Beschreibung des Oberamts Leonberg/Kapitel A 7

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel A 6 Beschreibung des Oberamts Leonberg Kapitel B 1 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
VII. Geschichtlicher Überblick.
1. Politischer Zustand.

Die Römer, welche hier viele Spuren ihres Aufenthalts hinterlassen haben, unterlagen in dieser Gegend den Alemannen gegen das Ende des 3ten Jahrhunderts, die Alemannen den Franken gegen den Schluß des 5ten und am Anfang des 6ten; der Boden des Oberamts tritt jedoch vor den Zeiten des K. Rudolphs des Habsburgers oder dem Ende des 13ten Jahrhunderts nicht als Schauplatz geschichtlicher Begebenheiten an’s Licht.

| Merkwürdig ist dieser Landstrich dadurch, daß nach der Besiegung der Alemannen durch die Franken, bis in die Zeiten der Hohenstaufen, durch ihn die Grenzscheide zwischen Franken und Alemannien zog. Das Frankenland dieser Gegend war indeß ursprünglich auch alemannisches, verlor jedoch in Folge einer entscheidenden Schlacht im Jahr 496 seinen ursprünglichen Namen und gerieth, gegenüber den siegreichen Franken, in strengere Abhängigkeit als das südlichere Alemannien. Aus der Zeit, als diese Grenzscheide bestund, hat man kaum ein paar vereinzelte Angaben über die Zutheilung des einen oder des andern Orts zu einer bestimmten Provinz;[1] allein nach Allem ist anzunehmen, daß die Abgränzung der Bisthümer Constanz und Speyer genau der Markscheide zwischen Alemannien und Franken folgte. Hiernach waren alemannisch die Orte des Constanzer Sprengels: Gerlingen, Münchingen; fränkisch, die Orte der Speyerer Diözese: Warmbronn, Eltingen, Leonberg, Hirschlanden und Hemmingen.

In Ditzingen macht die den Ort durchfließende Glems eine so scharfe Grenze, daß die links von ihr stehende Kirche zum Bisthum Speyer, also diese Seite zu Franken, die rechts von ihr gebaute Kirche zum Bisthum Constanz, demnach zu Alemannien gehörte. Indeß wird doch Ditzingen (s. Ditzingen) einmal als in ducatu Francorum gelegen bezeichnet, wenn gleich der bedeutendere Theil des Orts, wenigstens wie er heut zu Tag steht, auf die rechte Seite der Glems gebaut ist.

Bekanntlich war in der alemannischen Zeit und in der Periode der fränkischen und sächsischen Könige das Land nach Gaue eingetheilt; damals bildete der östliche Theil des Bezirks einen Theil des Glemsgaues, der westliche des Würmgaues, der nördl. des Enzgaues. Es kommen indeß in früheren Urkunden nur Rutesheim i. J. 767 als Enzgauort, Hirschlanden, Ditzingen i. J. 769, Gerlingen [2] i. J. 797, Heimerdingen i. J. 798, Schöckingen i. J. 814 und Weil d. Dorf i. J. 1243 als Glemsgauorte mit ausdrücklicher Gaubezeichnung vor, und die Grenzen der bezeichneten Gaue unter sich lassen sich eben wegen Mangels an Angaben, wie in den meisten Fällen, nicht genau bestimmen, da Rückschlüsse von | der geistlichen Eintheilung der Ruralcapitel auf die geographisch-politische, die Gaue, sehr gewagt sind.[3] Würden Ruralcapitel und Gaue sicher congruiren, so hätten wir in den unten aufzuzählenden Orten des Ruralcapitels Markgröningen die glemsgauischen Orte des Oberamts, in den Orten des Ruralcapitels Weil der Stadt die zu diesem Oberamt gehörenden Orte des Würmgaues, und in den zum Ruralcapitel Pforzheim gehörigen Dörfern Mönsheim und Wimsheim die Enzgauorte.

Am längsten von den einschlägigen Gaunamen hat sich der Glemsgau erhalten; derselbe kommt als Lagebezeichnung noch am Schlusse des Mittelalters vor (Heyd, Geschichte der Stadt Markgröningen, S. 2), zur Zeit wo in den übrigen Landestheilen die Gaunamen fast ganz erloschen sind.

Die am frühesten genannten Orte des Bezirkes sind: Rutesheim 767, Ditzingen 769, Hirschlanden 769, Höfingen 775, Gerlingen 797, Heimerdingen 798, Münklingen 862, Heimsheim 965, Malmsheim, Merklingen, Weil d. St. sämmtlich 1075, Dulcheshausen (abgegangener Ort bei Leonberg), Eltingen, Friolzheim, Gebersheim, diese vier um 1100, Warmbronn um 1105, Renningen um 1120, Mauerhof, Mönsheim, Münchingen um 1140, Ihinger Hof um 1170. Die Kenntniß dieses Vorkommens verdankt man den Urkunden des Klosters Lorsch an der Bergstraße und des Klosters Hirschau.

Im Glemsgau und im Enzgau werden nur ein einziges Mal Grafen erwähnt, i. J. 902, im ersten Gau Gozbert, im zweiten Walaho (Cod. Laur. Nro. 56); über die Zuordnung derselben Grafen zu bestimmten Familien fehlen alle Anhaltspunkte.

