Beschreibung des Oberamts Marbach/Kapitel B 15

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Klein-Bottwar,
mit Schaubeck, Schloß, und Forsthof, Hof,
Gemeinde II. Kl. mit 776 Einw., wor. 3 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Ludwigsburg eingepfarrt.
Das freundliche, reinlich gehaltene Dorf hat 5/4 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt, an einem gegen das liebliche Bottwarthal leicht geneigten Abhange eine angenehme, gesunde Lage und ist gegen rauhe Nordwinde durch den imponirenden Berg Bönning, dessen rebenreiche Ausläufer sich bis an den Ort hinziehen, wohl geschützt. Der obere (südliche), etwas von dem Hauptort getrennte Theil des Dorfs liegt eben auf der Anhöhe. Mit Ausnahme von einigen größeren, meist der Gutsherrschaft gehörigen Gebäuden sind die größtentheils aus Holz erbauten und mit steinernem Untergemäuer versehenen Wohnungen minder ansehnlich und verrathen nur| wenig Wohlhabenheit der Einwohner; sie lagern sich mäßig gedrängt an der durch den Ort führenden Marbach–Großbottwarer Landstraße und an einigen von dieser ausgehenden, ziemlich engen Seitenstraßen. In der Mitte des Orts steht etwas erhöht die mit der alten Kirchhofmauer umgebene, in ihrem ursprünglich gothischen Styl wohlerhaltene Pfarrkirche; sie hat spitzbogige Eingänge und die Fenster an dem Langhaus und an dem mit einem halben Achteck schließenden, mit Streben versehenen Chor sind in den spitzen Bogentheilen mit schönem Maßwerk geschmückt. Über dem westlichen Haupteingang steht die Jahrszahl 1421, welche uns die Zeit der Erbauung der Kirche angiebt. An der Nordseite erhebt sich zwischen Langhaus und Chor der viereckige, nicht hohe Thurm, dem ein Satteldach mit abgetreppten Zinnengiebeln aufgesetzt ist. Von den auf dem Thurme hängenden 3 Glocken ist die größte von Bachert in Kochendorf 1858 und die mittlere von Neubert in Ludwigsburg 1783 gegossen worden; die kleinste, sehr alte, hat weder Schrift noch Zeichen. An der Kirche schlingen sich Reben hinauf und an dem Thurme rankt dichtes Epheu, die ohnehin malerische Kirche noch mehr verschönernd. An die Südseite ist ein halbrundes Thürmchen angebaut, das die zu den Emporen führende Wendeltreppe enthält; über dem Eingang desselben steht die Jahrszahl 1611. Das einfache, mit einer horizontalen Täfelung gedeckte Innere der Kirche enthält verschiedene Sehenswürdigkeiten, namentlich einen im gothischen Geschmack gehaltenen, reich mit Schnitzwerk verzierten Altarschrank aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der früher im Chor stand und nun seine Stelle an der nördlichen Wand des Langhauses, dessen Höhe er beinahe ganz einnimmt, gefunden hat. Er ist 181/2′ hoch und bei geöffneten Flügelthüren 11′ breit. Das Mittelbild des Altarschranks enthält in gelungener Schnitzarbeit und reich vergoldet Maria mit dem Kinde, auf der einen Seite St. Georg, auf der anderen der heil. Ägidius; über dem Mittelbilde stehen unter schön gothisch geschnitzten Baldachinen in der Mitte die Himmelskönigin, über ihr Christus und auf ihrer einen Seite der heil. Christoph, auf der andern der heil. Jacobus. Der Sockel, auf welchem Maria im Mittelbilde des Schranks steht, enthält die Geburt Christi. Auf den beiden Innenseiten der Schrankflügel ist einerseits das Martyrium der heil. Catharina, andererseits das Martyrium der heil. Barbara dargestellt. Die Außenseiten der Schrankflügel enthalten gemalt je zwei Martyrien und auf den Ausladungen derselben die Brustbilder der Propheten Jesajas und Jeremias. Auf der Predella ist die heil.| Familie und zu beiden Seiten die Stifter des Altars, zwei Herren von Plieningen mit ihren Hausfrauen, geborne von Sachsenheim und von Waldenburg, in knieender, betender Stellung gut auf Holz gemalt.

