Beschreibung des Oberamts Gerabronn/Kapitel B 32

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 31 Beschreibung des Oberamts Gerabronn Kapitel B 33 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
32. Gemeinde Wiesenbach,
bestehend aus 4 Parcellen mit 1130 Einwohnern.

Wiesenbach und Engelhardshausen liegen in geringen Vertiefungen auf der hier gegen das Brettachthal geneigten Hochebene. Durch Wiesenbach fließt ein kleiner Bach ohne Namen, der bei Trockenheit bald versiegt. Nachdem derselbe einen großen Theil seines Wegs zum Brettachfluß unterirdisch fortgesetzt hat, ergießt er sich bei Engelhardshausen in die Brettach. Sonstige fließende Gewässer fehlen, Brunnen aber sind genügend vorhanden, doch tritt in heißen Sommern in Saalbach gewöhnlich Wassermangel ein. Auch finden sich in Wiesenbach zwei Weiher von unbedeutendem Umfang. Das Wasser, das nicht durch den bemerkten Bach seinen Ausfluß nimmt, verliert sich in den zahlreich vorhandenen Erdfällen. Sämmtliche Orte sind weitläufig gebaut, aber nicht reinlich gehalten. Auf den 127 Haupt- und 126 Neben-Gebäuden sieht man noch viele Strohdächer. Bei einem Vermögen der Gesammtgemeinde von 1306 fl. beträgt die Gemeindekostensumlage 1278 fl. Die einzelnen Orte haben Gemeinderechte. Die Bauernhöfe und Söldnersgüter sind meist frühere Erblehen und mit Handlohn und Sterbfall belastet, der 5 bis 10 % beträgt. Doch sind die dießfälligen Rechte des Staats nun vollständig abgelöst. Die Gefälle, welche in den verschiedenen Gemeinden noch gereicht werden und bloß in Grundzinsen bestehen, betragen 464 fl. 5 kr.

a. Wiesenbach, Pfarrdorf mit 702 Einwohnern, worunter 8 Katholiken und 48 Juden (im J. 1734 349, im J. 1807 432 Einw.), liegt über 3 Stunden vom Oberamtssitz entfernt an der| Vicinalstraße zwischen Brettheim und Blaufelden und zwischen letzterem Ort und Hausen. Die Höhe des Kirchthurmknopfs über dem Meer beträgt 1799 württ. oder 1586,6 pariser Fuß, mithin 10′ mehr als der höchste gemessene Punkt im Bezirk (s. S. 6). Seit Übernahme des der hiesigen Pfarrei überlassen gewesenen kleinen Zehenten ist der Staat Universal-Zehentherr. Die Juden sind zur Kirchengemeinde Michelbach an der Lücke eingetheilt. Aus den früheren Verhältnissen schreibt sich noch ein eigenthümlicher Verband, die sogenannte Bemberger-Amtspflege, her, eine besondere Stiftung, aus welcher das Schulhaus erhalten und ein Theil der Besoldung des Schullehrers bestritten wird. Sie wird von den Ortsbehörden verwaltet. Die Kirche zum h. Ulrich ist nicht geräumig genug. Das Patronat steht der Krone zu.

Die Pfarrei Wiesenbach ist zusammengesetzt aus dem Hauptort und den Orten Engelhardshausen, Emmertsbühl, Saalbach und Naicha. Im Mittelalter waren sie Bestandtheile der Stift würzburgischen, von 1379 an der Stift feuchtwangenschen Pfarrei Brettheim. Die Bildung eines eigenen Pfarrsprengels scheint 1530 vor sich gegangen zu seyn. Die Reformation war schon 1525 erfolgt. Baupflichtig ist die nicht vermögliche Stiftungspflege sowohl in Betreff der Kirchen- als Pfarr-Gebäude. Die Schule ist für Wiesenbach, Emmertsbühl, Saalbach und Naicha gemeinschaftlich.

Vom hiesigen Ort schrieb sich vor Zeiten ein adeliges, dem Hause Hohenlohe lehen- und dienst-pflichtiges Geschlecht; Überbleibsel einer Burg finden sich aber nicht mehr. Wann dieses Geschlecht ausgestorben, ist ebenfalls nicht bekannt. Das langenburger Gültbuch von 1595 enthält aber den Eintrag: „das Burgstadel Wiesenbach ist der Herrschaft von dem Geschlecht zu Wiesenbach als ein frei Mannlehengut heimgefallen.“ Von dem Geschlecht der Herren von Wiesenbach ist ein Ritter von Wiesenbach erstmals 1343 genannt „Engelhard, genannt von Wiesenbach, ein Edelknecht,“ Richter am kaiserlichen Landgericht zu Rothenburg. Um 1370 waren Friedrich und Ludwig, 1403 Raban und 1429 Conrad von Wiesenbach mit der hiesigen Burg belehnt. 1403 verkaufte Raban von Wiesenbach und Anna Zynlin, seine eheliche Hausfrau, ihren Hof zu Almerspunt an Klein-Comburg.

