Beschreibung des Oberamts Calw/Kapitel B 25

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Neuweiler,
Gemeinde III. Kl. mit 606 Einw., worunter 6 Kath. a. Neuweiler, Pfarrdorf, 528 Einw. b. Hofstett, Weiler, 78 Einw. – Ev. Pfarrei.


In einem, auf der Hochfläche leicht eingefurchten Wiesenthälchen, das gleichsam den Anfang des Teinach-Thales bildet und auch Neuweiler Thal genannt wird, liegt 31/2 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt der ziemlich große, etwas gedrängt gebaute Ort. Die meist ansehnlichen, aus Holz mit steinernen Unterstöcken oder Sockeln erbauten Wohnungen sind häufig an den Außenwänden verschindelt oder vertäfelt, und zum Theil noch mit Schindeln gedeckt.

Beinahe in der Mitte des Orts steht die Pfarrkirche, deren ursprünglich in germanischem Styl erbautes Langhaus stylwidrig verändert wurde; der an der Westseite stehende 4eckige, mit Schußscharten versehene Thurm ist uralt und noch aus Buckelsteinen erbaut; das oberste, mit Brettern verschlagene Stockwerk dagegen besteht aus Holz und trägt ein einfaches Zeltdach. Auf dem Thurme, dessen unterstes Stockwerk mit einem Tonnengewölbe versehen ist, hängen 2 Glocken, von denen die größere die 4 Evangelistennamen als Umschrift trägt und die andere in neuerer Zeit gegossen wurde. Das Innere der im Osten platt geschlossenen Kirche enthält einen im germanischen Geschmack gehaltenen Taufstein. Die Unterhaltung der Kirche liegt dem Kirchspiel ob. Der Pfarrsatz steht der Krone zu. Um die Kirche liegt der mit einer Mauer versehene Begräbnißplatz.

Das ansehnliche, in der Nähe der Kirche frei gelegene Pfarrhaus, welches in neuerer Zeit verbessert wurde, hat der Staat zu unterhalten.

Unfern der Kirche hat die Gemeinde ein Privatgebäude im Jahr 1839 erkauft und zu einem Schulhaus eingerichtet; dasselbe enthält ein Schulzimmer und die Wohngelasse für den Schulmeister.

Die Gemeinde beabsichtigt, das alte Schulhaus zu einem Rathhaus einrichten zu lassen, während sie gegenwärtig ein Zimmer im Gasthaus für den Gemeinderath gemiethet hat.

| Ein Armenhaus ist vorhanden.

Der Ort ist mit vortrefflichem Trinkwasser, das 3 Rohrbrunnen, ein Schöpfbrunnen und viele Pumpbrunnen liefern, hinreichend versehen. Der Badbrunnen liefert das beste Wasser; eine auf dem ehemaligen Badhaus noch gehaftete Abgabe ist in neuester Zeit abgelöst worden. Etwa 1/4 Stunde nördlich vom Ort entspringt in der sog. Rohrmiß die Teinach, welche mitten durch den Ort fließt.

Die im Allgemeinen körperlich kräftigen Einwohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Feldbau, Viehzucht und mit Arbeiten in den Waldungen; auch bildet der Verkauf von Holz eine Einnahmsquelle. In den Vermögensumständen, die früher ziemlich günstig waren, sind die Einwohner in neuerer Zeit etwas zurückgekommen, übrigens gibt es immer noch mehrere vermögliche Bauern, von denen der begütertste 60 Morgen Felder und 50 Morgen Waldungen besitzt; der mittlere Besitz beträgt 10–30 Morgen Felder und 6–8 Morgen Wald. Gemeindeunterstützung genießen etwa 25–30 Personen. Der Grundbesitz ist nicht sehr vertheilt, indem noch geschlossene Bauerngüter von 50 Morgen und ziemlich viele Parcellen von 4–10 Morgen vorhanden sind. Die Gewerbe beschränken sich auf 2 Schildwirthschaften, 2 Krämer und die nöthigsten Handwerker.