An der gleichen Kirchenwand hängt die Stammtafel der Herren von Gaisberg und befindet sich das Grabdenkmal der Maria Agnes von Schaubeck, † 1686. An der gegenüber liegenden südlichen Kirchenwand steht ein Grabdenkmal mit den lebensgroßen, gut gearbeiteten Standbildern eines Dietrich v. Plieningen mit seiner Frau und seinem Knäblein von 1600; neben demselben befindet sich ein Gedenkstein, den Ursula, Sybilla von Eltershofen ihren 3 in den Jahren 1698, 1702 und 1712 gestorbenen Kindern, den letzten Sprossen der Herren von Eltershofen auf Schnait, Herren zu Nieder-Schaubeck und Kleinbottwar setzen ließ. Überdieß liegen auf dem Boden mehrere unleserlich gewordene Grabplatten der Herren v. Plieningen, Eltershofen etc.

Von dem Langhaus führt ein spitzer Triumphbogen, in welchem ein sehr altes Kruzifix hängt, in den um 2 Stufen höher gelegten Chor, dessen Netzgewölbe in den zwei Schlußsteinen je das Wappen der Herren v. Plieningen enthält.

Im Chor befindet sich ein sehr gut aus Stein gearbeitetes Familiendenkmal der Herren v. Plieningen, welche hier in knieender Stellung mit ihren Frauen und Kindern dargestellt sind; unter denselben steht: 1485 d. 26. Februar † Dietrich v. Plieningen; 1471 † Margaretha v. Venningen sein erst Hausfraw; 1483 † Agnes v. Nippenburg sein zweite Hausfraw; 1506 † Doctor Johannes v. Plieningen; 1520 † Dietrich v. Plieningen; 1510 † Anna v. Memerßwiler, Dietrichs von Plieningen erste Hausfrau. Dieses Familienmonument enthält unter der obigen Darstellung eine zweite Abtheilung, auf der ebenfalls knieende Ritter mit ihren Frauen und Kindern abgebildet sind; unter ihnen befindet sich folgende weitere Inschrift: 1530 etc. † Eleonora v. Plieningen, eine v. Weldenburg geb., Yttelhannsen v. Plieningen eliche Hausfraw; 1534 † Eyttelhans von Plieningen zu Schaubeck. Am Denkmal selbst steht die Jahrszahl 1525.

Neben diesem Denkmal stehen zwei geharnischte Ritter (zwei Brüder); der eine mit der Aufschrift: der edel und vest Sebastian v. Plieningen zu Hohenstein Fürstl. Württemb. Stallmeister, geb. 1557, gest. 1597 durch einen unversehenen schnellen Fall todter verschieden etc.; über dem andern steht: der edel und vest Christoff v. Plieningen zu Hohenstein, geb. 1566, gest. 1599 etc.

| Die Baulast der Kirche hat die Gemeinde zu 2/3 und die Stiftung zu 1/3 zu bestreiten.

Der Begräbnißplatz, welcher ursprünglich um die Kirche lag, ist längst außerhalb (östlich) des Orts verlegt.

Zunächst der Kirche steht das stattliche, zweistockige Pfarrhaus mit Hof und Garten; die Unterhaltung desselben liegt der Stiftungspflege ob.

Das ebenfalls der Kirche nahe gelegene, gut erhaltene Rathhaus mit Thürmchen und Glocke auf dem First wurde, nachdem das frühere abgebrannt war, im Jahr 1806 wieder aufgebaut; es enthält, außer den Gelassen für den Gemeinderath, zwei Schulzimmer und die Wohnung für den Schulmeister. Eine Industrieschule ist vorhanden.

Überdieß gehören der Gemeinde zwei Armenhäuser und ein Backhaus.

