Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 41

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41. Schmerbach,
Evang. Pfarrdorf III. Klasse, mit 297 Einw., worunter 1 Israelit.


Der hübsche wohlhabende Ort liegt um die Quelle des Schmerbaches in dem schönen stillen Thal, aus dem Pappeln und Tannen und zahlreiche Obstbäume ihre Wipfel wogend zusammendrängen. Die Häuser haben zum Theil rothes Balkenwerk, die Scheunen sind alle von Stein. An einem Hause steht:

Alle die mich kennen,
Denen geb Gott, was sie mir gönnen.

Zwei Häuser auf der linken Thalseite blieben beim großen Brand im Jahr 1645 stehen; an einem sieht man die Jahreszahl 1583.

Die auf der rechten Thalseite im Friedhof erhöht stehende Kirche bildete einst mit diesem eine wirkliche Veste, ein bedeutendes Bollwerk der Rothenburger. An der Ostseite des Kirchhofes standen zwei starke viereckige Thürme und eine zwei Stockwerke hohe Mauer mit Schießscharten, von der noch Reste erhalten sind, lief ringsumher, im Westen stand dann eine Art Schlößchen, das jetzige Schulhaus. Die Kirche (Johanniskirche) wurde in den Jahren 1872/73 vom Staat, der die subsidiäre Baulast hat, in einfachem schönem gothischem Stil neu erbaut, nach Entwürfen von Oberbaurath v. Landauer durch Bauinspektor Pflüger in Hall. Am Westportal steht: Jesus Christus gestern und | heut und derselbe auch in Ewigkeit. 1872. Der früher im Osten gestandene alte Thurm steht jetzt an der Nordseite der Kirche und endigt in ein achtseitiges Zeltdach; seine drei neuen Glocken sind von Kirchdörffer in Hall gegossen. Der Chor schließt geradlinig. In der Sakristei, die sich jetzt in dem früher gewölbten Erdgeschoß des Thurmes befindet, sieht man ein altes halblebensgroßes hölzernes Kruzifix und ein Ölbild des M. Joh. Valentin Stegmayer, geb. 1689, gest. den 21. Dezember 1756; neben seinem Brustbild ein Kruzifix.

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Der früher mit einem Portal sich öffnende Friedhof wurde 1870 erweitert, das vom Staat zu unterhaltende Pfarrhaus 1841/42 neu aus Stein erbaut. Das Schulhaus (s. o.) wurde 1833 um einen Stock über seinem alten sehr hohen unteren ganz steinernen Geschoß erhöht, enthält auch die Wohnung des Schulmeisters und zeigt noch eine Pforte und Fensteröffnungen im Renaissancestil. Das Rathszimmer befindet sich im Wirthshaus. Außerhalb des Orts gegen Blumweiler steht auf der Höhe am Kreuzweg, der eine schöne Aussicht bietet, ein alter Bildstock, das „Hohkreuz“, 12 Fuß hoch aus einem Kornstein und mit der Jahreszahl 1514. Eine Merkwürdigkeit, halb landschaftlich halb alterthümlich, ist auch die sog. „Hundskirche“, eine Viertelstunde südöstlich vom Ort, auf dem „Ochsenwasen“, wo ein alter Birnbaum steht, eigentlich schon auf Ober-Rimbacher Markung. Jetzt nichts mehr als ein tiefer Erdfall, doch scheint dieselbe ursprünglich von Menschenhand in den Sandstein gehöhlt worden zu sein, nun ist Alles verwachsen mit Waldbäumen und Sumpfgewächsen; 80–90 Schritte weiter oben fließt eine in Stein gefaßte Quelle, von einer großen rauhen Sandsteinplatte gedeckt. Die Quelle spärlich, aber nie versiegend, auch in den trockensten Sommern nicht, ihr Wasserlauf geht in die Hundskirche, dort herabtriefend und leise versickernd. Nördlich von der Hundskirche auf leichter Anhöhe der „Burgstall“, wo vor Zeiten ein Ort gestanden sei. An der Hundskirche selbst wurden schon drei weiße Fräulein gesehen. Nach W. F. II. H. 1. S. 102 f. war es „eine stockwerktiefe in den Felsen gehauene Vertiefung, unten weiter als oben, so daß gewissermaßen Steinsitze in derselben sich befinden, vom lebendigen Felsen überdacht. Gegen Süden erblickt man den Anfang eines Ganges im Felsen gehauen, der nicht horizontal, sondern sogleich in die Tiefe führt, wie es scheint. Eine ziemlich sichtbare Öffnung von 31/2–4 Fuß Breite soll nach der Aussage| der ältesten Männer in Blumweiler zu einem Gang in die Tiefe führen, welchen sie selbst in jungen Jahren an 30 Schritt weit verfolgt haben wollen, bis ihnen ein Schrecken ankam. Diese Felsenöffnung scheint mit einem gewaltigen, zugehauenen Felsblock verschlossen gewesen zu sein, der jetzt nicht weit davon aufrecht steht.“ Nach der Volkssage liegt da unten der „schwarze Hund auf dem Schatz“. Nach einer andern Sage sollen hier Hunde geopfert worden sein. Der ganze Bezirk mit dem geheimnisvollen (halb verschütteten) Höhlenraum, der unversieglichen Quelle, und dem alten Birnbaum, in der Nähe die breite Hochfläche des „Burgstalls“, wo aber Nichts mehr zu finden ist in der dichten Waldung, deutet auf uralten Lager- und Opferplatz. Im Burgstall befindet sich auch eine Höhle, die zuerst trichterförmig wie ein Erdfall beginnt und dann sich noch weit unter dem Boden fortsetzen soll. In der Nähe die Fluren „Belzer“ und „Renkeloh“.

