Beschreibung des Oberamts Leutkirch/Roth

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17. Gemeinde Roth,

bestehend aus 12 Parzellen auf 6 Markungen mit 1269 katholischen und 26 evangelischen Einwohnern. Dieser Gemeindebezirk gehört zu den ausgedehntesten des Oberamts; er liegt theils im Thal der Roth und in dem Seitenthal der Haslach, theils auf den rauhen und waldigen Höhen, von welchen diese Thäler zu beiden Seiten begleitet sind. Roth ist nach Mooshausen der bewaldeste Gemeindedistrikt im diesseitigen Oberamte; es finden sich 3500 Morgen größtentheils in schönem Stande erhaltener Nadelwaldungen, welche die ganze westliche Seite des Bezirkes bedecken. Die Ertragsfähigkeit des Bodens ist verschieden, gering auf den Höhen im südlichen, besser auf den sich verflachenden Hängen des nördlichen Theiles, im Ganzen doch den bessern beizuzählen. Die Thalgründe sind moorig und gewähren meist ein saures, dem Vieh wenig gedeihliches Futter. Die Vereinödung hat zum Theil schon in der klösterlichen Zeit begonnen; zum Theil ist sie unter der württembergischen Regierung vorgenommen worden, und namentlich in Mettenberg erst im Jahr 1828 zu Stande gekommen. Außer Feldbau und Viehzucht besteht auch einiger Gewerbfleiß, namentlich Lohnweberei und Schuhmacherei auf den Verkauf. Die Standesherrschaft betreibt eine bedeutende Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Käserei (wovon unten) und eine Ziegelhütte. Von Wasserwerken bestehen eine Hammerschmidte, 2 Mahl-, 2 Säg-, 2 Ölmühlen und 2 Walken mit Lohmühlen. In Roth befindet sich eine Filialapotheke und eine Spezereihandlung. Der Wohlstand der Bewohner ist nur mittelmäßig; es giebt mehrere Hausarme.

| Den Bezirk durchziehen zwar keine Landstraßen, aber gute Fahrwege nach Thannheim, Ochsenhausen und Wurzach. Grundherr ist (mit Ausnahme von Ober-Zell) der Standesherr Graf von Erbach-Wartemberg-Roth, welchem der größte Theil der Güter falllehenbar ist. Nur wenige (darunter die ochsenhausisch gewesenen, siehe unten) sind Erblehen. Der Standesherr bezieht sämmtliche Zehenten mit Ausnahme von Unter-Mittelried wo der Graf von Schäsherg Zehentherr ist. Die Zehenten werden theils selbst eingezogen, theils ein- und mehrjährig verpachtet. Sämmtliche katholische Gemeindegenossen haben Kirche und Schule in Roth. Die evangelischen Einwohner pfarren nach Leutkirch.

1) Roth, auch Mönchroth genannt, katholisches Pfarrdorf nebst St. Johann Kapelle und Haus, mit 464 kathol. und 26 evangel. Einwohnern, an der nördlichen Spitze des Landrückens zwischen der Roth und Haslach und in dem durch die Vereinigung dieser beiden Bäche erweiterten Thale, 7½ geogr. Stunden von Leutkirch (über Thannheim) gelegen.

Roth ist der Hauptort der Standesherrschaft des Grafen v. Erbach-Wartemberg-Roth, zu welcher im Oberamt Leutkirch außer dieser Gemeinde, der größte Theil der Gem. Berkheim, die Gemeinden Kirchdorf, Haslach (mit den wenigen, dort bemerkten Ausnahmen) Spindelwaag, und zwei Höfe in der Gem. Thannheim gehören. Der Ort gewährt mit dem standesherrlichen Schloß und der schönen Kirche einen sehr ansehnlichen Prospekt. Das standesherrliche Rentamt, die standesherrliche Forstverwaltung, ein königl. Amtsnotariat, die Schulinspektion für den nördlichen Theil des Oberamts, und ein Amtsarzt haben hier ihren Sitz. Das Schloß war das Konventgebäude der ehemaligen Prämonstratenser-Reichsabtei Roth; es wurde in den Jahren 1682 – 88 in einem gefälligen Styl und in geräumigem Umfang neu erbaut, ist aber gegenwärtig, da es von der Standesherrschaft gewöhnlich nicht bewohnt, und auf seine Unterhaltung (ein Theil des östlichen Flügels ist neuerlich abgebrochen worden), nicht viel verwendet wird, nicht im besten Zustande. Auch der anstoßende Schloßgarten, früher eine angenehme Anlage, ist ganz vergangen, und wird jetzt als Kälberweide benützt. Ein vorzüglich schönes Gebäude ist die an der Nordseite des Schlosses angebaute Pfarrkirche zu St. Verena, mit zwei zierlichen Thürmen. Sie wurde von dem verdienstvollen| Prälaten Wilibold Held in den Jahren 1783–86 erbaut, und ist unter anderem durch ein prachtvolles Hochaltarblatt, die Geburt Christi darstellend, durch andere Malereien (die Taufe Christi im Jordan, die Schöpfung Adams u. a.) von Weik aus München und Januar Zick aus Koblenz, und eine vorzügliche Orgel von Johann Holzhay, ausgezeichnet. Ihre Länge beträgt 165′, die Breite 74′, die Höhe 72′. Bemerkenswerth ist, daß bei dem ganzen Kirchenbau kein ordentlicher Architekt Dienste leistete, sondern der Prälat selbst mit einigen seiner Konventualen den Riß entwarf und die Ausführung leitete. Baufond ist keiner vorhanden, indem die Standesherrschaft die Bau- so wie die Kultkosten bestreitet. Dieselbe salarirt auch die nach Aufhebung des Klosters neu errichtete und anfänglich dem Landkapitel Dietenheim zugetheilte Pfarrstelle. Im Jahr 1816 verlor die letztere die Filialien Boschen und Senden, welche nach Hauerz, Landolzweiler, das nach Ellwangen, und im Jahre 1819 Ober-Mittelried, das nach Haslach ausgepfarrt wurde. Pfarr- und Meßnerhaus sind herrschaftlich. Die Pfarrschule befindet sich in einem im Jahre 1831 für diesen Zweck neu gebauten hübschen Hause; sie wird von einem Lehrer und einem Hilfslehrer besorgt. Auch ist eine Industrieschule hier eingerichtet. – Der Friedhof liegt 1/8 Stunde südlich an der Straße nach Haslach; an seiner Südseite erhebt sich die ansehnliche und geräumige St. Johanniskirche, die im Jahr 1737 zu bauen angefangen und 1742 vollendet wurde, gegenwärtig aber nur bei Begräbnissen gebraucht wird. Schon der Geschichtschreiber des Klosters ad an. 1741 beschwert sich über ihren langsamen, kostspieligen und gleichwohl unsoliden Bau, der bald nach seiner Vollendung wieder Reparaturen nöthig machte.[1] In den neuesten Zeiten ist eine bedeutende Ausbesserung auf gemeinschaftliche Kosten der Standesherrschaft und der Gemeinde vorgenommen worden. Noch steht in Mitten des Kirchhofs die alte Johanniskapelle, die Todtenkapelle genannt, welche von der Gemeinde unterhalten wird und zur Privatandacht dient. Sie wurde 1601 an die Stelle der im Jahr 1442 wieder hergestellten alten Frauenklosterkirche gebaut. |