Das Rentamtsgebäude, das Schafhaus und die Kelter mit 3 Bäumen und 2 mechanischen Pressen sind Eigenthum der Gutsherrschaft.

Das ehemalige v. Gaisberg’sche Schloß, das sog. mittlere Schloß, befindet sich jetzt in Privathänden.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 5 laufende, 2 Pump- und 2 Schöpfbrunnen; nur in ganz trockenen Jahrgängen versiegen die Brunnen im oberen Ort, während die im untern Ortstheil nicht beeinträchtigt werden. Auch befindet sich außerhalb des Orts am sog. Schloßrain eine starke, nie versiegende Quelle.

Eine Wette ist im obern Dorf angelegt und ein kleiner See liegt östlich vom Ort, dessen Ablauf als ein ganz unbedeutender Bach durch das Dorf, und unterhalb desselben in die Bottwar fließt.

Unter den Einwohnern, die im allgemeinen gesund und kräftig sind, giebt es nur wenig vermögliche; der wohlhabendste Bürger besitzt hier nur 34 Morgen, die mittelbegüterte Klasse 22 Morgen und die geringste und zahlreichste 1–2 Morgen Grundeigenthum.

Armenunterstützungen hat die Gemeinde gegenwärtig 8–900 fl. jährlich zu reichen. Wenn einmal die namhaften Ablösungssummen getilgt sind, dann wird sich, bei dem Fleiße und der eingezogenen Lebensweise der Einwohner, der Wohlstand voraussichtlich heben und dem der Nachbarorte mehr gleich kommen. Im Eigenthum der Gutsherrschaft, des Freiherrn von Brusselle-Schaubeck, steht mehr als der vierte Theil der Markung (s. unten.)

Die Haupterwerbsquellen der Einwohner bestehen in Feldbau,| Viehzucht und vorzugsweise in Weinbau; von den Gewerben sind außer den ganz gewöhnlichen Handwerkern drei Schildwirthschaften und zwei Kramläden zu nennen.

Die nicht große Markung hat, soweit sie für den Acker- und Wiesenbau benützt wird, eine ziemlich ebene Lage und einen fruchtbaren Boden, der größtentheils aus Lehm und in geringerer Ausdehnung aus den Zersetzungen der Lettenkohlengruppe (Schlaisboden) besteht. An den ziemlich stark geneigten Gehängen wird der Weinbau auf den Zersetzungen des Keupermergels und theilweise des Keuperwerksteins mit bestem Erfolg getrieben. Zwei Kalksteinbrüche und eine Lehmgrube sind vorhanden.

Hagelschlag kommt ziemlich häufig vor, ebenso Frühlingsfröste, welche, weil die Vegetation sehr frühe thätig wird, um so mehr schaden.

Der Zustand der Landwirthschaft ist im allgemeinen ein sehr befriedigender und hält unter Berücksichtigung der ökonomischen Verhältnisse jede Vergleichung mit den Nachbarorten aus. Einen besonders günstigen Einfluß übt auf die Landwirthschaft, namentlich auch auf den Weinbau, der rationelle Betrieb des gutsherrlichen Guts.

Der Ackerbau wird mit Gebrauch des Brabanter- und des Wendepflugs im Dreifeldersystem umsichtig getrieben; man baut die gewöhnlichen Getreidearten und in der beinahe ganz angeblümten Brache Kartoffeln, Futterkräuter, Welschkorn, Angersen, Zuckerrüben, Hirsen, Wicken, Hanf, etwas Reps und Taback. Bei gewöhnlicher Aussaat erträgt ein Morgen an Dinkel 9–10 Scheffel, an Haber 5–6 Scheffel, an Gerste 4–5 Scheffel, an Weizen 4 Scheffel und an Wicken 4 Scheffel. Die Preise eines Morgens bewegen sich von 200–800 fl. Von den Getreidefrüchten werden über den eigenen Bedarf ziemlich viele im Ort und nur ein kleiner Theil auf dem Backnanger Markt verkauft.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen sind größtentheils gut; sie werden nicht bewässert und ertragen durchschnittlich 20 Centner Heu und 10 Centner Öhmd vom Morgen. Der höchste Preis eines Morgens Wiese beträgt gegenwärtig 800 fl., der mittlere 600 fl. und der geringste 400 fl.