Gutes Trinkwasser liefern stets hinreichend die mitten im Ort gelegene in Stein gefaßte überwölbte Quelle des Schmerbaches, mit den Jahreszahlen 1613 und 1823, dann 11 Pumpbrunnen, die zum Theil eine Tiefe von 95 Fuß erreichen. Eine Zufahrtsstraße führt von hier auf die Mergentheim-Rothenburger Staaatsstraße.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut, der größte Grundbesitzer hat 75 Morgen Feld und 10 Morgen Wald, der Mittelmann 30–40, die ärmere Klasse 5–10 Morgen Feld. Die Haupterwerbsquellen sind Feldbau und Viehzucht.

Der Boden, meist Lehmboden, ist mittelfruchtbar; in den Eintiefungen schwer, tiefgründig, gegen Schonach hin mitunter naß, auf den Höhen seicht und steinig. Steinbrüche im Kornstein, die gute Werksteine liefern, sind nahe beim Ort; die Steine werden auch nach auswärts abgesetzt, so ist der Eisenbahntunnel bei Niederstetten ganz aus Schmerbacher Steinen erbaut worden.

Das Klima ist im allgemeinen ziemlich rauh, auch die Sommernächte sind kühl, im Frühling kommen schädliche Fröste vor; Nebel sind selten, dagegen starke Winde häufig. Von Hagel wird die Markung blos gestreift; eine Wetterscheide befindet sich am Wald beim Lichtler Landthurm.

Die Landwirthschaft hebt sich noch immer, verbesserte Ackergeräthe sind beinahe allgemein. Von Getreidefrüchten können noch nach außen verkauft werden 50 Scheffel Roggen, 80 Scheffel | Dinkel, 100 Scheffel Gerste, 100 Scheffel Haber und 30 Scheffel Weizen. Von Futterkräutern, deren Anbau ziemlich bedeutend ist, baut man hauptsächlich Luzerne, Wiesenklee, Esparsette, Futterwicken. Der Wiesenbau ist nicht sehr ausgedehnt, das Futtererzeugnis nicht besonders; die Wiesen sind zweimähdig, 15 Morgen können bewässert werden.

Die Obstzucht ist beschränkt, nimmt aber zu, man pflegt meist Luiken und Zwetschgen.

Die Weide, 31 Morgen, wird von den hiesigen Grundbesitzern, die auch den Pferch haben, benützt; die Allmanden, größtentheils mit Obstbäumen bepflanzt, tragen der Gemeinde jährlich 60–150 M. ein, verpachtete Güterstücke 230 M.

Die Rindviehzucht und -Mastung ist bedeutend, ein Simmenthaler Farren ist aufgestellt. Private lassen im Sommer 400, im Winter 300 Stück Bastardschafe auf der Markung laufen. Auch die Geflügelzucht, Hühner und Gänse, ist beträchtlich, und es werden namentlich viele Gänse verkauft.