Die Abtei Roth war ein Vermächtniß aus dem an bedeutenden Klosterstiftungen so reichen zwölften Jahrhundert.[2] Die ältesten, in diesem Kloster aufbewahrten Nachrichten erzählen von seiner Gründung Folgendes: Der Stifter des schnell zu großem Ansehen aufgeblühten Prämostratenser-Ordens, der h. Norbert, Erzbischof von Magdeburg, von welchem dieser Orden auch den Namen der Norbertiner führt, kam 1126 auf einer Reise nach Italien durch Oberschwaben und Graubündten. Hemma (Emma), die fromme und reiche Wittwe Heinrichs von Wildenberg, eines rhätischen Edeln, die aus Oberschwaben stammte und am Flüßchen Roth begütert war, fühlte sich durch die Nähe des heiligen Mannes bestimmt, dort ein Norbertiner Kloster zu stiften und demselben alle ihre schwäbischen Allodien zu vergaben. Dieß geschah in demselben Jahre 1126 mit Zustimmung ihrer beiden Söhne Cuno und Reiniger,[3] und Norbert sendete aus dem Hauptkloster Prämonstrato einen Burchard als Probst hieher. Die Stiftung wurde der heil. Mutter Gottes und der heil. Verena gewidmet. Die Stiftungsgüter, wie sie die Bestätigungsbulle des Papstes Eugen III. vom J. 1152 aufzählt,[4] waren sehr ansehnlich und erstreckten sich weit über den Umfang des nachmaligen Klostergebiets (der jetzigen Standesherrschaft), während an letzterem anfänglich auch Andere mit Grundbesitz, Gefällen und Rechten betheiligt waren. Allmählig erst rundete sich der Güterkomplex des Klosters mehr ab, indem viele der näher gelegenen Besitzungen (s. Haslach, Kirchdorf, Spindelwaag) erworben, die entfernteren aber, z. B. bei Wangen, im Zeilschen und auf der Alp, größtentheils veräußert wurden. Nach der Sitte jener Zeit bestand von Anfang an neben dem Mannskloster auch| ein Convent von Norbertinerinnen, der sein Haus auf der Stelle hatte, wo jetzt die St. Johanniskirche steht, gegen das Ende des 14. Jahrh. aber in Verfall gerieth und sich auflöste. – Der Nachfolger des 1140 gestorbenen Probstes Burchard war Ottino oder Otto, aus dem Hause Waldburg, der eine der ersten Stellen unter den Ministerialen des Grafen Rudolf von Bregenz bekleidet hatte, und mit der Familie der Stifter verschwägert war.[5] Er wird als der erste Abt genannt. Sein persönliches Ansehen und der Ruf der Heiligkeit, der sich von ihm ausbreitete, brachten das Kloster, bis dahin das erste Prämonstratenser-Kloster in Schwaben, so sehr in Aufnahme, daß es 200 Ordensbrüder und viele Schwestern zählte und an verschiedene Orte Pflanzungen aussendete. Schon unter Burchard 1137 wurde Wilten in Tyrol durch Rothische Norbertiner colonisirt; Ottino schickte eine weitere Anzahl Brüder dorthin, und besetzte mit Rothischen Conventualen die theils neu gestifteten theils umgestalteten Klöster Weissenau (1145), Steingaden (1147), Kaiserslautern (1152) und Marchtall (1171).[6] Die ersten Beschützer, Vögte und auch Wohlthäter des Klosters waren die Welfe, besonders Welf V. oder VI., der demselben besondere Vergünstigungen und die Bestätigung seiner Rechte bei Papst Lucius III. auswirkte. Die erste päpstliche Bestätigung der Stiftung erging von Innocenz II., die Urkunde aber hatte das oben erwähnte Schicksal der Stiftungs-Urkunde selbst. Darauf folgten 1152 und 1183 die Konfirmationen von Eugen III. und Lucius III. Die kaiserliche erfolgte von Friedrich I. im Jahr 1179, Herzog Friedrich von Schwaben 1185, Kaiser Otto IV. 1209, König Friedrich II. 1215, König Albrecht 1304, Kaiser Ludwig dem Bayer 1338 und fast alle Nachfolgenden bestätigten des Klosters Freiheiten und stellten es unter den unmittelbaren Schutz des Kaisers und des Reiches. Die erste Calamität, welche das Gotteshaus betraf, war 1182, dem Todesjahr des Abtes Ottino, eine verheerende Feuersbrunst; allein unterstützt durch Beiträge der benachbarten Edeln richtete sich das Kloster bald wieder auf und erhielt sich ungeachtet der Stürme und Unruhen des 12., 13. und 14. Jahrhunderts im schönsten Flor.