Beschreibung des Oberamts Marbach/Kapitel A 2

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II. Natürliche Beschaffenheit.


1. Bildung der Oberfläche im allgemeinen.

Die Beschaffenheit der Oberfläche ist durch die zu Tage gehenden Gebirgsformationen bedingt, daher wir, um ein anschauliches und richtiges Bild von derselben entwerfen zu können, die geognostischen Verhältnisse in ihren allgemeinen Umrissen zu Grunde legen; nach denselben zerfällt der Bezirk in zwei, durchaus verschiedene Charaktere, in die Partie des Keupers und in die des Muschelkalks.

1. Die Gruppe des Keupers, vorzugsweise die Löwensteiner Berge mit ihren Ausläufern und die Hardt bildend, verbreitet sich hauptsächlich über den nordwestlichen Theil, beinahe über die Hälfte des Bezirks. Von dieser zusammenhängenden Partie liegt, durch das Bottwar Thal getrennt, eine Keuperhügelgruppe (der Wunnenstein mit seinen Nebenhügeln Kochersberg und Forstberg), welche sich frei aus dem Flachland des Muschelkalks erhebt; ähnlich dieser Gruppe ist der an der südlichen Grenze freistehende, ebenfalls dem Keuper| angehörige Lemberg bei Affalterbach. Andere minder bedeutende, auf dem Flachland sich isolirt erhebende Anhöhen, wie der Gauchenberg bei Höpfigheim, auf der Lug bei Marbach, der Kälbling etc. bestehen ebenfalls aus Keuper.

Die zusammenhängende Keuperpartie (Löwensteiner Berge), bildet einen von vielen schmalen Thälern, Thälchen Schluchten und Rinnen vielfältig tief durchfurchten Höhenzug, der sich größtentheils kräftig, an einzelnen Stellen allmählig ansteigend, über das Flachland des Muschelkalks erhebt und schon von ferne, als eine zusammenhängende Terrasse erscheinend, leicht erkenntlich ist. Von diesem Höhenzug erstrecken sich, öfters lang gedehnt, Ausläufer und Vorsprünge, die zuweilen mit stark markirten Kuppen besetzt sind, bis in die Mitte des Bezirks. Die Abhänge sowohl gegen das Flachland, als auch gegen die Thäler sind im allgemeinen hoch, steil, jedoch terrassenförmig ansteigend; die Terrassen (Absätze) sind durch die verschiedenen Gebirgsschichten der Keuperformation bedingt, ebenso die vereinzelt aufgesetzten bedeutenderen Kuppen. Die durch Schluchten und Rinnen vielfältig unterbrochenen Abhänge zeigen meist wohlgerundete Formen, die sich je zwischen zwei Schluchten gebildet haben und mit hufförmigen Vorsprüngen gegen die Thalebenen oder das Flachland auslaufen.

Die Hochflächen haben durchgängig keine namhafte Ausdehnung und bilden entweder schmale, lange hinziehende Rücken oder ein mäßig sich ausbreitendes Plateau, in das von allen Seiten einander entgegen ziehende Thälchen und Schluchten eingreifen und nirgends eine ebene Fläche von einigem Belang zulassen.

Die ganze Keupergruppe dient vorzugsweise dem Waldbau und nur zuweilen hat sich die landwirthschaftliche Kultur Lücken in den weitgedehnten Wald gebrochen; an den südlich und südwestlich geneigten Abhängen gegen das Flachland wird der Weinbau in namhafter Ausdehnung und mit dem glänzendsten Erfolg getrieben. Die Erhebung der Keupergruppe über das Meer erreicht bei dem Stocksberger Jägerhaus 1889 württ. Fuß, während wir die mittlere Erhebung derselben zu etwa 1600–1700′ annehmen dürfen.

2. Das Muschelkalkflachland, mit seinen Bedeckungen von Lehm und der Lettenkohlengruppe, bildet einen kleinen Theil der weit gedehnten fruchtreichen Ebene, der eigentlichen Kornkammer Württembergs, welche sich einerseits über das lange Feld, Strohgäu, oberes Gäu bis nach Rottweil, andererseits über Besigheim, Heilbronn bis in das Hohenlohische erstreckt; es breitet sich im diesseitigen Bezirk| am Fuß der Keupergruppe und ihrer Vorberge aus und bildet den westlichen und südlichen Theil des Oberamtsbezirks Marbach.

Die Partie des Muschelkalks bildet ein flachwelliges Land; lang gestreckte Flachrücken ziehen zwischen leicht eingefurchten Thälchen und Rinnen, die erst gegen die Hauptthäler hin schroffer in das Flachland einschneiden und alsdann meist rechtwinkelig in dieselben einziehen. Die Hauptthäler (Neckar- und Murrthal) selbst sind vielfältiger gekrümmt als die Thäler der Keupergruppe und brechen kantig und steil ein; letzteren Charakter finden wir insbesondere bei dem Murrthal, während sich in dem Neckarthal erst die vollendete Physiognomie eines Muschelkalkthales ausspricht, indem hier die Steilgehänge wechselseitig auftreten und zwar so, daß die hufeisenförmigen Bögen, welche der Fluß mit wahrer Grazie beschreibt, an den Außenseiten von steilen amphitheatralischen Wänden begleitet sind, während auf den Innenseiten der Bögen ganz flache, breit auslaufende Rücken den jenseitigen, schroff ansteigenden Abhängen entgegenziehen.

Das Bottwarthal hat einen von den beiden vorhergehenden Thälern ganz verschiedenen Charakter, der auch mit den Keuperthälern wenig Verwandtschaft zeigt, indem es gerade auf der Grenze zwischen der Keupergruppe und dem Muschelkalk-Flachland hinzieht, somit auf der linken Seite von den Keuperhöhenzügen in mäßiger Entfernung begrenzt wird, während sich auf der rechten Seite flaches Ackerland der wiesenreichen Thalebene anschließt.

Das Flachland dient vorzugsweise dem Feldbau und unterscheidet sich auch in dieser Beziehung auffallend von der reich bewaldeten Keupergruppe. An den sommerlichen Thalgehängen grünt die mit bewunderungswürdigem Fleiß gepflanzte Rebe, die hier an vielen Stellen die vortrefflichsten Weine liefert.

Die mittlere Erhebung über das Meer beträgt auf dem Flachlande etwa 900′, in dem Neckarthal 600 württ. Fuß.

a. Erhebungen und Höhenbestimmungen.

Der höchste Punkt des Oberamtsbezirks ist das auf der Bezirksgrenze liegende Stocksberger Jägerhaus mit 1889 w. Fuß, der tiefste befindet sich 1/4 Stunde unterhalb Mundelsheim, wo der Neckar den Oberamtsbezirk verläßt, mit 630 w. F. über der Meeresfläche.

| Trigonometrisch bestimmte Höhen sind:[1]
Höhe über dem Meere.
Württ. Fuß. Par. Fuß.
Marbach, oberer Thorthurm, Erdfläche 826 728
Marbach, Einmündung der Murr in den Neckar 664 585
Affalterbach, Kirchthurm, Erdfl. 1098 969
Affalterbach, Lemberg, Signalstein 1268 1118
Allmersbach, Schulhaus, Erdfl. 1038 915
Beilstein, Rathhaus, Erdfl. 870 768
Burgstall, Niveau der Murr unter der Brücke 748 660
Erbstetten, Kirchthurm, Erdfl. 1035 913
Erdmannhausen, Kirchthurm, Erdfl. 966 852
Erdmannhausen, Eck, Signalstein 1038 915
Groß-Bottwar, Kirchthurm, Erdfl. 718 633
Höpfigheim, Kirchthurm, Knopf 842 743
Höpfigheim, Beutenmühle, Erdfl. 658 580
Höpfigheim, Jägerberg, Steinbruch 740 653
Höpfigheim, Fuchsschwanz, Signalstein 949 837
Höpfigheim, Lauffener Weg, Bäumchen 875 772
Kirchberg, Erdfläche an der Kirche 995 877
Kirchberg, Bergäcker, Signalstein 1116 984
Kirchberg, Frühmeßhof, Haus, Erdfl. 1095 966
Klein-Bottwar, Kirchthurm, Dachtraufe 723 638
Mundelsheim, Kirchthurm, Erdfl. 684 603
Mundelsheim, Kirchthurm, Knopf 770 679
Mundelsheim, Gottesacker-Kirchthurm, Erdfl. 748 660
Mundelsheim, Gottesacker-Kirchthurm, Knopf 827 730
Mundelsheim, Mühle, Erdfl. 636 561
Mundelsheim, Ziegelhütte, Wohnhaus, Erdfl. 884 780
Mundelsheim, Wagrein, Signalstein 1157 1021
Mundelsheim, Käsberg, oberes Felsenlager 950 838
Mundelsheim, Hohe-Ebene, Signalstein 1055 930
Mundelsheim, Steigäcker, Bäumchen am Weg 1032 910
Murr, Kirchthurm, Erdfl. 707 623
Murr, Kreuzstraße gegen Pleidelsheim 750 661
Murr, Niveau der Murr unter der Brücke 676 596
Murr, Einmündung der Bottwar in die Murr 680 600
Oberstenfeld, Erdfläche an der Kirche 812 716
Oberstenfeld, Lichtenberg, Erdfläche am Thor 1294 1141
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Höhe über dem Meere.
Württ. Fuß. Par. Fuß.
Oberstenfeld, Forstberg, Signalstein 1307 1153
Ottmarsheim, Kirchthurm, Erdfl. 1053 929
Ottmarsheim, Kirchthurm, Knopf 1182 1042
Ottmarsheim, Kelteräcker 1074 947
Ottmarsheim, Ursprung des Bachs im Ort 1001 883
Ottmarsheim, Gaisbühl, Kreuzstraße 1102 972
Ottmarsheim, Lauffener Weg, Signalstein 1040 917
Pleidelsheim, Kirchthurm, Erdfl. 690 608
Pleidelsheim, Kirchthurm, Knopf 825 728
Pleidelsheim, Niveau des Neckars daselbst 643 567
Pleidelsheim, Feldhäuschen, Erdfl. 716 631
Pleidelsheim, Hochgestade, Signalstein 699 617
Steinheim, Kirchthurm, Dachtraufe 787 694
Vorder-Vöhrenberg, Ebingers Haus, Erdfl. 1351 1191
Weiler zum Stein, Kirchthurm, Erdfl. 1012 892
Winzerhausen, Kirchthurm, Erdfl. 871 769
Winzerhausen, Wunnenstein, Thurm, Erdfl. 1367 1206
Wolfsölden, Thürmchen 712 628
b. Abdachung und Wasserscheiden.

