Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 27

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Wachendorf,
mit Burgmühle,
Gemeinde III. Klasse mit 612 Einw. – Kath. Pfarrei.


Auf der Hochebene zwischen den Thälern des Neckars, der Eyach und der Starzel, 31/4 Stunden östlich von der Oberamtsstadt, hat der Ort eine hohe, etwas gegen Süden geneigte, sommerliche Lage. Das von Ost nach West in die Länge gedehnte Dorf ist ziemlich ansehnlich, freundlich und mit reinlichen, gekandelten Straßen versehen, an denen sich die theils mittelgroßen, theils kleinen, ländlichen Wohnungen ziemlich gedrängt lagern.

Beinahe in der Mitte des Dorfs stehen das dem ritterschaftlichen Gutsbesitzer, Freiherr von Ow, gehörige alte und neue Schloß nebst großartigen Nebengebäuden, die Kirche, das Pfarrhaus, welche im Verein mit dem ausgedehnten Schloßgarten eine sehr schöne Gruppe bilden und zu dem stattlichen Aussehen des Dorfes vieles beitragen.

Die Pfarrkirche zum heiligen Petrus und Paulus, welche mittelst eines Gangs mit dem Schloß verbunden ist, stammt, obwohl sie gothische (später erst ausgebrochene) Fenster hat, aus der romanischen Periode; sie ist mit kräftigem Sockel, aus großen, fernher geholten Keupersandstein-Quadern erbaut und enthält an der westlichen Giebelseite noch den uralten, rundbogigen, abgestuften, mit einer Wulst umgebenen Eingang, ein interessanter Überrest des frühromanischen Styls. Auch die unteren Geschosse des viereckigen Thurms gehören der romanischen Zeit an und enthalten noch in dem untersten Geschoß ein echt romanisches Rundbogenfensterchen und im Innern Rundbögen, die von romanischen Doppelsäulchen in den Ecken des | Thurmes ausgehen. Der aus der gothischen Periode stammende, in einem halben Achteck schließende und mit Strebepfeilern versehene Chor enthält spitzbogige Fenster, aus denen das Maßwerk leider herausgenommen wurde; nur im obersten Stockwerke des Thurmes haben sich die Maßwerkfüllungen in den spitzen Bogentheilen der Fenster erhalten; auf demselben sitzt ein Satteldach mit Staffelgiebeln. Über dem eingebauten Hauptthor unter dem schon angeführten rundbogigen Eingang an der Westseite befinden sich die Wappen der Herren von Ow und von Neuhausen mit der Überschrift: J. v. Ow, A. v. Ow und der Jahreszahl 1598, welche ohne Zweifel die Zeit der Veränderung der Kirche angibt. Das einfache Innere hat im Langhause eine einfache Decke, im Chor aber ein Netzgewölbe (mit Schlußsteinen worauf St. Peter und St. Stephan), das in neuerer Zeit innerhalb der Maschen blau bemalt und mit goldenen Sternen versehen wurde. Die Kirche bewahrt mehrere der adeligen Familie von Ow angehörige Grabdenkmale, von denen hier nur die älteren erwähnt werden und zwar in dem Langhause: 1) Eine Grabplatte mit dem Wappen der Herren v. Ow.

2) Ein geharnischter Ritter mit gefalteten Händen; am Rande der Grabplatte sind mehrere Wappenschilde z. B. der Herren von Ow, v. Gültlingen, v. Stauffenberg, v. Helmstett etc. angebracht.

3) Eine Frau mit gefalteten Händen, die Gemahlin des vorhergehenden; an dem Rande der Grabplatte sind die Wappen der v. Neuhaus, v. Freiberg, v. Baldeck etc. angebracht. Diese Beiden sind: Joseph v. Ow † 1615 und seine Gemahlin A. v. Neuhausen.

Der Chor enthält folgende Denkmale:

1) Eine Grabplatte mit dem Wappen des Peter v. Ow † 1480 am Urbanstag.

2) Eine Platte mit dem Wappen des Georg v. Ow † 1524 an Maria Geburt, und dessen Gemahlin Dorothea von Giltlingen † 1539.