Im Allgemeinen mochte die Grafschaft über den größten Theil der Einwohner des Bezirks dem im 11ten Jahrhundert von der Burg Calw sich nennenden Grafengeschlecht gehören, von dem sich ein sehr alter Zweig Grafen von Ingersheim schrieb, und eine spätere Nebenlinie sich Grafen von Vaihingen nannte. Die Hauptlinie dieser Grafen erlosch indeß schon in der zweiten Hälfte des 13ten Jahrhunderts; als später die Geschichte etwas aufgehellter wird, waren schon ihre Rechts-Nachfolger in diesen Besitz eingetreten.

Zu den Letzteren gehörten durch die Ehe Graf Sigmunds von Zweibrücken mit der Tochter des letzten Grafen von Calw, welche sich Gräfin von Zavelstein nannte (Stälin, Wirt. Gesch. 2, 367), die Grafen von Zweibrücken.

Wenn die Söhne genannten Sigmunds, die Grafen Heinrich und | Otto von Zweibrücken, das Patronat der Kirche von Malmsheim besitzen, welches sie i. J. 1301 an Graf Eberhard von Württemberg verkaufen, und wenn dem Grafen Otto von Zweibrücken noch 1316 die Lehensoberherrlichkeit über einen Theil von Höfingen zusteht, so ist hier mit Sicherheit ein ursprünglich gräflich Calwischer Besitz zu erkennen.

Von den Calwer Grafen war übrigens schon im 12ten Jahrhundert eine bedeutende Gütermasse durch Heirath Welfs VI. († 1191), mit Uta, Tochter Gottfrieds, Grafen von Calw und Pfalzgrafen bei Rhein, an die Welfen gekommen. Hieraus erklärt sich der Umstand, daß Welf VI. einen Dienstmann in Gerlingen hatte.

Welf’s VI. Güter kamen zum Theil noch zu seinen Lebzeiten, das Übrige nach seinem Ableben an die Hohenstaufen; wenn im Besitz der Letzteren i. J. 1188 Malmsheim vorkommt, so mochte es eben von Welf VI. an sie gelangt sein.

Die am Schlusse des 12. Jahrhunderts von der Calwer Hauptlinie abgezweigten Grafen von Vaihingen erscheinen als Besitzer von Wimsheim, Mönsheim (zum Theil, vergl. auch Reichsst. Archiv. Urk. 1, 25), von Gerechtigkeiten in Malmsheim, als Lehensherren eines Hofs in Hirschlanden.

Ein weiteres in diesen Gegenden mächtiges Geschlecht, die Pfalzgrafen von Tübingen, war in sehr früher Zeit in Eltingen, Gebersheim und Warmbronn begütert; es besaß im 13ten Jahrhundert Heimsheim und noch im Anfang des 14ten Rutesheim; seine Rechte in Hirschlanden und Münchingen hatte es als Besitzer der Grafschaft Asperg.

Die Grafen von Hohenberg hatten an Flacht und Renningen Theil, die Markgrafen von Baden besaßen in sehr früher Zeit Dienstherrlichkeit über Mönsheim, mit welcher sie ohne Zweifel von dem elsässischen Kloster Weissenburg betraut waren.

Nach diesen bedeutenden Herren kommt der niedere Adel in Betracht, der in den meisten Dörfern angesessen war. (S. d. Ortsbeschreibungen.)

Zur Reichsunmittelbarkeit erhob sich, zum Theil im Kampf mit den Grafen von Württemberg, Weil der Stadt wohl ein ursprünglich gräflich Calwischer Ort.

An geistliche Hände gelangte sehr Vieles; so waren in ältester Zeit die entlegenen Klöster, Lorsch an der Bergstraße an sehr vielen Orten des Bezirks, Hugshofen und Weissenburg, ersteres in Friolzheim, letzteres in Mönsheim begütert. Diese Besitzungen verschwinden aber sehr frühe aus der Geschichte.

Von näheren Klöstern, welche zusammenhängende Ämter hatten, aus denen einzelne Theile zur Bildung des jetzigen Oberamts Leonberg verwendet wurden, kommen in Betracht: die Klöster Herrenalb, Hirschau, | und Maulbronn. Zu Herrenalb gehörten: Merklingen und Hausen; zu Hirschau: Friolzheim; zu Maulbronn: Flacht und Wimsheim.

In diesen geistlichen Ämtern wurde der württembergische Besitz durch die Klostervogtei — die über Maulbronn kam erst i. J. 1504 durch den Pfälzischen Krieg an Württemberg — vermittelt und durch die Reformation vollendet.

Neben dem Besitz der obengenannten Grafen von Calw u. A., war wohl Manches württembergisches Hausgut, von welchem kein Ankunftstitel sich ermitteln läßt; in der Mitte des 13ten Jahrhunderts als Graf Ulrich von Württemberg die Stadt Leonberg gründete, war Württemberg jedenfalls durch alten und neuen Besitz in der Gegend schon sehr erstarkt. Vieles ist aber erst in späteren Zeiten erworben worden, worüber die Ortsbeschreibungen zu vergleichen sind.

Um’s J. 1350 gehörte zum Oberamt Leonberg: Leonberg, Ditzingen, Eltingen, Gebersheim, Gerlingen, Hemmingen, Hirschlanden, Höfingen, Magstatt, Malmsheim, Münchingen, Renningen, Rutesheim, Schöckingen, Warmbronn und Weil d. D. (Reichsst. Archiv. Urk. 1, 46, wo auch die Steuer dieser Orte angegeben ist.)

