Beschreibung des Oberamts Nagold/Kapitel B 13

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 12 Beschreibung des Oberamts Nagold Kapitel B 14 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Enzthal,
Gemeinde III. Kl. mit 530 Einw., worunter 1 Kath., bestehend aus: a. Gompelscheuer, b. Hetschelhof, c. Kaltenbach, d. Lappach, e. Mittel-Enzthal, f. Petersmühle, g. Poppel-Seehaus, h. Poppelthal, i. Rohrbach, k. Süßbächle, l. Zwickgabel. – Die evang. Einw. gehören zu der ständigen Pfarrverweserei Enzklösterle; die Kath. sind nach Heiligenbronn O.A. Horb eingepfarrt.


Die Parcellen, aus denen die Gemeinde besteht, liegen weitläufig in einer Ausdehnung von 11/2 Stunden im nordwestlichsten Theil des Bezirks in dem Enzthale und theilweise in den Seitenthälern desselben. Die Entfernung von der südöstlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 61/4–7 Stunden.

Enzthal gehörte früher zur Gemeinde Simmersfeld und ist erst im Jahr 1839 zur selbstständigen Gemeinde erhoben worden; im Jahr 1849 wurde es auch in kirchlicher Beziehung von Simmersfeld getrennt und der neu errichteten ständigen Pfarrverweserei Enzklösterle zugewiesen.

Das Schulhaus wurde erst im Jahr 1834 in Gompelscheuer erbaut; es enthält ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters.

Der Schultheiß hat seinen Sitz in Lappach.

Im Allgemeinen haben die einzelnen Parcellen eine abgeschiedene Lage in den engen, mit Wiesen kultivirten Thalebenen der Enz, des Kaltenbachs und des Süßenbächles. Die Thaler selbst sind tief eingeschnitten und die hohen steil aufsteigenden Thalwände durchaus mit Nadelwald bestockt. Frisches Trinkwasser ist allenthalben hinreichend vorhanden, | und überdieß liegen die Parcellen zunächst an den angeführten frischen Gebirgsgewässern. Das Fischrecht in den die Markung berührenden Gewässern hat der Staat, der es an Ortsbürger verpachtet.

Die klimatischen Verhältnisse sind ungünstig, und wohl die rauhsten des Bezirks; der Winter beginnt sehr frühe und dauert länger als in den übrigen Gegenden des Oberamtsbezirks, daher auch das Obst nicht mehr gedeiht und sich der Feldbau auf Roggen, Haber und Kartoffeln beschränkt.

Der im Allgemeinen wenig fruchtbare Boden besteht aus den Verwitterungen des bunten Sandsteins. In den Thalebenen haben sich Alluvialböden abgelagert, die den Wiesenbau begünstigen, der den wichtigsten Zweig des im Allgemeinen ganz unbedeutenden landwirthschaftlichen Betriebs bildet.

Die Wiesen können größtentheils bewässert werden, und ertragen 20 Centner Heu und 10 Centner Öhmd pr. Morgen. Der Ackerbau ist von keinem Belang und wird willkürlich nur mit der Hacke betrieben. Die Felderzeugnisse reichen weit nicht zur Befriedigung der Einwohner hin, so daß noch die meisten Getreidefrüchte von Außen aufgekauft werden müssen. Was die Güterpreise betrifft, so bewegen sich die der Äcker von 150–400 fl. und die der Wiesen von 200–600 fl. pr. Morgen.

Die Rindviehzucht, welche sich mit einer tüchtigen Landrace beschäftigt, ist in gutem Zustande und wird durch 2 Farren, die ein Ortsbürger Namens der Gemeinde hält, nachgezüchtet. Handel mit Vieh wird nicht getrieben.

Die Einwohner der verschiedenen Parcellen sind größtentheils Colonisten, welche sich theilweise erst zu Ende des vorigen Jahrhunderts hier angesiedelt haben, und sich vorzugsweise als Holzmacher, durch Floßgeschäfte und andere Waldarbeiten mühesam ihr spärliches Auskommen sichern; ihre Vermögensumstände sind daher minder gut und nicht selten trifft man große Armuth. Im Allgemeinen sind die Leute sehr rührig und durch den vielen Verkehr mit Holzhändlern gewandt im Umgang, zuweilen auch etwas verschmitzt.