Der Weinbau ist sehr beträchtlich und bildet die Haupterwerbsquelle der Einwohner; die Weinberge liegen mit wenig Ausnahme an den südlich geneigten Abhängen des Bergs Bönning und werden in der gewöhnlichen Weise mit vieler Sorgfalt gebaut. Auf den Morgen pflanzt man 3200 Stöcke, die nur in den niederen Lagen| den Winter über bezogen werden; die vorherrschenden Sorten sind Drollinger, Elblinge, Silvaner, Affenthaler und nur wenig schwarze Rißlinge. Zu den besten Lagen rechnet man die Hohberge, den Mönchsberg und die Kelternweinberge. Der Wein, meist von dunkelrother Farbe, zuweilen auch ein sog. Schiller, gedeiht hier ausgezeichnet und ist als besonders zart und gewürzhaft bekannt, daher auch die Champagnerfabrik in Eßlingen hier namhafte Aufkäufe macht. Die besseren Lagen sind nicht sehr ergiebig, was sich übrigens durch die höheren Preise, welche erzielt werden, wieder ausgleicht; in den günstigsten Jahrgängen steigt der höchste Ertrag eines Morgens nicht über 6 Eimer. Die Preise eines Eimers waren in den Jahren: 1857 60–75 fl., 1858 36–50 fl., 1859 42–55 fl., 1860 20–26 fl., 1861 58–76 fl., 1862 58–74 fl., 1863 40–70 fl., 1864 40–50 fl., 1865 70–91 fl. Die in den gutsherrlichen Weinbergen erzeugte Weine werden stets um bedeutend höhere Preise verkauft. Ein Morgen Weinberg wird in den besten Lagen mit 800 fl., in den mittleren mit 600 fl. und in den geringsten mit 400 fl. bezahlt. Die Weine finden ihren Absatz vorzugsweise nach Stuttgart, Tübingen, Rottenburg etc.

Die Obstzucht ist von Belang, namentlich besitzt die Gutsherrschaft sehr ausgedehnte Obstgärten mit edlen Obstsorten, von welchen in günstigen Jahren eine große Menge verkauft wird. An den Straßen und in den übrigen Obstgärten werden vorzugsweise Mostsorten gepflegt, deren Ertrag größtentheils im Ort verbraucht, in günstigen Jahren auch theilweise als Most nach Außen abgesetzt wird. Eine Baumschule hat die Gutsherrschaft angelegt.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden, überdieß steht das Weiderecht auf der ganzen Markung der Gutsherrschaft zu, welche auch den Pferch entweder selbst benützt oder verkauft.

Die Pferdezucht ist ganz unbedeutend, dagegen die Rindviehzucht, welche sich mit einem tüchtigen Neckarschlag beschäftigt, in gutem Zustande und wird, so weit es der Mangel an Wiesen und die ökonomischen Verhältnisse der Einwohner erlauben, als eine nicht unergiebige Erwerbsquelle mit großem Eifer betrieben, wobei sie in der Haltung sehr guter Zuchtstiere, welche der Gutsherrschaft obliegt, nicht unbedeutende Unterstützung findet. Auf benachbarten Märkten kommt in mäßiger Ausdehnung Vieh zum Verkauf.

Die Schäferei ist an einen Schäfer, welcher 200 Stücke deutsche Bastarde den Winter über laufen läßt, um 300 fl. verpachtet; die Wolle wird auf dem Heilbronner Wollmarkt abgesetzt.

| Die Schweinezucht, wie auch die Haltung von Schweinen ist unbedeutend; zur Nachzucht hat die Gutsherrschaft die Verpflichtung einen Eber zu halten, da aber meist nur 2 Mutterschweine im Ort sind, so hat sie gegenwärtig keinen Eber aufgestellt.

