni − 13,4° 12. Jan. 40,1°
20
25
110
1845 + 5,684° + 29,0° 07. Juli − 23,0° 13. Febr. 52,0°
34
19
127
1846 + 7,258° + 26,3° 24. Juli − 18,5° 14. Dez. 44,8°
76
22
097
1847 + 6,113° + 26,8° 24. Mai − 16,2° 12. März 43,0°
44
22
131
1848 + 6,515° + 24,6° 07. Juli − 15,8° 27. Jan. 40,4°
35
32
106
1849 + 6,379° + 25,9° 09. Juli − 14,7° 29. Nov. 40,6°
32
25
119
1850 + 6,049° + 24,1° 06. Aug. − 15,2° 22. Jan. 39,3°
20
31
104
1851 + 6,141° + 25,0° 21. Juli − 17,5° 03. März 42,7°
29
15
116
1852 + 6,950° + 28,3° 17. Juli − 10,2° 14. März 38,5°
48
07
114
1853 + 5,639° + 28,3° 09. Juli − 16,4° 27. Dez. 44,7°
35
30
122
1854 + 6,129° + 26,1° 25. Juli − 18,5° 15. Febr. 44,6°
40
13
143
1855 + 5,900° + 25,7° 13. Juni − 17,2° 19. Febr. 42,9°
41
34
115
1856 + 6,288° + 28,7° 11. Aug. − 13,9° 18. Nov. 42,6°
42
10
137
1857 + 6,738° + 28,5° 04. Aug. − 12,4° 31. Jan.
03. Febr.
40,9°
67
13
136

Menge des gefallenen Regen- und Schneewassers nach den Beobachtungen in den 15 Jahren 1843 bis 1857, in Pariser Kubikzollen auf 1 Pariser Quadratfuß Oberfläche:

1843
bis
1857.
Gesammt-
menge,
im Mittel.
Darunter
Schneewasser,
im Mittel.
Größte Menge in 24 Stunden,
von Abend zu Abend gerechnet.
Januar 0311,87 c″ 103,40 c″ 154,0 c″ am 08. Januar 1843
Februar 0303,23 140,50 170,0 26. Februar 1844
März 0264,07 100,93 154,0 28. März 1851
April 0370,67 031,51 180,0 09. April 1843
Mai 0430,00 001,83 265,5 24. Mai 1854
Juni 0430,70 00 186,0 20. Juni 1855
Juli 0436,90 00 237,0 02. Juli 1855
August 0435,60 00 461,0 01. August 1851
September 0237,73 00 140,0 22. September 1851
Oktober 0317,63 001,57 191,0 25. Oktober 1854
November 0258,90 081,00 117,0 10. November 1848
Dezember 0263,17 088,43 185,0 16. Dezember 1850
Jahr 4060,50 549,30 461,0 01. August 1851
|
Regen und Schnee. Schnee allein. Größte Menge in 1 Tag. Regen-
tage.
Schnee-
tage.
Tage mit Schnee-
decke.
Tage mit Eisdecke d. Nagold. Gewitter-
tage.
Hagel-
tage.
Höh-
rauch.
Nebel. Thau. Reif.
1843 3980,0 335,0 180,0
9. April
160 37 40 10 14 4 ? 87 80 19
1844 4055,5 816,0 170,0
26. Febr.
164 50 78 24 25 2 2 107 89 20
1845 4537,5 787,0 170,5
14. Juli
170 53 74 58 23 9 1 127 113 35
1846 4404,5 514,0 265,0
13. Mai
162 28 36 14 29 6 2 115 139 42
1847 3478,5 630,0 205,0
24. August
147 34 52 35 25 5 16 110 146 58
1848 4324,5 510,5 152,5
31. August
148 31 57 48 18 6 1 119 134 37
1849 3486,5 439,0 118,0
14. Jan.
152 34 50 26 22 5 11 119 115 35
1850 4534,0 506,0 250,0
2. August
157 44 57 8 19 5 17 117 89 41
1851 4570,5 318,0 461,0
1. August
147 36 43 7 21 8 3 110 75 51
1852 3822,0 244,5 120,0
27. Juni
160 24 43 9 26 5 112 82 60
1853 4431,0 483,5 160,0
17. Mai u.
22. Juni
140 47 75 30 26 5 5 128 96 37
1854 4684,5 842,5 265,5
24. Mai
137 41 94 34 17 3 11 92 87 49
1855 3865,0 931,5 237,0
2. Juli
134 50 93 39 26 4 6 109 103 22
1856 4212,0 532,5 164,0
15. April
153 40 55 15 24 3 1 109 93 49
1857 2521,5 349,0 125,0
26. Mai
115 22 46 29 30 4 13 102 109 73

Ungewöhnlich hohe Wärmegrade (+27° und darüber) sind nicht immer an besonders warme Sommer geknüpft. Sehr warme Sommer hatten die Jahre 1802, 1811, 1822, 1834, 1842, 1846, 1857. Einzelne sehr heiße Tage aber hatten aufzuweisen die Jahre 1798 (+27° am 4. August), 1806 (+27,7° am 11. Juli), 1807 (+27,7° am 13. Juli), 1819 (+28,0 am 5. und 6. Juli), 1827 (+27,5° am 2. August), 1832 (+27,0° am 12. und 14. Juli), 1834 (+27,0° am 13. Juli), 1835 (+27,2° am 5. Juli), 1839 (+27,2° am 16. und 17. Juni), 1845 (+29,0° am 7. Juli), 1852 (+28,3° am 17. Juli), 1853 (+28,3° am 9. Juli), 1856 (+28,7° am 11. August), 1857 (+28,5° am 4. August).

| Sehr strenge und lange dauernde Winter waren die von 1798–99, 1829–30 und 1844–45. Die höchsten Kältegrade wurden beobachtet im Jahr 1798 (−20,0° am 26. Dezember), 1802 (−21,2° am 16. Januar), 1820 (−20,0° am 11. Januar), 1827 (−25,0° am 17. Februar), 1830 (−23,0° am 2. Februar), 1845 (−23,0° am 13. Februar).

Ungewöhnlich tiefer Schnee lag im Winter 1801/02, wo am 30. und 31. Dezember bei gelinder Kälte (+1,0 bis −1,5°) eine solche Schneemasse fiel, daß der Schnee in den Straßen der Stadt über 2 Fuß tief lag; am 1. Januar trat strenge Kälte ein, welche bis über die Mitte Februars anhielt, und auf −16 bis −21,2° stieg; ferner vom 8. bis 14. März 1818, 3. bis 21. Februar 1827, 6. Januar bis 16. Februar 1829, 1. bis 21. Februar 1844, 1. Februar bis 23. März 1845, 8. bis 15. Februar 1847.

Die Spätfröste im Frühjahr sind häufig den zarteren Gewächsen und besonders der Obstblüthe schädlich, und man sieht daher ein frühzeitiges Treiben der Gewächse nicht gerne. Die bis Ende April eintretenden Morgenfröste schaden zwar selten, doch waren im Jahr 1854 die am 25. bis 27. April nach vorheriger Nässe eingetretenen Nachtfröste nicht blos der Obstblüthe, sondern sogar der Heidelbeerblüthe verderblich. Gefährlicher sind die Fröste im ersten Drittel des Mai, welche sich besonders gerne am 1. bis 3. und am 7. bis 10. Mai einstellen. Aber auch nach dem 10. Mai kommen nicht so ganz selten Morgenfröste vor, so am 19. Mai 1802, 23. Juni 1806, 2. Juni 1810, 25. Mai 1812, 13. Mai 1816 (mit starkem Schneien), 31. Mai 1818, 16. Mai 1819, 29. Mai 1821, 21. bis 24. Juni 1821, 16. Mai 1825, 16., 17. und 21. Mai 1826, 15. Mai 1832, 27. Mai 1836, 12. Mai 1837, 11. und 12. Mai 1838, 8. Juni 1847; an letzterem Tage kam es zwar in der Stadt Calw und weiter abwärts im Thale nicht zu Reif und Eis (Minimum +0,0°), aber auf den Berghöhen war es so kalt, daß in den Wäldern die jungen Schößlinge der Tannen in großer Menge erfroren.