Der zwischen der Murr und der Bottwar gelegene größere Theil des Bezirks dacht sich von Norden gegen Süden, theilweise gegen Südwesten ab, während die Abdachung des übrigen Theils gegen Westen dem Neckar, und untergeordnet gegen Norden der Murr zugeht. Da, wie schon erwähnt wurde, der ganze Bezirk in das Stromgebiet des Rheins und im engeren Sinne in das Flußgebiet des Neckars gehört, so kann hier weder von der europäischen, noch von einer sekundären Wasserscheide die Rede sein, dagegen führen untergeordnete Wasserscheiden, die eine zwischen Murr und Neckar, die andere zwischen Murr und Bottwar, in folgenden Richtungen durch den Bezirk.

1. Die Wasserscheide zwischen Neckar und Murr, und zwar auf der rechten Seite des letzteren Flusses, beginnt bei dem Vereinigungspunkt der beiden Flüsse unterhalb Marbach, zieht den steilen Bergrücken hinan zur Kelter (Mark. Murr), von da in nordöstlicher Richtung über das Schafhaus, wo sie sich gegen Norden wendet, einige 100 Schritte westlich an Murr vorbeiführt bis zur Anhöhe südöstlich von Höpfigheim; hier nimmt sie eine nordöstliche Richtung| an bis an den Wald „Kälbling“, durch den sie in nordwestlicher Richtung etwa 1/2 Stunde hinzieht, dann plötzlich eine Wendung gegen Südwesten macht und bald wieder gegen Nordwesten in den Wald „Steudach“ eingeht, weiterhin 1/4 Stunde westlich an Holzweilerhof vorbeiführt bis zum Pfahlhofwald, wo sie den Oberamtsbezirk verläßt.

Auf der linken Seite der Murr beginnt die Wasserscheide ebenfalls bei der Einmündung der Murr in den Neckar, zieht von da in östlicher Richtung auf die sog. Lug (nördlich von Marbach) weiter auf dem Bergrücken fort, bricht dann unter einem beinahe rechten Winkel gegen Süden ab und zieht bei dem Riedbrunnen über die Marbach–Rielingshauser Straße, weiter einige 100 Schritte westlich an Erdmannhausen vorüber, nimmt dann bald eine östliche Richtung an, die sie nach kurzer Strecke in eine südöstliche ändert, beschreibt einen kleinen Bogen gegen Westen und zieht durch Affalterbach und in der Nähe der Straße nach Winnenden fort, bis sie 1/4 Stunde südwestlich von Weiler zum Stein über die Bezirksgrenze geht, um in dem Oberamtsbezirk Waiblingen fortzusetzen.

2. Die Wasserscheide zwischen Murr und Bottwar nimmt ihren Anfang bei Steinheim wo die Bottwar in die Murr mündet, zieht in nordöstlicher Richtung auf den sog. Lehenstich, von da über den Forsthof, auf dem Höhenrücken fort in den Wald „Halde“, weiter einige 100 Schritte westlich an Sinzenburg vorüber nach Neu-Wirthshaus, von da nahe (westlich) an Völklenshofen und 1/8 Stunde (westlich) an Altersberg vorüber, wo sie bald eine östliche Richtung annimmt und über den Appelwald auf den Schönenberg führt; hier wendet sie sich unter einem rechten Winkel gegen Norden, lauft nahe (östlich) an Kurzach vorüber, nach Prevorst und weiter über den Wald Plattenschlag, Steinsberg auf das Stocksberger Jägerhaus, wo sie den Bezirk verläßt.

c. Erdfälle und Höhlen.

Eigentliche Höhlen sind im Bezirk nicht vorhanden, wie auch die Erdfälle (Erdtrichter) nur bei dem Frühmeßhof und im Kirchberger Gemeindewald vorkommen.

2. Gewässer.

Der Flächeninhalt sämtlicher Gewässer, d. h. der Flüsse, Bäche, Seen und Weiher, beträgt 4474/8 Morgen, davon kommen auf Seen und Weiher 157/8 Morgen.

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a. Brunnquellen.

Der Bezirk ist im allgemeinen sehr quellenreich, dagegen sind die Quellen ungleich über denselben vertheilt, indem die Keupergruppe und die zunächst derselben gelegene Gegend weit mehr Quellen aufzuweisen hat, als das Muschelkalk-Flachland, welch letzteres dagegen sich zu Anlegung von Zieh- und Pumpbrunnen gut eignet. Daher kommt es auch, daß beinahe alle Orte mit Trinkwasser versehen sind und nur bei einzelnen in trockenen Jahrgängen Wassermangel eintritt, wie in Erdmannhausen, zuweilen, jedoch nicht vollständig, in Weiler zum Stein und häufig in Prevorst (wegen der hohen Lage). Die meisten Orte beziehen ihr Trinkwasser aus laufenden, und nebenbei aus Pump- und Ziehbrunnen, mit Ausnahme der Orte Affalterbach, Allmersbach, Auenstein, Erdmannhausen, Gronau, Klein-Aspach, Murr, Nassach, Oberstenfeld, Pleidelsheim und Winzerhausen, welche ihr Trinkwasser ausschließlich aus Pump- und Ziehbrunnen erhalten; dagegen bezieht Mundelsheim sein Wasser nur aus laufenden Brunnen. Das Trinkwasser ist im allgemeinen gut und gesund, nur die zunächst der Keuperterrasse gelegenen Orte haben theilweise gipsführendes Wasser (s. auch die Ortsbeschreibungen).

b. Mineralquellen.

Außer der Mineralquelle in Beilstein (s. Ortsbeschreibung) und einem schwefelhaltigen Pumpbrunnen in Steinheim befindet sich keine weitere Mineralquelle im Bezirk; der Balthasarbrunnen in Rielingshausen führt sehr gutes Wasser, das häufig von Kranken getrunken wird.

c. Flüsse und Bäche mit ihren Thälern.
1. Der Neckar, berührt den Bezirk erstmals 1/4 Stunde oberhalb Marbach und fließt in großen Krümmungen an der westlichen Bezirksgrenze, diese theils bildend, theils ganz nahe derselben hin, und verläßt den diesseitigen Bezirk 1/4 Stunde unterhalb Mundelsheim. Während seines 4 Stunden langen Laufs an dem Bezirk, fließt er an den zu dem diesseitigen Bezirk gehörigen Orten Marbach, Pleidelsheim und Mundelsheim vorüber und setzt eine Mühle bei Marbach und eine Mühle bei Mundelsheim in Bewegung. Brücken über den Fluß sind angelegt: eine bei Benningen und eine bei Beihingen. Der Fall des Neckars beträgt von dem Einfluß des Zipfelbachs bei Poppenweiler bis zur Einmündung der Murr unterhalb Marbach nach der 2,8 Stunden langen Strombahn 23,0 Par. Fuß| oder nach der 2,5 Stunden langen Thalbahn 0,080 %; vom Murr-Einfluß bis zur Vereinigung der Enz mit dem Neckar nach der 6,0 Stunden langen Strombahn 45,3 Par. Fuß oder nach der 4,4 Stunden langen Thalbahn 0,089 %. Die Breite des Flusses wechselt von 180′ (3/8 Stunden oberhalb Marbach) bis zu 440′ (Benningen) und die Tiefe von 4′ bis 12′. Die Ufer des Flusses sind ziemlich flach, daher er auch öfters aus seinem Bett geht und die Thalebene überfluthet. Die höchsten Wasserstände erreichte der Fluß seit Menschengedenken in den Jahren 1824 und 1851. Die Schifffahrt und insbesondere die Langholzflößerei ist von Bedeutung; auch die Fischerei ist von einiger Erheblichkeit (s. hier die Ortsbeschreibungen).

Das 1/161/8 Stunden breite, wiesenreiche Neckarthal trägt den ausgeprägten Charakter eines Muschelkalkthales und entfaltet viele landschaftliche Reize; es ist in großen hufeisen- oder haftenförmigen Bögen stark gekrümmt, und regelmäßig stellt sich dem äußeren Theil eines Flußbogens eine meist mit Reben bepflanzte, zuweilen felsengekrönte, ziemlich hohe Steilwand amphitheatralisch entgegen, während gegen das Innere des Flußbogens breite, dem Ackerbau überlassene Flachrücken bis an die Thalebene hinziehen. Das Thal ist daher, mit Ausnahme einer kurzen Strecke oberhalb Mundelsheim, nirgends auf beiden Seiten mit steilen Thalwänden versehen, sondern abwechselnd nur auf einer Seite, während die andere flach und offen ist, was nicht allein zur Schönheit des Neckarthales, soweit es den Bezirk angeht, beiträgt, sondern auch eine freie, der Gesundheit zuträgliche Luftströmung zuläßt.

In dem Bezirk fließen unmittelbar in den Neckar:

Der Aichgraben, welcher am Fuß des Lembergs entspringt und nach einem 1 Stunde langen Lauf 1/4 Stunde oberhalb Marbach einmündet. Das flache, zwischen Ackergeländen hinziehende Wiesenthälchen erhält erst in der Nähe des Neckarthales einige Bedeutung.

Der Strenzelbach, nur 1/4 Stunde lang, beginnt unfern des Riedbrunnens und fließt bei Marbach ein.

Die Murr, (s. unten).

Der 1 Stunde lange, zwischen flachem Ackerland hinziehende Riedbach entspringt im sog. Ried westlich von Murr und vereinigt sich bei Pleidelsheim mit dem Neckar.

Der Mühlbach nimmt seinen Anfang östlich von der sog. Hardt, fließt an Höpfigheim vorüber und mündet bei der Beutenmühle, die er in Bewegung setzt, ein; er ist 1 Stunde lang, lauft| durch ein flaches Wiesenthälchen, das erst unterhalb Höpfigheim etwas tiefer eingefurcht ist.

Der Seebach, entspringt im Walde „Kälbling“ und vereinigt sich nach einem 3/4stündigen Lauf, den er in einem engen, ziemlich tief eingeschnittenen Thälchen zurücklegt, oberhalb Mundelsheim mit dem Neckar.

Ein kleiner Bach, der in Mundelsheim beginnt und nahe beim Ort einmündet.