3) In Stein ausgehauen: Hans v. Ow zu Wachendorf † 1571 am 20. Novbr. kniend vor einem Kreuze mit seiner ersten Gemahlin der durchleuchtigen hochgebornen Fürstin Fraw Rosina Markgräfin von Baden.

4) Derselbe mit seiner zweiten Gemahlin Maria, geborne von Neunek † 1571 am 20. August.

5) Ebenso dessen Bruder Friedrich von Ow zu Wachendorf † 1536 den 28. Juni mit zwei Gemahlinnen: Maria geb. v. Handschuhsheim † 1556 den 16. Juni und Elisabeth geb. v. Edelstettin † 1563 den 3. August.

| Die schöne steinerne Kanzel im Chor mit dem v. Ow’schen und v. Neuhaus’schen Wappen ist wohl auch von 1598.

Von den Glocken ist die größere von Christian Adam Kurtz in Reutlingen 1839 gegossen worden, die kleinere trägt in sehr alten Majuskeln die vier Evangelistennamen als Umschrift.

Die Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses haben die Gutsherrschaft und acht Bauern mit einem Kapital an die Gemeinde abgelöst. Patron ist der Rittergutsbesitzer Freiherr v. Ow-Wachendorf.

Der stark ummauerte Begräbnißplatz, vor dem eine schönwüchsige Linde steht, liegt außerhalb (nördlich) des Orts; auf demselben befindet sich eine im Rococostyl 1733 von Jos. L. B. v. Ow erbaute Kapelle, welche die Familiengruft der Freiherrn v. Ow enthält.

Das ansehnliche, zunächst der Kirche stehende Pfarrhaus wurde 1781 erbaut.

Das 1814 erbaute Rathhaus enthält, außer den Gelassen für den Gemeinderath, zwei Lehrzimmer; der Schulmeister wohnt in einem abgesonderten, ebenfalls der Gemeinde gehörigen Hause. Eine Industrieschule besteht.

Zwei öffentliche Waschhäuser, ein Backhaus und ein Armenhaus sind vorhanden.

Die Schloßgebäude des Freiherrn von Ow bestehen aus dem alten Schloß, dem neuen Schloß und mehreren großartigen Ökonomiegebäuden, welche im Verein mit einer Mauer den Schloßhof einschließen.

Das ansehnliche alte Schloß ist massiv aus Steinen dreistockig erbaut, hat 6′ dicke Mauern und gepaarte oblonge Fenster, oben den Ahnensaal. An der südöstlichen Ecke steht ein runder Thurm mit sehr spitzem Zeltdach; er besteht aus vier Stockwerken, von denen das unterste als Burgverließ dient. Der Thurm wurde nach einer an ihm angebrachten Jahrszahl 1574 erhöht, das oberste Stockwerk erst 1822 aufgebaut.

Westlich von dem alten Schloß steht das neue und ist mit demselben mittelst eines schmalen Zwischenbaus verbunden, durch den der Eingang in den Schloßhof führt. Über diesem Eingang ist das Wappen der Herren von Ow mit dem badischen Wappen in Eines vereinigt, und die Inschrift angebracht: Hans v. Ow Z. C. H. F. Fraw Rosina Marggräfin von Baden. Bayde Ehegemahel 1555. Hiedurch erfahren wir die Erbauer und die Zeit der Erbauung des neuen Schlosses. Beider Wappen und das Heirathsjahr 1526 trägt | auch die Schloßglocke, die früher auf dem Neuhaus war, und kürzlich umgegossen werden mußte.

