Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 25

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 24 Beschreibung des Oberamts Horb Kapitel B 26 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Sulzau,
Gemeinde III. Klasse mit 296 Einw., wor. 6 Ev., a. Sulzau, Dorf, 279 Einw., b. Neumühle, 7 Einw., c. Weitenburg, Schloß, 10 Einw., Filial von Bierlingen, die Parzellen b und c sind Filialen von Börstingen; die Evang. sind nach Mühlen eingepfarrt.


Im Neckarthale auf der rechten Seite des ganz nahe vorbeifließenden Neckars liegt drei Stunden östlich von der Oberamtsstadt das kleine freundliche, gegen rauhe Winde wohl geschützte Dorf, das mit Ausnahme der Kirche und zwei großen, dem Gutsherrn Freiherrn v. Raßler gehörigen Maiereigebäuden, aus nur wenigen, meist kleinen Häusern besteht.

Die styllose Kirche zum heil. Georgius, in welcher Sonntags Nachmittag eine Vesper und jede Woche zwei Messen von dem Geistlichen in Bierlingen gehalten werden, ist in ihrem Inneren einfach | und freundlich; der viereckige, in seinen oberen Theilen achteckige Thurm trägt ein Bohlendach.

Die Baulast der Kirche hat die Stiftungspflege.

Begräbnißplatz ist keiner vorhanden und die Verstorbenen müssen zur Beerdigung nach Bierlingen gebracht werden.

Das 1842 erbaute Schulhaus enthält ein Schulzimmer und die Wohnung des Schulmeisters.

Das Rathhaus, welches 1839 erbaut wurde, enthält zugleich das Waschhaus und die Backküche.

Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden und nebenbei befindet sich ein Sauerbrunnen im Ort, von dem ohne Zweifel der Ort seinen Namen erhalten hat; das Wasser, welches früher sehr viele mineralische Theile enthielt, verlor 1727 auf einmal seinen mineralischen Gehalt und quoll viel schwächer, so daß es jetzt unter die geringeren Mineralquellen der Gegend gehört; der Hauptbestandtheil desselben ist Bittersalz. Über den Neckar, der zuweilen durch Überschwemmungen schadet, führt eine hölzerne Brücke und Vicinalstraßen bestehen nach Bieringen, Bierlingen, Wachendorf, Börstingen und Weitenburg. Das Brückengeld trägt der Gemeindekasse durchschnittlich 8–10 fl. jährlich ein.

Die Eisenbahn von Rottenburg nach Horb führt etwa 400 Schritte südlich vom Ort vorüber und die Entfernung von der nächst gelegenen Bahnstation Bieringen beträgt 1/2 Stunde. Auch befindet sich nahe am Ort ein 1720′ langer Tunnel, welcher durch einen von den rechten Thalgehängen vorspringenden Rücken angelegt werden mußte; der sehr tiefe Einschnitt vor dem östlichen Mundloch des Tunnels hat eine Länge von 1200′ und der vor dem westlichen von 3–400′.

Die Einwohner sind fleißige Leute, die sich durch Feldbau, Viehzucht, einiges Gewerbe (Zimmerleute, Maurer) und etwa 1/3 derselben durch Taglohnarbeiten bei der Gutsherrschaft zu Weitenburg ihr ordentliches Auskommen sichern. Die Vermögensumstände gehören zu den mittelmäßigen und haben sich in neuerer Zeit sichtlich gebessert. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt mit Ausnahme des adeligen, dem Freiherrn v. Raßler gehörigen Guts, etwa 10 Morgen, der mittlere 5 Morgen und der geringste 1/4 Morgen; einzelne besitzen gar kein Grundeigenthum.

Die nicht große Markung, von der überdieß der größte Theil (140 Morgen Felder) der Gutsherrschaft gehört, besteht theils aus einer Hochebene, theils aus dem mit steilen, hohen Gehängen versehenen | Neckarthale, das sich unterhalb des Orts ziemlich erweitert und ergiebigen Acker- und Wiesenbau gestattet. Der im allgemeinen fruchtbare Boden besteht auf der Anhöhe meist aus Lehm, an den Gehängen aus den kalk- und steinreichen Zersetzungen des Muschelkalks und an den Ausläufern und in der Thalebene haben sich ergiebige Lehme und Alluvionen abgelagert. Zur Verbesserung des Bodens benützt man neben dem natürlichen Dünger, Jauche, Gips und Kompost. Ein Gipsbruch ist vorhanden.

