Beschreibung des Oberamts Leutkirch/Ober-Opfingen

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15. Gemeinde Ober-Opfingen,

bestehend aus dem Pfarrdorf mit den zwei Höfen Rudeshof und Einöd auf Einer Markung mit 222 katholischen Einwohnern. Die Markung liegt ganz in der Illerebene und senkt sich in zwei sehr niedrigen Terrassen zur Iller. Mit Ausnahme eines kleinen Waldfleckens (Härdtle) besteht sie ganz aus Ackerland und Wiesen. Der Boden ist undankbar, und aus den oben S. 164 angeführten Gründen ist besonders in trockenen Jahrgängen Mißwachs nicht selten, während die Illerüberschwemmungen besonders diese Gemeinde oft schwer heimsuchen. Die Gewerbsthätigkeit ist die geringste im ganzen Oberamt; im Jahr 1835 betrug der Gewerbe-Steuer-Ansatz nur 18 fl. 48 kr. Es besteht eine Bierbrauerei und eine Schildwirthschaft.

Vermögliche Einwohner giebt es wenige und der Wohlstand ist im Ganzen nur mittelmäßig. Die Güter-Arrondirung ist vom Jahr 1816. Der Ort ist aber geschlossen mit Ausnahme der obigen beiden Höfe, von welchen der letztere erst ganz kürzlich in Folge eines Brandfalls hinausgebaut worden ist. Grundherr ist der Graf von Schäsberg, welcher auch den Großzehenten zur Hälfte bezieht. Die andere Hälfte und der ganze kleine Zehente gehört der Pfarrstelle. Nur 3 Güter sind Rothisch.

Ober-Opfingen liegt eben und frei, 7½ g. Stunden von Leutkirch. Am nordöstlichen Ende des Orts steht die kleine und unansehnliche Pfarrkirche zum heil. Vincenz; sie ist 1721 erbaut worden. Die Baulast liegt auf dem Zehntherrn, wie auch die des im Jahr| 1795 von Ochsenhausen neu erbauten Pfarrhauses. Eine Kirchenpflege ist nicht mehr vorhanden; der Fond derselben wurde 1610 mit den Ochsenhauser Fonds zu einer sogenannten Unionskasse vereinigt, nach der Säcularisation aber auch bei der Theilung der Herrschaft Ochsenhausen nicht ausgeschieden. Die Theilnahme der Kirchengemeinde an dem Ertrag jenes unirten Vermögens ist der Gegenstand eines noch schwebenden Rechtsstreites. In die Pfarrei, die ehemals dem Landkapitel Dietenheim zugetheilt war, und deren Patron der Graf Schäsberg ist, gehört ein Theil von Egelsee (Gemeinde Thannheim). Die Pfarrgemeinde hat ein, im Jahr 1819 neu erbautes, Schulhaus. – Das Geschichtliche des Ortes betreffend, so finden wir in den ältesten Zeiten verschiedene Herren, die sich in dessen Besitz theilten. Unter diesen waren die nahmhaftesten die von Erolzheim, Schellenberg und die Roth von Ulm. Nach und nach aber kam der Ort in die Hände der beiden Klöster Roth und Ochsenhausen. Jenes zählte einen Antheil an Obuingen schon unter seinen Stiftungsgütern (Stadelh. I. S. 11) und kaufte 1291 einen Hof von Marquard von Erolzheim, 1299 einen zweiten und 1332 einen dritten von ebendemselben; andere Güter, die Ochsenhausen gehört hatten, erwarb Roth 1329, wieder andere von Barthol. von Waldrambs 1360 (ebds. S. 91), so daß Roth 6–7 Hofgüter, jedoch ohne Gerichtsbarkeit, hier besaß. Gegenwärtig hat die Rothsche Standesherrschaft hier noch 3 Lehenhöfe. Die Zahl der Thannheimschen beträgt 31. Ein kleines Gütchen gehört dem Staat. – An Ochsenhausen aber kam der bei weitem größere Theil mit der Territorialhoheit auf folgende Weise: im Jahr 1348 verkaufte Ulrich von Schellenberg 7 Höfe mit der Vogtei und allen Rechten an Johannes Merz in Memmingen; 1411 verkauft Otto Roth in Ulm mehrere Höfe und Güter mit allen obrigkeitlichen Rechten an Anton Amann in Memmingen. Amann acquirirte jene ehemaligen Schellenbergischen Güter, und verkaufte diese und die Otto Rothischen 1450 an das Kloster Mehrerau bei Bregenz. Mehrerau aber überließ 1493 gegen 3525 fl. diese ganze Besitzung nebst weitern Gütern zu Bonlanden, Kirchdorf und Unter-Opfingen mit der Kastenvogtei, dem Patronat, Zwing und Bänn und dem Vogtrecht über die Kloster Rothischen Höfe in Ober-Opfingen, dem Kloster Ochsenhausen. Im Jahr 1518 verstand sich Ochsenhausen zu obiger Summe noch zu einer Nachzahlung von 1700 fl., um den lehensherrlichen und kastenvogteilichen Consens Östreichs und des Grafen Hugo von Montfort zu erhalten. Ausserdem hatte es schon 1354 zwei Höfe von Rudolf Gedel zu Memmingen (unter Verzichtleistung derer von Erolzheim auf ihr Eigenthumsrecht) erworben. 1494 tauschte es von Erolzheim dessen Zehntantheil ein, und erkaufte endlich noch | einen Hof von Memmingen im Jahr 1521. So kam nach und nach die ganze Gemeinde in den Besitz und unter die Landeshoheit der Abtei Ochsenhausen, nach deren Auflösung sie das Schicksal der Nachbargemeinde Thannheim (s. d.) theilte.


16. Gemeinde Reichenhofen,
siehe unten.