Beschreibung des Oberamts Oberndorf/Kapitel B 14

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Hochmössingen,
Gemeinde III. Kl. mit 650 Einw., wor. 12 Ev. – Kath. Pfarrei; die Ev. sind nach Fluorn eingepfarrt. 1 Stunde nordwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.


Auf einer der höchsten Stellen der westlich vom Neckarthal sich erhebenden Hochebene liegt der schöne, sehr freundliche Ort, von Baumwiesen umgeben und von großen Eschen, Eichen und Lindenbäumen angenehm unterbrochen. Seine meist stattlichen Bauernhäuser, schon die Nähe des Schwarzwaldes verrathend, sind oft auf der Wetterseite verschindelt, zum Theil mit Schindel- oder Strohdächern versehen und stehen ziemlich regelmäßig an den breiten, wohlgehaltenen chaussirten Straßen. Der Ort wurde mehreremal durch Feuersbrünste heimgesucht; im Jahr 1808 brannten den 17. März 13, und im Jahr 1835 den 4. Juli 22 Gebäude ab. Bei der hohen Lage des Ortes und der Markung genießt man fast überall herrliche Fernsichten.

Die große, dem h. Ottmar geweihte, auf der höchsten Stelle des Orts gelegene Kirche wurde 1841–42 von Bauinspektor Klein in anziehendem modernem Rundbogenstile aus Buntsandstein erbaut. Die Mittel gaben die Stiftungspflege und der Fürst von Fürstenberg, letzterer als Zehentherr der Markung 2600 fl. Der jetzt gelbgetünchte hohe Thurm steht im Osten der rechteckigen Kirche, ist mit einem Satteldache bekrönt und stammt noch von der früheren Kirche her. Im ersten Geschosse hat er gegen Osten ein schönes gefülltes Spitzbogenfenster aus der mittleren gothischen Zeit und im dritten Stock Schallfenster mit spätgothischen Füllungen. Das Innere bildet einen einfachen freundlichen, flach gedeckten Betsaal, an den ein rechteckiger Chor mit großem rundem Chorbogen stößt. Die drei Altäre sind in schlichtem Zopfstile gehalten und die Kirchenwände mit den Stationen geschmückt. Von den drei Glocken hat die größte die Umschrift in gothischen Minuskeln: me resonante pia populi memento[1] maria. 1497 jar. Die zweite auch in gothischen Minuskeln: ave. lucas. marcus. matheus. iohan. o. rex. gle. [glorie] criste. veni. cum. pace. a. d. 1436. Auf der dritten steht ebenfalls in gothischen Minuskeln: ihs. maria. hilf. uns. us. noeten. Die Unterhaltung der Kirche hat die Stiftungspflege. Die frühere romanische Kirche, ein einfaches Rechteck, woran der noch jetzt stehende Thurm stieß, war von einem sehr festen Friedhof im Viereck umschlossen, dessen Mauern bei 6′ Dicke 20′ Höhe hatten; rings umher lief ein Mauergang mit Brustwehr und an den| vier Seiten gingen eingemauerte Treppen hinauf; an drei Ecken standen Rondele mit Schießscharten. Das Viereck hatte nur einen engen Eingang und war von einem Graben umgeben; von den Mauern erhielten sich spärliche Reste; 1840 wurde der mit Pappeln umpflanzte Kirchhof bedeutend vergrößert. Von dem Thurme, an dessen Stelle vermuthlich schon zur Römerzeit ein Wartthurm stand, hat man eine große Fernsicht an den Schwarzwald und die ganze Alb; außerordentlich schön stellt sich von hier aus der Hohenzollern dar. Ein unterirdischer, in den Lettenkohlensandstein gehauener Gang soll von der Kirche, wo eine Burg stand, bis zur Wette geführt haben, bei der man noch deutliche Spuren desselben wahrnimmt.

Am nördlichen Ende des Dorfes steht im Schatten herrlichgroßer Lindenbäume die freundliche geräumige St. Agatha-Kapelle, gestiftet 1480, 1634 zerstört; sie trägt ein zierlich verschindeltes Thürmchen auf dem Firste, über der Thüre die Jahreszahl ihrer Wiedererbauung 1697, und hat innen eine hübsche flache Holzdecke. Die im Süden der Kapelle stehende Linde ist uralt, ganz hohl und von den Stürmen halb zerschlagen; ein Thürchen und ein Fenster ist hineingesägt worden und man kann in ihrem Innern bis in die hohlen Äste hoch hinaufblicken, durch deren offene Enden das Tageslicht hereinbricht; ein wundersamer Anblick. Der Baum ist eine Sommerlinde, 2′ über dem Boden 31′ im Umfange haltend, 60′ hoch und grünt noch immer freudig.