[7] Seine Äbte, namentlich | Heinrich von Fellheim, Conrad von Ow und Eglof von Lautrach waren gute Haushälter und erweiterten den Besitz durch zweckmäßige Ankäufe. Allein gegen das Ende des 14. Jahrhunderts vereinigten sich mehrere ungünstige Umstände, um einen tiefen Verfall der Abtei herbeizuführen. Kriege, Seuchen, Feuersbrünste, Mißwachs und Theuerung brachten den früher so zahlreich gewesenen Convent ums Jahr 1381 auf 24 Köpfe herunter. Dazu kam die schlechte Wirthschaft der Äbte Conrad Fruenbis und Johannes Barner, welche, statt ihren Finanzen durch Sparsamkeit aufzuhelfen, zu fortwährenden Verpfändungen und Veräußerungen ihre Zuflucht nahmen und dabei die Disciplin verfallen ließen, so daß 1395 ausser dem Abt nur einige wenige Conventualen sich hier halten konnten und das Gotteshaus seinem Untergang nahe war. Ungeachtet einer im Jahre 1395 zu Gunsten desselben von Papst Bonifaz IX. erlassenen Ablaßbulle, durch welche eine ansehnliche Summe aufgebracht ward, sollte es doch noch schlimmer kommen. Ein getaufter Jude, Peter mit Namen, wußte sich in das Vertrauen des Convents einzuschleichen, also daß er 1397 sogar mit der Abtswürde bekleidet wurde. Dieser verhandelte und verpfändete den Rest des klösterlichen Besitzthums,[8] und als 1401 sein Nachfolger, | Lucius, die Regierung antreten sollte, war kein Gut, kein Gefälle, kein Recht des Klosters mehr unveräußert oder mit Schulden unbelastet. Da fand sich der Prämonstratenser-Orden bewogen ins Mittel zu treten und (1402) eine Administration (anfänglich unter der Leitung des Abt Gerung von Weissenau) niederzusetzen, welche das Schuldenwesen ordnete und die verkauften oder verschriebenen Güter wenigstens theilweise wieder einlöste. Allein das Stift erholte sich sehr langsam, bis im Jahr 1420 der treffliche Martin Hesser aus Marchtall den Abtsstab ergriff, der durch Sparsamkeit, kluge und thätige Verwaltung, Wiederherstellung der Klosterzucht und Wiederaufbauung der zerfallenen Gebäude sich das Verdienst und den Namen eines zweiten Stifters der Abtei Roth erwarb, und zum Glück für dieselbe 37 Jahre lang die Regierung führte. Weniger zufrieden mit dem streng ökonomischen Herren waren die Kloster-Unterthanen, welche sich 1449 wegen drückender Lehenslasten auflehnten. Durch einen von einem Schiedsgericht vermittelten Vertrag (1456) wurden alle Lehen für Erblehen erklärt, von welchen, wenn sie verkauft, cedirt oder auf irgend eine andere Art, als durch Erbschaft, von einer Hand in die andere kommen, der zehnte Pfennig dem Kloster zu entrichten ist, ausgenommen von der Fahrniß, welche nicht verehrschatzt wird. Diese 10 pCt. hat der Käufer oder Übernehmer des Guts zu bezahlen. Von Erbschaften hat der Abt das Hauptrecht (bei dem Mann das beste Pferd, bei der Frau die beste Kuh) und den Fall (das beste Kleid) anzusprechen.[9] Die Nachfolger Abt Martins wirkten in seinem Geiste fort, und so gelangte die Abtei wieder zu einer ansehnlichen Blüthe, wiewohl die Stürme des Bauernkrieges 1525 auch an Roth nicht schonend vorübergingen. Das Kloster wurde ausgeplündert und vermochte kaum die Drohung der Rebellen, es einzuäschern, durch ein Opfer von 300 fl. abzuwenden. Einen langen Kampf führte das Verhältniß herbei, daß die Rothischen Unterthanen, in Beziehung auf die hohe Gerichtsbarkeit, unter der Landvogtei standen, was sich dann erst aufhob, als Erzherzog Leopold 1619 die hohe und peinliche Gerichtsbarkeit um 8000 fl. mit dem Vorbehalt der Wiederlösung an das Stift verkaufte. Im Jahre 1744 wurde diese Pfandinhabung und mit ihr die volle Landeshoheit gegen abermalige 8000 fl. in ein feudum francum verwandelt.[10] Auch die| forstliche Jurisdiktion erwarb das Stift 1535 als ein Afterlehen von den Vormündern der Kinder Georgs III., Truchseßen von Waldburg. Dieses Lehen nebst dem Jagdrecht und dem ganzen obern Wald von Emishalden bis Kronwinkel, so weit er nicht schon früher Rothisches Eigenthum war, kaufte das Kloster 1720 von Wurzach um 45.000 fl. und gegen Abtretung von Sigglis, Schmiddis und einem Hof in Steinenthal zu eigen, und da das Lehen Reichslehen war, erfolgte der Consens Kaiser Karls VI. 1723 gegen Entrichtung von 6800 fl.[11]