Die Schotzach, zwischen Löwenstein und Unter-Heinrieth im Oberamt Weinsberg beginnend, tritt bei Auenstein in den Bezirk und verläßt denselben unterhalb des Orts um sich bei Sontheim im Oberamt Heilbronn mit dem Neckar zu vereinigen. Während ihres 3/8 Stunden langen Laufs, den sie im diesseitigen Bezirk zurücklegt, treibt sie eine Mühle in Auenstein und nimmt auf der rechten Seite den aus dem Oberamtsbezirk Besigheim kommenden Erlenbach auf; von der linken Seite mündet in die Schotzach der von dem Abstetter Hof herkommende, 1/2 Stunde lange Abstetter Bach, der kurz vor seiner Einmündung durch den bei Helfenberg entspringenden Bach einen Zufluß erhält.

2. Die Murr ist außer dem Neckar der bedeutendste Fluß des Oberamtsbezirks; sie entspringt bei Vorderwestermurr im Oberamt Backnang, erreicht den diesseitigen Bezirk 1/4 Stunde nordöstlich von Erbstetten und fließt in vielen Krümmungen an den Orten Burgstall, Steinheim und Murr vorüber, um 1/8 Stunde unterhalb Marbach in den Neckar zu münden. Der Lauf des Flusses innerhalb des Bezirks beträgt 33/4 Stunden nach der Thalbahn und seine Richtung ist vom Eintritt in den Bezirk bis zur Einmündung des Buchenbachs eine westliche, von da bis zur Einmündung der Bottwar eine nordwestliche und von hier an bis zur Vereinigung mit dem Neckar eine südwestliche, theilweise südliche. Die 50–130′ breite Murr ist sehr wasserreich und schwillt, da sie aus einer bergigen, waldreichen Gegend kommt, öfters sehr schnell an, nicht selten die 1/161/8 Stunden breite, wiesenreiche Thalebene überschwemmend und erhebliche Verwüstungen anrichtend. Über den Fluß führen Brücken bei Burgstall, Kirchberg, Bug-Mühle, Steinheim und zwei zwischen Murr und Benningen; er treibt folgende Mühlen: eine bei Burgstall, eine auf Kirchberger Markung, die Bugmühle auf Erdmannhauser Markung, eine bei Steinheim und eine unterhalb Murr.

Auf dem Fluß wird namhafte Scheiterholzflößerei getrieben; auch die Fischerei ist nicht unerheblich (s. hier. die Ortsbeschreibungen).

| Das Thal (Muschelkalk) ist ziemlich tief eingeschnitten und hat meist steile Thalgehänge, von denen die nördlich geneigten mit Wald, die südlich geneigten aber mit Reben bepflanzt sind. An Stellen, wo die Thalgehänge sich verflachen, wie zwischen Steinheim und Murr reicht der Ackerbau bis an die Thalebene.

In die Murr fließen und zwar auf der rechten Seite:

Die Winterlauter, entspringt bei Nassach und fließt, nachdem sie die Nassach aufgenommen hat, über die Bezirksgrenze um bei Siebersbach sich mit der eigentlichen Lauter zu vereinigen, die unterhalb Sulzbach (O.-A. Backnang) in die Murr mündet.

Der Sensenbach, beginnt 1/4 Stunde nordöstlich von Prevorst, kommt bald auf die Oberamtsgrenze, an der er bis Roßsteig hinfließt und dann oberhalb Spiegelberg in die Lauter mündet.

Der Jettenbach, entspringt in den Ausläufern der Löwensteiner Berge 1/4 Stunde nördlich von Allmersbach, verläßt bald den Bezirk und fließt durch Rietenau, Groß-Aspach etc. um bei der Kunstmühle einzumünden.

Der Allmersbach, beginnt bei Vorder-Vöhrenberg fließt durch Allmersbach und bald nachher über die Bezirksgrenze in den Oberamtsbezirk Backnang, wo er oberhalb Groß-Aspach in den Klöpferbach einmündet; letzterer fließt 1/2 Stunde unterhalb Backnang in die Murr.

Der Schindlersbach, beginnt in den Löwensteiner Bergen, wo mehrere Bäche, worunter der Mauswiesenbach, zusammenfließen und den Rohrbach bilden, der bei Klein-Aspach den Gräbenbach und den krummen Bach aufnimmt, durch Klein-Aspach fließt und unterhalb des Dorfs den Namen Wüstenbach erhält; er fließt weiter durch Wüstenbach und Zwingelhausen und wird erst unterhalb letzteren Orts Schindlersbach genannt. Seine Einmündung in die Murr ist 1/4 Stunde nordwestlich von Erbstetten. Lauf von Norden nach Süden 21/2 Stunden an einzelnen Strecken die östliche Bezirksgrenze bildend. Das Thal des Schindlersbach ist von Klein-Aspach an ganz unbedeutend und zieht sich zwischen flachem Ackerland hin; erst unterhalb Wüstenbach furcht dasselbe allmählig tiefer ein und verengt sich zu einem schroff eingeschnittenen Waldthälchen.

Der Eichbach, nimmt seinen Anfang am südlichen Saume der Hardt und geht 1/4 Stunde südlich von Rielingshausen in die Murr; er ist 3/4 Stunden lang und fließt durch ein enges steil eingefurchtes Thälchen.

| Der Weidenbach, beginnt in Rielingshausen und mündet 1/4 Stunde südlich vom Ort in die Murr.

Der Sulzbach, welcher bei der Rielingshauser Kelter entspringt und nach einem halbstündigen Lauf gegenüber der Bugmühle einfließt.

Der Otterbach, entspringt im Stumpenbrunnen am Fuß der Löwensteiner Berge, fließt anfangs unter dem Namen Rohrbach durch ein abgeschiedenes, nicht bedeutendes Waldthälchen, das allmählig in ein scharf eingeschnittenes Muschelkalkthälchen übergeht. Er ist 5/4 Stunden lang und mündet 1/4 Stunde unterhalb der Bugmühle ein.

Die Bottwar, bildet den bedeutendsten Murrzufluß innerhalb des Bezirks; sie beginnt in mehreren Bächen, welche aus tiefen waldreichen Keuperthälern der Löwensteiner Berge kommen und bei Oberstenfeld zusammenfließen, wo auch der in der Nähe von Helfenberg entspringende Söhlbach sich mit den übrigen vereinigt. Der am weitesten herkommende Zufluß ist der Bach, welcher durch das Prevorster Thal fließt und bei dem Stocksberger Jägerhaus beginnt; er nimmt, außer mehreren kleinen Zuflüssen, den Bach aus dem Bruderthal und die bei Kurzach entspringende Kurzach auf, fließt durch Gronau und erhält unterhalb des Orts durch den Schmidbach einen namhaften Zufluß. Letzterer beginnt bei Etzlenswenden und ist 13/4 Stunden lang; in ihn münden mehrere kleine Bäche, unter denen der Kaisersbach und der Jettenbach die bemerklichsten sind. Am Schmidbach liegen die Orte Neumühle, Jettenbach und Schmidhausen. Der durch das Prevorster Thal herkommende 2 Stunden lange Bach fließt durch viele Seitenzuflüsse gestärkt nach Oberstenfeld, wo er, außer den schon genannten, noch einen weiteren von Osten herkommenden Bach aufnimmt und von hier an Bottwar genannt wird, die weiter an Sauserhof, Hof, Groß-Bottwar und Klein-Bottwar vorbeifließt und bei Steinheim mit der Murr sich vereinigt. Die Bottwar ist von Oberstenfeld bis zu ihrer Einmündung 2 Stunden lang und rechnet man ihren weitesten Zufluß durch das Prevorster Thal noch hinzu, so beträgt ihre ganze Länge 4 Stunden. Von Oberstenfeld abwärts erhält sie als Zuflüsse: den 1/2 Stunde langen Lembach, der durch Lembach und Hof fließt und bei der Benzenmühle einmündet, den am östlichen Fuß des Wunnensteines entspringenden, 1/2 Stunde langen Hettebach und endlich die 1 Stunde lange kleine Bottwar, welche in Winzerhausen entspringt, den Faulbach aufnimmt und bei Groß-Bottwar einfließt.

| Die Bottwar treibt von Oberstenfeld an eine Mühle in Oberstenfeld, eine in Hof, die Benzenmühle, eine Mühle unterhalb Groß-Bottwar und eine bei Klein-Bottwar. Das mäßig breite, wiesenreiche Bottwarthal ist ganz unbedeutend eingeschnitten und auf der rechten Seite desselben lehnt sich, mit wenigen Ausnahmen fruchtbares, leicht ansteigendes Ackerland an, während auf der linken Seite die Keuperhöhenzüge und Ausläufer der Löwensteiner Berge auf mäßige Entfernung, an einzelnen Stellen ganz nahe an das Thal heranrücken und demselben mit ihren rebenreichen, wohlgeformten Abhängen und Vorbergen einen besonders ansprechenden landschaftlichen Reiz verleihen, der durch die im Thale liegenden freundlichen Ortschaften und durch einzelne von den Höhen herabschauende stattliche Burgen noch gesteigert wird. Hiedurch unterscheidet sich das Bottwarthal wesentlich von dem Murrthal, das mehr einen etwas eintönigen, abgeschiedenen Charakter hat.

Der Ottenbach, entspringt zwischen Klein-Bottwar und Höpfigheim und fließt nach einem Lauf von einer halben Stunde unterhalb Steinheim in die Murr.

Auf der linken Seite gehen in die Murr:

Der Maubach, bildet 1/2 Stunde lang die Oberamtsgrenze und mündet 1/4 Stunde nordöstlich von Erbstetten ein.

Der nur 1/2 Stunde lange Erlenbach fließt zwischen Erbstetten und Burgstall in die Murr.

Der Buchenbach, kommt aus der Gegend von Oppelsbohm (O.-A. Waiblingen), erreicht bei Weiler zum Stein den diesseitigen Bezirk und vereinigt sich 1/2 Stunde nordwestlich von Burgstall mit der Murr. Während seines 5/4 Stunden langen Wegs, den er innerhalb des Bezirks zurücklegt, fließt er durch Weiler zum Stein und setzt eine Mühle bei Wolfsölden in Bewegung. Sein vielgekrümmtes, enges, tief eingeschnittenes Thälchen trägt den echten Charakter der Muschelkalkthäler.

d. Stehende Gewässer.