Von diesen Orten ist blos Magstatt, welches zum Oberamt Böblingen gehört, schon früh — bleibend — von Leonberg hinweggekommen. Vorübergehend abgetrennt in herzoglichen Zeiten waren, und zugetheilt zum Oberamt Böblingen: Malmsheim; zum (aufgehobenen) Oberamt Markgröningen (nachher zum Oberamt Ludwigsburg): Münchingen; zum Oberamt Canstatt bis zum Jahr 1807: Weil d. D. mit dem Berkheimer Hof; zum Oberamt Ludwigsburg: Ditzingen (Heyd, Markgröningen, 133. 134). Neu hinzugekommen zum Amt Leonberg sind nach dem Jahr 1350: Heimerdingen, Mönsheim und Münklingen; hinzugefügt war, aber später für immer abgetreten wurde: Maichingen.

Im Jahr 1803 war die Reichsstadt Weil württembergisch geworden; für diese Stadt, welche keine zugehörigen Orte gehabt hatte, wurde im J. 1807 unter Zutheilung der Orte Althengstett, Gechingen, Hausen an der Würm, Heimsheim, Merklingen, Neuhengstett, Perouse, Simozheim und des Patrimonialamts Dätzingen, ein eigenes, bereits im Jahr 1808 wieder aufgehobenes Amt geschaffen.

Das alte Oberamt Leonberg wurde 1807 vergrößert: durch Weil dem Dorf, 1808 durch Weil der Stadt, welches noch lange ein Unteramt blieb, Hausen an der Würm, Heimsheim, Merklingen, Perouse; ferner in gleichem Jahr durch Flacht und Friolzheim, wovon ersteres nach Aufhebung der Klosterämter zum Oberamt Maulbronn, letzteres zum Oberamt Calw gekommen war, i. J. 1810 durch Münchingen mit Mauerhof, wogegen Weissach, welches seit dem Jahr 1807 dem Oberamt einverleibt | gewesen war, an das Oberamt Vaihingen abgetreten werden mußte. Nach dem Jahr 1810 traten keine Änderungen in Beziehung auf die Zusammensetzung des Oberamts mehr ein.

Im Jahr 1806 kam das Oberamt zum Kreis Stuttgart und das Amt Weil zum Kreis Calw.

Im Jahr 1810, bei der Eintheilung des Königreichs in Landvogteien, wurde das Oberamt Leonberg der Landvogtei Schwarzwald zugetheilt.

Bei der neuen Kreiseintheilung im Jahr 1817, kam das Oberamt zu dem Neckar-Kreis.


2. Kirchliche Verhältnisse.

Vor der Reformation gehörte unser Bezirk dem größern Theile nach zum Bisthum Speyer, der kleinere zum Bisthum Constanz.

Die speyerischen Orte waren untergeordnet: 1) dem Archidiaconat S. Guido, wozu die dem Landcapitel Pforzheim untergebenen Orte Mönsheim und Wimsheim gehörten. 2) Dem Archidiaconat zur heil. Dreifaltigkeit. Von diesem erstreckten sich zwei Landcapitel über unsern Bezirk: a) Landcapitel Weil mit Weil d. St., Heimsheim, Hausen an der Würm, Merklingen, Warmbronn, Renningen, Malmsheim, Flacht, Münklingen, Friolzheim; b) Landcapitel Markgröningen mit Hemmingen, Heimerdingen, Schöckingen, Hirschlanden, 1/2 Ditzingen, Höfingen, Gebersheim, Rutesheim, Leonberg, Eltingen.

Die Orte des Hochstifts Constanz gehörten zu dessen Archidiaconat vor dem Wald und in das Landcapitel Schmiden; diese waren: 1/2 Ditzingen, Gerlingen, Münchingen.

Nach der Reformation, welche in den altwürttembergischen Orten um dieselbe Zeit wie im übrigen Land, in Leonberg namentlich im Jahr 1537 Montags nach Quasimodogeniti, in dem ritterschaftlichen Ort Schöckingen aber erst 1599 eingeführt wurde, kamen die genannten Orte unter die Dekanate Calw, Leonberg, Markgröningen und Maulbronn, welche der Generalsuperintendenz Maulbronn, und das Dekanat Canstatt, welches der Generalsuperintendenz Lorch (seit Verlegung des Sitzes im Jahr 1599 Adelberg, im Jahr 1810 Urach) untergeordnet wurde.

Zum Dekanat Leonberg gehörten: Leonberg, Ditzingen, Eltingen, Friolzheim, Gebersheim, Gerlingen, Heimerdingen, Heimsheim, Hemmingen, Hirschlanden, Höfingen, Malmsheim, Mönsheim, Münklingen, Renningen, Rutesheim, Schöckingen, Warmbronn. Zum Dekanat Maulbronn (Dürrmenz): Flacht, Wimsheim. Zum Dekanat Calw: Hausen a. d. W., Merklingen. Zum Dekanat Markgröningen: Münchingen. Zum Dekanat Canstatt: Weil d. D.

| Bei der kirchlichen Eintheilung von 1810 kam das Dekanat Leonberg zu dem Generalat Maulbronn; die Zutheilung der Pfarreien an den ebengenannten Decanate blieb unverändert.

