Beschreibung des Oberamts Heidenheim/Kapitel B 26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 25 Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 27 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
26. Gemeinde Steinheim am Albuch,
bestehend aus dem evangel. Marktflecken gleiches Namens, mit Ziegelhütte und Öschenthal, und aus den Parzellen Bibersohl, Gnannenweiler, Irrmannsweiler, Kerbenhof, Küpfendorf, Neuselhalden und Sontheim mit dem Wirthshaus im Stubenthal, mit 2159 Einw. auf 8 Markungen im Gesammtflächengehalt von 20.7146/8 M. oder 1.183 Q.-Meilen. Die Gemeinde bildet eine Parochie, mit Ausnahme der Parzelle Irrmannsweiler, welche der evangel. Pfarrei Bartholomä, Oberamts Aalen, zugetheilt ist, und 20 Kathol. Filialisten von Böhmenkirch, Oberamts Geislingen. Der ganze große Bezirk (mit Ausnahme von Küpfendorf, das zur Alp gerechnet wird) gehört dem Albuch an, von welchem er einen Haupttheil ausmacht. Er ist von dem Stubenthal durchzogen, von dessen Seitenthälern das wilde Wen- oder Wendthal (s. oben) das bedeutendste und merkwürdigste ist. Ehe dieses durch einen Durchbruch bei Sontheim und eine flachere Mündung östlich von Steinheim mit dem Stubenthal sich vereinigt, bildet es einen weiten Kessel, in welchem Steinheim liegt. Von der Masse merkwürdiger Versteinerungen in dem ältern Süßwasserkalk, aus welchem die Ränder dieses alten Seebeckens bestehen, war oben die Rede. Diese Trockenthäler und einige andere ebenfalls trockene Thaleinschnitte ausgenommen, ist der Bezirk eine zum Theil stark bewaldete Hochfläche, die bei Gnannenweiler den höchsten Punkt des Oberamtsbezirkes erreicht. Es fehlt nicht an Quellen, die jedoch in heißen Sommern theils gar nicht, theils nur spärlich fließen. Die ergiebigste ist in Sontheim.[1] Das Schnee- und Regenwasser wird von den zahlreichen Erdlöchern, besonders im Wendthal, verschlungen, und, nur wenn diese zugefroren sind, bewässern sich die Thäler bei schnellem Schneeabgang, und senden verheerende Wassermassen der Brenz zu. Steinheim leidet bisweilen sehr durch diese Überschwemmungen (z. B. im J. 1823). Die Luft ist auf den Höhen scharf und kalt, in den Niederungen häufig neblicht und feucht; Frühlingsfröste und Reifen sind an der Tagesordnung. | Hagelgewitter sind selten, der Albuch bildet eine Wetterscheide. Der Boden ist im Ganzen kalt, steinigt, mitunter flachgründig, in der Niederung jedoch nicht unergiebig. Zur Verbesserung der Felder liefert übrigens der Albuch sehr guten Mergel. Ackerbau wird auf 67933/8 M. betrieben, wovon zwei Fünftheile, größtentheils mit Haber angeblümte, Wechselfelder (Ausbäue) sind. Roggen und Dinkel, Haber und Gerste werden am meisten gebaut; der Durchschnittsertrag ist 5–6 Scheffel Dinkel, 21/2-3 Scheffel Roggen, 3–4 Scheffel Haber, 31/2–4 Scheffel Gerste. Die Brache wird ganz angebaut, und besonders zu Flachs und Reps benützt. Ackerpreise 30–100-300 fl. p. Morgen. Der Wiesenbau ist beträchtlich (9163/8 M.). Die Wiesen sind nun sämmtlich zwei-, zum Theil dreimähdig. Ertrag an Heu und Öhmd 27 Ctr. Preise: 100–225–400 fl. p. Morgen. Obst gedeiht besser auf den Höhen (z. B. in Küpfendorf, das sogar Nußbäume hat) als in der mehr von Nebeln und Reifen leidenden Niederung. Von der mit Laubholz besonders schön bewachsenen Waldfläche (11.2847/8 M.) gehört der bei weitem größte Theil (9011 M.) dem Staat, 13414/8 der Gemeinde und das Übrige Privaten. Waldwaiderechte bestehen. - Die Pferdezucht ist unbedeutend, namhaft aber und in ziemlich gutem Stand die Rindviehzucht mit activem Handel ins Unterland. Stallfütterung besteht in Steinheim selbst, nicht aber durchgängig auf den Parzellen. Die Schafzucht ist ebenfalls nicht unbeträchtlich, es werden feine Bastarde gezogen; die Schafwaide erträgt durchschnittl. 1400 fl. jährliches Pachtgeld. Die Bienenzucht ist die stärkste im Oberamt. Auch befindet sich hier ein Schneckengarten.