Das neue Schloß, dessen Thurm an der Südwestecke im vorigen Jahrhundert abgebrochen wurde, besteht aus zwei Stockwerken und ist in einem einfachen Style erbaut; in seinem unteren Stockwerk befindet sich der sog. Gartensaal, der mit verschiedenen Alterthümern, Rüstungen, Waffen, Möbeln etc. ausgeschmückt ist; überhaupt bewahren beide Schlösser, neben einer geschmackvollen Einrichtung, eine große Anzahl sehr sehenswerther Familiengemälde, Waffen, Wappenschilde, darunter Trophäen des Minnesängers Hartmann und Anderer der Familie von Ow angehörige Alterthümer, Hirschgeweihe etc. Überdieß ist die Alterthumssammlung des gegenwärtigen Besitzers und Bewohners des Schlosses Freiherr v. Ow besonders aufgestellt, die werthvolle Gegenstände aus der römischen, altgermanischen und fränkischen Periode enthält, und in der namentlich auch die Funde aus der römischen Niederlassung bei Neuhaus aufbewahrt werden. An die nordwestliche Ecke des neuen Schlosses lehnt sich in einem rechten Winkel das 1666 von Erhard Freiherr v. Ow und dessen Gemahlin, einer geb. v. Wülfin, im Renaissancestyl erbaute Reiterhaus, das jetzt als Stallgebäude, Heu- und Fruchtmagazin dient. An das Reiterhaus schließt sich wieder ein Thurm an, der in allen drei Stockwerken Gefängnisse enthält. Überdieß sind noch einige großartige Ökonomiegebäude vorhanden.

An das Schloß und den dazu gehörigen Nebengebäuden grenzt der weitgedehnte, theilweise sehr geschmackvoll angelegte Schloßgarten. Vom Schloß genießt man eine sehr schöne Aussicht an die Alp.

Das Trinkwasser wird aus sechs Pump- und Ziehbrunnen gewonnen, die jedoch in trockenen Jahrgängen so sehr nachlassen, daß Wassermangel entsteht und der nöthige Wasserbedarf 1/8 Stunde südlich vom Ort in dem sog. Bechhausen geholt werden muß. Auf den Fall der Feuersgefahr ist eine Wette angelegt.

Ein kleiner See liegt 1/4 Stunde nördlich, und ein Weiher 1/4 Stunde südlich vom Ort.

Den Verkehr mit der Umgegend vermitteln Vicinalstraßen nach Hirrlingen, Bietenhausen, Höfendorf, Haigerloch, Immnau, Bierlingen, Sulzau, Bieringen und Frommenhausen; an letzterer besteht eine Brücke über die Starzel bei der Burgmühle. Die Unterhaltung dieser Straßen verursacht der Gemeinde namhafte Kosten.

Die neue Steige von der Station Bieringen herauf (mit 51/2 Fuß Steigung) wurde mit 4000 fl. Staatsbeitrag und 2000 fl. | Güterankauf 1854 gebaut, und ebenso 1864 mit 3000 fl. die Straße nach Haigerloch zum Gebrauche für Postwagen auf 20 Fuß erbreitert.

Die Einwohner sind im allgemeinen von kräftigem Körperbau und erfreuen sich einer dauerhaften Gesundheit; ihre Erwerbsmittel bestehen in Feldbau, Viehzucht und den nöthigsten Gewerben; von letzteren nennen wir: zwei Schildwirthschaften, einen Kaufmann, einen Krämer, eine Ziegelhütte, eine Zündhölzerfabrik und die 1/2 Stunde östlich vom Ort an der Starzel gelegene Burgmühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang nebst einer Säg-, Öl- und Reibmühle.

Die Vermögensumstände gehören zu den besseren des Bezirks; der vermöglichste Bürger besitzt 32 Morgen, der sog. Mittelmann 20 Morgen und die ärmere, meist aus Taglöhnern bestehende Klasse 3–6 Morgen. Das Gut des Freiherrn v. Ow besteht in 150 Morgen Äckern, 10 Morgen Hopfenanlagen, 61 Morgen Wiesen und 300 Morgen Waldungen; hievon ist das 120 Morgen große sog. Bechfeld zusammenhängend, während die übrigen Güter zerstreut auf der Markung liegen.

Die mittelgroße Markung hat mit Ausnahme des steilen Abhanges gegen die Starzel eine ebene Lage und einen fruchtbaren Boden, der größtentheils aus Lehm und Malm besteht. Lettenkohlensandsteinbrüche sind vier und zwei Muschelkalkbrüche, sowie ein Tuffsteinbruch vorhanden; auch besteht eine Lehmgrube.

Die Luft ist wegen der hohen Lage gesund, rein und meist etwas bewegt; Frühlingsfröste schaden zuweilen der Obstblüthe, dagegen gehört Hagelschlag zu den Seltenheiten.