Außer dem bei Gagernberg gelegenen, 6 Morgen großen St. Annasee, von dem Volke unrichtig Tannensee genannt, kommen im diesseitigen Oberamtsbezirk nur minder bedeutende Seen vor und zwar in Affalterbach, nördlich von Allmersbach, östlich von Klein-Bottwar, in Rielingshausen, beim Abstetter Hof und bei Holzweiler.

Künstlich angelegte Seen, Weiher, befinden sich 2 bei Marbach, je einer bei Beilstein, in Höpfigheim, beim Warthof, im Garten des| Schlosses Schaubeck, bei der Mundelsheimer Ziegelhütte, in Ottmarsheim, im Klosterhof zu Steinheim und zwei in Nassach.

Seen und Weiher, die abgegangen, und meist in ergiebigen Wiesengrund verwandelt sind, waren: bei Groß-Bottwar in den Seegärten, im Faulbach und der Schmutzhornsee, bei Höpfigheim zwei von namhafter Ausdehnung, bei Klein-Aspach, im Seebachthälchen auf Mundelsheimer Markung, bei Oberstenfeld in den Seegärten und im Hasenthal, in Rielingshausen um die ehemalige Burg, in Steinheim im Klosterhof, südlich vom Abstetter Hof am Waldsaum (siehe auch die Ortsbeschreibungen). In mehreren Orten sind auf den Fall der Feuersgefahr und zum Pferdeschwemmen Wetten angelegt.

3. Naturschönheiten.

Wenn auch der Bezirk keine imposanten Felsgruppen, kein großartiges Gebirge, keine Wasserfälle und dergleichen mehr aufzuweisen hat, so entfaltet er doch in reicher Abwechslung viele landschaftliche Reize und gehört in dieser Beziehung zu den schöneren des Landes.

Von der mildesten Gegend, die alle Kulturgewächse unseres Vaterlandes, namentlich die herrlichsten Weine, hervorbringt, steigert sich der landschaftliche Charakter in den feinsten Übergängen bis zur waldreichen, wilden Gebirgsnatur; diese beiden Extreme sind nur 2–3 Stunden von einander entfernt und dennoch so verschiedenartig, daß man glauben könnte, sie liegen mindestens so viele Meilen aus einander.

Beginnen wir mit dem reizenden Neckarthale, das sich an der westlichen Grenze des Bezirks in malerischen, großartigen Bögen hinzieht; in der wiesenreichen Thalebene wälzt sich der kräftige, durch Flößerei und Schifffahrt belebte Fluß an stattlichen, mit Obstbäumen umgebenen Ortschaften vorüber, aus denen zuweilen freundliche Schlösser (Beihingen, Klein-Ingersheim) oder Ruinen (Hoheneck) hervorblicken. Das Thal ist in wohlthuender Abwechslung theils von steilen, rebenreichen Abhängen, theils von flachem, fruchtbarem Ackerland begleitet, was ihm einen ganz besonderen Reiz verleiht und dasselbe in die vorderen Reihen der schöneren Thäler Württembergs stellt.

Über dem Neckarthal dehnt sich ein fruchtreiches, durch schöne Ortschaften belebtes Flachland, aus dem sich im Norden der Wunnenstein und im Süden der mit ihm verbrüderte Lemberg frei erheben und die etwas eintönige Ebene aufs günstigste unterbrechen; sie sind gleichsam als die Vorposten, Verkündiger der Keuperformation zu betrachten.

| Durch dieses Flachland hat sich die Murr ein nicht breites, ziemlich tiefes und schroffes Thal gebrochen, in welchem sie in vielen kleinen Krümmungen rasch, ihre Gebirgsnatur nicht verläugnend, dahin eilt. Das Thal bildet einen stillen, abgeschiedenen Zug in der Physiognomie des Bezirks; es ist nicht durch Ortschaften belebt und nur hier und da lagert sich in demselben eine Mühle oder sonst eine gewerbliche Ansiedlung. Erst in seinem unteren Theil, wo es einen milderen Charakter annimmt, liegen in demselben die Orte Steinheim und Murr.

An der östlichen Grenze des Flachlandes zieht das herrliche Bottwarthal, welches in landschaftlicher Beziehung nicht nur den schönsten Theil des Bezirks, sondern auch der weiten Umgegend bildet; es vereinigt zwei verschiedene landschaftliche Charaktere des Bezirks, indem sich auf der rechten Seite das getreidereiche Flachland, auf der linken Seite die vielfältig unterbrochenen, wohlgeformten Ausläufer der Löwensteiner Berge demselben anschließen. Von den rebenreichen Stirnen und Vorsprüngen dieser Bergausläufer schauen Ehrfurcht gebietend alte Burgen und Burgruinen, wie der Langhans bei Beilstein, der Lichtenberg bei Oberstenfeld, im Hintergrunde Helfenberg und Wildeck und auf der andern Seite des Thals der Wunnenstein, in das anmuthige Thal hinein; als Gegensatz zu diesen ehemaligen gewaltigen Rittersitzen steht anspruchslos und bescheiden auf einer mäßigen Anhöhe bei Oberstenfeld die uralte Peterskirche, zu der früher fromme Gläubige in stiller Andacht wallfahrteten.

In der ziemlich breiten Thalebene schlängelt sich durch saftigen Wiesengrund die mit üppigen Baum- und Straucharten malerisch besäumte Bottwar, welche auf ihrem Weg dem Thal entlang mehrere Mühlen in Bewegung setzt und an manchem stattlichen Ort munter vorbeifließt; wir nennen nur das schöne Oberstenfeld, aus dem sich die großartige Stiftskirche majestätisch erhebt, die alte, reizend gelegene Stadt Groß-Bottwar, ferner Klein-Bottwar mit seinem epheuumrankten, malerischen Kirchlein und unterhalb des Orts das imposante Schloß Schaubeck mit seinen freundlichen Gartenanlagen.

Nehmen wir unseren Weg von dem reizenden Bottwarthal ostwärts oder nordwärts, so sehen wir uns bald in eine abgeschiedene, bergige Waldgegend versetzt, von der man kurz vorher noch gar keine Ahnung hatte; tiefe, schmale, von frischen Bächen durchzogene Wiesenthälchen, in denen kein Ort mehr, nur zuweilen noch eine einsame Ölmühle zu treffen ist, ziehen viel verzweigt, sich immer mehr bis| zur wilden Waldschlucht verengend, tief in das Gebirge hinein, um endlich auf der Hochebene auszulaufen.

Die sehr namhaften Abhänge und Höhen sind mit üppigen Laubwaldungen, zu denen sich zuweilen Nadelwaldungen gesellen, bedeckt und nur auf der Hochebene hat sich der Mensch in kleinen Ortschaften und Höfen angesiedelt und für den Feldbau Lücken in den weit gedehnten Wald gebrochen. Es lagert ein stiller Ernst auf dieser abgeschiedenen Gegend, die einen bedeutenden Kontrast mit dem an Getreide, Wein und Obst so reichen übrigen Theil des Bezirks hervorruft.

Schon die Konfiguration des Oberamtsbezirks mit seinen über ein weitgedehntes Flachland sich erhebenden, freistehenden Bergen, Vorsprüngen und zusammenhängenden Höhengruppen läßt viele Stellen mit schönen ausgebreiteten Aussichten vermuthen, die auch wirklich in überraschender Menge getroffen werden; wir nennen von den vielen Punkten, die reizende, immer wieder verschiedene Aussichten dem Auge gestatten, nur folgende: das Stocksberger Jägerhaus, Prevorst, die zwei Eichlen bei Nassach, Helfenberg, Wunnenstein, Langhans bei Beilstein, Lichtenberg, Sinzenburg, Bönning bei Klein-Bottwar, Lemberg, Schillershöhe und auf der Lug bei Marbach, Gauchenberg bei Höpfigheim, Büschlesbaum bei Erbstetten, Wagrain bei Mundelsheim etc. (Über die Aussichten selbst siehe die betreffenden Ortsbeschreibungen.)

4. Boden.

Die Bodenverhältnisse des Bezirks sind im allgemeinen sehr günstig und gestatten den Anbau aller in Württemberg üblichen Kulturgewächse; eine Ausnahme machen die Bodenarten auf den Höhen der Löwensteiner Berge, welche zu den mittelfruchtbaren gehören und sich mehr für den Wald- als für den Feldbau eignen.

Da die Bodenverhältnisse theils aus den Zersetzungsprodukten der anstehenden Gebirgsschichten, theils aus Diluvial- und Alluvial-Ablagerungen bestehen, so müssen wir diese bei der Darstellung der verschiedenen Bodenarten zu Grunde legen; vorherrschend ist ein fruchtbarer, meist tiefgründiger Diluviallehm, auf den jedoch an Stellen, wo dessen Mächtigkeit gering ist, die unten liegenden Gebirgsschichten wesentlich einwirken und, wenn Mergel die Unterlage bilden, einen etwas naßkalten, dagegen wenn Muschelkalk oder Lettenkohlensandstein unterlagern, einen warmen Boden hervorbringen. In der Nähe des Neckars, wie bei Pleidelsheim, ist der Lehm häufig| von Geröllen und Sand unterlagert oder gemischt, öfters der Sand stark vorherrschend, was einen leichten, düngerbedürftigen Boden zur Folge hat. Mit diesen vereinzelten Abänderungen verbreitet sich der Lehm über das ganze Flachland des Bezirks; an einigen Stellen desselben treten jedoch die Verwitterungen der Lettenkohlengruppe an die Oberfläche und die Zersetzungen derselben bilden dann, da wo die Sandsteine zu Tage gehen, einen sog. Schlaisboden, der den Feldbau weniger, den Weinbau dagegen an den oberen Thalabhängen sehr begünstigt. Treten aber die Lettenkohlenmergel an die Oberfläche, so erscheint ein minder fruchtbarer, thoniger Boden, der meist der Waldkultur, an sonnigen Abhängen aber mit gutem Erfolg dem Weinbau dient. An den Steilgehängen der Muschelkalkthäler (Neckar-Murr-Thal etc.) erscheint ein kalkreicher, wärmehaltender, dem Weinbau sehr zuträglicher Boden.