1442 wurde hier von Kraft von Hohenlohe Cunz von Schrotzberg mit einem Hof belehnt. Die Herren von Bebenburg waren, wie bereits bemerkt, Besitzer des Orts. 1405 aber verkaufte Catharine geborne von Klingenstein, Conrads von Bebenburg eheliche Hausfrau, denselben an Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg mit der Herrschaft Bemberg, und von da an gehörte er zu| dem Fürstenthum Ansbach bis zum Jahr 1806. Übrigens besaß auch Hohenlohe hier 4 Unterthanen, welche erst 1796 bis 1800 durch Tausch an Preußen kamen, von wo sie mit dem Orte in der Art wie Gerabronn 1806 an Bayern übergingen. Bis dahin war Wiesenbach der Sitz des dem Kastenamt Werdeck einverleibten Amts Bemberg eines Kastners und eines aus 12 Gerichtsschöppen bestehenden Ehehaftengerichts, sowie einer aus 6 von dem Gericht genommenen Männern zusammengesetzten Siebenrei (eines Untergangsgerichts.) Traten Lehensstrafen ein, so wurden die Angeklagten, weil es hier an einem Hochgericht fehlte, dem Kastenamt Werdeck zur Execution nach Blaufelden ausgeliefert (s. Gerabronn und Blaufelden). Beim Übergang an Bayern waren von den brandenburg’schen Unterthanen 3 als Besitzer von Gütern zum Stiftsamt Feuchtwangen lehen-, zur Pfarrei Brettheim gült- und zum Amt oder Herrschaft Bemberg steuer-bar. Auch der Zehente gehörte in älteren Zeiten zum Stift Feuchtwangen bis zu dessen Säcularisation, und hängt dieß mit den zuvor angegebenen kirchlichen Verhältnissen zusammen.

b. Emmertsbühl, Weiler mit 96 evang. (1734 54, 1807 58) Einwohnern, 1/2 Stunde westlich von Wiesenbach am Vicinalweg von Blaufelden nach Wiesenbach etwas tiefer als die Umgebung gelegen. Der große und kleine Zehente, der früher dem Hospital in Rothenburg gehörte, ist nun im Besitz der Oberamtspflegers Gundlach Wittwe in Blaufelden, der Novalzehente aber dem Staat zuständig. Mit Wiesenbach gehörte der Ort immer zu Bemberg. Die Unterthanen waren nach 1405 alle ansbachisch, einer davon rührte von dem St. Gumprechtsstift her.

Im dreißigjährigen Krieg wurde dieser Ort sehr mitgenommen, 1629 war er gänzlich verlassen.

c. Engelhardshausen, Weiler mit 263 evang. (1734 140, 1807 182) Einwohnern, 3/4 St. südlich von Wiesenbach. Die Höhe des hiesigen Kirchthurmknopfs ist 1670 württ. oder 1472,8 pariser Fuß über dem Meer. Der Ortsname wird vom Volk Englertshausen ausgesprochen. Das k. Cameralamt Roth am See hat hier einen Fruchtkasten. Den Neugereuthzehenten bezieht der Staat, der früher dem Hospital in Rothenburg gehörige große und kleine Zehente steht Privaten zu. Der Ort hat eine eigene Schule. An der von einer Schwester des letzten Herrn von Bebenburg erbauten und dem h. Leonhard geweihten Filialkirche hat die Kirchenpflege die Baulast, an der Schule aber die Gemeinde. Die Kirche ist 1447 mit einem Ablaßbrief versehen gewesen.

d. Saalbach, Weiler mit 69 evang. (1734 70, 1807 79) Einwohnern, 1/4 St. westlich von Wiesenbach gelegen. Den Zehenten| bezieht allein der Staat, nur steht der Pfarrei Schmalfelden von einem kleinen Bezirk, dem Gigertsfeld, 1/3 des kleinen Zehenten zu.

Wie Wiesenbach, so war auch Saalbach bis 1806 preußisch, und gehörte zum Fürstenthum Ansbach (theilweise, von der Herrschaft Bebenburg herrührend). Das Amt Werdeck beziehungsweise Bemberg, hatte hier von jeher die hohe Obrigkeit, hinsichtlich der Vogtei gehörten aber von den preußischen Lehensleuten und Grundholden zwei zum Kastenamt Werdeck, 1 zum Kastenamt Lobenhausen, 1 zum Kastenamt Insingen, 1 zur Johanniter-Commende und 1 zur Reichsstadt Rothenburg. Die Zehentrechte waren dem Kastenamt Insingen zuständig.


« Kapitel B 31 Beschreibung des Oberamts Gerabronn Kapitel B 33 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).