Die Landwirthschaft wird im allgemeinen sehr gut und umsichtig betrieben, wozu die rationelle Bewirthschaftung des dem Freiherrn v. Ow gehörigen Guts wesentlich beiträgt; es haben verbesserte Ackergeräthe, namentlich die Flandrischen- und Suppingerpflüge, allgemein Eingang gefunden und zur Verbesserung des Bodens kommen außer dem Stalldünger und der in gut angelegten Düngerstätten sorglich gesammelten Jauche, Gips, Kompost etc. in Anwendung. Die Winterfrüchte werden mit der Sichel geschnitten, die Sommerfrüchte dagegen beinahe alle gemäht. Die Futterkräuter läßt die Gutsherrschaft und einzelne Bauern an Heinzen trocknen.

Der Ackerbau wird von den Ortsbürgern in dreizelgiger Flureintheilung betrieben, während man das herrschaftliche Gut Bechfeld in neun Rotationen bewirthschaftet; man baut die gewöhnlichen Cerealien | und in der beinahe vollständig angeblümten Brache Futterkräuter, Kartoffeln, Rüben, Ackerbohnen, Erbsen, Linsen, Wicken und besonders viel Reps. Flachs und Hanf, welche sehr gut gedeihen, pflanzt man vorzugsweise in Ländern. Der Hopfenbau ist bedeutend und liefert in guten Jahrgängen einen Ertrag von 80–100 Centnern; der Hopfen findet seinen Absatz durch Vermittlung von Aufkäufern theils im Inland, größtentheils aber im Ausland. Auf den Morgen rechnet man Aussaat an Dinkel 8 Sri., an Gerste 5 Sri., an Weizen 41/2 Sri. und an Haber 5–6 Sri.; der durchschnittliche Ertrag wird zu 8–10 Scheffel Dinkel, 5 Scheffel Gerste, 3 bis 4 Scheffel Weizen und 5–6 Scheffel Haber angegeben. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 600–1100 fl. Von den Felderzeugnissen werden jährlich etwa 500 Scheffel Dinkel, 300 Scheffel Gerste, 200 Scheffel Weizen, 100 Scheffel Haber und 60 Scheffel Reps nach Außen verkauft.

Der ziemlich ausgedehnte Wiesenbau liefert gutes nahrhaftes Futter; die durchaus zweimähdigen, theilweise dreimähdigen Wiesen, von denen nur die im Bechhauser- und Starzelthal gelegenen bewässert werden können, ertragen durchschnittlich 30 Centner Heu und 12 Centner Öhmd per Morgen. Das Futter wird im Ort verbraucht. Der geringste Preis eines Morgens Wiesen beträgt gegenwärtig 800 fl., der mittlere 1000 fl. und der höchste 1200 fl.

Der Gartenbau beschränkt sich auf die nöthigsten Küchengewächse für den häuslichen Bedarf, während die Gutsherrschaft in ihren schönen ausgedehnten Gartenanlagen den Gemüsebau durch einen eigens angestellten Gärtner betreiben läßt und die Erzeugnisse großentheils in der Umgegend absetzt.

Die Obstzucht wird in Vergleichung mit andern Bezirksorten ziemlich stark betrieben und sämtliche Straßen sind mit Obstbäumen besetzt, die durch einen besonders aufgestellten Baumwarth beaufsichtigt und gepflegt werden. Man zieht vorzugsweise Fleiner, Rosenäpfel, Breitling, Grafenberger Äpfel, Knausbirnen, Bratbirnen, Palmischbirnen, Wadelbirnen, Kaiserbirnen und viele Zwetschgen etc.

Späte Sorten gedeihen besser als frühe; die Jungstämme bezieht man theils aus der Umgegend, theils aus dem gutsherrlichen Garten. Das Obst wird größtentheils gemostet, das Steinobst aber gedörrt.

Die Waldungen bestehen aus Nadelhölzern und befinden sich im allgemeinen in gutem Zustande; von denselben gehören der Gemeinde | 334 Morgen, deren jährlicher in 136 Klaftern bestehender Ertrag theilweise für die Gemeindekasse verwerthet, theilweise an die Bürger (1/2 Klafter) ausgetheilt wird.