Ungewöhnliche und lang anhaltende Dürre herrschte im Juli und August 1800, wobei häufige Waldbrände entstanden, und die meisten Gartengewächse und Wiesenkräuter hinwelkten, von welchen sich jedoch viele, die schon ganz abgestorben schienen, bei den im September und Oktober eintretenden Regen wieder erholten; ferner vom April bis November 1842, ebenfalls mit öfteren Waldbränden, vom Juli bis Ende November 1846; vom Juli 1857 bis März 1858 und vom Juli bis November 1858.

| Größere Überschwemmungen der Nagold kamen vor: am 28. Januar 1799: von dieser Überschwemmung, welche mit einem furchtbaren Eisgang verbunden war, wird berichtet, daß sich die ältesten Leute jener Zeit keiner so großen haben erinnern können; am 23. Februar 1802, 28. Februar 1805, 26. Febr. 1807, 24. Januar 1809; am 29. bis 30. Oktober 1824 war eine furchtbare Überschwemmung, welche an Höhe die von 1799 um 11/2 bis 2 Fuß überstieg; am 9. Februar 1830 war die Überschwemmung an und für sich nicht so sehr groß, aber mit einem ungeheuren Eisgang verbunden, welcher manche Brücken zertrümmerte, und Eisschemel von 2 bis 21/2 Fuß Dicke auf Wiesen und Straßen zurückließ; im Dezember 1833 und Januar 1834 folgten sich innerhalb 40 Tagen 6 Überschwemmungen, nämlich am 11., 19., 23/24., 30. Dezember, 31. Dezember/1. Januar, 19/20. Januar, von welchen zwar die zweite und vierte unbedeutend, die 4 andern aber bedeutend waren; ferner am 24. Februar 1839; am 19. Januar 1841 mit Eisgang; 26. Februar 1844; 28. und 29. März 1845; 28. und 30. Januar 1846; 13. Mai 1846; 14. und 15. Januar 1849; 2. und 3. Februar 1850; die größte Überschwemmung erfolgte am 1. August 1851, welche die von 1824 noch um 8–10 Zoll überstieg, und, außer vielen Brücken an verschiedenen Orten, in Calw ein Haus niederriß, wobei 9 Personen ihren Tod in den Fluthen fanden. – Eine partielle Überschwemmung durch den in Calw in die Nagold einmündenden Ziegelbach entstand am 2. Juni 1840 durch einen Wolkenbruch; der furchtbar angeschwollene Bach zerriß seine Ufer sammt den Ufermauern, durchbrach die Landstraße und stürzte sich in die Stadt, Mauersteine, Schrankentrümmer und entwurzelte Bäume mit sich reißend, aus welchen er am Eingang der Stadt einen mehrere Fuß hohen Wall bildete, über welchen seine schlammigen Fluthen herunterbrausten und die am rechten Nagoldufer hinführende Straße der Stadt überschwemmten.

Orkane tobten am 9. November 1800, 22. Oktober 1806, 26. Dezember 1810, 10. Dezember 1841, 5. Oktober 1852, 2. Januar 1855.

Hagelwetter mit mehr oder minder bedeutendem Schaden kamen vor am 11. Juli 1817, 11. Mai 1822, 1. Juni 1832, 8. Juni 1834, 15. Juli 1839, 2. Juni 1840, 26. April 1846, 3. August 1847 (bedeutender Hagelschaden zu Deckenpfronn), 30. Mai 1848, 2. Juni 1849, 5. Juli 1851 (Schaden zu Deckenpfronn), 24. Mai 1852 (Schaden zu Oberreichenbach und Würzbach), 21. Mai | 1853, 24. Mai 1854 (großer Schaden zu Gechingen, Althengstett, Ostelsheim, Deckenpfronn), 26. August 1855 (Schaden zu Althengstett und auf einem Theil der Markung Calw), 10. Juni 1856 (Deckenpfronn), 5. September 1857 (Deckenpfronn), 6. September 1857 (Ottenbronn, Neuhengstett, Simmozheim).

Durch Blitzschlag wurde am 24. Juni 1834 um Mittag ein Weib zu Ernstmühl erschlagen, am 19. April 1844 Abends 6 Uhr ein Haus zu Althengstett angezündet, das Feuer aber schnell gelöscht, und einige in demselben befindliche Personen niedergeworfen oder betäubt, aber nicht verletzt, am 10. Juni 1844 gegen Mitternacht eine Scheuer in Deckenpfronn angezündet, wodurch 8 Gebäude abbrannten; am 28. Juni 1847 Abends 4 Uhr wurde ein Jüngling im Walde bei Möttlingen erschlagen.

Erdbeben wurden verspürt am 2. April 1804 Abends, 28. November 1822 Vormittags 103/4 Uhr, 23. September 1830 Morgens 4 Uhr, 8. Dezember 1836 A. 51/4 U., 23. Januar 1837 Morg. 2 U., 7. Februar 1839 A. 83/4 U. (zwei schnell aufeinander folgende Stöße von O. nach W.), 2. August 1850 M. 3 U., 10. März 1851 Nachm. zwischen 4 und 5 U., 25. Juli 1855 Mitt. 1 U., 26. Juli 1855 Vorm. 10 U. und Nachm. 2 U., 18. Dezember 1857 A. 8 U. 20 M. (von W. nach O).

Nordlichter wurden beobachtet am 8. Februar 1857 A. 8 bis 9 U., 25. September 1827 A. 91/2–11 U., 7. Januar 1831 A. 7 U., 13. November 1832 Morg. 5 U., 18. Oktober 1836 A. 9 U., 4/5. Januar 1837 um Mitternacht, 18. Februar 1837 A. 8–9 U., 19. November 1847 A. 93/4–10 U., 17. Dezember 1847 A. 61/2 bis 7 U., 21. Februar 1848 A. 71/2 U., 17. November 1848 A. 10 U., 29/30. September 1851 um Mitternacht, 19/20. Februar 1852 Nachts 11–121/2 U., 11. November 1852 A. 8 U., 4. Dezember 1858 A. 11 U.

Zodiakallicht zeigte sich in SW. am 12. Juni und 23. Juli 1845 Abends.

Elmsfeuer wurde am 29. März 1838 Abends zwischen 7 und 8 Uhr im Walde zwischen Ostelsheim und Althengstett an den Spitzen der Bäume gesehen.

Ein regenbogenfarbiger Ring um die Sonne wurde wahrgenommen am 27. Mai 1838 Mitt. 113/4–12 U., am 25. Dezember 1844 Morg. nach 8 U., mit einer dunkeln Nebensonne, ebenfalls mit farbigtem Hof, am 29. Mai 1848 Vorm. 10–12 U., 17. März 1856 Mitt. nach 12 U. und 21. Mai 1858 Vorm. 11 Uhr.