So bildete sich allmälig die Eigenschaft einer unmittelbaren Reichsprälatur aus, deren Abt schon 1587 von Pabst Sixt. V. mit Inful und Stab und den damit verbundenen Pontifikal-Rechten bekleidet worden, und der ein Mitglied des schwäbischen Bundes, und nach dessen Auflösung der Schwäbischen Prälatenbank war. Auf dieser hatte er, bei Reichstagen, seinen Sitz zwischen Ursperg und Roggenburg, bei Kreistagen aber zwischen Roggenburg und Weissenau. Der Reichsmatrikular-Anschlag, der früher 44 fl. betrug, ist 1692 auf 15 fl. herabgesetzt worden. Zu einem Kammerziel wurden gegeben 67 Rthlr. 1 fl.

Von den übrigen Schicksalen des Klosters erwähnen wir nur die Drangsale des 30jährigen Kriegs, während dessen es durch Lieferungen und Leistungen aller Art ausgesogen, den 6. Juni 1633 von den Schweden gänzlich geplündert und 1634 sogar an den Obrist-Wachtmeister Conrad Zorn von Bulach, der in Biberach lag, verschenkt wurde, welcher auch sogleich von den neuen Unterthanen sich huldigen ließ, bald darauf aber in Folge der Nördlinger Schlacht verjagt wurde. Kaum waren diese Wunden vernarbt, als 1681 ein großes Brandunglück über Roth kam. Den 1. April 1681 brannte der Thurm und ein großer Theil der Kirche, und, nach wiederholten, aber immer wieder unterdrückten Feuerausbrüchen, den 6. Mai desselben Jahres das ganze Kloster, mit Ausnahme des Bräu- und Krankenhauses, der Bibliothek und des Archivs nieder. Dringender Verdacht der Brandstiftung lag auf einem der Conventualen; doch wurde er aus Mangel an Beweisen frei gelassen. Theils die eigenen Kräfte des Stiftes, theils die bereitwilligen Unterstützungen und Dienstleistungen der benachbarten Prälaten,| Herren, Städte und Dorfgemeinden machten es möglich, daß in den Jahren 1682–1688 durch die Thätigkeit des Abtes Martin Ertle die Klostergebäude, wie sie größtentheils noch jetzt zu sehen sind, schön und solid erstanden. Von dem Kirchenbau s. oben. – Neue Wunden schlugen dem Kloster der spanische Successionskrieg in den Jahren 1702–4 und besonders die französischen Revolutionskriege zu Ende des vorigen Jahrhunderts, in deren Folge auch diese Reichsabtei das Loos traf, säcularisirt und in die allgemeine Entschädigungsmasse für die Verluste der Reichsstände auf dem linken Rheinufer geworfen zu werden.[12] Der letzte Prälat war Nikolaus Betscher, der 1803 pensionirt ward und 1811 starb. Der Reichsstand, welchem Roth durch den Reichsdeputations-Hauptschluß 1803 als Entschädigung zufiel, war der Graf Ludwig von Wartemberg, der seine auf dem linken Rheinufer gelegene Reichsgrafschaft Wartemberg an Frankreich hatte abtreten müssen. Zugleich wurde der Graf mit einer Jahresrente von 8150 fl. auf Ochsenhausen angewiesen. Der Graf von Wartemberg († den| 10. Merz 1818) überwies die Grafschaft Roth an seinen Neffen, den 1808 von ihm adoptirten Grafen Carl Friedrich Ludwig von Erbach (evang. Conf.), und ordnete in seinem Testament ein Familien-Fideicommiß aus der gesammten Grafschaft Roth an. Der Graf Carl Friedrich Ludwig führte sofort den Titel Graf von Erbach-Wartemberg-Roth; ihm succedirte 1832 Seine Erlaucht Graf Franz Eberhard, geb. den 27. Nov. 1818, der seine gewöhnliche Residenz in Erbach hat. Der Graf ist seit 1842 erblicher Reichsrath der Krone Bayern.