Seit der neuen Bezirkseintheilung der evangelisch-lutherischen Generalate vom Jahr 1823 (Reyscher 9, 620) steht das Dekanat Leonberg unter dem Generalat Ludwigsburg, nunmehr sind auch alle protestantischen Orte, mit Ausnahme des gefreiten Kornthals, dem Dekanat Leonberg untergeben.

Weil d. D. ist erst im Jahr 1816 zum Dekanat Leonberg gekommen, nachdem es in politischer Beziehung schon längst dem Oberamt Leonberg einverleibt gewesen war.

Die einzige katholische Gemeinde des Bezirks, Weil d. St., ist seit dem 1. Februar 1817 dem katholischen Dekanat Stuttgart untergeordnet, in der ersten württembergischen Zeit war Weil selbst ein Dekanat, welchem bloß die Pfarrei Dätzingen zugeordnet war.


3. Besondere Schicksale.

In die Schwäbischen Händel wurden Leonberg und die zugehörenden Orte am frühesten verflochten zur Zeit des fehdelustigen Grafen Eberhard des Erlauchten. Als dieser bei seinen Kämpfen mit dem Reiche unterlag, huldigte dem letzteren die bis dahin württembergische Landstadt den 6. August 1312, und wurde dadurch reichsunmittelbar. Allein nicht lange darauf wurde sie wieder ihrem Landesherrn unterwürfig.

Später tritt der Bezirk unter dem Grafen Eberhard dem Rauschebart, dem Enkel des Ebengenannten, wieder an’s Licht; dieser, ein muthiger Kämpfer für die Landeshoheit seines Hauses und deßhalb mit den Reichsstädtern in beständigem Kampfe, suchte gegen die Lockung der letzteren durch besondere Verschreibungen, welche er sich geben ließ, den hiesigen Bezirk an sich zu fesseln; dergleichen stellten aus am 10. Januar 1383 die Bürgerschaft zu Leonberg und Eltingen und folgenden 14. Januar die zu Gerlingen, Weil d. D., Münchingen, Höfingen und Ditzingen und versprachen feierlich, sie wollen sich mit ihrem Leib, Weib, Kind und Gut von der Herrschaft Württemberg nicht entfremden (Sattler Gr. 1. Nr. 173. 174). Den Hauptschlag, welchen der Graf damals den Reichsstädten versetzte, führte er am 23. August 1388 zwischen Weil d. St. und Döffingen aus (siehe das Nähere in der Oberamtsbeschreibung von Böblingen, s. 161). Den Kampf, welchen dieser Eberhard gegen die rauflustigen Rittergesellschaften führte, brachte sein Enkel Graf Eberhard der Milde im J. 1395 durch die Einnahme von Heimsheim (s. die Ortsbeschreibung) zu einem glücklichen Ende.

In den Zeiten Herzog Ulrich’s fand der arme Conrad im Jahr 1514 | in Leonberg nicht wenig Anhänger; damals diente einmal der benachbarte Engelberg zum Lager der Unzufriedenen (Heyd, Ulrich 1,257.325).

Als im Jahr 1519 der schwäbische Bund genannten Herzog aus dem Lande getrieben hatte, ergab sich Leonberg an jenen den 8. April, und hatte Herzog Wilhelm von Bayern, der oberste Hauptmann des Bundes, am 3. und 4. Mai hier sein Hauptquartier, während sein Fußvolk in Ditzingen lag. Im folgenden August machte Herzog Ulrich einen, nur ein paar Wochen glücklichen Versuch zu Wiedereroberung des Landes; er bezog von der Pfalz aus mit einer zusammengerafften Mannschaft sein erstes Lager im Lande bei Mönsheim und rückte am 12. August mit 200 Reitern und 500 Mann Fußvolk nach Heimsheim, am 13. nach Leonberg, ohne auf Widerstand zu stoßen, so daß er schon am 14. August Stuttgart besetzen konnte (v. Martens, 176). Als Herzog Ulrich im Jahr 1525 eine wiederholte, gleichfalls nur auf kurz geglückte Einnahme seines Landes versuchte, ergab sich ihm Leonberg in den ersten Tagen des Märzmonats.

Im schmalkaldischen Krieg war in den letzten Dezembertagen 1546 ein Theil des kaiserlichen Geschützes in Münchingen aufgestellt und wurde Anfangs Januar 1547 Leonberg von einem Fähnlein Spanier ausgeplündert (v. Martens, 272—73).

Die Jammerzeit des 30jährigen Krieges traf auch diese Gegend sehr empfindlich; schon durch Contribution zum Unterhalt der Besatzung auf dem nahe gelegenen Asperg hatten sie viel zu leiden. Nach der Nördlinger Schlacht schenkte im Jahr 1635 König Ferdinand II. Schloß, Stadt und Amt Leonberg dem kaiserl. General, Grafen Matthias Gallas, welcher es i. J. 1638 wieder an Herzog Eberhard III. abtrat. In den Jahren 1634—38 verlor die Stadt und das damalige Amt an Mannschaft mehr als die Hälfte, nehmlich 1270. Abgebrannt und ruinirt wurden mit Einschluß von Heimsheim 1 Kirche, 1 Rathhaus, 883 Häuser. An Gütern sind ungebaut und herrenlos geblieben 11.594 Morgen; der Schaden wurde zu 1.740.708 fl. berechnet. Auch die letzten Jahre des 30jährigen Kriegs führten noch Heereszüge in die Gegend. Am 29. Oktober (8. November) 1643 stand der bayrische General Mercy bei Malmsheim. Im Beginn des Jahrs 1645 litt Leonberg ungemein durch Plünderung. 170 Pferde wurden am 28. Januar weggenommen (v. Martens, 458).