Außer Feldbau und Viehzucht – in welcher Hinsicht Schultheiß Kehrer und Revierförster Häusler mit gutem Beispiele vorangehen – ist ein Hauptnahrungszweig die Weberei, die auf 300 Stühlen meistens für die Heidenheimer Fabriken in Baumwollenwaaren betrieben wird. Auch finden viele hiesige Arbeiter in den dortigen Fabriken selbst ihre Nahrung. Fünf Hafner, die guten Thon aus der Mühlhalde beziehen, treiben ihr Geschäft vortheilhaft und ausgedehnt. Es finden sich ferner: eine Spezerei- und Ellenwaarenhandlung, eine Ziegelei, vier Schildwirthschaften in Steinheim, eine solche in Sontheim, vier Bierbrauereien in Steinheim, eine solche in Sontheim, und eine in Küpfendorf. Krämer- und Viehmarkt hält Steinheim einmal des Jahrs.

Die Vermögensumstände gehören im Ganzen zu den gut mittleren, doch mehr auf den Filialien als im Mutterort, wo es ziemlich viele Verschuldete, und der wohlhabenden Bauern nur wenige giebt. Das Gemeindevermögen ist nicht bedeutend. Als Beneficien genießt der einzelne Bürger 1/2 Klafter gemischtes Holz und 25 Wellen, | und jeder der 72 ältesten Bürger hat 3/4 M. Gütergenuß. Sämmtliche Zehenten bezieht der Staat, nur in Steinheim und Sontheim steht der kleine der Pfarrei zu, und Bibersohl ist zehentfrei. Frohnen sind abgelöst jährl. 48 fl. 35 kr. An Beeden vorerst jährl. 2 fl. 10 kr. Die übrigen sind in Verhandlung.

1) Steinheim am Albuch, Marktflecken, Sitz eines Revierförsters, liegt in dem oben erwähnten flachen Thalkessel, 13/4 geom. St. westlich von Heidenheim, wohin eine, in die Wilhelmsstraße einmündende gute Vicinalstraße führt; mit 1646 Einw. (darunter 14 Kathol.) in 233 Wohnhäusern. Der Ort hat ein ziemlich gutes und reinliches Aussehen, besonders die lange Hauptstraße, durch welche der Weg nach Heubach und Gmünd führt. Strohdächer werden seltener. Kirche, Pfarrhaus und eines der Schulhäuser liegen etwas abgesondert, erhöht, von angenehmen Wiesen umgeben. Die Pfarrkirche, ein wohlgebautes, geräumiges und helles Gebäude, wurde 1778–79 aufgeführt. Sie hat 1822 eine gute Orgel erhalten. Die Baulast hat die Commun zu tragen. Die Stiftungspflege, welche die Kultkosten trägt, hat 450 fl. jährl. Einnahme. Der Begräbnißplatz liegt hinter der Kirche. Das Pfarrhaus gehört dem Staat. Die Schule hat drei Lehrer, und befindet sich in zwei Gebäuden, von welchen das eine, schon erwähnte, 1828 neu erbaut, das andere unten im Dorfe 1840 erkauft und 1841 für seinen Zweck gehörig eingerichtet wurde. Ein Stiftungscapital von 400 fl. ist mit der Bestimmung der Anschaffung von Bibeln und Schulbüchern vorhanden. 1837 erbaute die Gemeinde ein neues Rathhaus. Es bestehen fünf öffentliche Backhäuser, in welchen jeder Bürger sein Brod selbst backt. Für die kleinen Kinder der ärmeren, im Tagelohn arbeitenden Leute sorgt eine Bewahranstalt. Ein Liederkranz übt erwünschten Einfluß auf einen bessern Geschmack der Jugend in der Auswahl ihrer Gesänge. – Der als ascetischer Schriftsteller und Dichter bekannte und in einem weiten Kreise geschätzte Philipp Heinrich Hiller lebte hier als Pfarrer und starb den 24 April 1769. – Als Denkwürdigkeit ist anzuführen, daß Steinheim von 1832–1838 neunmal von Brandunglück – wahrscheinlich durch die Bosheit eines und desselben Individuums veranlaßt – heimgesucht wurde, wobei im Ganzen 27 Gebäude in Flammen aufgiengen.