Von einigen unbemittelten Familien werden Ziegen der Milch wegen gehalten und von dem gezogenen Geflügel wird nur ein kleiner Theil verkauft.

Die Zucht der Bienen ist ganz unbedeutend.

Die Gemeinde besitzt nur 44 Morgen Waldungen, deren jährlicher in etwa 100 fl. bestehender Ertrag zu Gemeindezwecken verwendet wird; außer dieser Einnahme hat die Gemeinde kein Vermögen und ist daher genöthigt jährlich 2200 fl. Gemeindeschaden umzulegen.

Auf Veranlassung des früheren Pfarrers Kieser und des verstorbenen Rentamtmanns Zeller entstand am 1. Januar 1802 eine Stiftung, die sogenannte Ortsarmenkasse[1]. Jeder Einwohner des Orts mußte sich verbinden, 10 Jahre lang am Jahresfeste (1. Januar) für sich und jeden der Seinigen einen Kreuzer und noch überdieß den ersten und letzten Beitrag doppelt zu bezahlen. Diese Stiftung erstarkte, namentlich auch durch Legaten von Seiten der gutsherrschaftlichen Familie und ist nun zu einem Kapital von etwa 4000 fl. herangewachsen; die jährlichen Zinse aus demselben werden zur Hälfte zum Fonds geschlagen, die andere Hälfte aber zur Unterstützung armer, schwächlicher oder verunglückter Personen und armer Waisen verwendet.

Auch besteht eine Schulstiftung im Betrag von 545 fl. von ehemaligen hiesigen Gutsherrschaften mit der Bestimmung gegründet, daß von den Zinsen das jährliche Schulgeld für 15 arme Kinder bestritten werden soll.

Etwa 1/16 Stunde südlich vom Ort liegt sehr freundlich an der Landstraße, oben an dem Abhange gegen das Bottwarthal, das Schloß Schaubeck[2] mit seinen großartigen Ökonomiegebäuden und der Pächterwohnung, welche einen sehr namhaften Hofraum einschließen; weit gedehnte Baumgüter und sehr schöne Gartenanlagen mit Bassin und Springbrunnen umgeben das Schloß und den zu ihm gehörigen Gebäudekomplex. In dem Hof ist ein schöner Brunnen, der herrliches Wasser in Fülle liefert. Das Schloß selbst, ein großes,| vierstockiges, massiv erbautes Gebäude, enthält gepaarte Fenster und ist mit einem Walmdach versehen; es bildet ursprünglich zwei beinahe parallel laufende Flügel, die an der Südostseite durch einen Querbau, an der Nordwestseite durch ein Thor verbunden wurden, und einen kleinen Hofraum, den inneren Schloßhof, umschließen, von dem aus ein spitzbogiger Eingang in den nördlichen Schloßflügel führt; an dem gleichen Flügel befindet sich auch ein im Renaissancestyl gehaltener rundbogiger Eingang, über welchem die Jahrszahl 1621 angebracht ist. Das Schloß, die Nebengebäude und die Gartenanlagen ließ der gegenwärtige Gutsherr, Freiherr v. Brusselle-Schaubeck, der hier seinen Wohnsitz hat, nicht nur namhaft verschönern und vergrößern, sondern noch einzelne Gebäude, namentlich ein geschmackvolles Gewächshaus neu erbauen. Zu dem Schloß gehört ein etwa 472 Morgen großes Gut (203 Morgen Äcker, 183 Morgen Wiesen und Gärten, 44 Morgen Weinberge, 42 Morgen Wald), das mit Ausnahme der Waldungen und der Weinberge, theils an Bürger, theils an einen Beständer in Pacht gegeben ist; letzterer bewirthschaftet in 7 Rotationen sehr rationell den in etwa 100 Morgen bestehenden zusammenhängenden Theil des Guts und hat einen sehr schönen Viehstand aufgestellt, der in 35 Stück Melk- und Schmalvieh von Allgäuer-, Simmenthaler- und Holländerrace, 2 paar Ochsen, 4 Simmenthaler Farren und 6 Pferden besteht. Eine zum Schloßgut gehörige Ziegelhütte hat der Beständer, und eine ebenfalls im Eigenthum des Gutsherrn stehende Mühle mit 3 Mahlgängen, einem Hirsengang und einem Gerbgang ein Ortsbürger gepachtet.