Auch nach dem westphälischen Frieden, während dessen Abschluß Weil d. St. niedergebrannt wurde, räumten die fremden Truppen nur langsam das Land; von Leonberg brach erst am 17. Februar 1649 ein Haupttheil des französischen Heeres auf, Ditzingen hatte mit Schwieberdingen (Oberamts Ludwigsburg) 10 Regimenter, Höfingen 31 Compagnien, welche in 5 Tagen Alles aufzehrten und greulich hausten | (v. Martens, 419). In Folge des Kriegs lagen noch i. J. 1652 in Stadt und Amt 858 Häuser in Asche.

Im Reichskrieg gegen Frankreich von 1693 zog der Dauphin am 14. (24.) August nach Schöckingen, der Markgraf Ludwig von Baden stand am 7. (17.) September in Mönsheim; Leonberg wurde damals von den Franzosen nicht, wie so viele Orte, mit Brand heimgesucht, mußte aber 503.937 fl. Brandschaden zahlen (v. Martens, 544); dagegen wurde Hirschlanden geplündert, Heimerdingen und Hemmingen verwüstet, in Ditzingen 51 Häuser, deßgleichen viele in Weil d. D. in Asche gelegt.

Auch der spanische Erbfolgekrieg regte i. J. 1704 unsere Gegenden auf, damals zogen den 19. Juli über Weil d. St. preußische Truppen unter dem Prinzen von Anhalt zu dem Prinzen Eugen, und am 19. Juli rückten 7 Bataillone dänische Truppen unter dem General Scholz nach Friolzheim (v. Martens, 592).

Im österreichischen Erbfolgekrieg 1741 zog der französische Marschall von Belleisle von Pforzheim am 20. August nach Mönsheim, am 21. nach Ditzingen, wo er am 22. rastete, von da nach Canstatt (v. Martens, 623).

Im Feldzug v. J. 1796 begingen die Franzosen im Juli hauptsächlich in und um Merklingen großen Unfug (ebend. 663).


4. Alterthümer.
A. Römische. [4]

Die namhaften und häufigen Spuren, welche aus der römischen Periode in unserem Bezirk gefunden wurden, geben hinlänglich Zeugniß, daß zur Zeit, als die Römer das Zehentland in dem Winkel zwischen Donau und Rhein inne hatten, sie sich auch in der Gegend von Leonberg an mehreren Stellen wohnlich niedergelassen und nach verschiedenen Richtungen Straßen angelegt haben. Von den Straßen, welche ohne Zweifel ihre erste Anlage den Römern verdanken, erwähnen wir folgende;

1) Die römische Consularstraße, welche die römische Niederlassung bei Regensburg mit der bei Windisch in der Schweiz in Verbindung setzte, führt unter den Benennungen „Steinstraße, alter Postweg," südwestlich von Feuerbach auf die Grenze zwischen den Oberamtsbezirken | Stuttgart und Leonberg und lauft an dieser mit wenigen Ausnahmen fort, bis zu der Parkwächterswohnung an der Straße von Bothnang nach der Solitude (s. die Oberamtsbeschreibung von Stuttgart); hier tritt sie in den Bezirk des Oberamts Stuttgart; dagegen führt von diesem Punkt aus eine römische Heerstraße, welche einst die Römerorte bei Canstatt und bei Pforzheim verband, über die Solitude, südlich an Leonberg vorüber, nach Rutesheim und von da nach Perouse. Sie verläßt westlich von letzterem Ort die Landstraße, welche auf eine ziemliche Strecke lang auf sie gegründet wurde, und führt weiter über den Schönbühl, Mittelberg, Bezenbuckel, 1/8 Stunde südlich von Friolzheim vorüber durch den Hagenschieß nach Pforzheim. Die Straße wird theilweise noch benutzt, zum größeren Theile aber ist sie überbaut oder mit Holz bewachsen, übrigens gibt sich der Straßenwall häufig noch zu erkennen, und bei näherer Untersuchung wird an vielen Stellen das Pflaster der Straße noch gefunden.

2) Die aus dem Schönbuch herkommende, über Dagersheim führende „Rheinstraße" tritt in der Nähe des Ihinger Hofs in den Bezirk und führt über den Mühlberg nach Malmsheim; von da nahe an Heimsheim (östlich) vorüber auf den Bezenbuckel, wo sie sich mit der zuerst beschriebenen Heerstraße vereinigt.