So lange Roth unmittelbare Reichsgrafschaft war, berechnete man die reinen Revenüen auf 47.902 fl. Ein Steuer-Simplum betrug 489 fl., deren in Friedenszeiten 2–4, in Kriegszeiten 10–15 und darüber ausgeschrieben wurden. Sie wurden verwendet zu Reichs,- Kreis,- auch ritter- (wegen Kirchdorf) und landschaftlichen Bedürfnissen. Besteuert wurden Häuser, Äcker, Wiesen, Gärten und Waldungen; Gewerbe reichten blos einen Recognitionszins an den Grund- und Lehenherrn. Ein Kammerziel betrug 121 fl. 48 kr. Im Jahre 1806 beliefen sich die Schulden der Landschaft auf 246.702 fl. Die Schulden der Abtei, welche auf die gräfliche Familie übergingen, betrugen 10.700 fl. – Das Civilgericht erster Instanz war das Regierungs- und Oberamts-Kollegium in Roth (Direktor, Regierungsrath, Oberamtsrath und Sekretär), in zweiter Instanz übte die Jurisdiktion der Graf selbst, der sich in vorkommenden Fällen Consilien stellen ließ. Es wurde nach gemeinem Recht gesprochen. Die dritte Instanz waren die höchsten Reichsgerichte. Kriminal-Untersuchungsbehörde war das Regierungs- und Oberamts-Kollegium, welches nach geschlossener Inquisition die Akten verschickte.

Zu Folge der rheinischen Bundesakte kam die Grafschaft Roth 1806 unter die Hoheit der Krone Württemberg.[13] Den 4. Dezbr. 1822 erfolgte die K. Deklaration, die staatsrechtlichen Verhältnisse des gräfl. Hauses betreffend. – Von den Landschaftsschulden wurden im Jahre 1821 128.000 fl. auf den Staat übernommen, das Übrige 1822/23 gleich den andern im Oberamtsbezirk vorhanden gewesenen Landschaftsschulden auf die Gemeinden steuerfußmäßig vertheilt, und ist nun größtentheils bezahlt.[14]

| Den 14. Nov. 1808 kam zwischen dem Fürsten von Metternich und dem Grafen von Wartemberg-Roth ein Vertrag zu Stande, wonach obige Jahresrente von 8150 fl. in Realitäten mit einem Jahresertrag von 6000 fl. abgelöst wurde. Diese Realitäten bestanden im Wesentlichen darin, daß der Fürst alle ihm bis dahin im Rothischen zugestandene Jagdbarkeit, den Weiler Ergach mit Haldenhaus, den Ochsenhausenschen Antheil an Eichenberg, die Grabenmühle, den Ort Bechtenroth (Oberamts Biberach), den Ochsenhausenschen Antheil an Emishalden (Oberamts Biberach), den Zehnten in Waltenhofen, einen Hof in Wirrenweiler, 1200 Morgen Waldungen mit dem Jagd- und Fischrecht in diesen und den genannten Ortsmarkungen, und die Jagdbarkeit in dem Freiherrl. von Bömmelbergischen Walde Göhren, an Wartemberg-Roth abtrat. Die nachträgliche gerichtliche Bestätigung dieses Vertrags von Seiten des K. Gerichtshofes für den Donaukreis erfolgte erst den 12. Juni 1833. Somit ist jetzt die Standesherrschaft im Besitz des Jagd- und Fischrechts im ganzen Gebiet der Herrschaft Roth. Ihre sehr ansehnlichen Waldungen sind (so weit sie in diesem Oberamtsbezirk gelegen) eingetheilt in den Ergacher, Rother und Haslacher Forst. Auf diesen Waldungen haften keine Waidberechtigungen mehr, und nur unbedeutende Holzberechtigungen. – Unmittelbar bewirthschaftet werden von der Standesherrschaft das Öconomiegut in Roth und das Hofgut St. Verena. Ersteres besteht aus 360 Morgen Ackerfeld, 202 Morgen Wiesen und ungefähr 100 Morgen trocken gelegter Weiher. Das letztere Hofgut, in einer der schlechtesten Lagen im Oberamt, besteht aus 325 Morgen Ackerfeld und 115 Morgen Wiesen. Auf dem Gut zu Roth findet, bei vollständiger Stallfütterung, in folgender Rotation Fruchtwechsel statt: Kartoffel, Gerste, Klee, Dinkel, Haber, Wicken, Roggen. Auf dem St. Verenahof ist Waidewirthschaft mit folgender Rotation: Brache, Dinkel, Haber, Haber, Klee, Waide, Waide, Waide. Beide Rotationen werden aber nicht streng eingehalten, da die Verhältnisse freie Wirthschaft erlauben. Der Zweck des Betriebs sind die beiden Sennereien in Roth und St. Verena, auf welchen in der Regel 180 Kühe, von Brettigauer Race, aufgestellt sind. Nachzucht findet in so weit statt, als der jährliche Abgang erfordert. Der Winterfütterung kommt der Abgang zweier Branntweinbrennereien zu Statten, auf welchen täglich 20 Scheffel Kartoffel gebrannt werden;[15] die Sommerfütterung geschieht in Roth durch Grünfutter im Stall, auf St. Verena durch halbe Stallfütterung. Der Milchertrag differirt zwischen 150.000 und 190.000 Maas Milch jährlich,| welche an Senner verpachtet ist, die 400–500 Centner Käse bald nach Schweizer, bald nach Limburger Art verfertigen. Die Arbeit auf den Gütern geschieht durch Pferde.