Mondsregenbogen zeigten sich am 19. Februar 1815, 9. | Juli 1832, 20. und 24. März und 18. Dezember 1839, 20. November 1841, 13. April 1845 mit Nebenmond, 7. März 1846, 26. April 1850, 15. April 1851, sehr schön und theilweise doppelt, 18. April 1853, 16. Januar 1856, 3. Dezember 1857.

Feuerkugeln wurden gesehen am 21. Juni 1846 A. 91/4 U., in NW. eine sehr schöne Kugel mit rothem Lichte, starkem Schweif und langsamem Fall, schief abwärts in der Richtung von NW. nach SW; am 17. Oktober 1846 A. 61/2 U. eine schöne Kugel in NW.; 11. Mai 1852 A. 8 U. eine große Kugel mit Schweif, von NO. nach SW. über die Stadt fahrend; 3. Februar 1856 A. 9 U. Feuerkugel in SW. mit zweimaligem schnell aufeinander folgendem Aufblitzen; 15. Mai 1857 A. nach 9 U. große Feuerkugel in SW.; 17. Dezember 1857 A. 51/2 U. kleine glänzende Feuerkugel in W.

Im Sommer 1837 erschienen zahlreiche Schwärme von Canthariden, welche sich zum Theil in Gärten der Stadt auf Syringen und Holundersträuchen niederließen.

Im September 1853 richtete der Borkenkäfer Verheerungen in dem Stadtwald Altweg an.

Im Juni 1847 schien eine Insektenseuche ausgebrochen zu sein, wodurch das zahlreiche Geschmeiß an den Bäumen schnell vernichtet wurde; es waren den ganzen Sommer über vom Juni an nur wenige Raupen, Larven, Schmetterlinge, Käfer, Wespen, Hornissen etc. zu sehen, selbst die Stubenfliegen erschienen in kleinerer Menge als sonst; freilich litten auch die Bienen an dieser allgemeinen Seuche, und daher wurde in diesem Jahre trotz der üppigsten Blüthe wenig Honig erzeugt.

Das Jahr 1847 war durch eine Pracht und Üppigkeit der Obstblüthe und eine reiche Fülle des Obstertrags ausgezeichnet, wie sie bis jetzt kein anderer Jahrgang dieses Jahrhunderts aufzuweisen hatte.

Honigthau war häufig und stark im Juli 1842, Juni bis August 1846 und Juni und Juli 1858; im Sommer 1857 scheint trotz der großen Hitze die Entstehung der Krankheit des Laubs, worauf die Honigthaubildung beruht, durch die ausnehmend reichlichen Thaue, wodurch dieser Sommer ausgezeichnet war, verhindert worden zu sein.

Die Kartoffelpest erschien im Jahr 1845, und dauerte mit Schwankungen bis zum Jahr 1856, in welchem sie ihrem Erlöschen nahe war; im Jahr 1857 fand sich keine Spur mehr von ihr.

Im Juli 1847 befiel die Laubdürre viele Obstbäume, besonders | Apfelbäume, fast plötzlich, so daß in wenigen Tagen das Laub größtentheils gelb und dürr wurde.

Im Juni 1856 wurden die Kirschbäume von Laubbrand befallen; das Laub wurde, von unten an den Bäumen nach dem Gipfel fortschreitend, in kurzer Zeit schwarz und dürr, viele Bäume wurden dadurch auf Jahre krank, manche starben ganz ab.

Im Juli 1855 sah man an vielen Heidelbeerstauden eine der Kartoffelpest ähnliche Pilzkrankheit in Gestalt von schwärzlichen Flecken, wodurch das Laub und oft die ganze Pflanze abstarb.

Im Jahr 1854 erschien im westlichsten Theil des Oberamtsbezirks eine Haberkrankheit, wobei die Rispen verkümmerten, und an den unteren Stengelknoten sich Ausläufer (Stolonen) hervortrieben und die Pflanzen zu Grunde giengen. In den Jahren 1855 und 1856 schritt diese Krankheit nach Osten weiter, ohne jedoch das Nagoldthal zu überschreiten; im Jahr 1857 nahm sie wieder schnell ab.

Über den Ozongehalt[5] der Luft macht Dr. Schüz in Calw Beobachtungen, welche zwar noch kein ganzes Jahr umfassen, von welchen jedoch das bisher Beobachtete hier mitgetheilt wird:

|
Ozongehalt der Luft nach Schönbein’s Ozonometer.
Mo-
nats-
tag.
Novbr. 1858. Dezember 1858. Januar 1859. Februar 1859. März 1859. April 1859. Mai 1859.
Morgens Abends Morgens Abends Morgens Abends Morgens Abends Morgens Abends Morgens Abends Morgens Abends
1. 5 7 0 7 7 8 4 7 4 7 6 8 4 7
2. 5 5 5 7 6 7 5 9 6 7 6 7 6 8
3. 6 8 0 7 4 8 8 8 6 8 5 6 4 7
4. 5 5 0 6 2 3 7 8 7 8 3 5 3 7
5. 5 7 0 3 0 7 7 8 7 7 4 6 6 7
6. 4 8 3 7 5 7 7 7 6 8 4 6 4 7
7. 5 9 8 5 5 7 5 7 1 5 5 7 2 7
8. 8 8 2 6 7 8 6 6 4 8 6 7 5 7
9. 7 9 3 6 6 7 3 7 7 8 6 9 6 8
10. 5 7 4 4 7 6 5 5 7 8 7 7 5 7
11. 4 6 1 3 5 8 5 7 6 7 7 8 2 6
12. 3 3 2 6 6 7 2 5 6 7 3 9 7 8
13. 5 2 4 3 7 8 2 5 6 8 6 8 7 8
14. 0 6 1 6 7 7 3 8 6 7 8 8 8 7
15. 8 8 5 6 6 6 2 8 4 7 8 10 5 7
16. 6 7 6 7 7 7 4 8 8 8 8 8 6 7
17. 0 0 5 6 4 6 7 8 5 7 7 9 6 8
18. 3 1 2 5 1 7 8 9 6 6 7 8 8 8
19. 3 8 4 6 7 8 8 10 8 7 6 7 7 7
20. 7 5 0 5 4 7 7 8 6 8 3 7 3 7
21. 1 6 2 3 3 5 7 8 0 6 2 7 6 7
22. 7 6 5 6 4 4 7 7 4 8 8 9 2 5
23. 5 6 7 7 4 5 7 7 7 7 8 8 4 7
24. 7 5 3 5 4 8 5 8 5 7 7 8 4 7
25. 0 0 7 8 3 8 6 7 7 8 0 7 4 6
26. 0 2 7 8 4 8 3 6 7 7 4 6 0 5
27. 0 2 8 8 4 8 7 9 7 7 1 5 2 6
28. 0 6 7 9 7 7 8 7 4 7 4 6 0 7
29. 0 2 6 5 3 6 3 7 7 5 2 7
30. 0 6 3 7 2 8 6 7 4 5 2 7
31. 6 8 8 9 7 8 3 6
Mittel 3,80 5,33 3,74 5,97 4,81 6,94 5,54 7,39 5,58 7,26 5,33 7,20 4,29 6,94

Der aus diesen Beobachtungen sich ergebenden, von Monat zu Monat wachsenden Steigerung des Ozongehalts der Luft, welcher vom Februar bis April seinen Culminationspunkt erreichte und im Mai merklich abnahm, gieng eine in ziemlich gleichem Verhältnisse steigende und wieder sinkende Höhe des Krankenstandes, insbesondere auf der Häufigkeit der katharrhalischen und entzündlichen Krankheiten beruhend, parallel.

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6. Gebirgsarten und Mineralien.