3) Von Alt-Hengstett herkommend, führt ein ehemaliger Römerweg unter den Benennungen „Heerweg, Heerstraße, Hochstraße" nahe (nördlich) an Weil d. St. vorüber und weiter über die sogenannte Rheinbrücke in einer Entfernung von 1/8 Stunde östlich an Merklingen und Hausen vorbei, bis zur Landesgrenze unweit der Frohnmühle; von da geht ihr Zug in dem Großherzogthum Baden östlich an Mühlhausen vorüber nach Tiefenbronn und kommt nördlich von letzterem Ort im Hagenschieß (Abtswald) wieder auf die Landesgrenze, an welcher sie längere Zeit fortzieht und sich endlich mit der zu 1) beschriebenen Heerstraße vereinigt. In der Gegend von Merklingen wird sie nicht mehr als Straße benützt, übrigens hat sich ihr Name Heerstraße als Flurbenennung erhalten, und nicht selten stößt man beim Pflügen auf das noch erhaltene Straßenpflaster. In der Markung Hausen ist die von Weil d. St. nach Tiefenbronn führende Vicinalstraße zum größten Theil auf die alte Römerstraße gegründet.

4) Von Pflugfelden her führt eine Römerstraße, „Hochsträß und Sträßle" genannt nach Ditzingen, von da nach Höfingen und 1/2 Stunde nördlich an Rutesheim vorüber nach Flacht und Mönsheim. Von ihr geht in der Nähe von Rutesheim ein Arm ab und lauft in die zu 1) beschriebene Heerstraße ein.

| 5) Unter den Benennungen „Heerstraße, Sträßle" führt eine ebemalige Römerstraße von Canstatt her über Weil d. D., Ditzingen, Hirschlanden, Schöckingen nach Eberdingen u. s. w.

6) Eine Römerstraße, vermuthlich von Kornwestheim, Oberamts Ludwigsburg herkommend, zieht unter dem Namen Heerstraße von Weil d. D. nach Leonberg.

Weitere alte Straßen, welche als römische weniger entschieden nachgewiesen werden können, sind:

a) Die Straße, welche von Magstatt, O. A. Böblingen, herkommend, zwischen Warmbronn und Renningen durchgehend nach Leonberg und von da nach Hirschlanden u. s. w. unter den Benennungen: Reitweg, Rittweg, Heuweg, grasiger Weg und Pilgerpfad, führt.

b) Der von Gebersheim nach Hochdorf, O. A. Vaihingen, führende „alte Postweg oder Rittweg“.

c) Die von Friolzheim, zwischen Flacht und Mönsheim hindurch nach Nusdorf, O. A. Vaihingen führende „alte Weinstraße“.

Nicht minder reich als an alten Straßen ist der Bezirk an Überresten alter Wohnplätze; namentlich deuten folgende in neuester Zeit gemachte Entdeckungen auf ehemalige Römerorte:

1) Etwa 1/4 Stunde nördlich von Rutesheim entdeckte i. J. 1847 Gemeinderath Bolay auf dem zwischen zwei Römerstraßen gelegenen Burgfeld, mehrere ausgezeichnet schöne römische Anticaglien von Bronce, Glas, terra sigillata etc. (s. Schwäbischen Merkur vom 9. August 1849). Überdieß findet man auf dem Burgfeld zerstreut liegend viele Bruchstücke römischer Ziegeln, Gefäße u. s. w., ebenso stößt man häufig auf Mauerreste, so daß hier ein ehemaliger, ziemlich ausgedehnter Römerort angezeigt ist.

2) Auf dem Eurach (Mäurach), südwestlich von Schöckingen an der Markungsgrenze gegen Hirschlanden, kommt man auf ausgedehnte Gebäudereste, bei denen sich eine Menge Fragmente von römischen Ziegeln, Gefäßen, Heizröhren etc. finden; eine hier gefundene Säule wurde leider zertrümmert und ein Postament von einem Hypocaustum liegt gegenwärtig noch in dem Hof eines Bürgers von Hirschlanden.

3) Etwa 1/4 Stunde nordöstlich von Hirschlanden auf einem Acker (des Jakob Koch), in der sogenannten Höll, wurden römische Gebäudereste und Fragmente von Anticaglien, die zum Theil aus samischer Erde waren, entdeckt.

4) In dem Walde Appenwiesen, 3/4 Stunden westlich von Hemmingen, befinden sich noch namhafte Spuren eines Gebäudes, dessen Grundmauern zum Theil noch 1 — 2' über der Oberfläche sichtbar sind, so daß sie sich leicht verfolgen lassen. Das Gebäude bildete ein länglichtes Viereck, von | dem die großen Seiten 40 Schritte, die kleinen 26 Schritte lang waren; um dasselbe lief im Viereck eine Mauer, welche von der nördlichen Seite des Gebäudes nur 7, von der westlichen 76, von der östlichen 38 und von der südlichen über 100 Schritte entfernt ist. An der südlichen Innenseite des Gebäudes fanden sich bei dem Nachgraben (durch Schullehrer Bitzer von Hemmingen) das Schürloch zu dem ehemaligen Hypocaustum mit röm. Ziegeln, Bruchstücken von Heizröhren (tubuli) und ein 2' hohes weibliches Steinbild, welches in das K. Antiquarium abgegeben wurde.

5) Auf dem sog. Bürgle, 1/4 Stunde südwestlich von Hemmingen, findet man röm. Ziegeln, Gefäß-Fragmente etc. etc.

