Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 39

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39. Rüsselhausen,
Dorf III. Klasse mit 223 Einw., worunter 1 Kath., evang. Filial von Pfitzingen. Die Kath. sind nach Apfelbach eingepfarrt.


Im reizenden Aspachthälchen, wo Weinberge und Waldhügel den obstreichen Wiesengrund säumen, liegt das Dörflein mit seiner frühgothischen Kirche am lauteren Aspach, den Erlen und Weiden dicht umschatten; ein Bild, wie gemacht für einen Landschafts-Maler. –

Die Kirche hat einen breiten Ostthurm mit Satteldach, im Westgiebel ein schönes Maßwerksfensterchen und auf dem Giebel ein zierliches Steinkreuz; die übrigen Fenster sind viereckig verändert. Das innen den Chor bildende erste Geschoß des Thurmes, mit altem gothischem Altartisch, wird von einem hohen Rippenkreuzgewölbe mit Rosettenschlußstein übersprengt; links ein auch frühgothisches steinernes Sakramenthaus, im Chorfenster ein Glastäfelchen:

Gottlieb Kress von Nassaw Anno Domini 1649.

Von den zwei kleinen Glocken ist die größere gegossen von König 1860, die andere, mit gothischem Fries umzogene, hat die Inschrift: anno domini MCCCCXXIII (1423). amen.

Die nördlich an den Thurm angebaute Sakristei ist ebenso alt wie die Kirche. Der Pfarrer von Pfitzingen hat jährlich an fünf Sonntagen Gottesdienst und Kinderlehre und viermal das Abendmahl zu halten. Der Begräbnisplatz liegt außerhalb des Orts.

Das Schulhaus, mit Lehrerwohnung, wurde 1841/42 erbaut, ein Armenhaus besteht.

Gutes Trinkwasser liefern stets hinreichend ein laufender und 8 Pump- oder Schöpfbrunnen, auch die Markung ist reich an Quellen, die bedeutendste fließt in der Nähe des Orts.

Die Vicinalstraße von Pfitzingen nach Markelsheim, und weiter nach Mergentheim, führt durch den Ort. Zwei steinerne Brücken gehen über den Aspach.

Die Vermögensverhältnisse gehören zu den mittleren; der größte Grundbesitzer hat 60 Morgen Feld und 10 Morgen Wald, der Mittelmann 25 Morgen Feld und 4 Morgen Wald, die ärmere Klasse 5 Morgen Feld und 1 Morgen Wald. Die| Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Weinbau und Viehzucht. Der Boden ist meist mittelfruchtbar, das Klima mild, doch sind Frühlings- und Herbstfröste nicht selten; auch wird die Markung von Zeit zu Zeit von Hagelschlag getroffen.

Der Landwirthschaft, deren Betrieb jedoch wegen der bergigen Lage schwierig ist, wird eifrig obgelegen; nach außen können noch jährlich 100 Schffl. Dinkel und 200 Schffl. Gerste verkauft werden. Der Wiesenbau ist nicht ausgedehnt, doch sind die Wiesen dreimähdig und geben ein gutes Futter; es wird solches noch von außen zugekauft.

Der Weinbau ist verbreitet, am häufigsten baut man das süßrothe Gewächs, die besten Lagen sind am Osterberg; der Obstbau nimmt zu, wiewohl die Bäume oftmals durch Fröste nothleiden.

Die Gemeinde löst aus ihrem Waldbesitz jährlich 200 fl., aus der Brach- und Stoppelweide 350 fl., aus dem Pferch 250 fl., aus Güterstücken 15 fl.

Die Rindviehzucht, Kreuzung zwischen Heilbronner und Simmenthaler, ist in gutem Zustand; von Schafen, Landrace, laufen Sommers 250, Winters 150 Stück auf der Markung. – Im Aspach gibt es Forellen, das Fischrecht hat Hohenlohe-Bartenstein.

Es besteht hier eine besondere Stiftung, die Schuler’sche mit 300 fl. für Arme und Kranke; die für kirchliche Zwecke beträgt 2000 fl.


Rüsselhausen, alt Rusilt – Rusiln – Rusilhusen. d. h. Behausung eines Rusilo, hatte im 13. Jahrhundert eigenen Adel und war später, die Schicksale von Herrenzimmern theilend, Hohenlohisch.

1273. Hermannus de Rusilnhusen. Wib. 4, 110.

1283. Hermannus de Rusilthusen (!) Rusilhusen Zeuge in 2 Dürner Urkunden. W. F. 1847, S. 22 f.

1399. Der Johanniter-Komthur und der Pfarrer zu Mergentheim verkaufen an den Pfarrer von Rüsselhausen Ulrich Fleckenstein und dessen Schwestern ein Seelgeräthe in der Pfarrkirche von Mergentheim zu singen um 71 fl. Gold. W. F. 8, 276.

1410. Albrecht v. Hohenlohe sagt mit Herrenzimmern (s. o.) auch Rüsselhausen dem DO. zu Lieb vom Lehensverband los. W. F. 4, 223.

1423. Reinhard v. Ussigheim wird von Hohenlohe mit dem Schloß Weiprechtzimmern sammt den Weilern Zimmern und Rüsselhausen, so er von dem DO. gekauft hat, belehnt. W. F. 5, 481. Und so nach ihm seine Nachkommen bis 1515. Ebend.

| 1426. Reinhard v. Ussigheim wird von Hohenlohe mit den Kirchsätzen zu Rüsselhausen und Zimmern belehnt. Wib. 1, 131. 175. W. F. 4, 424.

1450 an St. Erhardstag ziehen die Rothenburger gen Herrenzimmern, (s. d.) verbrennen den Vorhof sammt dem Dorf und Rüsselhausen. Wib. 1, 175.

1496. Andres Vetter zu Rüsselhausen Gerichtsmann zu Herrenzimmern. W. F. 5, 480.


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