Die theils als freistehende Vorberge (Wunnenstein, Lemberg etc.), theils als zusammenhängende Berggruppe (Löwensteiner Berge) auftretende Keuperformation liefert in ihrer untersten Schichte blaue Mergel, die für den Weinbau sehr günstig sind und durch längeren, sorglichen Bau auch einen guten Getreideboden abgeben, namentlich eignet sich derselbe wegen seiner Tiefgründigkeit für den Anbau der Luzerne. Über diesen Mergelböden machen sich auf der ersten Stufe der Keuperabhänge und Ausläufer leichte, feinsandige Böden (Verwitterung des Keuperwerksteins) geltend, die bei reichlicher Düngung und fleißiger Bearbeitung zu den mittelguten Fruchtböden gezählt werden dürfen, an den oberen Rändern der südlich gelegenen Abhänge aber vortrefflichen Wein erzeugen; indessen dient diese Schichte, wie überhaupt die ganze Keuperformation im diesseitigen Bezirk, meist dem Waldbau.

Von dieser Schichte aufwärts entwickeln sich die mittleren Mergel, deren Zersetzung einen tiefgründigen, starken Thonboden abgibt, auf dem sich der Wald kräftig entwickelt und namentlich die Eiche sehr gut gedeiht.

Endlich erscheint auf der Hochebene in Folge des hier anstehenden grobkörnigen, weißen Keupersandsteins ein ziemlich magerer, grobkörniger Sandboden, der, wenn ihm der nöthige Humus fehlt, sogar dem Holzwuchs weniger entspricht, ist er aber humusreich oder kommt ihm eine mäßige Bedeckung des oberen Mergels zu, dann begünstigt er nicht nur den Waldbau, sondern liefert auch einen guten Ertrag an Getreide, wie z. B. bei Nassach und Prevorst.

In den Thalebenen haben sich Alluvionen abgelagert, die für| den Wiesenbau sich vortrefflich eignen, jedoch an einzelnen Stellen etwas zu viel Sand oder Gerölle enthalten. (Über die verschiedenen Bodenverhältnisse s. auch die Ortsbeschreibungen.)
5. Luft und Witterung.

Die Luft ist im allgemeinen gesund, auf der Hochebene trocken und meist bewegt, auf den Höhen des im Nordosten gelegenen waldreichen Theils des Oberamtsbezirks ziemlich rauh, dagegen wegen der herrlichen Waldausdünstungen sehr gesund und erfrischend. Die Thäler haben etwas feuchtere Luft und sind nicht selten, namentlich das Neckarthal, von starken Nebeln heimgesucht, die im Frühjahr auf die Obst- und Weinblüthe zuweilen nachtheilig einwirken. Auch Frühlingsfröste sind nicht selten, doch schaden sie mehr in den Niederungen als auf den Höhen. Hagelschlag kommt im allgemeinen sehr selten vor, nur Höpfigheim wird häufig von demselben heimgesucht, auch die Orte Oberstenfeld, Groß- und Klein-Bottwar leiden zuweilen Schaden durch Hagelgewitter. Auenstein hatte seit dem Jahr 1816 keinen Hagelschlag mehr und die Markung Erdmannhausen wurde seit 70 Jahren nur im Jahr 1840 von Hagelschlag betroffen. Das Klima ist im allgemeinen sehr mild und begünstigt alle in Württemberg eingeführten Kulturgewächse, wie denn auch, mit Ausnahme von Weiler zum Stein und der auf den Löwensteiner Bergen gelegenen Orte, sämtliche Orte Weinbau treiben; selbst in dem hochgelegenen Nassach ist erst vor 20 Jahren der Weinbau vollends abgegangen. Indessen sind die klimatischen Verhältnisse auf den Löwensteiner Bergen namhaft rauher als in dem übrigen Theil des Oberamtsbezirks; auch bei Burgstall und Erbstetten ist das Klima etwas weniger mild als in den dem Neckarthal näher gelegenen Gegenden.

Die meteorologischen Verhältnisse.[2]

Zur Beurtheilung der meteorologischen Verhältnisse des Oberamtsbezirks Marbach liegen außer den zu Winzerhausen während des einzigen Jahres 1825 angestellten Beobachtungen keine aus dem Bezirk selbst stammende Notizen vor und muß deshalb das Material von den angrenzenden Stationen Ludwigsburg und Winnenden entlehnt werden. An dem ersteren Orte wurde in den Jahren 1829 und 30, sowie von 1832–39 beobachtet, während die noch jetzt bestehende Station Winnenden seit 1836 beinahe ununterbrochen und zwar in einer Weise thätig ist, welche alle Anerkennung verdient.

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Jahrestemperatur.

Winzerhausen hatte 1825 eine Jahrestemperatur von 8°,18 während dasselbe Jahr für Stuttgart eine solche von 8°,33 ergab.

Ludwigsburg hatte im Mittel aus den Jahren 1829–39 7,56, Stuttgart gleichzeitig 7,53. Als besonders warm ist in diesem Zeitraume hervorzuheben das Jahr 1834 (9,38, Stuttgart 8,85); sehr kalt war das Jahr 1829 (5,93, Stuttgart 6,20). Die Schwankung, welcher die Jahresmittel unterworfen sind, beträgt sonach für Ludwigsburg 3°,45, für Stuttgart 2°,65, so daß, obwohl in einer Reihe von Jahren die Mitteltemperaturen sich gleich herausstellen, Ludwigsburg doch stärkere Extreme zeigt als Stuttgart.

Das Jahresmittel von Winnenden beträgt im Durchschnitt aus den 9 Jahren 1836–44 7°,47; das gleichzeitige Stuttgarter Mittel ist 7,70. Dabei schwankt die Winnender Jahrestemperatur zwischen 7,86 (1840 und 42) und 6,51 (1844). Die darauf folgenden 10 Jahre 1845–54 alsdann geben das Mittel 7,07 (Stuttgart 7,93) mit einer Schwankung zwischen 6°,32 (1850) und 8,25 (1846). Die Jahre 1855–64 endlich gaben ein Mittel von 7°,37; das wärmste dieser zehn Jahre war 1859 mit 8°,37, das kälteste 1855 mit 6°,35.

Im Mittel aus diesen 29 Jahren kommt die Jahrestemperatur auf 7°,30, und ist daher um etwa 1/2 Grad niedriger als das Stuttgarter 30jährige Mittel.

In diesem Zeitraum hatten eine Mitteltemperatur von mehr als 8°, sind also als besonders warm zu bezeichnen, die Jahre 1859, 1846, 1862, 1863. Zwischen dem Mittel 7,3 und 8° liegen die Jahresmittel von 1836, 1837, 1838, 1839, 1840, 1842, 1843, 1848, 1852, 1853, 1856, 1857, 1859, 1861. Zwischen 7,3 und 6°,6 fallen die kühlen Jahre 1841, 1845, 1847, 1849, 1854, 1858, 1860. Kalt waren endlich die Jahre 1844, 1850, 1851, 1855, 1864.

Temperatur der Jahreszeiten.
Im Jahre 1825 hatte der Frühling (März, April, Mai) zu Winzerhausen eine mittlere Temperatur von 7°,54, der Sommer (Juni, Juli, August) 14°,57 der Herbst (September, Oktober, November) 8°,17, endlich der Winter (December, Januar, Februar) 1°,83. Die Stuttgarter Mittel desselben Jahres betrugen 8,13, 14,89, 8,07, 2,12,| so daß der Stuttgarter Frühling und Winter als wärmer sich herausstellt, während Sommer und Herbst weniger differiren.

Zu demselben Resultate führt die Vergleichung der Stuttgarter und Ludwigsburger Zahlen; es sind nämlich die letzteren für Frühling 7°,47, Sommer 14°,97, Herbst 8°,00, Winter 0°,83.

Nach den Ludwigsburger Resultaten war in der dortigen Beobachtungsperiode der wärmste Frühling im Jahre 1833 mit 10°,03, der kälteste 1837 und 1839 mit 5°,69. Der Sommer schwankt zwischen 17°,53 (Weinjahr 1834) und 11°,05 (1833). Der Herbst zwischen 9,03 (wiederum 1834) und 5°,26 (1829). Der Winter endlich zwischen 2°,20 (1834) und 3°,79 (1830).

Für Winnenden hat man aus den Jahren 1836–54 folgende Resultate:

Der Frühling schwankte zwischen 4,93 (1852) und 9,21 (1841) und betrug im Mittel 6°,69 (Stuttgart 7°,44). Der Sommer hatte im Mittel 14°,37 (Stuttgart 14°,93), er war am wärmsten 1846 mit 16°,17, am kühlsten 1844 mit 12°,95. Das Herbstmittel beträgt 7°,68 (Stuttgart 7°,93) mit einer Schwankung zwischen 9°,47 (1838) und 5°,95 (1851). Der Winter endlich schwankt zwischen 2°,72 (1852) und -2°,72 (1840) und hat ein Mittel = 0°,00 (Stuttgart 0°,58).

Für das Jahrzehnt 1855–64 ergaben sich folgende Resultate:

Frühling 07,38 mit Schwankung zwischen 09,48 (62) und 06,49 (58)
Sommer 14,04 mit Schwankung zwischen 15,98 (59) und 11,56 (61)
Herbst 07,55 mit Schwankung zwischen 08,44 (57) und 06,10 (56)
Winter 00,62 mit Schwankung zwischen 02,01 (55) und –1,01 (64)

woraus eine Zunahme der Mitteltemperatur von Frühling und Winter hervorgeht, während Sommer und Herbst sich wenig ändern.

In dem ganzen Zeitraume 1836–64 fand also statt der

kälteste wärmste
Frühling 1852 1862
Sommer 1861 1846
Herbst 1851 1838
Winter 1840 1863
Die jährlichen Temperaturextreme.
Im Jahre 1825 fand zu Winzerhausen die höchste Temperatur mit 28°,0 am 18. Juli, die niederste mit –14°,0 am 8. Februar statt. Die Stuttgarter Extreme fallen auf dieselben Tage mit +26°,0| und –10°,4. Während also in Winzerhausen die jährliche Differenz 42° betrug war sie in Stuttgart blos 36°,4.