Auf der Südseite des Fleckens erhebt sich der Klosterberg, zusammenhängend mit dem durch groteske Felsenformen ausgezeichneten Steinhirt. Jener trug ehemals ein Augustinerkloster, das später mit Königsbronn vereinigt, eine Expositur des letztern Klosters (s. unten), und nach dessen Aufhebung eine herrschaftliche Mayerei unter dem noch jetzt gebräuchlichen Namen Klosterhof war, jetzt aber zehentfreies Gemeinde-Eigenthum ist. Am westlichen | Fuß dieser halbmondförmig um die Südseite des Orts sich herumziehenden Anhöhe befindet sich die berühmte Sandgrube mit ihren unzähligen versteinerten Schnecken, Fischen etc., s. oben S. 27. Der Sand eignet sich vorzüglich zum Reinigen und Scheuern, und wird weithin verkauft.

Die mächtigste der Felsmassen, durch welche sich das Wenthal auszeichnet, steht da, wo es anfängt, sich zu verengen; sie führt den Namen Hirschfelsen, weil nach der Sage ein gehetzter Hirsch über die thurmhohe, senkrechte Wand sich herabstürzte und am Fuße zerschellt seinen Tod fand. Eine weite und hohe Öffnung in den Fels in Gestalt eines großen Thors erhöht das Malerische dieser Partie. Das Nähere über das Wenthal, s. übrigens oben S. 7.

Steinheim kommt sehr frühe, im J. 839, in der Geschichte vor als Steinheim, wo laut Urkunde K. Ludwigs des Frommen Kl. Fulda Güter gegen andere bei Zimbra (Zimmern Oberamts Gmünd?) gelegene an Helmerich, Lehensmann genannten Kaisers, austauschte {Schannat Trad. Fuld. nr. 443).

Im J. 1190 stiftete hier Witegow von Alpeck und sein Bruder Beringer, Domherr in Augsburg, ein regulirtes Augustiner Chorherrnstift, das Bischof Sigfried von Augsburg auf Bitten Witegows von Alpeck, Sohn des gleichnamigen Stifters, im J. 1209 bestätigte, und mit dem Kirchensatz in Steinheim (gegen Entschädigung durch den Kirchensatz in Siegertshofen bayr. Landgerichts Schwabmünchen) begabte (Mon. Boic. 33, 49). Witegow von Alpeck, der Sohn, verkaufte noch um 100 Mark Silber den Ort Steinheim nebst Zugehörungen an diese neue Klosterstiftung (Mon. Boic. 33, 51). Die Vogtei behielt er sich vor, sie ging indeß bald von seinem Hause auf das der Grafen von Helfenstein über. Als Steinheimer Pröbste kommen vor: Heinrich im J. 1209 (Mon. Boic. 33, 49), Albert im J. 1216 (einer der Schiedsrichter in einem Streit zwischen der Abtei Ellwangen und Kl. Kaisersheim, aufgestellt von Papst Innocenz III. Orig. in München). Mit dem J. 1302 verschwindet das Stift ganz, indem es durch Cession des Grafen Ulrich von Helfenstein in der neuen Stiftung Königsbronn aufgieng (Besold 636).[2]

Mit Kl. Königsbronn wurde Steinheim württembergisch; es gehört zum Amte dieses Klosters, welches in frühester Zeit hier ein eigenes Obergericht hatte. Aber 26 Familien waren heidenheimisch, | und hatten bis 1806 einen eigenen, dem Oberamt Heidenheim untergebenen Schultheiß.

Nach der Nördlinger Schlacht (1634) wurde der Ort eingeäschert.

