Beschreibung des Oberamts Laupheim/Groß-Schaffhausen

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Groß-Schaffhausen.
Gemeinde III. Kl. mit 328 Einw. – Kathol. Pfarrei.

An den sanft geneigten, westlichen Gehängen gegen das Roth-Thal liegt zwei Stunden südöstlich von Laupheim der in die Länge gebaute, mittelgroße Ort, dessen Gebäude, mit Ausnahme einiger stattlichen Bauernwohnungen, meist klein und ziemlich weit von einander stehend, gebaut sind. Die Aussicht ist zwar gegen Osten und Westen beschränkt, dagegen erlaubt sie einen Blick in das zunächst am Ort vorbeiziehende, sehr angenehme Roth-Thal, mit den stattlichen Orten Schwendi, Orsenhausen, Bußmannshausen u. s. w. Am nördlichen Ende des Dorfs stehen Kirche, Pfarr- und Schulhaus; die Pfarrkirche zur heil. Maria Magdalena, deren Unterhaltung dem Grundherrn zusteht, liegt mit dem sie umgebenden, mit einer festen Mauer umfriedigten Begräbnißplatze etwas erhöht und wurde im Jahr 1726 von dem damaligen Guts- und Zehentherrn, Fürsten v. Öttingen, mit einem Aufwand von 2137 fl. 25 kr. nebst einem freiwilligen Beitrag des Pfarrers Klausner von 300 fl. und einem Gemeindebeitrag von 100 fl. in einem einfachen, modernen Style neu erbaut. Im Jahr 1817 zerstörte ein furchtbarer Sturm das Dach derselben, welches auf Kosten des Heiligen wieder hergestellt wurde. Diese im Rococcostyl gehaltene Kirche ist in ihrem Inneren sehr freundlich ausgestattet und enthält drei Altäre, von denen der im Chor stehende Hauptaltar die Patronin der Kirche, Maria Magdalena, und von den im Schiff angebrachten Seitenaltären, der eine den heil. Franziskus Xaverius, der andere den heil. Joseph darstellt. Auf einem der Seitenaltäre steht ein altes, sehr gut geschnittenes Bild der heil. Maria, den verschiedenen Christus in der Schooß haltend.

Das im Jahr 1504 von Wilhelm v. Schwendi erbaute Pfarrhaus wurde im 30jährigen Kriege (1634) zerstört und im Jahr 1681 von dem Kloster Ochsenhausen wieder aufgebaut, in den Jahren 1834/36 aber namhaft verbessert.

Das Schulhaus, dessen unteres Stockwerk die Schulzimmer und die Gelasse für den Gemeinderath, das obere aber die Wohnung des Schulmeisters enthält, wurde im Jahr 1839 von der Gemeinde mit einem Aufwand von 2500 fl. neu erbaut.| Mit reinem Trinkwasser ist der Ort hinreichend versehen, da beinahe jedes Haus seinen eigenen Schöpf- oder Pumpbrunnen hat; überdieß befindet sich südlich vom Ort im Thale ein laufender Brunnen, der gutes Wasser liefert. Etwa 1/8 Stunde westlich vom Dorfe fließt die Roth, über die eine hölzerne Brücke zu dem nahe gelegenen Klein-Schaffhausen führt. In geringer Entfernung südwestlich vom Ort mündet der die Wiesen bewässernde Hüttenbach in die Roth.

Die Einwohner sind einfache, sittlich gute, religiös gesinnte Leute, die sich durch großen Fleiß ihr Auskommen zu sichern suchen; früher trieben sie die Weberei mit Vortheil in großer Ausdehnung, seit aber das Handweben mehr und mehr abkommt, widmen sie sich vorzugsweise der Landwirthschaft, welche nun ihre Haupterwerbsquelle bildet. Von Gewerben sind eine Schildwirthschaft, ein Kramladen und eine, 1/8 Stunde östlich vom Ort gelegene Ziegelhütte, zu erwähnen.

Der größte Güterbesitzer hat 60 Morgen.

Freiherr v. Süskind besitzt einen Hof (den sog. Bauhof) von etwa 50 Morgen auf der Markung zerstreut liegenden Gütern, welche verpachtet sind und umsichtig bewirthschaftet werden.

Das Klima ist mild, die Luft rein, gesund, und der Ort gegen rauhe Ost- und Nordwinde geschützt; dagegen erzeugt die moorige Thalebene nicht selten kalte, der Obstzucht schädliche Nebel und Reifen. Hagelschlag kommt ganz selten vor.

Der meist etwas schwere Boden, dem theils Thon, theils Gerölle zur Unterlage dienen, ist im Allgemeinen ziemlich fruchtbar und wird durch fleißigen Anbau und Düngung immer mehr verbessert. Die ergiebigsten Güter liegen auf der Ebene, im Übrigen ist die kleine Ortsmarkung, mit Ausnahme des Roth-Thals, im Allgemeinen etwas uneben.

Die Landwirthschaft wird gut betrieben, wiewohl immer noch der deutsche Wendepflug im Gebrauch ist; dagegen sind die Düngerstätten meist zweckmäßig angelegt, und auf die Gewinnung der Gülle wird eifrig gesehen; überdieß kommt der Gyps bei den Kleefeldern sehr häufig in Anwendung.