Die Ludwigsburger Temperaturmaxima bewegten sich in den Jahren 1827–39 zwischen 29°,5 (1832 Juli 14) und +25°,0 (1829, 1831, 1837). Das Jahresminimum erhob sich nicht über –7°,0 (1832 Januar 11) und sank nicht unter –23°,0 (1830 Februar 2). Der Unterschied zwischen dem höchsten Maximum und dem tiefsten Minimum oder zwischen den absoluten Extremen beläuft sich hiernach auf 52°,5; die einzelnen Jahresdifferenzen dagegen bewegen sich zwischen den Grenzen 51°,0 (1830) und 34°,5 (1828). – Von Stuttgart finden sich aus derselben Zeit die absoluten Extreme

Maximum 1832 Juli 14 +29°,2
Minimum 1830 Februar 2 –21°,4
      absolute Differenz 50°,6

Zu Winnenden fallen während der Jahre 1836–54 die höchsten Thermometerstände zwischen 29°,4 (1838 Juli 13) und 24°,2 (1848 Juli 7), die niedersten zwischen –9°,6 (1852 Januar 1) und –23°,5 (1845 Februar 13, 20), woraus die Differenz der absoluten Extreme = 52°,9 folgt.

Stuttgart hatte in derselben Zeit seine höchste Temperatur mit 28°,8 1835 Juli 7, seine niederste mit –19°,5 1835 Juli 13; somit betrug hier die Differenz der absoluten Extreme 48°,3.

Nach diesen Zahlen zeigen alle drei Stationen übereinstimmend größere Schwankungen der Temperatur als Stuttgart.

Frostgrenzen.

Dieselben sind gebildet durch den letzten Tag im Frühjahr und den ersten Tag im Herbst, an welchen das Thermometer mindestens bis zum Gefrierpunkt sank.

Für Ludwigsburg trat 1829–39 der letzte Frühlingsfrost durchschnittlich am 3. April ein; am frühesten fiel er 1836 (März 11), am spätesten 1838 (April 30). Der erste Herbstfrost fiel durchschnittlich auf Oktober 29. Er trat am frühesten (Oktober 14) ein in den Jahren 1830 und 1838; am spätesten (December 10) 1839; hiernach rückten 1838 die Frostgrenzen am nächsten zusammen.

In Winnenden tritt der letzte Frost des Frühjahrs im Mittel aus den Jahren 1836–54 am 24. April ein; der erste Herbstfrost am 17. Oktober. Die Frostgrenzen rücken hier einander näher als zu Ludwigsburg und Stuttgart der Fall ist; die Stuttgarter Grenzen| fallen nämlich in derselben Zeit durchschnittlich auf den 10. April und 25. Oktober, so daß hier die Periode der frostfreien Tage um 22 Tage länger dauert.

Die Zeit des letzten Frühjahrsfrostes fällt in Winnenden zwischen den 13. März (1848) und 12. Mai (1838); der erste Herbstfrost trat ein zwischen dem 28. September (1847) und 5. November (1848); hiernach war 1848 die Dauer der frostfreien Zeit am größten.

Schneegrenzen.

Der letzte Frühlingsschnee fiel zu Ludwigsburg im Mittel am 7. April, der erste Spätjahrsschnee am 9. November; dabei schwankt der Eintritt des ersteren zwischen März 17 (1829) und April 29 (1838); der des letzteren zwischen Oktober 8 (1829) und December 25 (1830).

In Winnenden fiel der letzte Schnee im Frühjahr zwischen dem 3. März (1841) und 10. Mai (1836), im Mittel am 16. April (Stuttgart 16. April); der erste Schnee des Spätjahrs fiel zwischen 15. Oktober (1838) und 30. November (1846), im Mittel den 8. November (Stuttgart 16. November).

Zahl der Schneetage.

Während Stuttgart sowohl 1824–39 als 1836–54 im Mittel 28 Schneetage hat, wird diese Zahl von den Ludwigsburger (79) und Winnender Zahlen (43) übertroffen. Dasselbe ist der Fall mit den Grenzen, innerhalb welcher die Jahreszahlen sich bewegen.

Dieselben sind für Ludwigsburg 105 (1829) und 47 (1833)
gleichzeitig für Stuttgart 040 (1837) und 30 (1832)
für Winnenden 107 (1835) und 29 (1833)
gleichzeitig für Stuttgart 040 (1837) und 00 (1846)
Zahl der Frosttage.

Dieselbe beträgt für Winnenden durchschnittlich 104, für Stuttgart 71. Dabei schwanken die Jahreszahlen zu Winnenden zwischen 139 (1845) und 64 (1847), zu Stuttgart zwischen 103 (1838) und 62 (1852). – Die Ludwigsburger Zahlen sind offenbar zu klein, was davon herrühren mag, daß dort mit keinem Minimalthermometer beobachtet worden ist.

Zahl der Sommertage.
Winnenden zählte 1836–54 durchschnittlich 45 Sommertage; die größte Anzahl (76) fällt auf das Jahr 1846, die kleinste (23)| auf 1844. Das Stuttgarter Mittel beträgt 42; die Extreme sind nahe dieselben wie zu Winnenden, nämlich 76 (1842) und 20 (1844).

Stärkere Extreme zeigt die Beobachtungsperiode von Ludwigsburg. In dieser Zeit 1829–30 und 1831–39 hatte Ludwigsburg im Ganzen 481, Stuttgart 484 Sommertage, was übereinstimmend für beide Stationen als Jahreszahl 48 ergibt. Die Grenzen sind gebildet durch das kalte Jahr 1829 (Ludwigsburg 18, Stuttgart 26) und das Weinjahr 1834 (Ludwigsburg 92, Stuttgart 88).

Regenhöhe und Anzahl der Regentage.

Die Höhe des meteorischen Niederschlags (Regen und Schnee) ist für Winnenden durchschnittlich 25,6 Pariser Linien[s 1]; sie war am kleinsten (13,84) im Jahre 1842, am größten 1851 (35,85). Das Mittel von Winnenden ist 1,6 Linien größer als das gleichzeitige Stuttgarter, welches blos 24,0 Pariser Linien beträgt, demnach bewegen sich die Winnender Jahreszahlen in weiteren Grenzen als die Stuttgarter, deren niederste 14,89 (1834), deren höchste 31,36 (1852) ist.

Trotz dieser geringeren Menge des atmosphärischen Niederschlags hat Stuttgart mehr Tage, an denen Niederschläge erfolgten; es sind nämlich zu Stuttgart im Mittel der Jahre 1842–54 167 Tage, in Winnenden nur 149. Dabei schwanken die Stuttgarter Zahlen zwischen 186 (1850) und 131 (1842), die Winnender zwischen 169 (1850) und 131 (1842).

Luftdruck.

Die Schwankungen des Barometers sind im Großen innerhalb des ganzen Landes als gleich anzunehmen. Die Stuttgarter Beobachtungen ergeben im Mittel aus 30 Jahren 1825–1854, daß das höchste Barometermittel dem December zukommt, das niederste dem April (Differenz 1,38 Pariser Linien). Der absolut höchste Barometerstand war in den 30 Jahren im Februar 1849, der niederste im Oktober 1825 und beträgt die absolute Schwankung des Barometers 21,49 Pariser Linien. Die jährliche Schwankung des Barometers ist durchschnittlich 16,73 Pariser Linien; sie hatte ihren größten Werth 20,74 im Jahre 1846, ihren kleinsten 12,65 im Jahre 1832.

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6. Gebirgsarten und Mineralien.

Die geognostischen Verhältnisse des Bezirks sind ziemlich einfach, indem außer zwei Gliedern der Trias, Muschelkalk und Keuper, nur noch im nordöstlichsten Theil des Bezirks die unteren Schichten des schwarzen Jura (Lias) in ganz geringer Verbreitung vorkommen. Diese anstehenden Gebirgsformationen sind öfters in großer Ausdehnung mit Diluvial- und Alluvialablagerungen bedeckt.

1. Die Muschelkalkformation geht nur mit ihren oberen Schichten (Hauptmuschelkalk, Dolomit und Lettenkohlengruppe) zu Tage, so zwar daß der Hauptmuschelkalk nirgends bis zu den Encrinitenbänken aufgeschlossen ist, viel weniger daß die tiefer liegenden Schichten (Anhydritgruppe und Wellenkalk) an die Oberfläche treten würden. Der Hauptmuschelkalk erscheint meist wohlgeschichtet, von rauchgrauer Farbe mit thonreichen Schichten durchsetzt und geht zuweilen gegen unten in Brockelfelsen über. Er steht hauptsächlich an den schroffen Thalgehängen des Neckars und der Murr zu Tage, während er sich in die Seitenthäler und Thälchen der beiden Hauptthäler meist nur auf kurze Strecken hineinzieht.

Von Versteinerungen kommen in dem Hauptmuschelkalk, wiewohl im allgemeinen selten, vor: Terebratula vulgaris, Gervillia socialis, Myophoria Goldfussii und vulgaris, Lima striata, Pecten laevigatus und discites, Nautilus bidorsatus, Ceratites nodosus, Palinurus Suerii etc.

Der Hauptmuschelkalk wird sehr häufig abgebaut und vorzugsweise als Straßenmaterial, nicht selten auch als Baustein und zum Kalkbrennen benützt.

Gegen oben geht der Muschelkalk in den zuweilen thonigen Dolomit über, der übrigens keine bedeutende Mächtigkeit erreicht und nirgends auf der Hochebene zu Tage tritt; mit dem Dolomit in den unteren Schichten wechsellagernd entwickelt sich über demselben:

Die Lettenkohlengruppe mit ihren Dolomiten, Kalk- und Thonmergeln, denen in mehreren Wechsellagerungen der Lettenkohlensandstein eingelagert ist, welcher sich zu einer Mächtigkeit von 10–20′ ausgebildet hat.