Die Landwirthschaft ist in gutem Zustande und die rationelle Bewirthschaftung der gutsherrlichen Güter übt einen günstigen Einfluß auf dieselbe aus. Im Dreifeldersystem baut man mit Anwendung des Flandrischen und Hohenheimer-Pflugs die gewöhnlichen Cerealien und in der ganz angeblümten Brache Futterkräuter, Reps, Erbsen, Linsen, Ackerbohnen, Futterwicken, Kartoffeln und Hanf; letzteren auch in eigenen Ländern. Auch Hopfen kommt zum Anbau; er geht durch Händler in’s Bayerische, während der Reps in das Unterland und in das Badische abgesetzt wird. Die Getreidefrüchte werden an sog. Schäufler verkauft, welche sie alsdann in Tübingen, Rottenburg, Sulz und Freudenstadt wieder absetzen; Gerste wird auch in’s Badische verkauft. Indessen geschieht der Verkauf von Felderzeugnissen hauptsächlich nur von der Gutsherrschaft, während die Einwohner die Erträgnisse ihrer Felder meist selbst verbrauchen. Bei einer Aussaat von 8 Sri. Dinkel, 6 Sri. Gerste, 7 Sri. Haber, beträgt die Ernte 8–12 Scheffel Dinkel, 5–8 Scheffel Gerste und 6–7 Scheffel Haber per Morgen.

Die geringsten Preise eines Morgens Acker betragen gegenwärtig 400–500 fl., die mittleren 600–800 fl. und die höchsten 900 bis 1000 fl., ebenso sind die Wiesenpreise.

Der ausgedehnte Wiesenbau liefert gutes Futter (das sogen. schwere Thalfutter) und zwar durchschnittlich vom Morgen 35 Cent. Heu und 15 Cent. Öhmd. Die Wiesen sind durchaus zweimähdig und ohne Wässerung.

Die Obstzucht ist ganz unbedeutend und der Gartenbau wird nur von der Gutsherrschaft in einiger Ausdehnung gepflegt.

Die Rindviehzucht ist gerade nicht von Bedeutung, jedoch im Zunehmen begriffen; man züchtet einen gewöhnlichen Landschlag, der durch Schweizerfarren zu verbessern gesucht wird. Die Gemeinde hat keine eigene Farren, sondern benützt die in Weitenburg und Bieringen aufgestellten.

| Von Geflügel werden hauptsächlich Gänse gezogen und häufig an die Israeliten in der Umgegend verkauft.

Die Zucht der Ziegen und der Bienen wird in geringer Ausdehnung getrieben.

Eine Schildwirthschaft und zwei Krämer sind vorhanden.

Eine kleine Erwerbsquelle bildet die Fischerei, welche sich mit Weißfischen, Barben, etwas Forellen und Aalen beschäftigt und diese an die benachbarte Israeliten und in das Bad Niedernau absetzt. Das Fischrecht hat die Gutsherrschaft, welche es um 15 fl. an Ortsbürger verpachtet.

Die Gemeinde besitzt 116 Morgen Waldungen, deren jährlicher, in 40 Klaftern und 5000 Wellen bestehender Ertrag an die Ortsbürger vertheilt wird, so daß jeder 3/4 Klafter und 100 Stück Wellen erhält.

Etwa 1/8 Stunde westlich vom Ort erhebt sich auf einem gegen den Neckar stark vorspringenden Bergrücken ein wohlgerundeter Hügel, das Bürgle genannt, auf dem man noch Spuren von Gemäuer findet; hier stand ohne Zweifel die Burg der Herren von Sulzau.