An der westlichen Grenze der Markung steht eine dem h. Anton geweihte Feldkapelle, die Hochfelder, auch die Fluorner Kapelle genannt, weil eine Bäuerin aus Fluorn sie einst erbauen ließ; auf einem Steine links des Eingangs ist die Jahreszahl 1517 angebracht.

Das schöne zweistockige, ganz von Stein erbaute Pfarrhaus wurde 1836 auf Kosten der Fürst von Fürstenbergischen Domänenkanzlei erbaut, und die Gemeinde hat es fernerhin zu unterhalten.

Schul- und Rathhaus sind vereinigt in einem stattlichen, ebenfalls 1836 an der Stelle der ehemaligen, dem Kloster Wittichen gehörigen Schaffnerei neu erbauten Gebäude, das neben den Gelassen für den Gemeinderath 2 Lehrzimmer, die Wohnung des Schulmeisters und des Lehrgehilfen enthält.

Ein Armen-, ein Schaf- und ein Farrenhaus sind vorhanden.

Mittelgutes Trinkwasser liefern nicht immer hinreichend 19 Pump-, 27 Zieh- und 2 Schöpfbrunnen; bei eintretendem Wassermangel muß Trink- und Kochwasser von Fluorn oder Winzeln (eine Stunde entfernt) geholt werden. Auf der ganzen Markung trifft man keine eigentlichen| Quellen, was in der hohen Lage und in der gänzlichen Zerklüftung und Durchhöhlung des Muschelkalks seinen Grund hat; 1/4 Stunde vom Ort sind 2 kleine Weiher angelegt und im Orte selbst 3 Wetten, wovon 2 als Viehbrunnen benützt werden. Erdfälle sind sehr viele auf der Markung vorhanden; in der Zelge gegen Marschalkenzimmern kommt schon 1685 die tiefe Grube vor.

Die Staatsstraße von Oberndorf nach Freudenstadt berührt den südlichen Theil der Markung; Vicinalstraßen gehen von hier nach Beffendorf, Fluorn, Marschalkenzimmern, Weiden und Römlinsdorf.

Die Einwohner sind stark und kräftig gebaut und erreichen nicht selten ein hohes Alter; gegenwärtig zählt hier ein Mann über 80 und einer über 90 Jahre. Der Charakter der Leute ist löblich; sie sind fleißig, sparsam und geordnet; ihre kleidsame Volkstracht verschwindet leider mehr und mehr.

Haupterwerbsquellen sind Feldbau und Viehzucht; die Gewerbe werden nur für das örtliche Bedürfniß getrieben; Schuster, Schneider und Schmiede sind am meisten vertreten; 3 Schildwirthschaften, wovon 2 mit Bierbrauereien verbunden, 1 Kauf- und 1 Kramladen bestehen.

Die Vermögensverhältnisse sind im allgemeinen gut; der begütertste Bürger besitzt 108 Morgen Feld und 32 Morgen Wald; der Mittelmann 27 Morgen Feld und 21/2 Morgen Wald; die ärmere Klasse gegen 5 Morgen Feld. Auf angrenzenden Markungen besitzen hiesige Bürger 205 Morgen Feld, darunter 180 Morgen auf Oberndorfer Markung.

Die ziemlich große, wohl arrondirte Markung hat eine hohe wellige Lage und einen größtentheils fruchtbaren Boden, der theils aus Lehm, theils aus leichtem Sand (Zersetzung des Lettenkohlensandsteins) besteht; an etwas tiefer gelegenen Stellen tritt häufig ein sog. Malmboden (Verwitterung des Muschelkalkdolomits) auf. Der Boden begünstigt hauptsächlich den Dinkel- und Haberbau, während die übrigen Cerealien weniger gut gedeihen.

Auf der Markung bestehen zwei Lettenkohlensandsteinbrüche, die gute Werksteine liefern, auch wurde früher im westlichen Markungstheil Grunderz gegraben und in die Schmelzwerke im Christophsthal gebracht.

Wegen der hohen freien Lage ist der Ort heftigen Winden sehr ausgesetzt, überhaupt das Klima ziemlich rauh und die Nächte sind auch den Sommer über kühl, zuweilen kalt. Schädliche Frühlingsfröste kommen häufig vor, dagegen ist Hagelschlag selten.

| Die Landwirthschaft wird sehr gut betrieben und landwirthschaftliche Neuerungen, wie die Anwendung verbesserter Ackergeräthe (Hohenheimer Pflug, eiserne Egge, Walze, Repssäemaschine, Dreschmaschine) haben Eingang gefunden; auch sind die Düngerstätten zweckmäßig angelegt und der Boden wird durch die gewöhnlichen Düngungsmittel, namentlich durch die fleißig gesammelte Jauche, Kompost, Gips, Hallerde, Asche etc. kräftig unterstützt.