Die Lettenkohlengruppe tritt nur an den obern Muschelkalkthalrändern auf und verbreitet sich von da mehr oder weniger, jedoch nirgends in namhafter Ausdehnung auf der Hochebene. Die Sandsteine derselben werden bei Mundelsheim, Murr und Steinheim abgebaut und liefern vortreffliche Bau- und Werksteine.

| Der Steinbruch bei Mundelsheim zeigt folgenden Durchschnitt:
Lehm 10′ mächtig. 0000
graugelber, mit Kalkspat erfüllter, dolomitischer Zellenkalk 4′ mächtig.
Kalksandstein (Bastardsandstein) 2′ mächtig.
lichtgelber Kalkmergel mit spätigen dünnen Lagen und Pflanzenresten 2′ 5″ mächtig.
graue Mergelschiefer 4′ mächtig.
lichtgelbe dolomitische Kalkmergel mit Bitterspatdrusen 1′ mächtig.
grünlich grauer Mergelschiefer 8″ mächtig.
lichtgelber Kalkmergel mit Drusen 1′ mächtig.
grünlich grauer Mergelschiefer 8″ mächtig.
lichtgelber Kalkmergel mit Drusen 5″ mächtig.
grünlich grauer Mergelschiefer 3–4′ mächtig.
lichtgelber Kalkmergel mit Drusen 8″ mächtig.
grauer Mergelschiefer 2′ mächtig.
grünlichte Sandsteinplättchen 4″ mächtig.
dunkelrother, grüngefleckter Sandmergel 3″ mächtig.
graue Letten 5″ mächtig.
okergelber Kalkthon 1′ 8″ mächtig.
Lettenmergel 1′ mächtig.
gelber, dolomitischer Kalkthon 1′ mächtig.
lichtgelber Thonkalk mit Lingula tenuissima 1′ 5″ mächtig.
okergelbe harte Thonkalke mit Drusen 2′ mächtig.
Sandschiefer und Sandmergel 1′ 5″ mächtig.
Lettenkohle und Kohlenschiefer 2′ mächtig.
dunkler Mergelschiefer 4′ mächtig.
okergelbe Thonkalke mit Drusen 4′ mächtig.
Letten 5″ mächtig.
braune und dunkelgraue Mergel 7′ mächtig.
okergelber, lichtgrauer, öfters nach innen dunkelblauer Thonkalk 3′ mächtig.
grauer Mergelschiefer 5″ mächtig.
Sandschiefer 2′ mächtig.
Werkstein 10′ aufgeschlossen.
Von organischen Einschlüssen findet man in der Lettenkohlengruppe Wurzel und Stengel des Calamites arenaceus und Equisetum columnare, ferner Lingula tenuissima, Steinkerne des Myacites musculoides und einige Myophorien etc.; in den oberen Schichten| des zwischen Groß- und Klein-Bottwar gelegenen Muschelkalksteinbruchs, die noch der Lettenkohlengruppe angehören, kommen interessante Fragmente verkieselten Holzes öfters von einem Durchmesser von 5″–1′ vor, an denen man die ursprüngliche Holztextur noch deutlich zu erkennen vermag und die Coniferen anzugehören scheinen.

2. Die Keuperformation, welche sich über das Flachland des Muschelkalks erhebt, beginnt mit vorherrschend blauen Thonmergeln, in denen zuweilen, wie am Fuß des Wunnensteins, Gips eingelagert vorkommt; über diesen Mergeln entwickelt sich der feinkörnige Keuperwerkstein (Schilfsandstein), der im Bezirk keine große Verbreitung findet oder vielmehr wegen meist geringer Mächtigkeit weniger sichtbar, und häufig durch die Kultur verdeckt ist. Sein bedeutenderes Auftreten fällt mit Ausnahme der Kuppe des im Süden des Bezirks gelegenen Lembergs, hauptsächlich in den nördlichen und nordöstlichem Theil des Bezirks, wo er auch auf dem Forstberg und bei Helfenberg abgebaut wird und ausgezeichnete Bau- und Werksteine liefert.

An Versteinerungen kommen in demselben vor: Calamites arenaceus und Equisetum columnare, auch einige Farrnkräuter und Cycadeen (Pterophyllum Jaegeri Brogn). Dem feinkörnigen Werkstein sind die bunten vorherrschend braunrothen Mergel aufgelagert, welche von dem unbedeutend mächtigen Kieselsandstein und von dolomitischen Steinmergeln durchzogen sind. Über diesen bunten Mergeln entwickelt sich allmählig der weiße, grobkörnige Keupersandstein (Stubensandstein), welcher zu einer bedeutenden Mächtigkeit anwächst und in verschiedenen Abänderungen auftritt; er bildet hauptsächlich die Höhen der Löwensteiner Berge und der Ausläufer derselben, getrennt von diesen tritt er noch vereinzelt in unbedeutenden Kuppen des Wunnensteins, des Forstbergs und des Helfenbergs auf. Über dem weißen grobkörnigen Sandstein erheben sich auf den höchsten Punkten des Oberamtsbezirks, bei Nassach und bei dem Stocksberger Jägerhaus, vereinzelte Hügel, die an ihren Abhängen aus den rothen Knollenmergeln, hier das oberste Schlußglied der Keuperformation bildend, bestehen, während die Kuppen dem untersten Glied der Liasformation (schwarzer Jura), dem gelben Liassandstein (Buchstein) angehören. Die Verbreitung der Keuperformation ist sehr beträchtlich und nimmt nicht nur den nordöstlichen und nördlichsten Theil des Bezirks (einen Theil der Löwensteiner Berge und ihrer Ausläufer) zusammenhängend in voller Ausbildung ein, sondern erscheint auch, getrennt von der zusammenhängenden Keupermasse, in der| Gruppe des Wunnensteins mit seinen Nebenbergen (Forstberg und Kochersberg) und in dem freistehenden Lemberg; bei der ersteren sind alle Glieder bis zu dem grobkörnigen weißen Sandstein, der mit seinem untersten Glied noch auf den höchsten Kuppen des Wunnensteins und des Forstbergs ansteht, vertreten, während der Lemberg nur aus den zwei unteren Schichten der Keuperformation, aus den unteren Mergeln mit Gips und aus dem die Kuppe bildenden feinkörnigen Sandstein besteht. Überdieß steht vereinzelt noch der untere Mergel an mehreren Stellen, den Muschelkalk überlagernd an, wie z. B. östlich vom Kirschenhardthof, auf der Anhöhe nordöstlich von Marbach, auf dem Gauchenberg bei Höpfigheim, am westlichen Abhang gegen das Odenbachthal 1/4 Stunde westlich von Klein-Bottwar, im Wald „Kälbling“ zwischen Groß-Bottwar und Mundelsheim, wo sogar auf einer kleinen Fläche der feinkörnige Werkstein ansteht, ferner in den Waldungen westlich von Holzweilerhof, westlich von Winzerhausen, östlich von Ottmarsheim, südlich vom Abstetterhof u. s. w.

3. Das ältere Schwemmland (Diluvium), erscheint im Oberamtsbezirk hauptsächlich als Lehm, der in verschiedener Mächtigkeit bis zu 20′ ansteigend das Muschelkalk-Flachland deckt und nicht selten für die Ziegeleien, zum Belegen der Scheuertennen etc. benützt wird. Bei Pleidelsheim kommen in demselben zahlreiche Triasgerölle vor, unter denen sich namentlich auch solche, die dem bunten Sandstein angehören, bemerklich machen und den Beweis liefern, daß die Hochfluthen der aus dem Schwarzwald kommenden Enz sich bis in diese Gegend erstreckt haben.

Die bekannten Kalkmergelknauer (Lößkindlein), welche den Lehm mit dem Löß des Rheinthals in die nächste Verwandtschaft bringen, kommen sehr häufig vor, wie auch die kleinen Diluvialschnecken, Succinea oblonga, Helix hispida var. Diluvii etc.

4. Das jüngere Schwemmland (Alluvium) hat sich hauptsächlich in den Thalebenen und an den Ausläufern der Thalabhänge und Berge abgelagert; es besteht aus Lehm, Thon und in der Nähe der Flüsse aus Geschieben und Sand. Die Geschiebe bekunden die Gebirgsformationen, aus denen die durch den Bezirk führenden Gewässer kommen, daher die des Neckars vorherrschend aus Muschelkalk und jurassischen Gesteinen, die der Murr aus Muschelkalk und Keupersandsteinen und die der Bottwar aus Keupersandsteinen bestehen.

Von eigentlichen Mineralien kommen vor: gemeiner Quarz in milchweißen, sechsseitigen Pyramiden, und Kalkspat in ungleichkantigen sechsseitigen Doppelpyramiden in den Spalten und Klüften des| Muschelkalkes; ferner ist weißer und bläulicher Calcedon in demselben eingesprengt. In der Lettenkohlengruppe findet man häufig Andeutungen von Kohlen und auf den Ablösungsflächen des Lettenkohlensandsteins kommt Glimmer in zarten Blättchen vor. In den Keupermergeln erscheint Gips, Schwerspat, Bitterspat, rundliche Knauer oder Konkretionen, welche mit Kalkspatkrystallen ausgekleidet sind. Der grobkörnige Stubensandstein enthält zuweilen Calcedon, Jaspis oder Hornsteine, gemeinen Quarz etc.
7. Pflanzen- und Thierreich.
A. Pflanzen.

Die Flora des Bezirks ist im allgemeinen die des württembergischen Unterlandes, die jedoch mittelst der Pflanzen auf der Keuperformation einen Übergang zu der Flora des Mittellandes bildet.

a. Von Waldbäumen herrscht die Stieleiche (Quercus pedunculata) vor, seltener ist die Steineiche (Quercus Robur), die Rothbuche (Fagus sylvatica), die Weißbuche (Carpinus Betulus), die Birke (Betula alba), der Weiß-, Spitz- und Feldahorn (Acer Pseudo-platanus, platanoides et campestre), die Esche (Fraxinus excelsior), die Sommer- und Winterlinde (Tilia grandifolia et parvifolia) häufig in den Waldungen, die Ulme (Ulmus campestris), die Aspe (Populus tremula), der Holzapfelbaum (Pyrus Malus sylvestris), der Holzbirnbaum (Pyrus communis sylvestris), der Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), der Elzebeerbaum (Sorbus torminalis), der Sperberbaum (Sorbus domestica) selten, die schwarze Erle (Alnus glutinosa), die weiße Erle (A. incana) bei Etzlenswenden, die Salweide (Salix Caprea), die Traubenkirsche (Prunus Padus), die schwarze Vogelkirsche (P. avium sylvestris). An Bächen und Flüssen kommen wildwachsend und gepflanzt häufig vor: die weiße Weide (Salix alba), die graue Weide (S. cinerea), die gelbe Bandweide (S. vitellina), die Bruchweide (S. fragilis), die mandelblättrige Weide (S. triandra var. amygdalina), die Korbweide (S. viminalis), die Bachweide (S. purpurea), die schwarze und die italienische Pappel (Populus nigra et italica) etc. Von Nadelhölzern kommen vor: die Forche, Kiefer (Pinus sylvestris), die Rothtanne, Fichte (P. Picea), die Lärche (P. Larix) selten; die Weißtanne fehlt.