Der hiesige Ökonomiebetrieb ist ausgezeichnet und nach dem Urtheil von Sachverständigen einer der musterhaftesten, welche man in den gesammten obern Gegenden sehen kann. Ein großartiges Ökonomiegebäude, ins Gevierte angelegt, und 1724 und in den folgenden Jahren von dem thätigen Abt Hermann Vogler erbaut,[16] entspricht mit seinen zweckmäßigen Räumen dem Umfang und dem schönen Ineinandergreifen dieses Betriebs. In Selbstbetrieb steht ferner eine Ziegelei; verpachtet sind: die große, trefflich eingerichtete Bierbrauerei mit einem auf 16 Wirthschaften ausgedehnten Bannrecht, die Schloßmahlmühle und eine Säg- und Ölmühle mit Walke und Gypsstampf. Der Ertrag der gräfl. Ökonomie-Verwaltung belief sich 1822/23 auf 8812 fl. 50 kr., hat sich aber inzwischen gesteigert.

2) Bärenschachen, Haus mit 9 Einw., auf der Markung von Oberzell. Der Name kommt von einem Wald, der 1712 in einem Umfang von ungefähr 40 Jchrt. ausgereutet, in Äcker verwandelt und unter anwohnende Klosterunterthanen in Roth, Zell und Kreuzmühle gegen einen jährlichen Canon vertheilt worden ist. Das Birscachin in einer Urkunde vom Jahr 834 bei Neug. CCLX ist schwerlich hier zu suchen.

3) Ergach, Weiler mit 45 Einw., auf der Markung von Mettenberg, mit welchem es zusammenhängt, auf der Höhe über dem Roththale, war vor dem oben erwähnten Renten-Ablösungsvertrag vom Jahr 1808 Ochsenhausisch. Der Ort führte in älteren Zeiten den Namen Menzen- oder Manzenweiler, und wird unter diesem (Menizinvilare) als eines der primitiven Güter des Klosters genannt. In den Zeiten des ökonomischen Verfalls 1398 wurde er an Ochsenhausen verkauft. Später wollte man ein Wiederlösungsrecht geltend machen, das Ochsenhausen bestritt. Ein Schiedsgericht entschied gegen Roth 1420. Chron. Ochsenhus. Mscr. ad ann 1430. Damals führte der Ort noch den Namen Manzenweiler.

4) Habseck, Weiler mit 55 Einw., auf steiler Anhöhe am linken Haslach-Ufer. Habechegge wird unter den Rothischen Stiftungsgütern aufgeführt. Das Kloster verpfändet 1393 Leute und Güter daselbst und in Mittelried an die Kinder des Marcus Mesner in Waldsee um 300 Pfd. Heller, die später wieder eingelöst wurden.

| 5) Haldenhaus, Haus mit 7 Einw., Wirthschaft am Abhang auf der linken Seite des Roththals, auf Mettenberger Markung, als Haldun schon unter den Stiftungsgütern genannt, hatte ganz gleiche Schicksale mit dem ganz nahen Ergach, s. d.

6) Kreuzmühle, Weiler mit 130 Einw., auf der Markung von Roth, eine Anzahl von Söldhäusern, der Straße nach Haslach entlang gebaut und von Kleinhäuslern, Tagwerkern u. dergl. bewohnt. Die Veranlassung zur Anlage dieser Art Armenkolonie gab 1725 der Bau des oben erwähnten großen Ökonomie-Gebäudes in Roth, der viele arme Professionisten und Taglöhner herbeizog, welchen Abt Hermann gegen ein Schutzgeld Wohnplätze anwies, und die sich besonders unter Abt Moriz (1760–82), nicht eben zum Vortheil des Klosters, schnell vermehrten.

7) Mettenberg, Weiler mit 154 Einw., hoch und frei über dem linken Rothufer, an der Straße von Roth nach Ochsenhausen gelegen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß auch Mettenberg zu den primitiven Klostergütern gehörte, wiewohl es als solches nicht ausdrücklich genannt ist. Zwanzig Hofgüter hier und in Zell, welche 1396 an Friedrich Stroppels Kinder in Waldsee verpfändet worden waren, wurden 1450 wieder eingelöst. Den 30. Merz 1598 ging beinahe der ganze Ort in Flammen auf, wobei die Bewohner fast Nichts von ihrer Habe retten konnten. – In der Nähe lag eine Burg, die nach Stadelhofers Vermuthung von Johannes Haugg, der 1428 im Besitze derselben war, erbaut wurde. (II. S. 8).

8) Murrwangen, Weiler mit 104 Einw., der Kreuzmühle gegenüber, am Abhang einer Anhöhe über dem Haslachthal, unter den Stiftungsgütern als Murwanch allodium angeführt, ums Jahr 1400 mit Mittelried an einen Leutkircher Bürger, Johannes Ablin, versetzt und 1450 mit 400 Pfd. Heller wieder eingelöst.

9) Ober-Zell, Weiler mit 55 Einw., mit Unter-Zell auf einer gemeinschaftlichen Markung, und weil beide Orte zusammenhängen, gewöhnlich unter dem gemeinschaftlichen Namen Zell begriffen. Ober-Zell liegt am östlichen Abhang des Roththals, Unter-Zell im Thale selbst. Beide sind unter den Stiftungsgütern als Cella aufgeführt, woraus zu schließen ist, daß schon vor der Klostergründung zu Roth hier ein Wohnsitz von Religiosen sich befand. Ausser den bei Mettenberg erwähnten Hofgütern wurden die Mühle und der Großzehnten in Zell mit jenen zusammen um 1100 Pfd. Heller an Stroppels Kinder in Waldsee versetzt, von Abt Martin Hesser aber wieder eingelöst. Grundherr in Ober-Zell ist der Graf von Schäsberg.