Die Pferdezucht ist nicht bedeutend, doch werden auch einzelne Pferde an das Militär verkauft, die Fohlen spannt man mit 21/2 bis 3 Jahren ein. Die Rindviehzucht ist in gutem Zustande und bildet eine besondere Erwerbsquelle, indem nicht nur ziemlich viel Vieh auf benachbarten Märkten abgesetzt, sondern auch, namentlich von der Gutsherrschaft, Milch nach Rottenburg und Haigerloch verkauft wird. Es wird Ansbacher-, Simmenthaler-, Schweizer und veredeltes Landvieh gehalten und durch drei Farren, welche ein Bürger Namens der Gemeinde hält, nachgezüchtet. Die Gutsherrschaft hat einen sehr schönen Viehstand (70–80 Stück) aufgestellt; überdieß werden von ihr 12 Pferde gehalten.

Etwa 250 Stücke (im Nachsommer 400) spanische, Bastard- und Landschafe läßt die Gutsherrschaft, die das Weiderecht hat, auf der Markung laufen und im Ort überwintern. Schafe und Wolle werden auf inländischen Märkten abgesetzt. Die Pferchnutzung gehört zur Hälfte dem Gutsherrn und zur Hälfte der Gemeinde, was letzterer eine jährliche Einnahme von 60–70 fl. einträgt.

Von geringer Bedeutung ist die eigentliche Zucht der Schweine, dagegen die Einfuhr von Ferkeln (halbenglische und bayerische) ziemlich namhaft; die gemästeten Schweine werden theils in’s Haus geschlachtet, theils verkauft.

Der Bienenzucht wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, sie ist jedoch nicht so ausgedehnt, daß mit Honig und Wachs ein Verkauf nach Außen stattfinden könnte.

Die Gemeinde besitzt etwa 50 Morgen Allmanden, Wiesen, Kraut- und Hanfländer, welche unter die Bürger je nach den Verhältnissen gegen Entgeld vertheilt sind; die Grundherrschaft hat daran eine Realgerechtigkeit.

Ganz nahe an den Schloßgebäuden im hinteren Schloßgarten wurden in einem Schutthügel verschiedene alterthümliche Gegenstände (Waffen, Pfeile, Sporen etc.) aufgefunden.

Etwa 1/4 Stunde östlich vom Ort stand auf einer Bergspitze oben an dem Thalabhang gegen das Starzelthal und die Burgmühle hin, eine Burg, von der Graben und Wall sichtbar sind.

Nordwestlich bei dem Waldeck am Fußweg nach Bierlingen stand der Galgen, der 1810 abgebrochen wurde.

Auf der Flur Bechhausen, auch Schlößlesrain genannt, findet | man Mauerreste, Ziegel etc.; hier stand Bechhausen, ein Schlößchen und eine Meierei der Freiherren von Ow, die im 30jährigen Kriege abgingen.

Von Wachendorf, das als die Herrschaft „Ow ob dem Berg“ den freyen Herren von Owe (Obernow, Obernau) gehörte, nannten sich mehrere Glieder dieses Adelsgeschlechts. In den Stiftungsurkunden des Klosters Alpirsbach erscheinen als Zeugen um 1095 die Brüder: Gerbolt und Werner, um 1125 Wolf de Owe und daneben Adelbert de Wachindorf liberi homines, während Letzterer im Codex Hirsaugiensis Bl. 44a als Adalbert „de Owa“ aufgeführt ist.

Wecil und Hiltebold von Wachendorf, um dieselbe Zeit lebend, kommen durch das Reichenbacher Schenkungsbuch zu unserer Kenntniß. Burkhard von Wachendorf verkaufte den 25. Novbr. 1299 seine meisten Güter samt der Gerichtsbarkeit in Zimmern (unfern Haigerloch) unter dem Siegel des Grafen Albert von Hohenberg an das Kloster Kirchberg (Schmid Mon. Hohenb. 142). Im Jahr 1320 verkaufte Albert von Owe – „dem man spricht von Wachendorf“ – auf Wiederlosung 4 Malter Roggen zu Wachendorf aus dem Gut, das „Conrat bei dem Tor baut“, für ein lediges Aigen. (v. Ow’sches Archiv.) Späterhin tritt der Name von Wachendorf gegen den von Ow, wie sofort die Besitzer des Ortes und des hiesigen Blutbannes heißen, ganz zurück.

Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Herrschaft Owe in die Linien: Stadt Owe, Wachendorf, Bodelshausen und Hirrlingen getheilt, wovon die erste und dritte im 15. Jahrhundert, die vierte im 18. Jahrhundert erlosch, und erstere einen Theil des Städtchens Ow (ohne die Burg), kurz vor 1381 an Hohenberg veräußerte. (v. Ow’sches Archiv.)

Die Herrschaft Wachendorf und der Ort selbst wurde späterhin mehrmals getheilt; im Jahr 1356 unter drei Brüder v. Ow: Hans und Albrecht der Jung saßen seit 1347 zu Diessen, Albrecht der Alt 1342 zu Buch (Buchhof), später zu Wachendorf, wo ihm auch die Kirchenverleihung und die Burgmühle zu Theil wurde. Letztere erbte 1360 der Sohn Albrecht „der Gnapper“ und verkaufte sie 1372 um 330 Pfd. Heller dem Bruder Werner, der sie 1374 von Walter v. Geroldseck-Sulz zu Lehen nahm, wie nachmals seine Nachkommen auch das Burgstall und den Zehnten zu Wachendorf von Württemberg, zuerst von den Grafen Eberhard im Bart, welcher in den 1470ger Jahren die geroldseckischen Besitzungen in diesen Gegenden (Sulz etc.) und die Oberherrlichkeit über die hiezu gehörigen | Vasallen (v. Ow, v. Rosenfeld, Gut etc. s. Reichsständische Archivalurkunden 1, 15) an sich brachte.

Die Herren v. Ow zu Diessen, – später zu Felldorf – beerbten aber wiederholt ihre Vettern zu Wachendorf, so daß Otto († 1656) und Joseph Clemens Reichsfreiherr v. Ow († 1741) zugleich Herrn zu Felldorf, Wachendorf, Bierlingen, Neuhaus und Ahldorf waren; ersterer auch zu Vollmaringen und Göttelfingen.

Des Letzteren Söhne theilten wieder 1751, und erhielt Otto das Obervogteiamt Wachendorf (das Schloß und die Dörfer Wachendorf und Bierlingen, den Hof zu Sulzau, die Burgmühle, die Lohmühle, Zehnten und Gefälle zu Höfendorf, Altheim und Empfingen). Im Jahr 1805 kam dieser Besitz unter württembergische Hoheit.

In neuerer Zeit erwarben die Herren von Ow das Rittergut Hohenberg (1828) und zwei badische Lehen und Gefälle zu Kappel am Rhein, und Antheil an der Burg Wieladingen.

Wachendorf – seit 1580 Fideikommiß – ist seit 1857 mit Bierlingen Majorat.

Einen hiesigen Hof, welchen die Herren von Weitingen inne hatten, erkaufte Graf Jos. Niclaus von Zollern den 5. Mai 1542 (Schwarzmann Karl Graf zu Hohenzollern-Sigmaringen 24).

An hiesiger Kirche erscheint den 3. März 1222 Vlricus plebanus als Zeuge Graf Bertholds von Sulz für das Kloster Salem (Cod. Salem. in Karlsruhe 1, 161), 1360 Peter von Ow, Kirchherr zu Wachendorf; Patrone sind die Freiherrn v. Ow-Wachendorf.

Zur Zeit der Reformation ging dieser Ort durch Hans von Ow, dessen Gemahlin Rosina eine Markgräfin von Baden war, veranlaßt, zur lutherischen Konfession über, wurde aber, als der Neffe Joseph (dessen evangelischer Prediger 1591 Georg Liebler war) 1615 kinderlos starb, und die v. Ow-Felldorf erbten, trotz des Letzteren fürsorglichen Testaments, nach und nach wieder zum Katholicismus zurückgebracht.


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