b. Sträucher. Außer den ganz gewöhnlichen Wald- und Heckensträuchern finden sich: der Faulbaum (Rhamnus frangula), der Kreuzdorn (Rh. cathartica), das Rothbeinholz (Cornus sanguinea),| die Haselnuß (Corylus Avellana) sehr häufig, der Schlingstrauch (Viburnum Lantana), der Wasserholder (V. Opulus), der schwarze und rothe Hollunder (Sambucus nigra et racemosa), die Stachelbeere (Ribes uva crispa), der Färber- Pfeil- und Stechginster (Genista tinctoria, sagittalis et germanica), die Waldrebe (Clematis Vitalba), viele Rosenarten (Rosa pumila, repens, rubiginosa, gallica, canina) etc. Das rundblättrige und das überhängende Wintergrün (Pyrola rotundifolia et secunda), die Steinbeere (Rubus saxatilis) im Wald Bergreisach bei Klein-Aspach, sowie Brombeer-, Himbeer- und Heidelbeersträucher. Von den Nadelholzsträuchern der Wacholder (Juniperus communis).

c. Von Gift- und Arzneipflanzen führen wir an: den Attich (Sambucus Ebulus), den Seidelbast (Daphne Mezereum), das Bittersüß (Solanum Dulcamara), die Tollkirsche (Atropa Belladonna), das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), die Judenkirsche (Physalis Alkekengi), den schwarzen Nachtschatten (Solanum nigrum), den gefleckten Schierling (Conium maculatum), die Einbeere (Paris quadrifolia), die Haselwurz (Asarum europaeum), die Küchenschelle (Anemone Pulsatilla), die Aronsblume (Arum maculatum), die mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides), den Bitterklee, (Menyanthes trifoliata), den Baldrian (Valeriana officinalis), Waldmeister (Asperula odorata), die Brunnenkresse (Nasturtium officinale), die Kamille (Matricaria Chamomilla), den Rainfarrn (Tanacetum vulgare), die Osterluzei (Aristolochia clematitis) bei Murr und Beilstein, die Wollblume (Verbascum thapsiforme Schrad), das Tausendguldenkraut (Erythraea Centaurium), das Seifenkraut (Saponaria officinalis), die stinkende Nießwurz (Helleborus fötidus), und den Ehrenpreis (Veronica officinalis).

d. Von andern Kräutern und Gräsern sind bemerkenswerth: daß große Mannagras (Glyceria spectabilis), die gelbe Seerose (Nuphar luteum), die Nachtkerze (Oenothera biennis), die Laichkräuter (Potamogeton natans, densus, pectinatus), das großblüthige Weidenröschen (Epilobium hirsutum), das Helmkraut (Scutellaria galericulata), der Zweizahn (Bidens tripartida), die weidenblättrige Sternblume (Aster salignus); diese sämtlich am Neckar. In Wäldern u. Gebüsch: die zweiblättrige Meerzwiebel (Scilla bifolia), der Türkenbund (Lilium Martagon), die weißblumige Vogelmilch (Ornithogalum umbellatum), den Bärenlauch (Allium ursinum), die Zaunlilien (Anthericum Liliago, ramosum), die schmalblättrige Schwertlilie (Iris sibyrica), am Fuß des Lichtenbergs, mehrere| Knabenkräuter (Orchis militaris, maculata, conopsea, Morio, latifolia), die Nestwurz (Neottia Nidus avis), das Zweiblatt (Listera ovata), die Sumpfwurz (Epipactes latifolia), der gefranzte und Feld-Enzian (Gentiana ciliata, campestris), der blaue Steinsame (Lithospermum purpureo-coeruleum) bei Hessigheim, das zierliche Tausendguldenkraut (Erythraea pulchella), die breitblättrige Haftdolde (Caucalis latifolia) auf Äckern, den Gamander (Teucrium chamaedrys, Scorodonia), die Katzenmünze (Nepeta cataria), der breitblättrige Quendel (Thymus acinos), der Waid (Isatis tinctoria), die stolze und kleinblüthige Nelke (Dianthus superbus, Armenia, pralifer, deltoides), die Spierstauden (Spiraea Aruncus, Ulmaria), die Walderbsen (Orobus vernus, tuberosus), die Platterbse (Lathyrus tuberosus) auf Äckern, den Bastardklee (Trifolium hybridum), die Waldwicke (Vicia sylvatica), das Hufeisenkraut (Hippocrepis comosa), der Feinstrahl (Stenactis bellidiflora), die schwarze und stachlige Flockenblume (Centaurea nigra, calcitrapa), mehrere Glockenblumen (Campanula Cervicaria, glomerata, persicifolia, Trachelium), das Zymbelkraut (Cymbalaria muralis), der gelbe und gemeine Sauerklee (Oxalis stricta, Acetosella) u. s. w.

Farrnkräuter, Laub- und Lebermoose, sowie die Flechten sind sehr sparsam und nur durch die gewöhnlichsten Arten des Unterlandes vertreten, bemerkenswerth sind: der Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), die Goldflechte (Lecanora Callopisma) und die rothpunktirte Lederflechte (Endocarpon miniatum) bei Marbach; dagegen finden sich von eßbaren Pilzen besonders in den höher gelegenen Waldungen die Morchel (Morchella esculenta), der Eierschwamm (Merulius Cantharellus), der Champignon (Agaricus campestris), und der Korallenschwamm (Clavaria flava, crispa); von Giftpilzen der Fliegenschwamm (Agaricus muscarius), der scharfe, Bauchgrimmen erregende Blätterschwamm (Agaricus acris, torminosus) und der Speiteufel (A. emeticus).

B. Thierreich.

Die Thierwelt des Bezirks ist überhaupt diejenige des Württembergischen Unterlandes und hat daher nichts besonderes.

Wildschweine und Hirsche sind verschwunden, Rehe sparsam, Hasen und Eichhörnchen immer noch ziemlich häufig, auch finden sich Füchse, Baum- und Hausmarder, Iltis, großer und kleiner Wiesel, Wildkatzen, Dachse, Igel und Fischotter, letztere an der Murr.

Die Vögel sind durch die gewöhnlichen Raubvögel, Bußard| (Falco Buteo), den Baumfalken (F. Subbuteo), die Gabelweihe (F. Milvus), den Hühnerhabicht (F. palumbarius), den Zwerg- und Thurmfalken (F. Aesalon, tinnunculus), vertreten; seltener ist der Wanderfalke (F. peregrinus) und der Fischadler (F. Haliaetos).

Von Eulen findet sich der Nachtkauz (Strix Aluco), das Käuzlein (Str. passerina), die Schleiereule (Str. flammea) und die Waldohreule (Str. Otus).

Von krähenartigen Vögeln ist der kleine Rabe (Corvus Corone) und der Heher (C. glandarius) am häufigsten, seltener die Elster (C. Pica) und die Saatkrähe (C. frugilegus).

Von Klettervögeln kommt der Kukuk, der Grün- und Schwarzspecht, der große und kleine Buntspecht, der Baum- und Mauerläufer vor.

Unter den Singvögeln steht die Nachtigall und der Schwarzkopf (Sylvia Luscinia, atricapilla) durch vortrefflichen Gesang oben an. Die Amsel und Singdrossel (Turdus Merula, musicus), letztere hier Drossel genannt, schließen sich an, auch die Laub- und Gartensänger, die Fliegenschnäpper, Pieper und Lerchen fehlen nicht. Der Staar kommt zur Zeit der Kirschen- und Traubenreife in großen Zügen, der Buchfink belebt besonders die lichten Laubwälder und Obstgärten, Schwalben und Sperlinge, Goldammern und Meisen siedeln sich um Dörfer und Gehöfte, Bachstelzen und Eisvögel um die Flüsse an, wo auch die gewöhnlichsten Sumpf- und Schwimmvögel zuweilen getroffen werden. Von jenen mag der Storch (sehr häufig), Fischreiher, Rohrdommel, die Schnepfe, die Wasserralle und der Wachtelkönig, von diesen die Wildente, die Saat- und Graugans (Anser segetum, cinereus), der rothhalsige und kleine Steißfuß (Podiceps auritus, minor), welche zuweilen am Neckar erscheinen, hier erwähnt werden.

Die Reptilien sind auf die überall gewöhnliche Ringelnatter, Blindschleiche, gemeine und Mauer-Eidechse, den Laub- und Wassersalamander, den Laub-, Gras- und Wasserfrosch, die gemeine, veränderliche und Feuerkröte beschränkt.

Von Fischen kommen im Neckar am häufigsten die Nase oder der Weißfisch (Chondrostoma Nasus), sodann der Schuppfisch (Squalius Dobula), das Rothauge (Leuciscus erythophthalmus), der Bitterling (L. amarus), Gräßling (Gobio vulgaris) und die Barbe (Barbus fluviatilis), seltener der Barsch (Perca fluviatilis), die Schleihe (Tinca vulgaris), die Äsche (Thymallus vexilifer), der Hecht und Aal vor. Die Murr, Bottwar und andere Bäche| enthalten außer dem Weißfisch auch die Pfelle (Phoxinus laevis). Bartgrundel (Cobitis barbatula), die Gruppe (Cottus Gobio) und theilweise die Bachforelle (Salmo Fario), welche übrigens auch zuweilen im Neckar vorkommen.

Die Krebse, Spinnen und Insekten sind die gewöhnlichen des Unterlandes. Der Bachkrebs ist überall verbreitet, bleibt aber klein. Unter den Insekten ist der Maikäfer in manchen Jahren sehr schädlich, indem er nicht nur die Obstbäume beschädigt, sondern auch in den Eichwäldern das junge Laub abfrißt und als Engerling die Graswurzeln zerstört. Auch der Kohlweißling und Frostnachtschmetterling richten Schaden an.

Von Weichthieren finden sich die gewöhnlichen Laubschnecken (Helix), wie auch die Acker- und Wegschnecke ohne Gehäus (Limax agrestis, rufus), überall; alle sind mit Ausnahme der nackten kleinen Ackerschnecke unschädlich. Von Flußmuscheln kommt die holländische Malermuschel (Unio batavus) besonders schön in der Bottwar vor; sie findet sich aber auch mit der langgestreckten Flußmuschel (U. pictorum) im Neckar, während die Teiche die dünnschalige Teichmuschel (Anodonta anatina) enthalten.


  1. Beschreibung des Königreichs Württemberg. 1863. S. 987.
  2. Von Professor Dr. Schoder.
Anmerkungen Wikisource
  1. Ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von 25,6 Pariser Linien × 2,2558 = 57,55 mm ist nicht plausibel, es müsste wohl Pariser Zoll heißen. Die Angaben in Linien beim Luftdruck ist hingegen korrekt.
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