10) Unter-Mittelried, Weiler mit 58 Einw., auf einer| Höhe, mit Murrwangen und Habseck in einer Linie am Haslachthal aufwärts, dem Grafen von Schäsberg zehntbar, mit Murrwangen versetzt und gelöst, s. d.

11) Unter-Zell, Weiler mit 188 Einw. S. Ober-Zell. Es befindet sich hier eine von der Gemeinde unterhaltene Kapelle ohne öffentlichen Gottesdienst, eine Mahl- und eine Ölmühle.

12) Verenahof oder St. Verena, ein herrschaftlicher Kameralhof. Über die Ökonomie s. oben. Der Hof liegt auf dem rauhen unergiebigen Landrücken oberhalb Spindelwaag, zwischen dem obern Roth- und dem Haslachthal und ist von einer Mauer umschlossen. In alten Zeiten standen hier ein Weiler und ein Hof, beide primitive Güter des Klosters, Wielands (Wilandes) und Eppen oder Eppenberg. Abt Martin Ertle erbaute 1708 an der Stelle des abgegangenen Weilers Wielands den jetzigen Kameralhof, dem er den Namen der Rothischen Kirchenheiligin gab, und schlug die anstoßenden Güter des Hofes Eppen dazu, dessen Baulichkeiten abgebrochen wurden.