Auf der gegenüberliegenden (linken) Seite des Neckars sind auf einem steilen Bergvorsprung die letzten Reste der Siegburg, in einem 15′ hohen Mauerwerk und dem Burggraben bestehend, noch sichtbar. Bern, welcher um 1081 zu Stiftung des Klosters Reichenbach Güter schenkte (Cod. Hirsaug. 65b), gilt für einen Herrn von Siegburg (Kuen Collectio 2, 38), wofür freilich gleichzeitige Belege fehlen.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Die Neumühle, 1/4 Stunde oberhalb des Dorfs an dem linken Neckarufer gelegen; sie ist Eigenthum des Freiherrn v. Raßler und enthält vier Mahlgänge und einen Gerbgang, eine Hanfreibe, Öl- und Gipsmühle.

c. Weitenburg, Schloß mit Schloßgut, Eigenthum und Sitz der Freiherrn von Raßler. Oben an dem linken, steilen Neckarthalabhange liegt auf einem wohlgerundeten Bergvorsprung das weithin sichtbare ansehnliche Schloß, das mit seinen Nebengebäuden und freundlichen Gartenanlagen mittelst einer Mauer umfriedigt ist und von verschiedenen Seiten eine sehr malerische, großartige Ansicht bietet. Innerhalb dieses umfriedigten Areals bildet, abgesondert von einigen Ökonomiegebäuden, das von Jac. von Ehingen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder hergestellte Schloß mit Nebengebäuden | aus verschiedener Zeit einen besonderen Gebäudekomplex, der den innern ansehnlichen Hofraum einschließt; zu demselben führt ein im Rococogeschmack gehaltenes Portal, über dem das Wappen der von Raßler angemalt ist.

Dem Eingange gegenüber steht das ursprüngliche alte Schloß mit Staffelgiebeln und Buckelsteinen an den Ecken, das, wie es scheint ursprünglich gepaarte Fenster hatte, an denen erst später eine gerade nicht vortheilhafte Veränderung vorgenommen wurde. An der Südseite desselben sind noch Reste von früherer Bemalung sichtbar. An das alte Schloß schließt sich im rechten Winkel ein neueres im Renaissancestyl ausgeführtes und diesem gegenüber steht ein ebenfalls im Renaissancegeschmack gehaltener Querbau, der gegenwärtig als Magazin benützt wird, ursprünglich aber wohl eine ganz andere Bestimmung hatte, wofür noch ein vollendet schöner Renaissance-Eingang in das Gebäude hinlänglich spricht; über demselben steht die Jahrszahl 1661 und der Namenszug Q. V. H. (Quirin von Hönstett, ein früherer Besitzer des Guts). An einem weiteren Eingang in dieses Gebäude ist die Jahrszahl 1585 angebracht. Die Schloßkapelle grenzt an die Südseite des alten Schlosses. Von den außerhalb des inneren Schloßraumes stehenden Ökonomiegebäuden ist eine alte mit Staffelgiebeln versehene Scheune zu erwähnen. Von dem Schloß genießt man eine reizende Aussicht in das nahe Neckarthal und an einem großen Theil der Alp.

Das Schloßgut besteht aus 440 Morgen Felder, worunter 90 Morgen im Neckarthal gelegene Wiesen, und aus 711 Morgen Waldungen, die vorherrschend mit Nadelhölzern gut bestockt sind. Die Bewirthschaftung des Guts geschieht durch einen Rentamtmann, dem ein Gutsjäger beigegeben ist. Die Feldgüter, welche in neun Rotationen sehr rationell bewirthschaftet werden, ertragen per Morgen die gleiche Anzahl Scheffel wie in dem nahe gelegenen Weitingen. Mit Reps werden 20 Morgen und mit Hopfen sechs Morgen eingebaut. Etwa 1/4 Morgen Weinberg liefert in günstigen Jahrgängen einen guten Wein. Die sehr bedeutende Obstzucht dehnt sich auf etwa 2000 Obstbäume aus, die gerne guten Ertrag liefern; zwei Baumschulen sind vorhanden.

Auf dem Gut ist ein sehr namhafter Viehstand (reine Simmenthaler Race) aufgestellt, der in 32 Kühen, 22 Stück Jungvieh, 10 Ochsen und 2 Farren besteht, überdieß sind 6 Pferde vorhanden.

