Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 42

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42. Simmringen,
Kath. Pfarrdorf III. Klasse, mit 122 Einwohnern.


Das sehr wohlhabende und reinliche Dorf liegt mit seinen großen meist steinernen Häusern auf einer kleinen Anhöhe im fruchtbaren Gäu, am Beginn des Grundelbachthälchens. Seine 1670 erbaute, dem h. Martin und Veit geweihte, noch gothische | Kirche steht reizend im schönen mit Denkmälern und Blumen geschmückten ummauerten Friedhof, der hart am Orte liegt. Der vieleckige Chor trägt ein Sterngewölbe, die Fenster sind breitspitzbogig und mit einfachen Maßwerken gefüllt, die Südseite ganz mit Reben überzogen. Am Westeingang steht 1670. Im sehr freundlichen Innern ist der hübsche Hauptaltar neugothisch, auf den Seitenaltären je ein schönes neues Tafelbild, links Maria mit dem Leichnam des Herrn, gemalt von Traub in München 1861, rechts die vierzehn Nothhelfer, oben Christus, unten Simmringen, letzteres eine Kopie des Bildes in Markelsheim; an dem Bilde steht Gg. Haußmann pinxit 1862. Im Chor ein Sakramenthäuschen im Renaissancestil: Urban Schüll Schultheis f. f. Anno 1670. Auf dem Dachreiter hängen zwei Glocken. Die Unterhaltung des Kirchleins ruht auf der Stiftung.

Das einladende Pfarrhaus wurde 1834 erbaut, seine Unterhaltung hat die Gemeinde, die einen starken Baufonds besitzt.

Das 1857 erbaute Schulhaus enthält auch die Lehrerwohnung; das Rathhaus wurde 1867 angekauft. Das Armenhaus ist zugleich Schäferhaus.

Gutes Trinkwasser liefern hinlänglich 22 Pumpbrunnen; eine Wette besteht am Ende des Orts. Die Markung ist ziemlich reich an Quellen, die meist hartes Wasser führen; die bedeutendste Quelle ist der Friedensbrunnen. Die Staatsstraße von Mergentheim nach Würzburg geht durch den Ort.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut; der größte Grundbesitzer hat 140, der Mittelmann 65, die ärmere Klasse 6 Morgen. Feldbau und Viehzucht sind die Haupterwerbsquellen.

Der Boden (meist Lehm) ist mittelfruchtbar, schwer, naßkalt, zum Theil sumpfig, was sich bei den Wiesen durch saures Futter bemerklich macht.

Das Klima ist mehr rauh, die Nächte sind meist kühl, manchmal kommen schädliche Frühlingsfröste und kalte Nebel; die Gegend ist starken Winden ausgesetzt, aber sehr selten dem Hagelschlag. Gewitter sind ziemlich häufig, werden aber oft auch durch nahe Wetterscheiden abgewendet.

Die Landwirthschaft wird sehr gut und zweckmäßig betrieben, verbesserte Ackergeräthe sind eingeführt, beinahe Jedermann bedient sich der Dampfdreschmaschinen. Von den Getreidefrüchten können noch nach außen verkauft werden 370–380 Schffl. | Weizen, der sehr gut gedeiht, 80 Schffl. Roggen, 270–280 Schffl. Gerste.

Vor 15 Jahren war der Repsbau auf der Markung großartig, größere Bauern bauten auf 18–20 Morgen; jetzt wird nur noch wenig gepflanzt.

Der Futterkräuterbau, besonders mit blauem und mit Wiesenklee, ist bedeutend; auch die Kartoffeln gedeihen sehr gut. Der Wiesenbau ist ziemlich ausgedehnt, das Futter mittelmäßig, z. Th. sauer. Die Obstzucht ist nicht bedeutend, aber im Zunehmen, man hat meist Apfel-, Zwetschgen- und Nußbäume.

Aus der Brach- und Stoppelweide und dem Pferch löst die Gemeinde jährlich 1000–1200 M.

Die Rindviehzucht (Simmenthaler, von welchem Schlag ein Farren aufgestellt ist) übertrifft die mancher andern Orte, Viehmastung und Handel mit Vieh, meist nach Bayern, sind beträchtlich; 200 St. Schafe laufen das Jahr über auf der Markung; auch die Schweinezucht (Schweinfurter) ist nicht unbedeutend.

Im „Börzel“ soll ein Schloß gestanden sein, man stößt hier noch auf Mauerreste, früher gieng hier ein feuriger Mann um. – Die „alte Kaiserstraße“, von Frankfurt nach Nürnberg, lief über die Markung.


Simmringen, alt Sumer, Summeringen d. h. Ort eines Sumar (Sommer), scheint Ortsadel gehabt zu haben, (s. 1364, 1395), von welchem es an Kloster Steinach bei Neustadt an der Aisch kam, war dann in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Hohenlohisch und gieng endlich 1295 durch Kauf an Kloster Schönthal über, bei welchem es bis zur Säkularisirung geblieben ist. Zeitweilig waren daselbst auch begütert oder belehnt: Kloster Schäftersheim (1275, 1437), die v. Rosenberg (1341) und v. Dörzbach-Krautheim (1346). Der Ort, an der Hauptstraße von Mergentheim nach Würzburg gelegen, war eine einträgliche Zoll- und Geleitsstätte; Zoll und Geleit, eine Haupteinnahmequelle der kaiserlichen und königlichen Kammer, waren in Simmringen im 14. Jahrhundert an die Herren v. Hohenlohe verpachtet.