Die geognostischen Verhältnisse des Bezirks sind im Allgemeinen ziemlich einfach, indem nur 2 Glieder der Trias, bunter Sandstein und Muschelkalk, hier ausgebildet zu Tage gehen.

Von den primitiven Gebirgsarten greift der Granit nur an der westlichsten Grenze, im großen Enzthal, vom Enzklösterle bis zur Kälbermühle, in den Bezirk ein; er steht hier theils in dem Flußbett, theils an dem Fuß der Thalgehänge an und schließt bei der Sprollenmühle ein Lager von sogenanntem Weißstein ein, der hier in beträchtlichen Felsen vorkommt und für Straßenmaterial gewonnen wird. In dem Nagoldthale geht nur an einer Stelle zwischen Ernstmühl und der Sägmühle, der Granit zu Tage; derselbe steht in einem unbedeutenden Felsen auf der linken Seite der Nagold an der Straße von Hirschau nach Liebenzell an und reicht von hier bis an das entgegengesetzte Ufer des Flusses, wo er in dem Bett desselben wieder erscheint. Über diesem Granitfelsen entwickeln sich an dem Bergabhange leichte Spuren des Rothliegenden (Todtliegenden), das sich auch stellenweise über dem Granit im Enzthale zeigt.

1) Die bunte Sandsteinformation nimmt beinahe 3/4 des ganzen Bezirks ein und erstreckt sich von der westlichen Bezirksgrenze bis an das Nagoldthal, dieses noch überschreitend und die rechten Thalgehänge und theilweise Anhöhen bildend. Die verschiedenen Schichten der Formation sind von unten gegen oben folgende: über den primitiven Gebilden oder auch über dem Rothliegenden entwickelt sich ein weißer, weißlich grauer, mit Mangan gefleckter Sandstein (Tigersandstein); ihm folgen entweder lose, eisenschüssige Schuttmassen oder die Conglomerate. Über letzteren lagert der grobkörnige Sandstein, der nicht selten von Kieselsandstein ganzartig durchsetzt wird. Der grobkörnige Sandstein wird gegen oben thoniger und geht bald in einen feinkörnigen Thonsandstein über, dessen Schichtung aufwärts immer dünner wird, bis er endlich in den eigentlichen Plattensandstein übergeht, der die bekannten 1–6″ dicken Platten liefert. Die Thonplatten gehen allmälig in thonige Schiefer und endlich in die Schieferletten über, mit denen sich die bunte Sandsteinformation schließt.

Diese hier angegebene normale Schichtenfolge ist übrigens in Folge der Hebung des Schwarzwaldgebirges nicht nur aus ihrer horizontalen Lage gebracht, sondern auch vielfältig zerstört und durch Überstürzungen unkenntlich geworden, namentlich ist der grobkörnige Sandstein gewaltsam geborsten, und liegt als Zeuge dieser Hebungskatastrophe in losen Trümmern weit verbreitet auf den Höhen und | an den Abhängen des Bezirks. Auch Trümmer des Thonsandsteins sind nicht selten, kommen jedoch mehr an der östlichen Grenze des bunten Sandsteins, als im westlichen Theil des Bezirks vor. In diesem Bezirkstheil sind die oberen thonigen Schichten der bunten Sandsteinformation, insbesondere der Plattensandstein und die Schieferletten nicht so ausgebildet, sogar häufig gar nicht vorhanden, während sie im östlichen Theil des Bezirks, namentlich in der Nähe der Muschelkalkformation häufig ausgebildet auftreten. Bei Neu-Bulach durchzieht ein Gang den bunten Sandstein, welcher aus Schwerspath mit eingesprengten, theilweise silberhaltigen Kupfererzen besteht und früher in beträchtlicher Ausdehnung lange Zeit abgebaut wurde (s. hier. den Abschn. Gewinnung von Mineralien). Zu beiden Seiten des Gangs erscheint der Kieselsandstein, welcher der beständige Begleiter der Spathgänge in der bunten Sandsteinformation zu sein scheint und ohne Zweifel in Folge der Gangbildung entstand, indem der gewöhnliche bunte Sandstein zunächst der Gänge ein quarziges Bindemittel erhielt. Das ausgebrochene Gestein aus den ehemaligen Schachten und Stollen liefert gegenwärtig noch den Mineralogen eine Ausbeute an schönen Schwerspathen, Rauchtopasen, Kupferlasur etc. Außer diesem Hauptgang zeigt sich noch ein Brauneisenführender bei der Eisensägmühle, und einer, der Kupfer enthalten soll, bei Martinsmoos und Alzenberg (s. hier. den Abschn. Gewinnung von Mineralien). Die Mächtigkeit der bunten Sandsteinformation dürfte etwa 800′ betragen.

2) Die Muschelkalkformation tritt hauptsächlich nur in dem östlichen Theile des Bezirks, auf den rechts von dem Nagoldthale gelegenen Höhen auf, und nur das unterste Glied der Formation, die Wellenmergel und Wellendolomite ziehen sich auf die linke Seite des Nagoldthales, die Hochebene bei Neu-Bulach, Ober-Haugstett und Martinsmoos stellenweise noch bildend.

Kommt man von dem Schwarzwalde her und überschreitet das Nagoldthal, so erscheinen bald auf den jenseitigen Höhen die untersten Glieder der Muschelkalkformation, die Wellenmergel und Wellendolomite, die sich durch ihre schmutzig gelbe Farbe leicht von dem Frischroth des sie unterlagernden bunten Sandsteins unterscheiden; sie stehen vorzugsweise am Muggberg bei Calw, bei Möttlingen, Neu-Hengstett, Alt-Hengstett, Stammheim, Hof Dicke und Holzbronn an.

Über den Wellenmergeln und Wellendolomiten entwickelt sich bald die Anhydritgruppe, welche hauptsächlich am Fuß der markirteren aus Hauptmuschelkalk bestehenden Hügel auftritt und nur | einmal selbstständig einen Hügel, den Täfelberg bei Alt-Hengstett bildet.

Der über der Anhydritgruppe lagernde Hauptmuschelkalk erscheint an seinem westlichen Rande in einzeln stehenden, freien Hügeln und wird in der Richtung gegen Osten allmälig zusammenhängender, bis er endlich die ganze Hochebene bildet. Nur in Thälern, welche sich ziemlich tief in die Hochebene eingefurcht haben, wie bei Simmozheim, Ostelsheim, Gechingen und Stammheim gehen dann wieder an den unteren Thalgehängen die Anhydritgruppe, und, jedoch seltener, die Wellenmergel und Wellendolomite, an einigen Stellen sogar der bunte Sandstein, zu Tage.

Das oberste Glied der Muschelkalkformation, der Dolomit, sowie die Mergel und Sandsteine der Lettenkohlengruppe, haben sich nur in dem südöstlichen Theil des Bezirks auf der Markung Deckenpfronn entwickelt.

Versteinerungen sind bis jetzt in dem bunten Sandsteine nicht aufgefunden worden, dagegen kommen in den Wellendolomiten und Wellenmergeln folgende vor: Myophoria cardissodes, Melania Schlotheimii, Terebratula vulgaris, Plagiostoma lineatum, Gervillia socialis etc. In der Anhydritgruppe fehlen die Versteinerungen, dagegen trifft man zuweilen Gypsspath, Hornstein und Rauchtopase. Die unteren Schichten des Hauptmuschelkalks, die sogenannten Encrinitenkalke, sind mit dem späthigen Gliedern von Encrinites liliiformis reichlich angefüllt; sie erscheinen vorzugsweise in der Gegend von Stammheim, Alt-Hengstett, Simmozheim, Gechingen und Ostelsheim. In den höher liegenden Schichten kommen, jedoch nur spärlich, Ammonites nodosus, Nautilus bidorsatus, Rostellaria scalata, Pecten lävigatus, Plagiostoma striatum, Terebratula vulgaris, Gervillia socialis etc. vor. Der Lettenkohlensandstein enthält Equiseten und Täniopteris vittata.