Auf dem Hochberg zwischen Steinheim und Gnannenweiler stand ein Hof, welcher als „Hof ze dem Hohenberge“ in der helfensteinischen Theilung vom J. 1356 unter dem Antheil des jüngern Grafen Ulrich vorkommt. Ein Theil des Hohenbergs gehörte nach Königsbronn, war aber nach Heidenheim vogtbar. Hier hatte das Kloster ohne Zweifel eine Expositur; noch jetzt heißt die Stelle, wo letztere stand, das Klösterle, und der ganze Distrikt, ein Wechselfeld von 776/8 M. 1,0 R. Meßgehalt ist zehentfrei. Man sieht noch die Überreste der Umfangsmauer eines Brunnens, Grundmauern, Steine und Ziegel von den Gebäuden mit den deutlichen Spuren der Einäscherung. Vor Jahren soll ein Stück von einer zerschmolzenen Glocke gefunden worden seyn. Die Sage der Umwohner spricht von einem Nonnenkloster, das hier gestanden haben soll. Möglich, daß der Name des Klosters Rechenzell lautete, indem das Heidenheimer Salbuch einen abgegangenen Ort dieses Namens auf dem Albuch anführt, ihn jedoch nicht als königsbrunnisch sondern als heidenheimisch bezeichnet. – In der Nähe südlich war der abgegangene Ort Adelgotzweiler (Salbuch), wovon ein Haidedistrikt noch jetzt den Namen Weiler führt. Andere alte Weilerstätten auf dieser Markung sind: Geroldsweiler und Felgenhof (nördlich vom Klösterle), Burg (Walddistrikt 3/4 St. ostnordöstlich von Steinheim), Hitzingen oder Hitzingsweiler (1/4 St. nordöstl.). Die Lage des ebenfalls abgegangenen Weilers Westheim (Besold S. 668) läßt sich nicht mehr angeben.

a) Öschenthal, Hof mit 15 Einw., eine kleine geom. St. südöstlich von Steinheim, von Waldungen eingeschlossen, früher Staatsdomäne, seit 1822 Privateigenthum.

b) Ziegelhütte, mit 12 Einw. (oben zu Steinheim gerechnet) 1/2 St. östlich von Steinheim. In der Nähe ist ein Hungerbrunnen, der Lerzbronnen oder die Lerz genannt. – Eine neue Ziegelhütte entstand 1843.

2) Bibersohl, Hof mit 6 Einw. (darunter 3 Kathol.) 13/4 St. nordwestlich von Steinheim, in sehr hoher, kalter und waldiger Lage am Anfang des Wendthals, K. Staatsdomäne, davon ein Areal von 3877/8 M., 1831/49 für jährl. 495 fl. verpachtet ist. Die ganze Markung enthält 11723/8 M., darunter 7521/8 M. Waldungen. Man findet hier die Überreste einer Kapelle, und die Sage will, daß hier ein Kloster gestanden habe, vielleicht nur ein Pfleghof des Klosters Elchingen.

Im J. 1302 verkaufte Graf Ulrich von Helfenstein an K. Albrecht | mit andern Gütern zur Stiftung des Klosters Königsbronn auch den Ort Bibersol (Besold p. 635). Von 1482 ist ein Lehenbrief des Prälaten von Königsbronn für Hans Gersten zu Weißenhorn über den Hof Bibersohl. Im J. 1605 den 1. Juli kauft Herzog Friedrich von Württemberg von Konrad Daur, Bürger zu Heidenheim, den Hof zu Hohen und Niedern Bibersohl um 3600 fl. Sein Sohn und Nachfolger Herzog Joh. Friedrich verkaufte solchen im J. 1616 an Achatius von Laimingen, doch so, daß die hohe malefitzische, landesfürstliche, forst- und geleitliche Obrigkeit, wie auch die niedere Gerichtsbarkeit jederzeit der Herrschaft Württemberg vorbehalten blieb und die Besitzer des Hofs nur modicam correctionem ausübten (Sattler 5, 270). Achat von Laimingen verkaufte den Hof an Hieron. Fugger, später kam er an Kl. Zwifalten, 1697 von diesem an Kl. Elchingen, endlich 1701 wieder an Württemberg um 12.000 fl. (K. Staats-Archiv).

3) Gnannenweiler, Weiler mit 58 Einw. 11/2 St. westlich von Steinheim, auf eigener Markung von 15454/8 M. (darunter 335 M. Staatswaldungen), in sehr hoher, die Höhe von Gerstetten noch übertreffender Lage; doch fehlt es nicht an Quellwasser. Die Felder haben kalten, leichten, der Verbesserung durch Mergel bedürftigen Boden; die Bauern aber sind wohlhabend. Für Gnannenweiler und Neuselhalden ist ein ständiger Provisor angestellt.