Zu der Gemeinde gehört ferner:

Der Forsthof, welcher nur aus einigen Häusern besteht und 1/4 Stunde östlich vom Mutterort auf der Anhöhe frei und angenehm liegt. An demselben zieht die ehemalige von Steinheim herkommende Römerstraße vorüber.

Klein-Bottwar wird im Jahr 1245 als Botebor inferius bezeichnet in der Bulle P. Innocenz IV., worin er dem Stift Backnang seinen hiesigen Besitz bestätigte, im J. 1255 als minus Botebor (Besold Virg. 366). Die Geschichte des einst zum Kanton Kocher gehörigen ritterschaftlichen Orts folgt unten bei Schaubeck, dessen jeweilige Besitzer K. B. innehatten. – Bei der Steuerrenovation des Kantons Kocher von 1759 wurde die Steuer von 66 fl. 22 kr. auf 78 fl. 16 kr. erhöht.

Einzelne Güter besaß immerhin Württemberg, namentlich auch eine Kelter und verschiedene Wein- und Geldgefälle (Reyscher 479).

| Im J. 1850 kam der Ort aus der dritten Klasse der Gemeinden in die zweite.

Die Kirche war bis 1499 Filial von Steinheim, wurde aber nun durch einen Vertrag des Klosters mit Dieterich und Eitel-Hans von Plieningen davon getrennt, da diese und die Gemeinde versprachen, den Pfarrer selbst zu besolden und dem Kloster seine, zu der Pfarrei Steinheim gehörigen Zehnten und Zinse zu lassen.

Das Patronat war von jeher ortsherrschaftlich.

Schaubeck (alt Schobegge. Mone Zeitschr. 4, 456) gehörte ursprünglich der sich hienach nennenden Adelsfamilie unter gräflich vaihingischer, seit dem 14. Jahrh. unter württembergischer Oberlehensherrschaft. Ihr Wappen war ein rechter Schrägbalken (Mone a. a. O.). Sie tritt 1297 in die Geschichte ein mit Berthold und Albert Gebrüdern (Kl. Steinheimer Urk.); darauf folgt Berthold (1311) mit seinem Sohne Rugger (Rüdiger). Heinrich erscheint 1345, Bruder eines Ruggers, und Wolfs von Sch., welch letzterer 1362 als Rath Graf Ulrichs von W. vorkommt (Steinhofer 2, 339). Ein Antheil an Sch. war zeitweilig im Besitz Wiprechts von Tanne, welcher solchen von Graf Eberhard dem Greiner von W. erhielt als ein auf Ableben Rüdigers von Sch. heimgefallenes Lehen, wogegen er am 22. Nov. 1374 dem Grafen das Öffnungsrecht der Burg Insingen bei Rottenburg a. d. T. verschrieb (Sattler Gr. 1, Beil. Nr. 155). Konrad von Sch., welcher um 1412 den Mannsstamm seines Geschlechtes beschloß, verkaufte 1392 mit seinem Bruder Johann für 630 Pf. H. die Burg Sch. mit Zugehör an Hans von Urbach, welchen Württemberg damit belehnte.