Die Milch wird verkäst und verbuttert; die Butter kommt den Winter über nach Stuttgart und zur Sommerszeit in die benachbarten | Bäder zum Verkauf. Die Käse, sog. magere Käse, werden in der Umgegend abgesetzt. Etwa 275 der Gutsherrschaft gehörige Bastardschafe laufen auf dem Gut.

Die mit einer halbenglischen Race sich beschäftigende Schweinezucht ist beträchtlich und erlaubt einen nicht unbedeutenden Verkauf an Milchschweinen; auch werden Mutterschweine aus der Nachbarschaft zu den Ebern auf das Gut gebracht.

Das Gut steht bis zur Volljährigkeit des ältesten Sohnes des verstorbenen Freiherrn v. Raßler unter der Vormundschaft des Grafen Friedrich von Grävenitz.

Sulzau kommt als Sulzowa am Ende des 11. Jahrhunderts vor, als das Kloster Reichenbach, wie noch später, hiesigen Besitz erhielt; genannt werden damals auch Burkhard von Sulzau Vater und Sohn (Wirt. Urk.-Buch 2, 392. 397. 410.). Begütert waren hier die Herren von Ehingen (Schmid Gr. v. Hohenb. 462) und v. Ow; letztere hatten noch bis Ende des vorigen Jahrhunderts einen Hof allda mit 65 Morgen, Waldungen, Zehnten etc. (Das Weitere s. unten bei Weitenburg; vergl. auch Börstingen z. J. 1486.).

Das Bergschloß Weitenburg (Weitingen-Burg) besaßen die Herrn v. Ow mit ihrer Stammburg und Stadt Obernow im 14. und theilweise noch im 15. Jahrhundert. Auf demselben saß Hans von Ow, welcher 1454 in der Kirche zu Hirrlingen bestattet wurde. (v. Ow’sches Archiv.) Allein schon 1445 war Hans Pfuser von Nordstetten Besitzer der Herrschaft Weitenburg geworden. Als dieser gerade abwesend und denen von Geroldseck wider die von Falkenstein zu Hülfe gekommen war, nahmen zwei seiner Knechte einen an den Grafen Ludwig von Württemberg bestimmten Gesandten des Herrn von Chalons samt dessen Knecht gefangen, und führten sie auf das Schloß. Auf das Begehren des Grafen Ludwig wurde der Gesandte zwar wieder freigegeben, die Auslieferung der pfuserischen Knechte aber verweigert. Deßwegen zog der Graf vor das Schloß, öffnete das Thor mit Äxten, nahm es ohne Widerstand ein, ließ Pfusers Gemahlin Dorothea v. Stetten wegführen und den einen Knecht in Tübingen enthaupten.

Markgraf Jacob von Baden, in dessen Dienste Hans Pfuser stund, und zu dem Dorothea floh, vermittelte, aber der Schriftwechsel führte zur Fehde, weil Letzterer das ihr bei der Einnahme Entwendete nicht zurückgegeben werden wollte, und erst am 7. Mai 1447 wurde in Tübingen ein Vergleich geschlossen; beide Theile stunden von ihren gegenseitigen Forderungen ab; der Graf gab das Schloß | wieder heraus. Nach seines Vaters Tode aber erneute der Sohn Hans Pfuser die Fehde und erst 1465 in Zeiten Graf Eberhards im Bart legte ein Schiedsgericht den Streit bei; Pfuser mußte vier Jahre lang in die Dienste des Grafen treten.

Im Anfang des 16. Jahrhunderts kam die ganze Herrschaft Weitenburg theilweise jedenfalls über die von Wähingen, und dann von Hans v. Weitingen (s. bei Börstingen) an Caspar und Hans von Spät.

Von diesen Brüdern erkaufte wieder am 31. August 1517 Georg v. Ow das Schloß, samt dem Sitz und Dorf Börstingen und dem Weiler Sulzaw als eine reichsfreie Herrschaft; Ersteres soll dann 1525 zugleich mit den v. Ow’schen Schlössern Wachendorf und Hirrlingen abgebrannt worden sein.