4) Irrmannsweiler, Weiler, Sitz eines Revierförsters, mit 35 Einw. (worunter 3 Kathol.) in öder, verlassener Gegend, von Wald und Haide umgeben, der höchste bewohnte Ort des Oberamts, 21/8 geom. St. nordnordwestl. von Steinheim, auf eigener Markung von 19801/8 M., wovon 13681/2 M. Waldungen dem Staat gehören. Der Boden ist auf dieser freien Höhe so sandig und leicht, daß heftige Stürme nicht selten die ausgedörrte Erde sammt der grünenden Saat entführen. Wasser ist zur Genüge vorhanden. Der Weiler ist jetzt der Kirche und Schule in Bartholomä zugetheilt, nachdem er früher in ersterer Hinsicht nach Steinheim gehört, und mit Staatsbeitrag einen ständigen Provisor unterhalten hatte. – Der Name des Orts erzeugte die Fabel von einer Irminsäule oder Tempel des Irmin, der hier gestanden haben sollte. Irmboldeswilare kommt im Jahre 1143 unter den Widumsgütern des Kl. Anhausen vor. Yrmelboltzweiler erscheint im J. 1356 im helfensteinischen Theilungsbrief als Antheil des jüngern Grafen Ulrich. Das Salbuch der Herrschaft Heidenheim aus dem 15. Jahrhundert sagt: Irmannsweiler, Burgstall und Weilerstatt mit seinen Zugehörungen ist der Herrschaft eigen. Im J. 1576 verkauften Niclas Wohnhardt zu Gmünd und Peter Mertz ihren dasigen Burgstall um 92 fl. an Herzog Ludwig von Württemberg, welcher auf dieser Stelle ein | Forsthaus erbauen ließ, da der Forstknecht zu Zang seinen bisherigen großen Bezirk vor Wilderern nicht genug schützen konnte.

5) Kerbenhof, Hof mit 5 Einw., 11/4 St. nordnordwestlich von Steinheim, K. Staatsdomäne, von Wald umschlossen, auf eine Markung von 8015/8 M., wovon 1651/8 M. von 1825-44 für jährl. 315 fl. 40 kr. verpachtet sind. 6254/8 M. sind Waldungen.

Unter dem Namen Chorben kommt dieser Hof (oder ehemals Weiler) in der Anhauser Urkunde von 1143 (Besold p. 331) als Stiftungsgut des Klosters vor. Das älteste Heidenheimer Salbuch sagt: „Körwen und Stamhürn (s. Königsbronn) sind des von Ahawsen, darüber ist mein Herr Vogt.“

Im Anfang des 16. Jahrhunderts hatten hier die Herren von Rechberg einen Hof; wenigstens verkaufte einen solchen im J. 1529 Wolf von Hohenrechberg zu Weißenstein an die Stadt Ulm. Eine Bestimmung vom J. 1586 besagt, „daß dem Kl. Königsbronn von diesem Hofe der große und kleine Zehende von allen Früchten der Schuldigkeit nach unverweigerlich verabfolgt werden sollt.“ Im J. 1690 erkaufte Joh. Seb. Müller, Bürger und Biersieder in Ulm, von dem Herrschaftspflegamt der Stadt Ulm und von dem Eisenhändler Joh. Jac. Holl (der sich erst im J. 1689 hier angekauft) den „Hof und Wayd Kerben in ulmischer Herrschaft und Ravensteiner Amt gelegen mit Haus, Hofraiten, Holz, Waide, Gefäll, niederer Gerichtsbarkeit.“ Von diesem Müller erwarb ihn im J. 1697 um 10611 fl. Kl. Elchingen, welches im J. 1706 von der Stadt Ulm noch die ihr zustehende hohe Territorialobrigkeit, Collectations-, und forstliche Jura erkaufte, aber schon den 7. April 1707 alles um 11.300 fl. und 4 Eimer Wein wieder an Württemberg verkaufte.

Vor den Änderungen im Anfange dieses Jahrhunderts hatte die herzogliche Factorie in Königsbronn den Stab über diesen Hof.

6) Küpfendorf (früher Kirpfendorf), Weiler mit 81 Einw., eine geom. St. südsüdöstlich von Steinheim, jenseits des Stubenthals auf freier Alphöhe, von welcher man eine Aussicht bis auf die Tyroler Gebirge genießt. Die Markung umfaßt 26765/8 M., wovon 19593/8 M. Wald dem Staat gehören. So hoch der Ort liegt, so hat er doch Quellwasser, fruchtbares Feld, und Obst- selbst Nußbäume. Es besteht eine Provisoratsschule.