6) In dem Graben, der um das alte Schloß in Hemmingen lief, wurden zwei, nun in dem Garten des Freiherrn von Varnbüler aufgestellte, aus grobkörnigem Keupersandstein gefertigte Altäre ausgegraben, auf deren einem noch einige Spuren von Schrift, auf dem andern Flachbilder, anscheinend Minerva, Juno und Hercules, sichtbar sind.

7) Auch auf der Markung von Münchingen fanden sich an mehreren Stellen Überreste von Wohngebäuden nebst Ziegeln, Gefäßen und Heizröhrenfragmenten etc.; namentlich auf der Markungsgrenze, am Schwieberdinger Weg, auf der nördlich vom Ort gelegenen sogenannten „Hofstatt“, an zwei Stellen in der Nähe des Netzbrunnens, im Thiergarten, am sog. Müllerweg unweit des Witthau’s, in Aischbach und zunächst des Hofs Mauer, welche Punkte auf eine, aus zerstreut gelegenen Wohnungen bestandene Niederlassung schließen lassen.

8) Etwa 1/8 Stunde östlich von Ditzingen auf dem sog. Kirchfelde wurden Grundreste römischer Gebäude entdeckt, und 1/4 Stunde nordöstlich vom Ort fand man röm. Münzen von K. Trebonianus bis K. Volustanus († 254).

9) Auf den sog. Steckenäckern, 1/2 Stunde nordwestlich von Gerlingen, wurden i. J. 1840 bedeutende Mauerreste, bei denen eine runde Säule mit Capitäl nebst röm. Ziegeln und Gefäßfragmente sich fanden, entdeckt; in Gerlingen selbst wurden schon früher beim Graben eines Kellers röm. Gefäße gefunden.

10) Im Ritterwald, 1/2 Stunde südlich von Heimerdingen, befinden sich Spuren eines etwa 100' langen und 60' breiten Gebäudes, dessen Grundmauern zum Theil noch 1 - 2 Fuß über die Oberfläche hervorragen.

11) Etwa 1/2 Stunde westlich von Wimsheim im Hagenschieß (Abth. Brentenhau), sind noch Spuren eines Wohnplatzes, von dessen Trümmern früher häufig Steine zu Gebäuden in Wimsheim verwendet wurden. Auf diese Weise mag auch der, an der südwestlichen Ecke des Kirchthurms eingemauerte | römische Altar dahin gekommen sein, auf dessen zwei sichtbaren Seiten Mercur und Vesta gut gearbeitet dargestellt sind.
OALeonberg B084.png

12) Bei der Frohnmühle, nördlich von Hausen, fand man Mauerreste, einen Estrichboden und viele Bruchstücke von röm. Ziegeln und Töpferwaaren.

13) Auf dem sogenannten Birkbusch bei Friolzheim findet man römische Ziegeln etc.

14) Am Fuße der sogenannten Kuppelzen bei Münklingen fand man die Überreste eines Hypocaustums.

Von steinernen Denkmälern befindet sich außer den schon angeführten, in Hemmingen und Wimsheim, in dem K. Antiquarium zu Stuttgart ein zwischen Leonberg und Eltingen aufgefundenes, welches einen liegenden Mann, dem seine Gattin und Tochter gegenüberstehen, darstellt.


B. Deutsche.

Altgermanische Grabhügel kommen vor: in dem zwischen Hemmingen und Heimerdingen gelegenen Walde 2, in den Appenwiesen 3/4 Stunden westlich von Hemmingen 1, im Hagenschieß (Abth. Kalkofen) 4, im Ritterwald südlich von Heimerdingen 1 und nordöstlich von Rutesheim, auf dem sog. Hennenhäusle (Hünenhäusle), 1; in letzterem wurden menschliche Gerippe mit Armspangen von Bronce etc. gefunden.

| Gräber, nicht unter aufgeworfenen Hügeln, sondern in dem gewachsenen Boden, entweder frei oder mit Steinplatten umfriedigt, [5] welche wohl einer etwas spätern Periode als die Grabhügel angehören, wurden in dem Bezirke an folgenden Stellen aufgefunden: bei der Ziegelhütte zu Ditzingen, bei Münchingen, am westlichen Ende von Merklingen, in der Lehmgrube bei Weil d. St., hinter dem Begräbnißplatz bei Hemmingen und bei Weil d. D. in der Richtung gegen den Bergheimer-Hof.

Von abgegangenen mittelalterlichen Burgen und Schlössern, wovon sich noch mehr oder weniger Spuren finden, sind folgende zu nennen:

Auf der Markung Eltingen, Glemseck und Maisenburg.
  "     "          "       Flacht, der Burgstall am Ort und die Eutenburg.
  "     "          "       Gerlingen, die Burg Gerlingen, Malmstatt, und der Burgstall am Krummbach.
  "     "          "       Heimerdingen, die Burg Heimerdingen an der Stelle des gegenwärtigen Pfarrhauses.
  "     "          "       Hausen, Burghalde.
  "     "          "       Leonberg, Burghalde.
  "     "          "       Malmsheim, 2 Schlösser (Burgen) im Ort, wovon eines völlig abgegangen, das andere als Bauernwohnung dient.
  "     "          "       Merklingen, Kröwelsau, ein Burgstall oberhalb des Orts und einer auf der sogenannten Mörsch.
  "     "          "       Mönsheim, ein Burgstall zunächst am Ort, eine Burg auf dem Tobel und ein noch erhaltener Thurm der ehemaligen Burg Unter-Mönsheim.
  "     "          "       Münchingen, ein Burgstall südwestlich von Mauer.
  "     "          "       Münklingen, Kuppelzen.
  "     "          "       Renningen, die Burg Renningen zunächst am Ort.
  "     "          "       Weil der Stadt, Plammerberg.
  "     "          "       Weil dem Dorf, ein Burgstall im Stellerein (Stallrein).