3. Von dem älteren aufgeschwemmten Land ist nur der Diluviallehm an einzelnen Stellen, jedoch in ganz unbedeutender Ausdehnung vorhanden.

4. Die Alluvialgebilde, welche sich meist in den Thalebenen und am Fuß der Thalgehänge abgelagert haben, bestehen aus Sand, Lehm, Thon, Geröllen, Geschieben etc. Die Gerölle-, Geschiebe- und Sandlager der Gewässer bekunden die Gebirgsformationen, aus denen dieselben kommen, daher die der Enz und der Nagold den verschiedenen Schichten des bunten Sandsteins und nur die des Enzthales theilweise den primitiven Gebirgsarten angehören; die Geschiebe und Gerölle im östlichen Theil des Bezirks stammen durchgängig aus | der Muschelkalkformation. Torf kommt vor in den Eulertwiesen bei Alt-Hengstett, bei Martinsmoos, in dem Maisgraben bei Möttlingen, bei Würzbach, wo er versuchsweise schon abgebaut wurde, und in dem Staatswald Bruckmiß 1/2 Stunde westlich von Ober-Reichenbach in ziemlich großer Ausdehnung und von vorzüglicher Beschaffenheit; derselbe ist früher mit gutem Erfolg abgebaut worden. Spuren und Andeutungen von Torf kommen bei Liebelsberg, Ober-Haugstett etc. vor.

Die Gebirgsschichten zeigen neben der allgemeinen Senkung gegen Norden ein bedeutendes Einfallen gegen Osten, was von der Hebung des Schwarzwaldgebirges herrührt, daher auch die Senkung im Westen des Bezirks bedeutender ist und in der Richtung gegen Osten allmälig abnimmt.

Von eigentlichen Mineralien kommen vor: Rauchtopas und gemeiner Quarz, in sechsseitigen Pyramiden krystallisirt, Schwerspath, rother Jaspis, silberhaltiges Arsenikfahlerz, Rothkupfererz, Kupferlasur strahlig und krystallisirt, Malachit, Kupfergrün, Würfelerz in braunrothen Krystallen und strahlig, sämmtlich bei Neubulach; Kugel-Jaspis da und dort dem braunen Sandstein eingewachsen bei Calw; krystallisirter Quarz, nebst Malachit und Kupferlasur in einem längst verlassenen Gang bei Alzenberg, manganreiche Bohnerze in aufgeschwemmtem Boden auf den Höhen bei Calw und Alt-Hengstett.


7. Pflanzen- und Thierreich.
A. Pflanzen.

Die Flora des Bezirks ist im Allgemeinen die des Schwarzwaldes, nur fehlen hier einerseits die den höchsten Gegenden des Schwarzwaldes eigenthümlichen Pflanzen, indem sich der Bezirk nur bis zu einer Höhe von etwa 2900′ erhebt, anderseits die Pflanzen der Hochmoore und der Hochseen. Im östlichen, aus Muschelkalk bestehenden Theil des Bezirks nähert sich die Flora der des Unterlandes und nimmt an der Formationsgrenze zwischen dem bunten Sandstein und dem Muschelkalk beinahe plötzlich einen ganz anderen Charakter an. Die Sandboden und Schatten liebenden Pflanzen, insbesondere die mannigfaltigen blüthenlosen Gewächse (Cryptogamen) treten zurück, dagegen erscheint eine Kalkboden und Sonne liebende reichere und buntere Flora von phanerogamen Gewächsen.

Charakteristisch für den Schwarzwald ist außer dem Vorherrschen der Nadelhölzer das Auftreten der Besenpfriemen, der Stechpalmen | und des rothen Fingerhuts, für den Muschelkalk das Überhandnehmen des Laubwaldes. In botanischer Hinsicht interessante Lokalitäten sind: die Bergwiesen um die Ruine von Zavelstein, bei Alzenberg und Altburg, der Simmozheimer Wald und die Häsel bei Alt-Hengstett, der Muckberg und Galgenberg bei Stammheim und das Torfmoor bei Würzbach.

a. Bäume. Im Allgemeinen sind die Nadelhölzer weit vorherrschend und die Laubhölzer kommen entweder nur eingesprengt, oder in kleineren Beständen, jedoch mehr in dem östlichen Theil des Bezirks vor.

Von den Nadelhölzern kommen die Weiß- oder Edeltanne, die Rothtanne (Fichte), die Forche ober Kiefer und zuweilen, jedoch nur künstlich gezogen, die Lärche vor. Die Legforche (P. montana) im Moor bei Würzbach; die Hängefichte (Pinus Abies pendula) findet sich in ausgezeichneten Exemplaren bei Ottenbrunn. Ein Wachholderbaum, 32′ hoch und 1′ dick, steht in dem Garten der Beitter’schen Wirthschaft in Calw.

Von Laubhölzern nennen wir die Stein- und Stieleiche, die Roth- und Hainbuche, die Weißbirke, die haarige Birke (Betula pubescens), welche besonders auf höheren Bergen nicht selten ist, die Esche, den Berg- und Spitzahorn, den Maßholder, die Ulme (Ulmus campestris) an dem Hof Dicke, die groß- und kleinblätterige Linde, den Mehlbeerbaum (Sorbus Aria), welcher über den ganzen Schwarzwald verbreitet ist, den Vogelbeerbaum (S. aucuparia), den Holzapfel, die Holzbirne, die wilde Kirsche (Prunus avium), die wilde Pflaume (Prunus insititia), in Hecken bei Calw und Kenntheim ziemlich häufig, mit gelben und blauen Früchten, die Traubenkirsche (Prunus Padus), vereinzelt, die weiße, gelbe und Saalweide, die Salbeiweide (Salix aurita) etc.

Sträucher. Außer den gewöhnlichen Wald- und Heckensträuchern heben wir hervor: die Stechpalme (Ilex aquifolium), die Besenpfrieme (Spartium scoparium), welche an den Gehängen oft ganze Strecken überzieht, den haarigen Ginster (Genista pilosa), den schwarzen Bohnenstrauch (Cytisus nigricans), den Traubenholunder (Sambucus racemosa), das wohlriechende Geisblatt (Lonicera Periclymenum) bei Zavelstein, den Kreuzdorn (Rhamnus cathartica), die Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum) bei Alzenberg, die Steinbeere (Rubus saxatilis), die Preiselbeere (Vaccinium Vitis idaea), die Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und Andromede (A. polifolia) bei Würzbach, die Sumpfheidelbeere (Vaccinium uliginosum) häufig in feuchten hochgelegenen Waldungen, das rundblättrige, kleine und | einseitswendige Wintergrün (Pyrola rotundifolia, minor, secunda), den Seidelbast, das Bittersüß; von Rosen findet sich die niedrige (Rosa pumila) und Rostrose (R. rubiginosa), die Waldrose (R. repens), die Zimmtrose (R. cinnamomea) bei Alzenberg und Hirschau, vielleicht verwildert.