Im Ort, im sog. Zwinger, soll eine Beguinenklause gestanden sein. Auf dem Schloßberg sei ein Schloß gestanden. Über die „Hundskirche“ s. oben.


Schmerbach, alt Schmerenbach (Bach an welchem Schmerbäume stehen?) hatte wohl eigenen Adel, kam aber seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts schon aus mehreren Händen allmählig an Rothenburg, welchem 1605 Hohenlohe seine Unterthanen abtrat und bei welchem es bis zu den großen Umwälzungen im Beginn unseres Jahrhunderts geblieben ist. Der Ort leistete 56 Dienste und stellte 10 Wagen. Der Zehnten gehörte dem Frauenkloster zu Rothenburg. Eine Beguinenklause daselbst (vgl. Markelsheim) erwähnt Bensen Rothenburg S. 553.

Pfarrer: Walter Spelter, zugleich Kaplan in Rothenburg 1441. Barth. Regner (Reisner?) 1544. M. Johs. Schopff von Schmerbach 1548. Dan. Häuser 1562. Veit Kordner 1571. Ge. Neser 1604. Christi. Jacobi 1608. M. Herm. Knauß 1634. (1642–62 versehen die Pfarrer von Lichtel zugleich Schmerbach und Spielbach). Joh. Hein. Pfeiffer 1662. Ant. Hornung 1679. Joh. Ad. Albrecht 1695. Dan. Furkel 1706. Dav. Christof Fuchs 1719. M. Joh. Val. Stegmaier 1729. Nikol. Fried. Ernst Röhel 1757. Joh. Christi. Anschütz 1785. Ge. Christi v. Berg 1796. Joh. Mich. Wilh. Beck 1815. Imm. Gottli. Kelber 1824. Ernst Lud. Mutschler 1843. Adolf Schüz 1864. Jul. Schreiber 1873.

| 1214 miles Berhtoldus de Smerenhich (soll wohl bach heißen) Zeuge in einer Kloster Bronnbacher Urkunde. OR. 16, 311.

1274. H. de Smerenbach Cisterzienser im Kloster Bronnbach. OR. 4, 426.

1285. Irmegardis Ungeuuonia in Smerenbach stirbt 15. Juli. Nekrol. d. Kl. Bronnbach. Arch. d. H. V. in U.Franken. 21, 117.

1301. Der Kämmerer Seifried verkauft seinen Zehnten in Schmerbach den Dominikanerinnen in Rothenburg. Winterbach Rothenb. 2, 82.

1325. Ofmya v. Tuvers, Witwe des Andreas v. Brauneck, verkauft an das DO.shaus zu Virnsberg (BA. Ansbach) Güter zu Smerenbach u. A. W. F. 7, 28.

1364. Kraft v. Gattenhofen, ein Edelknecht, so zu Bernsfelden gesessen, schenkt den Kirchensatz von Schmerbach den Klosterfrauen in Rothenburg. Bensen Rothenb. 463.

1406. Der Rath von Rothenburg verkauft mit andern Theilen der Herrschaft Lichtel auch Eigenthum zu Schmerbach an die Patrizier Hans Spörlein d. Ä. u. d. J. Die Spörlein verkaufen es wieder an Rothenburg 1462 oder 65. W. F. 7, 31.

1412. Die beiden Klausen in Schmerbach und Gemmhagen werden mit dem Frauenkloster in Rothenburg vereinigt.

1492. Die Obley zu Schäftersheim versetzt einen Hof zu Schmerbach an das Kloster Schäftersheim um 100 Gulden.

1526. Die Leute Adams v. Thüngen verbrennen in dessen Fehde mit der Stadt Rothenburg am Samstag vor Pfingsten unter Anderem Schmerbach mit samt der Kirche. Baumann, Quell. z. Geschichte d. Bauernkr. aus Rot. 614.

1560 Mai 31. In Rothenburg wird beschlossen, daß zu der Kirchenvisitation in jeder Vogtei ein Spezial zugeordnet werden soll, und zwar Pfarrer Vogt (?) zu Schmerbach in der großen, Pfarrer Bräutigam zu Adelshofen in der kleinen Landvogtei. Winterbach, Gesch. der Stadt Rothenb. 2, 56.

1561. Dezember 11. Rothenburg befiehlt dem Pfarrer (Häuser) eine Probepredigt zu thun und sich in der Kapelle und Pfarrkirche zu R. mit Lesen und Singen hören zu lassen. Ebend. 57.

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