Außer den Getreidearten baut man Kartoffeln, sehr viel Futterkräuter (dreiblätterigen Klee, Luzerne, Esparsette, Wicken) wegen der beträchtlichen Viehzucht, ferner Ackerbohnen, Reps, etwas Mohn, Flachs und Hanf; die Handelsgewächse jedoch meist nur für den eigenen Bedarf. Früher, schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts, wurde der Flachsbau sehr stark betrieben und das Pfund Flachs zu 20 kr. verkauft. Von den Getreidefrüchten können jährlich ungefähr 1500 Scheffel Dinkel, 700 Scheffel Haber, 50 Scheffel Gerste und 80 Scheffel Weizen nach außen verkauft werden.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und liefert im allgemeinen reichlich gutes Futter; von den meist zweimähdigen Wiesen können nur 28 Morgen bewässert werden.

Mit großem Fleiße wird die stets im Zunehmen begriffene Obstzucht betrieben, deren Ertrag jedoch von den im Frühjahr häufig eintretenden Frösten abhängt; man pflanzt vorzugsweise Winteräpfel, Kernäpfel, Knausbirnen, Langstielerbirnen, Bratbirnen und etwas Zwetschgen. Eine Gemeindebaumschule und einige Privatbaumschulen sind angelegt; auch hat die Gemeinde einen in Hohenheim gebildeten Baumwart aufgestellt. Das Obst wird im Ort verbraucht und zuweilen noch zugekauft.

Neben 300 Morgen Privatwaldungen sind 182 Morgen Gemeindewaldungen vorhanden, welche durchschnittlich jährlich 57 Klafter und 5000 St. Wellen ertragen; von dem Holzertrag erhält jeder Bürger alle 2–3 Jahre 1/2 Klafter und 50 Stück Wellen, während das Langholz verkauft wird und der Erlös, jährlich etwa 500 fl., in die Gemeindekasse fließt.

An Weiden besitzt die Gemeinde 11 Morgen, die nebst der Brach- und Stoppelweide an einen fremden Schäfer um 950 fl. jährlich verpachtet werden; der jährliche Pfercherlös trägt überdieß der Gemeinde 250 fl. ein.

Die 300 Morgen umfassenden Allmanden sind an die Ortsbürger vertheilt, wofür jeder 4 fl. zu entrichten hat, was der Gemeinde eine jährliche Rente von 409 fl. sichert. Von den vorhandenen Gemeindegütern| wird die Unterhaltung der Zuchtstiere bestritten und überdieß eine jährliche Einnahme von etwa 60 fl. erzielt.

Die Pferdezucht ist in Vergleichung mit den andern Bezirksorten gut und im Zunehmen begriffen; man züchtet vorzugsweise die Luxemburger und die deutsche Race und die Stuten werden beinahe alle auf die Beschälplatte in Waldmössingen zur Bedeckung gebracht; eine kleine Privatfohlenweide ist vorhanden. Gegenwärtig sind 52 Pferde im Ort.

In besonders gutem Zustande ist die Rindviehzucht, die sich hauptsächlich mit der Simmenthaler Race, von der auch 4 Zuchtstiere aufgestellt sind, beschäftigt. Der Handel mit Vieh in die Umgegend und in das Breisgau ist bedeutend; Mastvieh wird in mäßiger Ausdehnung nach Frankreich abgesetzt. Im Spätjahr findet noch Viehaustrieb statt.

Was die Schafzucht betrifft, so läßt ein fremder Schäfer im Vorsommer 200 St., im Nachsommer 300 St. deutsche Schafe auf der Markung laufen; überwintert werden 20 St. Die Wolle wird meist nach Kirchheim abgesetzt und der Abstoß der Schafe geht nach Paris.

Schweinezucht besteht nicht und sämtliche Ferkel, wie auch ältere Schweine, werden von außen eingeführt und hiefür namhafte Summen ausgelegt. Die Schweine werden größtentheils für den eigenen Bedarf, weniger zum Verkauf aufgemästet. Früher wurde die Schweinezucht stark betrieben, aber durch die kargen Jahre 1816 und 1817 unterdrückt und dieser einträglichen Zucht ein Ende gemacht.

Die Geflügelzucht wird für den eigenen Bedarf und die Bienenzucht in unbedeutender Ausdehnung mit wenig Glück betrieben.

Fischerei besteht nicht, dagegen kommen in den 2 Seen Blutegel vor, deren Gewinnung verpachtet wird.