18. Gemeinde Seibranz,
siehe unten.

  1. Diese Erfahrung bestimmte den Convent zu dem oben angegebenen Verfahren bei dem Bau der Pfarrkirche zu St. Verena. Stadelhofer macht ad a. 1741 seinem Unwillen über die Praktik der Architekten in folgenden Worten Luft: haec ordinaria architectorum culpa est, ex aedificiorum continua reparatione commodum suum et aedificiorum reparationem aucupantium. Unde homines isti, ad invidiam cochlearum tardi, non aliud magis horrent, quam durabile et propere exstructum aedificium, et, cum eorum ingratiis tale construitur, plurima mala praesagiunt nusquam nisi in eorum marsupio existentia.
  2. Roth hat einen wackern Geschichtschreiber gefunden an einem seiner Conventualen, P. Benedict Stadelhofer, der aus archivalischen Quellen die Geschichte des Klosters zusammenstellte, und die wichtigsten urkundlichen Belege abdrucken ließ, in dem Werke: Historia imperialis et exemti Collegii Rothensis in Suevia, ex monumentis domesticis et externis, potissimam partem ineditis, eruta per Ben. Stadelhofer, Roth. Canon., p. t. Priorem. Vol. I. et II. Aug. Vind. 1787. 4. Diese beiden Bände gehen bis zum Jahr 1630. Der dritte und letzte Band, welcher die Geschichte der Reichsabtei bis zum Jahr 1786 fortführt, ist nicht gedruckt worden, und befindet sich, von der Hand des Verfassers geschrieben, im Besitz des Königl. Stat. top. Bureau.
  3. Vergl. Stadelh. Dissert. de condit. familia (I. S. 4 ff.). Die Burg Freudenberg in Graubündten war der Sitz der Wildenbergschen Familie (s. Urk. v. J. 1302 bei Stadelh. I. S. 140).
  4. Stadelh. I. S. 44 ff.; vgl. S. 9 ff. Die Stiftungsurkunde selbst ging bei dem Brande 1181 zu Grunde. Der Abdruck der Bulle bei Lünig (XVIII. I. S. 450) ist mangelhaft.
  5. Nach Pappenheim, Chron. der Truchs. I. S. 17, hatte Truchseß Conrad eine Gutta von Wildenberg zur Gemahlin. Ob aber dieser Conrad Otto’s Vater, Oheim oder Bruder war, wissen wir nicht.
  6. Eine 1180 nach Adelberg gesendete Kolonie ward wieder, wegen Mißhelligkeiten mit dem Vogt Volknand von Ebersberg zurückgezogen, Adelberg ward hierauf von Roggenburg aus bevölkert.
  7. Um diese Zeit war das Kloster auch in entfernteren Gegenden begütert, namentlich auf der Alp, wo es 1226 ein Gut in Feldstetten von dem Convent von Neresheim erkaufte (Urk. bei Stadelh. I. S. 130); in Schopfloch, Oberamts Kirchheim, hatte es schon als Stiftungsgut die Kirche mit allen Rechten (ecclesia Schopheloch cum hominibus censualibus cum omni dote, cum omni jure ecclesiastico, proprium allodium in eadem villa cum omni jure legitimo existens. Bulle Papst Eugens III bei Stadelh. I. S. 45). Weitere Rechte erwarb es ebendaselbst 1294 von den Edeln von Grüningen, und 1305 soll den Herren von Mannsberg (ebend. S. 73. 76). Verpfändung und Verkauf dieser wie anderer auswärtiger Besitzungen erfolgte, als das Kloster gesunken war, 1385 und 1411. In Schopfloch muß das Kloster eine Expositur oder einen Pfleghof besessen haben; Abt Lucius saß ein ganzes Jahr daselbst (1402), als er sich vor Schulden in Roth nicht mehr halten konnte. Vgl. Oberamtsbeschreib. von Kirchheim S. 270. – Auch schon unter den Stiftungsgütern kommt Feldstetten, und ein Grabanostetten, ohne Zweifel Grabenstetten, OA. Urach, vor.
  8. Ein Zeitgenosse, Martin Hesser (s. unten), der ein Hausbuch (Rationarium) des Gotteshauses hinterlassen, sagt von ihm : „Abbt Peter, der ein töfter Jud ist gewesen, der haut dem Gotzhus vast we ton mit Briefen ze machen und anderen Sachen.“ Der Haß gegen den Abbas recutitus erzeugte die Sage, er habe sich mit den Geldern des Klosters auf und davon gemacht und nichts zurückgelassen, als das in Eisen gegossene Bild einer Katze, wie sie auf eine Maus lauert, mit der Unterschrift:
    Wo diese Katz die Maus erwischt,
    So bleibt ein Jud ein guter Christ.
    Die Sage wird übrigens durch das Necrologium widerlegt, welches den Tod des Abts Peter auf den 21. April 1401 ansetzt.
  9. Diese Erblehen hießen später die altrothischen Güter, während man die, nach 1456 acquirirten leibfälligen Lehen, oder die den Unterthanen abgekauften und in Falllehen verwandelten Erblehen (wozu man keine Gelegenheit vorbeiließ) neurothsche Güter nannte. (S. übrigens oben Feudalverhältnisse).
  10. Für Schutz und Schirm bezog übrigens die Landvogtei bis 1803 von dem Abte, und vor dem Vertrag von 1456 von dessen Unterthanen, jährlich 1 Fuder Schirmwein. Ein Appertinens dieses Lehens war die Zollfreiheit des jährl. Klosterbedarfs von 36 Ctnr. Schmalz und 36 Ctnr. Käse bei der Zollstätte Grönenbach.
  11. Um dieselbe Zeit kam auch der sogenannte untere Wald (von Illerbachen bis Bonlanden) von dem Herrn von Bömmelberg für eine Schuldforderung an das Kloster.
  12. Der jährliche Ertrag wurde im Entschädigungsreceß auf 38.850 fl. (roh 55.013 fl.) geschätzt. Außerhalb dieses Oberamtsbezirks besaß das Kloster (und besitzt die jetzige Standesherrschaft) den Kirchensatz mit den Zehenten in Heisterkirch, den Kirchensatz, Widdum und Antheil an den Zehenten in Mühlhausen, Antheil an Molpertshaus mit dem dortigen Kirchensatz, einzelne Lehengüter und Zehentrechte im jetzigen Oberamt Waldsee; Emishalden, Antheil an Kirchberg mit dem dortigen Kirchensatz, und einige einzelne Lehengüter im jetzigen Oberamt Biberach. Jenseits der Iller, im Kemptischen, die Dörfer Steinbach (mit einer berühmten Wallfahrt zu einem wunderthätigen Marienbild), Engelharz theilweise und Karrdorf. – Bei der Auflösung zählte der Convent mit dem Abt 31 Priester, 3 Novizen und 1 Laienbruder. – Das Kloster zählte früher und später manche tüchtige und verdiente Männer in seiner Mitte, die sich übrigens weniger durch die Pflege der Wissenschaften, als durch Eifer in der praktischen Seelsorge, durch Gewandtheit in Besorgung der politischen Angelegenheiten ihres Stiftes und Ordens, durch Einsicht und Thätigkeit in den Fächern der Landökonomie, der Baukunst u. dgl. hervorthaten. Als Schriftsteller sind hauptsächlich bekannt geworden: Wilibold Heß, Abt von 1782–89, Verfasser mehrerer kanonistischen und juridischen Werke, namentlich des seiner Zeit und in seinem Kreise sehr geschätzten „Reichsprälatschen Staatsrechts“; des Historikers Benedict Stadelhofer ist oben Erwähnung gethan. – Ungemein thätig war in den Zeiten des 30jährigen Kriegs für die Wiederherstellung der katholischen Klöster in Württemberg der Rothsche Conventual Georg Schönheinz, der für diesen Zweck in Wien unterhandelte (1628–30), aber darüber mit den Jesuiten in Streit gerieth. Aus diesem Anlaß erschienen von ihm mehrere Schriften. 1630 wurde er Prälat zu Adelberg, wo seine Bekehrungsbemühungen eine Zeit lang bedeutenden Erfolg hatten.
  13. Der Procès-verbal hierüber wurde den 12. Sept. 1806 zu Ochsenhausen von dem französischen Commissär, General Börner und dem Württ. Bevollmächtigten, Freih. von Maucler, unterzeichnet.
  14. Durch Staatsvertrag mit Bayern vom 5. Aug. 1821, Art. XI., ist von der bis dahin ungetrennt gewesenen Rothschen Waisencasse nach Verhältniß der Seelenzahl der in Bayern gelegenen Theile der Standesherrschaft ein Antheil ausgeschieden worden. Diese Waisenkasse wurde 1822/23 auf die betreffenden Gemeinden verwiesen.
  15. Mit der Brennerei ist ein Entfuselungsverfahren des Branntweins verbunden.
  16. Ende Januars 1724 richtete der Sturm eine gewaltige Niederlage in dem Klosterwald „Merzen“ an. Um die vielen zu Boden gestreckten Stämme zu benützen, kam der Prälat auf die Idee, dieses in seiner Art wirklich seltene Gebäude von ungefähr 560 F. im Quadrat, aufzuführen.