Noch findet man auf dem Felde Grundmauern als Zeugen von der früheren größeren Ausdehnung des Orts, welcher, als Chirphendorf, im J. 1143 bei Ausstattung des Kl. Anhausen zuerst genannt wird. Auch war eine eigene Kirche zu St. Johannis vorhanden. Auf einem nördlich gelegenen Hügel, Gaisberg, soll ein Schloß gestanden haben. Noch ruht ein Anspruch auf Bauholz auf diesem Platz, wenn der Besitzer hier bauen will, wie auch ein | Gartenrecht. Am Nordabhang dieses Hügels ist der Gaisbrunnen, eine perennirende Quelle. Ein tiefer Erdfall findet sich auf der Höhe von Küpfendorf. – Um die Zeit der Abfassung des Heidenheimer Salbuchs (zweite Hälfte des 15. Jahrh.) lag Küpfendorf öde. Das Salbuch sagt: „Kirpffendorf ist vor 60 Jahr ein Dorf gewesen und hat der Abt von Königsbronn daselbst ein Widdumhof und 17 Söld und Hofstett gehabt, die Herrschaft ein Gut, und Anhausen ein Gut. Dasselb Dorf ist ganz unpewlich worden.“ An einem andern Ort: „so nun Küpfendorf öde worden und die Leutt nymer dasein.“ Wann es wieder angebaut worden, weiß man nicht.

7) Neuselhalden, Weiler mit 30 Einw., eine kl. geom. St. westlich von Steinheim, zwischen Ackerfeldern eingeteicht, doch hoch gelegen, auf einer Markung von 8734/8 M., wovon 5071/8 M. der Gemeinde gehören, die 2634/8 M. Wald besitzt. Der Weiler ist wasserarm; im Übrigen hat er ganz dieselben Verhältnisse wie Gnannenweiler, s. d.

8) Sontheim im Stubenthal, Weiler mit 283 Einw. in 40 Wohnhäusern, 3/8 St. südlich von Steinheim, mit einer Markung von 30992/8 M., davon der Staat 16635/8, durchaus Waldung, besitzt. Der Ort liegt nicht sowohl im Stubenthal, als vor der, durch den Schellenberg und Burschel verengten Ausmündung des Steinheimer Thalkessels in das Stubenthal. Es befindet sich hier eine reiche, nie versiegende Brunnquelle. Sontheim hat eine Schule, für welche 1842 die Gemeinde ein eigenes Haus gebaut hat. Den 21. Juli 1839 zündete der Blitz in einem Hause und in wenigen Augenblicken waren 14 Gebäude ein Raub der Flammen.

Ein isolirter niedriger Felshügel, der Burschel (Burgstall) genannt, 1/8 St. südöstl. vom Ort, trägt noch einige Trümmer eines Schlosses, Beringerus et Otto de Suntheim, im J. 1209 Zeugen in einer Urkunde Bischof Sigfrieds von Augsburg für Kl. Steinheim Mon. Boic. 33, 52), mögen sich von diesem Sontheim schreiben.

Kl. Anhausen besaß laut Urk. von 1143: Sachsenhart viculus et nemus. Der Ort Sachsenhart ist abgegangen; Sachsenhart ist aber noch der Name einer Waldhöhe auf der Sontheimer Markung, südlich vom Stubenthale, östlich von der Straße, welche von Gerstetten nach Sontheim führt.

Wirthshaus im Stubenthal, Haus mit 2 Einw. 1/8 St. südlich von Sontheim an der Wilhelmsstraße, eine erst seit einigen Jahren heraus gebaute Wirthschaft, das einzige Wohnhaus im Stubenthal auf der langen Strecke von Heidenheim bis Söhnstetten.


  1. In alten Zeiten scheint die Gegend um Vieles wasserreicher gewesen zu seyn, indem lagerbüchliche Benennungen von Brunnen vorkommen, wo sich gegenwärtig keine solche mehr befinden, z. B. Blümlesbrunnen. In dem jetzt trockenen Busenthal scheint eine Mühle gestanden zu haben, wie der Name Mühlhalde andeutet. Selbst in dem Wenthal soll nach der Sage eine Mühle sich befunden haben.
  2. Einzelne Güterkäufe machte in Steinheim auch das Kloster Herbrechtingen, z. B. im Jahr 1375, 1529, im letzteren erwarb es Hof und Güter von Wolf von Rechberg (Cleß C. 74).
« [[Beschreibung des Oberamts Heidenheim/|]] Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 27 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).