Dem Enzthal entlang führt die Landstraße aus dem Murgthal, beziehungsweise von Freudenstadt nach Wildbad, und trägt, neben der bedeutenden auf der Enz getriebenen Flößerei, zur Belebtheit der sonst so abgeschiedenen Gegend bei.

Was die Flößerei im Allgemeinen betrifft, so wird diese auf der Enz und auf den Seitenbächen derselben vom Monat December bis 15. März und vom 11. November 14 Tage lang mit Scheiterholz | aus den Staatswaldungen großartig betrieben; ebenso dauert die Hauptscheiterflößerei im Monat Mai 14 Tage lang. Vom 15. März bis 11. November ist die Floßstraße, mit Ausnahme der 14 Tage im Mai, der Langholzflößerei geöffnet.

Die zur Gemeinde gehörigen Parcellen sind folgende:

a. Gompelscheuer, liegt an der Vereinigung des Poppelbachs mit dem Kaltenbach, welche hier einen weiteren Zufluß aus der im Ort entspringenden Enzquelle erhalten.

Beide Bäche werden im Ort mittelst eines großartigen steinernen Damms zu einem Floßweiher geschwellt, dessen Abfluß alsdann den Namen große Enz führt.

Der Ort besteht aus mehreren einzeln stehenden Wohnungen, worunter auch eine Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, eine Sägmühle, die Wohnung von 2 königl. Waldschützen und das schon oben angeführte Schulhaus.

Die Freudenstadt-Wildbader Landstraße führt durch den Ort und überdieß ist eine Vicinalstraße nach Oberweiler, beziehungsweise nach Calw angelegt.

b. Hetschelhof, Haus, auf der rechten Seite der Enz nahe bei Enzklösterle gelegen. Der Hof gehörte früher zur Meierei des Enzklösterles in das Amt Wildbad (s. Landbuch von 1624 S. 224).

c. Kaltenbach, Hof, hat eine ganz abgeschiedene Lage, im Kaltenbachthale, 1/4 Stunde westlich von Gompelscheuer.

d. Lappach, ein Hof, der an der Einmündung des Lappbachs in die Enz, zunächst bei Enzklösterle liegt. Im Ort befindet sich eine Sägmühle, auch wohnt daselbst ein königl. Waldschütz. Die von Simmersfeld herkommende Vicinalstraße führt hier in die Freudenstadt-Wildbader Landstraße.

e. Mittel-Enzthal, ein oberhalb Enzklösterle gelegener Hof, der aus mehreren einzeln stehenden Häusern besteht, welche sich weitläufig zerstreut an der Freudenstadt-Wildbader Landstraße lagern oder in geringer Entfernung von derselben hingebaut sind.

Die Mehrzahl der Häuser ist erst in der 2ten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Colonisten erbaut worden, welche sich hier angesiedelt haben.

f. Petersmühle, Hof, zwischen Gompelscheuer und Mittel-Enzthal auf der rechten Seite der Enz gelegen.

g. Poppel-Seehaus, Haus, wird von dem herrschaftl. Seeknecht bewohnt und liegt an dem Poppelbach, oder streng genommen an der Enz, die 1/4 Stunde südöstlich von Poppel-Seehaus im sogenannten | Wulzenteich entspringt, aber erst weiter unten den Namen Enz erhält. Der Bach wird hier zu einem großen Floßweiher (der große See genannt) geschwellt.

h. Poppelthal, Hof, am Einfluß des Laubachs in den Poppelbach gelegen; letzterer wird im Ort zu 2 Floßweihern geschwellt. Durch den Ort führt die Landstraße von Freudenstadt nach Wildbad.

i. Rohrbach, Hof, liegt unfern der Einmündung des Rohrbachs in die Enz.

k. Süßbächle, Hof, 1/8 Stunde westlich von Rohrbach an der Vereinigung des Rohrbachs mit dem Süßenbächle gelegen.

l. Zwickgabel, ein einzelnes Haus, das ganz abgelegen an der Landesgrenze im Thale des Süßenbächles liegt.

Enzthal gehörte zur Herrschaft Altensteig, mit welcher es 1603 an Württemberg gelangte.


« Kapitel B 12 Beschreibung des Oberamts Nagold Kapitel B 14 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).