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Kräuter. Von seltenen krautartigen Pflanzen sind zu nennen: das Frühlingshexenkraut (Circaea alpina) bei Enzklösterle, das Fettkraut (Pinguicola vulgaris) im Eulert bei Simmozheim, der Frühlingssafran (Crocus vernus) auf Wiesen um die Burg von Zavelstein, die quirlblüthige Salbei (Salvia verticillata) am Brühl bei Calw, der großblüthige Ehrenpreis (Veronica Buxbaumii) bei Calw; mehrere schöne Wollgräser (Eriophorum vaginatum, angustifolium, latifolium) im Würzbacher Moos und Umgebung, die nelkenartige Schmiele (Aira caryophyllea) bei Calw, das Steinlabkraut (Galium saxatile) bei Teinach und Calw, der Krummhals (Lycopsis arvensis) bei Hengstett und Teinach, das Sumpfveilchen (Viola palustris) bei Würzbach und Oberreichenbach, der runde und schwarze Rapunzel (Phyteuma orbiculare & nigrum) ziemlich häufig bei Simmozheim und Hirschau, das Sperrkraut (Polemonium caeruleum) mit weißen Blumen an der Nagold gegen Hirschau, die breitblättrige Haftdolde (Caucalis latifolia) bei Teinach, die großblüthige Haftdolde (Caucalis grandiflora) bei Althengstett, der behaarte Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) bei Calw, das Pinnblatt (Parnassia palustris) bei Bulach und Möttlingen, die gelbe Balsamine (Impatiens noli tangere) an Waldbächen nicht selten. Die gelbe Vogelmilch (Gagea lutea) in Hecken bei Kentheim, die Ackervogelmilch (Gagea arvensis) am Muckberg und Galgenberg, die Zaunlilie (Anthericum Liliago und ramosum) bei Calw und in der Häsel bei Hengstett, der Türkenbund (Lilium Martagon) bei Deckenpfronn und Simmozheim, die Traubenhyacinthe (Muscari bothryoides) bei Zavelstein, Calw und Ostelsheim, die Ackerhyacinthe (Muscari comosum) am Domaberg gegen Dicke und Stammheim, der kugelköpfige Lauch (Allium rotundum) auf Äckern bei Ostelsheim, die quirlblüthige Maiblume (Convallaria verticillata) im Nagoldthal gegen Stammheim und Dicke, die Tofieldie (Tofieldia calyculata) bei Simmozheim, Möttlingen und Unterhaugstett, die sparrige Simse (Juncus squarrosus) bei Altburg und Würzbach, die große Feldsimse (Luzula maxima) in Wäldern um Calw. Das Bisamkraut (Adoxa moschatellina) zwischen Calw und Hirschau, das Milzkraut (Chrysosplenium oppositifolium & alternifolium) bei Calw, die Nachtkerze (Oenothera biennis) bei Hirschau, das großblüthige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) | überall an Gehängen und in Schlägen, die Pechnelke (Lychnis viscaria) ebenso, ein Hauptschmuck des Nagoldthals, das steife Leinkraut (Silene linicola) bei Teinach, die punktirte Nelke (Dianthus deltoïdes) bei Calw, Hirschau und Neubulach, die Waldsternmiere (Stellaria nemorum) um Calw. Der gelbe Sauerklee (Oxalis stricta) bei Calw, die Waldwolfsmilch (Euphorbia amygdaloides), der ziegelrothe Mohn (Papaver Argemone) bei Calw, das silberblättrige Fingerkraut (Potentilla argentea) bei Calw. Der weißblüthige Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius) auf dem Schwarzwald an Waldbächen, die Trollblume (Trollius europaeus) auf Waldwiesen bei Alzenberg und Altburg, das Christophskraut (Actaea spicata) bei Calw. Der breitblätterige Gamander (Teucrium scorodonia) bei Calw und Hirschau. Das Ohnblatt (Monotropa hypopitys) bei Möttlingen und Stammheim; eine fleischrothe, seltene Varietät desselben (M. hirsuta Koch) auf Forchenwurzeln zwischen Stammheim und Deckenpfronn. Die Teesdalie (Teesdalia nudicaulis) bei Zavelstein und Calw, das glatte Thurmkraut (Turritis glabra) bei Calw und Hirschau. Das wohlriechende Pappelkraut (Malva moschata) bei Calw, der braunblüthige Storchschnabel (Geranium phaeum) am Eselspfad bei Calw, der hohlwurzlige und dichte Lerchensporn (Corydalis cava et solida) bei Hirschau. Die großblumige Wicke (Vicia lathyroides) bei Zavelstein. Das schöne und Bergjohanniskraut (Hypericum pulchrum & montanum) bei Calw und Teinach. Der Hasensalat (Prenanthes purpurea) überall in Wäldern, die niedrige Schwarzwurz (Scorzonera humilis), die einjährige Sternblume (Diplopappus annuus) bei Unter-Reichenbach, das blaßgelbe Immerschön (Helichrysum luteoalbum) bei Calw, die große Kornblume (Centaurea montana) bei Holzbrunn und Dachtel, die gelbe Kornblume (Centaurea solstitialis) bei Stammheim. Die fliegen- und spinnenblüthige Ragwurz (Ophrys myodes und arachnites) im Simmozheimer Wald, das wohlriechende und weißblüthige Knabenkraut (Orchis odoratissima und bifolia) in der Häsel bei Althengstett, das männliche Knabenkraut (Orchis mascula) ebendaselbst, die Sommer- und Herbstschnabelblume (Spiranthes aestivalis und autumnalis) bei Calw und Spessart, die einköpfige Ragwurz (Herminium monorchis) bei Martinsmoos und Simmozheim, die Spitzklette (Xanthium spinosum) bei Calw, wahrscheinlich durch fremde Wolle eingeführt.

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Von Gift- und Arzneipflanzen finden sich: der purpurrothe Fingerhut (Digitalis purpurea) allgemein und zugleich die schönste Zierde der Schwarzwaldflora, der gelbe Fingerhut (D. ambigua) bei Liebenzell und Kentheim, die Tollkirsche (Atropa belladonna), | eine eigenthümliche gelbblühende Varietät derselben mit gelben Beeren bei Ernstmühl, die Judenkirsche (Physalis Alkekengi) bei Althengstett, das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und der Stechapfel (Datura Stramonium) hie und da auf Schutt bei Calw, die stinkende Nießwurz (Helleborus foetidus) nur auf dem Muschelkalk, der gefleckte Schierling (Conium maculatum), der schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum), der Giftlolch (Lolium temulentum) bei Stammheim, das ausdauernde Bingelkraut (Mercurialis perennis) bei Gechingen und Hirschau, das gemeine Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), die gemeine Haselwurz (Asarum europaeum) bei Gechingen, der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) bei Sommenhardt und Speßhardt, die Küchenschelle (Anemone Pulsatilla) bei Gechingen und Althengstett, das Tausendguldenkraut (Erythrea centaurium), der wohlriechende Waldmeister (Asperula odorata) bei Gechingen, der edle Gamander (Teucrium chamaedrys), der Attich (Sambucus ebulus) häufig auf dem Muschelkalk, der ächte Ehrenpreis (Veronica officinalis), der Sauerklee (Oxalis acetosella) ganz allgemein, wurde früher häufig für Sauerkleesalzfabriken gesammelt, der heilsame Baldrian (Valeriana officinalis), das kriechende Queckengras (Triticum repens), die Ackerkamille (Matricaria Chamomilla) häufig, der Wohlverlei (Arnica montana) bei Alzenberg und Altburg, die Eberwurz (Carlina acaulis) am Muckberg, die Wollblume (Verbascum thapsus) auf Muschelkalk, das bittere Kreuzblümchen (Polygala amara), der gemeine Sanikel (Sanicula officinalis) u. s. w.

