Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 20

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Hörschweiler,
Gemeinde III. Kl. Dorf, mit 236 Einw., worunter 5 Kath. – Pfarrfilial von Thumlingen; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt.


In einem anmuthigen, wiesenreichen, nicht tief eingeschnittenen Seitenthälchen des Waldach-Thales, liegt an der Vicinalstraße von Thumlingen nach Dornstetten der stille, etwas enge gebaute Ort, der sich mit seinen meist stattlichen Gebäuden, zwischen denen einzelne kräftige Eichen und Linden emporwachsen, recht freundlich ausnimmt. Eine Kirche hat der Ort nicht; aber einen sehr alten, viereckigen, massiven Thurm, der von einer früheren Kirche herrühren soll(?); über dessen spitzbogigem Eingang an der Westseite steht die Jahrszahl 1590, die übrigens nach der Bauart des Thurms, nicht sowohl das Jahr der Erbauung, als die Zeit, in welcher der Eingang eingebrochen wurde, angeben dürfte. Auf dem Thurme hängt eine Glocke mit der Umschrift: in sant Lux, Marx, Johannes, Matthäus Er (Ehre) gos mich Pantlion Sydler zuo Eßlingen im 1524 Jar. Die Glocke soll aus der nun abgebrochenen Kirche bei Thumlingen nach Hörschweiler gebracht worden seyn. Zunächst am Thurme steht das gut erhaltene, im Jahr 1837 neu erbaute Schulhaus, das außer den Schulgelassen noch das Rathszimmer und die Wohnung des Lehrers enthält. Ein Gemeinde-Back- und Waschhaus besteht seit 9 Jahren.

Mit gutem Trinkwasser, das 5 laufende Brunnen liefern, ist | der Ort hinreichend versehen, überdieß fließt noch ein kleiner Bach mitten durch das Dorf.

Die Einwohner, welche sich ihr Auskommen hauptsächlich durch Feldbau, Viehzucht, Holz- und Bretterhandel sichern, sind im Allgemeinen sehr fleißig und in ziemlich guten Vermögensumständen; der größte Güterbesitz beträgt 70 Morgen, der gewöhnliche 30 Morgen und bei vielen nur 4–20 Morgen, überdieß sind jedem Bürger noch 2 Morgen Allmanden zugetheilt.

Die meist eben gelegene, verhältnißmäßig ziemlich ausgebreitete Markung, hat theils einen rothsandigen – theils rothlettigen (thonigen) Boden, der an Ertragsfähigkeit dem auf Thumlinger Markung etwas nachsteht und eine kräftige Düngung bedarf, wozu man außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch Gyps und Hallerde anwendet.

Im Systeme der Dreifelderwirthschaft baut man vorzugsweise Dinkel und Hafer; Gerste und Roggen gedeihen nicht gerne; im Übrigen ist der Anbau wie in dem nahe gelegenen Thumlingen. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens Acker wird zu 5–6 Scheffel Dinkel und 4 Scheffel Hafer angegeben und die Ackerpreise bewegen sich von 25–200 fl. per Morgen. Der Verkauf an Früchten ist unbedeutend.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, denen größtentheils Wässerung zukommt, liefern per Morgen 25 Centner Heu und 12 Centner Öhmd; ihre Preise steigern sich von 100–400 fl.

Die Obstzucht ist nicht beträchtlich, indem die Obstblüthe häufig durch Frühlingsfröste leidet; Hagelschlag kommt selten vor.

Der mittelmäßige Rindviehstand (Landrace) wird durch einen tüchtigen Farren, dessen Haltung die Gemeinde bezahlt, nachgezüchtet. Schweinszucht kommt nicht vor. Auf der Markung werden etwa 90 Schafe geweidet, die den Bürgern gehören, von denen jeder das Recht hat 2 Stücke zu halten.

Außer der durch den Ort führenden Vicinalstraße (s. oben), ist noch eine weitere nach Lützenhardt angelegt. Der Ort liegt 3 Stunden östlich von der Oberamtsstadt und 1/4 Stunde nordwestlich von dem Mutterort.

Die Gemeinde besitzt etwa 600 Morgen Nadelwaldungen, welche einen jährlichen Ertrag von etwa 179 Klaftern abwerfen; hievon erhält jeder Bürger gegen 3 Klafter, während der Rest verkauft wird und der Gemeindekasse eine Einnahme von 400–500 fl. jährlich sichert.

| Übrigens siehe über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt Tabelle III.

Nach den vorhandenen Spuren zog durch den Ort eine Römerstraße in der Richtung von Schopfloch gegen Cresbach und Pfalzgrafenweiler; sie wird noch die Heergasse, Hünergasse genannt, führt über den Straußenbühl und zeigt nicht selten, namentlich zwischen Cresbach und Pfalzgrafenweiler, noch Reste des ehemaligen Pflasters in künstlicher, wallartiger Anlage (s. hierüber den allg. Theil).

Auf der Anhöhe an der Straße nach Thumlingen soll eine Kapelle gestanden seyn auf einer Stelle, die das Käppele genannt wird und wo vor einigen Jahren Grundmauern, Ziegel etc. ausgegraben wurden. Auf den an der Heergasse gelegenen Schelmenäckern wurde vor etwa 50 Jahren auf Eisenerz gebaut.

Alte Schreibweisen des Ortsnamens sind Herricheswilare (um 1080, erstmaliges Vorkommen des Namens, Cod. Reichenbach 9a), Heringiswiler (ib. 38a).

Der Geistliche Ruotmann von Stöffeln schenkte um 1080 dem Kloster Hirschau vier Huben allhier, welche der dortige Abt Wilhelm um 1085 dem Kloster Reichenbach überließ (Cod. Hirsaug. 30b. 66b. Cod. Reichenb. 9a).

Von hiesigen Adelichen kommt vor Heinrich von Hörschweiler in Urkunden von 1258 (Schanat Vindem. 1, 207, Schmid, Pfalzgr. von Tüb. Urk. 21). Später kam Hörschweiler zum Theil an die Herren von Neuneck; von ihnen wurde im Jahr 1485 der dritte Theil an der Obrigkeit an Jörg von Ehingen veräußert und am 6. Aug. 1511 verkaufte Margarethe von Neuneck mit ihrem Gatten Heinrich von Wolfersdorf ihren Antheil (d. i. 1/3) an Hörschweiler nebst Dietersweiler an den Herzog Ulrich von Württemberg.

Im Vergleich Württembergs mit der Ritterschaft vom Jahr 1769 wurde ersterer Herrschaft seitens des ritterschaftlichen Cantons Neckarschwarzwald die hiesige Collectation auf ewig überlassen (Cramer, Wetzlar. Nebenst. 112, 600).


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