Näheres über die genannten Burgen, sowie über die theils noch bewohnten, theils für andere Zwecke eingerichteten Schloß-Gebäude in Ditzingen, Heimsheim, Hemmingen, Höfingen, Leonberg, Merklingen, Münchingen, Ober-Mönsheim und Schöckingen ist in den Ortsbeschreibungen zu finden.

| Abgegangene Orte, wovon sich nach den betreffenden Ortsbeschreibungen noch einzelne Spuren finden, sind angezeigt:
Auf der Markung Eltingen, Heinzenbrunnen-Hof, Offenhausen (beim Seehaus) und ein Wald-Bruderhaus.
  "     "          "       Gerlingen, Unter-Hausen, liegt theilweise auch auf der Markung Weil dem Dorf.
  "     "          "       Hausen, Ober-Hausen (vermuthlich Seitenbach).
  "     "          "       Heimerdingen, Schnöde. (?)
  "     "          "       Hemmingen, Rohr.
  "     "          "       Heimsheim, auf der Hofstatt und auf dem Weilerfeld.
  "     "          "       Höfingen, Beisheim.
  "     "          "       Leonberg, Dulcheshausen.
  "     "          "       Renningen, Altheim, Ober-Renningen, beim sog. Oberbrunnen.
  "     "          "       Rutesheim, Miemingen, Bächlingen.
  "     "          "       Weil der Stadt, Bland, Thalacker, Grekkenbach.
  "     "          "       Weil dem Dorf, Ochsenberger Hof. (?)

Noch ist der unter dem Namen „Schanze“, auch Landgraben bekannten Überreste zu erwähnen, welche von einer während des Reichskrieges gegen Frankreich in den Jahren 1689—1697 durch den Markgrafen von Baden, als damaligem Reichsfeldherrn, zu Deckung der nordwestlichen Grenze gezogenen Verschanzung (vergl. v. Martens, Geschichte kriegerischer Ereignisse in Württemberg, S. 546), noch vorhanden sind. Die an vielen Stellen unseres Bezirks noch sichtbare und zum Theil wohl erhaltene Schanzlinie zieht, aus dem Oberamtsbezirk Maulbronn herkommend, bei dem Mönsheimer Gemeindewald „Angelsbusch“ auf die nördliche Grenze des Oberamts Leonberg, welche sie 1/2 Stunde lang einhält, von der ab sie dann in den von Wiernsheim nach Wimsheim führenden Weg einlauft. An diesem Weg bis nach Wimsheim fortziehend, kommt sie bald an die von letzterem Ort nach Friolzheim führende Vicinalstraße, an der sie bis nach Friolzheim bleibt und sofort eine Strecke weit die Vicinal-Straße von letzterem Ort nach Heimsheim einhält, bis sie am Fuß des Bezenbuckels dieselbe verläßt und neben einem Feldweg bis an die sog. Roßweide hinführt, wo sie dann die Landesgrenze zwischen Württemberg und Baden erreicht. Diese nun strenge verfolgend, verläßt sie den Bezirk 1/8 Stunde nordwestlich von Münklingen. Der Wall der Schanze ist 6—8' hoch und der außerhalb desselben gegen das angrenzende Ausland hinführende Graben 7' tief und etwa 10' breit; überdies war die verschanzte Linie an mehreren Stellen mit Redouten, Sternschanzen u. s. w. versehen.


  1. Gerringen in Suevias. u. bei Gerlingen; unrichtig wurde auf Hirschlanden O. A. Leonberg gedeutet Hirslanden in Osterfrancken, s. u. Hirschlanden. Als in confinio Franciae et Alemanniae gelegen, ohne genauere Zutheilung an eine dieser Provinzen, wird Heimsheim von Continuator Reginonis i. J. 965 (Pertz Mon. 1,627) angeführt.
  2. Da Gerlingen zum Bisthum Constanz gehört, so haben wir hier den Fall, daß ein Gau an zwei Bisthümer, nach obiger Ansicht also auch unter zwei Herzogthümer getheilt ist, wonach anzunehmen, daß es sich bei Gau mehr von einer geographischen, als politischen Bezeichnung handelt.
  3. Rutesheim, (s. oben), ein Enzgauort und doch zum Ruralcapitel Markgröningen gehörig, würde nicht hiezu stimmen, vorausgesetzt, daß im Lorscher Codex kein Irrthum unterläuft.
  4. Die beschriebenen Alterthümer sind mit wenigen Ausnahmen von dem Topographen Paulus entdeckt und an Ort und Stelle genau untersucht worden.
  5. In diesen Gräbern wurden neben den Überresten des menschlichen Gerippes nicht selten Speerspitzen, Schwerter, namentlich kurze einschneidige, sog. Sachse gefunden.
« [[Beschreibung des Oberamts Leonberg/|]] Beschreibung des Oberamts Leonberg Kapitel B 1 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).