Dieser Hans trug den 16. Aug. 1406 die halbe Vogtei und Gericht in Kleinbottwar an Württemberg für Eignung anderer Güter zu Lehen auf. Von ihm gelangte das Lehen an Hans Hack von Hoheneck (belehnt 1435). Dieser verkaufte es 1438 an Hans Truchseß von Stetten. Bald darauf kam dasselbe an die von Kaltenthal und von diesen an die von Nippenburg. Bereits am 20. Dec. 1480 belehnten die Grafen Eberhard von Württemberg Dietrichen von Plieningen mit der halben Vogtei zu Klein-Bottwar und mit der Burg Sch., worauf sich solcher Besitz in der Plieningischen Familie vererbte. Durch Übereinkunft mit Herz. Eberhard III. vom 10. Mai 1641 erhielt Eitelhans von Plieningen (der letzte seines Stammes, gest. 1641 oder 1642) das genannte Lehen als freies Eigenthum, wogegen er das Gut Hohenstein Lehen und Eigenes an W. abtrat (Hoffmann, De approbriatione feudor. p. 52). Dieser Plieningen| hatte drei Töchter, Maria Agnes († 1686), seit 1649 Gemahlin Sebastians von Gaisberg auf Schnaith († 1675), Anna Catharina vermählt mit Johann Caspar Megenzer von Veldorf und Ursula Gattin Wolf Friedrichs von Eltershofen, welche alle drei sich in den väterlichen Besitz theilten. Sebastian von Gaisberg aber kaufte den 4. Dec. 1663 von den Vormündern der 2 Töchter genannten Megenzers, Gottliebin Catharine und Sophie Barbara, 1/4 an Klein-Bottwar, Warthof und Hezelberg. Auch dieser Eltershofische Antheil kam nicht lange nachher an die von Gaisberg, in deren Hände somit sämtlicher ehemals Plieningische Besitz gelangte und unter denen er mehrmals sich vererbte. Aber Karl Johann Heinrich von Gaisberg würt. Kammerherr und Oberforstmeister (geb. 1718, gest. 1783), verkaufte den 2. Juli 1751 einen Theil von Klein-Bottwar und Schaubeck für 450 fl. Pension an den Herzog Karl von Württemberg. Den Eltershofischen Antheil an beidem hatte erhalten seine Schwester Elisabeth Marie Charlotte von Gaisberg (geb. 1720, gest. 1772), seit 1741 Gemahlin des französischen Hauptmanns von Haindel, ihn jedoch bereits den 18. April 1749 für 150 fl. Pension gleichfalls an Herzog Karl von Württemberg veräußert.

Einen Rest erwarb den 30. Jan. 1765 Eberhard von Kniestädt (ein verdienter württembergischer Staatsmann, zeitweiliger Kammerpräsident, † 1794) von dem genannten Karl Johann Heinrich von Gaisberg, und im Verein mit seinen Brüdern Christian Wilhelm und Ludwig Friedrich Alexander erkaufte er von dem Herzog Karl Eugen den 17. Oct. 1765 für 42.000 fl. und ihren Antheil an Heutingsheim auch das übrige von Schaubeck und Klein-Bottwar mit hoher und niedriger Obrigkeit und Jagd, dem reichslehnbaren Blutbann, Umgeld, Patronatrecht und Zehnten.

Diese drei Brüder starben unvermählt und vererbten solchen Besitz auf Karl Ludwig von Kniestädt, badischen Geheimen Rath, † 1815 (Sohn ihres vor ihnen verstorbenen Bruders) und nach dessen Tode auf den Sohn ihrer Schwester Eberhardine Louise, Franz Karl Eberhard von Schacht, † 1817 (seit 1815 genannt v. Schacht-Schaubeck), dessen Vater bereits den Namen und das Wappen von Kniestädt angenommen hatte. Als dessen Enkel Karl 1853 unvermählt gestorben, kam Schaubeck nebst dem kniestädtischen Antheil von Kleinbottwar einschließlich des Kirchenpatronats an dessen mütterliche Oheime, die Freiherren Joseph und Felix Friedrich von Brusselle, von denen der letztere, k. k. österreichischer Oberst und Kämmerer a. D., dem älteren Bruder dessen Hälfte 1856 abkaufte und nunmehr Alleinbesitzer ist.

| Ein Patrimonialgericht bestund, wie in ähnlichen ritterschaftlichen Orten, bis zum J. 1809.
  1. Zeller, Rentamtmann, die Armenkasse zu Klein-Bottwar, und die Familie von Kniestedt. Stuttgart, 1818. 8.
  2. Das „b“ in dem Namen ist wohl Rest des „w“. Das Volk sagt z. B. grueben statt geruowen.
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