Der Feldbau, welcher wechselwirthschaftlich ziemlich mittelmäßig betrieben wird, liefert hauptsächlich Roggen, Hafer, Kartoffeln und Flachs, welch letzterer sehr gut gedeiht. Überdieß zieht man Kraut, Rüben, dreiblättrigen Klee und in neuerer Zeit wird auch Dinkel mit ziemlich gutem Erfolg gebaut. Auf den Morgen werden 4 Sri. Roggen, 6 Sri. Hafer und 8 Sri. Dinkel ausgesät und der durchschnittliche Ertrag wird zu 3–4 Schfl. Roggen, 4–5 Schfl. Hafer und 6–8 Schfl. Dinkel. pr. Morg. angegeben. Die Äcker gelten 50 bis 100 fl. und die Wiesen von 400–800 fl. pr. Morgen. Brodfrüchte müssen viele von Außen aufgekauft werden. Der im Allgemeinen nicht sehr fruchtbare, leichte, rothsandige Boden bedarf einer kräftigen Düngung, die ihm nicht in der gehörigen Ausdehnung zukommt, weil die Düngerstätten nicht in dem besten Zustande sich befinden und die Jauche nur wenig benützt wird, dagegen ist das Brennen der Felder noch allgemein üblich. Von verbesserten Ackergeräthen wird die Walze häufig angewendet, während der deutsche Pflug noch der vorherrschende ist.

Die durchgängig 2mähdigen Wiesen, von denen nur 40 Morgen bewässert werden können und ein großer Theil aus sog. Ackerwiesen besteht, ertragen durchschnittlich 24 Ctr. Heu und 12 Ctr. Öhmd pr. Morgen.

| Wegen des rauhen Klima’s und der kalten Nebel, welche sich häufig in dem Thale einstellen, gedeiht das Obst nur in ganz günstigen Jahrgängen und reicht auch dann nicht für das örtliche Bedürfniß; es werden nur späte Mostsorten, namentlich Knausbirnen gezogen. Die Zwetschgen- und Kirschenbäume tragen höchst selten Früchte.

Der aus einer Landrace bestehende Rindviehstand ist ziemlich ausgedehnt und erlaubt einen lebhaften Handel mit Zug- und Melkvieh; Butter wird viel nach Wildbad abgesetzt. Die Stallfütterung ist eingeführt und nur das Jungvieh kommt noch auf die Weide.

Auf der Schafweide lassen die Ortsbürger ungefähr 100 Stück Landschafe laufen, wofür sie kein Pachtgeld zu entrichten haben.

Die Zucht der Schweine ist ziemlich gut, übrigens werden immer mehr Ferkel erkauft, als selbst gezogen.

Die Gemeinde besitzt 1560 Morgen Waldungen, deren jährlicher Ertrag von 260 Klaftern größtentheils verkauft und der Erlös für Gemeindezwecke verwendet wird.

Über das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungspflege s. Tabelle III.; über das alte Amt Neuweiler s. Vogtsberg bei Bergorte.

Eine alte Straße, die alte Weinstraße genannt, kommt von Altensteig her über Berneck, Gaugenwald, Zwerenberg nach Neuweiler und führt von da über Ober-Kollwangen in die alte Calwer Straße, welche an Hofstett vorüber nach Oberweiler zieht.

Zu der Gemeinde gehört Hofstett, ein aus 6 Bauernhöfen bestehender Weiler, 1/4 Stunde nordwestlich von dem Mutterort, unfern der Vicinalstraße von Würzbach nach Simmersfeld gelegen.

Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse sind die gleichen wie im Mutterort.

Allhier war ursprünglich ein herzogliches Jagdschloß, besonders wegen der Auerhahnenfalz; solches wurde in die Försterwohnung umgewandelt, da hier ein Revierförster seinen Sitz hat.

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