An Stiftungen sind vorhanden: 1) die Kirchenstiftung mit 8100 fl. zur Anschaffung gottesdienstlicher Bedürfnisse und zur Bestreitung der Kirchenbaukosten. 2) Die Armenstiftung mit 1000 fl. zur Unterstützung armer und kranker Personen, wie auch zu Lehrgelder armer Waisen. 3) Die Schulstiftung mit 150 fl. zur Vermehrung der Schulbibliothek und des Schulapparates.

An Alterthümern sind bis jetzt bekannt geworden: zwei Römerstraßen, die eine, von Waldmössingen herkommend, lief am östlichen Ende des Ortes vorüber gegen Weiden; von ihr geht 3/4 Stunden südwestlich vom Ort eine Römerstraße ab, die an der westlichen Markungsgrenze hinzieht und ihren Zug gegen Dornhan fortsetzt.

| An der Stelle der jetzigen Kirche soll eine Burg gestanden sein; man stößt daselbst noch auf Mauerreste und Gebäudeschutt.

Bei Abgrabung eines Platzes unfern der Agathenkapelle wurden 1842 menschliche Skelette und ein Schwert aufgefunden.

H. kommt, als Homessingen, erstmals vor um 1099 unter den Widemsgütern des Kl. Alpirsbach (Wirtemb. Urk.-Buch 1, 315). Es hatte seinen eigenen Adel, von dem um 1126 Gundeloch von Homessingen in einer Urkunde des genannten Klosters und am 18. Dec. 1278 der Ritter Ortwin als Zeuge Graf Hermanns von Sulz erscheint.

Der Ort gehörte zur Herrschaft Zimmern und wurde 1495 von Gottfried von Zimmern nebst Winzeln und mehreren anderen benachbarten Besitzungen an die Stadt Rottweil auf Wiederlosung verkauft (Ruckgaber, Gr. v. Zimmern 153). Die Einlösung fand statt, und erst 1535 durch Verkauf Gottfried Werners von Zimmern (Zimmerische Chronik 3, 181[WS 1], Ruckgaber, Zimmern 194) kam er gleich wie Winzeln dauernd an Rottweil. Ein hiesiges Hofgut hatte schon 1303 Werner von Zimmern, sich den Kirchensatz und eine Hofstatt vorbehaltend, veräußert an Konrad Rieger von Oberndorf und dessen Bruders Albrechts Wittwe, Veronica Junta nebst ihrem Sohne Burkhard. Letzterer schenkte ihn 1344 an das Kloster Alpirsbach. (Crusius Annal. Suev. 3, 195. 244; 1344 wird Burkhard „von Hutneck“ genannt.)

Den hiesigen Kirchensatz samt dem großen und kleinen Zehenten gab Kunigund von Zimmern, Gemahlin des 1441 gestorbenen Johannes von Zimmern, mit dessen Bewilligung an das Kl. Wittichen zu einem Jahrtag (Zimmerische Chronik 1, 243[WS 2]). Dieses Kloster ertauschte noch 1723 hiesige Gefälle von dem Kloster Alpirsbach und hatte allhier eine Schaffnerei.

Mit Wittichen gingen 1802 Pfarrsatz, Groß- und Kleinzehente an den Fürsten von Fürstenberg über, welchem auch h. z. T. das Kirchenpatronat zusteht. Früher bestund hier eine fürstlich Fürstenbergische Verwaltung, welcher ca. 20 Orte des aufgehobenen Klosters Wittichen zugeordnet waren.

Im J. 1810 kaufte die Gemeinde von der Fürstenbergischen Regierung um 8500 fl. die Schaffnereigebäude nebst dem beträchtlichen Schaffnereigut, welch letzteres wieder stückweise an die Bürger veräußert wurde. Auch den Kleinzehenten kaufte sie von Fürstenberg. Württemberg hatte nur einen unbedeutenden Novalzehenten von Allmanden.| Als die Grafen von Hohenberg in der Gegend blühten, haben auch sie Zehentantheile gehabt (Schmid, Mon. Hohenb. 917).

In einem Streit über die Ausdehnung der Pürschgerechtigkeit mit der Stadt Rottweil verbrannte Christoph von Landenberg (Besitzer von Schramberg) am 12. Juli 1540 H. und Winzeln. (Ruckgaber, Rottweil 2 b, 203, Mone, Quellensamml. 2, 109.) An Württemberg kam der Ort 1802 mit Rottweil.


  1. Statt des sonst gewöhnlichen, allein in das Metrum passenden memor esto.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmerische Chronik 3, 103.
  2. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmerische Chronik 1, 255.
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