Im System der Dreifelder-Wirthschaft mit zu 2/3 angeblümter Brache baut man von den gewöhnlichen Getreidearten am häufigsten Dinkel und Roggen; der durchschnittliche Ertrag eines Morgens Acker wird zu 6–8 Scheffel Dinkel, 3 ½ Scheffel Roggen und eben so viel Gerste und Hafer angegeben; letzterer zeigt selten ein gutes Gedeihen. Das Brachfeld wird mit Kartoffeln, dreiblätterigem Klee, Kohlraben, ziemlich viel Reps und Flachs eingebaut; Kraut zieht man in eigenen Ländern. Mit dem Hopfenbau wurden in | neuerer Zeit mehrere Versuche gemacht, die jedoch keinen günstigen Erfolg hatten.

Der höchste Ackerpreis beträgt 400 fl., der mittlere 300 fl. und der geringste 200 fl. per Morgen. Getreide wird in nicht großer Ausdehnung nach Biberach und Laupheim abgesetzt.

Der Wiesenbau ist mittelmäßig und liefert zuweilen etwas saures Futter; der durchschnittliche Ertrag eines Morgens beläuft sich auf 18 Centner Heu und 10 Centner Öhmd. Die Preise eines Morgens bewegen sich von 150–300 fl.

Die Obstzucht beschäftigt sich mit den gewöhnlichen, etwas späten Kernobstsorten, wie auch mit Kirschen; der Obstertrag wird im Ort verbraucht.

Die Schafweide wird in neuerer Zeit nicht mehr verpachtet; von den Ortseinwohnern hält nur der Bauhofpächter etwa 50 Stück Schafe, die übrigens auf fremder Weide laufen.

Die mit einer kleinen Allgäuerrace sich beschäftigende Rindviehzucht ist in gutem Stande; für zwei Farren, welche einzelne Bürger anschaffen, werden von Seiten der Gemeinde jährlich 35 fl. gereicht. Der Handel mit Vieh ist unbeträchtlich.

Geflügel wird viel gezogen und ein kleiner Handel mit Gänsen, wie mit jungen Hahnen getrieben.

Die Bienenzucht hat abgenommen.

In den Gewässern, Roth und Hüttenbach, besitzt Freiherr von Süskind das Fischrecht.

Mittelst der durch den Ort führenden Laupheim–Dietenheimer Landstraße, wie durch eine nach Schwendi angelegte Vicinalstraße ist dem Ort sein Verkehr nach Außen hinreichend gesichert.

Etwa ¼ Stunde nördlich von Groß-Schaffhausen befindet sich ein Molassesandsteinbruch, der übrigens nicht mehr benützt wird.

Die Gemeindepflege ist unbemittelt und hat nicht nur kein Kapitalvermögen, sondern noch gegen 1200 fl. Schulden; über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tabelle III.

Die Pfarrei, deren Besetzung der Krone zusteht, war zur Zeit des 30jährigen Kriegs über 50 Jahre erledigt, indem im Jahr 1634 die schwedischen Truppen in den Ort einfielen und denselben verwüsteten; wer hiebei nicht durch die Waffen umkam, wurde von der Pest weggerafft, so daß der damalige Pfarrer Bartholomä Sempflin, der weder Pfarrkinder noch Einkünfte mehr hatte, genöthigt war, nach Österreich zu flüchten, wo er auch starb. Erst nach dem westphälischen Frieden siedelten sich wieder einige Einwohner, meist Tyroler, im Orte an, welche von dem Pfarrer in Schwendi pastorirt wurden; nach Zunahme der Einwohner wurde | die Pfarrei wieder hergestellt und im Jahr 1681 das Pfarrhaus erbaut (s. oben).

Am südlichen Ende des Dorfs, an der Stelle des gegenwärtigen Bauhofes, stand eine Burg, von der noch ein kleiner Theil des ehemaligen Burggrabens sichtbar ist.

Etwa 1/8 Stunde südöstlich vom Ort in dem Walde „Bergmad“ wird eine Stelle, auf der ein Schloß (Burg) versunken sein soll, der Herrengarten genannt, an welchen ein Wald „Burghau“ grenzt.

Bereits den 15. Dezember 1152 erscheint das Kloster Roth in „Schafhousen“ begütert (Wirt. Urkundenbuch 2. 70).

Der Ort nebst Patronatrecht gehörte als Appertinenz zur fürstlich öttingischen Herrschaft Schwendi (s. Schwendi) und kam mit dieser im Jahr 1820 an den Bankier Freiherr v. Süskind in Augsburg.

Bis zum Jahr 1505 war Großschaffhausen Filial von Laupheim, und wurde damals durch Junker Wilhelm und Ruland von Schwendi mit Beiträgen der Einwohner zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Das Patronat gehörte in frühester Zeit dem Kloster Ochsenhausen, wurde aber von diesem an den Grafen Franz Albrecht von Öttingen überlassen, welcher hierüber am 13. August 1691 bischöfliche Bestätigung erhielt unter dem Vorbehalt, daß das Patronat an Ochsenhausen zurückfalle, wenn der Gutsherr von Schwendi Nichtkatholik sei. Dies war der Fall bei Süskind, weshalb das Patronat im Jahr 1820 an den Fürsten von Metternich und im Jahr 1825 an den Staat gelangte.