Von eßbaren Beeren sind es hauptsächlich die Heidelbeeren, Himbeeren, Preisselbeeren, Erdbeeren und Brombeeren, welche in großer Menge gesammelt und theils roh oder gekocht verspeist, theils verkauft werden. Aus den Heidelbeeren, zuweilen auch aus den Himbeeren wird Branntwein gebrannt, der einen besonderen Handelsartikel für die Bezirksbewohner bildet.

An blüthenlosen (kryptogamischen) Gewächsen ist der Bezirk, wenigstens so weit er aus buntem Sandstein besteht, sehr reich, wir nennen: das Wald- und Ackerschaftheu (Equisetum sylvaticum & arvense), das Winterschaftheu (E. hiemale) seltener, Bärlappen (Lycopodium clavatum) allgemein, so daß die Samen gesammelt werden, L. annotinum bei Enzklösterle, L. complanatum und chamaëcyparissus bei Speßhart, L. Selago bei Calw, der Mondfarrn (Botrychium Lunaria) bei Hirschau, der Rippenfarrn (Blechnum borcale) bei Calw und Neubulach, der Tüpfelfarrn (Polypodium vulgare), der Schildfarrn (Aspidium aculeatum) im Nagoldthal, der Mannsfarrn (Polystichum filix mas, A. thelypteris und | A. spinolosum), der Blasenfarrn (Cystopteris fragilis), die Streifenfarrn (Asplenium Filix femina, A. ruta muraria, A. Adiantum nigrum), letzterer bei Teinach, A. septentrionale bei Alt-Bulach und Calw, A. Trichomanes, A. viride bei Liebenzell, der Adlerfarrn (Pteris aquilina). Auch an schönen Laub- und Lebermoosen sind die Wälder nordwestlich von Calw und gegen Bulach sehr reich, namentlich finden sich schöne Astmoosarten (Hypnum tammariscinum, squarrosum, cristacastrensis, molluscum), Apfelmoose (Bartramia Halleriana, crispa, pomiformis, fontana), Torfmoose (Sphagnum antifolium, obtusifolium), die blättrige Buxbaumie (Diphyscium foliosum) bei Calw. Die kahlen Felsen und Trümmergesteine überzieht die Isisflechte (Isidium corallinum) und in der Nähe der Bäche zuweilen der veilchenduftende Byssus (Chroolepus Jolithus). Die Rinde der Bäume bedecken die seltensten Flechten des Landes, wie die milchfarbige Thelotrema (Thelotrema lepadium), die Korallenflechte (Spherophoron coralloides), die Leberflechte (Sticta pulmonacea); die isländische Moosflechte (Cetrarda islandica), die Rennthierflechte (Cladonia angiferina), die Scharlachflechte (Clad. coccifera), die Blasenflechte (Gyrophora pastulata, vellea und deusta), die Landkartenflechte (Lecidea geographica), welche auf den Höhen oft ganze Felsen überklammert. Die schwefelgelbe Schüsselflechte (Lecanora sulphurea) bei Hirschau, die Sackflechte (Solorina saccata) bei Kentheim, die Tüpfelflechte (Sticta sylvatica) bei Calw, die Wachholderflechte (Cetraria juniperina) in Wäldern, die grüne Schüsselflechte (Parmelia conspersa) sehr häufig auf Sandsteinblöcken, die Blutflechte (Lecidia sanguinaria), die modernde Feuchtigkeit liebende (C. icmadophila), die Haarflechte (Alectoria jubata et sarmentosa), die Blumenflechte (Usnea florida) und die längste Flechte der Erde (Usnea longissima), die öfters in klafterlangen Fäden an den Tannen herabhängt.

Von eßbaren Schwämmen kommen vor: die Morchel (Morchella esculenta), der Reizker (Agaricus deliciosus), Brätling (A. volemus), Champignon (A. campestris) , Eierschwamm (Merulius cantharellus), der Ringpilz (Boletus luteus), der Korallenschwamm (Clavaria flave, orispa und botrytis).

Von giftigen Schwämmen finden sich: der Fliegenschwamm (Agaricus muscarius), der scharfe und grimmenerregende Blätterschwamm (A. acris, torminosus) u. A.


B. Thierreich.
Die Fauna des Bezirks ist im Allgemeinen die des Schwarzwaldes und zeichnet sich als solche in mancher Beziehung vor den | übrigen des Landes aus, an welche sich übrigens der östliche Theil des Bezirks anschließt [6].

Von den Säugethieren des Waldes ist das wilde Schwein ganz verschwunden und das Edelwild so sehr vermindert, daß es nur noch selten erscheint, übrigens aus den großen zusammenhängenden Waldungen bis jetzt nie ganz gewichen ist. Häufiger noch trifft man Rehe und Hasen. Überdieß kommen vor: der Fuchs, der Dachs, der Steinmarder, der Edelmarder verhältnißmäßig ziemlich häufig, die wilde Katze, der Iltis, das große und kleine Wiesel, das Eichhorn und zwar vorherrschend das schwarze, der Igel, zuweilen der Fischotter, die Hasel- und Spitzmaus, der Siebenschläfer; auch an Ratten, Haus- und Feldmäusen ist kein Mangel, namentlich kommt auch die Röthelmaus (Hypudaeus glareola Scherb.) auf Hanfäckern vor.

Von Vögeln kommen außer den gewöhnlichen vor: 1) Raubvögel, der Milan (Falco Milvus), der Hühner-Habicht (F. palumbarius), der Sperber (F. nisus), der Baumfalke (F. subbuteo), der Thurmfalke (F. tinnuniculus), der rauhfüßige Bussard (F. lagopus); auf dem Strich erscheinen: der Wanderfalke (F. peregrinus) und der Zwergfalke (F. aesalon). Von Eulen nisten im Bezirk: der Uhu (Strix bubo), die mittlere Ohreule (St. otus), der Nachtkauz (St. aluco), der kleine Kauz (St. posserina), der Schleierkauz (St. flammea). Von den Krähen: die Mandelkrähe (Coracias garrula), der Tannenheher (Corcus cariocatactes) hauptsächlich im westlichen Theil des Bezirks. 2) Singvögel: der Kieferkreuzschnabel (Loxia pityopsittacus), der kleinere Kreuzschnabel (L. curvirostra), der Kernbeißer (L. coccothraustes), der Krammetsvogel (Turdus pilaris) häufig, die Singdrossel (T. musicus) häufig, die Ringdrossel (T. torquatus) und auf dem Winterstrich die Misteldrossel (T. viscivorus), die Goldamsel (Oriolus galbula), die Tannenmeise (Parus ater), die Haubenmeise (P. cristatus), das Goldhähnchen (Regulus pyrocephalus und R. crococephalus), der muntere Zeisig (Fringilla spinus), der Zitronenzeisig (F. citrinella) hauptsächlich in dem zum Schwarzwald gehörigen Theil des Bezirks, die Feldlerche (Alauda arvensis), die Heid- oder Baumlerche (Alauda arborea), der Staar (Sturnus vulgaris) u. s. w. 3) Klettervögel: der Kukuk (Cuculus canorus), | der Schwarzspecht (Picus Martius), der dreizehige Specht (P. tridactylus) und sonst noch mehrere Spechtarten. 4) Hühnerartige Vögel: der Auerhahn (Tetrao urogallus), kommt in den abgelegenen Waldungen im westlichen Theil des Bezirks, namentlich bei Naislach, Hofstett, Aichelberg etc. nicht selten vor, das Haselhuhn (T. bonasia) in dem Walde zwischen Stammheim und Deckenpfronn, das Feldhuhn (Perdix cinera) häufiger im östlichen Theil des Bezirks, die Wachtel (P. coturnix), die Holztaube (Columba oenas), die Ringeltaube (C. palumbus), die Turteltaube (C. turtur). 5) Sumpfvögel: der Fischreiher (Ardea cinerea) nistet in Colonien bei Waldeck und Dennjächt, der Regenpfeiffer (Charadrius pluvialis) und Kiebitz (Vanellus cristatus) erscheinen zuweilen an der untern Nagold, die Schnepfe (Scolopax rusticola), der Wachtelkönig (Rallus Crex), die Wasserralle (R. aquaticus). 6) Wasservögel: die wilde Ente (Anas boschas), die Kriekente (A. crecca), die wilde Gans (A. anser) zuweilen auf dem Strich; der Storch ist ziemlich selten und fehlt in den eigentlichen Schwarzwaldgegenden des Bezirks ganz.