Darauf gelangte (wohl 1539 mit Börstingen) die ganze Herrschaft Weitenburg an die Herren von Ehingen und zu ihr kam nun auch Nellingsheim mit Fruchtgefällen in Ergenzingen; Jakob von Ehingen stieß sehr bei Österreich an (an welches 1486 1/4 an Börstingen und an Sulzau zu Lehen aufgetragen worden war), als er die lutherische Lehre und einen protestantischen Pfarrer in Sulzau einführte, auch das „Gozhuß“, wohin gewallfahrtet wurde (wohl auf dem Berglein, auf dem damals die Burg stand?), schließen ließ. Jakob wollte man deßhalb 1592 die hohe Obrigkeit zu Sulzau und 1599 ihn selbst sogar gefangen nehmen, allein er kehrte sich, unterstützt von der Reichsritterschaft, deren Mitglied er war, nicht daran. Von Jakob von Ehingen erkaufte den 24. Januar 1613 seine Güter Weitenburg, 3/4 an Sulzau, und Nellingsheim (das lehenbare 1/4 an Sulzau behielt Jakob) [1] mit dessen drei adelichen Häusern und aller Obrigkeit der Herzog Johann Friedrich von Württemberg für 98.000 fl. und 1/8 am Dorfe Kirchberg, veräußerte aber diese Besitzungen mit Ausnahme von Nellingsheim bereits wieder den 22. Novbr. desselben Jahrs an Johann Friedrich Schertlin von Burtenbach „einen gewichtigen, zu fürchtenden Mann“, unter Vorbehalt der bischöflichen Obrigkeit (Sattler Herz. 6, 68). Schertlin mußte sich verschreiben, daß, wenn er zu Weitenburg oder in selbiger Gegend eine Kirche | erbauen oder einen Gottesdienst einrichten wolle, keine andere, als die der augsburgischen Confession gemäße Religion in Übung kommen dürfe, wie auch das jus examinandi und confirmandi dem herzoglichen Hause gehören sollte.

1637 den 28. Novbr. kaufte Philipp Julius von Remchingen von Hans Conr. Schertlin von Burtenbach zu Mauren und verkaufte wieder 1654 d. 23. Apr. an Herzog Ulrich von Württemberg um 21.000 fl. das adeliche Haus Weitenburg samt 3/4 Dorf und Obrigkeit – auch Schlößlin – zu Sulzau, mit hoher malefizischer Obrigkeit, unter Vorbehalt für die augsburgische Konfession und des Besteurungsrechts für die Reichsritterschaft.

Württemberg verkaufte solches an den brandenburgischen Generalwachtmeister Quirin von Hönstett und dieser am 4. Aug. 1689 an das Kloster Marchthal um 40.000 fl. (um welche Summe 11/2 Jahre vorher mit Österreich beinahe ausgehandelt war); des Schlößleins zu Sulzau und der protestantischen Konfession wird hiebei nicht mehr erwähnt, dagegen huldigten damals auch sechs hintersäßige Juden.

Am 11. Aug. 1689 verkaufte auch der kinderlose letzte Sigmund Albrecht von Ehingen, Herr zu Pörstingen, Obernow, Poltringen und Oberndorf „aus Nothdurft in diesen schweren Zeiten und zu Vermeidung von Streitigkeiten“ das lehenbare übrige 1/4 der Obrigkeit und des Dorfes zu Sulzau an Marchthal. (Kaufbriefe in dem v. Raßler’schen Archiv.)

Das Kloster gab solchen Besitz 1720 um 43.000 fl. an Joseph Rupert Freiherrn von Raßler von Gamerschwang (Geschichte von Obermarchthal 167), dessen Nachkommen 1805 hiemit unter württembergische Staatshoheit kamen.

Als ritterschaftliche Orte gehörten Weitenburg und Sulzau ehedem zum Kanton Neckarschwarzwald.


  1. Noch am 31. Jan. 1680 belehnte K. Leopold den Albert Sigmund von Ehingen mit 1/4 an dem Dorf Sulzau und „den übrigen uns für eigenthümlich überlassenen Theilern an dem Dorf Sulzau mit allen Gerechtigkeiten Nutzungen und Zugehörungen, ingleichen der hohen und niedern Gerichtsbarkeit in den Theilern des Dorfes Sulzau.“ Lünig Reichsarchiv 12a, 380.


« Kapitel B 24 Beschreibung des Oberamts Horb Kapitel B 26 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).