Simmringen war Filial von Gaurettersheim; von 1785 an wurde mittelst eines von Gutthätern gestifteten Kapitals, so oft ein Priester zu haben war, vom 1. Novbr. bis 1. Mai ein Vikar gehalten. 1818 wurde Simmringen nach Bernsfelden | eingepfarrt, 1823 endlich unter vielen Opfern der Gemeinde zur Pfarrei erhoben.

Kurat: Franz X. Simon, früher Cisterzienser in Schönthal † 1829. Isidor Stendel 1837. Franz Jos. Schadt 1858. Joh. Ge. Wäscher 1861.

In Simmringen ist geboren am 1. Febr. 1806 Joh. Martin Dux, gestorben als Domkapitular in Würzburg 1875. Er kam 1832 als Kaplan an das Juliushospital in Würzburg, stand dann seit 1839 als Subregens, seit 1841 als Regens dem geistlichen Seminar daselbst vor, einige Jahre zugleich als Privatdozent an der Universität thätig, bis er 1856 zum Domkapitular ernannt wurde, in welcher Stellung er am 4. Dez. 1875 starb. Dux entfaltete nach mehreren Seiten hin eine nicht unerhebliche schriftstellerische Thätigkeit; besonders die kirchengeschichtliche Arbeit: Der deutsche Kardinal Nikolaus von Cusa und die Kirche seiner Zeit. 2 Bde. Regensburg, 1847, sichert seinem Namen ein bleibendes Andenken. Vgl. Henner in der Allg. deutschen Biographie 5, 501 f.


1243. Kloster Steinach (BA. Neustadt a. d. Aisch) verkauft all sein Eigenthum in Sumeringen, ausgenommen die Eigenleute, an Gottfried v. Hohenlohe. U. B. 4.

1275. Williburg v. Hohenlohe, geb. v. Wertheim, verschafft Simmringen (Einkünfte daselbst?) dem Kloster Schäftersheim und bestellt Berthold von Würzburg zum Exekutor und Schirmherrn. (B.)

1295. Kraft v. Hohenlohe, seine Ehefrau Agnes und ihre Söhne verkaufen an das Kloster Schönthal villam nostram in Summeringen u. A. W. F. 1848. II. S. 13.

1335. Kaiser Ludwig verpfändet Geleit und Zoll zu Simmringen und Erlach für 4000 Pfd. Hlr. an Götz v. Hohenlohe. Hanß. 1, 442.

1341. Eberhard v. Rosenberg und Frau verkaufen jährliche 6 Malter Roggen auf ihrem Hof zu Simmringen an Kloster Schönthal um 33 Pfd. Hlr. St.A.

1345. Kraft v. Hohenlohe verkauft Stadt und Herrschaft Röttingen, ausgenommen Simmringen mit dem Geleit und Zoll daselbst und einige andere Orte, an den Bischof von Würzburg. Wib. 1, 133.

1346. Heinrich v. Dörzbach, genannt v. Krautheim, und Frau verkaufen eine Gilt zu Simmringen an DO. W. F. 5, 8.

1346. Ludwig v. Hohenlohe, Reichsrichter zu Rothenburg, verspricht, die Bürger dieser Stadt in Simmringen und Lauda zollfrei passiren zu lassen. Wib. 3, 98.

1347. Kaiser Karl IV. bestätigt Kraft v. Hohenlohe die Geleitsgerechtsame zu Simmringen u. a. O. Wib. 4, 100.

1348. Herzog Friedrich v. Teck, Landvogt und Landrichter in Franken, verspricht, die Bürger von Rothenburg zollfrei durch das | Gebiet zu Simmringen wandeln zu lassen, solange er dieses innehat. Reg. bo. 8, 115. 132.

1364. Das Hochstift Würzburg belehnt den Götz v. Sümeringen „unsern kelner zu Rotenfels“ (BA. Marktheidenfeld) mit heimgefallenen Gütern zu Diepach. Mon. bo. 42, 373.

1395. Götz v. Sumeringen bei Sendelbach und Steinbach (BA. Lohr am Main) begütert. Reg. bo. 11, 30.

1437. Kloster Schäftersheim verzichtet auf einen Acker zu Simmringen. W. F. 5, 230.

1442. Ein Notariats-Instrument bestimmt die Rechte und Gewalt des Klosters Schönthal in Simmringen: Dasselbe ist Herr, hat die Vogtei, dreimal jährlich Gericht zu halten, darf Übelthäter richten, Strafen und Frevel bis 10 Pfd. einziehen, das aus 12 Personen bestehende Ortsgericht einsetzen, Maß und Gewicht bestimmen; Streit wegen der Felder und Hofraiten entscheiden, Untergänger und setzen Steine, wer sie versetzt, muß dem Abt 10 Pfd. und ebensoviel jedem Untergänger zahlen, die Gerichtskosten zahlt der Verurtheilte. (Pfaff.)

1670. Die Pfarrkirche wird erbaut.

1818. Simmringen wird vom Filialverband mit Gau-Rettersheim (BA. Ochsenfurt) getrennt und der Pfarrei Bernsfelden einverleibt,

1823 zur Pfarrei erhoben und erhält

1837 den ersten eigenen definitiven Pfarrer.

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