Von Amphibien finden sich: die Ringelnatter (Coluber natrix), die Blindschleiche (Anguis fragilis), alle gewöhnlichen Frösche und Kröten, die Eidechse (Lacerta stirpium), die Mauereidechse (L. muralis) wurde schon bei Teinach und Ober-Kollwangen beobachtet, wird aber ohne Zweifel noch mehr über den Bezirk verbreitet sein, der Erdmolch (Salamandra maculosa), der Wassermolch (Triton cristatus) u. s. w.

Von Fischen beherbergt die Nagold sammt Seitenbächen die Forelle (Salmo Fario), den Weißfisch (Cyprinus nasus), den Schuppfisch (C. cephalus), die Barbe (C. barbus), die Äsche (Salmo Thymallus), zuweilen den Aal (Muraena anguilla), das Neunauge (Petromyzon Planeri), die Groppe (Cottus gobio), die Grundel (Cobitis barbatula) und die Pfelle (Cyprinus Phoxinus).

Von den Mollusken kommen die gewöhnlichen Landschnecken vor und zwar vorzugsweise in dem westlichen Theile des Bezirks und in den Thälern, während auf dem bunten Sandstein sie seltener sind und dort hauptsächlich nur nackte Schnecken (Limax rufus, agrestis) erscheinen.

Von Crustaceen finden sich nicht selten Stein- und Edelkrebse.

Von Insekten, die, was namentlich die Käfer betrifft, sehr zahlreich in dem Bezirk vertreten sind, nennen wir nur: von den Halbflüglern die Brillenwanze (Eurydema ornatum), den Binsenblattsauger (Livia juncorum), den Fichtenblattsauger (Chermes abietis), verschiedene Blattläuse etc.

| Von Käfern: insbesondere kommen vor: der Lederkäfer (Procrustes coriaceus), der Bockkäfer (Cerambyx Heros), der runde Windkäfer (Sinodendron cylindricum); von den Laufkäfern (Carabus violaceus, auratus, auronitens, grannulatus, marginatus), die Goldkäfer (Cetonia aurata et fastuosa), der Holzbock (Rhagium inquisitor), von den Blattkäfern (Chrysomela analis, fastuosa, carnifex, menthae, cerealis, coriaria, limbata, graminis); die Sandkäfer (Cicindela hybrida et campestris); die Lepturen (Leptura quadrifasciata, quadrimaculata, rubrotestacea), der Feuerkäfer (Pyrochrea coccinea), der Todtengräber (Necrophorus Vespillo), der Erdfloh (Haltica oleracea), die Holzkäfer (Hylurgus ligniperda et piniperda), die Borkenkäfer (Bostrichus typographus et villosus), welche nicht selten Schaden in den Nadelwaldungen anrichten. Von den vielen vorkommenden Hautflüglern ist die Holzwespe (Sirex gigas) anzuführen. Auch an schönen Schmetterlingen und Netzflüglern, sowie an lästigen Mücken, Bremsen und Schnaken ist kein Mangel. Von Ersteren führen wir hauptsächlich die für den Schwarzwald charakteristische Proserpina und die vielen schönen Spanner an.
  1. v. Memmingers Beschreibung von Württemberg 1841. S. 824.
  2. Württ. Jahrb. 1832 Heft II. S. 325.
  3. Nach einer von Professor Kohler angestellten Berechnung führt die Nagold bei einem Flußgebiet von 121/2 Quadratmeilen alljährlich 985,3 Millionen württ. Eimer Wasser über die Landesgrenze (s. Württ. Jahrb. Jahrg. 1852, Heft I, S. 204).
  4. Ihren Fall weist folgende Tabelle nach (vgl. Memminger Beschreibung v. W. S. 844).
    Höhe über d. Meere in par. Fuß. Entfernung v. d. höheren Orte in Stunden à 13.000 württ. Fuß. Fall auf diese Entfernung.
    d. höhern Orts. d. tiefern Orts. nach der Strombahn. nach dem Thal. in par. Fuß. in Proz. d. Thal nach.
    Von Wildberg bis Calw (Brücke) 1127,0 1027,5 04,7 04,0 0099,5 00,2160
    Calw bis Hirschau (Brücke) 1027,5 1010,0 00,7 00,6 0017,5 0,254
    Hirschau bis Liebenzell 1010,0 0985,0 01,4 01,2 0025,0 0,181
    Liebenzell bis Pforzheim 985, 847, 04,3 04,0 0138,0 0,300
    Vom Ursprung der Nagold bis Pforzheim 2491,5 847, 24,6 21,2 1644,5 0,675
  5. Das Ozon (Riechstoff), von Prof. Schönbein in Basel entdeckt und benannt, weil es als Ursache des eigenthümlichen Geruches erkannt wurde, der sich bei Reib-Elektrisirmaschinen, in größerem Maßstab bei einschlagenden Blitzen entwickelt, dann aber auch erzeugt werden kann, wenn Phosphor, halb mit Wasser bedeckt, in verschlossenen Glasballons eine Zeitlang ruhig stehen gelassen wird, wurde anfänglich wegen seines analogen Verhaltens, wie das Chlor und das Brom, gleich diesen für einen besonderen (chemisch) einfachen Stoff, später aber für eine Modifikation des Sauerstoffgases gehalten. Da eine mit Ozon behaftete, atmosphärische Luft auf Jodverbindungen, welche mit Stärkmehl in Berührung sind, in der Art reagirt, daß das Stärkmehl durch das Jod violett gefärbt wird, so wurden Papierstreifen, mit Jodkaliumkleister überzogen, als ein Mittel gewählt, den Ozongehalt der atmosphärischen Luft nach dem Intensitätsgrade der Färbung zu bestimmen, und da das Ozon in gleicher Art, wie das Chlor, auf die Athmungswerkzeuge reizend wirkt, so wird die Beobachtung des Ozongehaltes der atmosphärischen Luft, zusammengehalten mit dem Auftreten von katharrhalischen und andern entzündlichen Krankheitsformen als ein Mittel angesehen, den ursächlichen Zusammenhang besagter Krankheitsformen mit atmosphärischen Veränderungen, welche den Ozongehalt der Luft steigern, zu ermitteln.
  6. Die Jagd ertrug nach den Angaben der Herren Raich und Staudenmeyer in dem Bezirk in den letzten Jahren durchschnittlich 450 Hasen, 50–60 Rehe, 1–2 Hirsche, 1 Wildschwein, 130 Füchse, 15 Dachse, 6 Edelmarder, 20 Hausmarder, 1–2 wilde Katzen, 5 Fischotter, 10 Auerhähne, 20 Haselhühner, 36 Feldhühner.
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